Mit gesunder Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nach Brustkrebs verringern

 

Patientinnen mit Brustkrebs sollten nach ihrer Therapie auf eine gesunde Ernährung achten. Das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöht sich durch Therapien, die auch das Herz belasten können. Gesunde Ernährungsweisen tragen dazu bei, dieses Risiko zu senken, wie eine neue Studie zeigt.

 

Der Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland wird die Diagnose pro Jahr bei rund 70.000 Frauen neu gestellt. Das Krankheits-Risiko steigt mit zunehmendem Alter an, mit einem Schwerpunkt im 6. und 7. Lebensjahrzehnt. Rechtzeitig erkannt und behandelt sind heute die meisten Brustkrebs-Erkrankungen heilbar. Danach können jedoch Herz-Kreislauf-Krankheiten zu einem wichtigen Gesundheitsproblem werden, da Frauen mit Brustkrebs ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten haben. Das lässt sich vermutlich auf die das Herz belastenden Krebstherapien und auf gemeinsame Risikofaktoren von Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten zurückführen.

 

In den letzten zehn Jahren zeigte eine wachsende Zahl von Studien, dass Brustkrebs-Patientinnen, die sich gesünder ernähren, tendenziell ein geringeres Risiko für weitere Krebskrankheiten und allgemein bessere Lebensperspektiven haben. Dabei ist jedoch bisher die Beziehung zwischen der Qualität der Ernährung und kardiovaskulären Krankheiten nicht genau geklärt. Eine Gruppe US-amerikanischer Forscher untersuchte erstmals in einer Studie, ob eine gesündere Ernährung zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden ist. Sie nutzten dafür Daten der Pathways-Studie, eine (prospektive) Bevölkerungsstudie mit Frauen, bei denen Brustkrebs im Zeitraum von 2005 bis 2013 erstmals festgestellt wurde und die zuvor nicht von anderen Krebskrankheiten betroffen waren.

 

Ausgewertet wurden die Daten von 3.415 Teilnehmerinnen (21 bis 94 Jahre, im Durchschnitt 60 Jahre) aus Kalifornien. Bei allen Frauen wurden zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose Befragungen zur Ernährung durchgeführt. Daraus wurde ihre Ernährungsqualität bzw. die Anpassung an verschiedene gesunde Ernährungsweisen anhand von 5 Kriterien ermittelt. Sie zeichneten sich durch einen hohen Verzehr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten und den geringen Verzehr von rotem und verarbeiteten Fleisch aus. Für diese Ernährungsweisen wurde nachgewiesen, dass sie das Risiko für Herzerkrankungen in der Allgemeinbevölkerung senken. Einbezogen waren die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension), der gesunde, pflanzenbasierte Ernährungs-Index, der Healthy Eating Index (HEI, Empfehlungen des US-Landwirtschaftsministeriums), die Ernährungs-Leitlinie der „American Cancer Society“ zur Krebsprävention und der alternative mediterrane Ernährungs-Index. Speziell die DASH- und die mediterrane Ernährung haben sich zur Prävention und Therapie von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Krankheiten bewährt.

 

Nach Anpassung der Daten, z. B. an Alter, Gewicht und Körperaktivität etc., zeigten die Auswertungen, dass Teilnehmerinnen, deren Ernährung in hohem Maße mit dem Qualitätsindex der DASH-Diät übereinstimmten, ein geringeres Risiko für die Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen und venöse Thromboembolien (Verschluss von Blutgefäßen durch Blutgerinnsel) hatten. Weiter hatten Frauen, deren Ernährung besser mit dem DASH-Qualitätsindex übereinstimmte und die bestimmte Krebsmedikamente (Anthrazyklin mit/ohne Trastuzumab) erhielten, ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Frauen, deren Ernährung weniger gut mit dieser Diät übereinstimmte. Das zeigt, dass vermutlich auch die Art der jeweiligen Krebstherapie und die Ernährung die kardiovaskulären Krankheitsrisiken beeinflussen können. Weitere Zusammenhänge wurden zwischen dem Index der gesunden pflanzlichen Ernährung und Herzinsuffizienz sowie zwischen dem Index der alternativen mediterranen Ernährung und Herzrhythmusstörungen beobachtet. Beim HEI-Index oder der Ernährungs-Leitlinie für die Krebsprävention und spezifischen Ergebnissen in Bezug auf kardiovaskuläre Krankheiten zeigten sich keine klaren Muster, obwohl eine höhere Übereinstimmung mit der Ernährungs-Leitlinie für die Krebsprävention mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko verbunden war. Die Ergebnisse zur Ernährungsqualität bei Herz-Kreislauf-Krankheiten durch Strahlen- und endokrine Therapien waren nicht einheitlich bzw. zeigten nur Trends auf. Hier werden weitere Untersuchungen empfohlen.

 

Untersucht wurden auch einzelne Lebensmittel-Komponenten innerhalb jedes Ernährungsqualitäts-Indexes in Bezug auf die kardiovaskulären Krankheiten. Die stärkste Verbindung zeigte sich bei einem höheren Milchkonsum (fettarme Milchprodukte bei der DASH-Diät) und für Milchprodukte insgesamt beim Index für die gesunde pflanzliche Ernährung und für HEI, die mit einem geringeren Risiko für durch kardiovaskuläre Krankheiten bedingte Todesfälle verbunden waren. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit einer kürzlich durchgeführten Meta-Analyse, die darauf hindeutet, dass der Verzehr von Milchprodukten insgesamt (fettarm und fettreich) das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle in der Allgemeinbevölkerung verringert.

Weiter war ein geringerer Verzehr von Eiern und Fischen mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden, während ein höherer Verzehr von Hülsenfrüchten und ein geringerer Fleischverzehr das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten beim gesunden pflanzenbasierten Ernährungs-Index verringerte. Bei der alternativen mediterranen Diät war ein geringerer Konsum von rotem und stark verarbeiteten Fleischwaren mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden. Bei den Ernährungs-Leitlinien für die Krebsprävention war der höhere Verzehr von Obst und Gemüse mit einem geringeren Risiko für durch kardiovaskuläre Krankheiten bedingte Sterbefälle verbunden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Brustkrebs-Patientinnen, die sich gesund ernähren, können ihr durch verschiedene Krebstherapien erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten verringern. Dabei könnte die DASH-Diät, die vor allem bei Bluthochdruck empfohlen wird, den größten Nutzen bieten. Das gilt besonders für Brustkrebs-Patientinnen, die eine Chemotherapie erhalten, die sich für das Herz als sehr belastend auswirken kann.

 

Unser Tipp: 

Eine Reihe von Mikronährstoffen, Vitamine, Mineralien etc., unterstützen die Herz-Kreislauf-Funktionen. Dazu werden spezielle Kombinationen von herzgesunden Mikronährstoffen angeboten. Bei Krebskrankheiten sollten sie in Abstimmung mit den behandelnden Therapeuten angewendet werden.

 

Quelle: 
Isaac J. Ergas et al., Diet quality and cardiovascular disease risk among breast cancer survivors in the Pathways Study. In: JNCI Cancer Spectrum, online 17.4.2024, doi: 10.1093/jncics/pkae013.


Kardiometabolische Krankheiten und Eisen bei Frauen in der Menopause

 

Zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede in Bezug auf die Verbreitung und Risikofaktoren der kardiometabolischen Erkrankungen, die sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch den Stoffwechsel betreffen. Das gilt besonders für Frauen in der Menopause. Neuere Ansätze zeigen, dass der Eisenspiegel dabei eine wichtige Rolle spielen könnte.

