Die Darmflora von sehr gesunden alten Menschen bis zu über 100 Jahren ähnelte in einer großen chinesischen Studie der von jüngeren, gesunden 30-Jährigen.

 

Die Darmflora von sehr gesunden alten Menschen bis zu über 100 Jahren ähnelte in einer großen chinesischen Studie der von jüngeren, gesunden 30-Jährigen.

 

Die Ernährung kann die Gesundheit bis ins hohe Alter beeinflussen. Dabei könnte auch die Gesundheit der Darmbakterien eine sehr wichtige Rolle spielen. Eine Reihe von Studien zeigte bereits, dass die Zusammensetzung der so genannten Mikrobiota, die Zusammensetzung der Darmbakterien, bei einigen Krankheiten im Vergleich zu Gesunden deutlich verändert ist. Auch bei älteren Menschen fand man im Vergleich zu Jüngeren oft deutliche Unterschiede in der Darm-Mikrobiota, allerdings waren die Ergebnisse dazu bisher wenig vergleichbar. Eine neue Studie kommt jetzt zu sehr überraschenden Ergebnissen.

 

Eine Gruppe von chinesischen und kanadischen Forschern untersuchte bei mehr als 1.000 Chinesen aus drei Städten die Zusammensetzung der Darmbakterien (durch Gen-Sequenzierung). Sie wollten die Frage klären, ob das gesunde Altern mit von den Darmbakterien abhängig bzw. beeinflusst ist. Beteiligt an der Studie waren verschiedene Altersgruppen von Kleinkindern und Erwachsenen bis zu über 100 Jahre alten Menschen. Alle Teilnehmer galten als äußerst gesund und hatten keinerlei gesundheitliche Probleme. Die jüngeren Teilnehmer stammten dazu aus Familien, die ebenfalls als sehr gesund galten. Nach Auswertung der Bakterienprofile im Darm fanden die Forscher bei jungen Teilnehmern im Alter von 19 bis zu 24 Jahren häufiger ein spezifisches Darmprofil, das sie mit Ergebnissen anderer Studien nicht in Einklang bringen konnten. Sie werteten dies als eine chinesische Besonderheit.

 

Für die Forscher sehr überraschend waren jedoch die Ergebnisse der Teilnehmer ab 30 Jahren, weil sich hier unabhängig vom Alter deutliche Ähnlichkeiten zur Darmflora der älteren Menschen zeigten. Zwischen den jüngeren Erwachsenen und den Älteren bis hin zu sehr alten Menschen bis zu über 100 Jahren gab es keine wesentlichen Unterschiede in den Bakteriengruppen im Darm.

 

Die Forscher werten die Aufrechterhaltung der Darmprofile über sehr lange Zeiträume hinweg als einen wichtigen Biomarker für gesundes Altern, vergleichbar etwa mit der Bedeutung von geringen Cholesterinwerten für das gesunde Herz-Kreislaufsystem. Die Forscher führen die nahezu gleiche Zusammensetzung der Darmflora bei jüngeren und älteren Menschen auf einen aktiven, gesunden Lebensstil und eine gesunde Ernährung zurück. Sie vermuten, dass die Verbesserung der Darmbakterien bei älteren Menschen durch eine „darmgesunde“ Ernährung und die Aufnahme von Probiotika die Gesundheit im Alter fördern könnte. Das sollte nun in weiteren Studien näher erforscht werden.

 

Unser Tipp: Probiotika werden mit verschiedenen gesunden Bakterienstämmen ergänzt. Besonders bewährt haben sich Laktobazillen und Bifidobakterien, die auch zusammen angeboten werden. Die Kombination mit Synbiotika (z.B. Fruktooligosacchariden) erhöht dabei die Stabilität, weil sie den gesunden Bakterien als Nahrung dienen.

 

Quelle:
Gaorui Bian et al., The Gut Microbiota of Healthy Aged Chinese Is Similar to That of the Healthy Young. In: mSpere Vol. 2, Nr. 5, 2017, doi: 10.1128/mSphere.00327-17.


Omega-3-Fettsäuren - trotz Bekanntheit zu wenig genutzt

 

Viele Menschen kennen die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen für die Gesundheit. Dieses Wissen führt jedoch oft nicht dazu, die Versorgung mit diesen gesunden Fettsäuren zu verbessern.

 

Die Aufnahme von Mikro-Nährstoffen wird auch durch die Kenntnisse über deren gesundheitlichen Nutzen gefördert. Das kann die Wahl von Lebensmitteln mit guten Nährstoff-Quellen ebenso wie die Auswahl von Nahrungsergänzungsmitteln beeinflussen. Noch ist jedoch eher wenig bekannt, wie die individuelle Wahrnehmung von Mikro-Nährstoffen die Versorgung anregen kann. Ein Forscherteam von der Purdue University in Indiana (USA) und der Ludwig-Maximilians-Universität in München untersuchte am Beispiel der Omega-3-Fettsäuren die Kenntnisse über den Nutzen dieser Nährstoffe im Vergleich zur tatsächlichen Versorgung durch die Ernährung und Nahrungsergänzungen. Die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen gehören zu den kritischen Nährstoffen, von denen man weiß, dass durch die unzureichende Versorgung die Gesundheit belastet wird, es steigt dann z.B. das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten. Gute Quellen für die Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) sind vor allem fettreiche Fische und Meeresfrüchte. Empfohlen werden daher meist zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Tatsache ist jedoch in vielen Ländern, dass Fisch zu wenig gegessen wird.

