Die mediterrane Ernährung gilt als sehr gesund. Wie eine neue Studie zeigt, kann sie auch die Gesundheit der Knochen und Muskeln fördern.


Die mediterrane Ernährung gilt als sehr gesund. Wie eine neue Studie zeigt, kann sie auch die Gesundheit der Knochen und Muskeln fördern. Je besser die mediterrane Kost eingehalten wurde, umso stärker sank das Risiko für Knochenbrüche.


Die Mittelmeerkost gilt weithin als gesunde Ernährung und wird auch zur Prävention für von der Ernährung abhängige Krankheiten empfohlen. Dazu gehören z.B. Herz-Kreislauf- und Krebskrankheiten sowie der Typ-2-Diabetes. Einige Studien zeigten, dass die mediterrane Ernährung auch zur Gesundheit des Bewegungsapparats, d.h. des Knochen- und Muskelsystems, beitragen kann, obwohl die Forschung dazu bisher begrenzt ist. Die Mittelmeerdiät ist durch einen hohen Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln, von Obst, Gemüse, Nüssen, Getreidewaren und Olivenöl, gekennzeichnet. Fisch und Alkohol werden eher mäßig und Milchprodukte sowie rotes und verarbeitetes Fleisch werden nur gering verzehrt. Mit dieser Ernährung werden reichlich Antioxidantien, einschließlich von Vitamin C, Carotinoiden, Selen und Magnesium, sowie Ballaststoffe aufgenommen. Sie wirken sich positiv auf die Gesundheit von Knochen und Muskeln aus. Auch die in Obst, Gemüse und Olivenöl enthaltenen Polyphenole sowie die Omega-3-Fettsäuren, vor allem aus Fischölen, können die Knochengesundheit unterstützen. Omega-3- Fettsäuren hemmen z.B. entzündliche Prozesse und verbessern den Kalziumtransport. Antioxidantien und Polyphenole hemmen u.a. im Stoffwechsel der Knochen die Aktivität der Osteoklasten (resorbieren die Knochensubstanz) und fördern die Differenzierung der Osteoblasten (synthetisieren Kollagen und andere Substanzen im Knochengewebe). Zusammen erhalten sie das Gleichgewicht zwischen dem Knochenabbau und der Knochenbildung.


Eine Gruppe von englischen Forschern untersuchte erstmals im Rahmen der großen EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer), wie sich die Einhaltung der mediterranen Ernährung auf die Gesundheit des Knochen- und Muskelsystems auswirkt. Das bezog sich auf das Risiko von Knochenbrüchen, die Knochendichte und die fettfreie Körpermasse. Einbezogen waren in einer ersten Studienphase ab 1993 rund 25.500 Männer und Frauen, die damals zwischen 39 und 79 Jahre alt waren. Sie wurden im Raum Norfolk zu einem Gesundheitscheck eingeladen und gaben dabei auch Auskünfte über ihre Ernährung. Sie wurden danach in Bezug auf ihre Gesundheit weiter beobachtet. Rund 17.000 Teilnehmer nahmen Ende der 90er Jahre an einem weiteren Gesundheitscheck teil. Sie wurden im Durchschnitt insgesamt rund 17 Jahre gesundheitlich beobachtet. Für diese Auswertung lagen Daten von rund 14.000 Teilnehmern vor. Anhand von Ernährungs-Tagebüchern prüften die Forscher, wer sich vorwiegend mediterran ernährte und damit nicht der regional üblichen Ernährung folgte. Es zeigte sich dabei auch, wie stark die mediterrane Ernährungsweise eingehalten wurde.


Im Lauf der langen Studienzeit kam es bei den Teilnehmern zu 2.195 Knochenbrüchen. Die Forscher setzen die Ernährung zu den Knochenbrüchen und zu anderen Marken für die Knochen- und Muskelgesundheit in Beziehung. Die stärkere Einhaltung einer mediterranen Diät war mit einem um bis zu 23 % verringerten Risiko für Knochenbrüche verbunden. Das Risiko speziell für Knochenbrüche an der Hüfte verringerte sich um 21 %. Beides galt im Vergleich zu Teilnehmern, die sich nicht oder nur wenig mediterran ernährten. Je konsequenter die Mittelmeerdiät eingehalten wurde, umso deutlicher sank das Risiko für Knochenbrüche. Diese Verbindung war bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Die Beziehung war ansonsten unabhängig von anderen Einflussfaktoren, wie z.B. Alter, Body Mass Index, Rauchen, körperlicher Aktivität, Menopausen-Status und der Einnahme von Medikamenten. Darüber hinaus zeigte sich, dass eine genauere Einhaltung der mediterranen Diät mit signifikant besseren Markern in der Knochendichte und der fettfreien Körpermasse verbunden war.


Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse zeigen, dass die Einhaltung der Mittelmeerdiät mit einem geringeren Risiko für Knochenbrüche verbunden ist. Besonders wichtig ist hier, dass die Studie in einer Region stattfand, in der sich die Bewohner traditionell nicht mediterran ernähren. Allgemein waren nur wenige der einzelnen Komponenten in der Mittelmeerdiät mit dem Risiko für Knochenbrüche verbunden. Das deutet darauf hin, dass gerade in einer nicht-mediterranen Region die additiven und synergistischen Effekte der einzelnen Komponenten innerhalb der Mittelmeerdiät einen größeren Effekt für die Knochengesundheit haben. Die Forscher empfehlen, die Einhaltung der Mittelmeerdiät stärker zu fördern. Das gilt besonders für Frauen, bei denen die präventive Verbindung zwischen der Mittelmeerdiät und Knochenbrüchen offenbar stärker ausgeprägt ist.


Quelle:
Amy Jennings et al., A Mediterranean Diet Is Positively Associated with Bone and Muscle Health in a Non-Mediterranean Region in 25,450 Men and Women from EPIC-Norfolk. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 21.4.2020, doi: 10.3390/nu12041154.


Mikronährstoffe für trockene Augen


Beim Syndrom der trockenen Augen wird die Horn- und Bindehaut nicht ausreichend mit der Tränenflüssigkeit benetzt. Dabei können verschiedene Mikronährstoffe, vor allem die Omega-3-Fettsäuren, eine Rolle spielen.


