lle vier Jahre stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. ihren Ernährungsbericht vor. Er zeigt die aktuelle Situation mit neuen Trends in der Ernährung der Deutschen auf, mit guten und weniger guten Nachrichten.

 

Alle vier Jahre stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. ihren Ernährungsbericht vor. Er zeigt die aktuelle Situation mit neuen Trends in der Ernährung der Deutschen auf, mit guten und weniger guten Nachrichten.

 

Zu den positiven Entwicklungen gehört, dass mehr Gemüse gegessen wird sowie mehr Mineralwässer und Tees aller Arten getrunken werden. Es wird weniger Schweinefleisch verzehrt, auch Alkohol, vor allem Bier, wird weniger getrunken. Trotz solch positiver Veränderungen werden die Menschen in Deutschland immer dicker. In den Altersgruppen von 18 bis zu 65 Jahren sind rund 60 % der Männer und rund 37 % der Frauen davon betroffen, zunehmend mit dem höheren Alter. Der Weg zu einer generell gesünderen Ernährung ist in Deutschland daher immer noch weit.

 

Beim Fleisch verlagerte sich der Verzehr auf mehr Rind-, Kalbs- und Geflügelfleisch, Schweinefleisch wird seltener gegessen. Doch mit im Durchschnitt knapp 60 kg Fleisch pro Person und Jahr bleibt der Verzehr nahezu unverändert und weiter zu hoch. Erhöht hat sich der Verbrauch an Gemüse. Mehr gegessen werden vor allem Tomaten, Möhren, rote Rüben und Zwiebelgemüse sowie etwas mehr Hülsenfrüchte. Beim Obst sank dagegen der Verzehr. Äpfel, Birnen, Weintrauben und Apfelsinen wurden weniger gegessen. Leicht gestiegen ist z.B. nur der Verbrauch an Beerenobst und Bananen. Der Ernährungsbericht hebt hervor, dass eine pflanzenbetonte Ernährung die Gesundheit fördert und klimafreundlich ist. Sie liefert bei einem relativ geringen Energiegehalt wichtige Ballast- und Mikronährstoffe, darunter viele sekundäre Pflanzenstoffe. Pflanzliche Lebensmittel sollten daher häufiger als bisher gegessen werden. Kritisch merken die Forscher vor allem an, dass der Verzehr von frischen Kartoffeln und Getreidewaren gesunken ist.

 

Bei den Getränken stieg der Verbrauch an Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees. Geringer getrunken wurden zuckerhaltige Erfrischungsgetränken und Säfte sowie alkoholische Getränke wie Sekt, Spirituosen und Bier. Gesunken ist auch der Verbrauch von Milch, gestiegen dafür der Verzehr von Käse, der eher in geringeren Mengen gegessen werden sollte. Beim Übergewicht und der Adipositas (BMI ab 30) gab es zur vorherigen Untersuchung kaum Unterschiede. Bei schwangeren Frauen hat sich die Situation sogar deutlich verschlechtert. 2017 waren 40 % der Schwangeren bei der Erstuntersuchung übergewichtig, vier Jahre zuvor waren es 34 %. Ein starkes Übergewicht ist mit einem höheren Risiko für den Schwangerschafts-Diabetes sowie mit Bluthochdruck und Präeklampsie (Schwangerschafts-Bluthochdruck) verbunden. Bei den Kindern erhöht sich das Geburtsgewicht, außerdem steigt ihr Risiko für späteres Übergewicht.

