Folsäure und Jod bei geringer Fruchtbarkeit von Frauen

 

Die weibliche Fruchtbarkeit wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehört auch die Ernährung, einschließlich der Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen. In einer Studie zeigte sich, dass Folsäure und Jod die Fruchtbarkeit fördern könnten.

 

Als Subfertilität wird jede Form der reduzierten Fruchtbarkeit mit einer verlängerten Zeit bis zur Schwangerschaft bezeichnet. Lag die weltweite Fruchtbarkeits-Rate 1950 noch bei 4,7 Kindern pro Frau, so ist sie 2021 auf 2,4 Kinder gesunken. Ein unerfüllter Kinderwunsch beeinträchtigt das Leben vieler Paare und zieht oftmals langwierige Therapien der Unfruchtbarkeit nach sich. Daher sucht man nach Möglichkeiten, um die Fruchtbarkeit auf einfachere und leichter zugängliche Weise zu fördern. Die weibliche Fruchtbarkeit wird mit den Chancen für eine Schwangerschaft von vielen Faktoren beeinflusst. Das weist auf die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes zur Verbesserung der weiblichen Fruchtbarkeit hin. Neben medizinischen Ursachen kann die Fruchtbarkeit durch den Lebensstil, Body Mass Index (BMI), Rauchen und Alkoholkonsum sowie nicht zuletzt durch die Ernährung mit der Aufnahme von Mikronährstoffen beeinflusst werden.

 

Viele Frauen nehmen vor der Empfängnis Nahrungsergänzungen ein, um ihre Fruchtbarkeit zu fördern. Solche präkonzeptionellen Wirkungen werden der Folsäure, den Vitaminen C, D, E, B6 und B12 sowie den Mineralien Eisen, Zink, Selen, Jod, außerdem Fischölen und Phytoöstrogenen (z. B. Nachtkerzenöl etc.) zugeschrieben. Das gilt ganz besonders für die Einnahme von Folsäure. Sie senkt nicht nur das Risiko von Neuralrohrdefekten beim Fötus, sondern war in einer dänischen Studie an knapp 4.000 Frauen auch mit einer höheren Fruchtbarkeit verbunden. Doch generell gibt es bisher nur wenige Studien, in denen die Wirkungen von Mikronährstoffen auf die Fruchtbarkeit untersucht wurden. Eine Gruppe von Forschern aus Singapur prüfte daher in einer Bevölkerungsstudie die Beziehungen zwischen Nahrungsergänzungen vor der Empfängnis und der Fruchtbarkeit, gemessen an der Zeit bis zur Schwangerschaft. Sie führten die Studie von Anfang 2015 bis zum Herbst 2017 mit 908 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren durch. Alle Frauen hatten zuvor versucht, schwanger zu werden und an der S-PRESTO-Studie (Singapore PREconception Study of long-Term maternal and child Outcomes) teilgenommen, um ihre Fruchtbarkeit zu verbessern.

 

Zu Beginn der Studie wurden die Frauen befragt, ob sie in den letzten drei Monaten Nahrungsergänzungen eingenommen hatten, und wenn ja, welche Art von Mikronährstoffen diese enthielten. Für die Analyse wurden Einzel- und Multi-Präparate ausgewählt, die Folsäure, Fischöle (Omega-3-Fettsäuren), Nachtkerzenöl, Eisen, Zink, Selen, Jod und die Vitamine B6, B12, C, D und E enthielten. Für jede Art der Nährstoff-Ergänzung wurden die Frauen in Nutzerinnen und Nicht-Nutzerinnen eingeteilt. Die Zuverlässigkeit der Angaben wurde durch die Serum-/Plasmaspiegel von Folsäure, Vitamin B6 und B12, D und E bei den Teilnehmerinnen, die nach ihren Angaben diese Ergänzungen einnahmen, im Vergleich zu den Nicht-Nutzerinnen geprüft. Die Analysen zeigten, dass Frauen, die schwanger werden wollen, möglicherweise von Ergänzungen mit Folsäure und Jod profitieren könnten. Dagegen sank die Fruchtbarkeit bei der Einnahme von Nachtkerzenöl.

 

Bei anderen Mikronährstoffen wurden keine direkten Beziehungen zur Fruchtbarkeit beobachtet. Nach Berücksichtigung von möglichen anderen Einflussfaktoren hatten Frauen, die Folsäure und/oder Jod ergänzten eine höhere Fruchtbarkeit sowie eine etwas verringerte Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft im Vergleich zu Frauen, die sie nicht eingenommen hatten. Die positive Wirkung von Folsäure wurde sowohl mit einzelnen Aufnahmen und mit Multivitamin-Präparaten, die auch Folsäure ergänzten, erreicht. Dies könnte auf die Beteiligung von Folsäure an der Senkung des Homocysteins (im Übermaß schädliche Aminosäure) zurückgeführt werden. Zu hohe Homocystein-Spiegel beeinflussen z. B. die Eizellreifung und können das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft erhöhen. Auch die Ergänzung von Jod war mit einer höheren Fruchtbarkeit verbunden. Zu den Ursachen dafür könnte gehören, dass Jod als wesentlicher Bestandteil der Schilddrüsenhormone indirekt die Fruchtbarkeit verbessern kann, indem es den Eisprung reguliert sowie die Befruchtung der Eizellen und die Einnistung des Embryos fördert.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse zeigten, dass die Aufnahmen von Mikronährstoffen, besonders von Folsäure und Jod, vor der Empfängnis mit einer höheren Fruchtbarkeit bzw. einer kürzeren Dauer bis zur Schwangerschaft verbunden sind. Dabei könnten nicht nur einzelne, sondern auch geeignete Multi-Präparate eine gute Option sein, um die Versorgung mit Mikronährstoffen zu verbessern und die Fruchtbarkeit zu fördern. Die Forscher heben hervor, dass beim Kinderwunsch der Schwerpunkt in der Ernährung auf einer gesunden und ausgewogenen Kost liegen sollte. Die Ergänzung von präkonzeptionell wirksamen Mikronährstoffen kann begleitend die Körperreserven optimieren und zur verbesserten Fruchtbarkeit beitragen. Die Beziehungen zwischen der Einnahme von Nahrungsergänzungen und der Fruchtbarkeit sollten künftig weiter untersucht werden.

 

Unser Tipp: Der weibliche Stoffwechsel wird durch eine Reihe von Mikronährstoffen gefördert. Die Folsäure spielt bei Kinderwunsch eine besondere Rolle, da eine gute Versorgung zur Fruchtbarkeit beitragen kann. Folsäure spielt auch in der ersten Zeit der Schwangerschaft für die Gesundheit von Mutter und Kind eine sehr wichtige Rolle, sie ist darüber hinaus bis zum Ende der Stillzeit zu empfehlen.

 

Quelle
Chee Wai Ku et al., Dietary Supplement Intake and Fecundability in a Singapore Preconception Cohort Study. In: Nutrients, online 1.12.2022, doi: 10.3390/nu14235110.


Omega-3-Fettsäuren tragen zu elastischen Arterien bei

 

Die Arterien werden mit zunehmendem Alter oft steifer, verengter und verkalkter, was zur koronaren Herzkrankheit beitragen kann. Zu den möglichen Risikofaktoren gehört auch eine unzureichende Versorgung mit den Omega-3-Fettsäuren. Eine neue Studie zeigt, dass sie zur Elastizität der großen Arterien beitragen.

 

Für gute Herzfunktionen sind die Herzkranzgefäße (Koronararterien) sehr wichtig, da sie das Herz mit Sauerstoff und Blut versorgen. Bei der koronaren Herzkrankheit sind diese Gefäße infolge einer Atherosklerose (Arterienverkalkung) verengt. Diese krankhaften Veränderungen der Arterien entstehen durch Ablagerungen von Fetten und anderen Substanzen in den Blutgefäßen und führen zu Durchblutungsstörungen im Herzen. Es kann dadurch z. B. zu Brustenge, Schmerzen, Herzrhythmusstörungen und zum Herzinfarkt kommen. Das Risiko für die koronare Herzkrankheit steigt mit dem Alter an, rund 22 % der 70- bis 79-Jährigen und Männer etwas häufiger als Frauen sind davon betroffen. Zu den typischen Risikofaktoren gehören u.a. Rauchen, starkes Übergewicht, Bewegungsmangel, erhöhtes Cholesterin, Bluthochdruck und Diabetes.

