Neue Ernährungspyramide zur rheumatoiden Arthritis

 

Die Ernährung kann die Entwicklung der rheumatoiden Arthritis beeinflussen. Forscher stellten aufgrund bisheriger Kenntnisse dazu eine neue Ernährungspyramide vor, die für Patienten nützlich sein kann.

 

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische Autoimmun- und Entzündungskrankheit, die durch die Zerstörung von Knorpel, Knochen und Gelenken gekennzeichnet ist. Stark beteiligt ist der Stoffwechsel der T-Lymphozyten (wichtige Zellen des Immunsystems), der sich möglicherweise durch diätetische Maßnahmen beeinflussen lässt. Eine gute Ernährung ist allgemein für das Immunsystem sehr wichtig, da sie z.B. Entzündungen, die Antigenpräsentation, antioxidative Abwehrmechanismen und die Darm-Mikrobiota beeinflusst. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis zeigt sich häufiger eine nicht ausreichende Ernährungsqualität, was den Zustand beeinträchtigen kann. Eine schlechte Ernährung ist mit einer länger anhaltenden Morgensteifigkeit und mehr eingeschränkten Funktionen verbunden. Vielen Patienten ist bewusst, dass die Ernährung eine wichtige Rolle beim Ausmaß ihrer Symptome spielt. Rund die Hälfte versucht daher, ihre Ernährung zu ändern, um Symptome zu verbessern. Vor diesem Hintergrund setzte sich eine Gruppe italienischer Forscher das Ziel, die bisherigen Nachweise zur Ernährung bei der rheumatoiden Arthritis zu bewerten. Sie prüften über 200 Studien und entwickelten eine Ernährungspyramide, die Patienten mit rheumatoider Arthritis helfen soll, ihre Ernährung zu verbessern, den oxidativen Stress zu reduzieren sowie Entzündungen und einem schwachen Immunsystem entgegenzuwirken.

 

Allgemein günstig ist der erhöhte Verzehr von Obst und Gemüse. Möglichst drei Portionen Obst (vor allem Beeren und Zitrusfrüchte) und zwei Portionen Gemüse (besonders grünes Blattgemüse), eine Portion roh, die andere gekocht, werden täglich empfohlen. Bei Tomaten wurden zum Teil Unverträglichkeiten beobachtet, man rät den Patienten daher zu beobachten, ob der Verzehr die Symptome beeinflusst. Experimentelle Forschungen deuten darauf hin, dass Gewürze, die Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) enthalten, nützlich sein könnten. Dazu gehören Ingwer, Zimt und Kurkuma bzw. dessen Inhaltsstoff Curcumin. Einige Studien zeigten, dass ein erhöhter Fischkonsum das Risiko für die rheumatoide Arthritis verringern kann. Drei Portionen (möglichst fettreicher) Fisch pro Woche kann sowohl zur Prävention als auch zur Verbesserung von Symptomen nützlich sein. Wichtig sind hier die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen (EPA und DHA), die oft zu wenig aufgenommen werden. Sie wirken antioxidativ und antientzündlich, was bei der rheumatoiden Arthritis hilfreich sein kann.

 

Sie konkurrieren mit der Arachidonsäure um den Einbau in die Zellmembranen, was zu einer geringeren Synthese von Leukotrienen und Prostaglandinen (beides Arachidonsäurederivate) mit entzündlicher Aktivität führt. Die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren konnte in einigen Studien bei rheumatoider Arthritis typische Entzündungs-Marker signifikant verbessern. Bei ausreichender Dosierung trugen sie dazu bei, den Verbrauch von Medikamenten (NSAR) zu senken. Auch viele andere Mikronährstoffe, Vitamine und Mineralien sowie sekundäre Pflanzenstoffe, wirken antioxidativ, z.B. Selen, Kupfer, Mangan, Zink, Vitamin C und Carotinoide. Freie Sauerstoffradikale und proentzündliche Zytokine (Botenstoffe) sind bei der rheumatoiden Arthritis Mediatoren von Gewebeschäden. Antioxidantien können vor solchen Schäden schützen, da sie die Expression von Zytokinen und Kollagenase unterdrücken. Sie tragen auf diese Weise zum Schutz vor der rheumatoiden Arthritis und ihrer Entwicklung bei.

 

Vitamin D hat wichtige Funktionen im Knochensystem, es spielt eine Rolle im Stoffwechsel von Kalzium und bei der Knochenmineralisierung. Eine unzureichende Versorgung wirkt sich direkt auf die Knochengesundheit aus. Geringere Serumspiegel (25(OH)D < 50 nmol/L) sind z.B. mit Knochenverlust und Mineralisierungsdefekten verbunden, was zu mehr Fragilität und Frakturen führt. Bei Frauen in der Menopause kann der Mangel an Östrogen die Knochengesundheit zusätzlich beeinträchtigen. Ältere Frauen mit rheumatoider Arthritis haben daher ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. Niedrige Vitamin D-Konzentrationen können auch mit Schmerzzuständen verbunden sein und zu höheren Vorkommen von Osteoporose beitragen. Bei den Patienten sollten die Vitamin D-Werte untersucht werden, gegebenenfalls kann die Ergänzung erfolgen. In einer Meta-Analyse zeigte sich ein Trend, dass Gaben von Vitamin D die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis senken konnte. Viele Untersuchungen zeigten außerdem, dass die Vitamin A-Spiegel oft zu niedrig sind und ein Mangel häufiger vorkommt, was die Krankheitsaktivität ebenfalls beeinflussen kann.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ernährungspyramide für die rheumatoide Arthritis stützt sich auf die Analyse bisheriger klinischer Studien, die insgesamt noch relativ gering sind. Die Ernährungspyramide wurde daher bisher nicht in der Praxis beobachtet. Sie kann jedoch für die Prävention der rheumatoiden Arthritis mit Empfehlungen zur Ernährung und der Ergänzung wichtiger Antioxidantien eine sinnvolle Strategie sein, um die Symptome zu verbessern. Die Empfehlungen können auch Adipositas, Diabetes und Insulinresistenz sowie das metabolische Syndrom und kardiovaskuläre Krankheiten beeinflussen, die häufig mit der rheumatoiden Arthritis verbunden sind. Die Forscher regen weiter dazu an, die bisher oft ignorierten Beziehungen zwischen der rheumatoiden Arthritis, der Immunität, Entzündungen sowie den Belastungen durch oxidativen Stress und der Ernährung näher zu untersuchen.

 

Unser Tipp: Für die rheumatoide Arthritis gibt es eine Reihe empfehlenswerter Nahrungsergänzungen, mit einzelnen und kombinierten Mikronährstoffen. Neben Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren haben auch viele andere Vitamine, Mineralien und pflanzliche Substanzen antioxidative und antientzündliche Wirkungen.

 

Quelle:
Mariangela Rondanelli et al., Ideal food pyramid for patients with rheumatoid arthritis: A narrative review. In: Clinical Nutrition Vol. 40, Nr. 3, 2021, doi: 10.1016/j.clnu.2020.08.020.


Bioaktive Mikronährstoffe für die Haut

 

Die Gesundheit der Haut wird ein Leben lang durch die Ernährung beeinflusst, dazu tragen viele Mikronährstoffe bei. Sie können die Haut vor schädlichen Einflüssen aus der Umwelt und auch vor Altersprozessen schützen.

 

Die Haut ist das größte Organ des Körpers, sie besteht aus mehreren Schichten und ist eine wichtige Barriere zur Außenwelt. Sie kann uns vor schädlichen Einwirkungen, z.B. vor Bakterien, Chemikalien und den UV-Strahlen des Sonnenlichts, schützen. Die Haut hat wichtige Funktionen im Wasser- und Elektrolythaushalt, in der Thermoregulation sowie im Immunsystem. Sie ist auch am Stoffwechsel, z.B. durch die Aufnahme und Speicherung von Stoffen, beteiligt. Der Zustand der Haut, ihre Oberfläche, Farbe und physiologische Eigenschaften, ergibt sich aus der Versorgung mit Wasser sowie dem Gehalt an Sebum (Talg) und Säuren (pH-Wert). Auch die allgemeine Gesundheit, das Alter und nicht zuletzt die gesunde Ernährung spielen eine wichtige Rolle für die Haut. Dabei ist die Zufuhr von Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten ebenso wichtig wie die Aufnahme von Mikronährstoffen, von Vitaminen, Mineralien, Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen. Sie alle beeinflussen z.B. die Elastizität, Festigkeit, Faltenbildung und Feuchtigkeit der Haut. Sie können außerdem dazu beitragen, Hautkrankheiten vorzubeugen. Eine Gruppe von polnischen Forscherinnen stellte in einer Übersicht die aktuellen Kenntnisse über die Beziehung der Haut zu den Mikronährstoffen vor.

 

Die Haut verändert sich ständig mit einer schnellen Proliferation (Zellbildung). Dies wird durch Umweltfaktoren, z.B. die Einwirkung von UV-Strahlen im Sonnenlicht oder das Rauchen, beeinflusst. Eng damit verbunden ist die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und der oxidative Stress. Dadurch können z.B. die Hautbarriere, die Bildung von Kollagen und anderen Strukturproteinen beeinträchtigt werden. Äußerlich sichtbar wird das vor allem im höheren Alter. Zu den typischen Merkmalen der Altershaut gehören Falten, geringere Elastizität, Pigmentierungen, Trockenheit, Anfälligkeit für Irritationen und eine langsamere Regeneration und Heilung. Die Haut wird außerdem schlechter mit Blut, Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen versorgt. Viele Mikronährstoffe beeinflussen die Prozesse der Hautalterung, sie können die Zellbildung und den Stoffwechsel der Haut fördern. Dies wirkt der Hautalterung entgegen, trägt zu einem jüngeren Erscheinungsbild bei und beugt oxidativen und UV-induzierten Hautschäden vor. Wichtig für die Haut sind vor allem die Vitamine A, C und E, Selen, Zink, Kupfer, Silizium, sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole, Carotinoide etc.) sowie die essentiellen mehrfach ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Viele der für die Haut wichtigen Mikronährstoffe sind in kosmetischen oder therapeutischen Cremes und Salben enthalten. Sehr wichtig ist jedoch auch die Zufuhr von Mikronährstoffen mit der Ernährung oder Ergänzungen, um die Haut von innen mit allen nötigen Substanzen zu versorgen.

 

Vitamin A (Retinoide), einschließlich der Vorstufe Beta-Carotin, verbessert die Haut durch eine verringerte Faltenbildung, erhöhte Glätte und geringere Pigmentierung. Vitamin A trägt zur Pflege der Altershaut und zur Beseitigung von Zeichen der Lichtalterung bei. Es wird auch zur Behandlung einiger Hautkrankheiten eingesetzt (z. B. Akne, Warzen, Dermatosen). Bei den Mineralien beeinflussen vor allem Selen, Kupfer und Zink die Hautalterung. Selen wirkt über Enzyme (z.B. Gluthationperoxidase) antioxidativ, kann vor oxidativem Stress durch UV-Strahlung schützen und der davon abhängigen Faltenbildung vorbeugen. Zink ist für das Immunsystem wichtig, es schützt auch die Haut, besonders vor Schäden durch UV-Strahlung bzw. allgemein vor Hautalterung. Die innere und/oder äußerliche Anwendung von Zink trägt seit langem zur Regeneration und Heilung der Haut bei. Zinkpasten und -salben reinigen die Haut von überschüssigem Talg, stellen ihren natürlichen pH-Wert wieder her, wirken adstringierend und können zur Hemmung von Entzündungen und Akne beitragen. Zink wird zur Behandlung zahlreicher dermatologischer Erkrankungen wie Infektionen, entzündliche Dermatosen und Pigmentstörungen eingesetzt. Kupfer ist für den gesamten Zustand der Haut wichtig, es beeinflusst die Bildung der Fibroblasten (kollagenbildende Zellen), Hautproteine und neuer Blutgefäße (Angiogenese). Kupfer ist ein Cofaktor des antioxidativen Enzyms Superoxiddismutase, das vor freien Radikalen schützt. Es ist auch ein Cofaktor des Enzyms Tyrosinase, das an der Synthese des Hautpigments Melanin beteiligt ist.

 

Essentielle Fettsäuren sind für die Hautbarriere und -integrität sowie für die Hautstruktur und -funktionen wichtig. Zu den Symptomen eines Mangels gehören die Trockenheit, das Schälen und die Schlaffheit der Haut, und sie kann anfälliger für Reizungen werden und langsamer heilen. Pflanzenöle, die reich an Linol- und Gamma-Linolensäure sind, verbessern z.B. die Hauthydratation, wirken regenerierend auf die geschädigte Lipidbarriere der Oberhaut und regulieren den Hautstoffwechsel. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Pflege trockener, empfindlicher, fettiger, zu Akne neigender und reifer Haut. Die Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) aus Fischölen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die Hautfunktionen. Obwohl sie in der Oberhaut nicht vorhanden sind, reichern sich dort ihre Metaboliten nach der Aufnahme von Fischölen an. Studien zeigten, dass die Omega-3-Fettsäuren antioxidativ und antientzündlich wirken, sie können auch dazu beitragen, den Schweregrad von Erythemen (Hautrötungen) zu verringern.

 

Viele pflanzliche Substanzen (Polyphenole, darunter vor allem Flavonoide) wirken sowohl innerlich als auch äußerlich auf die Haut. Sie können durch antimutagene und antioxidative Eigenschaften vor UV-Strahlen schützen und zur Pflege der reiferen Haut beitragen. Das gilt besonders für Quercetin, Curcumin. Silymarin (Mariendistel), Proanthocyanidine und Resveratrol. Auch der grüne Tee enthält mit den enthaltenen Catechinen wichtige Polyphenole, die Hautzellen schützen und schädliche Wirkungen von UV-Strahlen und Altersprozessen lindern, auch sie wirken antientzündlich und antioxidativ. Neben Beta-Carotin haben auch andere Carotinoide hautschützende Wirkungen, das gilt z.B. für Lutein und Zeaxanthin. Carotinoide beugen mit entzündungshemmenden und UV-filternden Effekten der Hautalterung vor, sie regen Fibroblasten an, Kollagen und Elastin zu bilden. Sie verbessern die Elastizität, Hydratation, Textur der Haut und reduzieren Verfärbungen.

 

Die Forscherinnen ziehen das Fazit: Die Haut ist ein empfindlicher Indikator für den Mangel an Nährstoffen. Der effektivste Weg, den Zustand der Haut zu verbessern, ist die Versorgung mit essentiellen Nährstoffen, sowohl äußerlich als auch innerlich durch eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung und bei Bedarf durch Ergänzungen von Mikronährstoffen. Wichtig sind Substanzen, die die Hautbarriere schützen und regenerieren, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut fördern sowie vor äußeren Faktoren und entzündungsbedingten Schäden schützen. Das gilt z.B. für Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Antioxidantien und Phytonährstoffe, die freie Radikale abfangen und oxidative Hautschäden lindern. Zum Schutz vor negativen Wirkungen übermäßiger UV-Strahlung im Sonnenlicht tragen die Vitamine A, C und E sowie Selen, Zink, Kupfer, Silizium, Polyphenole und Carotinoide bei. Antioxidantien können eine wirksame Ergänzung zu chemischen und physikalischen UV-Filtern sein und DNA-Schäden reduzieren, die zur Hautalterung führen und zur Entstehung von Hautkrebs beitragen. Die gute Aufnahme dieser Substanzen aus der Ernährung und Nahrungsergänzungen könnte dazu beitragen, Altersprozessen der Haut vorzubeugen.

 

Unser Tipp: Mikronährstoffe, die zum Schutz der Haut beitragen, sind einzeln und kombiniert in vielen Nahrungsergänzungen enthalten. Besonders wichtig sind dabei gut bioverfügbare Substanzen.

 

Quelle:
Monika Michalek et al., Bioactive Compounds for Skin Health: A Review. In: Nutrients online 12.1.2021, doi: 10.3390/nu13010203.


Stark prozessierte Lebensmittel erhöhen kardiovaskuläres Risiko

 

Zu viel, zu fett, zu süß und zu salzig, so lautet zu oft das Fazit von Fachleuten über die Ernährung. Der Trend zu Fertiglebensmitteln, die stark industriell verarbeitet sind, hat eine Kehrseite, er verstärkt das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten.

 

Das Angebot an industriell verarbeiteten (prozessierten) Lebensmitteln nahm in den letzten Jahrzehnten sehr stark zu. Das verdrängte traditionellere Ernährungsweisen, die selbst zubereitet wurden und natürliche bzw. wenig verarbeitete Lebensmittel verwendeten. Im Alltag siegt zu oft der Griff zu fertigen Lebensmitteln über die Lust am Kochen. Das hat langfristige Folgen für die Gesundheit. Eine stark prozessierte Ernährung wird, z.B. aufgrund des oft hohen Zucker- und Fettgehalts, mit Fettleibigkeit und chronischen Krankheiten verbunden. Auch der Anteil von Salz ist oft zu hoch, außerdem fehlen oft wichtige Mikronährstoffe. Abhängig vom Ausmaß der industriellen Verarbeitung wurde eine Klassifizierung für Lebensmittel und Getränke eingeführt (NOVA). Zur höchsten Klasse gehören die ultra-prozessierten Lebensmittel. Dazu gehören z.B. Snacks, Getränke und Fertiggerichte. Sie enthalten oft Aromen, Farb- und andere Zusatzstoffe, die sensorische Eigenschaften von Lebensmitteln oder Speisen imitieren oder verstärken.

 

Sie sind meist verzehrfertig, schmackhaft, preiswert und lange haltbar. Sie konkurrieren vor allem mit Lebensmitteln, die von Natur aus verzehrfertig sind (z.B. Obst) oder frisch zubereitet werden müssen. Nach Schätzungen haben ultra-prozessierte Lebensmittel längst einen hohen Anteil (über 50 %) an der Ernährung in den USA. In Europa ist dies mit einem Anteil von 24 bis 35 % der täglichen Energieaufnahmen noch geringer. Bisher eher wenig untersucht ist, welchen Einfluss stark prozessierte Lebensmittel auf die Gesundheit haben. Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten und Krebs sowie auf ein damit verbundenes erhöhtes Sterblichkeitsrisiko. Zu den möglichen Ursachen gehören Wirkungen auf die Gesundheit durch die Art der Verarbeitung, die Zusammensetzung der Nährstoffe und Aspekte, die das Sättigungsgefühl beeinflussen.