 

Bisher oft umstritten ist, ob eine vegetarische oder gar vegane Ernährung für Kinder zu empfehlen ist. Dazu gibt es bisher nur wenig Untersuchungen. In der neuen, allerdings nicht repräsentativen VeChi-Youth-Studie waren 401 Kinder in Deutschland im Alter von 6 bis zu 18 Jahren einbezogen, die sich jeweils etwa zu einem Drittel vegetarisch, vegan und mit der Mischkost ernährten. Alle führten zwei Jahre lang ein Ernährungstagebuch, außerdem wurden ihr Blut und Urin regelmäßig untersucht. In den verschiedenen Altersgruppen zeigten sich im Vergleich zu Kindern mit Mischkost kaum Unterschiede in Körpergrößen und -gewicht sowie bei der Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen. Vegetarisch und vegan ernährte Kinder aßen mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse. Vegan ernährte Kinder aßen außerdem weniger Fertignahrungsmittel. Mit Vitamin B12, das Vegetariern und Veganern häufig fehlt, waren die Kinder und Jugendlichen gut versorgt, auf die notwendige Ergänzung wurde geachtet. Sie waren jedoch signifikant geringer mit Eisen versorgt. Gleich bei welcher Kost, vielen Kindern und Jugendlichen fehlte es an Vitamin B2, Kalzium, Jod und Vitamin D. Die Forscher empfahlen, die Ernährung bei allen drei Ernährungsweisen darauf auszurichten, z.B. jodiertes Salz und mehr kalziumreiche Lebensmittel zu verwenden.

 

Bei Vitamin D könnte eventuell eine Ergänzung notwendig sein, da es aus der Nahrung nur in geringen Mengen (ca. 10 bis 20 %) aufgenommen wird. Das gilt besonders in den Wintermonaten, wenn die Bildung von Vitamin D über die Sonneneinwirkung auf die Haut verringert ist. Die Versorgung mit Vitamin D untersuchten die Forscher darüber hinaus durch die Auswertung von 73 Reviews, dabei wurde speziell auf die Wirkung von Vitamin D auf Krankheiten geachtet. Die Analysen ergaben, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D zum Schutz vor akuten Atemwegserkrankungen beitragen und sich positiv auf die Therapie von Asthma und COPD auswirken kann. Neuere Studien zu Covid-19 waren in dieser Auswertung noch nicht einbezogen. Auch hier gibt es inzwischen Hinweise, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D zum Schutz beitragen kann.

 

Die Autoren des Ernährungsberichts fassen die Ergebnisse zusammen: Generell ist der seit Jahren positive Trend beim Gemüseverbrauch erfreulich. Leider geht aber der Obstverzehr seit etwa 2010 zurück. Auch der rückläufige Konsum von Getreidewaren ist unter gesundheitlichen Aspekten negativ zu bewerten und sollte in einen positiven Trend umgekehrt werden. Der Fokus sollte vor allem auf dem Verzehr von Vollkornprodukten liegen, sie sind eine wichtige Quelle für Ballaststoffe. Weiter steht der steigende Verbrauch an Käse, Rind-, Kalb- und Geflügelfleisch nicht im Einklang mit dem Ziel einer pflanzenbetonten Ernährung. Tierische Lebensmittel sind zwar eine wertvolle Ergänzung der Ernährung und erleichtern eine bedarfsdeckende Versorgung mit Nährstoffen. Sie sind jedoch oft fettreich und liefern vor allem gesättigte Fettsäuren, daher sollte ihr Verzehr auf kleine Mengen beschränkt werden. Dies könnte unerwünschte Folgen für die Gesundheit und das Klima verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Verbrauch von Gemüse, einschließlich von Hülsenfrüchten, Obst, Getreide, Kartoffeln und Nüssen, deutlich steigen und der Verbrauch von tierischen Lebensmitteln stark sinken.

 

Unser Tipp: Vitamin D und andere fehlende Mikronährstoffe können bei Bedarf ergänzt werden. Empfehlenswert sind gut bioverfügbare Formen. Die Auswahl und Dosierung von Mikronährstoffen sollte am besten mit Ernährungsfachleuten und Therapeuten abgestimmt werden.

 

Quellen
Was isst Deutschland? Aktuelle Trends im Lebensmittelverbrauch im 14. DGE-Ernährungsbericht, Aktualisierte Presseinformation vom 8.12.2020.