 

Auch die gesunde Ernährung und die gute Versorgung mit Mikronährstoffen spielen bei der Prävention und Therapie der koronaren Herzkrankheit eine wichtige Rolle. Das gilt vor allem für die gute Versorgung mit den mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen, besonders für die Eicosapentaensäure (EPA), wie einige Studien zeigten. Die Wirkung von Omega-6-Fettsäuren ist dagegen weniger gut belegt und zum Teil in den Ergebnissen widersprüchlich. Allenfalls für die gute Versorgung mit Linolsäure gibt es einige Nachweise zu einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Noch weiß man nicht genau, wie die Omega-3-Fettsäuren und Linolsäure zum Schutz vor kardiovaskulären Krankheiten beitragen können. Einen wichtigen Grund für diese Wirkungen vermutet man in der Erhaltung oder Verbesserung der Arteriengesundheit. Verringert sich die Elastizität der Arterien, so ist dies ein frühes Zeichen für die beeinträchtigte Gesundheit der Gefäße und kann zum Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.

Bisher gibt es jedoch keine größeren Studien, die den Zusammenhang zwischen Omega-3- und -6-Fettsäuren und der arteriellen Elastizität untersucht haben. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern prüfte daher, wie sich ein höherer Gehalt an zirkulierenden Omega-3-Fettsäuren auf die Elastizität der kleinen und großen Arterien auswirkt.

 

Im Rahmen der prospektiven MESA-Studie (Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis) wurden bei mehr als 6.000 Teilnehmern verschiedene Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten untersucht. Daran waren in sechs Studienzentren weiße, schwarze, hispanische und chinesische Erwachsene beteiligt. Sie waren zu Beginn der Studie von 45 bis zu 84 Jahren alt und hatten bisher keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgemacht. Bei den Teilnehmern wurden u.a. die Fettsäuren im Blut sowie die Elastizität der Arterien bestimmt. Es zeigte sich, dass höhere zirkulierende Spiegel der Omega-3-Fettsäuren, von EPA und DHA, auch nach der Anpassung an weitere Einflussfaktoren und kardiovaskuläre Risikofaktoren mit einer höheren Elastizität der großen Arterien verbunden waren. Dabei gab es keine Unterschiede aufgrund der jeweiligen ethnischen Zugehörigkeit unter den Teilnehmern. Auf die kleinen Arterien wirkten sich jedoch weder die Omega-3-, noch die Omega-6-Fettsäuren aus.

 

Die Forscher gehen davon aus, dass die Omega-3-Fettsäuren die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid verbessern, die Aktivität von Thrombozyten (Blutplättchen) verringern und die antioxidativen Wirkungen verstärken. Sie verbessern offenbar die Zellmembranen und führen zu weniger Entzündungen und Fibrose (Gewebeveränderung). Bei der Entwicklung der Arteriensteifigkeit spielen Dysfunktionen im Endothel (Innenschicht der Blutgefäße) sowie Entzündungen und die Atherosklerose der großen Arterien eine zentrale Rolle. Es wird vermutet, dass die Beeinträchtigung der großen Arterien auf eine allgemeine Zunahme entzündlicher Aktivitäten in den großen Arterien zurückzuführen ist. Die gute Versorgung mit den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA kann dazu beitragen, solche entzündlichen Reaktionen zu verringern.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass höhere Plasmaspiegel von EPA und DHA sowie der gesamten Omega-3-Fettsäuren in dieser Bevölkerungsstudie bei älteren Teilnehmern ohne kardiovaskuläre Grunderkrankungen mit einer besseren Elastizität der großen Arterien verbunden waren. Diese Ergebnisse könnten das Verständnis der schützenden Wirkung von Omega-3-Fettsäuren potenziell bereichern. Sie unterstützen das Konzept, dass Omega-3-Fettsäuren das kardiovaskuläre Risiko durch spezifische Verbesserungen der Elastizität der großen Arterien verringern könnten. Die Beziehungen zwischen Omega-3-Fettsäuren und der Arterien-Elastizität sollten künftig weiter untersucht werden.

 

Unser Tipp: Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA gibt es nach Bedarf in verschiedenen Dosierungen und Zusammensetzungen. Auf eine gute Qualität, z. B. in der Bioverfügbarkeit und Stabilität, sollte geachtet werden.

 

Quelle
Parveen K. Garg et al., Associations of plasma omega-3 and omega-6 pufa levels with arterial elasticity: the multi-ethnic study of atherosclerosis. In: European Journal of Clinical Nutrition, 76, 2022, S. 1770-1775, doi: 10.1038/s41430-022-01172-9.


Ernährungs-Entzündungs-Index und koronare Herzkrankheiten

 

Bei der koronaren Herzkrankheit spielen Entzündungen eine zentrale Rolle. Eine gesunde Ernährung und entzündungshemmende Mikronährstoffe könnten bei der Prävention und Therapie der koronaren Herzkrankheit eine wichtige Rolle spielen.

 

Die koronare Herzkrankheit wird hauptsächlich durch Verletzungen der Arterienwände (Atherosklerose bzw. Arterienverkalkung) in den Herzkranzgefäßen verursacht. Sie entstehen z. B. durch Schäden im Endothel (Innenschicht der Blutgefäße), Entzündungen und Ablagerungen von Cholesterin in den Gefäßwänden. Solche Ablagerungen (Plaques) können instabil sein und leicht einreißen, bei den Rupturen spielen Entzündungen eine wichtige Rolle, dadurch erhöht sich das Risiko für Blutgerinnsel, die z. B. zum Herzinfarkt führen können. Zu den Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit gehören Störungen im Fettstoffwechsel (Dyslipidämie), Bluthochdruck, Insulinresistenz und entzündliche Prozesse. Vor allem den letzteren widmet man bei der Entstehung der koronaren Herzkrankheit seit einiger Zeit große Aufmerksamkeit. Untersucht wurden dabei die Beziehungen zu ungesunden Ernährungsweisen, das gilt besonders für eine fettreiche Ernährung. Sie gehört zu den Schlüsselfaktoren, die Entzündungen auslösen. Starkes Übergewicht geht häufig mit einer Reihe chronischer Entzündungs-Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck einher, die zur koronaren Herzkrankheit beitragen.

 

Der reichliche Verzehr von gesättigten Fettsäuren erhöht den Cholesterinspiegel und führt zu Entzündungen. Dagegen senkt der Verzehr der mehrfach ungesättigten Fettsäuren entzündliche Prozesse. Von den Omega-3-Fettsäuren Linolensäure (ALA), Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) sowie der Omega-6-Fettsäure Linolsäure ist bekannt, dass sie entzündungshemmende Wirkungen haben. Darüber hinaus sind eine Reihe von Vitaminen und Spurenelementen bei systemischen Entzündungen und koronaren Herzkrankheiten wichtig, das gilt z. B. für die Vitamine D und A. Das Spurenelement Zink wird für viele Enzyme in den Zellen benötigt und kann entzündungsbedingte Schäden verringern. Da Entzündungen ein wichtiger Teil der Atherosklerose sind, könnten Bestimmungen der entzündlichen Faktoren in der Ernährung für die Prävention und Prognose der koronaren Herzkrankheit nützlich sein.

 

Mit dem „Dietary Inflammatory Index (DII)“ lässt sich das entzündungsfördernde oder -hemmende Potenzial der Ernährung bestimmen. Doch bisher wurden die Beziehungen zwischen diesem Ernährungs-Entzündungs-Index und der koronaren Herzkrankheit wenig untersucht. Eine Gruppe von chinesischen Forschern führte dazu jetzt eine Studie durch, um zu prüfen, ob dieser Index für die Prävention und Therapie der koronaren Herzkrankheit hilfreich sein könnte.