 

Eine Gruppe italienischer Forscher untersuchte in einer großen Bevölkerungsstudie (Moli-sani), wie stark prozessierte Lebensmittel die Gesundheit sowie Krankheits- und Sterblichkeits-Risiken beeinflussen. An der Studie nahmen rund 22.000 Frauen und Männer (im Durchschnitt 55 Jahre) teil. Geprüft wurde im Lauf von rund acht Jahren der Beobachtung, wie sich die in prozessierten Lebensmitteln enthaltenen Haupt-Nährstoffe (z.B. Zucker und gesättigte Fette) auf die Gesundheit auswirkten. Alle Teilnehmer gaben detaillierte Auskünfte über ihre Ernährung. Damit konnte der Anteil von ultra-prozessierten Lebensmitteln ermittelt werden. Wurden sie häufig verzehrt, so war dies mit einem erhöhten Risiko für die allgemeine Sterblichkeit bzw. aufgrund von kardiovaskulären Krankheiten verbunden. Das wurde zum Teil auf den hohen Zuckergehalt dieser Lebensmittel zurückgeführt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt im übrigen die Auswertung einer US-amerikanischen Bevölkerungsstudie (NHANES 2011-2016). Dort lag der Anteil der ultra-prozessierten Nahrung bei über 50 % der Energieaufnahmen. Auch hier zeigte sich die Beziehung zur beeinträchtigten kardiovaskulären Gesundheit.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Studie zeigt ein erhöhtes Risiko für die gesamte und kardiovaskuläre Mortalität in Verbindung mit einem hohen Konsum von ultra-prozessierten Lebensmitteln in einer mediterranen Bevölkerung. Sie gibt einen Einblick in mögliche biologische Mechanismen, die durch hoch verarbeitete Lebensmittel schädliche Wirkungen auf die Gesundheit ausüben könnten. Diese Ergebnisse sollten dazu anregen, mehr über die Ursachen dieser Beziehungen zu forschen. Sie sollten auch dazu anregen, mehr frische oder zumindest nur minimal industriell verarbeitete Lebensmittel zu verzehren und frisch zubereitete Gerichte und Mahlzeiten zu bevorzugen.

 

Quelle
Marialaura Bonaccio et al., Ultra-processed food consumption is associated with increased risk of all-cause and cardiovascular mortality in the Moli-sani Study. In: The American Journal of Clinical Nutrition Vol. 112, Nr. 2, 2021, S. 446-455, doi: 10.1093/ajcn/nqaa299.
Zefeng Zhang et al., Association between ultraprocessed food intake and cardiovascular health in US adults: a cross-sectional analysis of the NHANES 2011-2016. In: The American Journal of Clinical Nutrition Vol. 113, Nr. 2 2021, S. 428-436, doi: 10.1093/ajcn/nqaa 276.


Das Mikrobiom im Darm ist am gesunden Altern beteiligt

 

Bisher war der Einfluss eines gesunden Mikrobioms im Darm in Bezug auf das Altern wenig bekannt. Nun zeigt eine Studie, dass sich das Mikrobiom im Alter verändern und zur guten Gesundheit beitragen kann, was auch die Lebensperspektiven beeinflusst.

 

Das Mikrobiom im Darm ist mit seiner Gemeinschaft der Darmbakterien für die Gesundheit sehr wichtig, das zeigte sich in vielen Studien. Doch ob dies auch für das Alter gilt, das war bisher nur wenig untersucht. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern prüfte daher in einer Studie die Zusammensetzung der Darmmikroben in verschiedenen Generationen. Sie analysierten dabei, ob es bestimmte Merkmale gibt, die mit gesunden oder ungesunden Altersverläufen verbunden sind. Ausgewertet wurden das Mikrobiom im Darm und klinische Daten von über 9.000 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 101 Jahren, die in drei unabhängige Gruppen eingeteilt waren. Ein besonderer Fokus lag auf 900 älteren Teilnehmern, die von 78 bis 98 Jahre alt waren und in einer Gemeinde lebten.

 

Die Auswertungen zeigten, dass das Mikrobiom des Darms mit zunehmendem Alter immer einzigartiger wurde, sich also immer stärker von dem anderer Personen unterschied. Dies korrespondierte mit einer stetigen Abnahme in der Häufigkeit von Gattungen der Kernbakterien (z.B. Bacteroides), die tendenziell bei allen Menschen gleich sind. Auffallend war, dass die Funktionen im Stoffwechsel, die vom Mikrobiom ausgehen, zum Teil gemeinsame Merkmale hatten. Das galt z.B. für einige mikrobielle Metaboliten im Blutplasma, die mit einer längeren Lebensspanne in Verbindung gebracht wurden.

 

„Interessanterweise scheint dieses einzigartige Muster in der Mitte des Lebens zu beginnen, im Alter von 40 bis 50 Jahren. Es ist mit einer klaren Signatur (von Metaboliten) im Blut verbunden, was darauf hindeutet, dass diese Mikrobiom-Veränderungen nicht einfach nur eine Diagnose für gesundes Altern sind, sondern dass sie auch direkt zur Gesundheit im Alter beitragen können", sagt einer der beteiligten Forscher. Zum Beispiel sind Indole (Gruppe aromatischer Amine) dafür bekannt, Entzündungen im Darm zu reduzieren, und chronische Entzündungen werden als ein Hauptfaktor für das Fortschreiten von altersbedingten Krankheiten angesehen. Die einzigartige Signatur des Mikrobioms im Darm kann daher Hinweise auf das Überleben in den letzten Lebensjahrzehnten geben. Gesunde Personen um das 80. Lebensjahr herum zeigten eine besondere Zusammensetzung im Mikrobiom, die bei weniger gesunden Personen nicht vorhanden war.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Das identifizierte Mikrobiom-Muster des gesunden Alterns ist durch eine Verringerung der Kerngattungen von Bakterien gekennzeichnet, die bei den meisten Menschen vorkommen, vor allem von Bacteroides. Bleibt jedoch eine hohe Dominanz von Bacteroides bis ins hohe Alter vorhanden oder entwickelt sich das Mikrobiom im Alter weniger einzigartig, so könnte dies ein Zeichen für eine geringere Überlebensperspektive sein. Diese Analyse unterstreicht die Tatsache, dass sich das erwachsene Darmmikrobiom mit dem fortgeschrittenem Alter bei gesunden Individuen weiterentwickelt, nicht aber bei ungesunden. Nach Ansicht der Forscher sind dies aufregende Ergebnisse, die große Auswirkungen in Bezug auf die Kontrolle und Modifizierung der Gesundheit des Mikrobioms im Darm in der gesamten Lebensspanne eines Menschen haben werden.

 

Quelle:
Tomasz Wilmanski et al., Gut microbiome pattern reflects healthy ageing and predicts survival in humans. In: Nature Matabolism, online 18.2.2021, doi: 10.1038/s42255-021-00348-0.


Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA beeinflussen das Asthma-Risiko

 

Mit einer höheren Aufnahme der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA lässt sich vermutlich das Asthma-Risiko in der Kindheit verringern. Das gilt für Kinder mit einer häufig vorkommenden Gen-Variante.

 

Die Verbreitung von Asthma bei Kindern hat in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen, Asthma ist die häufigste chronische Krankheit in der Kindheit. Bei vielen erwachsenen Asthmatikern hat die Krankheit entsprechend meist schon in der Kindheit begonnen. Möglichkeiten der Vorbeugung sind bisher nicht bekannt. Eine schlechte Ernährung kann das Asthma-Risiko möglicherweise beeinflussen, doch Studien dazu sind bisher nicht ausreichend vorhanden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass ein erhöhter Fischkonsum zur Prävention von Asthma beitragen könnte. Vor allem fettreiche Fische sind eine reichhaltige Quelle für die gesunden, langkettigen und mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Sie haben antientzündliche Eigenschaften, das könnte auf Asthma als einer entzündlichen Krankheit positiv einwirken. Eine Gruppe von englischen Forschern prüfte diese Beziehungen bei rund 4.500 Kindern. Ihre Mütter hatten in den 90er Jahren an der großen Bevölkerungsstudie ALSPAD (Avon Longitudinal Study of Parents and Children) teilgenommen. Ihre Kinder wurden seither gesundheitlich beobachtet. Im Alter von 7 Jahren wurden bei den Kindern der Fischverzehr und die Aufnahmen von EPA und DHA untersucht. Im Alter von 11 bis 14 Jahren prüften die Forscher die Vorkommen von Asthma in dieser Gruppe.

 

Grundsätzlich waren die Omega-3-Fettsäuren nicht mit Asthma verbunden. Die Forscher untersuchten jedoch auch Beziehungen zu möglichen genetischen Varianten. Im Körper können EPA und DHA mit Hilfe von Enzymen in gewissen Mengen auch aus pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren hergestellt werden. Dafür ist u.a. das Enzym Delta-6-Desaturase nötig, in dessen Gen (FADS2) gibt es eine Variante, durch die die Aktivität des Enzyms verringert wird. Diese Variante kommt recht häufig vor und lässt sich durch eine Blutuntersuchung auf einfache Weise feststellen. Wer diese Genvariante trägt, muss die EPA und DHA über die Nahrung aufnehmen. Tatsächlich trugen mehr als die Hälfte der Kinder diese Genvariante, was sich auf die Häufigkeit von Asthma auswirkte. Bei einem hohen Verzehr von Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen hatten diese Kinder und Jugendlichen ein um 51 % geringeres Risiko, an Asthma zu erkranken, das galt im Vergleich zu den geringsten Aufnahmen an EPA und DHA.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Bei Kindern mit der FADS-Variante war die höhere Aufnahme von EPA und DHA aus Fisch stark mit einem geringeren Risiko für das Auftreten von Asthma verbunden. Aus Beobachtungsstudien lässt sich allerdings nicht sicher schließen, dass eine höhere Aufnahme dieser Omega-3-Fettsäuren in der Kindheit der Entwicklung von Asthma vorbeugen kann. In weiteren Studien sollte daher geklärt werden, ob eine höhere Aufnahme von EPA und DHA mit einem geringeren Risiko für den Verlauf von Asthma-Erkrankungen verbunden ist. Auch wenn sich zur Zeit noch nicht sicher sagen lässt, dass der Verzehr von mehr Fisch bzw. den Fischölen EPA und DHA Asthma bei Kindern vorbeugen kann, halten die Forscher es dennoch für empfehlenswert, dass Kinder mehr Fisch essen, als üblicherweise empfohlen wird.

 

Unser Tipp: Fisch wird auch bei uns oft zu wenig gegessen, entsprechend niedrig ist dann die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren. Ergänzungen mit EPA und DHA aus Fischölen können die Aufnahmen verbessern, dabei sollte auf eine gute Qualität und Haltbarkeit geachtet werden.

 

Quelle:
Mohammad Talaei et al., Intake of n-3 polyunsaturated fatty acids in childhood, FADS genotype, and incident asthma. In: European Respiratory Journal Vol. 57, Nr. 1, 2021, doi: 10.1183/13993003.03633-2020.


Vitamin C fürs Zahnfleisch und die Netzhaut

 

Die zu geringe Versorgung mit Vitamin C kann zu Blutungen im Zahnfleisch und in der Netzhaut führen. Eine verbesserte Aufnahme von Vitamin C kann solche Blutungen verringern.

 

Zahnfleischbluten ist ein Signal für eine mögliche Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis) und kann auch ein frühes Zeichen für eine Parodontose (Schwund im Zahnfleisch etc.) sein. Ein Besuch beim Zahnarzt sollte die Ursachen klären. Weniger bekannt ist, dass die Blutungen im Zahnfleisch möglicherweise auch ein Zeichen für eine zu geringe Versorgung mit Vitamin C sein können. In solchen Fällen bringt eine verbesserte Mundhygiene mit vermehrtem Zähneputzen und der Reinigung der Zahnzwischenräume keine Abhilfe. Die Verbindung zwischen der ausreichenden Aufnahme von Vitamin C und dem Zahnfleischbluten wurde bereits vor über 30 Jahren erkannt, sie geriet jedoch bald in Vergessenheit. Von leichten Blutungen aufgrund von Vitamin C-Defiziten kann außerdem die Netzhaut des Auges betroffen sein. Beides könnte ein Zeichen für eine systemische mikrovaskuläre Störung sein, die durch eine erhöhte Aufnahme von Vitamin C rückgängig gemacht werden kann.

 

Eine Forschergruppe aus den USA untersuchte diese Beziehungen in 15 klinischen Studien aus sechs Ländern mit 1.140 vorwiegend gesunden Teilnehmern. Sie bezogen außerdem die Daten von 8.120 US-Amerikanern (aus der großen NHANES-Bevölkerungsstudie) in ihre Analyse mit ein. Geprüft wurden bei den Teilnehmern die Werte von Vitamin C und ob sich durch Ergänzungen von Vitamin C Blutungen im Zahnfleisch und/oder in der Netzhaut vermeiden lassen. Die Auswertungen zeigten, dass das Zahnfleischbluten, ausgelöst durch eine sanfte Sondierung oder durch eine vorhandene Gingivitis, mit geringen Vitamin C-Werten im Blut verbunden war. Gleiches galt für leichte Blutungen in der Netzhaut. Eine erhöhte tägliche Aufnahme von Vitamin C konnte bei den Teilnehmern mit zu geringen C-Werten diese Blutungen verringern.

 

Das Auftreten von Blutungen im Zahnfleisch und in der Netzhaut könnte ein Zeichen für eine generelle Störung im mikrovaskulären System sein. Dazu gehört dann auch die Neigung zu mikrovaskulären Blutungen im Gehirn, im Herz und in den Nieren. Die Forscher empfehlen, auf die Aufnahme von ausreichend Vitamin C zu achten. Bevorzugt werden sollten nicht verarbeitete Lebensmittel wie Kohl (z.B. Grün- und Rosenkohl etc.), Paprikaschoten, Kiwis und Citrusfrüchte. Allerdings werden an Vitamin C reiche Obstsorten wie Orangen und Kiwis wegen ihres Zuckergehalts z.B. in kohlenhydratarmen Diäten oft nicht einbezogen. Hinzu kommt, dass die täglichen Bedarfsempfehlungen für Vitamin C (110 mg für Erwachsene in Deutschland) zu gering sein könnten, um solche mikrovaskulären Blutungen im Zahnfleisch und in der Netzhaut zu vermeiden. Reicht die Aufnahme von Vitamin C aus der Nahrung nicht aus, um eine gute Zufuhr zu sichern, dann kann Vitamin C mit 100 bis 200 mg täglich auch aus Nahrungsergänzungen aufgenommen werden.

 

Unser Tipp: Vitamin C ist einzeln und kombiniert in vielen Nahrungsergänzungen enthalten. Dabei sollte auf eine gute Qualität geachtet werden. So fördert z.B. säurearmes (gepuffertes) Vitamin C die gute Aufnahme.

 

Quelle
Philipp P. Hujoel et al., Bleeding tendency and ascorbic acid requirements: systematic review and meta-analysis of clinical trials. In: Nutrition Reviews, online 1.2.2021, doi: 10.1093/nutrit/nuaa115.


Ernährung und Lebensstil beeinflussen das Reflux-Risiko

 

Das häufige und schmerzhafte Sodbrennen könnte um bis zu 50 % verringert werden, wenn die Betroffenen sich gesund ernähren und einen gesunden Lebensstil führen. Das zeigt eine US-amerikanische Bevölkerungsstudie.

 

Die gastroösophageale Refluxkrankheit wird durch eine Entzündung der Speiseröhre ausgelöst. Sie kann entstehen, wenn der Schließmuskel zwischen der Speiseröhre und dem Magen nicht genügend funktioniert. So kann ein Teil des sauren Mageninhalts zurück in die Speiseröhre fließen und dort die Schleimhaut schädigen. Zu den häufigsten Symptomen gehören das Sodbrennen mit saurem Aufstoßen und brennenden Schmerzen in der Speiseröhre. Es können aber auch andere Beschwerden, z.B. Druckgefühle, Schmerzen und Luftaufstoßen, auftreten. Die Refluxkrankheit entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer weit verbreiteten Volkskrankheit. In den USA sind rund 30 % der Bevölkerung davon betroffen (in Deutschland rund 25 %). Damit steigt auch das Risiko für Folgekrankheiten, die bis hin zu Krebs reichen können. Die Refluxkrankheit kann medikamentös (z.B. mit Protonenpumpenhemmern) behandelt werden, das kann jedoch einige Nebenwirkungen haben. Bei häufigem Sodbrennen können auch ein gesünderer Lebensstil und eine gesündere Ernährung hilfreich sein.

 

Bisher wurde jedoch nicht näher geprüft, ob diese Maßnahmen allein bereits das Krankheitsrisiko senken können. Ein Team von US-Forschern untersuchte daher anhand der „Nurses´Health Study 2“, wie sich das Sodbrennen verringern lässt. Seit 1989 nehmen knapp 117.000 Krankenschwestern an der Studie teil. Zweimal pro Jahr gaben sie in einer detaillierten Befragung Auskünfte über ihren Gesundheitszustand. Sie gaben weiter regelmäßig Auskünfte über ihren Lebensstil und ihre Ernährung. Von 2004 bis 2017 wurden die Teilnehmerinnen auch mehrmals zur gastroösophagealen Refluxkrankheit und zum Sodbrennen befragt. Die Angaben von rund 43.000 Teilnehmerinnen von 42 bis 62 Jahren konnten dazu ausgewertet werden. Im Lauf der langen Studienjahre erkrankten knapp 9.300 Frauen an der Refluxkrankheit. Die Forscher analysierten, welche Faktoren sie davor schützen oder ihr persönliches Krankheitsrisiko erhöhen konnten.

 

Die Analysen zeigten, dass eine gesunde Ernährung zusammen mit einem guten Lebensstil das Risiko für die Refluxkrankheit deutlich verringern konnte. Den größten Einfluss hatte ein normales Körpergewicht (BMI von 18,5 bis 24,9), dadurch verringerte sich das Krankheitsrisiko um 31 %. Eine gesunde Ernährung senkte das Refluxrisiko um 13 %. Daran hatte die relativ geringe Aufnahme von Kaffee, Tee und kohlensäurehaltigen Getränken (weniger als zwei Tassen/Gläser) täglich mit der Risikosenkung von 8 % einen wichtigen Anteil. Hinzu kam, dass die regelmäßige körperliche Aktivität (wenigstens 30 Minuten mäßiger bis mittlerer Aktivität täglich) das Refluxrisiko um 9 % senken konnte. Diese Wirkung erklären die Forscher so: Die Körperaktivität könnte die Mobilität im Magen-Darm-Trakt fördern und dafür sorgen, dass der saure Magensaft besser in den Darm gelangt und nicht nach oben in die Speiseröhre austreten kann.

 

Einen gewissen Einfluss hatte außerdem der Verzicht auf das Rauchen, der das Refluxrisiko um 6 % senkte. Erfüllten die Teilnehmerinnen alle fünf Kriterien, verringerte sich ihr Refluxrisiko um 50 %. Auch Frauen, deren Reflux-Krankheit medikamentös behandelt wurde, profitierten von einer gesunden Ernährung und dem guten Lebensstil, auch sie konnten damit ihre Symptome verringern.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Ergebnisse zeigen, dass eine regelmäßige gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil die Reflux-Krankheit und ihr häufigstes Symptom, das Sodbrennen, erheblich verringern können. Für viele Patienten könnte dadurch die Einnahme von Medikamenten zur Therapie der Refluxkrankheit unnötig werden. Die Forscher halten dies für die beste Option bei der Refluxkrankheit, um die Symptome zu kontrollieren. Mit einem guten Lebensstil und gesunder Ernährung ließen sich auf diese Weise mehr als ein Drittel der Fälle von Refluxkrankheiten vermeiden.

 

Unser Tipp: Eine Reihe von Mikronährstoffen beeinflussen die Funktionen im Magen-Darm-Trakt, dazu gehören die Vitamine A und U (dl-Methionin-S-methyl-sulfoniumchlorid) sowie einige pflanzliche Substanzen (z.B. Gamma-Oryzanol aus Reis) und Extrakte. Sie können zum Schutz der Magenschleimhaut und vor Sodbrennen beitragen.

