Zwei Äpfel täglich sind gut fürs Herz

 

Äpfel enthalten reichlich bioaktive Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) und Ballaststoffe, beide haben ein breites Spektrum von gesundheitlichen Wirkungen. Wie eine kleine Studie zeigt, kann der Apfelverzehr die Cholesterinwerte verbessern und damit den Schutz vor Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen.

 

Seit langem und weltweit bekannt ist der englische Spruch: „An apple a day keeps the doctor away“, ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Hinweisen darauf, dass der Verzehr von Äpfeln sich mitsamt den enthaltenen bioaktiven Komponenten, darunter reichlich Polyphenole und Ballaststoffe (vor allem Pektin), günstig auf den Fettstoffwechsel und die Cholesterinwerte sowie auf andere Marker von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken kann. Eine Gruppe von englischen und italienischen Forschern untersuchte in einer kleinen (kontrollierten) Studie die Auswirkungen des Apfelverzehrs auf die zirkulierenden Blutfette (Lipide), die Gefäßfunktionen und andere Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten.

 

Einbezogen in die Studie waren 40 gesunde Personen (23 Frauen, 17 Männer) im Alter von durchschnittlich 51 Jahren. Sie waren normal- bis leicht übergewichtig (BMI 25,3 ± 3,7) und hatten leicht erhöhte Cholesterinwerte. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die eine verzehrte acht Wochen lang täglich zwei Äpfel (Sorte Renetta Canada), die reich an Proanthocyanidinen (Polyphenole) sind, die andere nahm ein im Zucker- und Energiegehalt angepasstes Apfelgetränk zur Kontrolle ein.

 

Darauf folgten vier Wochen ohne Intervention (sogenannte Auswaschperiode). Danach wurden die Gruppen getauscht, wer vorher Äpfel verzehrt hatte, nahm nun acht Wochen lang das Apfelgetränk ein und umgekehrt. Vor und nach jeder Periode wurden bei den Teilnehmern Nüchtern-Blutproben genommen. Es wurden Serumlipide, Glukose, Insulin, Gallensäuren sowie Endothel- und Entzündungs-Biomarker bestimmt. Außerdem wurde bei allen Teilnehmern die Arteriensteifigkeit gemessen.

 

Der Apfelverzehr verbesserte vor allem die Cholesterinwerte, es verringerten sich das Gesamt- und das (sogenannte schlechte) LDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride. Weiter fanden sich mit dem Apfelverzehr geringere Werte beim Adhäsionsmolekül, das zur Gruppe der Immunglobuline gehört und an entzündlichen Prozessen beteiligt ist. Die Reaktion auf die vom Endothel abhängige Gefäßerweiterung (mikrovaskuläre Vasodilatation) war nach dem Verzehr von Äpfeln größer. Weitere Einflussfaktoren durch den Apfelverzehr, z.B. auf den Blutdruck oder andere kardiovaskuläre Marker, zeigten sich nicht.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Ergebnisse unterstützen die positiven gesundheitlichen Wirkungen des täglichen Verzehrs von Äpfeln mit reichlich Polyphenolen bei leicht erhöhten Cholesterinwerten. Damit können die Cholesterinwerte gesenkt und einige positive Wirkungen auf die Blutgefäße erreicht werden. Diese Beziehungen sollten in größeren Studien weiter untersucht werden.
 
Quelle:
Athanasios Koutsos et al., Two apples a day lower serum cholesterol and improve cardio metabolic biomarkers in mildly hypercholesterolemic adults: a randomised, controlled, crossover trial. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Online-Veröffentlichung vom 16.12.2019, doi: 10.1093/ajcn/nqz282.


Bei Stress geraten auch Mikronährstoffe unter Druck

 

Stress kann verschiedene Ursachen und Wirkungen haben. Dazu gehört auch, dass sich Mikronährstoffe verringern können. Das kann viele Abläufe im Körper weiter belasten und stören.

 

Stress ist eine unspezifische, körperliche und psychische Reaktion auf erhöhte Belastungen, z.B. aus der Umwelt oder durch Prozesse im eigenen Organismus. Damit verbunden ist eine erhöhte Aktivität des vegetativen Nervensystems und der endokrinen Organe (Schilddrüse, Hypophyse, Pankreas, Nebennieren etc.). Zu den Folgen gehört, dass mehr Katecholamin (Noradrenalin, Dopamin etc.) ausgeschüttet wird. Der Blutdruck erhöht sich, das Herz und die Gefäße können ebenso wie das Immunsystem beeinträchtigt werden. Bei übermäßiger oder chronischer Stressbelastung steigt das Risiko für psychische und physische Krankheiten. Weniger bekannt ist, dass sich Stressbelastungen auch auf die Konzentration von Mikronährstoffen auswirken können.

 

Zu ihnen gehören Vitamine und Mineralien, die für zahlreiche körperliche und geistige Funktionen notwendig sind. Defizite oder gar schwerere Mängel sind mit einer Reihe von Krankheiten verbunden. Ein australischer Forscher wertere dazu relevante Studien aus, in denen die Auswirkungen verschiedener Stressfaktoren in Bezug auf Mikronährstoffe untersucht wurden. Geprüft wurden vor allem die Folgen von psychischem Stress, Schlafentzug und körperlicher Bewegung auf die Konzentration und Ausscheidung von Mikronährstoffen. Analysiert wurden vor allem Studien mit Magnesium, Zink, Kalzium, Eisen sowie dem B-Vitamin Niacin.