 

200 Erwachsene aus den USA und aus Deutschland im Alter von 18 bis zu 80 Jahren nahmen an der Studie teil. Sie gaben Auskunft über ihre Kenntnisse zu Omega-3-Fettsäuren und schätzten ihre Versorgung ein. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer war der Ansicht, dass Omega-3-Fettsäuren einen guten Nutzen für die Gesundheit von Herz und Gehirn haben und dass sie mit Fischen deren wichtigste Nahrungsquellen kennen. Mit dem Omega-3-Index, der als Biomarker für die längerfristige Versorgung mit EPA und DHA gilt, wurde bei den Teilnehmern die tatsächliche Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren geprüft. Mit diesem Index lässt sich auch einschätzen, wie hoch das Risiko für die Entstehung von koronaren Herzkrankheiten ist. Die Ergebnisse zeigten, dass die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren bei den meisten Teilnehmern nicht ausreichend war. Das galt gleichermaßen für diejenigen, die glaubten, dass sie genügend versorgt waren als auch für andere, die meinten, dass ihre Versorgung unzureichend war. Nur relativ wenige Teilnehmer hatten Omega-3-Indexwerte, die für einen guten Schutz des Herz-Kreislauf-Systems ausreichten.

 

Ein mittleres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten hatten 30 % der Teilnehmer aus den USA und 27 % der Deutschen. Ein hohes Risiko hatten 40 % der US-amerikanischen Teilnehmer, mit 10 % war hier der Anteil der Deutschen deutlich geringer. Noch können die Forscher nicht genau erklären, warum trotz der Kenntnisse über Omega-3-Fettsäuren die Versorgung nicht ausreichend gedeckt wird. Möglicherweise könnten häufiger eher fettarme Fische bevorzugt werden, die geringer mit Omega-3-Fettsäuren versorgen. Es könnte auch daran liegen, dass pflanzliche Lebensmittel bevorzugt werden, die wie z.B. Walnüsse und Leinsamen reichlich die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure enthalten. Sie kann jedoch im Körper nicht so effizient wie die EPA und DHA aus Fischölen genutzt werden.

 

Die Forscher sind der Ansicht, dass optimale Werte an Omega-3-Fettsäuren idealerweise durch die Nahrung erreicht werden sollten. Ihnen ist jedoch bewusst, dass dies nicht für jeden Menschen erreichbar ist. Nahrungspräferenzen, vegetarische, vegane Ernährung oder Nahrungsmittelallergien können z.B. dazu führen, dass Fisch nicht oder nicht ausreichend gegessen wird. Für Vegetarier und Veganer gibt es auf Algen basierende Quellen von Omega-3-Fettsäuren und damit angereicherte Lebensmittel. Für alle anderen sind Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen als Nahrungsergänzungen empfehlenswert, um gute Werte zu erreichen. Die Forscher empfehlen, sie nicht auf leeren Magen, sondern zusammen mit einer Mahlzeit einzunehmen. Für die gute Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren im Körper sind auch andere Nahrungsfette wichtig.

 

Unser Tipp: Die gesunden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA werden in verschiedenen Formen und Dosierungen als Nahrungsergänzungen angeboten. Auf eine gute Qualität sollte dabei geachtet werden.

 

Quelle: 
Sowmyanarayanan V. Thuppal et al., Discrepancy between Knowledge and Perceptions of Dietary Omega-3 Fatty Acid Intake Compared with Omega-3-Index. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 24.8.2017, doi: 10.3390/nu9090930.


Multi-Vitamine/Mineralstoffe beugen Versorgungslücken vor

 

Viele Menschen nehmen Nahrungsergänzungen ein, um Defiziten mit wichtigen Mikro-Nährstoffen in der täglichen Versorgung vorzubeugen. Das gelingt weitgehend, wie eine große Bevölkerungsstudie aus den USA zeigt.

Rund 50 % der Erwachsenen in den USA nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein. Doch bisher gibt es relativ wenig Informationen über deren Einfluss auf die Nährstoff-Aufnahmen und die Korrektur möglicher Defizite bei den Mikro-Nährstoffen. Eine Gruppe US-amerikanischer Forscher führte dazu eine umfassende statistische Analyse durch. Als Basis dienten ihnen die nationalen, repräsentativen Daten von rund 10.700 Erwachsenen aus der großen Bevölkerungsstudie NHANES (National Health and Nutrition Examination Surveys), die von 2009 bis 2012 durchgeführt wurde. Dabei wurden Untersuchungen über die Aufnahmen von Mikro-Nährstoffen allein aus der Ernährung und dazu im Vergleich mit der kombinierten Einnahme von Multi-Vitamin/Multi-Mineralstoff-Ergänzungen durchgeführt. Einbezogen waren 17 der wichtigsten Mikro-Nährstoffe mit ihrem geschätzten durchschnittlichen Bedarf. Hinzu kam der Status von fünf Nährstoffen mit bekannten Biomarkern und häufiger vorkommenden Defiziten im Blut.

 

Im Vergleich zur Ernährung allein sorgte die zusätzliche Aufnahme von Mikro-Nährstoffen für geringere Vorkommen von unzureichender Versorgung bei 15 der 17 Nährstoffe. Außer für Kalzium, Magnesium und Vitamin D verhinderte der häufigste Gebrauch von Nahrungsergänzungen von wenigstens 21 Tagen pro Monat unzureichende Aufnahmen bei den wichtigsten Mikro-Nährstoffen. Das war mit der Ausnahme von Eisen auch mit signifikant niedrigeren Raten für Defizite bei den untersuchten Nährstoff-Biomarkern im Blut verbunden. Bei sieben Mikro-Nährstoffen zeigte sich eine leicht erhöhte Zufuhr über den so genannten tolerablen täglichen Aufnahmewerten, die jedoch jeweils unter ≤4% lag.