Die Forscher nutzten für ihre Analyse Daten aus der großen US-amerikanischen Bevölkerungsstudie NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey, 1999-2018). Darin wurden u. a. bei rund 45.000 erwachsenen Teilnehmern systematisch die Faktoren des Lebensstils, Blutuntersuchungen, Ernährungsweisen und der kardiovaskuläre Status erfasst. Diese Daten wurden mit dem Ernährungs-Entzündungs-Index (DII) ausgewertet. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit zeigte sich ein signifikanter Anstieg bzw. deutlich höhere Entzündungs-Werte. Sie waren schlechter mit den Nähr- und Mikronährstoffen versorgt, für die allgemein anerkannt ist, dass sie Entzündungsreaktionen lindern können.

 

Das galt für die schlechtere Versorgung mit Ballaststoffen, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die B-Vitamine B1, B2, B6, Folsäure und Niacin, die Vitamine A, C, D und E, die Mineralien Magnesium, Zink und Selen, für Beta-Carotin sowie die Omega-3- und -6-Fettsäuren. Die Teilnehmer mit koronaren Herzkrankheiten hatten beim Ernährungs-Entzündungs-Index auch höhere Anteile an entzündungsfördernden Werten, z. B. bei den Fetten. Das galt auch nach der Einbeziehung anderer, möglicher Einflussfaktoren auf koronare Herzkrankheiten (z. B. Alter, ethnische Zugehörigkeit, Rauchen, Alkoholkonsum, Diabetes, Bluthochdruck und BMI). Die Ergebnisse deuten auf einen nicht-linearen Zusammenhang hin. In weiteren Analysen zeigte sich, dass der Anstieg des Ernährungs-Entzündungs-Indexes bei den Frauen stärker ausgeprägt war als bei den Männern.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Analysen von Daten aus der NHANES-Studie an rund 45.000 Erwachsenen aus den USA zeigten, dass erhöhte Werte im Ernährungs-Entzündungs-Index (DII) eng mit dem Risiko für die koronare Herzkrankheit verbunden waren. Künftig sollten diese Beziehungen zwischen der Ernährung, Entzündungen und der koronaren Herzkrankheit weiter untersucht werden. Die Forscher empfehlen, Entzündungen in der Ernährung für die Prävention und Therapie der koronaren Herzkrankheiten besser zu kontrollieren.

 

Unser Tipp: Zur Senkung entzündlicher Prozesse im Körper stehen eine Reihe von antientzündlich wirkenden Vitaminen, Mineralien, pflanzlichen Extrakten und Omega-3-Fettsäuren etc. zur Verfügung. Sie sind in guten Kombinationen verfügbar, da sie im Zusammenspiel mit anderen Mikronährstoffen am besten gegen Entzündungen wirken.

 

Quelle
Lida Wu et al., Dietary Inflammatory Index and Its Association with the Prevalence of Coronary Heart Disease among 45,306 US Adults. In: Nutrients, online 28.12.2022, doi: 10.3390nu14214553.


Probiotika können bei der Einnahme von Antibiotika unterstützen

 

Antibiotika können infektiöse Bakterien hemmen, sie schädigen dabei aber auch die Mikrobiota im Darm. Probiotika können die Regeneration gesunder Darmbakterien fördern. Bisher wurden sie meist erst nach Antibiotika-Gaben empfohlen. Nun zeichnet sich ab, dass die gleichzeitige Einnahme von Anti- und Probiotika für die gesunde Darmflora hilfreich sein könnte.

 

Das Mikrobiota im Darm, die große Gemeinschaft der Darmbakterien, kann durch viele Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören vor allem die Ernährung, der Lebensstil und der Gesundheitsstatus. Wichtig ist, dass die gesunden Darmbakterien in einer deutlichen Überzahl im Vergleich zu schädlichen Substanzen im Darm (infektiöse Bakterien, Pilze, Viren etc.) sind. Dazu gehört, dass sowohl die Menge als auch die Diversität der gesunden Darmbakterien dazu beitragen, die Verdauung zu fördern, das Immunsystem zu beeinflussen und dafür zu sorgen, dass sich Krankheitserreger im Verdauungstrakt nicht ausbreiten können. Die gesunden Darmbakterien unterstützen auch die Funktionen der Darmbarriere. Sie tragen zur Kontrolle bei, welche Stoffe in den Darm hinein gelangen oder vom Darm aus in den Körper austreten können. Längst ist nachgewiesen, dass bei vielen Krankheiten auch die Mikrobiota im Darm gestört wird. Bei bakteriell verursachten Krankheiten wurden ab dem 20. Jahrhundert Antibiotika eingesetzt. Sie bekämpfen gezielt infektiöse Bakterien, hemmen ihren Stoffwechsel und verhindern ihre Vermehrung oder ihr Weiterleben.

 

Bei wiederholten Anwendungen stellte man jedoch fest, dass Antibiotika auch Resistenzen bei einer Reihe von Bakterien verursachen können. Schädliche Mikroorganismen entwickeln dann einen Widerstand, der die Antibiotika-Wirkung verringert oder gar verhindert. Eine oftmals zu breite Anwendung von Antibiotika geriet außerdem in die Kritik, weil sie die Mikrobiota im Darm zu stark beeinträchtigt. Antibiotika verringern nicht nur die zu bekämpfenden Bakterien, sondern stören und schwächen auch die Gemeinschaft der gesunden Darmbakterien in ihrer Menge und Diversität. Die Wirkungen hängen von der Art der Antibiotika und der Dauer der Einnahme ab. Zwar erholt sich die Mikrobiota nach Antibiotika-Einnahmen wieder, es kann jedoch einige Wochen oder Monate dauern, bis sich die Darmbakterien vollständig regeneriert haben. Damit steigt das Risiko, dass in dieser Zeit erneut Bakterien eindringen und Infektionen auslösen können. Daher versucht man seit einiger Zeit, die Gaben von Antibiotika zu verringern bzw. sie gezielter einzusetzen.

 

Seit vielen Jahren hat man erkannt, dass Probiotika, Gaben von gesunden Darmbakterien, die Regeneration der Mikrobiota im Darm unterstützen können. Sie tragen nach Antibiotika-Anwendungen dazu bei, die gesunde Darmflora schneller zu fördern. Die gleichzeitige Anwendung von Antibiotika und Probiotika könnte möglicherweise dazu beitragen, die Schäden der Darmflora zu verringern und schneller zu beseitigen. Eine Gruppe amerikanischer Forscher prüfte dazu die aktuellen Kenntnisse. Nach einer Recherche konnten sie 29 (randomisierte, klinische) Studien in ihre Analyse einbeziehen. Die zusätzlichen Gaben von Probiotika waren jedoch in den einzelnen Studien relativ unterschiedlich, so dass die Ergebnisse schwer vergleichbar waren. Die Probiotika wurden meist zwei Wochen lang parallel zu Antibiotika eingesetzt, wobei verschiedene Arten von Probiotika verabreicht wurden.

 

Das betraf vor allem Laktobazillen (Milchsäurebakterien), Bifidobakterien und Saccharomyces (Zuckerhefen). Trotz der Unterschiede in den Probiotika-Gaben zeigte sich ein deutlicher Trend für die gleichzeitige Verabreichung von Antibiotika und Probiotika. Ihre Kombination trug z. B. dazu bei, Durchfälle und andere Magen-Darm-Symptome zu verringern, unerwünschte Bakterienarten zu senken, dabei aber die Vielfalt der gesunden Bakterien besser zu erhalten und zu stärken.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Trotz der teils unterschiedlichen Studien kann man aus den Ergebnissen auf positive Wirkungen von Antibiotika und Probiotika schließen. Die Kombination kann zwar nicht alle von Antibiotika verursachten Veränderungen im Darm hemmen, jedoch einige wichtige Prozesse mildern und verbessern. Das betrifft vor allem die für die Gesundheit sehr wichtige Diversität der gesunden Darmbakterien. Die Kombination von Anti- und Probiotika sollte daher in künftigen Studien weiter erforscht werden.

 

Unser Tipp: Bei Probiotika haben sich Kombinationen von Bakterienarten seit vielen Jahren bewährt. Das gilt vor allem für die Laktobazillen mit den Arten acidophilus und paracasei sowie für die Bifidobakterien. Wichtig ist eine schonende Zubereitung und die hohe Anzahl an gesunden Bakterien.