 

Die Existenz und Erforschung biologischer Geschlechtsunterschiede ist in verschiedenen medizinischen Bereichen ein wichtiges Thema, das gilt vor allem für kardiometabolische Erkrankungen. Zu ihnen gehören die Herz-Kreislauf-Krankheiten und der Typ-2-Diabetes. Zusammen mit den begleitenden Risikofaktoren wie Adipositas (starkes Übergewicht, BMI ab 30), Fettstoffwechselstörungen, Entzündungen und Lebensstil-Risikofaktoren weisen sie deutliche geschlechtsspezifische Muster auf. Zahlreiche Bevölkerungsstudien zeigten, dass Frauen vor der Menopause im Vergleich zu Männern eine geringere Rate an kardiometabolischen Erkrankungen aufweisen. Dieser Unterschied verringert sich jedoch tendenziell nach der Menopause, doch die Mechanismen dafür sind nach wie vor nicht geklärt.

 

Die am häufigsten angeführte Hypothese bezieht sich auf den Östrogen-Status, wobei Östradiol (gehört zur Gruppe der Östrogene) bei Frauen als herzschützend angesehen wird. Der altersbedingte Rückgang des Östrogen-Spiegels bei Frauen, während und nach der Menopause, wurde als Erklärung für den starken Risikoanstieg für den Typ-2-Diabetes und die kardiovaskulären Krankheiten vorgeschlagen. Dies wurde durch Beobachtungsstudien gestützt, die eine Beziehung zwischen höheren Androgen- und niedrigeren Östrogen-Spiegeln und stärkeren kardiovaskulären Risikofaktoren bei Frauen nach der Menopause aufzeigen. Das gilt z. B. für einen erhöhten Blutdruck, erhöhte Werte des C-reaktiven Proteins (CRP, Marker für Entzündungen) und die erhöhte Insulinresistenz. An dieser Hypothese tauchen nun einige Zweifel auf, möglicherweise spielen bei den kardiometabolischen Krankheiten in der Menopause die Veränderungen im Eisenstatus der Frauen eine wichtige Rolle.

 

Der Eisenstoffwechsel ist zwischen den Geschlechtern verschieden und variiert auch in den verschiedenen reproduktiven Lebensphasen der Frauen. Eine Gruppe von Forschern aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland stellte dazu die aktuellen Kenntnisse vor. Sie fassen die geschlechtsspezifischen Unterschiede zusammen, zeigen den Beitrag der Menopause zur Entwicklung kardiometabolischer Krankheiten und die sich abzeichnende Rolle von Eisen als einem komplementären Signalweg.

 

Das Spurenelement Eisen ist für die Entwicklung und das Überleben der Zellen unerlässlich. Es ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener Enzyme, die an vielen biologischen Prozessen, wie z. B. Sauerstofftransport, zelluläre Energieproduktion, DNA-Synthese und -Reparatur, beteiligt sind. 20 bis 25 mg Eisen sind pro Tag notwendig, um den Eisenbedarf für die Bildung roter Blutkörperchen (Erythropoese) und den Zellstoffwechsel zu decken. Der größte Teil wird dafür aus dem Recycling von gestörten (seneszenten) Erythrozyten gewonnen, nur 1 bis 2 mg pro Tag stammen aus der Darm-Absorption. Der tägliche Eisenverlust beträgt etwa ein bis zwei Milligramm, vorwiegend durch Abschuppung von Epithelzellen der Haut und des Darms sowie durch geringe Blutverluste, die durch Nahrungsquellen und intestinale Absorption ausgeglichen werden können. Eisen kann nicht im Körper synthetisiert werden und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden.

 

Gute Quellen für Hämeisen aus tierischen Produkten sind Eier, Leber, rotes Fleisch, und für Nicht-Hämeisen Spinat und andere pflanzliche Quellen. Tierische Lebensmittel haben eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit von Eisen als pflanzliche Lebensmittel (30 % gegenüber weniger als 10 %). Körperliche Bedingungen, die bei Frauen den Eisenverlust erhöhen, wie die Menstruation und Stillzeit, werden durch die erhöhte Aufnahme von bis zu 3 mg Eisen pro Tag kompensiert. Zwischen den Geschlechtern gibt es im Lauf des Lebens erhebliche Unterschiede im Eisengehalt. Die Ferritin-Werte (Speicherprotein für Eisen) im Serum sind ab dem Alter von drei Jahren bis etwa zur Jugendzeit relativ konstant und zwischen den Geschlechtern ähnlich. Bei Männern steigen die Eisenspeicher dann an und bleiben bis zum Alter von 70 Jahren konstant, danach nehmen sie ab. Bei Frauen sind die Eisenspeicher von der Jugendzeit an bis zur Menopause niedriger als bei Männern, danach steigen sie aufgrund des Ausbleibens der Menstruation an.

 

Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Eisen zu einem geringeren kardiometabolischen Risiko beitragen kann, indem es die Prozesse des oxidativen Stresses und Entzündungs-Reaktionen beeinflusst. Der bei Frauen in der Menopause erhöhte Eisenspiegel führt möglicherweise dazu, das Risiko für kardiometabolische Krankheiten zu erhöhen. Experimentelle Untersuchungen zeigten, dass ein erhöhter Eisenstatus mit der Entwicklung von Typ-2-Diabetes und verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt. In Bevölkerungsstudien wurden immer wieder Verbindungen zwischen der Aufnahme von Hämeisen (aus tierischen Quellen) und einigen Eisen-Biomarkern, z. B. Ferritin und Transferrinsättigung (Wert zur Beurteilung des Eisenstoffwechsels), mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes festgestellt. Dagegen sind die Nachweise für einen Zusammenhang mit den kardiometabolischen Krankheiten noch umstritten.

 

Die Rolle des Eisen-Stoffwechsels, der sich bei Frauen in den Wechseljahren erheblich verändert, erweist sich jedoch zunehmend als ein überzeugender Faktor, der zu diesen epidemiologischen Mustern beitragen könnte. Dies stützt sich auf die Beobachtung, dass die Menstruation bei Frauen zu Beginn der Menopause noch ein wichtiger Faktor für den Eisenverlust ist. Das Ausbleiben der Menstruation wirkt sich vermutlich auf den Anstieg des Eisenstatus und der kardiometabolischen Risikofaktoren aus. Lässt sich dies in weiteren Untersuchungen bestätigen, so könnte diese Sichtweise über den Einfluss von Eisen das Verständnis der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den kardiometabolischen Erkrankungen revolutionieren. Ein tieferes Verständnis, wie sich die Eisen-Biomarker mit dem Geschlecht und Menopausen-Status unterscheiden, könnte möglicherweise auch neue therapeutische Interventionen ermöglichen und neue Strategien für die öffentliche Gesundheit eröffnen.

 

Unser Tipp:

Eisen wird zur Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen einzeln und in verschiedenen Multi-Präparaten angeboten, dabei sollte auf eine gute Verträglichkeit sowie Bioverfügbarkeit geachtet werden.

 

Quelle:
Noushin Sadat Ahanchi et al., The complementary roles of iron and estrogen in menopausal differences in cardio metabolic outcomes. In: Clinical Nutrition, online 3.4.2024, doi: 10.1016/j.clnu.2024.03.026.


Die gute Ernährung senkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Krankheiten

 

Es gibt deutliche Beziehungen zwischen einzelnen ernährungsabhängigen Faktoren und kardiovaskulären Erkrankungen. Sie wurden in Europa und Eurasien anhand einer großen Krankheitsstudie (Global Burden of Disease) von 1990 bis 2019 untersucht.

