In einer neuen Studie aus Großbritannien zeigte sich jedoch für Veganer, Vegetarier und für Pescatarier ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche an den Hüften. Speziell bei Veganern stieg das Risiko auch für andere Knochenbrüche an.

 

Allgemein gilt die pflanzliche Kost als vorteilhafter für die Gesundheit. In einer neuen Studie aus Großbritannien zeigte sich jedoch für Veganer, Vegetarier und für Pescatarier ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche an den Hüften. Speziell bei Veganern stieg das Risiko auch für andere Knochenbrüche an.

 

Im Rahmen der europäischen EPIC-Studien, in der seit vielen Jahren der Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit untersucht wird, waren in der EPIC-Oxford-Studie von 1993 bis 2001 rund 55.000 Personen aus Großbritannien beteiligt. Sie wurden zu ihrer Ernährung befragt, dies wurde 2010 nochmals wiederholt. 29.400 Teilnehmer ernährten sich mit einer gemischten Kost, einschließlich Fleisch, 8.000 Teilnehmer aßen neben pflanzlichen Lebensmitteln nur Fisch (Pescatarier), 15.500 waren Vegetarier und 2.000 Veganer. Untersucht wurde, wie sich die jeweilige Ernährungsweise auf das Risiko für Knochenbrüche auswirkt. Bei der Analyse wurden die Daten an verschiedene weitere Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Lebensstil, Body Mass Index, Körperbewegung, Rauchen und sozioökonomische Faktoren angepasst. Bei den Frauen wurde auch die Menopause und Einnahme von Hormonen berücksichtigt.

 

Im Lauf der jahrelangen Beobachtungen traten bei den Teilnehmern bis zum Jahr 2016 insgesamt knapp 4.000 Knochenbrüche auf. Ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche zeigte sich u.a. bei einem geringeren Körpergewicht und einer niedrigeren Aufnahme von Proteinen. Bei Veganern trug eine geringere Versorgung mit Kalzium zum erhöhten Knochenbruch-Risiko bei. Die Vegetarier hatten 11 % und Veganer 50 % mehr Knochenbrüche erlitten. Am häufigsten kam es zu Hüftfrakturen, davon waren Vegetarier und am stärksten die Veganer (2,64-fach erhöhtes Risiko) betroffen. Doch auch Pescatarier hatten ein um 33 % erhöhtes Risiko, bei anderen Arten von Knochenbrüchen waren sie nicht stärker gefährdet. Bei Knochenbrüchen an den Armen war das Risiko der Vegetarier um 28 % und bei Veganern sogar um 67 % erhöht. Knochenbrüche an den Beinen erlitten die Veganer doppelt so häufig wie Mischköstler. Veganer hatten außerdem ein um 73 % erhöhtes Risiko für Knochenbrüche am Schlüsselbein, an den Rippen und Wirbeln.

 

Generell sind Vegetarier und Veganer meist schlanker als Mischköstler, und ein normaler BMI (bis 25) gilt als günstig für die Gesundheit. Ein leichtes Übergewicht kann jedoch zum Schutz vor Knochenbrüchen beitragen, weil die etwas höheren Fettpolster Stürze besser abfangen können. Der Verzicht auf Protein in der Ernährung hat ungünstige Folgen für die Muskulatur. Sie besteht zu 20 % aus Proteinen, der Erhalt und die Reparatur des Muskelgewebes hängt von der ausreichenden Proteinaufnahme ab. Vegetarier verzichten mit Fleisch und Veganer dazu auch mit Milchprodukten auf die Versorgung mit wichtigen Proteinen. Eine geringere Muskelqualität könnte die Folge sein, wodurch das Risiko für Stürze und Knochenbrüche steigt. Da Veganer auf alle Milchprodukte verzichten, ist ihr Risiko für von der Kalzium-Versorgung abhängige Krankheiten erhöht. Bei einer mangelnden Kalzium-Zufuhr nutzt der Körper die in den Knochen gespeicherten Vorräte an Kalzium. Dieser Mineralstoff ist jedoch nicht nur für ein gesundes Knochensystem sehr wichtig, sondern wird z.B. auch für viele Enzyme, die Blutgerinnung und die Muskelfunktionen benötigt. Ist die Kalzium-Reserve in den Knochen geringer, sinkt die Verfügbarkeit für den Knochenstoffwechsel, das Risiko für die Entstehung von Osteoporose könnte daher erhöht sein.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Beim Verzicht auf Fleisch, vor allem bei Veganern, war das Risiko für Knochenbrüche deutlich erhöht, das galt besonders für Brüche an den Hüften. Hier war das Risiko im Vergleich zu den Mischköstlern bei den Pescatariern um 26 %, bei Vegetariern um 25 % und am stärksten bei Veganern um das 2,3-fache erhöht. Die Veganer hatten außerdem ein höheres Risiko für Gesamt-, Bein- und andere Knochenbrüche als Mischköstler. Zum Risiko tragen, abgesehen vom Fleischverzicht, auch der Body Mass Index und die Aufnahmen von Kalzium und Proteinen bei. Künftig sollten weitere Studien die Ursachen für das erhöhte Risiko für Knochenbrüche vor allem bei Veganern näher untersuchen.

 

Unser Tipp: Zur Stärkung des Muskel- und des Knochensystems stehen eine ganze Reihe von Mikronährstoffen, einzeln und in gut ausgewählten Kombinationen, zur Verfügung. Dabei sollte auf gut bioverfügbare Formen geachtet werden.

 

Quelle:
Tammy Y.N. Tong et al., Vegetarian and vegan diets and risks of total and site-specific fractures: results from the prospective EPIC-Oxford study. In: BMC Medicine, online 23.11.2020, doi: 10.1186/s12916-020-01815-3.