 

Insgesamt deutete ein Großteil der Ergebnisse darauf hin, dass erhöhte Stressbelastungen die Konzentration von Mikronährstoffen beeinflussen können. Zu den möglichen Ursachen könnten z.B. der Einfluss verschiedener Stressfaktoren und die Art und der Grad der Stressbelastungen gehören. Unterschiedliche Reaktionen gibt es möglicherweise auch bei verschiedenen Personengruppen, z.B. aufgrund von Alter, dem Geschlecht oder Gesundheitszustand. Die näheren Zusammenhänge über die Beziehungen zwischen Stressbelastungen und Mikronährstoffen sollten in weiteren Studien genauer untersucht werden.

 

Unser Tipp: Bei Stressbelastungen verschlechtert sich oft auch die Ernährung. Dadurch sinkt die Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie mit Antioxidantien. Gute Kombinationen von Mikronährstoffen können in Stressphasen den Körper, das Nerven- und Immunsystem etc., unterstützen.

 

Quelle:
Adrian L. Lopresti, The Effects of Psychological and Environmental Stress on Micronutrient Concentrations in the Body: A Review of the Evidence. In: Advances in Nutrition, Nr. 1, 2020, S. 103-112, doi: 10.1093/advances/nmz082.


Vitamin D beim Müdigkeitssyndrom

 

Wenn Müdigkeit über eine längere Zeit anhält, spricht man von Fatigue oder dem Müdigkeitssyndrom. Sie tritt häufiger infolge von schwereren Krankheiten, aber auch bei älteren Menschen zum Teil ohne erkennbare Gründe auf. Oft wird dann auch ein Mangel an Vitamin D festgestellt.

 

Müdigkeit ist durch ein vermindertes Energieniveau, eine geringere Muskelkraft und sinkende kognitive Leistungen gekennzeichnet. Der Verlust an Kraft und Ausdauer belastet die Verrichtung alltäglicher Aufgaben, das soziale und familiäre Leben ebenso wie die Arbeitsleistungen. Die Müdigkeit ist normalerweise ein vorübergehender Zustand, ausgelöst z.B. durch Schlafmangel oder Stressbelastungen. Wenn aber die Müdigkeit häufiger auftritt und über längere Zeit vorkommt, spricht man von Fatigue. Sie kann z.B. als chronisches Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndrom bei verschiedenen chronischen Krankheiten auftreten, das gilt vor allem bei Krebskrankheiten. Es gibt inzwischen einige Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer zu geringen Versorgung an Vitamin D und der Fatigue. Davon könnten ältere Menschen stärker betroffen sein, da ihre Fähigkeit zur Bildung von Vitamin D durch die Sonneneinwirkung auf die Haut sinkt und sie sich oftmals auch weniger im Freien aufhalten. Eine Gruppe von italienischen Forschern untersuchte daher in einer Studie den Vitamin D-Status bei älteren Menschen mit und ohne Müdigkeitssyndrom.

 

Einbezogen waren 480 ältere Patienten (ab 65 Jahren) aus einem Krankenhaus im italienischen Catania. Die Hälfte von ihnen litt am Müdigkeitssyndrom, die andere Hälfte hatte keine auffälligen Symptome von erhöhter Müdigkeit und diente zur Kontrolle. Bei allen Teilnehmern wurde der Grad der Müdigkeit anhand einer Skala gemessen, auch die geistige und körperliche Müdigkeit wurden untersucht. Bei allen Teilnehmern wurden in Blutproben auch die Konzentration von Vitamin D sowie einige andere Parameter bestimmt. Die Patienten mit Fatigue hatten im Vergleich zu den Kontrollpersonen höhere Werte bei der körperlichen und mentalen Müdigkeit sowie auf der Schweregrad-Skala. Parameter im Blut, die mit der Müdigkeit zusammenhingen, waren jedoch in beiden Gruppen weitgehend normal.

 

Einige Unterschiede fanden die Forscher z.B. bei den Werten von Thrombozyten (Blutplättchen), Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Hämatokrit (feste Blutbestandteile). Die Werte von CRP (C-reaktives Protein), ein typischer Entzündungs-Marker, waren bei den Fatigue-Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höher. Auffällig waren bei den Müdigkeits-Patienten vor allem die niedrigeren Vitamin-D-Spiegel. Bei einer besseren Versorgung mit Vitamin D war dagegen die Ausprägung der Müdigkeit geringer.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Defizite an Vitamin D waren in dieser Studie mit den Vorkommen von geistiger und körperlicher Fatigue verbunden. Das deutet nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass eine Ergänzung von Vitamin D das Risiko für die Fatigue bei älteren Menschen verringern könnte. Diese Zusammenhänge sollten in weiteren Studien näher untersucht werden.

 

Unser Tipp: Vitamin D ist für die Knochen, Muskeln, die Verwertung von Kalzium und Phosphor, aber auch für das Immunsystem sehr wichtig. Auf eine gute Qualität sollte bei Ergänzungen geachtet werden, die Aufnahme kann z.B. durch emulgierte oder flüssige Vitamin D-Formen verbessert werden.

 

Quelle:
Manuela Pennisi et al., Decrease in Serum Vitamin D Level of Older Patients with Fatigue. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 20.10.2019, doi: 10.3390/nu11102531.


Mit grünem Tee länger leben?

 

Wer pro Woche mindestens drei Tassen grünen Tee trank, konnte in einer chinesischen Studie die Perspektive für ein längeres, gesünderes Leben verbessern. Das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle hatte sich dadurch um 20 % verringert.

 

Der grüne Tee gilt allgemein als sehr gesund, weil er viele bioaktive Inhaltsstoffe, vor allem Polyphenole (Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe) enthält. Gesundheitlich wirksam sind besonders die Catechine, darunter vor allem EGCG (Epigallocatechingallat), für das viele Wirkungen nachgewiesen sind, z.B. auf Herzfunktionen, Blutgefäße und den Bluthochdruck, hinzu kommen verringerte Entzündungen und antioxidative Funktionen. Im schwarzen Tee ist der antioxidative Effekt dagegen deutlich geringer, weil im Lauf der Fermentation die Polyphenole oxidieren. Schwarzer Tee wird außerdem häufiger mit Milch getrunken, was z.B. die Wirkungen auf die Blutgefäße hemmen könnte.