 

Quelle
Manfred Melissa Fernández-Alonso et al., Effect of adding probiotics to an antibiotic intervention on the human gut microbial diversity and composition: a systemativ review. In: Journal of Medical Microbiology, online 16.11.2022, doi: 10.1099/jmm.0.001625.


Laktobazillen bei Beschwerden in der Menopause

 

Die langjährige Hormonumstellung bei älteren Frauen in der Menopause kann zu einer Reihe von belastenden Beschwerden führen. Zu ihrer Prävention und Linderung können vermutlich Probiotika, darunter speziell die Milchsäurebakterien (Laktobazillen), beitragen.

 

Die Menopause ist durch das dauerhafte Ausbleiben der Menstruation gekennzeichnet, ausgelöst durch den Verlust der Follikel-Aktivität der Eierstöcke, in denen die Eizellen heranreifen. Der gesamte Prozess des weiblichen Klimakteriums verläuft meist über rund zehn Jahre und beginnt in der Regel um das 45. Lebensjahr herum. Dazu gehören verschiedene Phasen, am Anfang steht die Prämenopause (mit ca. 40 bis 45 Jahren), in denen es zu ersten Veränderungen der Eierstöcke kommt. Sie können zu unregelmäßigen Menstruationen und frühen klimakterischen Beschwerden führen. Als Perimenopause wird der Zeitraum um die letzte Menstruation herum bezeichnet. An die letzte Monatsblutung schließt sich die Postmenopause an, in der größere hormonelle Umstellungen stattfinden. Die Bildung von Östrogen, das wichtigste weibliche Hormon, sinkt ab. Eine gesunde Menopause zeichnet sich durch körperliche, psychische und soziale Zufriedenheit aus, die dazu beitragen, mit den körperlichen und seelischen Veränderungen dieser Lebensphase gut umzugehen.

 

Ein solch harmonischer Übergang bleibt für viele Frauen jedoch ein Wunschbild, weil ihre Beschwerden der Wechseljahre das Wohlbefinden stark beeinträchtigen, längere Zeit anhalten und die Lebensqualität verringern. Zu den typischen Beschwerden gehören z. B. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gereiztheit, Nervosität und Gelenkbeschwerden (Osteoporose) sowie Störungen im Sexual- und Harnwegssystem. Rund ein Viertel der Frauen in der Menopause leidet unter starken Beschwerden. Als wirksamste Therapie des Menopausen-Syndroms gilt die Hormonersatztherapie, die jedoch nicht für alle Frauen geeignet ist. Sie kann Nebenwirkungen haben und sollte möglichst nicht längerfristig eingesetzt werden. Zur Linderung der Beschwerden können auch einige nicht-hormonelle Arzneimittel und nicht-pharmazeutische Therapien beitragen. Zu letzteren gehören z. B. Phytoöstrogene, pflanzliche Substanzen mit östrogen-ähnlichen Aktivitäten, sowie Vitamine und Mineralien, darunter vor allem Kalzium. Auch ein gesünderer Lebensstil und eine bessere Ernährung können zur Linderung der Beschwerden beitragen. Es gibt einige Hinweise, dass Laktobazillen (Milchsäurebakterien), die als Probiotika verwendet werden, bei der Vorbeugung und Linderung komplexer Beschwerden in den Wechseljahren wirksam sind.

 

Eine Gruppe chinesischer Forscher stellte dazu die aktuellen Kenntnisse aus der Forschung vor. Sie richteten ihren Fokus besonders auf die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der vaginalen Mikrobiota (Gemeinschaft mikrobieller Organismen), die Verringerung des Knochenabbaus und die Regulierung des Nervensystems und des Fettstoffwechsels.

Laktobazillen sind Mikroorganismen, die im frühen 19. Jahrhundert entdeckt wurden. Sie kommen u.a. im Verdauungstrakt, in der Mundhöhle, in der Harnröhre und in der Vagina vor. Sie sind in tierischen und pflanzlichen Produkten, vor allem in Milchprodukten, z. B. in Joghurt und Käse, vorhanden. Laktobazillen werden allgemein als für die Gesundheit nützlich betrachtet, das gilt besonders für Stämme, die als Probiotika anerkannt sind, z. B. für Lactobacillus acidophilus etc. sowie Bifidobakterien. Wenn sie in ausreichender Menge vorhanden sind, bieten sie gesundheitliche Vorteile.

 

Laktobazillen produzieren eine Reihe nützlicher Stoffwechselprodukte, darunter antimikrobielle Peptide, kurzkettige Fettsäuren und Milchsäure. Die von Laktobazillen gesteuerte Fermentation (Milchsäuregärung) hat viele gesundheitsfördernde Wirkungen. Dazu gehören z. B. ein verbesserter Nährwert von Lebensmitteln, die Prävention von Darminfektionen, Therapie der Laktoseintoleranz, verbesserte Immunmodulation sowie antioxidative Wirkungen und ein verbesserter Fettstoffwechsel. Laktobazillen tragen weiter dazu bei, ein ungünstiges Milieu der Darmbakterien zu regulieren. Die gute Versorgung mit Laktobazillen erhöht die gesunde Bakterienpopulation im Darm, verbessert die Barrierefunktion des Darmepithels (Zellschicht der Darm-Innenseite) und reguliert die Bildung von Zytokinen (Botenstoffe bzw. regulatorische Peptide und Proteine im Immunsystem). Bei den komplexen Beschwerden der Menopause können Laktobazillen z. B. auf Gelenkbeschwerden einwirken. Sie können die Freisetzung von Mineralien fördern, speziell die Kalzium-Absorption verbessern, entzündliche Prozesse hemmen und die Balance des Knochenstoffwechsels fördern.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Nachweise zur Wirkung von Laktobazillen bei Beschwerden in der Menopause deuten darauf hin, dass Ergänzungen vielversprechend sind. Die Forschung zu Laktobazillen und ihrem Einfluss auf menopausale Beschwerden sollte daher intensiviert werden. Laktobazillen bilden vorteilhafte Metaboliten (Zwischenstufen oder Abbauprodukte im Stoffwechsel), bekämpfen oxidativen Stress, stärken die Immunität und fördern gesunde Funktionen der Mikrobiota im Darm. Laktobazillen könnten bald ein unverzichtbarer Bestandteil der alltäglichen und therapeutischen Versorgung von Frauen in der Menopause werden. Sie können sehr gut in die Strategien zur Prävention und Therapie von Beschwerden einbezogen werden und von den frühen bis zu späteren Phasen der Menopause wirksam sein.

 

Zur Ergänzung von Laktobazillen sollten nur Bakterienstämme eingesetzt werden, deren Wirkungen bereits gut untersucht und dokumentiert sind, wie es bei Probiotika der Fall ist. Abhängig von den Symptomen und dem Grad der Beschwerden in der Menopause können Laktobazillen durch weitere immunstärkende, antioxidative und mineralische (z. B. Kalzium) Mikronährstoffe ergänzt werden.

 

Unser Tipp: Zu den wichtigsten und am besten dokumentierten Probiotika-Stämmen gehören z. B. Lactobacillus acidophilus und paracasei sowie Bifidobakterium bifidum. Wichtig für eine gute Wirkung im Darm ist die Aufnahme einer hohen Anzahl der Bakterien und eine schonende Zubereitung, mit der die Passage in den Darm gefördert wird.

 

Quelle 
Qian Chen et al., Lactic Acid Bacteria: A Promising Tool for Menopausal Health Management in Women. In: Nutrients, online 24.10.2022, doi: 10.3390/nu14214466.


 

Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren haben sowohl antientzündliche als auch schmerzlindernde Wirkungen. Davon könnten ältere Menschen in Bezug auf ihre Schmerzvorkommen längerfristig profitieren, wie eine spanische Studie zeigt.