Die Augenoberfläche besteht aus mehreren Komponenten, dazu gehören die Horn- und Bindehaut, Tränendrüsen und Augenlider. Sie schützen zusammen das Auge und die Sehfunktionen vor schädlichen äußeren Einflüssen. Dazu trägt der Tränenfilm wesentlich mit Elektrolyten, schützenden Proteinen und Lipiden bei. Jeder Einfluss, der die Augenoberfläche stört, kann den Tränenfilm instabiler machen und zu Entzündungen und Gewebeschäden führen. Mit zunehmendem Alter kann der Tränenfilm verringert werden, vom Syndrom der trockenen Augen sind bis zu 30 % der Menschen über 50 Jahren betroffen. Ein erhöhtes Risiko besteht besonders für Frauen in der Postmenopause, Träger von Kontaktlinsen, bei der Computerarbeit und bei Autoimmunkrankheiten. Zu den typischen Symptomen gehören verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit, Brennen und Juckreiz. Bei trockenen Augen besteht eine starke Beziehung zum oxidativen Stress. Die Augenoberfläche ist häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt, das darin enthaltene UV-Licht ist ein Risikofaktor für oxidativen Stress. Normalerweise bekämpfen Antioxidantien übermäßig vorhandene oxidative Prozesse durch freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies. Mit dem zunehmenden Alter sinken jedoch die Konzentrationen antioxidativer Spezies.


Zur Therapie der trockenen Augen stehen vor allem künstliche Tränen zur Verfügung. Sie benetzen die Augenoberfläche, lindern die Symptome jedoch nur für einige Zeit. Antientzündliche und antioxidative Therapien zielen dagegen darauf ab, einige der Ursachen für trockene Augen zu korrigieren. Hier rückten besonders die Omega-3-Fettsäuren in den Mittelpunkt der Forschung. Zu ihnen gehören die pflanzliche, kurzkettige Alpha-Linolensäure sowie die langkettigen EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) aus Fischölen. Omega-3-Fettsäuren haben entzündungs- und gerinnungshemmende sowie blutdrucksenkende Eigenschaften. Sie beeinflussen den Lipidstoffwechsel, die Glukosetoleranz und Funktionen des Zentralnervensystems. Einer der frühesten Nachweise für die Rolle von Omega-3-Fettsäuren für die gesunde Augenoberfläche stammt aus einer großen Bevölkerungsstudie mit über 30.000 Frauen, die den Zusammenhang zwischen einer geringen Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren und einem erhöhten Risiko für trockene Augen zeigte. Trotz einiger widersprüchlicher Ergebnisse scheint sich die Wirkung vor allem für die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen weiter zu bestätigen. Zwei neuere Meta-Analysen kamen zu dem Schluss, dass Omega-3-Fettsäuren wirksam dazu beitragen, Symptome der trockenen Augen zu verbessern.


Auch eine Reihe anderer Mikronährstoffe wirken auf die Augenoberfläche ein. Dazu gehört z.B. Vitamin A, das die Tränenqualität verbessern kann und generell für gesunde Augen wichtig ist. Vitamin C ist im Tränenfilm hoch konzentriert vorhanden und trägt zur antioxidativen Verteidigung bei. Vitamin D beeinflusst und stabilisiert die Augenoberfläche. Symptome der trockenen Augen verbesserten sich nach Ergänzungen, vor allem wenn Vitamin D zu gering vorhanden war. Selen kann bei trockenen Augen vermutlich zur Balance zwischen reaktiven Sauerstoffspezies und antioxidativen Fängern beitragen, indem es z.B. die Bildung des antioxidativen Enzyms Glutathionperoxidase, das in der Augenoberfläche vorhanden ist, unterstützt. Einige Wirkungen sind auch für die Vitamine E und B12 beschrieben.


Die Forscher empfehlen, bei Patienten mit Erkrankungen der Augenoberfläche Defizite an Vitaminen zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Viele Mikronährstoffe in der Ernährung könnten sich positiv auf die Gesundheit der Augen und ihrer Oberfläche auswirken. Das gilt besonders für die Omega-3-Fettsäuren, für deren Wirksamkeit es bisher die stärksten Nachweise gibt.


Unser Tipp: Omega-3-Fettsäuren werden in verschiedenen Dosierungen und Kombinationen angeboten. Zur Stärkung der Augengesundheit gibt es außerdem spezielle Kombinationen von Mikronährstoffen.


Quelle:
Marco Pellegrini et al., The Role of Nutrition and Nutritional Supplements in Ocular Surface Diseases. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 30.3.2020, doi: 10.3390/nu12040952.


Eine Analyse zeigte, dass vor allem Defizite an Selen, Kupfer, Zink und Jod öfter vorkommen.


Viele ältere Menschen sind häufiger schlecht mit wichtigen Mikronährstoffen versorgt. Eine Analyse zeigte, dass vor allem Defizite an Selen, Kupfer, Zink und Jod öfter vorkommen.


Eine gute Ernährung trägt im Alter zum aktiven Leben und gesunden Altern bei. Doch ein verminderter Appetit, fehlendes Hungergefühl und eine oftmals verringerte Nahrungsaufnahme erhöhen das Risiko für die Unterernährung im Alter, damit werden dann auch zu wenig Mikronährstoffe aufgenommen. Soziale und psychische Veränderungen können sich im Alter negativ auf die Ernährung auswirken. Auch einige Krankheiten, z.B. Diabetes und Bluthochdruck, können Einschränkungen in der Ernährung erfordern. Hinzu kommt, dass eine Reihe von Medikamenten den Appetit verringern und zur unzureichenden Aufnahme von Mikronährstoffen beitragen können. Dabei werden Defizite an Vitaminen meist stärker beachtet, aber es werden oft auch zu wenig Mineralstoffe und Spurenelemente aufgenommen. Zu den Folgen solcher Defizite gehört, dass sich Funktionsstörungen, Gebrechlichkeit sowie Störungen im Immun- und Herz-Kreislauf-System etc. verstärken.