 

Die „Global Burden of Disease“-Studie ist die umfassendste, weltweit durchgeführte Bevölkerungsstudie. Seit 1990 und fortlaufend bis heute werden gesundheitliche Entwicklungen beobachtet und ausgewertet. Unter den chronischen Krankheiten sind die Herz-Kreislauf-Krankheiten weltweit am häufigsten verbreitet und in den letzten Jahren deutlich angestiegen, daran haben ischämische Herzkrankheiten und Schlaganfälle den größten Anteil. Ein hoher systolischer Blutdruck (oberer Wert) und ernährungsabhängige Faktoren gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren. Eine gesunde Ernährung kann dazu beitragen, ernährungsabhängigen Krankheiten, einschließlich der Herz-Kreislauf-Krankheiten, vorzubeugen. Das wird mit dem reichlichen Verzehr von Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten erreicht, die viele essentielle Nährstoffe enthalten und reichlich Ballaststoffe liefern. Dazu gehört auch, dass in der Ernährung die Aufnahmen von freiem Zucker (<10 % der Gesamt-Energiezufuhr/Tag) und von Salz (<5 g/Tag) beschränkt werden.

 

Statt gesättigter Fettsäuren und Transfetten sollten die ungesättigten Fettsäuren aus pflanzlichen und marinen Quellen (z. B. Omega-3-Fettsäuren) bevorzugt werden. Die langfristige Nicht-Einhaltung dieser Empfehlungen belastet die Gesundheit und erhöht das Risiko für chronische Krankheiten. Eine Gruppe deutscher Forscher prüfte anhand eines Teils der „Global Burden of Disease“-Studie die Beziehungen zwischen 13 bekannten Ernährungsrisiken und 13 Arten von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Dabei wurde eine neue Berechnungsmethode für alle relevanten Ergebnisse ab 1990 angewendet, um die Daten nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu beurteilen. Einbezogen waren Länder der europäischen Region, hinzu kamen Länder aus Eurasien (u. a. Armenien, Aserbaidschan, Israel, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Usbekistan). 2019 starben in den insgesamt 54 beteiligten Ländern 1,55 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten.

 

Die 27 Länder der EU kamen auf 600.000 (vorzeitige) Todesfälle, die auf eine unzureichende Ernährung zurückgeführt wurden (16,4 % aller und 36,7 % der kardiovaskulären Todesfälle). Innerhalb Westeuropas lag Deutschland bei den ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten mit rund 112.600 Todesfällen an der Spitze, mit einem Anteil an den gesamten Todesfällen von 31 %. Die große Mehrzahl dieser Fälle war mit der ischämischen Herzkrankheit (z. B. Erkrankungen der Herzkranzgefäße) verbunden (80 %). Sie war in allen Ländern die häufigste Todesursache, dann folgen Schlaganfälle und die hypertensive Herzkrankheit (unkontrollierter Bluthochdruck). 

In Bezug auf einzelne belastende Ernährungs-Faktoren steht zu viel Salz an erster Stelle, die stark salzhaltige Ernährung nimmt weltweit zu. Eine geringe Salzaufnahme bleibt ein wichtiger Faktor für die Prävention der ernährungsabhängigen Krankheiten. Angestrebt werden sollte eine verringerte durchschnittliche Salzaufnahme in der Bevölkerung von 30 %. Es ist dabei auch wichtig, den Salz-, Zucker- und Fettgehalt von Lebensmitteln zu verbessern und den Verzehr von ultraverarbeiteten Lebensmitteln zu senken. Gleichzeitig sollte in der Ernährung generell der Schwerpunkt auf den gesteigerten Konsum gesundheitsfördernder Lebensmittel gelegt werden. Trotz ähnlicher Probleme überall auf der Welt wurden in dieser Studie auch jedes Land und jede Region einzeln betrachtet, um festzustellen, welche Maßnahmen am besten wirken und wo jeweils die spezifischen Ernährungsprobleme liegen.

 

Die größte Wirkung zur Senkung der ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten könnte mit einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten erreicht werden. Dabei liegt der Risiko-Schwerpunkt auf drei Faktoren: eine an Vollkornprodukten und an Hülsenfrüchten zu arme sowie zu salzreiche Ernährung. Zusammen sind diese Faktoren für 48% der ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten im europäischen Großraum verantwortlich. Für Deutschland ist die Empfehlung von mehr Hülsenfrüchten und pflanzlichen Lebensmitteln in den neuen Ernährungs-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) ein wichtiger Schritt zu einer verbesserten Gesundheit der Bevölkerung und zur Prävention von Stoffwechsel-Krankheiten. Der Anteil dieser Produkte sollte in der individuellen Ernährung ebenso wie in den Angeboten der Gemeinschaftsverpflegung angepasst und erhöht werden. Nicht einbezogen waren in dieser Studie im übrigen der oft zu hohe Konsum von Alkohol, die häufig zu hohe Energiezufuhr mit Übergewicht als Folge und die Vorkommen des Typ-2-Diabetes, der das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöht. Damit wird deutlich, dass die tatsächliche Zahl der ernährungsabhängigen Herz-Kreislauf-Krankheiten und der damit verbundenen Todesfälle mit einem erweiterten Blick noch weit höher liegt.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Mit einem von sechs Todesfällen im großeuropäischen Gebiet sind die Herz-Kreislauf-Krankheiten aufgrund einer suboptimalen Ernährung ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Gemessen an der Gesamtzahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist mehr als jeder dritte Todesfall auf die Ernährung zurückzuführen. Eine herzgesunde Ernährung ist neben anderen verhaltensbedingten Risiken einer der wichtigsten Faktoren für die Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten und davon abhängigen vorzeitigen Todesfällen. Dazu tragen besonders ein geringer Salzkonsum und der erhöhte Verzehr von Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten bei. Verbesserte Ernährungsweisen sind eines der wirksamsten Mittel der Prävention und Gesundheitsförderung. Die Ergebnisse der Studie zeigen das große vorbeugende Potential einer ausgewogenen Ernährung für die Herzgesundheit, mit dem viele vorzeitige Todesfälle im europäischen Großraum verhindert werden könnten.

 

Unser Tipp:

Eine gesunde, pflanzenbetonte Ernährung unterstützt mit vielen Mikronährstoffen auch die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Gute Kombinationen von herzgesunden Mikronährstoffen können die kardiovaskulären Funktionen unterstützen.

 

Quelle:
Theresa Pörschmann et al., Cardiovascular mortality attributable to dietary risk factors in 54 countries in the WHO European Region from 1990 to 2019: an updated systematic analysis of the Global Burden of Disease Study. In: European Journal of Preventive Cardiology, online 15.4.2024, doi: 10.1093/eurjpc/zwae136.


Grüntee-Extrakte beeinflussen die Körperzusammensetzung

 

Der grüne Tee ist ein weltweit beliebtes Getränk und besitzt eine Reihe von gesundheitsfördernden Eigenschaften, er wird daher auch zur Nahrungsergänzung und als Heilkraut verwendet. Neu bewertet wurden jetzt die Wirkungen des grünen Tees auf die Körperzusammensetzung und die antioxidative Kapazität.