 

Quelle:
Raaj S. Mehta et al., Association of Diet and Lifestyle With the Risk of Gastroesophageal Reflux Disease Symptoms in US Women. In: JAMA Internal Medicine, online 4.1.2021, doi: 10.1001/jamainternmed.2020.7236


Eisenmangel beim intensiven Sporttraining

 

Bei aktiven Sportlern, einschließlich von engagierten Freizeit-Sportlern, wird ein Eisenmangel häufiger beobachtet. Eine gute Mischkost kann die Eisenaufnahme verbessern. Sportler, die Vegetarier und Veganer sind, sollten auf eine gute Eisenzufuhr besonders achten.

 

Eisen ist ein essentielles Spurenelement, das für die Bildung von Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), den Sauerstofftransport, die Elektronentransportkette und die Energieerzeugung in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) benötigt wird. Viele dieser Funktionen sind mit guten Leistungen im Sport verbunden. Bei engagierten Sportlern ist ein Eisenmangel relativ häufig vorhanden, Das gilt zwar in erster Linie für Elitesportler, trifft aber auch auf ehrgeizige Freizeitsportler zu. Durch die Menstruation und schlechtere Eisenspeicherung ist der Eisenmangel häufiger bei Frauen zu finden, doch auch Männer können davon betroffen sein. Beim Sport kann Eisen außerdem über die Ausscheidung von Schweiß und Urin verstärkt verloren gehen. Viele Sportarten im Leistungssport sind mit einer anhaltenden Gewichtsreduktion bzw. Gewichtskontrolle verbunden, dadurch kann sich das Risiko für eine Mangelernährung erhöhen. Ein ständig intensiv betriebener Sport regt außerdem die Synthese von Hepcidin (Protein mit wichtiger Rolle im Eisenstoffwechsel) in der Leber an.

 

Es senkt die Aufnahme von Eisen aus der Ernährung im Darm und kann so zum Eisenmangel bei Sportlern beitragen. Generell können Eisendefizite auch durch die Ernährung entstehen. Eisen ist in seiner gut aufnehmbaren Form als zweiwertiges Eisen reichlich in Fleisch und Wurstwaren enthalten. In pflanzlichen Lebensmitteln kommt das dreiwertige Eisen vor, das im Körper in die besser verwertbare Form umgewandelt werden muss. Pflanzliches Eisen ist vor allem in Hülsenfrüchten, grünem Gemüse, Nüssen und Samen enthalten. Auch Vollkornwaren können mit Eisen versorgen. Vegetarier und speziell Veganer sollten jedoch auf eine gute Eisenversorgung besonders achten, da einige pflanzliche Stoffe wie z.B. Phytate in Getreide, Soja und Hülsenfrüchten die Eisenaufnahme hemmen können.

 

Wird ein regelmäßiges sportliches Training neu aufgenommen, dann kommt es, abhängig von der jeweiligen Trainingsintensität, schon bald zu einer Expansion des Blutvolumens, vor allem im Plasma. Damit steigt die maximale Aufnahme von Sauerstoff an, und die Hämoglobin-Konzentration sowie Hämatokrit (Anteil zellulärer Bestandteile am Blutvolumen) werden gesenkt. Der Hämoglobin-Wert kann im Ausdauersport leicht unter die üblichen Normgrenzen sinken, das wird oft als Sportanämie bezeichnet. Dies ist jedoch nicht ganz richtig, denn eigentlich ist dieser Vorgang eine Anpassung an das Training. Allerdings kann sich daraus eine echte Anämie entwickeln, für die hauptsächlich ein Eisenmangel die Ursache ist.

 

Spitzensportler werden seit langem medizinisch gut betreut, dazu gehört auch die routinemäßige Bestimmung der Werte von Hämoglobin und Ferritin (Speichereisen). Das gilt besonders für Frauen, aber auch bei bestimmten Sportarten wie Marathonlauf, Triathlon, Eisschnelllaufen und im Ausdauersport. Sportler mit einem intensiven Training sollten ihre Ernährung in Bezug auf eine gute Aufnahme von Eisen anpassen. Sind die Eisenwerte zu gering, kann die Eisentherapie und regelmäßige Ergänzung von Eisen notwendig sein. Generell ist die Eisenaufnahme keine Doping-Strategie, da dadurch nur ein vorhandener Mangel beseitigt wird. Diese Empfehlungen gelten in etwas geringerem Maß auch für ehrgeizige Freizeitsportler/innen, die nicht wie Profi-Sportler mit Routine-Kontrollen betreut werden. Bei ihnen fallen z.B. niedrige Eisenwerte häufiger auf (niedriges Ferritin). Für Hobbysportler ist dagegen das Risiko für einen Eisenmangel eher gering.

 

Hier reicht meist eine gesunde Ernährung aus, um ausreichend mit Eisen versorgt zu sein. Engagierte Freizeit-Sportler sollten möglichst eine ausgewogene Mischkost bevorzugen. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist auf die gute Eisenaufnahme zu achten. Bei Bedarf ist auch hier die Eisenergänzung zu empfehlen.

 

Unser Tipp: Für die Ergänzung von Eisen stehen verschiedene, gut bioverfügbare Formen zur Verfügung. Eisen ist außerdem in einigen Multi-Formeln enthalten.

 

Quelle:
Prof. Dr. rer. nat. Peter Nielsen, Eisenmangel bei Sportlern: Prävention. IN: MMW - Fortschritte der Medizin, Nr. 12/2020, doi: 10.1007/s15006-020-0601-x.


Curcuma-Extrakt bei Knie-Arthrose

 

Patienten mit Arthrose im Knie, die mit Entzündungen verbunden ist, könnten von einer Therapie mit antientzündlichen Mikronährstoffen profitieren. In einer Studie konnten Curcuma-Extrakte die Arthroseschmerzen verringern.

 

Die Arthrose ist eine degenerative, chronische Erkrankung der Gelenke, dabei sind die Knie besonders häufig betroffen. Die Krankheit entsteht meist im höheren Alter durch langjährige Überlastungen. Zunächst nutzt sich der Gelenkknorpel ab, in späteren Stadien verändert sich auch das Knochengewebe. Bei einigen Arthrose-Patienten entwickelt sich ein Erguss (Sammlung von Flüssigkeit) im Kniegelenk oder eine Synovitis (Entzündung der Gelenkschleimhaut). Das deutet darauf hin, dass sie an einer Arthrose vom entzündlichen Typ leiden, entsprechend könnten sie von einer entzündungshemmenden Therapie profitieren. Bisher lässt sich eine Arthrose nicht optimal behandeln, empfohlen wird z.B. oftmals die Gewichtsreduktion, die Anwendung von Chondroitin, Glucosamin und Hyaluronsäure sowie eine physikalische Therapie. Auch einige pflanzliche Extrakte können bei Arthrose hilfreich sein, um die Schmerzen zu lindern, das gilt vor allem für den Weihrauch. Ein möglicher Kandidat für eine schmerzlindernde Wirkung ist auch Curcuma (Curcuma longa), eine Gewürzpflanze, die traditionell in der ayurvedischen und chinesischen Medizin angewendet wird. Curcuma hat entzündungs- und schmerzlindernde Eigenschaften und könnte daher bei Arthrose, die mit Entzündungen einhergeht, wirksam sein. Eine Gruppe von Forschern aus Australien und Neuseeland untersuchte in einer Studie die Wirksamkeit eines Curcuma-Extraktes bei Patienten mit Kniearthrose.

 

Einbezogen in die (randomisierte, kontrollierte, doppelblinde) Studie waren 70 Patienten, die in einem Zentrum im südlichen Tasmanien behandelt wurden. Sie hatten bereits eine Schwellung am Knie bzw. einen Kniegelenks-Erguss oder eine Synovitis. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die eine Gruppe erhielt 12 Wochen lang täglich 2 Kapseln (2 x 500 mg) mit Curcuma longa, die andere nahm zum Vergleich ein Placebo ein. Geprüft wurde, ob sich im Lauf der Studie die Knieschmerzen, der Gelenkknorpel und das Volumen des Ergusses oder der Synovitis verändert hatten. Die Ergebnisse zeigten, dass sich mit dem Curcuma-Extrakt die Schmerzwerte im Vergleich zum Placebo deutlich verbessert hatten. Entsprechend war der Verbrauch an Schmerzmitteln bei den Patienten in der Curcuma-Gruppe geringer. Der Gelenkerguss verringerte sich leicht, aber nicht signifikant. Es zeigte sich jedoch kein Einfluss auf die Kniescheiben-Synovitis oder die Zusammensetzung des Knorpels bzw. die Knorpeldicke. Subjektiv waren die Symptome der Patienten gelindert, jedoch nicht beim objektiven Zustand. Die Forscher vermuten, dass Curcuma-Extrakte den Arthrose-Verlauf selbst offenbar nicht beeinflussen können, möglicherweise wirken sie jedoch bei Arthrose schmerzlindernd. Die Forscher empfehlen, Curcuma-Extrakte in einer größeren Studie und mit einer längeren Dauer bei Arthrose weiter zu untersuchen.

 

Unser Tipp: Bei der Arthrose sind verschiedene Mikronährstoffe empfehlenswert, die begleitend zur Therapie eingesetzt werden können. Dabei gibt es z.B. bewährte Kombinationen mit Extrakten aus dem Weihrauch und Curcuma longa.

 

Quelle
Zhiqiang Wang et al., Effectiveness of Curcuma longa Extract for the Treatment of Symptoms and Effusion-Synovitis of Knee Osteoarthritis. In: Annals of Internal Medicine, online 1.12.2021, doi: 10.7326/M20-0990.


Können Omega-3-Fettsäuren auch glücklich machen?

 

Seit langem ist bekannt, dass die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen einige mentale Zustände beeinflussen können. In einer neuen Studie zeigten sich nun Beziehungen zwischen den Omega-3-Spiegeln und Glücksgefühlen der Teilnehmerinnen.

 

Nach Untersuchungen der Positiven Psychologie stehen positive Emotionen z.B. in direktem Zusammenhang mit verbesserten Werten bei Depressionen. Emotionale Störungen und ein höherer Grad der belastenden Symptome können das Glücksgefühl und das emotionale Wohlbefinden beeinflussen. Dabei spielen z.B. Selbstwert-Gefühle, Gefühle der Erfüllung oder psychologische Belohnungen eine Rolle. Die Steigerung positiver Gefühle kann für das psychische Wohlbefinden und für die Therapie von psychischen Störungen wichtig sein, auch wenn vor allem letztere mit vielen anderen Einflussfaktoren verbunden sind. Ein Team japanischer Forscher untersuchte in einer kleinen Studie Faktoren, die helfen können, einen positiven psychosomatischen Zustand im Alltag aufrecht zu erhalten.

 

Dabei gehört u.a. die Ernährung zu den wichtigen Faktoren. Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass z.B. die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren zum Schutz vor kognitiven oder psychischen Störungen beitragen kann. Neben dem allgemeinen Wohlbefinden können Ernährungsfaktoren auch zur Aufrechterhaltung des hedonischen Wohlbefindens, wie z.B. Glücksgefühlen, beitragen. Die Forscher untersuchten daher in einer Studie Gefühle von subjektiv empfundenem Glück und Erfüllung bzw. das Gefühl, wertvoll zu sein in Bezug zu Konzentrationen von Omega-3-Fettsäuren und anderen Einflussfaktoren.

 

An der Studie waren 133 Mitarbeiterinnen eines Krankenhauses und eines Pflegeheims in Japan beteiligt. Bei allen Frauen wurden die Konzentrationen der Omega-3-Fettsäuren gemessen. Mit einer in Japan genutzten Glücks-Skala wurden die subjektiven Empfindungen der Frauen bestimmt, Gefühle der Erfüllung wurden ebenfalls mit einer Skala bewertet. Weitere Einflussfaktoren wie Alter, Body Mass Index, Menopause, Körperbewegung und Ernährungsgewohnheiten, darunter auch die Neigung zum Naschen, wurden einbezogen und an die Ergebnisse angepasst. Es zeigten sich signifikant positive Beziehungen zwischen den Omega-3-Fettsäuren (aus Fischölen) und dem Gefühl der Erfüllung für die Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Dagegen zeigte sich zur Alpha-Linolensäure (aus pflanzlichen Quellen) keine positive Beziehung. Gefühle der Erfüllung waren speziell von der Versorgung mit der EPA sowie von der beginnenden Menopause mit dem Ausbleiben der Menstruation beeinflusst. Ansonsten spielten das Alter, der Body Mass Index oder auch Naschgewohnheiten bei den Glücksgefühlen keine beeinflussende Rolle.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Erstmals zeigte sich hier ein Zusammenhang von positiven Gefühlen und den Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen. Bei den Frauen hatten die Glücksgefühle eine stärkere Beziehung zu positiven Gefühlen der Erfüllung, zur Versorgung mit der EPA und zur Menopause. Das galt abgestuft in dieser Reihenfolge und unabhängig von der Versorgung mit der DHA. Weitere Studien sind künftig nötig, um die Ursachen für diese Beziehungen, z.B. auch für die fehlende Wirkung der Alpha-Linolensäure auf diese Gefühle, zu untersuchen. Trotz der Beschränkungen durch eine kleine Studie deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die EPA für die Aufrechterhaltung unseres psychologischen Wohlbefindens nützlich sein könnte.

 

Unser Tipp: Die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen, EPA und DHA, sind in Nahrungsergänzungen gemeinsam und meist in ihrem natürlichen Verhältnis enthalten. In einigen Präparaten ist die Dosierung der EPA deutlich erhöht.

 

Quelle:
Hirohito Tsuboy et al., Omega-3 Eicosapentaenoic Acid Is Related to Happiness and a Sense of Fulfilment - A Study among Female Nursing Workers. In: Nutrients, online 11.11.2020, doi: 10.3390/nu12113462.


In einer neuen Studie aus Großbritannien zeigte sich jedoch für Veganer, Vegetarier und für Pescatarier ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche an den Hüften. Speziell bei Veganern stieg das Risiko auch für andere Knochenbrüche an.

 

Allgemein gilt die pflanzliche Kost als vorteilhafter für die Gesundheit. In einer neuen Studie aus Großbritannien zeigte sich jedoch für Veganer, Vegetarier und für Pescatarier ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche an den Hüften. Speziell bei Veganern stieg das Risiko auch für andere Knochenbrüche an.

 

Im Rahmen der europäischen EPIC-Studien, in der seit vielen Jahren der Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit untersucht wird, waren in der EPIC-Oxford-Studie von 1993 bis 2001 rund 55.000 Personen aus Großbritannien beteiligt. Sie wurden zu ihrer Ernährung befragt, dies wurde 2010 nochmals wiederholt. 29.400 Teilnehmer ernährten sich mit einer gemischten Kost, einschließlich Fleisch, 8.000 Teilnehmer aßen neben pflanzlichen Lebensmitteln nur Fisch (Pescatarier), 15.500 waren Vegetarier und 2.000 Veganer. Untersucht wurde, wie sich die jeweilige Ernährungsweise auf das Risiko für Knochenbrüche auswirkt. Bei der Analyse wurden die Daten an verschiedene weitere Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Lebensstil, Body Mass Index, Körperbewegung, Rauchen und sozioökonomische Faktoren angepasst. Bei den Frauen wurde auch die Menopause und Einnahme von Hormonen berücksichtigt.

 

Im Lauf der jahrelangen Beobachtungen traten bei den Teilnehmern bis zum Jahr 2016 insgesamt knapp 4.000 Knochenbrüche auf. Ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche zeigte sich u.a. bei einem geringeren Körpergewicht und einer niedrigeren Aufnahme von Proteinen. Bei Veganern trug eine geringere Versorgung mit Kalzium zum erhöhten Knochenbruch-Risiko bei. Die Vegetarier hatten 11 % und Veganer 50 % mehr Knochenbrüche erlitten. Am häufigsten kam es zu Hüftfrakturen, davon waren Vegetarier und am stärksten die Veganer (2,64-fach erhöhtes Risiko) betroffen. Doch auch Pescatarier hatten ein um 33 % erhöhtes Risiko, bei anderen Arten von Knochenbrüchen waren sie nicht stärker gefährdet. Bei Knochenbrüchen an den Armen war das Risiko der Vegetarier um 28 % und bei Veganern sogar um 67 % erhöht. Knochenbrüche an den Beinen erlitten die Veganer doppelt so häufig wie Mischköstler. Veganer hatten außerdem ein um 73 % erhöhtes Risiko für Knochenbrüche am Schlüsselbein, an den Rippen und Wirbeln.

 

Generell sind Vegetarier und Veganer meist schlanker als Mischköstler, und ein normaler BMI (bis 25) gilt als günstig für die Gesundheit. Ein leichtes Übergewicht kann jedoch zum Schutz vor Knochenbrüchen beitragen, weil die etwas höheren Fettpolster Stürze besser abfangen können. Der Verzicht auf Protein in der Ernährung hat ungünstige Folgen für die Muskulatur. Sie besteht zu 20 % aus Proteinen, der Erhalt und die Reparatur des Muskelgewebes hängt von der ausreichenden Proteinaufnahme ab. Vegetarier verzichten mit Fleisch und Veganer dazu auch mit Milchprodukten auf die Versorgung mit wichtigen Proteinen. Eine geringere Muskelqualität könnte die Folge sein, wodurch das Risiko für Stürze und Knochenbrüche steigt. Da Veganer auf alle Milchprodukte verzichten, ist ihr Risiko für von der Kalzium-Versorgung abhängige Krankheiten erhöht. Bei einer mangelnden Kalzium-Zufuhr nutzt der Körper die in den Knochen gespeicherten Vorräte an Kalzium. Dieser Mineralstoff ist jedoch nicht nur für ein gesundes Knochensystem sehr wichtig, sondern wird z.B. auch für viele Enzyme, die Blutgerinnung und die Muskelfunktionen benötigt. Ist die Kalzium-Reserve in den Knochen geringer, sinkt die Verfügbarkeit für den Knochenstoffwechsel, das Risiko für die Entstehung von Osteoporose könnte daher erhöht sein.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Beim Verzicht auf Fleisch, vor allem bei Veganern, war das Risiko für Knochenbrüche deutlich erhöht, das galt besonders für Brüche an den Hüften. Hier war das Risiko im Vergleich zu den Mischköstlern bei den Pescatariern um 26 %, bei Vegetariern um 25 % und am stärksten bei Veganern um das 2,3-fache erhöht. Die Veganer hatten außerdem ein höheres Risiko für Gesamt-, Bein- und andere Knochenbrüche als Mischköstler. Zum Risiko tragen, abgesehen vom Fleischverzicht, auch der Body Mass Index und die Aufnahmen von Kalzium und Proteinen bei. Künftig sollten weitere Studien die Ursachen für das erhöhte Risiko für Knochenbrüche vor allem bei Veganern näher untersuchen.

 

Unser Tipp: Zur Stärkung des Muskel- und des Knochensystems stehen eine ganze Reihe von Mikronährstoffen, einzeln und in gut ausgewählten Kombinationen, zur Verfügung. Dabei sollte auf gut bioverfügbare Formen geachtet werden.

 

Quelle:
Tammy Y.N. Tong et al., Vegetarian and vegan diets and risks of total and site-specific fractures: results from the prospective EPIC-Oxford study. In: BMC Medicine, online 23.11.2020, doi: 10.1186/s12916-020-01815-3.


lle vier Jahre stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. ihren Ernährungsbericht vor. Er zeigt die aktuelle Situation mit neuen Trends in der Ernährung der Deutschen auf, mit guten und weniger guten Nachrichten.