So zeigte z.B. eine Studie von 2006, dass eine unzureichende Zufuhr von mehr als drei Mikronährstoffen aus der Ernährung bei älteren Erwachsenen ab 65 Jahren mit stärkerer Gebrechlichkeit verbunden ist. Spurenelemente erfüllen lebenswichtige Funktionen im Körper. Dazu gehören Einflüsse auf den Stoffwechsel der Schilddrüse, antioxidative Aktivitäten und die Immunfunktionen. So wird z.B. Selen für antioxidative Prozesse und die Schilddrüse benötigt, und es ist wichtig für die Immunfunktionen. Jod ist für die Bildung von Schilddrüsenhormonen essentiell, ein Mangel kann zu Funktionsstörungen führen. Ein Zinkmangel kann das Immunsystem schwächen, zu den Folgen gehören z.B. erhöhte entzündliche Zytokine, ein geringerer antioxidativer Zellschutz und die stärkere Anfälligkeit für Infekte. Auch Kupfer hat antioxidative Fähigkeiten und ist an den Immunfunktionen beteiligt.


Eine Gruppe englischer Forscher wertete in Studien mit älteren Erwachsenen die Versorgung mit acht Spurenelemente aus. Das betraf die Versorgung mit Zink, Selen, Eisen, Jod, Kupfer, Chrom, Mangan und Molybdän. Sie konnten 28 (Bevölkerungs-)Studien (von 2006 bis 2019) in ihre Analyse einbeziehen. Daran hatten rund 9.000 ältere Erwachsene aus 13 westlichen Ländern teilgenommen, die vorwiegend selbstständig und zum Teil in Heimen lebten. Die Analyse zeigte vor allem bei vier Spurenelementen, bei Selen, Zink, Kupfer und Jod, recht weit verbreitete Defizite. Das galt für Männer und Frauen sowie für Ältere, die selbstständig oder in Heimen lebten, zum Teil auf unterschiedliche Weise. Ein Zinkmangel wurde bei 31 % der Frauen und 49 % der Männer, die selbstständig lebten, beobachtet. Personen in Pflegeheimen waren mit 50 % bzw. 66 % stärker davon betroffen. Die Selenzufuhr war bei 49 % der Frauen und 37 % der Männer, die selbstständig lebten, und bei 44 % der Frauen und 27 % der Männer in Heimen ähnlich kritisch. Ungenügende Aufnahmen fanden sich signifikant auch bei Eisen, Jod und Kupfer. Bei Joddefiziten galt dies vor allem für Männer und Frauen, die in Heimen lebten (78 % der Frauen, 67 % der Männer). Bei den selbstständig lebenden Teilnehmern waren vor allem ältere Frauen von Joddefiziten (22 %) betroffen, jedoch im Vergleich zu den Pflegeheim-Bewohnern geringer.


Die Forscher ziehen das Fazit: Besonders bei Selen, Zink, Jod und Kupfer besteht ein erhöhtes Risiko, dass ältere Menschen sie nicht in ausreichendem Maß aufnehmen. Solche Defizite können bei institutioneller Pflege stärker ausgeprägt sein. Die Forscher empfehlen eine stärkere Kontrolle in der Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen bei älteren Menschen, vor allem bei Heimbewohnern. Dabei sollten alle Aufnahmen, aus der Ernährung und aus Nahrungsergänzungen, berücksichtigt werden. Verbesserungen können z.B. durch eine Ernährung erreicht werden, die kritische Mineralstoffe und Spurenelemente stärker einbezieht. Auf recht einfache Weise ist das z.B. mit der Verwendung von jodiertem Speisesalz in allen Pflegeeinrichtungen zu erreichen. Es ist weiter empfehlenswert, bei älteren Menschen Multi-Mineralstoffe bei Bedarf zu ergänzen. So zeigte eine Untersuchung aus den Niederlanden bei älteren Erwachsenen ab 70 Jahren, dass die Ergänzung von Spurenelementen, einschließlich der zusätzlichen Anreicherung der Ernährung mit Jodsalz, zur Gesamtaufnahme von Mineralstoffen beiträgt. Dadurch verringerte sich die Zahl der Personen, die unter dem durchschnittlichen Bedarf bei diesen Mikronährstoffen lagen.


Unser Tipp: Mineralstoffe und Spurenelemente werden einzeln und kombiniert angeboten. Es gibt eine Reihe von Multi-Präparaten für den speziellen Bedarf, z.B. zur Stärkung des Herz-Kreislauf- oder Immunsystems. Weiter gibt es Kombinationen, in denen speziell Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten sind. Auf gut bioverfügbare Formen sollte jeweils geachtet werden.


Quelle:
Zeynep Viral et al., Trace Mineral Intake and Deficiencies in Older Adults Living in the Community and Institutions: A Systematic Review. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 13.4.2020, doi: 10.3390/nu12041072.


Mikronährstoffe bei Zöliakie

 

Bei Kindern und Jugendlichen, die sich wegen einer Zöliakie glutenfrei ernähren müssen, sollte auf eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen geachtet werden. Neben Eisen kann es auch an einigen anderen Mikronährstoffen fehlen.


Die Zöliakie (glutenbedingte Enteropathie) tritt weltweit auf, mit zunehmender Tendenz. Dabei wird Gluten (Klebereiweiß), das in Getreide, vor allem in Dinkel, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, enthalten ist, nicht vertragen. Bei genetischer Veranlagung reagiert die Schleimhaut des Dünndarms mit Unverträglichkeit. Das führt bei den betroffenen Kindern und Erwachsenen zu einer Immunreaktion mit einer chronischen Entzündung, wobei sich die Dünndarmzotten zurückbilden. Zu den Symptomen gehören u.a. Bauchschmerzen, chronische Diarrhö und Obstipation, Anämie, Osteopenie oder Osteoporose sowie bei Kindern auch ein gestörtes Wachstum. Eine lebenslang durchgeführte streng glutenfreie Diät ist die einzige verfügbare Behandlung für Zöliakie. Dadurch treten die Besserung und das Abklingen der Symptome innerhalb von Tagen oder Wochen ein. Etwa 20 % der Patienten haben jedoch trotz einer guten Einhaltung ihrer Diät anhaltende oder wiederkehrende Symptome.