 

Einige Studien zeigten jedoch, dass die Polyphenole aus dem grünen Tee im Körper nicht längerfristig gespeichert werden können. Daher ist vermutlich ein regelmäßiger Konsum notwendig, um die herzschützenden Wirkungen des grünen Tees zu erreichen. In einer chinesischen Langzeitstudie prüften Forscher daher, wie sich das Trinken verschiedener Teesorten auf das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfälle auswirkt.

 

Im Rahmen einer Bevölkerungsstudie nahmen seit 1998 rund 101.000 chinesische Erwachsene aus 15 Provinzen an einer prospektiven Studie (China-PAR) teil. Alle Teilnehmer wurden zu ihrem gewohnten Teekonsum befragt, dazu gehörte die Art des bevorzugten Tees und die üblicherweise konsumierte Menge. Danach wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine trank regelmäßig Tee (wenigstens 3-mal pro Woche), die andere trank Tee nur selten oder nie. 50 % der Teetrinker bevorzugten den grünen Tee, 8 % tranken schwarzen Tee, die restlichen Teilnehmer tranken am liebsten aromatisierte Tees. Im Lauf von sieben Jahren Beobachtungszeit traten in dieser großen Gruppe rund 3.700 atherosklerotische Herz-Kreislauf-Krankheiten auf, knapp 1.500 Teilnehmer verstarben aufgrund dieser Krankheiten.

 

Die regelmäßigen Teetrinker konnten ihr Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle im Durchschnitt um 20 % verringern. Sie konnten koronare Herzkrankheiten oder Schlaganfälle deutlich verzögern (um 1,41 Jahre), und sie hatten eine längere Lebenszeit (im Durchschnitt 1,26 Jahre) im Vergleich zu Teilnehmern, die grünen Tee selten oder nie tranken. Die Ergebnisse waren für den grünen Tee signifikant und am effektivsten bei denen, die den Tee regelmäßig über viele Jahre tranken. Nach weiteren acht Jahren befragten die Forscher noch einmal 14.000 Teilnehmer aus dieser Studie zu ihrem Lebensstil und zu den Gewohnheiten beim Teetrinken. Sie wurden danach fünf Jahre lang weiter beobachtet. Teilnehmer, die ihren hohen Teekonsum über all diese Jahre beibehielten, konnten ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nun noch weiter, d.h. um 39 %, senken.

 

Aus einer Beobachtungsstudie lässt sich nicht auf die Ursachen für die positiven Wirkungen des grünen Tees schließen. Dies müsste in kontrollierten Studien weiter untersucht werden. Die Ergebnisse lassen sich ohne weiteres auch nicht auf andere Regionen übertragen, da z.B. in Europa der grüne Tee noch immer seltener als schwarzer Tee getrunken wird. Die Forscher ziehen dennoch aus dieser Studie das Fazit, dass ein regelmäßiger Konsum von grünem Tee die Gesundheit stärkt und die Lebensperspektiven verbessern kann. Das gilt vor allem für ein verringertes Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Krankheiten und bei einem regelmäßigen Teekonsum über viele Jahre.

 

Unser Tipp: Extrakte aus dem grünen Tee sind in Nahrungsergänzungsmittelnm einzeln und in Kombinationen, enthalten. Dabei ist besonders der gute Gehalt an Polyphenolen und speziell von EGCG (Epigallocatechingallat) wichtig.

 

Quelle:
Xinyan Wang et al., Tea consumption and the risk of atherosclerotic cardiovascular disease and all-cause mortality: The China-PAR project. In: European Journal of Preventive Cardiology, Online-Veröffentlichung vom 8.1.2020, doi: 10.1177/2047487319894685.


Diäten zur Gewichtsreduktion auf dem „realen“ Prüfstand

 

Ohne intensive diätetische Unterstützung haben viele Programme zum Abnehmen einen eher geringen Erfolg. In einer Studie prüften Forscher über ein Jahr, wie Diäten zur Gewichtsabnahme von den Teilnehmern befolgt werden und welche gesundheitlichen Verbesserungen sie bringen.

 

Verschiedene Diäten führten in kontrollierten Versuchen zum Gewichtsabbau. Bisher gibt es jedoch nur wenig Nachweise für die langfristige Wirksamkeit von Diäten zur Gewichtsabnahme unter normalen Lebensbedingungen, die nicht intensiv unterstützt werden. Eine Forschergruppe aus Neuseeland untersuchte dies in einer Studie bei übergewichtigen Erwachsenen. Geprüft werden sollte, wie wirksam drei verschiedene Diäten unter den Bedingungen der "realen Welt" waren,

 

Ein Jahr lang nahmen 250 gesunde, übergewichtige Erwachsene (BMI ab 27) an der Studie teil. Alle erhielten anfangs eine Aufklärung über die verschiedenen Diäten, danach konnten sie sich für eine Form entscheiden. Sie hatten die Wahl zwischen der Mittelmeer- oder der Paleo-Diät oder dem intermittierenden Fasten. Zur Mittelmeerdiät gehört der Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornbrot und Getreidewaren, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und Olivenöl sowie mäßige Mengen an Fisch, Huhn, Eiern und Milchprodukten. Rotes Fleisch sollte nur einmal pro Woche oder noch seltener gegessen werden. Bei der Paleo-Diät wurde eine gemäßigte Form empfohlen. Neben wenig verarbeiteten Lebensmitteln mit dem Schwerpunkt auf Obst und Gemüse, tierischen Proteinen, Nüssen, Kokosnussprodukten und gutem Olivenöl sollten auch einige Milchprodukte sowie bis zu einer Portion Hülsenfrüchte und Getreidewaren täglich einbezogen werden.