Aus Sicht der Forscher unterstützen die Ergebnisse den Nutzen von Nahrungsergänzungen für die allgemeine Gesundheit. Sie widersprechen dem oft angeführten Argument, dass eine gute Ernährung allein ausreicht, um mit allen nötigen Mikro-Nährstoffen, die für die Aufrechterhaltung der Gesundheit wichtig sind, zu versorgen. Deutliche Mangel-Krankheiten durch fehlende Vitamine kommen heute zwar nur äußerst selten vor, doch viele Studien zeigen, dass auch geringere Defizite an einzelnen oder mehreren Mikro-Nährstoffen die Gesundheit beeinträchtigen können. Beim großen Spektrum der Mikro-Nährstoffe kann es immer wieder einmal kurzfristig zu unzureichenden Aufnahmen kommen.

 

Die Forscher gehen heute von wenigstens 11 Mikro-Nährstoffen aus, die in den USA häufiger oder zumindest kurzfristig in einem zu geringen Maß aufgenommen werden. Das sind die Vitamine A, C, D, E, K, Folsäure und Cholin (vitaminähnliche Substanz) sowie die essentiellen Mineralstoffe Kalzium, Eisen, Magnesium und Kalium. Multi-Nahrungsergänzungen können helfen, kleinere Versorgungslücken im Alltag auszugleichen. Das gelingt weitgehend, jedoch nicht bei allen Stoffen, wie diese Auswertung der NHANES-Daten zeigt. Kritisch waren teilweise noch die Aufnahmen von Kalzium, Vitamin D und Magnesium. Den größten Nutzen von Vitaminen und Mineralstoffen hatten die Teilnehmer, die am beständigsten Nahrungsergänzungen nutzten. Sie hatten ein deutlich geringeres Risiko für Mangelversorgungen an Mikro-Nährstoffen.

 

Unser Tipp: Multi-Vitamine und Multi-Mineralstoff-Ergänzungen gibt es in vielen Mixturen und Dosierungen, sie lassen sich daher sehr gut an den individuellen Bedarf anpassen. Auf eine gute Qualität bei den einzelnen Mikro-Nährstoffen sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Jeffrey R. Blumberg et al., Impact of Frequency of Multi-Vitamin/Multi-Mineral Supplement Intake on Nutritional Adequacy and Nutrient Deficiencies in U.S. Adults. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 9.8.2017, doi: 10.3390/nu9080849.


Finnische Forscher stellten eine klare Beziehung zwischen dem erhöhten Salzkonsum und dem Risiko für die Herzinsuffizienz fest.

 

Finnische Forscher stellten eine klare Beziehung zwischen dem erhöhten Salzkonsum und dem Risiko für die Herzinsuffizienz fest. Es steigt mit der verzehrten Salzmenge an, beim höchsten Verzehr verdoppelt sich das Krankheitsrisiko.

 

Ein hoher Salzverzehr gehört zu den wichtigsten Ursachen für einen zu hohen Blutdruck, er ist außerdem ein unabhängiger Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit und Schlaganfälle. Die Herzinsuffizienz gehört zu den wichtigsten kardiovaskulären Krankheiten, bei ihr ist jedoch die Rolle eines zu hohen Salzverzehrs bisher nur wenig bekannt. Finnische Forscher untersuchten daher in einer Studie die Beziehung zwischen der Salzaufnahme und der Herzinsuffizienz.

In die (prospektive) Beobachtungsstudie waren 4.630 Männer und Frauen im Alter von 25 bis zu 64 Jahren einbezogen. Sie hatten an der finnischen North Karelia Salt Study und an der National FINRISK Study in der Zeit von 1979 bis 2002 teilgenommen. Zu den bei allen Teilnehmern anfänglich erhobenen Daten gehörten eine Befragung über die Gesundheit sowie Messungen von Gewicht, Größe und Blutdruck. Außerdem wurden Blutproben genommen und die Sammlung vom 24-Stunden-Urin durchgeführt.

 

Die Bestimmung der Natrium-Extraktion in der Urin-Analyse gilt als „Goldstandard“ für die Einschätzung des Salzkonsums auf individueller Basis, da die aufgenommene Salzmenge vor allem über die Nieren ausgeschieden wird. Je nach der Höhe der täglichen Salzaufnahme wurden die Teilnehmer fünf Gruppen zugeordnet, angefangen mit Werten unter 6.8 g, dann ansteigend bis zum Konsum von mehr als 13,7 g Salz täglich.