 

Beim grünen Tee (Camellia sinensis) werden die Blätter im Vergleich zum schwarzen Tee nicht fermentiert (oxidiert). Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören die Catechine (sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole), die gesundheitsfördernde Wirkungen haben, das gilt besonders für das Epigallocatechingallat. Hinzu kommen weitere Inhaltsstoffe, darunter Aminosäuren und eine Reihe von Mikronährstoffen (z. B. Vitamin B2, Nicotinamid, Kalzium, Magnesium, Carotin). Forschungen deuten darauf hin, dass die Einnahme von Grüntee-Extrakten bei einer Reihe von Erkrankungen vorteilhaft sein kann, das gilt beispielsweise für Herz-Kreislauf-Krankheiten, aber auch für verschiedene Krebsarten und Lebererkrankungen. Diese Wirkungen werden vor allem auf den Gehalt von Antioxidantien (Flavonoide, Polyphenole, Catechine) im Grüntee zurückgeführt. Untersucht wurden auch die Auswirkungen des grünen Tees auf die (anthropometrische) Zusammensetzung des Körpers, den oxidativen Stress und die mit dem Übergewicht in Verbindung stehenden Hormone. Doch dazu sind die Ergebnisse bisher nicht immer schlüssig. Eine Gruppe iranischer Forscher stellte die aktuellen Kenntnisse über die Beziehung zwischen der Körperzusammensetzung und Grüntee-Extrakten vor und führte dazu auch eine Metaanalyse durch.

 

Die Forscher prüften die Wirkungen von Ergänzungen mit dem grünen Tee auf wichtige Merkmale der Körperzusammensetzung. Dazu gehören die Körper- und Fettmasse, der Körperfettanteil, der Body Mass Index, der Taillenumfang sowie die mit der Adipositas (starkes Übergewicht) verbundenen Hormone (Leptin, Adiponektin, Ghrelin). Weiter untersucht wurden der Einfluss des oxidativen Stresses und die gesamte antioxidative Kapazität des Körpers. Nach einer umfassenden Recherche in den relevanten Datenbanken konnten die Forscher schließlich 59 (randomisiert kontrollierte) Studien mit rund 3.800 Teilnehmern in eine Metaanalyse einbeziehen. Die Auswertungen zeigten, dass sich die Fettmasse, der Körperfettanteil, der Body Mass Index und Malondialdehyd (Biomarker für oxidativen Stress) nach Ergänzungen mit dem grünen Tee verringerten. Darüber hinaus erhöhten die Grüntee-Ergänzungen das Gewebshormon Adiponektin. Dieses hat eine Reihe von Wirkungen im Lipid- und Glukose-Stoffwechsel und auch für die gesamte antioxidative Kapazität des Körpers. Dagegen zeigten sich auf die Fettmasse sowie auf die Hormone Leptin und Ghrelin, die an der Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühlen beteiligt sind, keine Wirkungen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ergänzungen mit dem grünen Tee verringern den oxidativen Stress, und sie können die Körpermasse, den Body Mass Index und den Körperfettanteil abschwächen, was sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Grüntee-Extrakte können als Nahrungsergänzungen außerdem die gesamte antioxidative Kapazität des Körpers und das Hormon Adiponektin erhöhen.

 

Unser Tipp: 

Nahrungsergänzungen mit Grüntee-Extrakten und Phytosomen (Verbindung von pflanzlichen Extrakten mit Phosphatidylcholin, dem Hauptbestandteil der Zellmembranen) werden besser resorbiert und sind besonders gut bioverfügbar.

 

Quelle:
Omid Asbaghi et al., The effects of green tea extract supplementation on body composition, obesity-related hormones and oxidative stress markers: a grade-assessed systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials. In: British Journal of Nutrition, Vol. 131, Nr. 7, 2024, S. 1125-1157, doi: 10.1017/S000711452300260X.


Pflanzliche Mikronährstoffe für die Augengesundheit

 

Heidelbeeren enthalten eine Reihe gesunder Pflanzenstoffe, darunter Anthocyane und Xantophyll-Carotinoide. Sie können die Gesundheit der Augen stärken und zum Schutz vor altersbedingten Augenkrankheiten beitragen.

 

Eine an Obst und Gemüse reiche Ernährung wird mit einer verbesserten Gesundheit und dem geringeren Risiko für viele Krankheiten verbunden. Bestimmte Obst- und Gemüse-Sorten haben durch ihre enthaltenen Mikronährstoffe einen speziellen Nutzen. Bei Augenkrankheiten, die mit dem höheren Alter verbunden sind, vor allem der Katarakt (grauer Star) und die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), zeigten sich Beziehungen zu den Aufnahmen von Carotinoiden und sekundären Pflanzenstoffen. Erforscht wurden Maßnahmen für ein verbessertes Sehen und die Vorbeugung vor Sehkraft-Verlusten. Dazu gehört eine gesündere Ernährung, die mit wichtigen, augenfreundlichen Mikronährstoffen oder mit Nahrungsergänzungen die Augengesundheit stärkt. Dabei können besonders die Inhaltsstoffe von Heidelbeeren nützlich sein. Sie sind u. a. eine gute Quelle für Vitamin C und vor allem von Anthocyanen (sekundäre Pflanzenstoffe), die starke antioxidative Eigenschaften haben. Sie können zur Vorbeugung vor dem oxidativen Stress beitragen, der mit der Entstehung altersbedingter Augenerkrankungen verbunden wird. Doch es gibt bisher nur wenige Langzeitstudien, in denen Heidelbeeren und Anthocyane beim Katarakt und der AMD untersucht wurden.

 

Eine weitere Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe in Heidelbeeren sind die Xanthophyll-Carotinoide, dazu gehören Lutein, Zeaxanthin und meso-Zeaxanthin (Stereoisomer von Zeaxanthin). Sie sind für die Erhaltung von Strukturen und Funktionen der Netzhaut wichtig. Xantophylle sind vor allem in der Makula (gelber Fleck der Netzhaut) vorhanden und schützen die Fovea (Sehgrube, Bereich des schärfsten Sehens), indem sie antioxidativ wirken und blaues Licht absorbieren, bevor es andere Makula-Bereiche erreichen kann. Das verringert oxidative Schäden und das Risiko für Augenkrankheiten. Xantophylle unterstützen die Augengesundheit auch durch eine verringerte Bildung von Lipofuszin (im Alter häufiger gebildetes fetthaltiges Pigment), das zur Lipidperoxidation und zum Absterben der Pigment-Epithelzellen der Netzhaut führt. In Bevölkerungsstudien wurde eine hohe Zufuhr von Xantophyllen mit einem geringeren Risiko für AMD und Katarakt in Verbindung gebracht. Studien mit Lutein- und Zeaxanthin-Ergänzungen zeigten eine erhöhte optische Dichte des Makulapigments (MOPD) bei Patienten mit AMD, Katarakt und Glaukom (grüner Star). Es scheint, dass Xanthophyll für die strukturelle Augenintegrität wichtig ist sowie das Risiko für degeneriertes Makula- und Linsengewebe senken kann. Die Beziehungen zur Augengesundheit von Anthocyanen und Xantophyllen wurden in zwei Studien näher untersucht.

Eine Gruppe US-amerikanischer Forscher prüfte in einer (prospektiven) Studie den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Heidelbeeren und Anthocyanen und dem Auftreten von Katarakt und AMD bei Frauen ab dem mittleren Alter. Beteiligt waren rund 72.000 Frauen (Alter ≥45 Jahren) aus der „Women's Health Study“, einer Langzeitstudie seit den 1990er Jahren zur Prävention von Herz-Kreislauf- und Krebs-Krankheiten. Sie waren anfangs weder vom Katarakt noch von der AMD betroffen und konnten über mehr als ein Jahrzehnt weiter beobachtet werden. Geprüft wurde die Häufigkeit ihres Verzehrs von Heidelbeeren, der wurde als keine, ein bis drei Portionen pro Monat, eine Portion pro Woche oder mehrere Portionen pro Woche eingestuft. Generell war der Verzehr von Heidelbeeren eher gering: 64,8 %, der Frauen aßen sie nicht, 24,7 % verzehrten sie ein- bis dreimal pro Monat, 8,4 % aßen sie einmal pro Woche, und nur 2,1 % konsumierten mindestens zwei oder mehr Portionen pro Woche. Für alle Frauen wurden die Gesamt-Aufnahmen von Anthocyanen (samt wichtiger Unterklassen) berechnet.