 

Beim intermittierenden Fasten reduzierten die Teilnehmer an zwei selbst gewählten Tagen pro Woche ihre Energiezufuhr um rund 25 % (500 Kalorien bei Frauen, 600 Kalorien bei Männern). Nach der Beratung führten die Teilnehmer ihre gewählte Diät ohne die Unterstützung durch Ernährungsberater durch.

 

Rund 54 % der Teilnehmer entschieden sich für das intermittierende Fasten, 27 % für die Mittelmeerdiät und 18 % für die Paleo-Diät. Nach einem Jahr befolgten jedoch nur noch etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer die Mittelmeerdiät (57 %) und das intermittierende Fasten (54 %), nur rund ein Drittel hielt noch die Paleo-Diät (35 %) aufrecht. Die anderen Teilnehmer brachen die Diät vorzeitig ab oder befolgten sie nur noch teilweise. Nach einem Jahr betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust 4 Kilogramm beim intermittierenden Fasten, 2,8 Kilogramm bei der Mittelmeerdiät und 1,8 Kilogramm bei der Paleo-Diät. Die Einhaltung der jeweiligen Diät über das ganze Jahr erhöhte den Gewichtsverlust beim intermittierenden Fasten und bei der Mittelmeerdiät um 1,1 bzw. 1,8 Kilogramm. Die Forscher untersuchten im Lauf der Studie auch Veränderungen im Stoffwechsel. Beim intermittierenden Fasten und bei der Mittelmeerdiät sank der systolische Blutdruck im Durchschnitt um 4,9 mm Hg bzw. um 5,9 mm HG. Außerdem verringerte sich bei der Mittelmeerdiät der Blutzuckerspiegel (glykiertes Hämoglobin) im Durchschnitt um 0,8 mmol/mol.

 

Für die Forscher zeigen diese Ergebnisse, dass die mediterrane Diät, das intermittierende Fasten- oder auch die Paleo-Diät eine gesunde Ernährungsweise sein kann. Die Gewichtsabnahme blieb jedoch ohne die regelmäßige Diät-Betreuung der Teilnehmer eher bescheiden. Mit der Fasten- oder der Mittelmeerdiät war der Erfolg etwas besser, und die Teilnehmer erreichten auch einige gesundheitliche Verbesserungen im Blutdruck und/oder im Blutzucker. Die Forscher heben hervor, dass es nicht die eine, einzig „richtige“ Ernährung für alle Menschen gibt, sondern verschiedene Optionen. Alle drei Diäten bieten sinnvolle Ansätze für eine gesunde Ernährung. Die „beste“ Ernährung ist die, die gesunde Lebensmittel enthält und zum Individuum passt. Hier zeigte sich, dass die mediterrane Ernährung für die Teilnehmer in der Durchführung am einfachsten war. Zu hoch sollten die Erwartungen an den Erfolg bei der Gewichtsabnahme durch eine Diät ohne ständige Begleitung nicht sein, um Enttäuschungen zu vermeiden, die den Abbruch nach sich ziehen können. Unter realen Bedingungen des Alltags erreichten die Teilnehmer mit der Mittelmeer-Diät und dem intermittierenden Fasten die besten Ergebnisse.

 

Unser Tipp: Bei einer Gewichtsreduktion sollte darauf geachtet werden, dass sich durch die verminderte Kalorienaufnahme die Zufuhr von wichtigen Mikro-Nährstoffen nicht ebenfalls verringert. Gute Multipräparate mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen können mögliche Defizite ausgleichen.

 

Quelle:
Michelle R. Jospe et al., Intermittent fasting, Paleolithic, or Mediterranean diets in the real world: exploratory secondary analysis of a weight-loss trial that included choice of diet and exercise. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Online-Veröffentlichung vom 27.12.2019, doi: 10.1093/ajcn/nqz330.


Bei Teenagern mit PCOS ist das Mikrobiom stärker belastet

 

Bei übergewichtigen Teenagern mit einem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) wurden in einer Studie mehr ungesunde Darmbakterien gefunden. Das deutet darauf hin, dass das Mikrobiom im Darm bei PCOS eine Rolle spielen könnte.

 

Veränderungen im Darm-Mikrobiom sind mit dem metabolischen Syndrom verbunden. Die Zusammensetzung der Bakterien wirkt sich auf den Energiestoffwechsel, auf Störungen des Glukose- und Lipidstoffwechsels sowie auf entzündliche Prozesse aus. Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) kann diese Situation weiter verschlechtern, diese Stoffwechselstörung beeinträchtigt das hormonelle Gleichgewicht von Frauen. Betroffen sind etwa 6 bis 18 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter, das Risiko steigt bei Übergewicht deutlich an. Die Krankheit ist durch erhöhte Testosteronspiegel im Blut gekennzeichnet, dies kann zu Akne, übermäßigem Haarwachstum und unregelmäßiger Menstruation beitragen. Bei erwachsenen Frauen zeigte sich bereits, dass die Krankheit vermutlich mit einer veränderten Zusammensetzung der Darmbakterien einhergeht. Ob PCOS auch bei Teenagern mit einem veränderten Bakterien-Profil verbunden ist, prüfte eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern in einer kleinen Studie.