Bei der Zöliakie kann auch die Resorption von Nährstoffen und Mikronährstoffen beeinträchtigt sein. Mediziner empfehlen, nach der Diagnose die Ernährung der Patienten zu untersuchen, da etwa 20 bis zu 40 % ernährungsbedingte Defizite an Mikronährstoffen haben. Das betrifft z.B. Vitamin B12 (8 bis 41 %), vor allem aber den Eisenmangel (12 bis 69 %). Eisen ist an der Blutbildung, am oxidativen Stoffwechsel, an enzymatischen Aktivitäten und an zellulären Immunantworten beteiligt. Bisher ist jedoch die Beziehung zwischen Eisendefiziten und der Zöliakie nicht ausreichend untersucht. Bekannt ist, dass auch bei glutenfreier Ernährung meist weniger Mikronährstoffe aufgenommen werden. Meidet man z.B. weizenhaltige Lebensmittel, wird zum einen auf eine wichtige Proteinquelle verzichtet, zum anderen liefert Weizen auch Eisen, Folat und die B-Vitamine Thiamin (B1), Riboflavon (B2) und Niacin (B3).


Eine Gruppe von spanischen Forschern untersuchte in einer kleinen Studie, wie sich die Eisenwerte und einige andere Mikronährstoffe bei Kindern und Jugendlichen mit Zöliakie nach Beginn einer glutenfreien Ernährung entwickeln. Einbezogen waren 68 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 18 Jahren, die im spanischen Granada wegen ihrer Zöliakie untersucht wurden. Sie ernährten sich zum Teil bereits seit längerer Zeit, zum Teil auch weniger als ein halbes Jahr glutenfrei. Zum Vergleich diente eine altersgleiche Kontrollgruppe mit 43 gesunden Teilnehmern. Alle gaben Auskunft über ihre Ernährung, und in Blutproben wurden einige der bei Zöliakie oft defizitären Mikronährstoffe und weitere Werte bestimmt.


Die wichtigsten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Zöliakie-Patienten im Vergleich zu den gesunden Teilnehmern etwas niedrigere Werte im Hämoglobin (Farbstoff der roten Blutkörperchen), in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und im Hämatokrit (Anteil der roten Blutkörperchen am Blutvolumen) hatten. Die Kinder und Jugendlichen mit Zöliakie waren im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe etwas geringer mit Eisen und Folat versorgt. Bei denen, die sich bereits länger als sechs Monate glutenfrei ernährten, fand sich außerdem eine geringere Aufnahme von Magnesium und Selen. Wurde die glutenfreie Ernährung weniger als sechs Monate durchgeführt, waren die Werte von Vitamin B12 (Cobalamin) häufiger geringer im Vergleich zu den Kindern, die sich bereits länger glutenfrei ernährt hatten.


Die Forscher ziehen das Fazit: Bei Zöliakie ist die Ernährung häufig weniger ausgewogen, das betrifft auch die Mikronährstoffe, vor allem Eisendefizite kommen häufiger vor. Das kann sowohl mit einer Malabsorption verbunden, aber auch die Folge einer unzureichenden Anpassung an die glutenfreie Ernährung sein. Die Forscher empfehlen, in die Therapie der Zöliakie Ernährungsfachleute einzubeziehen. Sie können dazu beitragen, dass die glutenfreie Ernährung besser umgesetzt werden kann. Dabei kommt es auch darauf an, möglicherweise fehlende Mikronährstoffe, z.B. Eisen, Folsäure oder Vitamin B12, sinnvoll zu ergänzen.


Unser Tipp: Die Versorgung mit Eisen, Vitamin B12 und Folsäure etc. lässt sich mit Bluttests bestimmen. Bei Bedarf tragen Ergänzungen dazu bei, die Versorgung zu verbessern. Sie sind sowohl einzeln als auch in Kombinationen erhältlich, auf gut bioverfügbare Formen sollte geachtet werden.


Quelle:
Teresa Nestares et al., Is a Gluten-Free Diet Enough to Maintain Correct Micronutrients Status in Young Patients with Celiac Disease? In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 21.3.2020, doi: 10.3390/nu12030844.


Anthocyane aus Beeren beim metabolischen Syndrom

 

Wichtige kardiometabolische Biomarker können sich mit der Aufnahme von Anthocyanen (sekundäre Pflanzenstoffe) aus Beerenfrüchten verbessern.


Das metabolische Syndrom ist aufgrund von Überernährung und zu geringer Bewegung weit verbreitet. Es ist gekennzeichnet durch ein starkes (bauchbetontes) Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker-Werte und einen gestörten Fettstoffwechsel. Um die Diagnose metabolisches Syndrom zu stellen, müssen mindestens drei dieser Faktoren vorhanden sein. Hinzu kommen können z.B. auch erhöhte Harnsäurewerte, niedriggradige Entzündungen, eine erhöhte Blutgerinnung und endotheliale Dysfunktionen. In der Folge steigt das Risiko für die Entstehung weiterer Krankheiten an. Das gilt u.a. für die Atherosklerose, die wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht. Bei der Atherosklerose werden Cholesterin und andere Fette in die inneren Gefäßwände der arteriellen Blutgefäße eingelagert, was zur Verengung der Arterien führt.


Neben der Gewichtsreduktion und mehr Bewegung spielt die gesunde Ernährung eine wichtige Rolle bei der Prävention und Therapie des metabolischen Syndroms. Dazu gehört auch die gute Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen. Das betrifft u.a. Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Flavonoide, die reichlich in Beerenfrüchten vorkommen. Sie schenken ihnen die intensiven roten und blauen Farben und haben antioxidative Wirkungen. Gute Aufnahmen von Anthocyanen könnten beim metabolischen Syndrom nützlich sein. Eine Gruppe von australischen Forschern prüfte in einer kleinen Studie, ob diese Pflanzenstoffe einige der kardiometabolischen Biomarker verbessern und z.B. das Thromboserisiko senken können.


An der Studie nahmen 55 Personen im Alter von 25 bis zu 75 Jahren teil, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Die eine Gruppe war am metabolischen Syndrom erkrankt, die andere Gruppe diente zum Vergleich und war gesund. Die Teilnehmer erhielten vier Wochen lang zweimal täglich 320 mg Anthocyane. Vor Beginn der Studie und am Ende wurden eine Reihe von kardiometabolischen Risikofaktoren bestimmt. Dazu gehörten die Gerinnungsaktivität der Blutplättchen, die Lipidprofile, der Nüchtern-Blutzucker sowie Biomarker für entzündlichen und oxidativen Stress.