 

Alle vier Jahre stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. ihren Ernährungsbericht vor. Er zeigt die aktuelle Situation mit neuen Trends in der Ernährung der Deutschen auf, mit guten und weniger guten Nachrichten.

 

Zu den positiven Entwicklungen gehört, dass mehr Gemüse gegessen wird sowie mehr Mineralwässer und Tees aller Arten getrunken werden. Es wird weniger Schweinefleisch verzehrt, auch Alkohol, vor allem Bier, wird weniger getrunken. Trotz solch positiver Veränderungen werden die Menschen in Deutschland immer dicker. In den Altersgruppen von 18 bis zu 65 Jahren sind rund 60 % der Männer und rund 37 % der Frauen davon betroffen, zunehmend mit dem höheren Alter. Der Weg zu einer generell gesünderen Ernährung ist in Deutschland daher immer noch weit.

 

Beim Fleisch verlagerte sich der Verzehr auf mehr Rind-, Kalbs- und Geflügelfleisch, Schweinefleisch wird seltener gegessen. Doch mit im Durchschnitt knapp 60 kg Fleisch pro Person und Jahr bleibt der Verzehr nahezu unverändert und weiter zu hoch. Erhöht hat sich der Verbrauch an Gemüse. Mehr gegessen werden vor allem Tomaten, Möhren, rote Rüben und Zwiebelgemüse sowie etwas mehr Hülsenfrüchte. Beim Obst sank dagegen der Verzehr. Äpfel, Birnen, Weintrauben und Apfelsinen wurden weniger gegessen. Leicht gestiegen ist z.B. nur der Verbrauch an Beerenobst und Bananen. Der Ernährungsbericht hebt hervor, dass eine pflanzenbetonte Ernährung die Gesundheit fördert und klimafreundlich ist. Sie liefert bei einem relativ geringen Energiegehalt wichtige Ballast- und Mikronährstoffe, darunter viele sekundäre Pflanzenstoffe. Pflanzliche Lebensmittel sollten daher häufiger als bisher gegessen werden. Kritisch merken die Forscher vor allem an, dass der Verzehr von frischen Kartoffeln und Getreidewaren gesunken ist.

 

Bei den Getränken stieg der Verbrauch an Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees. Geringer getrunken wurden zuckerhaltige Erfrischungsgetränken und Säfte sowie alkoholische Getränke wie Sekt, Spirituosen und Bier. Gesunken ist auch der Verbrauch von Milch, gestiegen dafür der Verzehr von Käse, der eher in geringeren Mengen gegessen werden sollte. Beim Übergewicht und der Adipositas (BMI ab 30) gab es zur vorherigen Untersuchung kaum Unterschiede. Bei schwangeren Frauen hat sich die Situation sogar deutlich verschlechtert. 2017 waren 40 % der Schwangeren bei der Erstuntersuchung übergewichtig, vier Jahre zuvor waren es 34 %. Ein starkes Übergewicht ist mit einem höheren Risiko für den Schwangerschafts-Diabetes sowie mit Bluthochdruck und Präeklampsie (Schwangerschafts-Bluthochdruck) verbunden. Bei den Kindern erhöht sich das Geburtsgewicht, außerdem steigt ihr Risiko für späteres Übergewicht.

 

Bisher oft umstritten ist, ob eine vegetarische oder gar vegane Ernährung für Kinder zu empfehlen ist. Dazu gibt es bisher nur wenig Untersuchungen. In der neuen, allerdings nicht repräsentativen VeChi-Youth-Studie waren 401 Kinder in Deutschland im Alter von 6 bis zu 18 Jahren einbezogen, die sich jeweils etwa zu einem Drittel vegetarisch, vegan und mit der Mischkost ernährten. Alle führten zwei Jahre lang ein Ernährungstagebuch, außerdem wurden ihr Blut und Urin regelmäßig untersucht. In den verschiedenen Altersgruppen zeigten sich im Vergleich zu Kindern mit Mischkost kaum Unterschiede in Körpergrößen und -gewicht sowie bei der Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen. Vegetarisch und vegan ernährte Kinder aßen mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse. Vegan ernährte Kinder aßen außerdem weniger Fertignahrungsmittel. Mit Vitamin B12, das Vegetariern und Veganern häufig fehlt, waren die Kinder und Jugendlichen gut versorgt, auf die notwendige Ergänzung wurde geachtet. Sie waren jedoch signifikant geringer mit Eisen versorgt. Gleich bei welcher Kost, vielen Kindern und Jugendlichen fehlte es an Vitamin B2, Kalzium, Jod und Vitamin D. Die Forscher empfahlen, die Ernährung bei allen drei Ernährungsweisen darauf auszurichten, z.B. jodiertes Salz und mehr kalziumreiche Lebensmittel zu verwenden.

 

Bei Vitamin D könnte eventuell eine Ergänzung notwendig sein, da es aus der Nahrung nur in geringen Mengen (ca. 10 bis 20 %) aufgenommen wird. Das gilt besonders in den Wintermonaten, wenn die Bildung von Vitamin D über die Sonneneinwirkung auf die Haut verringert ist. Die Versorgung mit Vitamin D untersuchten die Forscher darüber hinaus durch die Auswertung von 73 Reviews, dabei wurde speziell auf die Wirkung von Vitamin D auf Krankheiten geachtet. Die Analysen ergaben, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D zum Schutz vor akuten Atemwegserkrankungen beitragen und sich positiv auf die Therapie von Asthma und COPD auswirken kann. Neuere Studien zu Covid-19 waren in dieser Auswertung noch nicht einbezogen. Auch hier gibt es inzwischen Hinweise, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D zum Schutz beitragen kann.

 

Die Autoren des Ernährungsberichts fassen die Ergebnisse zusammen: Generell ist der seit Jahren positive Trend beim Gemüseverbrauch erfreulich. Leider geht aber der Obstverzehr seit etwa 2010 zurück. Auch der rückläufige Konsum von Getreidewaren ist unter gesundheitlichen Aspekten negativ zu bewerten und sollte in einen positiven Trend umgekehrt werden. Der Fokus sollte vor allem auf dem Verzehr von Vollkornprodukten liegen, sie sind eine wichtige Quelle für Ballaststoffe. Weiter steht der steigende Verbrauch an Käse, Rind-, Kalb- und Geflügelfleisch nicht im Einklang mit dem Ziel einer pflanzenbetonten Ernährung. Tierische Lebensmittel sind zwar eine wertvolle Ergänzung der Ernährung und erleichtern eine bedarfsdeckende Versorgung mit Nährstoffen. Sie sind jedoch oft fettreich und liefern vor allem gesättigte Fettsäuren, daher sollte ihr Verzehr auf kleine Mengen beschränkt werden. Dies könnte unerwünschte Folgen für die Gesundheit und das Klima verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Verbrauch von Gemüse, einschließlich von Hülsenfrüchten, Obst, Getreide, Kartoffeln und Nüssen, deutlich steigen und der Verbrauch von tierischen Lebensmitteln stark sinken.

 

Unser Tipp: Vitamin D und andere fehlende Mikronährstoffe können bei Bedarf ergänzt werden. Empfehlenswert sind gut bioverfügbare Formen. Die Auswahl und Dosierung von Mikronährstoffen sollte am besten mit Ernährungsfachleuten und Therapeuten abgestimmt werden.

 

Quellen
Was isst Deutschland? Aktuelle Trends im Lebensmittelverbrauch im 14. DGE-Ernährungsbericht, Aktualisierte Presseinformation vom 8.12.2020.


Gute Kenntnisse über Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe, die Entzündungen fördern oder verringern können, tragen zu einer gesunden Ernährung bei. Das kann sich auf das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten auswirken.

 

Gute Kenntnisse über Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe, die Entzündungen fördern oder verringern können, tragen zu einer gesunden Ernährung bei. Das kann sich auf das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten auswirken.

 

Bei der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Krankheiten spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Sie kann mit bestimmten Inhaltsstoffen Entzündungen beeinflussen, ihre Ausbreitung fördern oder hemmen. Proentzündlich kann vor allem der höhere Verzehr von zuckerreichen, raffinierten und prozessierten Lebensmitteln wirken. Dazu tragen z.B. zu viele gesättigte Fettsäuren und entzündlich wirkende Zytokine (regulatorische Proteine) und Adipozyten (Fettgewebshormone) bei. Eine Ernährung, die reichlich Gemüse, Obst und Fisch enthält, dazu wichtige Vitamine und Mineralien sowie viele Antioxidantien (Omega-3-Fettsäuren etc.) und Ballaststoffe liefert, kann dagegen zur Senkung von Entzündungen beitragen. Bisher wurde jedoch nicht untersucht, ob Ernährungsweisen mit einem höheren entzündlichen Potenzial langfristig das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöhen können. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern untersuchte dies in einer (prospektiven) Studie.

Rund 75.000 Frauen aus der Nurses Health Study (1984-2016), rund 92.000 Frauen aus dem zweiten Zweig dieser Studie (1991-2015) und rund 44.000 Männer aus der Health Professionals Follow-up Study (1986-2016) waren in die Studie einbezogen. Alle Teilnehmer hatten zu Beginn weder Herz-Kreislauf- noch Krebskrankheiten. Ihre Ernährung wurde alle vier Jahre mit Befragungen zur Häufigkeit von verzehrten Nahrungsmitteln genauer bestimmt. Das entzündliche Potenzial ihrer Nahrung wurde anhand eines Lebensmittel-Scores (EDIP, Empirical Dietary Inflammatory Pattern) bewertet. Außerdem konnten die Forscher verschiedene Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten in ihre Analysen einbeziehen, die bei den Teilnehmern bestimmt wurden. Bewertet wurden dabei z.B. auch die Einnahmen von entzündungshemmenden Medikamenten sowie der Body Mass-Index. In den drei Langzeit-Studien traten knapp 16.000 Fälle von Herz-Kreislauf-Krankheiten auf.

 

Darunter waren knapp 10.000 Fälle von koronaren Herzkrankheiten und rund 6.000 Schlaganfälle. Allgemein ging ein stärkeres Entzündungspotenzial in der Nahrung, angezeigt durch höhere EDIP-Scores, mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten einher. Das galt für alle drei Studien, und die Ergebnisse waren für beide Geschlechter ähnlich. Teilnehmer, die eine Ernährung mit einem hohen Anteil von proentzündlichen Lebensmitteln bevorzugten, hatten ein um 46 % höheres Risiko für Herzerkrankungen und ein 28% höheres Risiko für Schlaganfälle im Vergleich zu Teilnehmern, deren Ernährung stärkere antientzündliche Komponenten hatte. Bei einer Untergruppe von knapp 34.000 Teilnehmern zeigte sich, dass ein höherer EDIP-Score mit einem höheren Profil an proentzündlichen Biomarkern, geringeren Spiegeln von Adiponektin (Fettgewebshormon) und einem ungünstigeren Profil der Blutfette verbunden war.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ernährungweisen mit einem erhöhten proentzündlichen Potenzial waren in diesen drei Langzeit-Studien mit einem stärkeren kardiovaskulären Risiko verbunden. Ein geringes entzündliches Potenzial der Ernährung kann möglicherweise eine wirksame Strategie zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten sein. Die Forscher schlagen vor, Lebensmittel mit einem höheren Gehalt an Antioxidantien und Ballaststoffen zu verzehren, um Entzündungen im Körper zu senken. Dazu tragen grüne Blattgemüse (Grünkohl, Spinat, Kohl, Rucola), gelbes Gemüse (Kürbis, gelbe Paprika, Bohnen, Karotten), Vollkorngetreide, Kaffee, Tee und Wein (bei mäßigem Konsum) bei. Die Forscher schlagen weiter vor, die Aufnahme von raffiniertem Zucker und raffiniertem Getreide, frittierten Lebensmitteln und Limonaden zu begrenzen. Auch der Verzehr von verarbeitetem roten Fleisch sollte eingeschränkt werden. Diese Nahrungsmittel tragen zu einem erhöhten proentzündlichen Ernährungsindex bei.

 

Unser Tipp: Eine Reihe von Mikronährstoffen, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe etc., haben antientzündliche Wirkungen. Dazu gehören z.B. die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen EPA und DHA, Vitamin D, Selen, Zink, Grüntee-Extrakte, Curcumin und Resveratrol, um nur einige zu nennen.

 

Quelle:
Jun Li et al., Dietary Inflammatory Potential and risk of Cardiovascular Disease Among Men and Women in the U.S. In: Cardiology, online 10.11.2020, doi: 10.1016/jacc.2020.09.535.


Mikronährstoffe beim Sport und danach

 

Die gute Ernährung und Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen können die Leistungen und die kardiovaskuläre Gesundheit von Sportlern fördern. Einige Makro- und Mikronährstoffe spielen z.B. eine Schlüsselrolle bei Leistungen im Marathonlauf und für die Erholung nach dem Training, wie zwei neue Studien zeigen.

 

Eine Gruppe spanischer Forscher untersuchte in einer kleinen Studie die Zufuhr bestimmter Makronährstoffe und Mineralien, die die kardiovaskuläre Gesundheit von Freizeit-Marathonläufern beeinflussen könnten. 37 Läufer wurden nach ihren durchschnittlichen Laufzeiten (3 Std. 39 Minuten) in zwei Gruppen mit schnelleren und langsameren Läufern eingeteilt. Vor und nach einem Marathonlauf wurden bei allen Teilnehmern neben Daten zu Körpergröße und -bau auch Informationen über die Aufnahme von Makronährstoffen, das Lipidprofil und Mineralien gesammelt. 24 Stunden vor dem Lauf, unmittelbar danach und noch einmal 48 Stunden danach wurden verschiedene Werte bestimmt. Dazu gehörten die Mineralien Natrium, Kalium und Magnesium sowie das Lipidprofil (u.a. LDL-, HDL-Cholesterin). Untersucht wurden auch typische Marker für Muskelschäden (Kreatinkinase), Entzündungen (C-reaktives Protein) und die kardiovaskuläre Gesundheit. Die Teilnehmer der schnelleren Läufergruppe waren etwas leichter und hatten einen geringeren BMI. Sie nahmen mehr einfache und ungesättigte Fettsäuren auf und hatten höher Werte an Eisen, Kalium und Magnesium. Die Teilnehmer der langsameren Läufergruppe hatten höhere Werte bei den Triglyzeriden und niedrigere Werte beim „guten“ HDL-Cholesterin. Einige Marker für kardiovaskuläre Belastungen oder Verletzungen waren in dieser Gruppe höher, und 81 % hatten nach dem Lauf höhere Werte für den kardiovaskulären Stress.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Marathonläufer, die ausreichende Mengen an guten ungesättigten Fettsäuren sowie an Eisen, Kalium und Magnesium zu sich nahmen, hatten bessere Leistungen und zeigten bessere Werte in der kardiovaskulären Gesundheit.

 

In einer anderen Studie untersuchten brasilianische Forscher, ob Vitamin C (Ascorbinsäure) die übermäßige Entstehung von oxidativem Stress beim Training oder danach verringern kann. Die Forscher werteten dazu 18 (randomisiert kontrollierte) Studien mit 313 gesunden Teilnehmern (62 % Männer, im Durchschnitt 24 Jahre alt) in einer Meta-Analyse aus. Geprüft wurde, ob Ergänzungen von Vitamin C nach einer Trainingseinheit den oxidativen Stress, typische Entzündungsmarker, Muskel- und Wundschäden sowie die Funktionen des Muskel-Skelett-Systems beeinflussen können. Die Gaben von Vitamin C verringerten vor allem den oxidativen Stress (Lipidperoxidation) direkt nach dem Training und bis zu zwei Stunden danach. Das proentzündlich wirkende Interleukin-6 (IL-6) war ebenfalls etwas verringert. Die Forscher schließen daraus, dass Ergänzungen von Vitamin C nach dem Training den oxidativen Stress und entzündliche Reaktionen verringern können.

 

Unser Tipp: Für Sportler gibt es spezielle Angebote an zertifizierten Nahrungsergänzungen, die frei von im Sport unerlaubten Stoffen sind. Wichtig ist für Sportler auch, dass z.B. bei Ergänzungen von Eisen, Magnesium und Vitamin C auf gut verwertbare Formen geachtet werden sollte.

 

Quelle:
Emma Roca et al., Macronutrient and mineral intake effects on racing time and cardiovascular health in non-elite marathon runners. In: Nutrition Vol. 78, Nr. 10 2020, doi: 10.1016/j.nut.2020.110806.
Natiele Camponogara Righi et al., Effects of vitamin C on oxidative stress, inflammation, muscle soreness, and strength following acute exercise: meta-analyses of randomised clinical trials. In: European Journal of Nutrition Vol. 59, Nr. 7 2020, S. 2827-2839, doi: 10.1007/s00394-020-02215-2.


Ernährung und Mikronährstoffe bei Asthma

 

Eine betont pflanzliche Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten trägt zum Schutz vor Asthma bei. Das betrifft sowohl die Entstehung von Asthma als auch den Verlauf der Krankheit.

 

Asthma, eine chronische Erkrankung, ist durch Entzündungen und Verengungen der Atemwege gekennzeichnet, wodurch zeitweise der Luftstrom behindert wird. Häufige Symptome in den akuten Episoden sind Keuchen, Husten, Engegefühl in der Brust und Kurzatmigkeit. Es gibt einige Hinweise darauf, dass die Ernährung bei Asthma eine Rolle spielt. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern stellte die aktuellen Kenntnisse über Asthma und die Beziehung zur Ernährung bei Kindern und Erwachsenen vor.

 

Die in den westlichen Industrieländern typische Ernährung betont den Konsum von tierischen Produkten, mit reichlich Fleischwaren und prozessierten Lebensmitteln. Das geht auf Kosten des Verzehrs von Obst, Gemüse, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten. Die Asthma-Vorkommen haben mit der Verbreitung der westlichen Ernährung weltweit zugenommen. So wurden z.B. eine hohe Fettaufnahme und eine geringe Aufnahme von Ballaststoffen mit Atemwegsentzündungen und verschlechterten Lungenfunktion bei Asthmatikern verbunden. Verschiedene Nahrungsfette können die Entzündung der Atemwege beeinflussen. Während einige ungesättigte Fette eine schützende Rolle spielen könnten, vermuten Forscher, dass zu hohe Aufnahmen von gesättigten Fetten Entzündungen auslösen könnten. Bei der westlichen Ernährung werden meist mehr Omega-6- (Linolsäure etc.) als gesunde Omega-3-Fettsäuren (ALA, DHA, EPA) aufgenommen. Dieses ungünstige Verhältnis könnte proentzündliche Prozesse und allergische Reaktionen begünstigen, was auch zu Asthma beitragen kann. Ist dieses Verhältnis besser und sind Omega-3-Fettsäuren stärker vorhanden, können Entzündungen gehemmt werden. Auch beim höheren Verzehr von Vollkornprodukten mit einem reichlichen Anteil von Ballaststoffen können sich die Lungenfunktionen verbessern. Das wird auf deren antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen zurückgeführt. Beeinflusst werden z.B. typische Entzündungs-Marker (CRP, TNF, IL-6). Eine ballaststoffreiche Ernährung wirkt außerdem positiv auf die Darmbakterien ein, das trägt zum Schutz vor allergischen Reaktionen der Atemwege bei.