 

Ältere Menschen sind durch degenerative Prozesse, z. B. im Knochensystem, und Krankheiten häufiger von Schmerzen betroffen. Sie werden bei Krankheiten, Verletzungen und Entzündungen hervorgerufen und je nach Ursache mit schmerzlindernden Medikamenten oder anderen Methoden (Physiotherapie, autogenes Training etc.) behandelt. Bisher gibt es jedoch nur wenige Möglichkeiten der Schmerzprävention, z. B. mit einem regelmäßigen Körpertraining und gesunder Ernährung, ein höheres Alter gilt dabei als besondere Herausforderung. Es gibt Nachweise, dass einige Mikronährstoffe bei Schmerzprozessen eine Rolle spielen könnten. Dazu gehören vor allem Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren, die in Bezug auf die Schmerzlinderung vielversprechend sein könnten. Vitamin D, das z. B. reichlich in fettreichen Fischen und Eiern enthalten ist, spielt eine wichtige Rolle bei der Knochengesundheit, Schmerzsignalen und Entzündungen.

 

Auch von den Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen sind entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen bekannt. Dennoch wurden die Beziehungen zwischen der Aufnahme von Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und den Vorkommen von Schmerzen bisher kaum untersucht. Eine Gruppe spanischer Forscher prüfte dazu nun die Ergebnisse von zwei Untersuchungen im Rahmen einer großen spanischen Bevölkerungsstudie, der „Seniors-ENRICA-1-Kohorte“. Sie wurde seit 2008 über rund zehn Jahre an 950 älteren Erwachsenen ab 60 Jahren durchgeführt. Geprüft wurde der Zusammenhang zwischen Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und dem Auftreten und der Entwicklung von Schmerzen über einen Zeitraum von fünf Jahren.

 

Bei den Teilnehmern der Studie wurden die Aufnahmen von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren in den Jahren 2008-2010 und 2012 mit einer umfassenden Erhebung zur Ernährung erfasst. 2012 und noch einmal 2017 wurden die Teilnehmer außerdem ausführlich zu ihren Schmerzen befragt. Die Forscher nutzten dazu eine europäische Schmerzskala mit Werten von 0 (schmerzfrei) bis zu 6 (stärkste Schmerzen). Sie erfassten auch die Häufigkeit der Schmerzen und die Anzahl der Stellen im Körper, in denen sie auftraten. Die Daten wurden an andere, mögliche Einflussfaktoren angepasst, dazu gehörten u.a. soziodemografische Kriterien, der Lebensstil und die Ernährungsqualität. In dieser Gruppe älterer Spanier war die Einhaltung der Empfehlungen zur Vitamin-D-Zufuhr sehr gering. Schon eine leicht verbesserte Aufnahme von Vitamin D aus der Nahrung war mit einem geringeren Auftreten von Schmerzen und günstigeren Veränderungen des Schmerzempfindens im Lauf der fünfjährigen Beobachtungszeit verbunden.

 

Dies unterstreicht die Rolle von Vitamin D als eine möglicherweise ergänzende Strategie zur Schmerzprävention und -behandlung. Auch ein erhöhter Verzehr von fettreichen Fischen mit der Aufnahme von reichlich Omega-3-Fettsäuren war mit geringeren Vorkommen von Schmerzen und geringerer Intensität im Lauf dieser fünf Jahre verbunden. Dabei zeigte sich für jede Steigerung um 25 g Fischverzehr pro Tag (bzw. 1,5 Portionen pro Woche) verringerte Schmerzwerte. Die schmerzlindernde Wirkung der Omega-3-Fettsäuren ließ sich auch einzeln nachweisen, das galt sowohl für die EPA (Eicosapentaensäure) als auch für die DHA (Docosahexaensäure). Im Gegensatz dazu war der gesamte Verzehr von Fischwaren sowie der Verzehr von Weißfischen, die nur geringe Mengen an Omega-3-Fettsäuren enthalten, nicht mit den Schmerzen verbunden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: In dieser Studie mit älteren Spaniern war ein erhöhter Verzehr von Vitamin D sowie von Omega-3-Fettsäuren mit geringeren Schmerzvorkommen über einen Zeitraum von fünf Jahren verbunden. Diese Beziehungen zwischen Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und den Schmerzempfindungen sollten in weiteren Studien näher untersucht werden. Dabei sollte auch geklärt werden, ob die Gaben von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren auch als Ergänzungen schmerzlindernd wirken können.

 

Unser Tipp: Die Versorgung mit Vitamin D ist vor allem in den sonnenärmeren Jahreszeiten oft zu gering. Vielen Menschen, die nur wenig oder keinen Fisch essen, fehlt es dazu an Omega-3-Fettsäuren. Bei Bedarf können diese Mikronährstoffe sehr gut ergänzt werden.

 

Quelle
Adrián Carballo-Casla et al, Fish consumption, omega-3 fatty acid intake, and risk of pain: the Seniors-ENRICA-1 cohort. In: Clinical Nutrition, online 15.9.2022, doi: 10.1016/j.clnu.2022.09.007.


Mikronährstoffe fürs Immunsystem im höheren Alter

 

Mit zunehmendem Alter wird das Immunsystem schwächer. Ältere Menschen sind daher anfälliger für Infektionskrankheiten und erkranken häufiger schwerer daran, wie z. B. in der COVID-19-Pandemie. Die gute Versorgung mit wichtigen Vitaminen, Mineralien und anderen Mikronährstoffen fürs Immunsystem kann dazu beitragen, diese altersbedingten Veränderungen zu verringern.

 

Das Immunsystem besteht aus angeborenen und angepassten Reaktionen, wobei vor allem die letzteren mit dem zunehmendem Alter stark beeinträchtigt werden, was oft "Immunoseneszenz" genannt wird. Damit steigt die Anfälligkeit für Infektionen, weiter werden Entzündungen, die das angeborene Immunsystem anregen, im Alter nicht mehr so gut reguliert. Dadurch können z. B. Viren nicht mehr so gut bekämpft werden und die Schwere der davon abhängigen Symptome steigt. Im Knochenmark und im Thymus werden weniger Immunzellen gebildet, außerdem altern auch die Zellen, es treten mehr Dysfunktionen in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) auf, und der oxidative Stress steigt stärker an. Die physikalischen Barrieren (Haut, Schleimhaut, Darmepithel) sind Teil des angeborenen Immunsystems und tragen dazu bei, das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern.

 

Da sich die Zellen und Gewebe mit zunehmendem Alter schwächer regenerieren, wird die Barrierefunktion geschwächt, wodurch Krankheitserreger leichter in den Körper eindringen können. Diese Veränderungen betreffen nicht nur kranke Menschen, sie sind auch bei gesunden Älteren zu beobachten. Entzündungen können als Reaktion auf Reize zwar auch in höherem Alter ausgelöst werden, aber ihre Effektivität ist häufig beeinträchtigt. Dies kann zu chronischen Krankheiten beitragen und die Immunreaktionen weiter schwächen. Kann das angeborene Immunsystem eine Infektion nicht beseitigen, übernimmt die adaptive Abwehr die Führung, dazu gehören die T- und B-Lymphozyten. Sie vernichten infizierte Zellen, bilden spezifische Antikörper gegen spezielle Erreger und tragen zu einem immunologischen Gedächtnis bei, damit wiederholte Infektionen besser abgewehrt werden können. Der Thymus als zentrales Organ der T-Zellen-Reifung schrumpft mit dem Alter, damit werden die von den T-Lymphozyten abhängigen Immunreaktionen deutlich schwächer, und die Krankheitsverläufe sind oft schwerer und langwieriger. Wie sich z. B. bei COVID-19 zeigte, kann auch die Wirksamkeit einiger Impfstoffe mit dem Alter abnehmen.

 

Ein angemessener Status an Mikronährstoffen, auch durch Ergänzungen, ist mit einer verbesserten Impfreaktion, auch bei COVID-19, verbunden. In einer englischen Studie hatten die Nutzer von Vitamin A, D, Zink, Omega-3-Fettsäuren und Probiotika z. B. ein geringeres Risiko für Infektionen mit COVID-19. Bei den saisonalen Grippeimpfungen fällt die Antikörperreaktion der Älteren oft geringer aus als bei Jüngeren, daher sind sie an ihre Altersgruppe angepasst. Eine Studie zeigte außerdem, dass Ergänzungen von Vitamin D die Impfreaktionen verbesserten. Eine Gruppe von internationalen Forschern stellte in einer Übersicht die aktuellen Kenntnisse zu den Beziehungen zwischen der Ernährung, Mikronährstoffen und der Ernährung und ihrer Wirkung auf das Immunsystem vor.

