Ein Forscherteam der Universität Homburg analysierte die Versorgung in Deutschland und empfiehlt, Strategien zu entwickeln, um Defizite an Vitamin D besser zu vermeiden.

 

Defizite an Vitamin D sind weltweit sehr verbreitet. Ein Forscherteam der Universität Homburg analysierte die Versorgung in Deutschland und empfiehlt, Strategien zu entwickeln, um Defizite an Vitamin D besser zu vermeiden.

 

Vitamin D hat im Körper sehr viele Funktionen, und es werden noch immer neue Aufgaben entdeckt. Neben der bekannten Schlüsselrolle im Kalzium-Haushalt und bei der Knochen- und Muskel-Gesundheit ist Vitamin D für viele andere Prozesse im Stoffwechsel, im Immun- und Hormonsystem sowie für den Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianes System) wichtig. Langfristig können Defizite z.B. zu Herz-Kreislauf- und Krebs-Krankheiten sowie zu Störungen im Immunsystem beitragen. Vitamin D wird überwiegend über die Sonneneinwirkung auf die Haut gebildet. Die Aufnahme aus der Ernährung ist vergleichsweise gering. Vitamin D kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln vor, z.B. in fettreichen Fischen, in der Leber und im Lebertran, in Eiern und Milchprodukten.

 

Pflanzliche Lebensmittel enthalten mit Ausnahme von Pilzen nur wenig Vitamin D, das außerdem in seiner Form weniger wirksam ist. Für Deutschland empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. eine tägliche Zufuhr von 400 I.E. (10 µg) Vitamin D aus der täglichen Ernährung für Säuglinge. Für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, schwangere und stillende Frauen sind 800 I.E. (20 µg) pro Tag angesetzt. Vor allem in den sonnenärmeren Herbst- und Wintermonaten sollten regelmäßig an Vitamin D reiche Lebensmittel verzehrt und auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden.

 

Allgemein ist die Versorgung mit Vitamin D in Deutschland gut untersucht. Rund 63 % der Kinder und Jugendlichen (1 bis 17 Jahre) und rund 57 % der Erwachsenen (18 bis 79 Jahre) haben Serumspiegel von Vitamin D unter dem wünschenswerten Ziel von mindestens 50 nmol/L. 2008 zeigte eine Untersuchung bei rund 4.000 Personen, dass rund 45 % der Männer und rund 55 % der Frauen Vitamin D fehlte. In den sonnenarmen Monaten zwischen November und April waren rund 68 % der Männer und 61% der Frauen mit Vitamin D nicht ausreichend versorgt. Eine neuere Auswertung bei Erwachsenen zeigte, dass 25 % der Männer und Frauen von November bis April zu geringe Vitamin D-Spiegel (<30 nmol/L) hatten. Besonders betroffen sind davon ältere Menschen, weil sie weniger Vitamin D über die Haut bilden und sich oft weniger in der Sonne aufhalten. Auch Bewohnern von Pflegeheimen und Menschen mit dunklerer Hautfarbe fehlt Vitamin D häufiger.

 

Viele Gruppen in der Bevölkerung haben ein erhöhtes Risiko für Vitamin D-Defizite oder einen Mehrbedarf. Dazu gehören z.B. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich zu wenig in der Sonne aufhalten oder eine dunklere Haut haben, ältere Menschen ab 50 Jahren sowie schwangere und stillende Frauen. Auch einige Krankheiten und bestimmte Medikamente können zu einer schlechteren Versorgung mit Vitamin D beitragen. Stärkere Defizite sollten durch die gezielte Ergänzung von Vitamin D behoben werden. Das geschieht meist für einige Wochen mit hoch dosiertem Vitamin D, danach geht man zu einer Erhaltungstherapie mit einer geringeren Dosis über. Die Vitamin D-Werte sollten bei einer solchen Therapie kontrolliert werden, um die Dosierung individuell anzupassen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die häufigen Defizite an Vitamin D in Deutschland zeigen, dass es wichtig ist, Strategien für eine verbesserte Versorgung zu entwickeln. Dabei gilt es. eine individuelle Balance zwischen der Aufnahme von Vitamin D über die Haut, dem Verzehr von Vitamin D-reichen Lebensmitteln und gegebenenfalls mit Ergänzungen von Vitamin D zu erreichen. Für die meisten Menschen in Deutschland ist zu empfehlen, sich zwei- bis dreimal pro Woche im Frühjahr, Sommer und Herbst zwischen 10 und 15 Uhr etwa 5 bis 30 Minuten (je nach Tages- und Jahreszeit, Breitengrad und Hautpigmentierung) in der Sonne aufzuhalten. Dabei sollten etwa 20 bis 25 % des Körpers, z.B. Arme und Beine, frei sein. So wird die Balance zwischen den gesundheitlichen Vorteilen der Sonnenwirkung auf die Haut und dem minimal erhöhten Hautkrebs-Risiko gewährleistet.

 

Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten ist es wichtig, sich regelmäßig vitaminreich zu ernähren und besonders auf die Aufnahme von Vitamin D zu achten. Menschen mit Risikofaktoren für Vitamin D-Defizite sowie bei einem früher aufgetretenen Mangel an Vitamin D, bei Osteoporose und Osteomalazie, dunkler Hautpigmentierung (ab Hauttyp III) oder einer allgemein ungesunden Lebensweise sollten ihre Versorgung mit Vitamin D kontrollieren lassen und gegebenenfalls Vitamin D nach therapeutischer Empfehlung ergänzen.

 

Unser Tipp: Vitamin D ist in vielen Nahrungsergänzungen enthalten. Einzeln wird es u.a. in emulgierter bzw. flüssiger Form angeboten, die gut dosierbar und sehr gut bioverfügbar ist. Auf eine gute Qualität (z.B. ohne Konservierungsstoffe) sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Roman Saternus et al., A Critical Appraisal of Strategies to Optimize Vitamin D Status in Germany, a Population with a Western Diet. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 6.11.2019, doi: 10.3390/nu11112682..