 

Ein erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse kann zum Schutz vor Asthma bei Kindern und Erwachsenen beitragen und die Symptome lindern. So konnten z.B. Asthmabeschwerden, Lungenfunktionen und Anwendungen von Medikamenten verringert werden. Das wird vor allem auf die Wirkungen einer pflanzlichen Ernährung bei systemischen Entzündungen, oxidativen Prozesse und die mikrobielle Zusammensetzung zurückgeführt. Enthalten sind reichlich ungesättigte Fettsäuren und antioxidative Mikronährstoffe, mit denen entzündliche Prozesse im Körper gehemmt werden können. Das gilt z.B. für die geringere Freisetzung von entzündlichen Zytokinen. Sie sind an Schädigungen durch freie Radikale und Immunreaktionen beteiligt, die bei der Entstehung und dem Verlauf von Asthma eine Rolle spielen. Dazu gehört eine gute Versorgung mit den Vitaminen E und C, Karotinoiden, Ubichinon (Coenzym Q10) und Flavonoide (Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe). Einige Studien zeigten, dass Asthma-Patienten im Vergleich zu Gesunden häufiger geringeres Selen im Plasma und Vollblut haben. Selen ist ein Co-Faktor für das antioxidative Enzym Glutathionperoxidase, das zum Schutz vor Entzündungen beitragen kann. Auch eine erhöhte Magnesiumzufuhr ist mit einer positiven Wirkung auf Asthma verbunden.

 

Mehrere Studien weisen auf eine Beziehung zwischen Asthma und Defiziten an Vitamin D z.B. bei Kindern hin, wobei auch die Schwere des Asthmas beeinflusst werden könnte. Vitamin D scheint eine Schutzwirkung zu haben, die über die von inhalierten Medikamenten (Kortikosteroide) hinausgeht. Vitamin D im Serum wirkt auf die glatte Muskulatur der Atemwege und ist positiv mit Markern der Lungenfunktionen verbunden. Das deutet darauf hin, dass Vitamin D den Grad der Asthma-Beschwerden durch immunregulierende Wirkungen und die Remodellierung der Atemwege beeinflussen kann. Vitamin D (in seiner aktiven Form 1,25[OH]2D) spielt eine Schlüsselrolle bei der angeborenen und adaptiven Immunität, es kann dazu beitragen, Atemwegsinfektionen und entzündliche Krankheiten, einschließlich Asthma, abzuwehren.

 

Diese Übersicht zeigt, dass eine pflanzliche Ernährung mit vielen Makro- und Mikronährstoffen versorgt, die das Asthma-Risiko verringern können. So können z.B. eine mediterrane und/oder vegetarische Ernährung mit einem hohen Verzehr von Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten positiv wirken. Sie können das Asthma-Risiko senken und zum Schutz vor einem schlechten Verlauf der Krankheit beitragen. Obst und Gemüse wurden mit einem verringerten Asthmarisiko und einer besseren Asthmakontrolle in Verbindung gebracht. Nahrungsbestandteile wie Antioxidantien, Ballaststoffe, mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Vitamin D etc. beeinflussen wahrscheinlich Immunwege, die an der Entstehung von Asthma beteiligt sind. Diese Zusammenhänge sollten künftig in weiteren Studien näher untersucht werden.

 

Unser Tipp: Eine Reihe von entzündungshemmenden Mikronährstoffen z.B. Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Flavonoide etc., sind einzeln oder in verschiedenen Kombinationen auch als Nahrungsergänzungen verfügbar.

 

Quellen
Jihad Alwarith et al., The role of nutrition in asthma prevention and treatment. In: Nutrition Reviews Vol. 78, Nr. 11 2020, S. 928-938, doi: 10.1093/nutrit/nuaa005.


Eine gute Ernährung kann dazu beitragen, Darmkrebs-Krankheiten zu verringern. In einer großen Meta-Analyse untersuchten Forscher die wichtigsten Faktoren der Ernährung für die Prävention.

 

Eine gute Ernährung kann dazu beitragen, Darmkrebs-Krankheiten zu verringern. In einer großen Meta-Analyse untersuchten Forscher die wichtigsten Faktoren der Ernährung für die Prävention.

 

Der Darmkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebskrankheiten bei Männern und Frauen, Tendenz: weiter steigend. Die Entstehung von Darmkrebs kann sich über mehr als 15 Jahre erstrecken, ein langer Zeitraum, der auch viele Möglichkeiten zur Vorbeugung und Früherkennung bietet. Studien zeigten, dass Untersuchungen zur Früherkennung mit Tests auf okkultes Blut im Stuhl und mit der Koloskopie (Darmspiegelung) die Erkennung von Darmkrebs in einem frühen Stadium ermöglichen und eventuell notwendige Therapien erleichtern können. Generell gehört zur Darmkrebs-Prävention ein gesunder Lebensstil. Dabei ist die Ernährung und eine gute Versorgung mit den darin enthaltenen Mikronährstoffen besonders wichtig, um die Entwicklung von einer gesunden Darmschleimhaut zum Krebsgeschehen möglichst zu hemmen. Das gilt sowohl für das Risiko der allgemeinen Bevölkerung als auch bei einer genetischen Veranlagung, die das Darmkrebs-Risiko erhöhen kann. Eine internationale Forschergruppe wertete rund 80 Meta-Analysen (Interventions- und Beobachtungsstudien) aus den letzten 40 Jahren aus, um die Beziehung vom Darmkrebs zur Ernährung zu klären. Die Studien waren zwar zum Teil sehr heterogen, doch es zeigten sich einige grundlegende Tendenzen.

 

Der regelmäßige und häufigere Verzehr von Obst und Gemüse kann das Darmkrebs-Risiko deutlich senken, das reichte von 8 bis zu 52 %. Die positive Wirkung zeigt sich bei jeder zusätzlichen Portion von 100 Gramm Obst und Gemüse täglich. Die hohe Aufnahme von Ballaststoffen (aus Obst, Gemüse, Getreidewaren) verringert das Darmkrebs-Risiko um 22 bis zu 43 %. Auch Milchprodukte wirken positiv, sie senken das Darmkrebs-Risiko um 13 bis 19 %. Bei den Mikronährstoffen wirkten sich vor allem Magnesium und Folsäure positiv aus. In drei Metaanalysen von Beobachtungsstudien wurde die niedrigste mit der höchsten Magnesiumzufuhr aus Nahrungsquellen oder Nahrungsergänzungen verglichen. Alle drei fanden einen Schutzeffekt für den Darmkrebs, das Risiko wurde bei einer guten Versorgung mit Magnesium von 13 bis zu 22 % gesenkt.

 

Der Effekt wurde beobachtet, wenn mindestens 255 mg Magnesium pro Tag aufgenommen wurden. In drei Metaanalysen wurde auch der Einfluss von Folsäure geprüft. Bei einer guten Versorgung zeigte sich eine Risikosenkung für den Darmkrebs von 12 bis zu 15 %. Ein eher mäßiger Nachweis fand sich für Beta-Carotin und Selen sowie für die Einnahme von Aspirin. Für Tee, Kaffee, Knoblauch, Fisch und Sojaprodukte sind mögliche schützende Wirkungen bisher nicht ausreichend belegt. Hier müssen künftig weitere Studien die Beziehungen zwischen der Ernährung und dem Darmkrebs näher klären.

 

Dieser aktuelle Überblick bestätigte, dass die Vorkommen von Darmkrebs in Verbindung mit der Ernährung und mit einigen Mikronährstoffen stehen. Eine gute Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Ballaststoffen, Milchprodukten und eine gute Versorgung mit Magnesium und Folat kann zu einem geringeren Darmkrebs-Risiko beitragen. Der Verzehr von Fleisch und der Konsum von Alkohol waren dagegen in fast allen Meta-Anylasen mit einem erhöhten Darmkrebs-Risiko verbunden. Durch die heterogenen Studien konnten die Forscher jedoch keine genaueren Empfehlungen in Bezug auf Dosierungen und Dauer für einzelne Merkmale der Ernährung angeben. Die Forscher gehen trotz dieser Einschränkungen davon aus, dass die Ergebnisse dieser umfassenden Meta-Analyse zur Prävention von Darmkrebs-Krankheiten beitragen und auch bei der Beratung von Patienten hilfreich sein können.

 

Unser Tipp: Magnesium und Folsäure sind einzeln als auch in Kombinationen in vielen Nahrungsergänzungen verfügbar. Dabei sollte besonders auf gut bioverfügbare Verbindungen geachtet werden.

 

Quelle:
Nicolas Chapelle et al., Recent advances in clinical practice: colorectal cancer chemoprevention in the average-risk population. In: Gut, online 28.9.2020, doi: 10.1136/gutjnl-2020-320990.


Die gute Versorgung mit Zink ist für Frauen bei der Fortpflanzung, für den Verlauf der Schwangerschaft und in der Menopause sehr wichtig.

 

Die gute Versorgung mit Zink ist für Frauen bei der Fortpflanzung, für den Verlauf der Schwangerschaft und in der Menopause sehr wichtig.

 

Zink ist ein essentielles Mikroelement, das viele wichtige Funktionen im Körper erfüllt. Es ist in allen Körpergeweben und -flüssigkeiten, hauptsächlich intrazellulär, vorhanden und hat auch antioxidative Wirkungen. Zink ist an der Regulierung des Zellwachstums, der Hormonausschüttung, an immunologischen Reaktionen und an der Fortpflanzung beteiligt. Die Gesamtmenge von Zink im menschlichen Körper wird auf 2 bis 3 Gramm geschätzt. Ungefähr 0,1 % des Zinkgehalts (d.h. 2-3 mg) müssen täglich zugeführt werden. Der Zinkstatus hängt dabei vom Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und der Ernährung ab. Die Hauptursache für einen Zinkmangel ist aber die unzureichende Aufnahme über die Nahrung. Viele Lebensmittel enthalten Zink, die reichhaltigsten Quellen sind Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Pflanzliche Nahrungsmittel, wie Getreide, Körner, Nüsse und Hülsenfrüchte, enthalten geringere und weniger gut zu verwertende Zinkmengen. Die Bioverfügbarkeit von Zink hängt u.a. von der (chemischen) Zinkform und seiner Löslichkeit ab.

 

Allgemein nimmt die Absorption mit der Aufnahme von Proteinen zu, wobei tierische Proteine die Bioverfügbarkeit von Zink aus pflanzlichen Quellen verbessern. Die Aufnahme kann jedoch durch Phytate gehemmt werden. Sie kommen in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor, binden Zink unlöslich im Darm und stören seine Resorption. Getreide und Hülsenfrüchte (z.B. Reis, Bohnen) enthalten das meiste Phytat. Die Empfehlungen zur täglichen Zinkaufnahme sind entsprechend an die Mengen von Phytaten gebunden. In Deutschland sollten z.B. erwachsene Frauen mit niedrigen Phytat-Aufnahmen täglich 7 mg Zink aufnehmen, bei hohen Phytatwerten werden täglich 10 mg Zink empfohlen. Obwohl täglich rund 10 mg Zink über die Nahrung aufgenommen werden, sind daraus nur etwa 1,5 mg Zink absorbierbar, was vor allem auf Phytate in der Nahrung zurückzuführen ist.

 

Zink ist für das gute Funktionieren der Fortpflanzung sehr wichtig, da die Zellen dieses Systems sich stark differenzieren und vermehren, was mit von der ausreichenden Zinkversorgung abhängt. Zink spielt in der Fortpflanzung beider Geschlechter eine entscheidende Rolle, da es für die Entwicklung der Spermatozoen, den Eisprung, die Befruchtung, eine normale Schwangerschaft, die Entwicklung des Fötus und die Geburt erforderlich ist. Bei Männern sind die Funktionen von Zink in der Fortpflanzung recht gut erforscht. Der Einfluss von Zink auf das Fortpflanzungssystem bei Frauen ist bisher weniger bekannt. Recht gut erforscht sind die Wirkungen von Zink auf den Verlauf der Schwangerschaft und die Entwicklung des Fötus. Einige Studien an Tieren weisen darauf hin, dass ein Zinkmangel bei Frauen auch zu Störungen in der Synthese und/oder Sekretion der weiblichen Hormone (follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon) führen könnte. Auch die Entwicklung der Eierstöcke, der Menstruationszyklus und Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft könnten mit Zink verbunden sein.

 

Bisher gibt es dazu jedoch nur einige Fallstudien mit teils widersprüchlichen Ergebnissen. Bei Frauen mit dem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) hatten Zinkergänzungen einen positiven Einfluss auf viele Faktoren, vor allem auf diejenigen, die mit einer Insulinresistenz und einer unausgeglichenen Lipid-Balance zusammenhängen. Darüber hinaus gehen verringerte Zinkspiegel bei PCOS mit einer Beeinträchtigung des Hormon-, Lipid- und Glukosestoffwechsels und erhöhten Konzentrationen von Biomarkern für oxidativen Stress einher. Bei der Dysmenorrhoe (schmerzhafte Menstruation) scheint die Zinkergänzung vor und während jedes Menstruationszyklus ein wichtiger Faktor zu sein, der die Intensität der Menstruationsschmerzen verringert. Bei Morbus Parkinson kann Zink, das in ein bis vier Tagesdosen von 20-30 mg vor und während jedes Menstruationszyklus verabreicht wird, die Intensität der menstruationsbegleitenden Schmerzen verringern. Andere Bereiche sind bisher noch wenig bekannt, das gilt z.B. für die Rolle von Zink bei der Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle) und bei Frauen in der Menopause.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Zink ist sowohl für das männliche als auch für das weibliche Fortpflanzungssystem sehr wichtig. Es spielt eine entscheidende Rolle für das Funktionieren dieses Systems, indem es eine Schutzfunktion, z.B. als Antioxidans, ausübt. Noch sind aber viele dieser Prozesse bei Frauen nicht genügend erforscht. Hier sollten in Zukunft weitere Studien den Einfluss von Zink und seiner Ergänzung auf das weibliche Fortpflanzungssystem klären.

 

Unser Tipp: Zinkergänzungen können sowohl den männlichen als auch den weiblichen Stoffwechsel stärken. Besonders gut bioverfügbar sind dabei organische Verbindungen wie Zinkcitrat, -glukonat und picolinat.

 

Quelle:
Marzenna Nasiadek et al., The Role of Zinc in Selected Female Reproductive System Disorders. In: Nutrients, online 16.8.2019, doi: 10.3390/nu12082464.


Die Ernährung und die ausreichende Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen  kann dazu beitragen, Migräne in ihrer Häufigkeit und Belastung zu verringern.

 

Die Ernährung und die ausreichende Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen kann dazu beitragen, Migräne in ihrer Häufigkeit und Belastung zu verringern.


Die Migräne ist eine chronische neurovaskuläre Erkrankung mit starken Anfällen von Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit etc., die einige Stunden bis zu wenigen Tagen anhalten können. Man schätzt, dass weltweit etwa 10 bis 20 % der Bevölkerung davon immer wieder einmal betroffen sind. Zur Linderung der Migräne werden häufig Schmerzmittel eingesetzt, die jedoch Nebenwirkungen haben. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehören Änderungen in der Ernährung und die ausreichende Aufnahme von einigen Mikronährstoffen. Für Migräne wurden mehrere Auslöser in der Ernährung ermittelt und dazu entsprechende Diäten (Eliminationsdiäten, ketogene Diäten etc.) empfohlen, die bei einigen Patienten wirksam sind. Doch die Ergebnisse sind bisher nicht einheitlich. wenn auch durchaus vielversprechend, wie einige Studien und Reviews zeigen. 

 

In einer Studie prüften italienische Forscher die Wirkung eines HEP-Ernährungsprogramms (Healthy Eating Plate) bei 200 Migräne-Patienten. 12 Wochen vor der Intervention prüfte man bei ihnen die Häufigkeit der Migräne und den Grad der Beschwerden. Dann nahmen die Patienten an Informationen über die HEP-Ernährung teil. Empfohlen wird dabei u.a. eine höhere Aufnahme von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten und ein geringerer Verzehr von rotem, verarbeiteten Fleisch. Rund 100 Patienten konnten über 12 Wochen danach weiter beobachtet werden. Bestimmt wurde die Häufigkeit von Migräneanfällen und die damit verbundenen Beschwerden. Mit einem HEP-Score wurde außerdem die Einhaltung der Ernährungsempfehlungen geprüft. Patienten, die diese Ernährung befolgten, konnten ihre Migräne um mindestens 30 % verringern, das galt für die Intensität der Kopfschmerzen und der Beschwerden. Vorteilhaft wirkte sich besonders der geringere Verzehr von rotem, verarbeiteten Fleisch und Kohlenhydraten aus. Das galt im Vergleich zu den Patienten, die sich nur wenig oder gar nicht an die HEP-Empfehlungen hielten. Analysen bestätigten, dass der Anstieg des HEP-Scores und die Abnahme von Kohlenhydraten mit einer geringeren Anzahl von Migränetagen pro Monat verbunden waren.

 

In Bezug auf die Wirkungen von Mikronährstoffen auf die Migräne zeigten bisher die B-Vitamine B2, B6 und Folat sowie Magnesium Einflüsse auf die Beschwerden. Auch Zink könnte mit seinen antioxidativen, entzündungshemmenden Eigenschaften bei Migräne wirksam sein, wie einige Beobachtungsstudien zeigten. Ein schwerer Zinkmangel kann zu neurologischen Störungen wie Aufmerksamkeitsschwächen, Lethargie, Gedächtnisproblemen und Lernschwierigkeiten führen. Es hat sich auch gezeigt, dass niedrige Zinkwerte mit Migräneanfällen verbunden sind. Angesichts des entzündlichen Charakters der Migräne und der Beziehung zum oxidativen Stress könnte Zink einen günstigen Einfluss auf Migräne haben. Eine Gruppe iranischer Forscher prüfte, ob Zinkgaben die Migräne verringern können. An der (klinischen) Studie nahmen 80 Migräne-Patienten teil. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nahm acht Wochen lang täglich hoch dosiertes Zink ein (220 mg Zinksulfat), die andere nahm zum Vergleich ein Placebo. Bestimmt wurden zu Beginn und am Ende der Studie die Zinkwerte und das Ausmaß von Migräneanfällen, das betraf die Schwere der Kopfschmerzen sowie deren Häufigkeit und Dauer. Die Zinkergänzungen senkten die Häufigkeit der Migräne und die Schwere der Kopfschmerzen. Die Ergebnisse waren jedoch nach der Einbeziehung anderer (Stör-)Faktoren nicht mehr signifikant. Die Forscher schlagen vor, Zinkgaben bei Migräne über eine längere Zeit weiter zu untersuchen.

 

Unser Tipp: B-Vitamine und die Mineralien Magnesium und Zink werden sowohl einzeln als auch in bewährten Kombinationen als Nahrungsergänzung angeboten. Bei Zink spielt auch die Verbindung eine Rolle, organische Verbindungen wie Zinkcitrat, -glukonat und -picolinat werden vom Körper meist besser aufgenommen.

 

Quellen
- Parisa Gazerani, Migraine and diet. In: Nutrients, online 3.6.2020, doi: 10.3390/nu12061658.
- Claudia Altamira et al., The Healthy Eating Plate Advice for Migraine Prevention: An Interventional Study. In: Nutrients, online 28.5.2020, doi: 10.3390/nu12061579.
- Hedieh Ahmadi et al., Zinc supplementation affects favourably the frequency of migraine attacks: a double-blind randomised placebo-controlled clinical trial, In: Nutrition Journal, online 14.9.2020, doi: 10.1186/s12937-020-00618-9.