Es zeigte sich, dass die Anthocyane im Zeitraum von vier Wochen signifikant die kardiometabolischen Risikofaktoren verringern konnten. Dabei senkte sich bei den Patienten mit dem metabolischen Syndrom der durchschnittliche Nüchtern-Blutzuckerspiegel um rund 13 %, bei den Lipidprofilen verringerten sich die Triglyzeride um rund 25 %, und LDL, das sogenannte „schlechte“ Cholesterin senkte sich um rund 33 %. Bei den Frauen sank außerdem der Spiegel von hs-CRP (hochempfindliches C-reaktives Protein, ein Entzündungs-Marker) um 28 %. Beeinflusst wurden weiter die Aktivierung von Thrombozyten (P-Selektin) um 40 %.


Für die Forscher unterstützen diese Ergebnisse die Annahme, dass die Ergänzung von Anthocyanen antiatherogene Wirkungen hat. Sie können dazu beitragen, kardiometabolische Risikofaktoren zu verbessern. Dadurch könnte sich auch das Risiko für die Entstehung von Thrombosen bei Patienten mit dem metabolischen Syndrom verringern.


Unser Tipp: Anthocyane sind u.a. in Blaubeeren, blauen Trauben, Himbeeren, Auberginen und Rotkohl enthalten. Sie sind auch in Nahrungsergänzungsmitteln, einzeln oder kombiniert, erhältlich, z.B. in Heidelbeerextrakten.


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Quelle:
Anahita Aboonabi et al., Anthocyanins in berries exhibited anti-atherogenicity and anti platelet activities in a metabolic syndrome population. In: Nutrition Research, Online-Veröffentlichung vom 27.2.2020, doi: 10.1016/j.nutres.2020.02.011.


Mehr Obst und Gemüse bei Asthma

 

Wie man bei Asthma die Ernährung am besten umstellen sollte, zeigt ein Review von US-amerikanischen Forschern, in dem die wissenschaftlichen Kenntnisse über Asthma und Ernährung ausgewertet wurden. Asthma ist eine häufige chronische Erkrankung, bei der sich die Atemwege entzünden und verengen. Dadurch entsteht eine Hyperreaktivität in den Bronchien, zeitweise wird der Luftstrom behindert. In den akuten Episoden kommt es zu Atemnot, Keuchen, Husten und Engegefühlen in der Brust.


Seit den 80er Jahren steigen die Vorkommen von Asthma stetig an. Parallel stieg auch die Verbreitung der westlichen Ernährungsweise mit einem hohen Verzehr von Fleisch, Fetten und wenig Obst und Gemüse. Wie Studien zeigen, kann neben der Therapie mit Arzneimitteln und der Senkung von auslösenden Reizen eine betont pflanzliche Ernährung zum Schutz vor Asthma beitragen und helfen, die Symptome zu verringern. Die pflanzliche Kost kann z.B. auf systemische Entzündungen im Körper, die Asthma verschlimmern können, einwirken. Mit reichlich Obst und Gemüse werden vermehrt Ballaststoffe aufgenommen, die dazu beitragen können, die Lungenfunktionen zu verbessern. Auch die enthaltenen Antioxidantien und Flavonoide können bei Asthma schützende Wirkungen haben. Das betrifft z.B. die Freisetzung von Zytokinen (regulatorische Proteine für die Signalübertragung zwischen Zellen), die Schädigung durch freie Radikale und Immunreaktionen, die an der Entstehung und dem Verlauf von Asthma beteiligt sind.


In Bezug auf die Versorgung mit Mikronährstoffen zeigt sich, dass Asthma-Patienten besonders häufig Vitamin D fehlt. Eine gute Versorgung mit dem u.a. antientzündlich wirkenden Vitamin D wirkt sich positiv auf die Asthmakontrolle aus. Es kann das Immunsystem, die Muskelzellen in den Atemwegen und die Lungenfunktionen positiv beeinflussen. Grundsätzlich sollte bei Asthma auf eine gute Aufnahme von Vitamin D geachtet werden. Dazu tragen der Aufenthalt in der Sonne, mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel und bei Bedarf auch Ergänzungen mit Vitamin D bei. Eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von oxidativem Stress spielen die Antioxidantien. Zu ihnen gehören u.a. die Vitamine E und C, aber auch Beta-Carotin und andere Carotinoide, Coenzym Q10, Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), z.B. Resveratrol, sowie Magnesium und Selen. Sie wirken mit ihren antioxidativen Funktionen auch auf das Immunsystem ein, haben antientzündliche Fähigkeiten und können zur Stärkung der Lungenfunktionen beitragen.


Die Auswertung relevanter Studien zeigte, dass der erhöhte Konsum von Obst und Gemüse das Risiko für Asthma bei Kindern und Erwachsenen verringern kann, gleiches gilt für Asthma-Symptome. So hatten zum Beispiel Asthmatiker, die sich acht Wochen lang vegetarisch ernährten, weniger Symptome als eine Kontrollgruppe. Mit vegetarischer Kost konnte auch der Einsatz von Asthma-Medikamenten verringert werden. In einer anderen Studie ernährten sich Asthmapatienten ein Jahr lang rein vegetarisch. Damit verbesserte sich ihre Vitalkapazität (Maß für die Luftmenge, die Patienten ausstoßen können) und andere Asthmasymptome. Dagegen können ein hoher Verzehr von Milchprodukten und Lebensmitteln, die reichlich gesättigte Fettsäuren enthalten, eher schädlich wirken. So hatten z.B. Kinder mit einem höheren Konsum an Milchprodukten ein stärkeres Asthmarisiko im Vergleich zu Kindern, die weniger davon aufnahmen. Der hohe Verzehr an gesättigten Fetten und von wenig Ballaststoffen war bei Asthmapatienten mit Entzündungen der Atemwege und schlechteren Lungenfunktionen verbunden.