 

Die Gesundheit der Teilnehmer wurde 12 Jahre lang mit Hilfe eines nationalen Gesundheits-Registers beobachtet. Die Fälle von Herzinsuffizienz ermittelten die Forscher mit Aufzeichnungen in Krankenhäusern, Arzneimittelerstattungen sowie aus den Ursachen für Todesfälle. Im Lauf der beiden Studien entwickelten 121 Männer und Frauen eine Herzinsuffizienz. Nach Anpassung von Alter, Geschlecht, Studienjahren etc. stieg das Risiko für die Herzkrankheit mit erhöhten Salzaufnahmen deutlich an. Im Vergleich zum niedrigsten Konsum unter 6,8 g täglich war das Risiko bei knapp 7 bis 9 g täglich bereits um 13 % erhöht, bei bis zu 11 g Salz täglich erhöhte es sich um 45 %. Die Risikowerte stiegen bis zum höchsten Verzehr ab 13,7 g Salz täglich weiter an, dabei verdoppelte sich das Krankheitsrisiko für die Herzinsuffizienz. Bezogen die Forscher zusätzlich den systolischen Blutdruck, das Gesamt-Cholesterin und den Body Mass Index ein, war beim höchsten Salzkonsum das Risiko für die Herzinsuffizienz immer noch um 75 % erhöht.

 

Professor Pekka Jousilahti, einer der beteiligten Forscher, weist darauf hin, dass die optimale Salzzufuhr pro Tag vermutlich noch unter dem in dieser Studie angesetzten Mindestwert von 6,8 Gramm täglich liegt. Hauptsächlich wird Salz aus verarbeiteten Lebensmitteln, aus Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren sowie aus Milchprodukten und Käse aufgenommen, hinzu kommt Salz aus diversen Fertiggerichten. Untersuchungen über den Salzverzehr in Deutschland zeigen, dass Männer im Durchschnitt täglich 10 g, Frauen 8,4 g Salz aufnahmen. Damit wäre ihr Risiko für die Herzinsuffizienz bereits leicht erhöht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die maximale Aufnahme von 5 Gramm Salz täglich, der physiologische Bedarf wird mit 2 bis 3 Gramm noch geringer angesetzt. Professor Jousilahti sagt zu den Ergebnissen der finnischen Studie: „Das Herz mag kein Salz. Hohe Salzaufnahmen erhöhen deutlich das Risiko für die Herzinsuffizienz.“

 

Quelle:
High salt intake associated with doubled risk of heart failure. Pressemitteilung der European Society of Cardiology vom 27.7.2017 (Kongressbericht).


Australischen Forschern gelang es, Kinder mit einer Erdnussallergie von ihren Beschwerden zu heilen.

 

Australischen Forschern gelang es, Kinder mit einer Erdnussallergie von ihren Beschwerden zu heilen. Die Forscher kombinierten eine orale Immuntherapie mit Probiotika vom Typ der Laktobazillen.

 

Die (spezifische) Immuntherapie gehört seit einigen Jahren auch bei Nahrungsmittelallergien zu den möglichen Therapien. Damit lässt sich bei vielen Patienten eine gewisse Toleranz erreichen, doch bisher ist nur wenig über die Langzeitwirkung bekannt. Jetzt zeigte ein australisches Forscherteam, dass bei einer Erdnussallergie die Kombination der Immuntherapie mit einem Probiotikum auch noch nach mehreren Jahren erfolgreich sein kann. Die Forscher führten ihre (randomisierte, doppelblinde) Studie 18 Monate lang mit 56 Kindern im Alter von ein bis zu zehn Jahren durch, bei denen eine Erdnussallergie nachgewiesen war. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Kinder erhielten eine orale Immuntherapie, dabei steigerten die Forscher bei allen nach und nach die Gaben der Erdnussproteine, um deren Toleranz zu erhöhen.

 

In einer Gruppe erhielten die Kinder zusätzlich Milchsäurebakterien vom Typ Lactobacillus rhamnosus. Sie unterstützen die gesunde Darmflora und können auch die Immunzellen ebenso wie die Immuntoleranz fördern. Die täglichen Bakteriengaben waren hoch dosiert in einem Bereich, der mit der Ernährung nicht erreichbar ist. Die Menge der Laktobazillen entsprach in etwa dem Inhalt von 20 Portionen Joghurt pro Tag. Zum Vergleich nahmen die Kinder in der Kontrollgruppe nur ein Placebo ein. Am Ende der Studie waren 23 von 28 Kindern (82,1 %), die kombiniert die Immuntherapie zusammen mit den Laktobazillen erhalten hatten, frei von allergischen Symptomen auf Erdnüsse. Das wurde mit einem Provokationstest nachgewiesen. In der Kontrollgruppe tolerierte dagegen nur ein Kind diesen Test.

 

Nach vier Jahren schlossen die Forscher eine weitere Untersuchung an, um bei den Kindern die Langzeitwirkungen der Kombinationstherapie zu prüfen. Daran nahmen noch 48 Kinder teil, 24 aus der Probiotika- und 24 aus der Kontrollgruppe. Die Teilnehmer beantworteten Fragen zu ihren Allergie-Symptomen, außerdem wurde ihre Reaktion auf Erdnüsse mit Allergie-Tests untersucht. In der Kontrollgruppe, die neben der oralen Immuntherapie nur ein Placebo erhalten hatte, war wiederum nur ein Kind frei von allergischen Symptomen. Rund zwei Drittel (16 von 24) der Kinder, die zusätzlich mit Laktobazillen behandelt wurden, hatten auch nach vier Jahren noch keine Symptome einer Erdnussallergie.

 

Die restlichen Kinder aus dieser Gruppe berichteten von leichteren Beschwerden, jedoch hatte keines von ihnen einen anaphylaktischen Schock erlebt. Auch die Ergebnisse der Allergie-Tests (Pricktest, IgG4, sIGE) zeigten bei den Kindern mit der Kombinationstherapie eine bessere Toleranz gegenüber Erdnussproteinen. Für die Forscher ist dies ein deutlicher Beweis, dass Erdnussallergien mit einer Kombination von Immuntherapie und Probiotika erfolgreich therapiert werden können. Sie wollen die Wirkungen nun in größeren Gruppen prüfen.