 

Ein höherer Verzehr von Heidelbeeren ließ die Menge an Anthocyanen ansteigen. Das basierte vermutlich nicht nur auf dem höheren Verzehr von Heidelbeeren, sondern auch auf dem von Obst und Gemüse und anderer Quellen. Die Daten wurden zu den Vorkommen von Katarakt und AMD in den elf Jahren der Beobachtung in Beziehung gesetzt. Dabei war selbst ein bescheidener Verzehr von Heidelbeeren (≥1 Portion/Woche) signifikant mit einem geringeren Risiko für das Auftreten der AMD verbunden. Ein ähnlicher Zusammenhang bestand für die AMD mit deutlicher Seheinschränkung, da zeigte sich aufgrund geringerer Fallzahlen jedoch nur ein (signifikant linearer) Trend. Der Verzehr von Heidelbeeren war dagegen nicht mit dem Katarakt verbunden.

Forscher aus Singapur untersuchten in einer Metaanalyse relevante Studien zur Wirkung von Xantophyllen mit der Aufnahme aus der Nahrung und Nahrungsergänzungen auf die Sehleistung von Erwachsenen. Sie machten dazu auch eine Subgruppen-Analyse, um die Reaktionen auf die Sehleistung bei Personen mit gesunden und erkrankten Augen zu prüfen. Nach einer umfassenden Recherche wurden 43 (randomisierte, kontrollierte) Studien ausgewertet, davon wurden 25 in die Metaanalyse einbezogen. In Bezug auf die Xanthophyll-Zufuhr wurden fünf wichtige visuelle Ergebnisse (MPOD, Sehschärfe, Erholung von Photostress, Kontrast- und Blendempfindlichkeit) analysiert. Der MPOD-Wert ist ein direktes Maß für die optische Dichte der (Xanthophyll-)Pigmente in der Makula und kann als Biomarker für Augenkrankheiten dienen. Das aufgenommene Xanthophyll wird von der Blutversorgung der Aderhaut durch das Pigment-Epithel zur Netzhaut transportiert, wo sich die Pigmente in höchster Dichte anreichern. Zusätzliche Einnahmen von Xanthophyll konnten die MPOD verbessern, dies könnte ein Hinweis auf die Wirksamkeit bei der Risikosenkung von Augenerkrankungen sein.

 

Xanthophyll verbesserte die MPOD unabhängig von einer Augenerkrankung und konnte auch die Erholungszeit nach Photostress verringern. Eine Subgruppen-Analyse ergab Verbesserungen bei Patienten mit Augenkrankheiten und bei Gesunden. Der stärkere MPOD-Anstieg bei Personen mit Augenkrankheiten kann auf niedrigere Ausgangswerte zurückgeführt werden. Eine verbesserte Sehschärfe wurde nur bei Personen mit einer aktiven Augenerkrankung beobachtet. Darüber hinaus wurde eine positive Beziehung zwischen den MPOD-Veränderungen und den Lutein-Spiegeln (im Serum) festgestellt.

 

Die Ergebnisse beider Studien deuten darauf hin, dass ein erhöhter Verzehr von Anthocyanen und Xanthophyll, die besonders reichlich in Heidelbeeren enthalten sind, die Augengesundheit stärken können. Das gilt, wie einige Ergebnisse zeigen, sowohl bei

 

Gesunden als auch bei Menschen mit Augenkrankheiten. Dabei spielt die Bioverfügbarkeit der sekundären Pflanzenstoffe eine Rolle, die in Nahrungsergänzungen verbessert werden kann.

 

Unser Tipp: 

Die Augengesundheit kann mit Heidelbeer-Extrakten samt ihren sekundären Pflanzenstoffen und mit wichtigen Vitaminen und Mineralien gut unterstützt werden. Sie tragen mit antioxidativen Fähigkeiten auch zum Schutz vor dem oxidativen Stress bei, der bei Augenkrankheiten eine Rolle spielt.

 

Quellen:
− Howard D. Sesso et al., Intake of Blueberries, Anthocyanins, and Risk of Eye Disease in Women. In: The Journal of Nutrition, Nr. 4, 2024, S. 1404-1413, doi: 10.1016/j.tjnut.2024.02.028.
− Weili Hu et al., Effect of xanthophyll-rich food and supplement intake on visual outcomes in healthy adults and those with eye disease: a systematic review, meta-analysis, and meta-regression of randomized controlled trials. In: Nutrition Reviews, Nr. 1, 2024, S. 34-46, doi: 10.1093/nutrit/nuad037. 


Mineralien beeinflussen den Menstruationszyklus

 

Eine gute Ernährung beeinflusst zusammen mit der Versorgung von wichtigen Mineralien die weibliche Fruchtbarkeit. Das gilt besonders für die Prozesse im Menstruationszyklus.

 

Im weiblichen Fortpflanzungs-System gehören die Hormonregulierung, die Funktion der Eierstöcke und des Eisprungs, die Gesundheit der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und die Regulation des oxidativen Stresses zu den Schlüsselfunktionen von Mineralien. Trotz des Interesses, die einigen Mikronährstoffen bei einer gestörten Fortpflanzung gilt, fehlte es bisher an einer umfassenden Übersicht, die sich mit den Wirkungen von Mineralien auf die weibliche Fruchtbarkeit und ihren Aufgaben im Menstruationszyklus befasst. Eine Gruppe österreichischer Forscher stellte nun die Kenntnisse dazu vor. Viele Lebensstil-Faktoren können den Menstruationszyklus und die Empfängnis erheblich beeinflussen, dazu gehören z. B. Gewicht, Stress, Rauchen, Alkoholkonsum, Umweltfaktoren und nicht zuletzt die Ernährung. Eine gesunde Ernährung kann mit einer guten Versorgung an Mikronährstoffen die Prozesse der Menstruation und Fortpflanzung fördern, sie bei einem Mangel aber auch beeinträchtigen.

 

Die Fortpflanzung wird durch Hormone reguliert, die Prozesse vom Einsetzen des Menstruationszyklus in der Pubertät bis zur Komplexität von Eisprung, Einnistung und Schwangerschaft steuern. Die Eierstöcke, mandelgroße Organe auf beiden Seiten der Gebärmutter, spielen eine zentrale Rolle für die gesunde Fortpflanzung. Zu ihren Hauptfunktionen gehören die Produktion von Eizellen für die Befruchtung und die Synthese von Schlüsselhormonen, vor allem Östrogen und Progesteron, die den Menstruationszyklus regulieren und eine Schwangerschaft unterstützen. Für die Einnistung des Embryos und die Schwangerschaft ist die von ihrer Schleimhaut umhüllte Gebärmutter von zentraler Bedeutung. In einem hochgradig koordinierten Zusammenspiel wird eine nährstoffreiche Umgebung für den Embryo geschaffen.