 

Sie untersuchten bei 58 übergewichtigen Teenagern (im Durchschnitt 16 Jahre alt) die Vorkommen und Vielfalt der Bakterien im Stuhl. 37 Mädchen waren an PCOS erkrankt, zur Kontrolle waren 21 gesunde Mädchen einbezogen. Bei allen wurden typische Stoffwechsel-Marker untersucht und Hormonmessungen durchgeführt. Mit PCOS hatten die Mädchen im Vergleich zu den Gesunden häufiger ein verändertes Darm-Mikrobiom. Typisch waren dann eine geringere Vielfalt und ein höherer Anteil von ungesunden Bakterien. Das war mit höheren Konzentrationen von Testosteron und anderen charakteristischen Markern des metabolischen Syndroms verbunden, z.B. mit einem höheren Blutdruck, Leberentzündungen und höheren Triglyzeriden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Teenager mit PCOS hatten im Vergleich zu den gesunden Mädchen ein verändertes Darm-Mikrobiom. Ein weiterer Nachweis, dass das Mikrobiom bei PCOS und den damit verbundenen Stoffwechselstörungen offenbar eine wichtige Rolle spielt. Die Veränderungen im Mikrobiom treten bereits bei jugendlichen Mädchen auf, die an PCOS erkrankt sind und sich noch in einem frühen Stadium der Erkrankung befinden. In weiteren Studien sollten künftig die Zusammenhänge zwischen PCOS und dem Mikrobiom näher untersucht werden.

 

Unser Tipp: Auch wenn die Beeinflussung des Mikrobioms durch gesunde Bakterien hier nicht untersucht wurde, so gibt es deutliche Hinweise aus der Forschung, dass Prä- und Probiotika zusammen mit einem gesunden Lebensstil dazu beitragen, die Bakterienflora im Darm zu verbessern.

 

Quelle:
Beza Jobira et al., Obese adolescents with PCOS have altered biodiversity and relative abundance in gastrointestinal microbiota. In: The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Online-Veröffentlichung vom 23.1. 2020, doi: 10.1210/clinem/dgz263.


In einer kleinen Studie an Patienten mit dem metabolischen Syndrom konnte ein Intervallfasten mit begrenzter täglicher Nahrungsaufnahme an 10 Stunden viele Symptome des metabolischen Syndroms verbessern.

 

In einer kleinen Studie an Patienten mit dem metabolischen Syndrom konnte ein Intervallfasten mit begrenzter täglicher Nahrungsaufnahme an 10 Stunden viele Symptome des metabolischen Syndroms verbessern.

 

Bei der Flut an Diäten, die ständig in den Medien propagiert wird, ist es oft schwer zu beurteilen, ob die Maßnahmen sinnvoll sind oder langfristig eher wenig Erfolg bieten. In letzter Zeit wurde das Intervallfasten populär, bei dem entweder ein oder zwei Tage pro Woche nichts gegessen wird oder die Mahlzeiten täglich nur in einem begrenzten Zeitfenster von etwa acht Stunden (ohne Kalorien-Zählung) aufgenommen werden. Doch bisher gibt es noch nicht viele Studien, die sich mit dem Intervallfasten beschäftigten. Eine US-amerikanische Pilotstudie bei Menschen mit dem metabolischen Syndrom zeigte nun, dass ein Intervallfasten mit der Nahrungsaufnahme an 10 Stunden täglich half, das Körpergewicht, auch ohne vermehrte Körperbewegung, zu senken und den Stoffwechsel zu verbessern.

 

Das metabolische Syndrom ist weit verbreitet, rund jeder fünfte Erwachsene ist in Deutschland davon betroffen. Zu den Merkmalen gehören Übergewicht und (abdominale) Adipositas, erhöhte Blutfette sowie ein zu hoher Blutdruck und Blutzucker. Mindestens drei Merkmale müssen bei einem Patienten vorhanden sein, um ein metabolisches Syndrom zu diagnostizieren. In der Folge erhöht sich das Risiko für kardiometabolische Krankheiten, dazu gehören Herz-Kreislauf-Krankheiten und der Typ 2 Diabetes. Zu den grundlegenden Empfehlungen gehören mehr Bewegung und eine gesündere Ernährung. Wie man aus langer Erfahrung weiß, ist beides nicht leicht zu erreichen. Das Intervallfasten könnte dabei helfen, darauf deuteten Versuche bei Tieren hin.

 

Die zeitliche Begrenzung der Nahrungsaufnahme hatte sich auf den Tag-Nacht-Rhythmus günstig ausgewirkt. Das Intervallfasten trug zu einem geringeren Gewicht und besseren Stoffwechsel-Parametern bei. Die kalifornische Forschergruppe prüften daher in einer kleinen Pilotstudie, ob das Intervallfasten auch bei Menschen mit dem metabolischen Syndrom hilfreich sein kann. Daran nahmen 13 Männer und 6 Frauen mit dem metabolischen Syndrom teil, 16 von ihnen nahmen Medikamente, Statine oder Blutdrucksenker, ein. Vor der Studie zogen sich die Mahlzeiten der Teilnehmer über 14 Stunden pro Tag hin. In der Studie beschränkten sie 12 Wochen lang ihre Mahlzeiten auf 10 Stunden pro Tag. Sie konnten selbst auswählen, in welcher Zeit sie aßen. Die meisten nahmen ihr Frühstück etwas später als gewohnt und die letzte Mahlzeit etwas früher ein. Sie blieben bei drei Mahlzeiten täglich und verzichteten abends auf Snacks.

 

Am Ende der Studie hatten sich einige typische Parameter des metabolischen Syndroms verbessert. Das betraf das geringere Gesamtcholesterin (− 1,2 mg/dl), den verbesserten Blutdruck (− 5,1 mm Hg beim systolischen, − 6,4 mm Hg beim diastolischen Blutdruck) und den langfristigen Blutzuckerwert HbA1c (− 0,22 %), bei den Insulin-Werten zeigte sich zumindest ein abnehmender Trend. Die Teilnehmer berichteten außerdem über eine verbesserte Schlafqualität. Für viele sicher am erfreulichsten, sie nahmen mit dem Intervallfasten 3,3 kg Gewicht ab, verringerten ihren Taillenumfang und das Körperfett (einschließlich abdominales Fett), ohne sich stärker körperlich bewegt zu haben.