 

Unser Tipp: Laktobazillen gehören zu den sehr gut untersuchten Probiotika. Besondere Herstellungsverfahren garantieren eine hohe Zufuhr an gesunden Bakterien, dabei kann u.a. auch auf Milch- und Casein-Zusätze verzichtet werden. 


Quelle: 

Kuang-Chih Hsiao et al., Long-term clinical and immunological effects of probiotic and peanut oral immunotherapy after treatment cessation: 4-year follow up of a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. In: The Lancet Child & Adolescent Health, Online-Veröffentlichung vom 15.8.2017, doi: 10.1016.S2352-4642(17)30041-X.


Eine Ernährung, die reich an den gesunden, mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist, verringert möglicherweise das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Raucher profitieren davon am stärksten.

 

Eine Ernährung, die reich an den gesunden, mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist, verringert möglicherweise das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Raucher profitieren davon am stärksten.

 

Die Art von Nahrungsfetten spielt vermutlich eine Rolle bei der Entstehung von Lungenkrebs. Die Ergebnisse aus epidemiologischen Studien waren dazu bisher jedoch uneinheitlich. Daher werteten Forscher nun zehn große, internationale Bevölkerungsstudien aus. Sie stammten aus den USA, Europa und Asien, und daran nahmen fast 1,5 Millionen Personen teil. In allen Studien wurde zu Beginn mit Hilfe einer Ernährungs-Befragung bei den Teilnehmern bestimmt, wie hoch die tägliche gesamte Energieaufnahme war und welchen Anteil daran Kohlenhydrate, Proteine und Fette hatten. Bestimmt wurde bei den Fetten die Gesamtmengen, dazu wurde der Anteil an gesättigten, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren ermittelt.

 

Über die Zeit von im Durchschnitt rund zehn Jahren (maximal rund 21 Jahre) diagnostizierte man bei rund 18.800 Teilnehmern Lungenkrebs. Die Forscher setzten die Vorkommen von Lungenkrebs zu den Fettsäuren in Beziehung. Ihre Auswertung zeigte, dass bei einem hohen Fettkonsum das Risiko für Lungenkrebs allgemein um 7 % anstieg. Wurden besonders viel gesättigte Fettsäuren verzehrt, stieg das Risiko mit 14 % noch stärker an. Bei Rauchern war diese Beziehung mit einem Risikoanstieg von 23 % im Vergleich zu ehemaligen Rauchern und Nichtrauchern noch stärker ausgeprägt. Auch bei speziellen Lungenkrebs-Formen (Plattenepithel- und kleinzelliges Karzinom) war das Risiko durch einen hohen Konsum von gesättigten Fetten deutlich erhöht.

 

Teilnehmer, die dagegen reichlich mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufnahmen, konnten ihr Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, deutlich verringern. Es sank im Vergleich zu einem sehr geringen Konsum an gesunden Fettsäuren um 8 %. Die Forscher berechneten außerdem, wie sich das Krankheitsrisiko durch den Austausch von gesättigten Fetten gegen mehrfach ungesättigte Fettsäuren veränderte. Beim Verzicht von 5 % an gesättigten Fetten in der täglichen Energiebilanz verringerte sich mit der entsprechenden erhöhten Aufnahme an mehrfach ungesättigten Fettsäuren das Risiko für Lungenkrebs (Plattenepithel- und kleinzelliges Karzinom) um 16 bis 17 %. Experimentelle Studien zeigten überdies bereits, dass vor allem die Omega-3-Fettsäuren einen krebsschützenden Effekt haben können. Sie beeinflussen u.a. die Bildung von Zytokinen und die Genexpression, die an entzündlichen Prozessen beteiligt sind.

 

Unser Tipp: Die Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem von den gesunden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA aus Fischölen, lässt sich auch mit Nahrungsergänzungen deutlich verbessern.

 

Quelle:
Jae Jeong Yang et al., Dietary Fat Intake and Lung Cancer Risk: A Pooled Analysis. In: Journal of Clinical Oncology, Online-Veröffentlichung vom 25.7.2017, doi: 10.1200/JCO,2017.73.3329.


Raucher ernähren sich oft schlechter als Nichtraucher, was u.a. eine geringere Versorgung mit wichtigen Mikro-Nährstoffen zur Folge hat. Damit steigen die Risiken für erhöhten oxidativen Stress und seine Folgen.

 

Raucher ernähren sich oft schlechter als Nichtraucher, was u.a. eine geringere Versorgung mit wichtigen Mikro-Nährstoffen zur Folge hat. Damit steigen die Risiken für erhöhten oxidativen Stress und seine Folgen.

 

Weltweit ist die Zahl der Raucher gesunken, dennoch gehört das Rauchen nach wie vor zu einem der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung chronischer Krankheiten. Dazu gehören z.B. Krebs, Herz-Kreislauf- und Atemwegs-Krankheiten. Sie sind u.a. auch durch die Ernährung zu beeinflussen. Frühere Studien zeigten bereits, dass die Ernährung von Rauchern oft eine geringere Qualität hat, damit verbunden ist meist auch die verringerte Aufnahme von Mikro-Nährstoffen. Raucher haben, abhängig vom Stoffwechsel, einen erhöhten Bedarf an Mikro-Nährstoffen, der durch das Rauchen beeinflusst ist. So zeigte sich z.B., dass für Vitamin C Aufnahmen von bis zu 200 mg täglich erforderlich waren, um vor geringen Vitamin C-Werten im Serum zu schützen. Die empfohlene Vitamin C-Aufnahme für Erwachsene liegt deutlich darunter. US-amerikanische Forscher prüften nun im Rahmen einer Studie zum Stress und Rauchverhalten auch die Energie- und Nährstoff-Aufnahmen der Teilnehmer.