 

Für die optimale Gesundheit der weiblichen Fortpflanzungsorgane ist generell eine sorgfältige Regulierung der Mineralien sehr wichtig. Wir fassen hier die wichtigsten Funktionen zusammen, wobei unzureichende als auch übermäßige Werte eine Rolle spielen können. Zink ist für die Modulation des Insulin-Stoffwechsels, die Synthese von Steroidhormonen und die Kontrolle der Ovulationszyklen sehr wichtig. Es schützt den Embryo vor oxidativen Schäden und unterstützt das Zellwachstum im Endometrium. Ein Zinkmangel kann die Follikelreifung stören und zur unregelmäßigen Menstruation führen, während ein Zinküberschuss prooxidative Bedingungen verstärken und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Magnesium ist ein wichtiger Co-Faktor im Östrogen-Stoffwechsel. Eine unzureichende Versorgung mit Magnesium kann den oxidativen Stress erhöhen und die Lebensfähigkeit der Eizellen sowie das Endometrium belasten. Normale Magnesium-Spiegel werden durch regulierende Mechanismen der Nieren erhalten, so dass übermäßiges Magnesium vermutlich weniger Probleme verursachen kann. Kalzium ist ein wichtiger Regulator für die Sekretion des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH), das für Mechanismen des Eisprungs und der Einnistung des Embryos wichtig ist.

 

Zu geringes oder übermäßiges Kalzium kann die Entwicklung der Keimzellen und die Verschmelzung von Ei- und Samenzellen behindern. Jod ist entscheidend an der Synthese des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4) beteiligt, das sich u. a. auf die Fortpflanzungs-Hormone auswirkt. Der Jodmangel kann zum Ausbleiben des Eisprungs und zu Zyklusstörungen führen. Ein Jod-Überschuss, besonders in frühen Stadien der Schwangerschaft, wird mit ungünstigen Entwicklungen verbunden, daher gilt ein umsichtiges Jodmanagement für das gesamte reproduktive Spektrum als erforderlich. Selen ist an der Umwandlung von Schilddrüsenhormonen beteiligt und für den Schutz der Eierstöcke und die Integrität des Eisprungs wesentlich. Ein Mangel an Selen kann zu Störungen in der Menstruation und im Eisprung führen, während ein Überschuss Toxizität verursachen kann. Eisen ist für die Hormon-Synthese und -Regulation von zentraler Bedeutung und kann die reproduktive Gesundheit beeinflussen. Der Eisenmangel kann zu Menstruationsstörungen führen und die Qualität der Keimzellen beeinträchtigen, während ein Überschuss mit entzündlichen Erkrankungen (z. B. Endometriose) in Verbindung gebracht wird. Das unterstreicht die notwendige, sorgfältige Eisenkontrolle. Kupfer ist ein wichtiger antioxidativer Co-Faktor für die Erhaltung der Eizellen, ein Überschuss kann den oxidativen Stress auslösen und sollte vermieden werden.

 

Bei allen Fortpflanzungs-Prozessen spielen der oxidative Stress und freie Radikale eine wichtige Rolle. Erhöhte Sauerstoffradikale können die Qualität der Spermien und Eizellen beeinträchtigen, sich auf die Reifung und Funktionen auswirken und so vermutlich die Chancen einer Befruchtung verringern. Ein Übermaß an Sauerstoffradikalen kann nach der Befruchtung die Entwicklung und Einnistung des Embryos behindern. Auch bei Krankheiten, die Unfruchtbarkeit verursachen (z. B. Endometriose, PCOS), wurde ein erhöhter oxidativer Stress nachgewiesen. Bei dessen Abwehr spielen einige Mineralien eine entscheidende Rolle. Mit ihren Funktionen als Antioxidantien tragen sie dazu bei, die schädlichen Wirkungen des oxidativen Stresses zu neutralisieren. Das gilt für Zink, Magnesium, Kalzium, Jod, Selen, Eisen, Kupfer und Mangan und deren Wechselwirkungen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Für gute Fähigkeiten der Fortpflanzung sind präzise, auf die individuelle Gesundheit, Ernährungsweisen und Reproduktionsziele abgestimmte Ergänzungen von Mineralien empfehlenswert. Gute Kenntnisse über die Rolle essentieller Mineralien können die weibliche Fruchtbarkeit mit angemessenen Aufnahmen von Mineralien unterstützen. Sie tragen dazu bei, dass Frauen ihre reproduktive Gesundheit durch die Ernährung und gegebenenfalls durch die Ergänzung von Mineralien verbessern können.

 

Unser Tipp: 

Für die Unterstützung der Fruchtbarkeit und Schwangerschaft sowie bei Problemen im Menstruationszyklus können eine Reihe von Vitaminen und Mineralien geeignet sein. Sie sollten individuell abgestimmt und nach Empfehlungen von Therapeuten angewendet werden.

 

Quelle:
Celine Kapper et al., Minerals and the Menstrual Cycle: Impacts on Ovulation and Endometrial Health. In: Nutrients, online 29.3.2024, doi: 10.3390/nu16071008.


 Gut essen und trinken – neue Empfehlungen zur Ernährung der DGE

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. hat ihre überarbeiteten Empfehlungen für eine gesunde Ernährung in Deutschland vorgestellt. Berücksichtigt sind nun auch Aspekte der Nachhaltigkeit, Umweltbelastung und der hierzulande üblichen Essgewohnheiten. Grundsätzlich sollten pflanzliche Lebensmittel in der Ernährung eine größere Rolle spielen.

 

Bunt und gesund essen und dabei die Umwelt schonen, das sind die Leitlinien der neuen DGE-Empfehlungen. Wer sich überwiegend von Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und pflanzlichen Ölen ernährt, schützt nicht nur seine Gesundheit, sondern schont dabei auch die Ressourcen der Erde. Dazu gehört es auch, die Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Die DGE-Empfehlungen „Gut essen und trinken“ zeigen einen Weg, den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln zu erhöhen und den von tierischen Lebensmitteln zu senken, um die Gesundheit und Umwelt besser zu schützen.

 

Die 11 Empfehlungen für Erwachsene von 18 bis zu 65 Jahren kurz zusammengefasst:

Am besten Wasser trinken: 1,5 Liter täglich sollten es sein. Auch andere kalorienfreie Getränke wie ungesüßter Tee etc. sind empfehlenswert.

 

Obst und Gemüse – viel und bunt: Die Sorten-Vielfalt liefert reichlich Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. 5 Portionen Obst und Gemüse werden täglich empfohlen, am besten Sorten aus der aktuellen Erntesaison.

 

Hülsenfrüchte und Nüsse regelmäßig: Erbsen, Bohnen und Linsen enthalten reichlich Eiweiß, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Nüsse liefern dazu gesunde Fettsäuren und sind gut für die Herzgesundheit. Die Empfehlung: Einmal pro Woche Hülsenfrüchte und täglich eine kleine Handvoll Nüsse essen.

 

Vollkorn ist die beste Wahl: Brot, Nudeln, Reis und Mehl in Vollkorn-Varianten sind die beste Wahl für die Gesundheit. Sie sättigen länger und liefern mehr Vitamine und Mineralien als Weißmehl-Produkte.

 

Pflanzliche Öle bevorzugen: Sie enthalten reichlich essentielle Fettsäuren und Vitamin E. Rapsöl und daraus hergestellte Margarine sind eine gute Wahl. Empfehlenswert sind auch Walnuss-, Lein-, Soja- und Olivenöl.

 

Milch und Milchprodukte jeden Tag: Sie liefern Eiweiß, Kalzium, Vitamin B2 sowie Jod und unterstützen die Knochengesundheit. Wer pflanzliche Milch-Alternativen bevorzugt, sollte auf die Versorgung mit Kalzium, Vitamin B2 und Jod achten.