 

Die Forscher ziehen daraus das Fazit, dass ein verbesserter zirkadianer Rhythmus dazu beitragen kann, das metabolische System zu verbessern. Sie prüfen jetzt die Wirkung des Intervallfastens beim metabolischen Syndrom in einer größeren Studie. Noch ist nicht geklärt, ob die erreichten Vorteile eine Folge des Intervallfastens oder der Gewichtsreduktion sind. Für die Teilnehmer dürfte dies weniger von Bedeutung sein. Ihre Ernährungsprotokolle zeigten jedenfalls, dass es den meisten gelang, sich an die Essenszeiten im Lauf von 10 Stunden täglich zu halten.

 

Quelle:
Michael J. Wilkinson et al., Ten-Hour Time-Restricted Eating Reduces Weight, Blood Pressure, and Atherogenic Lipids in Patients with Metabolic Syndrome. In: Cell Metabolism, Online-Veröffentlichung vom 5.12.2019, doi: 10.1016/j.cmet.2019.11.004.


Ein Forscherteam der Universität Homburg analysierte die Versorgung in Deutschland und empfiehlt, Strategien zu entwickeln, um Defizite an Vitamin D besser zu vermeiden.

 

Defizite an Vitamin D sind weltweit sehr verbreitet. Ein Forscherteam der Universität Homburg analysierte die Versorgung in Deutschland und empfiehlt, Strategien zu entwickeln, um Defizite an Vitamin D besser zu vermeiden.

 

Vitamin D hat im Körper sehr viele Funktionen, und es werden noch immer neue Aufgaben entdeckt. Neben der bekannten Schlüsselrolle im Kalzium-Haushalt und bei der Knochen- und Muskel-Gesundheit ist Vitamin D für viele andere Prozesse im Stoffwechsel, im Immun- und Hormonsystem sowie für den Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianes System) wichtig. Langfristig können Defizite z.B. zu Herz-Kreislauf- und Krebs-Krankheiten sowie zu Störungen im Immunsystem beitragen. Vitamin D wird überwiegend über die Sonneneinwirkung auf die Haut gebildet. Die Aufnahme aus der Ernährung ist vergleichsweise gering. Vitamin D kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln vor, z.B. in fettreichen Fischen, in der Leber und im Lebertran, in Eiern und Milchprodukten.

 

Pflanzliche Lebensmittel enthalten mit Ausnahme von Pilzen nur wenig Vitamin D, das außerdem in seiner Form weniger wirksam ist. Für Deutschland empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. eine tägliche Zufuhr von 400 I.E. (10 µg) Vitamin D aus der täglichen Ernährung für Säuglinge. Für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, schwangere und stillende Frauen sind 800 I.E. (20 µg) pro Tag angesetzt. Vor allem in den sonnenärmeren Herbst- und Wintermonaten sollten regelmäßig an Vitamin D reiche Lebensmittel verzehrt und auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden.

 

Allgemein ist die Versorgung mit Vitamin D in Deutschland gut untersucht. Rund 63 % der Kinder und Jugendlichen (1 bis 17 Jahre) und rund 57 % der Erwachsenen (18 bis 79 Jahre) haben Serumspiegel von Vitamin D unter dem wünschenswerten Ziel von mindestens 50 nmol/L. 2008 zeigte eine Untersuchung bei rund 4.000 Personen, dass rund 45 % der Männer und rund 55 % der Frauen Vitamin D fehlte. In den sonnenarmen Monaten zwischen November und April waren rund 68 % der Männer und 61% der Frauen mit Vitamin D nicht ausreichend versorgt. Eine neuere Auswertung bei Erwachsenen zeigte, dass 25 % der Männer und Frauen von November bis April zu geringe Vitamin D-Spiegel (<30 nmol/L) hatten. Besonders betroffen sind davon ältere Menschen, weil sie weniger Vitamin D über die Haut bilden und sich oft weniger in der Sonne aufhalten. Auch Bewohnern von Pflegeheimen und Menschen mit dunklerer Hautfarbe fehlt Vitamin D häufiger.

 

Viele Gruppen in der Bevölkerung haben ein erhöhtes Risiko für Vitamin D-Defizite oder einen Mehrbedarf. Dazu gehören z.B. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich zu wenig in der Sonne aufhalten oder eine dunklere Haut haben, ältere Menschen ab 50 Jahren sowie schwangere und stillende Frauen. Auch einige Krankheiten und bestimmte Medikamente können zu einer schlechteren Versorgung mit Vitamin D beitragen. Stärkere Defizite sollten durch die gezielte Ergänzung von Vitamin D behoben werden. Das geschieht meist für einige Wochen mit hoch dosiertem Vitamin D, danach geht man zu einer Erhaltungstherapie mit einer geringeren Dosis über. Die Vitamin D-Werte sollten bei einer solchen Therapie kontrolliert werden, um die Dosierung individuell anzupassen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die häufigen Defizite an Vitamin D in Deutschland zeigen, dass es wichtig ist, Strategien für eine verbesserte Versorgung zu entwickeln. Dabei gilt es. eine individuelle Balance zwischen der Aufnahme von Vitamin D über die Haut, dem Verzehr von Vitamin D-reichen Lebensmitteln und gegebenenfalls mit Ergänzungen von Vitamin D zu erreichen. Für die meisten Menschen in Deutschland ist zu empfehlen, sich zwei- bis dreimal pro Woche im Frühjahr, Sommer und Herbst zwischen 10 und 15 Uhr etwa 5 bis 30 Minuten (je nach Tages- und Jahreszeit, Breitengrad und Hautpigmentierung) in der Sonne aufzuhalten. Dabei sollten etwa 20 bis 25 % des Körpers, z.B. Arme und Beine, frei sein. So wird die Balance zwischen den gesundheitlichen Vorteilen der Sonnenwirkung auf die Haut und dem minimal erhöhten Hautkrebs-Risiko gewährleistet.