 

138 Raucher und 46 Nichtraucher nahmen an der Studie teil, alle hatten im Durchschnitt ein leichtes Übergewicht, der Body Mass Index war bei den Rauchern etwas höher. An drei Tagen zeichneten alle Teilnehmer ihre verzehrten Nahrungsmittel auf. Daraus wurde die jeweilige Gesamt-Energiezufuhr berechnet. Einbezogen wurden auch die Aufnahmen wichtiger Mikro-Nährstoffe, u.a. mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Vitamine. Im Vergleich zu den Nichtrauchern nahmen die Raucher im Durchschnitt täglich rund 200 Kalorien weniger Energie auf. Bei den Makro-Nährstoffen (Proteine, Fett und Kohlenhydrate) fanden sind kaum Unterschiede, allerdings nahmen die Raucher weniger mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolensäure und DHA) zu sich. Generell erreichten sowohl die Raucher als auch die Nichtraucher bei einigen Mikro-Nährstoffen nicht die empfohlenen täglichen Werte. Raucher waren dabei oft noch geringer versorgt.

 

Das galt vor allem für wichtige Schlüssel-Nährstoffe bei den Vitaminen und Mineralstoffen. Sie können bei einer guten Versorgung dazu beitragen, das Risiko für chronische Krankheiten zu verringern. Die Raucher nahmen mit ihrer Ernährung vor allem weniger Eisen, Phosphor, Vitamin C, Vitamin D, B2, Niacin und Folsäure auf.

 

Die Forscher setzten z.B. bei Vitamin C den täglichen allgemeinen Bedarfswert von 75 mg an. Rund die Hälfte der Raucher und fast ein Drittel der Nichtraucher erreichten diese Aufnahme mit ihrer Ernährung nicht. Das ist besonders problematisch, weil für Raucher ein erhöhter Bedarfswert gilt, der um 35 mg täglich höher liegt. Diese etwas höhere Versorgung soll dazu beitragen, den oxidativen Stress, der mit dem Rauchen verbunden ist, besser zu kompensieren. Eine zu geringe Vitamin C-Aufnahme kann bei Rauchern den oxidativen Stress erhöhen und zur Entstehung von mit dem Rauchen verbundenen Lungenkrankheiten beitragen. Weiter waren bei den Rauchern die Aufnahmen von Vitamin A häufiger zu gering, gleiches galt oftmals auch für die B-Vitamine, speziell für B2, Niacin, Pantothensäure und Vitamin B6.

 

Beim Vitamin E zeigten sich deutliche Defizite bei den Rauchern, aber auch bei Nichtrauchern, also waren bei fast allen Teilnehmern die durchschnittlichen Aufnahmen davon zu gering. Auch dies war für die Raucher problematischer, weil Vitamin E als wichtiges Antioxidans eine zentrale Rolle beim Schutz vor dem oxidativen Stress und freien Radikalen spielt.

 

Die Forscher ziehen das Fazit, dass die verringerte Aufnahme von wichtigen Mikro-Nährstoffen bei Rauchern das Risiko für chronische Krankheiten erhöhen kann. Gesundheitsprogramme für Raucher sollten sich nicht allein auf den Rauchverzicht richten, sondern auch eine verbesserte Ernährung mit guten Aufnahmen von Mikro-Nährstoffen empfehlen. Das gilt besonders für die mehrfach ungesättigten Fettsäuren sowie für Magnesium, Folsäure und die Vitamine A, C und E.

 

Unser Tipp: Gute Nährstoff-Präparate mit Multi-Vitaminen und -Mineralstoffen können die Versorgung mit wichtigen Mikro-Nährstoffen bei Rauchern verbessern. Darin sind z.B. viele Antioxidantien enthalten, die beim erhöhten oxidativen Stress wichtig sind.

 

Quelle:
Susan K. Raatz et al, Smokers report lower intake of key nutrients than nonsmokers yet both fall short of meeting recommended intakes. In: Nutrition Research, Online-Veröffentlichung vom 28.7.2017, doi: 10.1016/j.nutres.2017.07.010.


Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, bei der im Ruhezustand und vor allem nachts in den Beinen Missempfindungen

 

Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, bei der im Ruhezustand und vor allem nachts in den Beinen Missempfindungen mit einem unnatürlichen Bewegungsdrang entstehen. Bei einer schlechten Versorgung mit Vitamin D können die Beschwerden zunehmen.

 

Kommt der Körper zur Ruhe, auch tagsüber, jedoch vor allem bei der Bettruhe vor dem Schlaf, treten beim Restless-Legs-Syndrom Beschwerden wie Ziehen, Reißen oder Ameisenkribbeln in den Waden auf, die erst durch Bewegung zurückgehen. Dadurch verschlechtert und/oder verkürzt sich der Nachtschlaf. Zu den Folgen am Tage gehören die erhöhte Müdigkeit und eine verringerte Leistungsfähigkeit. Die Zahl der Betroffenen schätzt man in Deutschland auf rund 5 bis 10 %, Frauen leiden an diesem Syndrom etwas häufiger als Männer.