Fisch jede Woche: Fettreiche Fische, z. B. Lachs, Makrele, Hering, liefern die wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Seefische wie Kabeljau oder Rotbarsch versorgen auch mit Jod. Empfehlenswert sind ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche.

 

Fleisch und Wurst – weniger ist mehr: Fleisch liefert gut verfügbares Eisen, Selen und Zink. Zu viel rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, Ziege) und besonders Wurst erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Dickdarmkrebs. Die Produktion von Fleisch und Wurstwaren belastet die Umwelt deutlich stärker als die pflanzlicher Lebensmittel. Pro Woche sollten nicht mehr als 300 g Fleisch und Wurst gegessen werden.

 

Süßes, Salziges und Fettiges – besser stehen lassen: Zucker, Salz und Fett stecken oft „unsichtbar“ in verarbeiteten Lebensmitteln, in Wurst, Gebäck, Süßwaren, Fast Food und Fertigprodukten. Wird davon viel gegessen, steigt das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Typ-2-Diabetes.

 

Mahlzeiten genießen: Man sollte sich Zeit zum langsamen, bewussten Essen nehmen und sich die Pause gönnen, das fördert auch das Sättigungsgefühl. Und: Gemeinsam essen tut gut.

 

In Bewegung bleiben und auf das Gewicht achten: Ernährung und körperliche Aktivität gehören zusammen. Die tägliche Bewegung und ein aktiver Alltag fördern die Knochengesundheit und senken das Risiko für Übergewicht sowie viele weitere Krankheiten.

 

Selbstverständlich ist sich die DGE bewusst, dass diese Empfehlungen zusammen eine ideale Situation der Ernährung aufzeigen, die in der alltäglichen Praxis nicht vollständig und nicht immer umgesetzt wird. Doch auch kleine Verbesserungen in der täglichen Ernährung sind ein Schritt in die richtige Richtung. Eine gesunde und ökologisch nachhaltige Ernährung sollte zu mehr als drei Vierteln pflanzliche Lebensmittel enthalten, tierische Lebensmittel sollten maximal ein Viertel ausmachen und damit deutlich weniger verzehrt werden als bisher. Lebensmittel, die mit der Entstehung ernährungsabhängiger Krankheiten verbunden sind, sollten ebenfalls deutlich weniger gegessen werden. Die angemessene Energiezufuhr und die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen sind die Basis für eine gesundheitsfördernde Ernährung. Bei den neuen Empfehlungen wurden dazu die Dimensionen der Umwelt, z. B. Treibhausgasemissionen und Landnutzung, berücksichtigt.

 

Quellen
Gut essen und trinken – DGE stellt neue lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen für Deutschland vor, Presseinformation vom 5.3.2024, https://www.dge.de/presse/meldungen/2024/gut-essen-und-trinken-dge-stellt-neue-lebensmittelbezogene-ernaehrungsempfehlungen-fuer-deutschland-vor/
Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen, https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-empfehlungen/


Natives Olivenöl extra und Neuroschutz bei der Trigeminusneuralgie

 

Die äußerst heftigen Schmerzen einer Trigeminusneuralgie können möglicherweise durch die Ernährung beeinflusst werden. Mit der mediterranen Ernährung und vor allem mit guten Aufnahmen von nativem Olivenöl extra könnten einige Symptome verringert werden, wie erstmals eine kleine Studie zeigt.

 

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Erkrankung, die durch lähmende, plötzlich auftretende Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Davon sind Frauen und ältere Menschen häufiger betroffen. Zum Krankheitsbild gehört auch eine sekundäre Trigeminusneuralgie, sie wird vor allem auf eine Entmarkung (Demyelinisierung) der Myelinscheiden (umgeben und schützen viele Nervenfasern) z. B. bei der Multiplen Sklerose zurückgeführt. Obwohl ein möglicher Mechanismus zur Verbesserung der Myelinisierung experimentell nachgewiesen wurde, sind Ernährungstherapien bei den Patienten bisher kaum erforscht. Es gibt einige Hinweise, dass die mediterrane Ernährung zum Neuroschutz beitragen kann. Bei entzündlichen demyelinisierenden Krankheiten des Zentralen Nervensystems wie der multiplen Sklerose wirkt sich die mediterrane Ernährung positiv auf das Krankheitsrisiko und den Schweregrad der Erkrankung aus. Dies wurde in einigen Interventionsstudien belegt, Patienten berichteten vor allem über eine geringere Müdigkeit und verbesserte Lebensqualität.

 

Die mediterrane Kost legt den Schwerpunkt auf Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch und Olivenöl sowie auf einen geringen Verzehr von Fleisch, Geflügel, Milchprodukten und Rotwein. Besonders das native Olivenöl extra (naturbelassen, höchste Güteklasse) soll durch Bereitstellung von Ölsäure und Bioaktivität der enthaltenen phenolischen Verbindungen zum Neuroschutz beitragen. Die Bildung von Myelin (Grundlage der Markscheiden), das sich aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Öl- und Nervonsäure) zusammensetzt, hängt zum Teil von den Nahrungsquellen der einzelnen Fettsäuren ab. Die Versorgung mit reichlich Ölsäure kann die Myelinisierung fördern und einer Demyelinisierung vorbeugen. Diese Unterstützung kann dazu beitragen, die elektrische Aktivität im Trigeminusnerv zu verbessern. Es wird weiter angenommen, dass Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) im nativen Olivenöl extra, z. B. durch entzündungshemmende Wirkungen von Oleuropein (Bitterstoff in Olivenblättern) und anderen Substanzen, ebenfalls zum Neuroschutz beitragen. Bei Entzündungen wird besonders die Synthese der Nervonsäuren (Omega-9-Fettsäure) unterdrückt.

 

Möglicherweise können verringerte Entzündungen durch bioverfügbare Polyphenole im nativen Olivenöl extra das Myelin schützen und damit die Schmerzsymptome einer durch Demyelinisierung bedingten Trigeminusneuralgie lindern und die Therapie ergänzen. Für die betroffenen Patienten kann es allerdings herausfordernd sein, ihre Ernährung rigoros umzustellen. Ein erster Schritt könnte sein, eine optimale Menge an nativem Olivenöl extra in die Ernährung aufzunehmen. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern führte dazu eine kleine Studie durch, um die tägliche Aufnahme von nativem Olivenöl extra und sein Potenzial zur Linderung der Gesichtsschmerzen bei betroffenen Patienten zu prüfen.

 

An der Studie nahmen 52 Frauen (im Durchschnitt 53 Jahre alt) mit Trigeminusneuralgie teil. Nach einer Basiszeit von vier Wochen, u. a. mit Informationen zur Ernährung, wurden die Teilnehmerinnen in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen erhielten 12 Wochen lang täglich 60 ml natives Olivenöl extra, die anderen ernährten sich wie gewohnt und ohne zusätzliche Olivenöl-Einnahmen. Alle Frauen füllten täglich einen Fragebogen zur Schmerzintensität aus und gaben dabei auch an, ob sie sich an die Olivenöl-Einnahme hielten. Wöchentlich und monatlich wurden bei allen Befragungen zu ihren Gesichtsschmerzen durchgeführt. Außerdem wurde die Ernährung der Frauen zu Beginn der Studie und im Lauf der Studienzeit beurteilt. 42 Teilnehmerinnen schlossen die Studie ab. In der Gruppe mit dem nativen Olivenöl extra zeigte sich eine signifikante Abnahme in den Gesichtsschmerzen (beeinträchtigte mimische Funktion, Schwere der Schmerzen) im Vergleich zum Studienbeginn. Dagegen gab es in der Kontrollgruppe keinerlei Verbesserungen.