Generell ist eine gute Ernährung für ein gut funktionierendes Immunsystem von entscheidender Bedeutung. Sie kann für ältere Menschen mit dysregulierten Immunreaktionen sowie einer unzureichenden Ernährung besonders wichtig sein. Bei einigen Mikronährstoffen ist der Bedarf bei älteren Menschen höher als in der allgemeinen Bevölkerung, was auf eine verminderte Nährstoffaufnahme und -verwertung sowie auf unterschiedliche physiologische Zustände (Entzündung, Immunoseneszenz etc.) zurückzuführen ist. Dies spiegelt sich in den zum Teil etwas höheren Empfehlungen für Nährstoffe zur Unterstützung des Immunsystems bei gesunden älteren Menschen wider. Ergänzungen von Mikronährstoffen können die Versorgung bei Bedarf verbessern, die Zufuhr von Nahrungsergänzungen ist sicher, da die Dosierungen unter den empfohlenen Sicherheitsobergrenzen liegen.

 

Ein höherer, individueller Bedarf an Mikronähstoffen kann bei kranken, älteren Patienten bestehen und entsprechend angepasst werden. Es gibt immer mehr Hinweise, dass ein optimaler Status von Mikronährstoffen, speziell der Vitamine C, D und E, der Mineralien Selen und Zink sowie der gesunden Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen, DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure), dazu beitragen können, die altersbedingten Veränderungen des Immunsystems auszugleichen bzw. zu verringern.

Gute Versorgungen mit Mikronährstoffen fördern auch im höheren Alter die Aufrechterhaltung einer effizienten Immunabwehr gegen bakterielle und virale Infektionen. Wir stellen als Beispiel die Wirkungen von Vitamin C bei älteren Menschen vor. Vitamin C ist ein starkes Antioxidans und trägt dazu bei, entzündliche Prozesse zu verringern. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Immunabwehr, wird von den Zellen des angeborenen und angepassten Immunsystems benötigt und erhöht den Schutz vor Schäden infolge von entzündlichen Reaktionen. Vitamin C fördert die Barrierefunktion, die Funktion vieler Immunzellen (Neutrophile, Monozyten, Makrophagen, NK- und T-Zellen) sowie die Bildung von Antikörpern. Ein Mangel an Vitamin C erhöht die Anfälligkeit für Infektionen, z. B. für Lungenentzündungen, und seine Konzentration im Blut sinkt während akuter Infektionen.

 

Bei schwerkranken Patienten mit Atemwegsinfektionen zeigte sich ein Trend zu niedrigeren Vitamin C-Konzentrationen (im Plasma), in den Blutplättchen und in den Immunzellen. In einer anderen Studie waren die niedrigsten Konzentrationen von Vitamin C mit einer geringeren Lebensperspektive verbunden. Kontrollierte Studien zu Ergänzungen von Vitamin C bei älteren Menschen, um Reaktionen auf Infektionen zu verbessern, sind bisher relativ selten und heterogen, was die Interpretation erschwert. Dennoch legen die bisherigen Kenntnisse zu Vitamin C und seiner wichtigen Rolle für das Immunsystem nahe, dass eine angemessene Zufuhr für ältere Menschen sehr wichtig ist. Allerdings ist die unzureichende Zufuhr von einigen Mikronährstoffen recht weit verbreitet und bei älteren Menschen oftmals ausgeprägter. Tendenziell nimmt der Energiebedarf im höheren Alter im Vergleich zu den Jüngeren ab, dabei bleibt der Bedarf an Mikronährstoffen ähnlich oder ist sogar in einigen Fällen höher. Darüber hinaus liegt der Bedarf an bestimmten Nährstoffen, wie z. B. Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren in einem Bereich, der kaum allein durch die Ernährung gedeckt werden kann. Hinzu kommt, dass auch die Absorption von Mikronährstoffen im Alter oftmals beeinträchtigt ist und Krankheiten den Gesundheitszustand belasten können.

 

Zwar wird häufig betont, dass der Bedarf an Mikronährstoffen idealerweise durch die ausgewogene Ernährung gedeckt werden sollte, doch im Alltag ist dies besonders für ältere Menschen oft nur schwer zu erreichen. Angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungen können dazu beitragen, die angemessene Versorgung von Mikronährstoffen zu erreichen. Sie sollten als sicheres und kosteneffizientes Mittel für ältere Menschen in Betracht gezogen werden, um ihren Ernährungszustand zu verbessern und ihre Abwehrkräfte zu unterstützen. Älteren Menschen wird empfohlen, ihre Ernährung mit einer Kombination von Mikronährstoffen zu ergänzen, vor allem mit solchen, die eine Schlüsselrolle für das Immunsystem spielen, wie die Vitamine C, D und E, Selen und Zink sowie die Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA.

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Unterstützung des Immunsystems durch eine gute Ernährung kann, zusätzlich zu anderen Maßnahmen (z. B. gute Hygiene, soziale Distanzierung) dazu beitragen, Infektionen vorzubeugen. Trotz der zum Teil bisher nicht ausreichenden Studien unterstützten die Nachweise die Rolle von ergänzenden Mikronährstoffen und Omega-3-Fettsäuren. Gerade im höheren Alter sollte die angemessene Zufuhr aller wichtigen Mikronährstoffe sichergestellt werden, um Lücken in der Versorgung zu vermeiden. Dabei muss die Unterstützung des Immunsystems bei älteren Erwachsenen stärker im Mittelpunkt stehen. Empfehlenswert ist z. B. eine jährliche Bewertung des individuellen Status an Mikronährstoffen (Mini-Nutritional Assessment Short Form sowie Blut- und Urin-Untersuchungen). Abhängig von den Ergebnissen könnten individuelle Maßnahmen, z. B. mit Nahrungsergänzungen, für eine verbesserte Versorgung von Mikronährstoffen sorgen.

 

Unser Tipp: Für die Unterstützung des Immunsystems gibt es eine Reihe von Mikronährstoffen zur Nahrungsergänzung, die mit speziellen Formeln das Immunsystem stärken können. Auf eine gute Qualität sollte dabei immer geachtet werden.

 

Quelle
Manfred Eggersdorfer et al., Perspective: Role of micronutrients and Omega-3 Long-Chain Polyunsaturated Fatty Acids for Immune Outcome of Relevance to Infections in Older Adults — A Narrative Review and Call for Action. In: Advances in Nutrition Vol. 13, Nr. 5, September 2022, S. 1415-1430, doi: 1093/advances/nmac058.


Mikronährstoffe bei digitaler Augenbelastung

 

Durch die regelmäßige Nutzung von Computern und anderer digitaler Geräte sind die Augen erheblich belastet. Zur Linderung der häufigen Beschwerden tragen auch Mikronährstoffe bei. Das gilt vor allem für Omega-3-Fettsäuren, Anthocyane und die für die Augen besonders wichtigen Makula-Carotinoide.

 

Immer mehr Menschen nahezu jeden Alters verbringen viele Stunden am Tag in ihrer Arbeit und Freizeit an den Bildschirmen elektronischer Geräte, z. B. Smartphones, Tablets, Reader und Computer. Das kann zu Augenbelastungen führen. Laut einer Angabe von US-amerikanischen Augenärzten reichen bereits zwei Stunden ununterbrochener Bildschirmarbeit aus, um Augenbeschwerden und Sehprobleme zu entwickeln. Mehr als 80 % der Erwachsenen und viele Kinder und Jugendliche überschreiten diese Zeit jedoch regelmäßig bei weitem. Das verstärkt das Risiko für digitale Augenbelastungen. Zu den häufigsten Beschwerden gehören trockene Augen, die zu Reizungen, Brennen oder Stechen führen können. Zu den typischen Beschwerden gehören weiter Augenermüdung und -schmerzen, verschwommenes Sehen, Doppelbilder und Kopfschmerzen. Im Vergleich zum Lesen gedruckter Texte ist die Nutzung digitaler Bildschirme mit einer größeren Belastung für die Augenmuskeln verbunden.