 

Noch sind die Ursachen für diese Krankheit nicht völlig geklärt, man vermutet zum einen genetische Veränderungen, zum anderen ist vermutlich eine Störung im Stoffwechsel von Dopamin, einem Neurotransmitter, beteiligt. Einige Studien zeigten bereits, dass möglicherweise auch Vitamin D einen Einfluss auf das Restless-Legs-Syndrom hat. So fand man bei einigen der betroffenen Patienten zu geringe Vitamin D-Werte. Weiter gab es Hinweise dass bei Vitamin D-Ergänzungen die Restless-Legs-Symptome geringer werden können. Insgesamt sind die Kenntnisse über den Einfluss von Vitamin D jedoch bisher eher gering.

 

Forscher der Universität Innsbruck prüften daher die Beziehung zwischen Vitamin D und dem Restless-Legs-Syndrom in einer Studie. Daran nahmen 214 Personen mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren teil, jeweils zur Hälfte Patienten mit dem Restless-Legs-Syndrom und Gesunde als Kontrollpersonen. Bei allen Teilnehmern wurde die Versorgung mit Vitamin D im Blut bestimmt, dabei wurden Werte unter 20 ng/ml als Mangel eingestuft. Im Durchschnitt unterschieden sich die Vitamin D-Werte bei den Teilnehmern nicht signifikant. Allerdings stellte man bei neun Patienten mit dem Restless-Legs-Syndrom einen deutlichen Vitamin D-Mangel fest, in der gesunden Kontrollgruppe war davon nur ein Teilnehmer betroffen. Patienten, die einen starken Mangel an Vitamin D hatten, litten stärker unter den Restless-Legs-Symptomen. Hinzu kam, dass sich die Beziehung zwischen Vitamin D und der Krankheit bei Patienten verstärkte, wenn die Krankheit erst spät ausgebrochen war. Die Mediziner vermuten deshalb, dass bei diesen Patienten das Restless-Legs-Syndrom stärker durch äußere Faktoren beeinflusst wird.

 

Noch können die Forscher nicht erklären, auf welche Weise eine zu geringe Versorgung mit Vitamin D auf die Entstehung oder den Verlauf des Restless-Legs-Syndroms einwirken kann. Aus experimentellen Studien gibt es Hinweise, dass möglicherweise der Eisenstoffwechsel dabei eine Rolle spielen könnte, da für die Dopamin-Synthese Eisen benötigt wird. Geringe Vitamin D-Werte könnten beispielsweise dazu führen, dass das Gehirn zu wenig mit Eisen versorgt wird. Das könnte wiederum die Signalübertragungen von Dopamin beeinträchtigen und damit die Restless-Legs-Symptome verstärken.

 

Unser Tipp: Vitamin D steht zur Ergänzung in sehr gut bioverfügbaren Formen, z.B. emulgiert oder flüssig, zur Verfügung.

 

Quelle:
Thomas Müller, Zu wenig Vitamin D bei RLS? In: DNP Der Neurologe&Psychiater Vol. 17 Nr. 7/8, 2017, S. 9 (Bericht vom 3. EAN-Kongress 2017, Amsterdam).


Ein hoher Verzehr von Nüssen kann vermutlich das Risiko für den Lungenkrebs senken. Das gilt nach den Ergebnissen zweier Studien in einem geringeren Maß auch für Raucher.

 

Ein hoher Verzehr von Nüssen kann vermutlich das Risiko für den Lungenkrebs senken. Das gilt nach den Ergebnissen zweier Studien in einem geringeren Maß auch für Raucher.

 

Nüsse sind gesund, das zeigten bereits mehrere Studien, in denen sie dazu beitrugen, die Risiken für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes zu verringern. Es gab einige Hinweise, dass Nüsse möglicherweise auch das Risiko für den Lungenkrebs vermindern können. Dies haben US-amerikanische Forscher anhand von zwei Studien näher untersucht. Ausgewertet wurden Daten der italienischen EAGLE-Studie (Environment and Genetics in Lung Cancer Etiology), an der 2.000 Patienten mit Lungenkrebs und dazu 2.000 Gesunde in einer Kontrollgruppe teilnahmen. Einbezogen wurden weiter Daten aus der US-amerikanischen NIH-AARP-Studie (National Cancer Institute American Association of Retired Persons), einer großen Bevölkerungsstudie zur Ernährung und Gesundheit mit Daten von fast 500.000 älteren Teilnehmern.

 

Im Lauf dieser Langzeitstudie erkrankten rund 18.500 Teilnehmer an Lungenkrebs. In beiden Studien wurde u.a. die Häufigkeit des Verzehrs von Nüssen untersucht. Einbezogen waren Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln und Erdnüsse. Die Teilnehmer gaben jeweils an, ob sie Nüsse täglich, d.h. ein- oder mehrmals aßen oder ob sie Nüsse seltener oder auch niemals verzehrten. Je nach der Höhe des Nusskonsums wurden die Teilnehmer in Gruppen von sehr geringem bis zu einem sehr hohen Verzehr von Nüssen eingeteilt. Der Nussverzehr wurde dann zu den Vorkommen von Lungenkrebs in Beziehung gesetzt. Es zeigte sich, dass beim höchsten Verzehr von Nüssen das Risiko für den Lungenkrebs in der EAGLE-Studie um 26 %, in der NIH-AARP-Studie um 14 % sank. Dies galt im Vergleich zu den Teilnehmern, die Nüsse nur sehr gering oder nie aßen. Die Beziehung war in einem etwas geringeren Maß auch bei den Rauchern vorhanden. Am stärksten profitierten Raucher vom Nussverzehr, die täglich eine bis zu maximal 20 Zigaretten pro Tag rauchten.