Die Forscher ziehen das Fazit: Die Empfehlung für den erhöhten Verzehr von Obst und Gemüse, einschließlich von Hülsenfrüchten, wird durch die aktuelle Forschung zu Asthma und Ernährung unterstützt. Die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Milchprodukten sollte dagegen verringert werden. Dadurch sinkt das Asthmarisiko und verbessert sich die Asthmakontrolle. Die erhöhte Aufnahme von Ballaststoffen, Antioxidantien und gesünderen Fettsäuren unterstützt vermutlich Immunwege, die an der Entstehung und dem Verlauf von Asthma beteiligt sind.


In einem Podcast zum Thema „Asthma & Coronavirus“ (The Exam Room) nehmen die Autoren zur aktuellen Pandemie Stellung. Asthmapatienten haben bei der Infektion mit dem Coronavirus ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf, abhängig z.B. vom Grad der Krankheit und der therapeutischen Kontrolle. Asthmatiker sollten besonders darauf achten, alle Schutzmaßnahmen einzuhalten. Die gesunde Ernährung sollte ebenfalls im Blick behalten werden.


Unser Tipp: Vitamin D ist als Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen und Dosierungen erhältlich. Dabei unterstützen z.B. emulgiertes und liposomales Vitamin D die gute Aufnahme im Körper.


Quelle:
Jihad Alwarith et al., The role of nutrition in asthma prevention and treatment. In: Nutrition Reviews, Online-Veröffentlichung vom 13.3.2020, doi: 10.1093/nutrit/nuaa005.


Divertikel entstehen bei vielen Menschen im Lauf des Lebens in der Darmwand.

 

Divertikel entstehen bei vielen Menschen im Lauf des Lebens in der Darmwand. Sie können schmerzhafte Entzündungen auslösen, denen mit einer ballaststoffreichen Ernährung vorgebeugt werden kann.

 

Im höheren Alter erkranken in den westlichen Ländern viele Menschen an der Divertikelkrankheit, mit zunehmender Tendenz. Divertikel sind Ausstülpungen vor allem in der Darmwand, können aber auch in anderen Hohlorganen, z.B. in der Harnblase, auftreten. Viele bleiben „stumm“ und verursachen keine Beschwerden. Haben sich recht viele Divertikel gebildet, spricht man von einer Divertikulose. Durch Entzündungen kann es zur Divertikulitis kommen, die mit starken Schmerzen vor allem im linken Unterbauch und meist auch mit Fieber verbunden ist. Eine strenge Diät und viel Flüssigkeit trägt zur Therapie bei. Längst sind die typischen Risikofaktoren für die Divertikelkrankheit bekannt. Dazu gehören Übergewicht und Adipositas, geringe körperliche Aktivität, Rauchen und bestimmte Medikamente (NSAIDs). Ein erhöhtes Risiko besteht auch bei einer Ernährung, die nur wenig Ballaststoffe enthält und einen hohen Anteil an rotem Fleisch hat. Dagegen kann eine Ernährung mit einer hohen Aufnahme von Ballaststoffe das Risiko verringern, allerdings sind hier die Ergebnisse zur „Dosis-Wirkungs-Beziehung“ bisher nicht einheitlich. Dabei ist auch unklar, welche Art der Ballaststoffe besonders vorteilhaft für die Vermeidung der Divertikelkrankheit ist. So zeigte sich z.B. für Ballaststoffe aus Obst und Gemüse eine senkende Wirkung, das galt jedoch nicht für Ballaststoffe aus Getreidewaren.

 

Um die Beziehung von Ballaststoffen auf das Risiko für Divertikelkrankheiten besser einzuschätzen, wertete eine Gruppe von englischen und norwegischen Forschern die relevante Literatur systematisch aus und führte eine Metaanalyse von prospektiven Studien durch. Sie konnten fünf Bevölkerungsstudien mit rund 866.000 Teilnehmern in ihre Analyse einbeziehen. Darunter waren rund 19.000 Fälle der Divertikelkrankheit. Die Forscher berechneten für die Aufnahmen von Ballaststoffen die „Dosis-Wirkungs-Beziehung“. Es zeigte sich ein linearer Zusammenhang, immer berechnet zum Vergleich einer geringen täglichen Zufuhr von 7,5 g Ballaststoffen. Die etwas erhöhte Aufnahme von je 10 Gramm Ballaststoffen täglich verringerte das Risiko für die Divertikelkrankheit um 26 %. Bei der Aufnahme von 20 g Ballaststoffe pro Tag sank das Risiko für die Divertikelkrankheit um 23 %. Bei einer noch höheren Zufuhr von täglich 30 g verringerte sich das Risiko um 41 %, und bei der Aufnahme von 40 g Ballaststoffen sank das Risiko sogar um 58 %. Je nach Art der Ballaststoffe ergaben sich einige Unterschiede in der Wirkung. Bei der täglichen Aufnahme von 10 g pflanzlichen Fasern sank das Risiko um 20 %. Bei 10 g Getreidefasern täglich sank das Risiko um 26 %, bei 10 g Fasern aus Obst minderte sich das Risiko um 44 %.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Zusammenfassend zeigte diese Meta-Analyse eine starke und lineare Verringerung des Risikos der Divertikelkrankheit bei einer hohen Zufuhr von Ballaststoffen. So lässt sich mit täglich 30 g Ballaststoffen das Krankheitsrisiko um 41 % verringern. Obst- und Getreidefasern waren dabei am effektivsten, aber in weiteren Studien sollte die Art der Ballaststoffe in ihrer Wirkung auf die Divertikelkrankheit weiter untersucht werden.

 

Quelle:
Dagfinn Aune et al., Dietary fibre intake and the risk of diverticular disease: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. In: European Journal of Nutrition, Vol. 59, Nr. 2, 2020, doi: 10.1007/s00394-019-01967-w.


u den wichtigsten Faktoren gehören Übergewicht und der Alkoholkonsum.

 

In einer Übersicht stellte eine Gruppe internationaler Forscher die aktuellen Kenntnisse über die Beziehung zwischen der Ernährung und dem Risiko für die verschiedenen Krebskrankheiten vor. Zu den wichtigsten Faktoren gehören Übergewicht und der Alkoholkonsum.

