Bei jedem zweiten Deutschen fehlt es an genügend Kenntnissen über eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

 

Bei jedem zweiten Deutschen fehlt es an genügend Kenntnissen über eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Das zeigte eine repräsentative Studie, die vom AOK-Bundesverband vorgestellt wurde.

 

Das Wissen über die Ernährung setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Dazu gehört z.B., dass man die Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln richtig verstehen kann, dass man weiß, wie man Vorräte am besten lagert und Mahlzeiten bewusst plant. Dazu gehört weiter, dass man sich auch bei geringeren Geldmitteln gesund ernähren kann, z.B. zuckerhaltigen Lebensmitteln widerstehen und die richtigen Snacks für den „kleinen Hunger“ zwischendurch auswählen kann. Laut einer aktuellen Studie der AOK verfügen rund 54 % der Bevölkerung nicht über ausreichende bis zu sehr schlechten Kenntnissen über eine gesunde Ernährung. An der Studie nahmen 2.000 repräsentativ ausgewählte Bürger im Alter von 18 bis zu 69 Jahren teil. Sie beantworteten 29 Fragen zur Ernährung aus acht verschiedenen Bereichen. Hinzu kamen sechs Fragen zu Nährwerten auf einer Fertigpackung mit Eiscreme. Die Forscher wollten dabei prüfen, ob die Teilnehmer die Angaben verstehen konnten. Aus allen Antworten wurde die jeweilige Ernährungskompetenz der Teilnehmer berechnet. Sie wurde je nach Ergebnissen als nicht ausreichend, problematisch, ausreichend oder exzellent eingestuft.

 

Allgemein schnitten die Frauen im Ernährungswissen besser ab als die Männer. 53 % hatten ausreichende Kenntnisse, doch bei 46 % waren sie problematisch, nur bei 1 % inadäquat. Von den Männern waren nur 38 % ausreichend über eine gute Ernährung informiert, bei 58 % waren die Kenntnisse problematisch und bei 3 % inadäquat. Bei den Altersgruppen schnitten besonders die 18- bis 24-Jährigen schlecht ab. Nur rund ein Drittel in dieser Altersgruppe wusste, wie eine gesunde Ernährung sein sollte. Positiv fiel auf, dass die Ernährungskompetenz bei Teilnehmern mit Migrationshintergrund leicht positiv war. Dies könnte daran liegen, dass diese Gruppe häufiger die mediterrane Ernährung befolgt, und es werden öfter viele frische Produkte gekocht. Im Gegensatz dazu greifen viele Menschen in Deutschland, vor allem junge Familien, immer öfter zu Fertigprodukten, die oftmals nicht optimal zusammengesetzt sind. Sie enthalten häufig zu viel Zucker, gesättigte Fette und Salz.

 

Auf die Ernährung wirken sich auch die Bildung und das Einkommen aus. Die Kenntnisse über eine gesunde Ernährung sind in höheren Bildungs- und Einkommensschichten deutlich besser. Eine Folge davon ist, dass z.B. das Risiko für ein überhöhtes Übergewicht (Adipositas) bei Kindern aus benachteiligten Familien um das Vierfache höher ist als in besser gestellten Familien. Informationsangebote der Bundesregierung über die gesunde Ernährung, die sich z.B. speziell an Familien richten, erreichen die Risikogruppen für eine schlechtere Ernährung offenbar nicht.

 

Das alles zeigt, dass man sich für eine bessere Ernährung auf vielerlei Ebenen weiter einsetzen muss. Krankenkassen, Mediziner und Gesundheitsverbände fordern z.B. seit langem die Einschränkung der Werbung für stark zuckerhaltige Lebensmittel und eine Senkung von gesundheitsschädlichen Bestandteilen in Lebensmitteln. Der Anteil von zugesetztem Zucker in Fertiglebensmitteln ist nach wie vor zu hoch. Noch fehlt es auch an einem Stop für den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken in Schulen und eine Schulspeisung, die ausgewogene Gerichte für alle Schüler anbietet. Und nicht zuletzt fehlt immer noch eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln, die in Europa einheitlich ist. Wie diese Studie auch zeigte, fehlt es 72 % der Teilnehmer vor allem an gesunden Vergleichsmöglichkeiten, um z.B. Entscheidungen für gesündere Produkte zu treffen.

 

Quelle:
AOK-Studie Hälfte der Deutschen mit problematischer Ernährungskompetenz, Pressemitteilung des AOK-Bundesverbands vom 16.6.2020.