Resveratrol verbessert kognitive Leistungen bei älteren Frauen

 

Die Menopause und das Altern tragen bei Frauen zu Dysfunktionen in den Blutgefäßen bei. Das belastet die Durchblutung des Gehirns und beschleunigt kognitive Abbauprozesse. Resveratrol kann dazu beitragen, die kognitiven Leistungen und den Blutkreislauf im Gehirn zu verbessern.

 

Durch den Eintritt der Menopause sinken bei Frauen die Östrogenwerte. Das weibliche Hormon ist u.a. für die Knochengesundheit, das Herz-Kreislauf-System und die kognitiven Leistungen wichtig. Daher kann der Verlust von Östrogen in der Menopause altersbedingte kognitive Beeinträchtigungen beschleunigen und das Risiko für kardio- und zerebrovaskuläre Erkrankungen erhöhen. Resveratrol ist ein pflanzliches Östrogen mit stark antioxidativen Eigenschaften und wirkt auch positiv auf die Gefäße ein. In einigen Studien zeigte sich, dass Resveratrol die Funktionen des Endothels (Wände in den Blutgefäßen) verbessern. Dadurch könnten auch die Durchblutung des Gehirns und die kognitiven Funktionen gefördert werden. Eine Gruppe von australischen Forschern überprüfte dies in einer Studie.

 

Einbezogen waren 125 Frauen in der Menopause ab 45 Jahren. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten zweimal täglich für ein Jahr 75 mg Resveratrol oder zum Vergleich ein Placebo. Nach einem Jahr fanden eine Reihe von kognitiven und medizinischen Tests statt. Bestimmt wurden die zerebrovaskulären Funktionen im Gehirn, kardiometabolische Marker und die Resveratrol-Werte. Dann wurden die Gruppen für ein weiteres Jahr getauscht. Am Schluss der Studie hatte also jede Teilnehmerin ein Jahr lang Resveratrol und ein Jahr ein Placebo eingenommen. Alle kognitiven und medizinischen Tests wurden noch einmal durchgeführt. Mit Resveratrol verbesserten sich die allgemeinen kognitiven Leistungen der Frauen um 33 %.

 

Das verbale Gedächtnis verbesserte sich bei älteren Frauen ab 65 Jahren mit Resveratrol deutlich im Vergleich zu Jüngeren, die nur das Placebo eingenommen hatten. Mit Resveratrol verbesserten sich weiter die zerebrovaskulären Funktionen im Gehirn sowie das Nüchtern-Insulin und die Insulinresistenz. Die Frauen berichteten dazu über ihre Erfahrungen, mit Resveratrol hatten sich ihr Gedächtnis, ihre Stimmungen und ihre Lebensqualität verbessert. 88 % der Teilnehmerinnen wollten nach diesen Ergebnissen Resveratrol auch weiterhin einnehmen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die regelmäßige Ergänzung von Resveratrol mit einer relativ niedrigen Dosierung kann die kognitiven Leistungen fördern und die Insulin-Sensitivität bei Frauen in der Menopause verbessern. Das kann dazu beitragen, den altersbedingten Abbau der kognitiven Leistungen zu verlangsamen. Vor allem ältere Frauen könnten von regelmäßigen Ergänzungen mit Resveratrol profitieren. In weiteren Studien sollten diese Beziehungen untersucht werden. Dabei könnte sich auch zeigen, ob regelmäßige Ergänzungen z.B. auch das Risiko für Demenz-Krankheiten beeinflussen könnten.

 

Unser Tipp: Resveratrol ist in vielen Früchten und im Rotwein sowie in einer Reihe von Pflanzen enthalten. In Nahrungsergänzungen wird es meist als Trans-Resveratrol in seiner stabileren Form (im Vergleich zu Cis-Transveratrol) angeboten.

 

Quelle:
Jay Jay Thaung Zaw et al., Long-term effects of resveratrol on cognition, cerebrovascular function and cardio-metabolic markers in postmenopausal women: A 24-month random-ised, double-blind, placebo-controlled crossover study. In: Clinical Nutrition, online 27.8.2020, doi: 10.1016/j.clnu.2020.08.025.


egane Ernährung kontra Mischkost bei Makro- und Mikronährstoffen

 

Die pflanzliche Kost gilt als sehr gesund. Der Blick auf die Details zeigt im Vergleich zur Mischkost bessere Werte bei einigen Nährstoffen, aber auch einige Defizite, auf die geachtet werden sollte.

 

Das Interesse an der veganen Ernährung steigt in Deutschland weiter an. Man schätzt, dass sich rund 6 Millionen Menschen vegetarisch und etwa eine Million mit dem strikten Verzicht auf Milch- und Eiprodukte vegan ernähren. Allgemein wird eine pflanzliche Ernährung als gesünder eingestuft. Sie verringert z.B. das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und Krebs und gilt auch unter Umwelt- und Klima-Aspekten als günstig. Bei der veganen Ernährung ist jedoch die Versorgung mit einer Reihe von Mikronährstoffen kritisch, die in Pflanzen nur sehr gering vorkommen. Das gilt vor allem für die Vitamine B12, B2 und D, aber auch für essenzielle Aminosäuren, die Omega-3-Fettsäuren und für die Mineralien Kalzium, Eisen, Jod, Zink und Selen. Bisher gibt es dazu jedoch in Deutschland keine Untersuchungen. Im Rahmen der Studie „Risiken und Vorteile einer veganen Ernährung“ wurden 36 Veganer mit 36 Mischköstlern aus dem Berliner Raum verglichen. Die Teilnehmer waren 30 bis 57 Jahre alt, je zur Hälfte Männer und Frauen sowie normal- bis leicht übergewichtig. 2017 wurde ihre Ernährung mit einem 3-Tage-Protokoll genau erfasst und daraus die Aufnahme von Makro- und Mikronährstoffen berechnet. Weiter wurden die Körpermaße sowie im Blut und Urin wichtige Parameter für die Gesundheit und Ernährung bestimmt.

Die Energieaufnahme war in beiden Gruppen fast gleich, doch die Veganer nahmen deutlich mehr Ballaststoffe auf. Sie kamen auch auf bessere Werte im Gesamt-Cholesterin und beim „schlechten“ LDL-Cholesterin. Bei der Versorgung mit Mikronährstoffen zeigten sich deutliche Unterschiede. Veganer waren besser mit den Vitaminen E, K und Folat sowie mit Eisen versorgt. Dagegen waren ihre Werte der Vitamine B12 und D sowie von Jod sehr gering. Zu gering waren sie auch mit den Vitaminen B2, Niacin, E und A sowie mit den Mineralien Phosphor und Zink versorgt, auch der Anteil von Selenoproteinen war eher gering. Vitamin B2 kommt in höheren Mengen in tierischen Produkten vor, zudem ist die Resorption aus pflanzlichen Lebensmitteln niedriger. Vitamin D wird hauptsächlich über die endogene Synthese bei Sonnenexposition aufgenommen, nur ein geringer Anteil wird über die Ernährung gedeckt.

 

Da Vitamin D vor allem in tierischen Lebensmitteln enthalten ist, war die geringere Vitamin-D-Aufnahme bei den Veganern nicht überraschend. Interessant war, dass sich zwischen Veganern und Mischköstlern kaum Unterschiede beim Vitamin B12 zeigten. Veganern ist die schlechte Versorgung mit Vitamin B12 aus pflanzlicher Kost bekannt, sie gleichen dieses Defizit daher häufig mit Nahrungsergänzungen aus. Nahezu alle Veganer hatten in den letzten Wochen vor der Studie Nahrungsergänzungsmittel eingenommen, das war nur bei einem Drittel der Mischköstler der Fall. Auch die Versorgung mit Vitamin D war durch Nahrungsergänzungen verbessert.

 

Die Bedeutung der Untersuchung von Biomarkern wurde besonders bei der Beurteilung der Eisenversorgung deutlich. Die Eisenquelle, aber auch die gleichzeitige Aufnahme bestimmter sekundärer Pflanzenstoffe oder von Vitamin C können die Bioverfügbarkeit von Eisen stark beeinflussen. Zweiwertiges Häm-Eisen aus tierischen Produkten kann zwei- bis dreimal besser aufgenommen werden als das dreiwertige Eisen, das in Pflanzen vorkommt. Vitamin C fördert die Resorption von Eisen. Die Aufnahme von Eisen sinkt durch die gleichzeitige Aufnahme von Phytinsäure, z. B. über Hülsenfrüchte und Getreide, oder von Polyphenolen, z.B. im Tee oder Kaffee. Ein Eisenmangel gehört daher zu den typischen Risiken bei der veganen bzw. pflanzlichen Ernährung. Weiter gilt Parathormon als wichtiger Parameter für den Kalzium-, Phosphat- und Vitamin-D-Stoffwechsel. 10 Veganer und 3 Mischköstler zeigten hier erhöhte bzw. ungünstige Werte. Auch Jod wird aus der veganen Ernährung nur wenig aufgenommen. Die Ergänzung kann daher empfehlenswert sein. Die geringen Werte von Selenoprotein zeigen, dass Veganer im Vergleich zu den Mischköstlern oft auch mit Selen schlechter versorgt sind.

 

Die Mediziner ziehen das Fazit, dass die beiden Gruppen sich trotz der unterschiedlichen Bevorzugung von rein veganer und gemischter Kost in ihren Charakteristika des Lebensstils nicht wesentlich unterschieden. Im Detail zeigten sich einige Unterschiede in der Versorgung sowohl bei den Makro- als auch bei den Mikronährstoffen zwischen beiden Gruppen, aber auch bei einzelnen Teilnehmern. Bei der veganen Ernährung ist vor allem die Aufnahme von Vitamin B12 und Jod kritisch. Die Versorgung sollte kontrolliert und bei Bedarf mit Ergänzungen verbessert werden.

 

Unser Tipp: Vitamin B12 und Jod sind einzeln in verschiedenen Formen erhältlich. Sie sind z.B. in flüssiger Form sehr gut bioverfügbar. Je nach Bedarf gibt es verschiedene Kombinationen von Mikronährstoffen, um Defizite auszugleichen.

 

Quelle:
Cornelia Weikert et al., Versorgungsstatus mit Vitaminen und Mineralstoffen bei veganer Ernährungsweise. In: Deutsches Ärzteblatt Int 2020, 117; S. 575-82, doi: 10.3238/arztebl.2020.0575.


Multivitamine in der Schwangerschaft stärken Mutter und Kind

 

Schwangere Frauen benötigen mehr Mikronährstoffe, um ihren Stoffwechsel zu stärken und die Entwicklung des Fötus zu unterstützen. In einer Studie wirkten sich Ergänzungen mit Vitaminen, Mineralstoffen und der DHA positiv aus.

 

Während der Energiebedarf in der Schwangerschaft recht gering ansteigt, besteht jedoch ein erhöhter Bedarf an vielen Mikronährstoffen, um den mütterlichen Stoffwechsel aufrechtzuerhalten und die Entwicklung des Fötus zu fördern. Eine schlechte Ernährung mit Defiziten an Makro- und Mikronährstoffen kann sich negativ auf die Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes auswirken. Damit verbunden ist ein erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte (Fehlbildung), Präeklampsie (Schwangerschaftshypertonie), Fehlgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht. Die gute Versorgung mit Mikronährstoffen wie Folsäure und andere B-Vitamine, die Vitamine C und D sowie den Mineralien Kalzium, Kupfer, Magnesium, Jod, Selen, Zink und Eisen spielen in allen Phasen der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Auch die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) ist für die Entwicklung der neuronalen und visuellen Funktionen und die Immunmodulation des Fötus unerlässlich. Ist genügend DHA vorhanden, reichert sie sich rasch im sich entwickelnden Gehirn und Zentralnervensystem des Fötus an. Obwohl auch in den Industrieländern Defizite an einzelnen oder mehreren Mikronährstoffen bekannt sind, wird schwangeren Frauen bisher meist nur die Ergänzung von Folsäure und Vitamin D oder Eisen empfohlen. Eine Gruppe italienischer Forscher führte nun eine Studie durch, in der bei schwangeren Frauen die Wirkung wichtiger Mikronährstoffe untersucht wurde.

 

An der Studie nahmen 141 schwangere Frauen im Alter von 18 bis zu 42 Jahren ab der 13. bis 15. Schwangerschaftswoche teil. Zuvor hatten sie außer einer täglichen Dosis von 400 mcg Folsäure keine Nahrungsergänzungen eingenommen und einen normalen Schwangerschaftsverlauf. Die Frauen wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nahm bis zur Geburt täglich eine Nahrungsergänzung mit 12 Vitaminen, 6 Mineralien und 200 mg DHA ein, die andere Gruppe nahm zur Kontrolle keine Nahrungsergänzungen. Bis zur Geburt wurden die Ernährung der Frauen und wichtige Biomarker sowie die Entwicklung der Kinder untersucht. Die Ergänzung mit Mikronährstoffen im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft wurde von den Frauen gut vertragen. Sie führte zu einem signifikanten Anstieg der DHA in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und zu besseren Werten im Omega-3-Index. Auch die Vitamin D-Werte verbesserten sich durch die Ergänzungen deutlich. Bei den Kindern wurde außerdem eine signifikant größere Hautfaltendicke (im Schulterbereich) beobachtet.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Erstmals wurde in einer Studie zur Ergänzung von wichtigen Vitaminen, Mineralien und der Omega-3-Fettsäure DHA in der Schwangerschaft gezeigt, dass sich wichtige Parameter im Stoffwechsel von Mutter und Kind verbessern lassen. Die gute Versorgung der werdenden Mütter mit Mikronährstoffen kann dazu beitragen, das Risiko für Komplikationen zu senken. Die Aufnahme an Mikronährstoffen ist bei schwangeren Frauen jedoch selbst in den Industrieländern, in denen Nahrungsressourcen leichter verfügbar sind, oft unzureichend. Die routinemäßige Einnahme von Multi-Mikronährstoffen wird in der Schwangerschaft bisher meist nicht empfohlen, trotz der Vorteile für klinische Ergebnisse. Neben der Aufnahme von Folsäure und Vitamin D sollte z.B. auch auf die Zufuhr von Jod, Eisen und Omega-3-Fettsäuren besonders geachtet werden. Das gilt besonders für die essentielle Rolle der DHA für die Gehirn-Entwicklung des Fötus und für das Immunsystem. Da diese Studie relativ klein war, sollten diese Beziehungen künftig in größeren Studien weiter untersucht werden.

 

Unser Tipp: Folsäure und Vitamin D sind in sehr gut bioverfügbaren Formen erhältlich. Zur Stärkung des weiblichen Stoffwechsels gibt es eine Reihe von unterstützenden Kombinationen von Mikronährstoffen. Schwangere Frauen sollten sich vor der Einnahme beraten lassen.

 

Quelle
Maddalena Massari et al., Multiple Micronutrients and Docosahexaenoic Acid Supple-mentation during Pregnancy: A Randomized Controlled Study. In: Nutrients, online 13.8.2020, doi: 10.3390/nu12082432.


Bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten das Osteoporose-Risiko mit Mikronährstoffen senken

 

Entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können zur Osteoporose beitragen. Die damit verbundene geringe Knochenmineraldichte kann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen. Eine Reihe von Mikronährstoffen kann dieses Risiko verringern.

 

Die Ernährung von Patienten mit entzündlichen Darmkrankheiten erweist sich oft als unzureichend, was sich auch auf die Knochenmasse auswirkt und zu Osteopenie (verringerte Knochendichte), Osteoporose und Knochenbrüchen führt. Einige Studien zeigten, dass die Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen, von Vitaminen und Mineralien etc., bei Patienten mit chronischen Darmkrankheiten oftmals unter den empfohlenen Werten liegt. Das gilt ganz besonders in den aktiven Krankheitsphasen. Kalzium und Vitamin D sind die am häufigsten diskutierten Nährstoffe im Hinblick auf die Knochenmineraldichte. Darüber hinaus sind auch die Vitamine A, K, C, B12 und Folsäure sowie die Mineralien Phosphor, Magnesium, Natrium, Zink, Kupfer und Selen an der Bildung der Knochenmasse beteiligt. Diese Mikronährstoffe werden bei chronischen Darmkrankheiten oft entweder nicht genügend aufgenommen oder ihre Aufnahme bzw. Verwertung ist beeinträchtigt. Beides kann zu einem Mangel an für das Knochensystem wichtigen Mikronährstoffen führen und das Risiko für Osteoporose erhöhen.

 

Ein wichtiger Risikofaktor bei entzündlichen Darmkrankheiten kann auch die Einnahme bestimmter Medikamente sein. Kortikosteroide können bei längerer Anwendung mit Nebenwirkungen verbunden sein, die das Knochengewebe betreffen. Sie erhöhen die Vernichtung von Zellen (Apoptose), vermindern die Bildung von Osteoblasten (knochenbildende Zellen) und fördern die Genese von Osteoklasten (resorbieren die Knochensubstanz). Sie können auch den Kalziumhaushalt mit einer geringeren Absorption von Kalzium im Darm und in den Nieren sowie das neuroendokrine System (Bildung von Neurohormonen) beeinflussen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass nach dem ersten Jahr der Steroidtherapie die Knochenmasse um etwa 12 % und im folgenden Jahr um 2-3 % pro Jahr abnehmen kann. Darüber hinaus kann sich die Muskelmasse verringern, was das Risiko für Frakturen weiter erhöht. Um einer steroidbedingten Osteoporose vorzubeugen, sollte daher die Knochenmineraldichte vor und nach jedem Jahr der Behandlung geprüft werden.

 

Bei Patienten mit entzündlichen Darmkrankheiten sollte die Vitamin-D-Konzentration routinemäßig untersucht werden, um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Ergänzungs-Dosen sollten individuell nach Bedarf festgelegt werden. Die meisten Patienten benötigen auch eine Kalziumergänzung (meist 1000-1500 mg/Tag). Essen die Patienten relativ wenig Obst und Gemüse, kann die Ergänzung von Vitamin C sinnvoll sein. Bei hohen Homocystein-Werten kann die Ergänzung von Vitamin B12- und Folsäure in Betracht gezogen werden, da dies mit einer niedrigen Knochenmineraldichte verbunden ist. Weitere wichtige oder notwendige Mikronährstoffe können individuell empfehlenswert sein, die Auswahl und Dosierung sollte nach therapeutischer Empfehlung erfolgen.

 

Neben Vitaminen und Mineralien können auch Polyphenole (Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe) für Patienten mit entzündlichen Darmkrankheiten vorteilhaft sein. Sie sind u.a. in Kräutern, Obst und Gemüse enthalten, können aber auch als Nahrungsergänzungen aufgenommen werden. Polyphenole wirken antioxidativ und besitzen entzündungshemmende Eigenschaften, die auch den Verlauf von entzündlichen Darmkrankheiten beeinflussen können. Sie können zum Schutz vor oxidativem Stress und Entzündungen beitragen. Darüber hinaus sind Polyphenole wichtige Elemente in der Osteoporose-Prävention. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Polyphenolen. z.B. Olivenöl, Soja, Tee, Obst und Gemüse, tragen vermutlich zum Schutz vor der Osteoporose bei.

 

Unser Tipp: Vitamin D und Kalzium stehen in vielen, sehr gut bioverfügbaren Formen, einzeln und kombiniert, zur Verfügung. Spezielle Mikronährstoff-Formeln gibt es z.B. auch für die Osteoporose.