 

Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten ist es wichtig, sich regelmäßig vitaminreich zu ernähren und besonders auf die Aufnahme von Vitamin D zu achten. Menschen mit Risikofaktoren für Vitamin D-Defizite sowie bei einem früher aufgetretenen Mangel an Vitamin D, bei Osteoporose und Osteomalazie, dunkler Hautpigmentierung (ab Hauttyp III) oder einer allgemein ungesunden Lebensweise sollten ihre Versorgung mit Vitamin D kontrollieren lassen und gegebenenfalls Vitamin D nach therapeutischer Empfehlung ergänzen.

 

Unser Tipp: Vitamin D ist in vielen Nahrungsergänzungen enthalten. Einzeln wird es u.a. in emulgierter bzw. flüssiger Form angeboten, die gut dosierbar und sehr gut bioverfügbar ist. Auf eine gute Qualität (z.B. ohne Konservierungsstoffe) sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Roman Saternus et al., A Critical Appraisal of Strategies to Optimize Vitamin D Status in Germany, a Population with a Western Diet. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 6.11.2019, doi: 10.3390/nu11112682..


Neue Veganer − wie schnell sinkt das Vitamin B12?

 

 

Veganer haben durch ihre rein pflanzliche Ernährung ohne Milchprodukte ein erhöhtes Risiko für Defizite an einigen Mikro-Nährstoffen. Das betrifft vor allem Vitamin B12 (Cobalamin). Forscher prüften bei neuen Veganern, wie sich die veränderte Ernährung auf typische Biomarker auswirkt.

 

Die vegane Ernährung wird in den westlichen Ländern immer beliebter. Veganer schließen aus gesundheitlichen, ökologischen und/oder ethischen Gründen alle tierischen Lebensmittel, also auch Milchprodukte, strikt aus ihrer Ernährung aus.

 

Da Vitamin B12 vorwiegend in tierischen und nur sehr geringfügig in pflanzlichen Lebensmittel enthalten ist, erhöht sich das Risiko für ein Defizit an Vitamin B12, das am Stoffwechsel aller Zellen beteiligt und für die DNA-Synthese wichtig ist. Weder Tiere noch Pflanzen bilden jedoch Vitamin B12 selbst. Es wird über die tierischen Darmbakterien synthetisiert und kommt daher in Milchprodukten vor. Bei Veganern, führt dieser Verzicht ohne Ergänzung von Vitamin B12 zum Mangel. Als Folge können die (megaloblastische) Anämie (der Knochenmarkszellen) und periphere Neuropathien (Schäden im Nervensystem) entstehen. Defizite an Vitamin B12 führen weiter dazu, dass mehr Homocystein im Körper gebildet wird, eine Aminosäure, die in höheren Mengen schädlich wirken kann.

 

Vitamin B12 wird im Körper hauptsächlich in der Leber und in der Niere gespeichert. Man schätzt, dass die täglichen Verluste an Vitamin B12 normalerweise weniger als 0,1% der gesamten Körperspeicher bei Erwachsenen ausmachen. Bisher ging man daher davon aus, dass bei einer rein pflanzlichen Ernährung, wenn Vitamin B12 nicht ergänzt wird, Defizite erst nach einiger Zeit nachweisbar sind. Man hielt es aber für möglich, dass typische Marker für den Vitamin B12-Status, schon bei einer kurzfristig begrenzten Zufuhr abnehmen, ohne dass ein offensichtlicher Mangel vorliegt. Das könnte z.B. Marker betreffen, die für Entzündungen und die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems relevant sind.

 

Eine Forschergruppe der Universitäten Heidelberg, Freiburg und Ulm prüfte Veränderungen im B12-Status in einer kleinen Studie. Daran nahmen von April bis Juni 2017 53 Personen teil, die von 18 bis zu 60 Jahren alt und vorher weder Vegetarier noch Veganer waren. Alle nahmen eine Woche vor Beginn der Studie an einer ausgewogenen, gemischten Ernährung teil. Dann wurden zwei Gruppen gebildet. Die eine ernährte sich vier Wochen lang täglich weiter wie gewohnt auch mit Fleisch und verzehrte davon täglich > 150 g. Die andere Gruppe ernährte sich dagegen strikt vegan. Beide Gruppen wurden in dieser Zeit regelmäßig betreut, und alle Teilnehmer notierten täglich ihre Ernährung in einem Protokoll. Vor und nach der Studie wurden bei allen Teilnehmern Blut- und Urinproben genommen. Neben Vitamin B12 wurden auch Folat und Vitamin B6 bestimmt, die an der Homocystein-Konzentration beteiligt sind. Dazu wurden weitere Werte (z.B. Glutathion, Methioninsulfoxid, Fettsäuren und Vitamin D) ermittelt, die mit Vitamin B12 in Verbindung stehen. Die Forscher konnten schließlich die Daten von 44 Personen auswerten, für die alle nötigen Ergebnisse vorlagen.