 

Die bisherigen Kenntnisse zur Belastung durch übermäßige Bildschirmzeiten deuten darauf hin, dass sie mit oxidativen Schäden in den Augen und chronischen, proentzündlichen Zuständen verbunden sind. Es gibt außerdem Hinweise, dass einige Mikronährstoffe möglicherweise dazu beitragen, digitale Augenbelastungen zu lindern. Dazu können ihre antioxidativen, antientzündlichen und augenstärkenden Funktionen beitragen. Sie zeigten sich vor allem für Omega-3-Fettsäuren, Anthocyane (sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Flavonoide) und bestimmten Carotinoiden.

Bei Dysfunktionen der Augenoberfläche ist die entzündungshemmende Wirkung der gesunden Omega-3-Fettsäuren bei trockenen Augen mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung gut dokumentiert und in klinischen Studien nachgewiesen. Schon bei kurzfristiger Anwendung können sich z. B. die Tränenproduktion und -sekretion verbessern. Auch bei anderen Augensymptomen durch Nutzung digitaler Geräte geht man davon aus, dass Omega-3-Fettsäuren solche Beschwerden lindern könnten. Einige Früchte und Blattgemüse enthalten Anthocyane, für die verschiedene Wirkungen auf die Augengesundheit nachgewiesen sind. Sie haben antioxidative, antientzündliche und immunmodulierende Eigenschaften, die u.a. auf die Netzhaut wirken und den lichtinduzierten oxidativen Stress verringern können.

 

Reich an Anthocyanen sind z. B. Extrakte aus schwarzen Johannisbeeren und Heidelbeeren. Ergänzungen von Anthocyanen können eine gute Strategie sein, um ausreichende Aufnahmen dieser Mikronährstoffe zu erreichen und gute Sehleistungen zu fördern. Sie können zum Schutz vor visuell bedingtem, kognitiven Stress und digitalen Augenbelastungen beitragen. Gute Wirkungen auf die Netzhaut (Makula) sind auch für die Carotinoide Lutein, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin nachgewiesen, die inzwischen oft als Makula-Carotinoide bezeichnet werden. Sie spielen eine grundlegende Rolle bei der Integrität der Netzhaut und der optimalen, zentralen Sehschärfe. Sie bilden das Makulapigment, das zum Schutz vor schädlichem Blaulicht beitragen und oxidative Schäden verringern kann. Bei digitalen Augenbeschwerden könnten sie dazu beitragen, die Sehleistungen durch Vermeidung von Blendungen zu verringern. Sie fördern auch verbesserte kognitive Funktionen und die allgemeinen Sehleistungen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Computer und andere elektronische Geräte sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie führen jedoch immer häufiger zu einer Überanstrengung der Augen, die Therapien erfordert. Dabei wurde die Rolle der Ernährung zur Förderung optimaler Sehleistungen und mögliche Folgen von unzureichenden Aufnahmen von Mikronährstoffen in den letzten Jahren immer deutlicher. Eine Reihe von Nachweisen zeigt inzwischen den Nutzen von Nahrungsergänzungen, vor allem von Omega-3-Fettsäuren, Anthocyanen und für die Augen wichtigen Carotinoiden. So eignen sich z. B. kurzfristige Ergänzungen von Omega-3-Fettsäuren offenbar gut für die Linderung von trockenen Augen. Auch Anthocyane und die Makula-Carotinoide (Lutein, Zeaxanthin etc.), die auf die Augen und die Netzhaut wirken, können durch ihre antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften bei digitalen Augenbeschwerden zur Linderung beitragen. Auch wenn längst noch nicht alle Beziehungen zwischen Mikronährstoffen und digitalen Augenbelastungen geklärt sind, liefern die bisherigen Erkenntnisse schon jetzt starke Nachweise für ihre lindernden Wirkungen.

 

Unser Tipp: Omega-3-Fettsäuren, Anthocyane, z. B. Heidelbeerextrakte, und Carotinoide, darunter auch die Makula-Carotinoide, gibt es als Nahrungsergänzungen einzeln und in verschiedenen Kombinationen. Speziell für die Stärkung der Augen gibt es gut kombinierte Formeln mit den wichtigsten Mikronährstoffen für die Augengesundheit.

 

Quelle 
Drake W. Lem et al., Can Nutrition Play a Role in Ameliorating Digital Eye Strain? In: Nutrients, online 27.9.2022, doi: 10.3390/nu14194005.


Fisch gilt als sehr gesund, vor allem wegen seines Gehalts an Omega-3-Fettsäuren. Sie können z. B. das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen.

 

Fisch gilt als sehr gesund, vor allem wegen seines Gehalts an Omega-3-Fettsäuren. Sie können z. B. das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen. In einer Analyse mehrerer Studien zeigte sich, dass diese Wirkungen nicht allgemein auf den Fischverzehr zurückzuführen sind, sondern nur für den Verzehr der fettreicheren Fischarten gelten.

 

Der regelmäßige Verzehr von Fisch wird seit langem mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Das wird größtenteils auf den hohen Gehalt an den gesunden, langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) zurückgeführt. Sie sind allerdings nicht in allen Fischarten gleichermaßen vorhanden, so liefern fettreiche Fische bis zu ≤10-mal höhere Mengen an Omega-3-Fettsäuren als magerer Fisch. Zu den fettreichen Fischen gehören z. B. Bückling, Hering, Lachs, Makrelen, Sardinen und Thunfisch. Als mager gelten u.a. Kabeljau, Scholle, Muscheln und Seelachs. Bis heute fehlt jedoch ein Standard für die Unterscheidung von fettreichen und mageren Fischen. Meist geht man für fetten Fisch von über 4 g Fettgehalt pro 100 g Fisch aus. Unterschiedlich ist in verschiedenen Fischsorten natürlich auch der Gehalt anderer Nährstoffe, darunter z. B. die Mikronährstoffe Kalzium, Kalium, Eisen und Vitamin D. Auch sie können das Herz-Kreislauf-System beeinflussen.

 

Eine Gruppe italienischer Forscher prüfte daher die Beziehungen in einer Meta-Analyse. Ihr Ziel war es, die Kenntnisse über den Verzehr fettreicher und magerer Fische und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten zusammenzufassen. Sie führten dazu eine umfassende Literaturrecherche in den einschlägigen Medizin-Datenbanken bis zum Mai 2021 durch. Sie konnten schließlich 19 Berichte in ihre Meta-Analyse einbeziehen. Die Auswertung ermöglichte einen Vergleich zwischen dem höchsten und niedrigsten Fischkonsum in Bezug auf die Herzgesundheit und erfasste auch andere Risikofaktoren, z. B. den Lebensstil und die Ernährung.

 

Insgesamt schlossen die zum Teil langjährigen Studien zu fettem Fisch rund 20.500 Fälle von koronaren Herzkrankheiten, rund 9.300 Fälle von Herz-Kreislauf-Krankheiten und knapp 105.000 Todesfälle aufgrund dieser Krankheiten ein. Die Studien zu magerem Fisch umfassten rund 22.000 koronare Herzkrankheiten, knapp 7.000 Herz-Kreislauf-Krankheiten und knapp 17.000 Todesfälle. Für fettreiche Fische zeigte sich ein geringeres Risiko für koronare Herzkrankheiten und dadurch bedingte Sterbefälle. Beim mageren Fisch gab es dagegen kein verringertes Risiko. Bei der Kombination von fettreichem und mageren Fisch zeigte sich ebenfalls kein signifikanter Zusammenhang zu den Vorkommen von koronaren Herzkrankheiten, Herz-Kreislauf-Krankheiten und den davon bedingten Todesfällen. Diese Ergebnisse unterstützen die Empfehlungen zum regelmäßigen Verzehr von fettreichem Fisch.