 

Die Forscher vermuten, dass in Nüssen der hohe Gehalt an Substanzen, die vor dem oxidativen Stress schützen können, diesen Zusammenhang erklären könnte. Nüsse enthalten reichlich Omega-3-Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren, besonders Ölsäure, die antientzündlich wirken können. Sie enthalten dazu viele sekundäre Pflanzenstoffe, Polyphenole, Phytoöstrogene und Flavonoide, die antioxidativ wirken und dadurch die Karzinogenese (Krebsentstehung) hemmen könnten. Weiter vorhanden sind Inositol, Magnesium und Selen, die möglicherweise ebenfalls antikarzinogene Eigenschaften haben. Dabei könnten die enthaltenen pflanzlichen Substanzen mit den Antioxidantien möglicherweise synergistisch wirken und gemeinsam zur Verringerung von oxidativen Schäden beitragen.

 

Quelle:
Jennifer T. Lee et al., Nut Consumption and Lung Cancer Risk: Results from Two Large Observational Studies. In: Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention Vol. 26, Nr. 6, 2017, S. 826-36, doi: 10.1158/1055-9965.EPI-16-0806.


Ein konzentrierter Extrakt aus Broccoli-Sprossen kann vermutlich Patienten mit Diabetes (Typ 2) helfen, ihren Blutzucker besser zu kontrollieren.

 

Ein konzentrierter Extrakt aus Broccoli-Sprossen kann vermutlich Patienten mit Diabetes (Typ 2) helfen, ihren Blutzucker besser zu kontrollieren.

 

Der Diabetes Typ 2 ist weltweit stark verbreitet. Viele Patienten können mit dem antidiabetischen Medikament Metformin behandelt werden. Es hemmt in der Leber die Bildung von Glukose (Glukoneogenese) und senkt auf diese Weise den Blutzucker. Für rund 15 % der Betroffenen ist dieses Medikament jedoch nicht geeignet, weil eine Störung ihrer Nierenfunktionen das Risiko für eine Laktatazidose (sinkender pH-Wert im Blut durch zu viel Milchsäure bzw. Laktat) erhöht. Auch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, z.B. mit Übelkeit oder Diarrhö, können eventuell die Einnahme von Metformin bei einigen Patienten beeinflussen. Ein schwedisches Forscherteam suchte daher nach Wirkstoffen, mit denen die Glukoneogenese gehemmt werden kann. Dafür analysierten sie zunächst die genetische Krankheitssignatur, d.h. sie bestimmten 50 Gene, die beim Diabetes besonders aktiv sind.

 

Im nächsten Schritt prüften sie den Einfluss von 3.852 Wirksubstanzen auf die so ermittelte „Diabetes-Gensignatur“, um die größtmögliche Übereinstimmung zwischen beiden zu finden mit der Perspektive, die Krankheitsentwicklung zu hemmen. Das gelang am deutlichsten bei Sulforaphan, ein sekundärer Pflanzenstoff, der in Kohlgemüse, vor allem im Broccoli, enthalten ist. Einige experimentelle Studien zeigten bereits, dass Sulforaphan die Glukosebildung, z.B. durch die Hemmung von Schlüssel-Enzymen, in den Leberzellen verringern kann.

 

Die Forscher prüften danach in einer kleinen Studie, ob Sulforaphan bei Diabetes-Patienten wirksam ist. Daran nahmen 97 Patienten teil, deren Diabetes (Typ 2) bei fast allen bereits mit Metformin behandelt wurde. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt 12 Wochen lang einen Extrakt aus Broccoli-Sprossen, woraus im Lauf der Verdauung Sulphoraphan freigesetzt wird. Die andere Gruppe nahm zur Kontrolle nur ein Placebo ein. Tatsächlich konnte in der Gruppe mit dem Broccoli-Extrakt der Blutzucker bei den Patienten gesenkt werden. Sie konnten ihre Werte für glykiertes Hämoglobin (HbA1c) verringern, das man auch als „Blutzuckergedächtnis“ bezeichnet, weil es die Beurteilung des Stoffwechsels der letzten Wochen ermöglicht. Die Patienten konnten außerdem ihre Werte für den Nüchtern-Blutzucker verbessern. Am besten profitierten von Sulforaphan Patienten mit einem starken Übergewicht, die trotz der Metformin-Behandlung einen schlecht regulierten Diabetes (Typ 2) hatten.

 

Für die Forscher eröffnet sich mit diesen Ergebnissen eine neue Perspektive für Diabetes-Patienten (Typ 2). Sulforaphan könnte auf eine relativ einfache Weise dazu beitragen, den Blutzucker zu senken. Das könnte möglicherweise auch eine Alternative für die Diabetes-Patienten sein, die Metformin nicht gut vertragen.

 

Unser Tipp: Broccoli-Extrakte gibt es mit Sulforaphan in guter Qualität auch als Nahrungsergänzungen.

 

Quelle:
Annika S. Axelsson et al., Sulforaphane reduces hepatic glucose production and improves glucose control in patients with type 2 diabetes. In: Science Translational Medicine Vol. 9, Nr. 394, 2017, doi: 10.1126scitranslmed.aah4477.