 

Die Beurteilung der Ernährung sowie der Blut- und Urinparameter deutete darauf hin, dass die pflanzliche Ernährung für die Gesundheit von Vorteil ist. Sie führte zu einer signifikanten Senkung der Cholesterin-Aufnahmen und allgemein zu angemessenen Profilen bei den Makro- und Mikro-Nährstoffen. Das galt mit Ausnahme von Vitamin B12. Hier zeigten die Daten, dass Holotranscobalamin (Holo-TC), die bioaktive Form von Vitamin B12 im Plasma, in nur vier Wochen bei geringer Aufnahme von Vitamin B12 signifikant abnahm. Während dieser Zeit blieben Homocystein und die damit verbundene Methylmalonsäure (MMA) im normalen Bereich, und es gab keine klinischen Anzeichen für einen Vitamin-B12-Mangel. Die Forscher gehen davon aus, dass das Holo-TC ein schnell reagierender Biomarker sein kann, um die Zufuhr von Vitamin B12 bei Veganern oder auch Vegetariern zu kontrollieren. Sie weisen jedoch auf einen wichtigen Unterschied hin. Eine verminderte Zufuhr von Vitamin B12 führt zur geringeren Konzentration von Holo-TC im Serum, das bedeutet, dass weniger bioaktives Vitamin B12 für die Versorgung der Zellen verfügbar ist. Dies entspricht (noch) nicht einem zellulären Vitamin-B12-Mangel, der von einer Erhöhung der Biomarker Homocystein und MMA begleitet wird. Die Diagnose eines Vitamin-B12-Mangels sollte immer mindestens einen systemischen Biomarker (Serum-Vitamin B12 oder Holo-TC) und einen zellulären Biomarker (Homocystein oder bevorzugt MMA) beinhalten. Das bioaktive Vitamin B12 (Holo-TC) kann jedoch als eigenständiger Biomarker ausreichen, um die Aufnahme von Vitamin B12 bei Menschen mit vegetarischer/veganer Ernährung zu überwachen.

 

Unser Tipp: Vitamin B12 ist einzeln, in Kombination mit den anderen B-Vitaminen oder auch in vielen Multi-Präparaten enthalten. Einzeln gibt es z.B. B12-Lutschtabletten, dabei wird Vitamin B12 sublingual besonders gut aufgenommen.

 

Quelle:
Ann-Kathrin Lederer et al., Vitamin B12 Status Upon Short-Term Intervention with a Vegan Diet − A Randomized Controlled Trial in Healthy Participants. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 18.11.2019, doi: 10.3390/nu11112815.


Vitamin D − ein möglicher Biomarker fürs Altern

 

Die Beziehung zwischen Vitamin D und der Häufigkeit von chronischen Krankheiten ist bekannt. Vitamin D könnte daher möglicherweise ein Biomarker für das physiologische Altern sein.

 

Vitamin D hat im Körper sehr viele Aufgaben, die auch im Alter mit seinen komplexen Prozessen eine wichtige Rolle spielen. Eine Gruppe von italienischen Forschern führte dazu eine Meta-Analyse durch, in der die Rolle der Konzentration von Vitamin D als Biomarker für das gesunde Altern untersucht wurde. Einbezogen waren Studien ab dem Jahr 2000 bis zum Anfang 2019. Untersucht wurde die Beziehung zwischen dem Vitamin-D-Status und langfristigen Lebensperspektiven, Krankheiten sowie der körperlichen und kognitiven Funktionalität. Die Forscher konnten 24 Studien, vor allem aus Europa und den USA, in ihre Analyse einbeziehen. Daran waren rund 78.000 ältere Personen mit einem durchschnittlichen Alter von über 50 Jahren beteiligt. Alle waren zu Beginn der jeweiligen Studien gesund und hatten bisher Vitamin D nicht ergänzt. Bei niedrigen Vitamin D-Werten (25(OH)D) zeigten sich Beziehungen zu respiratorischen und kardiovaskulären Ereignissen, zu Markern im Zusammenhang mit Knochenbrüchen, z.B. an den Hüften, aber auch in anderen Körperbereichen (ohne Wirbelbrüche), sowie zur Sterblichkeit. Die Forscher prüften zusätzlich die Beziehungen zwischen dem gesunden Altern und dem sogenannten aktiven Vitamin D (1,25(OH)2), das geringer konzentriert und weniger haltbar ist. Dabei zeigten sich ähnliche Ergebnisse, die jedoch klinisch von geringerer Bedeutung waren.

 

Für die Forscher bestätigte sich damit, dass der Vitamin D-Status (25(OH)D) als ein sinnvoller Biomarker für Altersprozesse dienen kann. Damit könnten Prognosen für verschiedene krankhafte Entwicklungen und in Bezug auf die Lebensperspektiven bzw. das Sterblichkeitsrisiko ermöglicht werden. Das gilt z.B. für Lungenfunktionen und -krankheiten, kardiovaskuläre und koronare Krankheiten, Hüftfrakturen und die Vorkommen von Sarkopenie (Abbau von Muskelmasse und -kraft). Kein Zusammenhang zeigte sich dagegen in dieser Analyse zwischen Vitamin D und dem Sturzrisiko sowie der Knochenmineraldichte. Gleiches galt für die kognitiven Funktionen und bei kardiometabolischen Krankheiten (z.B. Bluthochdruck und Diabetes) sowie für Krebskrankheiten.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese systematische Auswertung zeigte besondere Aspekte von Vitamin D als ein möglicher (mehrdimensionaler) Indikator für die Gesundheit im Alter. Da Altersprozesse jedoch generell sehr komplex sind, sollten diese Beziehungen in weiteren Studien genauer untersucht werden. Dabei wäre auch die Frage zu klären, ob Ergänzungen von Vitamin D krankhafte Entwicklungen im Alter verringern oder verzögern können.

 

Unser Tipp: Vitamin D wird vor allem als D3 (Cholecalciferol) in Nahrungsergänzungen angeboten. Auf eine gute Qualität sollte geachtet werden. Flüssige Formen sind z.B. sehr gut dosierbar und werden vom Körper besonders gut aufgenommen.

 

Quelle:
Silvia Caristia et al., Vitamin D as a Biomarker of Ill-Health among the Over-50s: A Systematic Review of Cohort Studies. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 6.10.2019, doi: 10.3390/nu11102384.