 

Ein bis zwei Portionen pro Woche reichen für die meisten Erwachsenen aus, um kardiovaskuläre Vorteile für die Prävention zu erreichen. Obwohl magerer Fisch keine schützenden Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System bietet, kann er im Rahmen einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Ernährung als gute Quelle für tierisches Eiweiß verzehrt werden. Dieser recht mäßige Fischverzehr kann dazu beitragen, die weitere Überfischung der Bestände zu begrenzen. Zur ökologischen Nachhaltigkeit gehört auch die Empfehlung, auf die kleinsten Fischarten mit dem kürzesten Lebenszyklus umzusteigen. Sie gehören vorwiegend zu den fettreicheren Fischarten und sollten wegen ihres gesundheitlichen Nutzens bevorzugt werden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Studie weist erstmals in einer Meta-Analyse die Beziehung zwischen dem Verzehr fettreicher und magerer Fische und ihren Bezug zu Herz-Kreislauf-Krankheiten nach. Die Ergebnisse unterstützen die Ansicht, dass die bisher mit dem Fischverzehr in Verbindung gebrachten gesundheitlichen Vorteile tatsächlich auf die fettreichen Fischarten beschränkt sind. Daher sollten sie zum Verzehr bevorzugt werden, dies gilt vor allem für die aus ökologischen Gründen nachhaltigeren Fische, um zur Erhaltung des Lebens unter Wasser beizutragen. Ein bis zwei Portionen fettreicher Fisch pro Woche sind für die meisten Erwachsenen sinnvoll. Dies könnte einen wichtigen Beitrag für die Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten leisten.

 

Unser Tipp: Viele Menschen essen Fisch eher selten oder gar nicht. Dann können Nahrungsergänzungen mit Fischölen zur besseren Versorgung von EPA und DHA beitragen. Mit einem unterschiedlichen Gehalt können sie, je nach allgemeinem oder speziellen Bedarf (z. B. bei Herz-Kreislauf-Krankheiten), auch sehr gut individuell dosiert werden.

 

Quelle
Stephen Annalisa Giosuè et al., Relations between the Consumption of Fatty or Lean Fish and Risk of Cardiovascular Disease and All-Cause-Mortality: A Systematic Review and Meta-Analysis. In: Advances in Nutrition Vol. 13, Nr. 5, September 2022, S. 1554-1565, doi: 10.1093/advances/nmac006.


Omega-3-Fettsäuren für die Skelettmuskulatur im Alter

 

Im höheren Alter geht ein Teil der Masse an Skelettmuskeln samt den davon abhängigen Funktionen verloren. Gute Aufnahmen an den mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren konnten in einer Studie die Muskelkraft leicht verbessern.

 

Im höheren Alter sind die guten Funktionen der Skelettmuskulatur für die Mobilität und Unabhängigkeit sowie für die Senkung der Sturzgefahr sehr wichtig. Zum Altern gehört jedoch, dass der Verlust an Skelett-Muskelmasse mitsamt ihren Funktionen voranschreitet. Im Durchschnitt verlieren ältere Erwachsene im Alter von 70-79 Jahren ~1 % ihrer fettfreien Muskelmasse pro Jahr, während der jährliche Verlust an Muskelkraft je nach Geschlecht und Ethnie zwischen knapp 3 % und rund 4 % liegt. Damit verbunden sind Beeinträchtigungen der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen), oxidativer Stress und Insulinresistenz. Das kann die Gesundheit der Muskeln, des Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Systems weiter beeinträchtigen. Die regelmäßige und angemessene Bewegung verbessert die Muskelkraft, kann den Rückgang der Störungen in den Muskelfunktionen verlangsamen sowie die Mitochondrien und die Fitness des Herz-Kreislauf-System stärken.

 

Allerdings ist die körperliche Betätigung bei älteren Erwachsenen oft weniger effektiv als bei Jüngeren. Auf molekularer und zellulärer Ebene wird das Altern mit einer abgeschwächten anabolen Reaktion (Aufbau körpereigener Substanzen oder Gewebe) auf Bewegungs- und Ernährungsreize verbunden. Dazu können z. B. Dysfunktionen der Mitochondrien und beeinträchtigte (seneszente) Zellen in Phasen von Muskelwachstum und -reparatur beitragen. Die Ansammlung von gealterten Zellen und entzündungsfördernden Immunzellen kann zu anhaltenden niedriggradigen Entzündungen beitragen, die im Alter häufig vorhanden sind. Sie spielen auch bei der altersbedingten anabolen Resistenz eine wichtige Rolle. Eine gute Versorgung mit den gesunden Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen könnte dazu beitragen, solche chronischen Entzündungen zu verbessern. Sie könnte auch die anabole Resistenz verringern und Trainingsreaktionen verbessern.

 

Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften, können Triglyzeride senken und möglicherweise auch geringere anabole Reaktionen auf Körperbewegung bei älteren Erwachsenen verstärken. Einige Studien zeigten, dass Ergänzungen der Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) die Synthese von Muskelproteinen verstärkte oder die Kraft älterer Frauen beim Sport erhöhten. Eine Gruppe von Forschern aus den USA und China knüpfte an diese Ergebnisse an. Sie zeigten in einer kleinen Studie, dass Omega-3-Fettsäuren über vier Monate bei älteren Erwachsenen die Wirkungen eines Körpertrainings auf die Synthese von Muskelproteinen verstärkte. Außerdem verringerte sich bei den Teilnehmern die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (freie Radikale) in den Mitochondrien. Im Anschluss führten die Forscher eine (randomisierte, kontrollierte) Studie durch, um Ergänzungen von EPA und DHA über sechs Monate in Bezug auf die Skelettmuskeln, Mitochondrien und Belastungsreaktionen bei älteren Erwachsenen zu untersuchen.

 

An der Studie nahmen 63 gesunde, ältere Personen (Durchschnitt 71 Jahre) teil, die auf zwei Gruppen verteilt wurden. Die eine Gruppe ergänzte sechs Monate lang täglich 4 g Omega-3-Fettsäuren, die andere Gruppe erhielt zur Kontrolle ein Placebo. Untersucht wurden Wirkungen auf die Funktionen der Skelettmuskeln (Masse, Kraft), Mitochondrien (Atmung, ATP-Produktion, ROS-Erzeugung) und akute Belastungsreaktionen der Muskeln und des Körpers. Im Vergleich zum Placebo gab es bei Teilnehmern, die Omega-3-Fettsäuren eingenommen hatten, einen leichten, signifikanten Anstieg in der Muskelkraft. Weiter konnten akute, belastende Reaktionen auf die Körperbetätigung im Vergleich zum Placebo leicht abgeschwächt werden. Dies wirkte sich jedoch nicht auf die Mitochondrien-Funktionen aus. Dazu merken die Forscher an, dass in der gesamten Teilnehmer-Gruppe keine Mitochondrien-Defizite festgestellt wurden. Sie halten es daher für denkbar, dass Omega-3-Fettsäuren den Energiestoffwechsel in stärker geschädigten Mitochondrien bei anderen älteren Erwachsenen verbessern können.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren konnte im Lauf von sechs Monaten die Kraft der Skelettmuskeln und Reaktionen auf ein Körpertraining bei gesunden, älteren Erwachsenen leicht und signifikant verbessern. Die Forscher heben hervor, dass die älteren Teilnehmer in dieser Studie gesund und selbstständig lebten und keine Merkmale von Gebrechlichkeit oder chronischen Entzündungen aufwiesen. Ergänzungen von Omega-3-Fettsäuren könnten bei älteren Menschen mit stärkeren Beeinträchtigungen der Skelettmuskulatur, chronischen Entzündungen, Sarkopenie (Abbau der Skelett-Muskulatur) und Stoffwechsel-Krankheiten möglicherweise einen größeren therapeutischen Nutzen haben. Dies müsste in weiteren Studien geklärt werden.

 

Unser Tipp: Omega-3-Fettsäuren werden als Nahrungsergänzungen in verschiedenen Dosierungen und Anteilen von EPA und DHA angeboten. Auf eine gute Qualität und Stabilität sollte geachtet werden.

 

Quelle
Hawley E. Kunz et al., A Randomized Trial of the Effects of Dietary n3-PUFAs on Skeletal Muscle Function and Acute Exercise Response in Healthy Older Adults. In: Nutrients, online 27.8.2022, doi: 10.3390/nu14173537.