 

Quelle:
Alicja Ewa Ratajczak et al., Nutrients in the Prevention of Osteoporosis in Patients with Inflammatory Bowel Diseases. In: Nutrients, online 6.6.2020, doi: 10.3390/nu12061702.


 Ubichinol, die aktive, reduzierte Form von Coenzym Q10, konnte in einer Studie bei gesunden Personen, die bereits längere Zeit von Müdigkeit betroffen waren, die Erschöpfung verringern.

 

Ubichinol, die aktive, reduzierte Form von Coenzym Q10, konnte in einer Studie bei gesunden Personen, die bereits längere Zeit von Müdigkeit betroffen waren, die Erschöpfung verringern.

Müdigkeit ist ein normales Gefühl, das nach körperlicher oder geistiger Erschöpfung durch Aktivitäten zur körperlichen Erholung dient. Häufig wird Müdigkeit jedoch nicht genügend durch Ruhephasen aufgelöst, sondern durch schlechte Gewohnheiten noch verstärkt. Halten Müdigkeitsgefühle über längere Zeit an, so kann dies in schwereren Fällen zum chronischen Müdigkeitssyndrom führen. Diese Krankheit führt zu einer tiefgreifenden Erschöpfung und behindert alltägliche Aktivitäten. Die Diagnose wird gestellt, wenn die Erschöpfung mindestens 6 Monate lang ohne Linderung anhält und durch gewöhnliche Ruhephasen nicht gemildert wird. Es gibt einige Hinweise darauf, dass bei dieser Krankheit oxidative Prozesse eine Rolle spielen.

 

Bei anhaltender Müdigkeit werden Zellen und Gewebe durch reaktive Sauerstoffspezies geschädigt, die bei übermäßiger Aktivität entstehen. Die Erholung tritt ein, wenn dieser Schaden adäquat repariert wird. Besteht der Schaden jedoch aufgrund des Mangels an Energie für die Erholung weiter fort, wird eine Entzündungsreaktion hervorgerufen. Dies kann zu Unwohlsein und Fieber sowie in der Folge zu chronischer Müdigkeit führen. Entsprechend sind Antioxidantien, die Schäden durch oxidativen Stress hemmen, und Substanzen, die die Energieproduktion anregen, wirksam gegen Müdigkeit. Antioxidantien können die Energieproduktion (ATP) der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) erhöhen und auf diese Weise einen Anti-Ermüdungseffekt erzeugen. Dies kann sich vermutlich auch auf viele andere Effekte im Körper auswirken, z.B. auf verbesserte Herzfunktionen und mit entzündungshemmenden Wirkungen auf die blutbildenden Zellen. Zu den wirksamen Antioxidantien gehört Ubichinol, die aktive, reduzierte Form des Coenzyms Q10, mit einer besseren Bioverfügbarkeit und hoher antioxidativer Wirkung.

 

Coenzym Q10 ist in einigen Nahrungsmitteln (z.B. in Fleisch) enthalten, kann aber auch vom Menschen selbst gebildet werden, doch der Gehalt im Körper nimmt mit dem Alter ab. Auch bei der Einnahme von Statinen, die den Cholesterinspiegel im Blut senken, wird Coenzym Q10 verringert. Defizite können sich auf Müdigkeits-Zustände auswirken. Eine Gruppe japanischer Forschern prüfte daher in einer Studie, ob die Ergänzung von Ubichinol eine bereits länger anhaltende Müdigkeit verringern kann.

 

Einbezogen in die kleine Studie waren 62 Personen (Mitte 30 bis 50 Jahre), die seit wenigstens einem Monat und längstens seit sechs Monaten unter anhaltender Müdigkeit litten, Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt 12 Wochen lang täglich 100 mg Ubichinol, die andere Gruppe erhielt für die gleiche Zeit täglich mit 150 mg Ubichinol eine etwas höhere Dosis, und die dritte Gruppe nahm zum Vergleich ein Placebo. Zu Beginn der Studie und dann alle vier Wochen wurde die subjektiv empfundene und die objektiv getestete Müdigkeit der Teilnehmer bestimmt. Geprüft wurden auch die Veränderungen in den Serum-Ubichinol-Werten, in den autonomen Nervenfunktionen, im oxidativen Stress und in der antioxidativen Aktivität sowie die Reaktionszeit und Ergebnisse der Teilnehmer in kognitiven Tests. Die Teilnehmer berichteten außerdem über ihre subjektiven Empfindungen von Müdigkeit, Erschöpfung und depressiven Stimmungen.

 

In den beiden Ubichinol-Gruppen stiegen die Serumspiegel nach vier Wochen um das Drei- bis Vierfache an und blieben im Vergleich zum Placebo in der gesamten Studienzeit signifikant höher. Kleine Unterschiede zwischen der höheren und geringeren Ubichinol-Dosis waren dabei relativ gering (nicht signifikant). Mit den Ubichinol-Gaben verbesserte sich in beiden Gruppen die Empfindung der subjektiven Müdig- und Schläfrigkeit nach kognitiven Tests besser als in der Placebo-Gruppe. Bei der höheren Ubichinol-Dosierung zeigte sich im Vergleich zum Placebo eine signifikante Verbesserung im subjektiven Grad der Entspannung nach Test-Aufgaben sowie in der Schläfrigkeit sowie in der Motivation, die Aufgaben zu lösen. Außerdem verbesserten sich die Ubichinol-Serumspiegel bei oxidativem Stress.

 

Für die Forscher legen diese Ergebnisse nahe, dass Ubichinol die Lebensqualität bei Personen mit leichter Müdigkeit verbessern kann. Es kann die kognitiven Funktionen fördern, um Aufgaben zu lösen und die Müdig- und Schläfrigkeit nach solchen Belastungen verringern. Gleichzeitig hat Ubichinol eine entspannende Wirkung und kann den oxidativen Stress, der bei Müdigkeit und Erschöpfung entsteht, senken.

 

Unser Tipp: Ubichinol ist die aktive, reduzierte Form des Coenzym Q10, mit klaren Vorteilen. Es ist im Körper besser bioverfügbar und hat direkte antioxidative Wirkungen.

 

Quelle:
Kel Mizuno et al., Ubiquinol-10 Intake Is Effective in Relieving Mild Fatigue in Healthy Individuals. In: Nutrients, online am 2.6.2020, doi: 10.3390/nu12061640.


 

Ältere Menschen, die täglich Multivitamine und -mineralien ergänzen, z.B. Vitamin C und Zink, hatten bei Krankheiten geringere Beschwerden.

Wenn Menschen älter werden, steigt das Risiko für Defizite an Mikronährstoffen, an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, an. Nach Schätzungen fehlt etwa jedem dritten Älteren in Europa, Kanada und den USA wenigstens ein Mikronährstoff in ausreichender Versorgung. Oft fehlt es jedoch an mehreren Substanzen, die unzureichend sind. Das kann zu einem beeinträchtigten Immunsystem führen. Typisch sind dann z.B. das häufigere Auftreten von Entzündungen, von denen manche auch unbemerkt verlaufen. Es kommt weiter zu geringeren Funktionen der T-Lymphozyten (Gruppe der weißen Blutzellen), die wichtige Aufgaben im Immunsystem erfüllen. Da viele Mikronährstoffe das Immunsystem unterstützen, könnten ältere Menschen von Multivitamin- und Mineralien-Ergänzungen profitieren. Mehrere Indizien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Multivitamin- und Mineralstoff-Ergänzungen die Immunfunktionen bei Menschen ab etwa 55 Jahren verbessern könnten. Dies prüften Forscher vom Linus Pauling Institute der Oregon State University in den USA in einer kleinen Studie.

 

Einbezogen waren 42 gesunde Teilnehmer im Alter von 55 bis zu 75 Jahren. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten 12 Wochen lang täglich entweder Ergänzungen mit Vitaminen und Mineralien oder ein Placebo. Im Multipräparat waren einige der Mikronährstoffe enthalten, die das Immunsystem stärken. Dazu gehörten die Vitamine A, D, E, B6, Folsäure, B12 und C sowie die Mineralien Eisen, Kupfer, Zink und Selen. Die Forscher untersuchten, ob die Gabe dieser Mikronährstoffe einige Indikatoren des Immunsystems beeinflussen konnte. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden bei den Teilnehmern der Blutmineral- und Vitaminstatus (Vitamin C, D und Zink) bestimmt. In den Blutwerten verbesserten sich vor allem die Werte von Vitamin C und Zink. Getestet wurden weiter die Immunfunktionen (z.B. die bakterientötende Aktivität des Blutes, reaktive Sauerstoffspezies etc.) bzw. der Immunstatus. Dabei zeigten sich jedoch keine statistisch signifikanten Veränderungen. In den Berichten der Teilnehmer über ihren Gesundheitszustand zeigte sich jedoch ein wichtiger Unterschied. Die Anzahl der Patienten mit Krankheitssymptomen in den drei Monaten war in beiden Gruppen gleich. Doch mit der Aufnahme von Mikronährstoffen waren die Teilnehmer im Durchschnitt nur drei Tage krank im Vergleich zu sechs Tagen in der Placebo-Gruppe. Auch ihre Krankheitssymptome waren mit Vitaminen und Mineralien deutlich geringer.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergänzung von Vitaminen und Mineralien verbesserte den Vitamin C- und Zinkstatus im Blut und allgemein den Gesundheitszustand. Das deutet darauf hin, dass gesunde ältere Erwachsene von Ergänzungen mit Mikronährstoffen, mit Vitaminen und Mineralien, profitieren könnten. Die regelmäßige Aufnahme solcher Ergänzungspräparate könnte das Immunsystem von älteren Menschen stärken. Dies sollte in weiteren Studien näher untersucht werden.

 

Unser Tipp: Zur Stärkung des Immunsystems gibt es bewährte Mikronährstoff-Formeln mit Vitaminen und Mineralien etc. Sie können die Funktionen des Immunsystems gut unterstützen und stärken.

 

Quelle
Mary L. Fantacone et al., The Effect of a Multivitamin and Mineral Supplement on Immune Function in Healthy Older Adults. A Double-Blind, Randomized, Controlled Trial. In: Nutrients, online 14.8.2020, doi: 10.3390/nu12082447.


Lutein − gut für die Augen


Lutein ist ein Carotinoid, das besonders für die gesunden Augenfunktionen sehr wichtig ist. Es kann dazu beitragen, die altersbedingte Makuladegeneration, vor allem in den frühen Stadien, zu verlangsamen.


Ein Team von chinesischen und US-amerikanischen Forschern stellte in einer Übersicht die aktuellen Kenntnisse zu Lutein und seinen Beziehungen zu Augenkrankheiten vor. Lutein gehört zu den Carotinoiden und kann im Körper nicht selbst hergestellt werden. Es muss aus der Nahrung aufgenommen werden und ist vor allem im Eigelb und im dunkelgrünen Blattgemüse, z.B. im Grünkohl, Spinat, Brokkoli sowie in einigen Obstsorten wie Nektarinen, Pfirsich und Orangen enthalten. Lutein hat Eigenschaften, die für die gesunden Augenfunktionen sehr wichtig sind. Es wirkt antioxidativ und entzündungshemmend und kann Schäden durch freie Radikale verringern. Das ist für die Netzhaut sehr wichtig, weil sie für Radikalen-Schäden besonders anfällig ist. Lutein ist auch ein guter Filter für schädliches Blaulicht und darin deutlich effektiver als andere Carotinoide. Lutein ist im Auge vor allem in der Makula (Gelber Fleck) hoch konzentriert zu finden.


Sie liegt im hinteren Teil des Auges in der zentralen Netzhaut (Retina) und ist für die Sehschärfe und das zentrale Sehen verantwortlich. Neben Lutein gibt es dort zwei weitere Carotinoide, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin, die beide von Lutein abhängig sind (als Stereoisomer und Metabolit). Sie bilden zusammen das retinale Makulapigment, das für die optimale Sehleistung notwendig ist. Mit zunehmendem Alter wird die Makula anfälliger für sich allmählich entwickelnde degenerative Veränderungen. Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) kann entstehen. Sie kann zu einem Verlust des zentralen Sehens führen, wobei das periphere Gesichtsfeld erhalten bleibt, die Krankheit kann bis zur Blindheit führen. Die AMD wird in zwei Formen und verschiedene Stadien eingeteilt, eine schreitet recht schnell voran (neovaskuläre AMD), eine andere entwickelt sich sehr langsam über Jahre und Jahrzehnte hinweg (atrophische AMD).


Für die atrophische Makuladegeneration gibt es bisher keine wirksamen Medikamente. Eine Option ist daher die Ergänzung von Antioxidantien, Multivitaminen und Mineralien mit der sogenannten AREDS2-Formel (Age-Related Eye Disease Study2) in der, neben den Vitaminen C und E, den Mineralien Zink und Kupfer, den Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA, auch Lutein und Zeaxanthin als wesentliche Bestandteile enthalten sind. Über die Ernährung werden täglich oft nur etwa 1 bis 2 mg Lutein aufgenommen, das ist für den Bedarf bei Augenkrankheiten zu wenig. Studien zeigten, dass Lutein stark mit dem Risiko für die Makuladegeneration verbunden ist. Das gilt besonders für die sich langsam entwickelnde atrophische Form und die Vorstufe mit der Entwicklung von Drusen (Ablagerungen in der Netzhaut), aber auch in geringerem Maß für die neovaskuläre AMD.


Eine australische Studie zeigte, dass Personen mit den höchsten Aufnahmen von Lutein und Zeaxanthin deutlich seltener an der neovaskulären AMD erkrankten im Vergleich zu Personen, die beide Carotinoide nur in niedrigen Mengen aufgenommen hatten. Hinzu kommt, dass sich Lutein bei stark übergewichtigen Menschen auch im Fettgewebe ansiedeln kann. Dies kann zur Senkung des Luteinspiegels in der Netzhaut führen und damit das Risiko für Augenkrankheiten erhöhen. Generell kann Lutein die AMD nicht heilen, jedoch dazu beitragen, den Krankheitsprozess zu verlangsamen. Lutein wirkt möglicherweise auch auf andere Augenkrankheiten ein, dazu gehören die diabetische Retinopathie und die Myopie (Kurzsichtigkeit). Lutein kommt auch in der Linse vor und kann sie vor altersbedingten Augenkrankheiten wie dem Grauen Star schützen. Hier sind künftig weitere Forschungen nötig, um die Beziehungen von Lutein genauer zu erforschen.


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Unser Tipp: Für die Stärkung der Augengesundheit und die Unterstützung bei Augenkrankheiten, besonders der altersbedingten Makuladegeneration, stehen verschiedene Formeln zur Verfügung, z.B. Mischungen von Carotinoiden (u.a. mit Lutein und Zeaxanthin), Nährstoff-Kombinationen laut der AREDS-2-Formel (von 2012) und weitere spezielle Augenformeln.


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Quelle:
Long Hin Li et al., Lutein Supplementation for Eye Diseases. In: Nutrients, online 9.6.2020, doi: 10.3390/nu12061721.


Zink gehört zu den essentiellen Spurenelementen und ist für die Gesundheit unverzichtbar. Weniger bekannt ist, dass es auch für die Mundgesundheit, für gesunde Zähne und das Zahnfleisch, eine wichtige Rolle spielt.


Zink gehört zu den essentiellen Spurenelementen und ist für die Gesundheit unverzichtbar. Weniger bekannt ist, dass es auch für die Mundgesundheit, für gesunde Zähne und das Zahnfleisch, eine wichtige Rolle spielt.


Im menschlichen Körper sind etwa 60 % des Zinks in den Muskeln und 30 % in den Knochen vorhanden. In der Mundhöhle findet sich Zink im Speichel, im Zahnbelag (Plaque) und im Hydroxylapatit des Zahnschmelzes. Es trägt zur Bildung gesunder Zähne bei und wird wegen seiner wichtigen Rolle bei der Prävention von Zahnbelägen und Zahnstein in Mundspülungen und Zahnpasten verwendet. Da Zink auch für die Immunität und Knochenentwicklung wichtig ist, wurde es als Bestandteil in dentalen und kieferorthopädischen Materialien einbezogen. Studien zeigten z.B., dass Zinkionen die Demineralisierung im Zahnschmelz verringern können. Zink ist in der Oberfläche des Zahnschmelzes konzentrierter, sie ist daher härter als der Untergrund und widerstandsfähiger gegen Karies. Zahnpasten, die sowohl Fluorid als auch Zink enthalten, konnten die Demineralisierung wirksamer hemmen und die Remineralisierung besser fördern, als solche, die nur Fluorid enthalten.


Salze wie Zinkoxid, -chlorid, -citrat, -lactat und -sulfat werden in Zahnpasten und Mundspülungen auch verwendet, um die Plaquebildung zu kontrollieren und die Bildung von Zahnstein zu senken. Zinksalze hemmen außerdem die Bildung flüchtiger Schwefelverbindungen und tragen so zu verringertem Mundgeruch bei. Auch die Ergänzungen von Zink können zur Kariesprävention beitragen. Sie konnten z.B. in einer Studie an Schulkindern im Lauf von zehn Wochen den Plaque-Index verbessern. Erhöhte Zinkkonzentrationen können das Bakterienwachstum hemmen, indem sie die Säureproduktion im Zahnbelag und seine Bildung verringern, was die Entstehung von Karies senken kann. Mit seiner lokalen und immunologischen Wirkung auf die Weichgewebe im Mund ist Zink auch für die Erhaltung der parodontalen Gesundheit wichtig.


Nicht immer wird Zink in ausreichenden Mengen aus der Nahrung aufgenommen. Zink kann im Körper nicht längerfristig gespeichert werden und muss deshalb regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. Für Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei Männern 11 bis 16 mg Zink täglich, für Frauen sind 7 bis 10 mg angesetzt. Der Bedarf hängt davon ab, wieviel Phytat bzw. Fasern mit der Nahrung aufgenommen wird, die vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind und die Absorption von Zink verringern können.


Der Zinkgehalt in Lebensmitteln hängt von den Vorkommen im Boden ab. Fleisch, z.B. Lamm, Leber, Rind und Huhn, ist eine gute Zinkquelle, gleiches gilt für Vollkornprodukte wie schwarzer Reis, Brot und Nudeln. Obst und Gemüse sind meist geringere Zinkquellen. Vor allem tragen Soja, Pilze, Sellerie und Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen), Nüsse, Granatäpfel, Beeren und Avocados zur Versorgung bei. Studien zeigten, dass der Zinkmangel häufiger auftritt, z.B. durch ungenügende Aufnahme aus der Nahrung, schlechte Absorption oder erhöhte Verluste. Bei einer unzureichenden Versorgung und bei einem Mehrbedarf kann die Ergänzung von Zink sinnvoll sein.


Die Forscher ziehen das Fazit: Viele Studien weisen darauf hin, dass Zink ein essentielles Spurenelement für die Erhaltung der Mundgesundheit ist. Neben seiner präventiven Wirkung in Dentalprodukten, Mundspülungen und Zahnpasta ist Zink auch wirksam bei Erkrankungen der Mundschleimhaut, vor allem bei der Vorbeugung und Therapie von Parodontalerkrankungen und Zahnkaries. Eine gesunde Ernährung, die reich an Zink und anderen Mikronährstoffen ist, ist daher für die Optimierung einer guten Mundgesundheit unerlässlich. Ergänzungen von Zink können bei Zinkmangel und bei einem Mehrbedarf die Versorgung verbessern. Einen Mehrbedarf haben z.B. häufiger schwangere und stillende Frauen, Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen. Bei Zinkergänzungen sollten möglichst gut verwertbare Zinkformen bevorzugt werden. Darauf geachtet werden sollte auch, dass eisenhaltige Präparate die Absorption von Zink beeinträchtigen können, sie sollten daher nicht gleichzeitig mit Zink eingenommen werden.