 

Seit Jahrzehnten nimmt man an, dass die Ernährung einen wichtigen Einfluss auf Krebskrankheiten hat. Studien zeigten bereits in den 1960er Jahren, dass die Krebsraten bei einzelnen Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich sind. Das unterstützte die Annahme, dass Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle spielen könnten. Dabei zeigte sich eine starke Beziehung zwischen vielen Krebsarten und Ernährungsfaktoren. So hatten z.B. Länder mit einem großen Fleischverzehr hohe Raten an Darmkrebs. Es gab auch erste Hinweise, dass eine verbesserte Ernährung die Krebsraten senken könnte. Seither zeigte sich jedoch, dass die Bestimmung des Krebsrisikos und die Beziehungen zur Ernährung sehr kompliziert und komplex sind.

 

Zwei große Organisationen, der Weltkrebsforschungsfonds (WCRF) und die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), überprüften das karzinogene Risiko von Lebensmitteln und Nährstoffen anhand systematischer Übersichtsarbeiten und der Bewertung durch Expertengremien. Ein starkes Übergewicht (Adipositas, ab BMI 30) und der übermäßige Konsum von Alkohol können an mehreren Stellen im Körper Krebs verursachen. Bei Übergewicht und Adipositas schwankt der Risikoanstieg pro 5 kg/m2 im Body Mass-Index zwischen 5 % für den Darmkrebs und 50 % für den Krebs der Gebärmutterschleimhaut. Beim Alkoholkonsum reichen die Risikozunahmen pro 10 g Anstieg im täglichen Konsum zwischen 4 % für den Leberkrebs und 25 % für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Auch verarbeitete Fleischwaren wurden als überzeugende Krebsursache eingestuft. Im jüngsten WCRF-Bericht erhöhte ein hoher Verzehr von verarbeitetem Fleisch das Risiko für Darmkrebs um 16 % (pro 50 g/Tag-Zunahme).

 

Bei vielen anderen Ernährungsfaktoren ist eine Beziehung zum Krebsrisiko wahrscheinlich, doch es fehlen ausreichende Nachweise. Einige Beispiele: Die Fettleibigkeit erhöht wahrscheinlich das Risiko von Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens sowie von aggressivem Prostatakrebs. Sehr heiße Getränke erhöhen wahrscheinlich das Risiko für Speiseröhrenkrebs. Durch Salz konservierte Lebensmittel erhöhen wahrscheinlich das Risiko für Magenkrebs. Das Risiko für Endometriumkrebs wird wahrscheinlich durch eine Ernährung mit einer hohen glykämischen Belastung erhöht.

 

Für die verschiedenen Krebskrankheiten können die Risiken durch die Ernährung unterschiedlich sein. Wir greifen als Beispiel die Ernährung beim Brustkrebs heraus, weltweit die zweithäufigste Krebskrankheit. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören reproduktive und hormonelle Faktoren. Ein starkes Übergewicht (Adipositas) erhöht bei Frauen in der Postmenopause das Brustkrebs-Risiko. Dazu trägt vermutlich die Erhöhung der zirkulierenden Östrogene bei, die durch das Enzym Aromatase im Fettgewebe gebildet werden. Es ermöglicht, dass Androgene in Östrogene umgewandelt werden können. Bekannt ist weiter, dass Alkohol das Brustkrebs-Risiko deutlich erhöhen kann, bei jedem täglich konsumierten Getränk um etwa 10 %, auch dies könnte mit erhöhten Östrogenen verbunden sein. Die Annahme, dass eine hohe Fettzufuhr im Erwachsenenalter das Brustkrebsrisiko erhöht, ist bislang nicht eindeutig nachgewiesen. Auch Ergebnisse für andere Ernährungsfaktoren wie Fleisch, Milchprodukte und Obst sind nicht immer eindeutig. Einige neuere Studien zeigten eine Beziehung zwischen dem erhöhten Verzehr von Gemüse und dem geringeren Risiko für den (Östrogenrezeptor-negativen) Brustkrebs sowie zwischen Ballaststoffen und dem Gesamtrisiko. Isoflavone, die größtenteils aus Soja gewonnen werden, waren in der asiatischen Bevölkerung mit einem geringeren Brustkrebsrisiko verbunden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Adipositas und Alkohol erhöhen das Risiko für verschiedene Krebsarten. Dies sind die wichtigsten Ernährungsfaktoren, die weltweit zur Gesamtbelastung durch Krebs beitragen. Bei Darmkrebs erhöhen verarbeitetes Fleisch und rotes Fleisch wahrscheinlich das Risiko. Dagegen verringern Ballaststoffe, Milchprodukte und Kalzium wahrscheinlich das Risiko für den Darmkrebs. Lebensmittel, die Mutagene (Substanzen, die das Erbgut verändern können) enthalten, können Krebs verursachen. Mit Aflatoxin (Mykotoxine aus bestimmten Schimmelpilzen) kontaminierte Lebensmittel können Leberkrebs verursachen. Obst und Gemüse stehen nicht eindeutig mit dem Krebsrisiko in Verbindung, obwohl eine sehr geringe Aufnahme das Risiko für mit Tabakkonsum verbundene und einige andere Krebsarten erhöhen könnte.

 

Unser Tipp: Diese Übersicht zeigt wichtige Faktoren in der Beziehung der Ernährung zu Krebskrankheiten. Je tiefer man in die Details geht, umso größer wird das komplexe Spektrum der Einflussfaktoren. Dazu gehören auch die Mikro-Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe etc. Viele von ihnen können bei guter Versorgung z.B. das Immunsystem stärken, zur Prävention von Krankheiten beitragen und die Therapie unterstützen.

 

Quelle:
Timothy J. Key et al., Diet, nutrition, and cancer risk: what do we know and what is the way forward? In: The British Medical Journal, Online-Veröffentlichung vom 5.3.2020, doi: 10.1136/bmj.m511.


 Vitamin D kann den Heilungsprozess nach einer Hüftoperation unterstützen.

 

Vitamin D kann den Heilungsprozess nach einer Hüftoperation unterstützen. In einer Studie waren ältere Patienten mit einer guten Versorgung an Vitamin D nach einer solchen Operation deutlich mobiler.

 

Ein höheres Alter und die Osteoporose können zu mehr Knochenbrüchen beitragen. Damit steigt auch die Gefahr für Knochenbrüche an den Hüften, die oft besonders schwere Folgen haben können. Die Heilung kann sich über mehrere Monate hinziehen. Zu den möglichen Folgen gehören z.B. Einschränkungen beim Gehen sowie Schmerzen und Schwellungen. Eine gute Versorgung mit Vitamin D, das für die Knochen und Muskeln besonders wichtig ist, könnte möglicherweise dazu beitragen, die Heilung nach Hüftoperationen zu fördern und belastende Folgen zu verringern. Das prüfte eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern in einer Studie.

 

An dieser Untersuchung nahmen 290 Patienten im höheren Alter (im Durchschnitt 82 Jahre, 73 % Frauen) und einem im Durchschnitt leicht erhöhten Körpergewicht (BMI 25) teil. Alle waren wegen eines Knochenbruches an den Hüften operiert worden. Bei allen wurde 30 Tage nach der Operation und noch einmal nach 60 Tagen der Gesundheitszustand untersucht. Dabei wurden bei allen Patienten Albumin (wichtiges Plasmaprotein), Vitamin D (25(OH)D) und das Parathormon (Nebenschilddrüsenhormon, wichtig für den Kalziumspiegel) bestimmt, außerdem wurde der Ernährungs-Zustand bewertet. Die Teilnehmer mit den besten Vitamin D-Werten (> 30 ng/mL) waren nach 30 Tagen mobiler bzw. konnten besser gehen. Dies galt auch noch nach 60 Tagen im Vergleich zu den Patienten mit der schlechtesten Versorgung an Vitamin D (<12 mg/mL). Bei einem schlechten Ernährungszustand zeigte sich ein leichter Trend zur geringeren Mobilität nach 30 Tagen, der jedoch nach 60 Tagen nicht mehr vorhanden war.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Nach Hüftoperationen ist eine schlechte Versorgung mit Vitamin D bei älteren Patienten mit einer geringeren Beweglichkeit verbunden. Eine gute Versorgung mit Vitamin D fördert dagegen die Mobilität der Patienten. Die Ernährung hat ebenfalls einen leichten Einfluss, ist aber als Einflussfaktor weniger ausgeprägt. Die Forscher empfehlen, die Ursachen für den Einfluss von Vitamin D auf die Erholung nach einer Hüftoperation weiter zu untersuchen.

 

Unser Tipp: Vitamin D ist als Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen und Dosierungen erhältlich. Dabei unterstützen z.B. emulgiertes und liposomales Vitamin D die gute Aufnahme im Körper.

 

Quelle:
Lihong Hao et al., Vitamin D deficiency is associated with reduced mobility after hip fracture surgery: a prospective study. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Online-Veröffentlichung vom 19.2.2020, doi: 10.1093/ajcn/nqaa029.


Zwei Äpfel täglich sind gut fürs Herz

 

Äpfel enthalten reichlich bioaktive Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) und Ballaststoffe, beide haben ein breites Spektrum von gesundheitlichen Wirkungen. Wie eine kleine Studie zeigt, kann der Apfelverzehr die Cholesterinwerte verbessern und damit den Schutz vor Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen.

 

Seit langem und weltweit bekannt ist der englische Spruch: „An apple a day keeps the doctor away“, ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Hinweisen darauf, dass der Verzehr von Äpfeln sich mitsamt den enthaltenen bioaktiven Komponenten, darunter reichlich Polyphenole und Ballaststoffe (vor allem Pektin), günstig auf den Fettstoffwechsel und die Cholesterinwerte sowie auf andere Marker von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken kann. Eine Gruppe von englischen und italienischen Forschern untersuchte in einer kleinen (kontrollierten) Studie die Auswirkungen des Apfelverzehrs auf die zirkulierenden Blutfette (Lipide), die Gefäßfunktionen und andere Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten.

 

Einbezogen in die Studie waren 40 gesunde Personen (23 Frauen, 17 Männer) im Alter von durchschnittlich 51 Jahren. Sie waren normal- bis leicht übergewichtig (BMI 25,3 ± 3,7) und hatten leicht erhöhte Cholesterinwerte. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die eine verzehrte acht Wochen lang täglich zwei Äpfel (Sorte Renetta Canada), die reich an Proanthocyanidinen (Polyphenole) sind, die andere nahm ein im Zucker- und Energiegehalt angepasstes Apfelgetränk zur Kontrolle ein.

 

Darauf folgten vier Wochen ohne Intervention (sogenannte Auswaschperiode). Danach wurden die Gruppen getauscht, wer vorher Äpfel verzehrt hatte, nahm nun acht Wochen lang das Apfelgetränk ein und umgekehrt. Vor und nach jeder Periode wurden bei den Teilnehmern Nüchtern-Blutproben genommen. Es wurden Serumlipide, Glukose, Insulin, Gallensäuren sowie Endothel- und Entzündungs-Biomarker bestimmt. Außerdem wurde bei allen Teilnehmern die Arteriensteifigkeit gemessen.

 

Der Apfelverzehr verbesserte vor allem die Cholesterinwerte, es verringerten sich das Gesamt- und das (sogenannte schlechte) LDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride. Weiter fanden sich mit dem Apfelverzehr geringere Werte beim Adhäsionsmolekül, das zur Gruppe der Immunglobuline gehört und an entzündlichen Prozessen beteiligt ist. Die Reaktion auf die vom Endothel abhängige Gefäßerweiterung (mikrovaskuläre Vasodilatation) war nach dem Verzehr von Äpfeln größer. Weitere Einflussfaktoren durch den Apfelverzehr, z.B. auf den Blutdruck oder andere kardiovaskuläre Marker, zeigten sich nicht.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Ergebnisse unterstützen die positiven gesundheitlichen Wirkungen des täglichen Verzehrs von Äpfeln mit reichlich Polyphenolen bei leicht erhöhten Cholesterinwerten. Damit können die Cholesterinwerte gesenkt und einige positive Wirkungen auf die Blutgefäße erreicht werden. Diese Beziehungen sollten in größeren Studien weiter untersucht werden.
 
Quelle:
Athanasios Koutsos et al., Two apples a day lower serum cholesterol and improve cardio metabolic biomarkers in mildly hypercholesterolemic adults: a randomised, controlled, crossover trial. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Online-Veröffentlichung vom 16.12.2019, doi: 10.1093/ajcn/nqz282.