Unser Tipp: Ein ausgewogenes Verhältnis von Vitaminen und Mineralstoffen, einschließlich von Zink ist für die allgemeine Gesundheit und speziell für die Mundgesundheit sehr wichtig. Zink kann als Ergänzung sowohl einzeln als auch in verschiedenen Kombinationen aufgenommen werden. Dabei sollte auf besonders gut bioverfügbare Formen, z.B. Zinkcitrat oder -glukonat etc., geachtet werden.


Quelle:
Anne Marie Uwitonze et al., Zinc Adequacy Is Essential for the Maintenance of Optimal Oral Health. In: Nutrients, online 30.3.2020, doi: 10.3390/nu12040949.


Mehr pflanzliche Kost senkt das Diabetes-Risiko


Ein höherer Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung von Typ 2 Diabetes verbunden. Das zeigen zwei neue Studien.


Der Typ 2 Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit, die auf der Insulinresistenz oder dem Insulinmangel beruht, verbunden mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Weltweit steigt die Zahl der Diabetiker stark an. Zu den möglichen Ursachen gehören u.a. die genetische Veranlagung, eine fettreiche Ernährung und starkes Übergewicht. Die Umstellung der Ernährung, z.B. mit dem Verzehr von mehr pflanzlichen Lebensmitteln, gehört zu den grundlegenden Therapiemöglichkeiten.


Eine Gruppe von europäischen Forschern untersuchte die Beziehungen der Blutwerte von Vitamin C und Carotinoiden, die in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten sind, und dem Typ 2 Diabetes. Im Rahmen der großen EPIC-Studie zur Gesundheit und Ernährung wurden in acht Ländern Europas knapp 10.000 Erwachsene ausgewählt, bei denen dieser Diabetes erstmals diagnostiziert wurde. Sie wurden mit 13.000 gesunden Erwachsenen in Bezug auf ihre Ernährung bzw. die Werte von Vitamin C und Carotinoiden verglichen. Nach der Anpassung an weitere Einflussfaktoren zeigte sich, dass höhere Blutwerte von Vitamin C und Carotinoiden, sowohl einzeln als auch gemeinsam, mit einem geringeren Risiko für den Typ 2 Diabetes verbunden waren. Teilnehmer mit den höchsten Werten hatten ein um 50 % geringeres Diabetes-Risiko im Vergleich zu denen mit den geringsten Vitamin C- und Carotinoid-Werten. Die Forscher kalkulierten, dass sich pro 66 Gramm mehr Obst und/oder Gemüse pro Tag das Diabetes-Risiko um 25 % verringerte. Die Blutwerte von Vitamin C und Carotinoiden können außerdem als ein Biomarker für die Einschätzung des Diabetes-Risikos genutzt werden.


In der zweiten Studie untersuchten US-amerikanische Forscher die Beziehungen zwischen dem Verzehr von Vollkornprodukten und dem Typ 2 Diabetes. Sie werteten Daten der „Nurses Health Study“ und „Health Professionals Follow-up Study“ aus, an der rund 160.000 Frauen und 36.500 Männer von 1984 bis 2017 beteiligt waren. Alle waren anfangs frei von Diabetes, Herz- und Krebskrankheiten. Bei allen wurde der Verzehr von Vollkorn-Lebensmitteln erfasst, dazu gehörten u.a. Frühstücks-Cerealien, Haferflocken, brauner Reis, zugesetzte Kleie und Weizenkeime.. Im Lauf der Studienjahre erkrankten rund 18.600 Teilnehmer am Typ 2 Diabetes. Nach der Anpassung an andere Einflussfaktoren hatten die Teilnehmer mit dem höchsten Verzehr von Vollkornprodukten ein um 29 % geringeres Risiko für den Typ 2 Diabetes. Auch ein relativ geringer Verzehr an Vollkorn-Lebensmitteln zeigte seine Wirkungen. So verringerte sich das Diabetes-Risiko beim Verzehr von einer oder mehrerer Portionen kalter Vollkornflocken zum Frühstück oder von dunklem Brot täglich um 19 bis 21 % im Vergleich zu einem geringeren Verzehr.


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Die Ergebnisse beider Studien deuten darauf hin, dass schon ein gering erhöhter Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten dazu beiträgt, das Diabetes-Risiko zu senken. Das gilt besonders für Erwachsene, die bisher nur geringe Mengen an diesen Lebensmitteln essen. Beide Studien unterstützen die Empfehlung zu einem erhöhten Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten als Teil einer gesunden Ernährung und zur Vorbeugung von Typ 2 Diabetes.


Unser Tipp: Wenn die Zufuhr an Vitamin C und Carotinoiden nicht ausreichend ist, können sie auch mit Nahrungsergänzungen aufgenommen werden. Sie werden teils einzeln, teils in verschiedenen Kombinationen von Carotinoiden und anderen Mikronährstoffen angeboten. Wir empfehlen, auf gute bioverfügbare Formen zu achten.


Quellen:
Ju-Sheng Zheng et al., Association of plasma biomarkers of fruit and vegetable intake with incident type 2 diabetes: EPIC-InterAct case-cohort study in eight European countries. In British Medical Journal, online 8.7.2020, doi: 10.1136/bmj.m2194. 
Yang Hu et al., Intake of whole grain foods and risk of type 2 diabetes: results from three prospective cohort studies. in: British Medical Journal, online 8.7.2020, doi: 10.1136/bmj.m2206.


Bei jedem zweiten Deutschen fehlt es an genügend Kenntnissen über eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

 

Bei jedem zweiten Deutschen fehlt es an genügend Kenntnissen über eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Das zeigte eine repräsentative Studie, die vom AOK-Bundesverband vorgestellt wurde.

 

Das Wissen über die Ernährung setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Dazu gehört z.B., dass man die Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln richtig verstehen kann, dass man weiß, wie man Vorräte am besten lagert und Mahlzeiten bewusst plant. Dazu gehört weiter, dass man sich auch bei geringeren Geldmitteln gesund ernähren kann, z.B. zuckerhaltigen Lebensmitteln widerstehen und die richtigen Snacks für den „kleinen Hunger“ zwischendurch auswählen kann. Laut einer aktuellen Studie der AOK verfügen rund 54 % der Bevölkerung nicht über ausreichende bis zu sehr schlechten Kenntnissen über eine gesunde Ernährung. An der Studie nahmen 2.000 repräsentativ ausgewählte Bürger im Alter von 18 bis zu 69 Jahren teil. Sie beantworteten 29 Fragen zur Ernährung aus acht verschiedenen Bereichen. Hinzu kamen sechs Fragen zu Nährwerten auf einer Fertigpackung mit Eiscreme. Die Forscher wollten dabei prüfen, ob die Teilnehmer die Angaben verstehen konnten. Aus allen Antworten wurde die jeweilige Ernährungskompetenz der Teilnehmer berechnet. Sie wurde je nach Ergebnissen als nicht ausreichend, problematisch, ausreichend oder exzellent eingestuft.

 

Allgemein schnitten die Frauen im Ernährungswissen besser ab als die Männer. 53 % hatten ausreichende Kenntnisse, doch bei 46 % waren sie problematisch, nur bei 1 % inadäquat. Von den Männern waren nur 38 % ausreichend über eine gute Ernährung informiert, bei 58 % waren die Kenntnisse problematisch und bei 3 % inadäquat. Bei den Altersgruppen schnitten besonders die 18- bis 24-Jährigen schlecht ab. Nur rund ein Drittel in dieser Altersgruppe wusste, wie eine gesunde Ernährung sein sollte. Positiv fiel auf, dass die Ernährungskompetenz bei Teilnehmern mit Migrationshintergrund leicht positiv war. Dies könnte daran liegen, dass diese Gruppe häufiger die mediterrane Ernährung befolgt, und es werden öfter viele frische Produkte gekocht. Im Gegensatz dazu greifen viele Menschen in Deutschland, vor allem junge Familien, immer öfter zu Fertigprodukten, die oftmals nicht optimal zusammengesetzt sind. Sie enthalten häufig zu viel Zucker, gesättigte Fette und Salz.

 

Auf die Ernährung wirken sich auch die Bildung und das Einkommen aus. Die Kenntnisse über eine gesunde Ernährung sind in höheren Bildungs- und Einkommensschichten deutlich besser. Eine Folge davon ist, dass z.B. das Risiko für ein überhöhtes Übergewicht (Adipositas) bei Kindern aus benachteiligten Familien um das Vierfache höher ist als in besser gestellten Familien. Informationsangebote der Bundesregierung über die gesunde Ernährung, die sich z.B. speziell an Familien richten, erreichen die Risikogruppen für eine schlechtere Ernährung offenbar nicht.

 

Das alles zeigt, dass man sich für eine bessere Ernährung auf vielerlei Ebenen weiter einsetzen muss. Krankenkassen, Mediziner und Gesundheitsverbände fordern z.B. seit langem die Einschränkung der Werbung für stark zuckerhaltige Lebensmittel und eine Senkung von gesundheitsschädlichen Bestandteilen in Lebensmitteln. Der Anteil von zugesetztem Zucker in Fertiglebensmitteln ist nach wie vor zu hoch. Noch fehlt es auch an einem Stop für den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken in Schulen und eine Schulspeisung, die ausgewogene Gerichte für alle Schüler anbietet. Und nicht zuletzt fehlt immer noch eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln, die in Europa einheitlich ist. Wie diese Studie auch zeigte, fehlt es 72 % der Teilnehmer vor allem an gesunden Vergleichsmöglichkeiten, um z.B. Entscheidungen für gesündere Produkte zu treffen.

 

Quelle:
AOK-Studie Hälfte der Deutschen mit problematischer Ernährungskompetenz, Pressemitteilung des AOK-Bundesverbands vom 16.6.2020.


Seit Jahrhunderten wird der Weihrauch als Heilmittel verwendet. Nun klärten Forscher Wirkungen auf, durch die Weihrauchextrakte Entzündungen hemmen können.

 

Seit Jahrhunderten wird der Weihrauch als Heilmittel verwendet. Nun klärten Forscher Wirkungen auf, durch die Weihrauchextrakte Entzündungen hemmen können.

 

Aus dem Stamm des Weihrauchbaums wird ein Harzextrakt gewonnen, in dem verschiedene Substanzen enthalten sind, darunter vor allem die Boswelliasäure. Neben einer langen Tradition als aromatisches Räuchermittel für kultische und religiöse Zwecke wird der Weihrauch seit vielen Jahrhunderten als Heilmittel verwendet. Davon zeugen z.B. Anwendungen in der afrikanischen und indischen Heilkunde. Seit der Antike wurde der Weihrauch auch in Europa eingesetzt, z.B. in der römischen und griechischen Medizin zur Wundreinigung oder bei Krankheiten der Atemwege.

 

Wie viele Naturheilmittel geriet mit der Entwicklung der modernen Medizin auch der Weihrauch im Lauf des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit. Doch mehr und mehr interessiert man sich längst wieder für deren Nutzen. Seit einigen Jahren forschen Wissenschaftler der Universität Jena über die entzündungshemmenden Wirkungen des Weihrauchs, die z.B. bei Asthma, Arthritis oder Neurodermitis hilfreich sein könnten. 2012 zeigten sie bereits, dass die Boswelliasäuren aus dem Weihrauch mit verschiedenen Proteinen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind, interagieren. Das galt vor allem für Prostaglandin E2, das zu den Vermittlern der Immunantwort gehört und z.B. bei Entzündungen, bei Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle spielt. Nun ist es den Forschern aus Jena zusammen mit Forschern der US-amerikanischen Louisiana State University gelungen, eine weitere, wichtige Funktion des Weihrauchs bei Entzündungen aufzuklären.

 

Eine Schlüsselrolle hat dabei das Enzym 5-Lipoxygenase, das in allen Geweben vorhanden ist und u.a. auch Entzündungen fördert. Es unterstützt die Bildung von Leukotrienen, eine Gruppe von Entzündungs-Botenstoffen im Körper, die z.B. mit Asthma und der Atherosklerose verbunden sind. Die Forscher konnten nun mit neuen Untersuchungsmethoden zeigen, dass sich die Boswelliasäure aus dem Weihrauch an einer bestimmten Stelle an dieses Enzym binden kann. Daraufhin wird dessen übliche Aktivität gehemmt und umprogrammiert. Es entsteht eine Art Domino-Effekt: die 5-Lipoxygenase, die sonst Entzündungen fördert, bildet nun Substanzen, die Entzündungen auflösen. Damit sind einmal mehr die entzündungshemmenden Wirkungen des Weihrauchs bestätigt.

 

Unser Tipp: Weihrauch wird in verschiedenen Mischungen mit anderen Substanzen, Kräutern etc., angeboten. Es ist z.B. als Phytosom, gebunden an Phosphatidylcholin, auch einzeln erhältlich und in dieser Form besonders gut bioverfügbar,

 

Quelle:
Ute Schönfelder, Weihrauch programmiert Entzündungsenzym um. Forschungsteam aus Jena und den USA klärt entzündungshemmende Wirkung eines Naturstoffs aus Weihrauchharz auf. Pressemitteilung der Universität Jena vom 11.5.2020, Original: Nathaniel C. Gilbert et al., Structural and mechanistic insights into 5-lipoxygenase inhibition by natural products. In: Nature Chemical Biology, online 11.5.2020, doi: 10.1038/s41589-020-0544-7.


Mit geeigneten Nahrungsergänzungen und einer sinnvollen Ernährung können entzündliche Darmkrankheiten in ihren Symptomen verringert und in ihrem Verlauf verbessert werden.

Mit geeigneten Nahrungsergänzungen und einer sinnvollen Ernährung können entzündliche Darmkrankheiten in ihren Symptomen verringert und in ihrem Verlauf verbessert werden.

 

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Die entzündlichen Darmkrankheiten sind weltweit immer weiter verbreitet, zu ihnen gehören vor allem der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Sie sind chronisch und treten ständig oder schubweise immer wieder auf. Zu den typischen Symptomen gehören z.B. Verstopfung, Diarrhö und Bauchkrämpfe. Medikamente können die Symptome lindern, die Krankheiten jedoch nicht heilen. Doch mit einer geeigneten Ernährung und Nahrungsergänzungen sind einige Erfolge zu erreichen. Sie können die Symptome der entzündlichen Darmkrankheiten lindern oder gar zu einer Remission beitragen. Eine Gruppe polnischer Wissenschaftler wertete dazu 30 relevante Studien aus. Ihre Analyse zeigt, dass Ballaststoffe, einige Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) und Fettsäuren sowie eine zuckerarme Ernährung bei Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die Lebensqualität deutlich verbessern können.

 

Bei den Polyphenolen gibt es besonders für Curcumin und Resveratrol bereits einige gute Ergebnisse. Curcumin ist in Kurkuma enthalten und zeigte entzündungshemmende Wirkungen. In einigen Studien zu entzündlichen Darmkrankheiten konnten Curcumin-Gaben im Vergleich zu einem Placebo die Krankheitsaktivität stärker verringern oder sogar die Remission erreichen. Resveratrol kommt in vielen Pflanzen vor, z.B. in Weintrauben, Heidelbeeren und Erdnüssen. Es wirkt antioxidativ und kann Entzündungen hemmen, auch einige Wirkungen bei entzündlichen Darmkrankheiten sind untersucht. Ballaststoffe, darunter u.a. Fruktane, (Fructooligosaccharide, Inulin etc.), Psyllium (Flohsamen) sowie Hafer- und Weizenkleie, können positiv wirken und Magen-Darm-Symptome bei Patienten mit entzündlichen Darmkrankheiten ebenso wie die Lebensqualität verbessern. Bei den Fettsäuren wurden vor allem die Wirkungen der Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen, EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), untersucht. Auch sie konnten entzündliche Darmkrankheiten verringern. Sie konnten weiter dazu beitragen, den Einsatz von Kortikosteroiden zu senken.

 

Bei den entzündlichen Darmkrankheiten wurden verschiedene Ernährungsweisen untersucht. Bewährt hat sich vor allem die FODMAP-Ernährung, bei der die Aufnahme von kurzkettigen, hoch fermentierbaren und schlecht resorbierbaren Kohlenhydraten eingeschränkt wird. Sie führen durch bakterielle Fermentierung und Wassersekretion z.B. zur Darmdysbiose, Verletzungen/Entzündungen und übermäßiger Gasbildung. Empfohlen werden Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, laktosefreie Milchprodukte, glutenfreies Getreide (z.B. Reis), Obst (z.B. Bananen), Gemüse (z.B. Spinat), die meisten Nüsse sowie viele Gewürze und Kräuter. Zu meiden sind Lebensmittel mit einem hohen Laktosegehalt, Hülsenfrüchte, Knoblauch und Zwiebeln. Den Patienten wird empfohlen, in den ersten 4-6 Wochen vor der Diät einige strenge Einschränkungen in der Ernährung einzuhalten und jede Veränderung der Symptome genau zu beobachten. Ziel ist ein optimales Niveau der FODMAP-Diät, das individuellen Bedürfnissen am besten entspricht. Die Anwendung dieser Ernährungsweise zeigt, dass sich dadurch gastrointestinale Symptome und Beschwerden verringern lassen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit. Eine geeignete Ernährung und eine Reihe von Nahrungsergänzungen können dazu beitragen, die Lebensqualität von Patienten mit entzündlichen Darmkrankheiten zu verbessern und die Symptome im Magen-Darm-Trakt zu lindern. In weiteren Forschungen sollten z.B. wirksame Dosierungen und längerfristige Wirkungen einzelner Substanzen genauer untersucht werden. Die bisherigen Ergebnisse zeigen bereits, dass Nahrungsergänzungen und eine geeignete Ernährung eine Alternative oder zumindest eine Maßnahme sein können, um die üblichen Krankheitsverläufe bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zu verbessern und eventuell Medikamente zu verringern. Die Forscher empfehlen bei entzündlichen Darmkrankheiten, Diäten und Nahrungsergänzungen nicht auf eigene Faust anzuwenden. Zusammen mit Ernährungsfachleuten und Therapeuten können individuell geeignete Ernährungsweisen, Substanzen und Dosierungen ausgewählt werden. Dies kann zu einer höheren Lebensqualität sowie zur besseren Krankheitskontrolle und zu weniger Komplikationen führen.

 

Unser Tipp: Die Funktionen im Magen-Darm-Trakt können durch viele Nahrungsergänzungen beeinflusst werden. Dazu gehören z.B. geeignete Vitamine, Mineralien, Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe etc., einzeln und in bewährten Mischungen. Auch wir empfehlen (nicht nur) bei Darmkrankheiten, die Anwendungen mit einem Therapeuten und Ernährungsfachleuten individuell auszuwählen.

 

Quelle:
Bartosz Malinowski et al., The Rundown of Dietary Supplements and Their Effects on Inflammatory Bowel Disease - A Review. In: Nutrients, online am 14.5.2020, doi: 10.3390/nu12051423.