 

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die tägliche Einnahme von nativem Olivenöl extra die Beeinträchtigungen durch die Trigeminusneuralgie verbessern könnte. Ein erhöhter Verzehr von nativem Olivenöl extra könnte eine begleitende Rolle bei der Schmerzlinderung spielen. Dabei wird vermutet, dass längere Interventionen erforderlich sind. Die Forscher machen darauf aufmerksam, dass das in dieser Studie eingesetzte native Olivenöl extra im einzelnen nicht repräsentativ für Olivenöle aus anderen Regionen ist. Olivenöl besteht hauptsächlich aus Triglyzeriden, enthält aber auch kleinere Mengen an Sterolen, Fettalkoholen, Phenole und Vitamin E, wobei die Zusammensetzung sehr variabel ist. Die Zusammensetzung wird z. B. durch den Reifegrad der Oliven und Lagerbedingungen beeinflusst. Die Zusammensetzung der Fettsäuren hängt besonders von Faktoren wie Sorte und Erntejahr, dem geografischen Anbaugebiet und der Art der Extraktion sowie der Wärmebehandlung beim Kochen ab. Auch der jeweilige Gehalt an Ölsäure kann (bis zu mehr als 15 %) schwanken.

 

Die Forscher ziehen das Fazit. Dies ist nach ihren Kenntnissen die erste Studie, in der bei Patienten mit Trigeminusneuralgie tägliche Aufnahmen von nativem Olivenöl extra in Bezug auf die Gesichtsschmerzen untersucht wurde. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Maßnahme Aspekte der Lebensqualität bei den Patienten verbessern kann. Dazu gehören geringere Schmerzen und weniger Beeinträchtigungen der allgemeinen und verbesserte mimische Aktivitäten des täglichen Lebens. Die mögliche Rolle von nativem Olivenöl extra bei der Myelinisierung der Markscheiden, sollte im Zusammenhang mit der entzündungshemmenden mediterranen Ernährung weiter erforscht werden.

 

Quelle
Melissa L. Moreno et al., Daily olive oil intake is feasible to reduce trigeminal neuralgia facial pain: A pilot study. In: Nutrition Research, online 1.2.2024, doi: 10.1016/j.nutres.2024.01.005.


Zink im Lauf des Lebens

 

Das Spurenelement Zink ist für eine große Anzahl an Funktionen im Körper sehr wichtig. Zink ist für das Wachstum und die Gesundheit bis ins hohe Alter von großer Bedeutung.

 

Zink beeinflusst durch seine vielfältigen Funktionen (katalytisch, strukturell, regulatorisch) und als Teil vieler Enzyme und Proteine den Stoffwechsel, die Genexpression, Hormonfunktion, Immunabwehr, das Wachstum und viele Körperprozesse mehr. Allgemein ist der Zinkmangel weltweit eine der häufigsten Formen der Mikronährstoff-Unterernährung. In Deutschland kommen schwere Zinkmängel eher selten vor, eine Unterversorgung mit Zink kann jedoch vorhanden sein. Im Durchschnitt nehmen Frauen hierzulande täglich etwa 8 mg und Männer 11 mg Zink mit ihrer Ernährung auf. Die Empfehlungen für den täglichen Bedarf der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. sind seit 2019 differenziert, abhängig von der Aufnahme von Phytaten (Form der Phytinsäure), die in Pflanzen u. a. Zink binden können, das gilt vor allem für Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide. Das in der Nahrung enthaltene Phytat bindet im Magen-Darm-Trakt Zink, wodurch sich dessen Bioverfügbarkeit verringert. Die empfohlenen Zinkwerte liegen daher bei uns für erwachsene Frauen zwischen 7 bis 10 mg, für Männer bei 11 bis 16 mg, je nach einer niedrigen bis hohen Zufuhr an Phytaten aus der Ernährung.

 

Zink ist vor allem in Rind- und Schweinefleisch, Käse, Milch und Milchprodukten sowie in Eiern reichlich enthalten. Auch Nüsse, Weizen- oder Roggenkeimlinge liefern gute Zinkmengen. Eine schlechtere Zinkversorgung kann bei älteren Menschen, bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten oder auch bei einer streng vegetarischen Ernährung häufiger vorkommen. Die Symptome des Zinkmangels sind vielfältig und unspezifisch, u. a. abhängig vom Alter, Dauer der Zinkdefizite und dem Vorhandensein anderer Erkrankungen. Bei einem schwereren Zinkmangel können kognitive Beeinträchtigungen, wiederkehrende Infektionen und Durchfall, eine verzögerte Wundheilung und verringerte Fortpflanzung zu den Folgen gehören. Eine Gruppe von Forschern aus Großbritannien und den USA stellte die Kenntnisse zur Rolle von Zink für die Gesundheit und zu den Möglichkeiten verbesserter Zinkaufnahmen in der Bevölkerung vor.

 

Neben der bekannten Bedeutung von Zink für das Wachstum von Kindern und die Resistenz gegen Infektionen hat Zink zahlreiche spezifische Aufgaben, zu denen u. a. auch die Regulierung des Glukose-Stoffwechsels gehört. Es gibt immer mehr Nachweise dafür, dass ein Zinkmangel mit einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Störungen in Verbindung steht. Zink spielt eine wichtige Rolle bei der Insulinsekretion und der Glukosehomöostase, und ein niedriger Zinkstatus wurde mit einem schwereren Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Der Zinkstatus beeinflusst auch den Lipidstoffwechsel, einschließlich der Absorption, der Synthese und des Metabolismus von Fettsäuren. Das wirkt sich auf die zirkulierenden Lipidprofile aus und kann bei zu geringen Aufnahmen das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen. Ein leichterer oder schwer erkennbarer (subklinischer) Zinkmangel kann die allgemeine Dysregulierung der Stoffwechsel-Funktionen und Entzündungen hervorrufen, was z. B. Belastungen durch chronische Krankheiten erhöhen kann.

 

Neuere Meta-Analysen ergaben, dass Teilnehmer mit den höchsten Zinkaufnahmen aus der Nahrung ein um 13 % geringeres Risiko hatten, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Eine niedrig dosierte Ergänzung von Zink konnte signifikant die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten und Typ-2-Diabetes verringern, einschließlich hoher Nüchtern-Blutzuckerwerte, Insulinresistenz sowie Gesamt- und LDL-Cholesterin. Zink ist außerdem ein Schlüsselelement bei der Reaktion auf den oxidativen Stress. Das beruht zum Teil auf seiner Rolle in der (zinkhaltigen) Superoxiddismutase (Enzym, das Sauerstoffradikale beseitigen kann) und auf Signalfunktionen in zellulären Reaktionen auf den oxidativen Stress. Darüber hinaus reguliert Zink den Gefäßtonus, führt zu einer Entspannung der glatten Gefäßmuskulatur (Vasorelaxation) und kann die Steifigkeit von Blutgerinnseln verringern.

 

Eine gute Zinkversorgung im gesamten Lauf des Lebens kann die Prävention vieler Krankheiten unterstützen. Dagegen sind eine schlechte Ernährung und unzureichende Aufnahmen von Zink aus der Nahrung die Hauptursachen für einen suboptimalen Zinkstatus. Er kann sich langfristig auf chronische Krankheiten auswirken bzw. das Risiko für ihr Entstehen erhöhen. Zink als Nahrungsergänzung kann als gezielte Behandlungs-Strategie bei einem festgestellten Mangel oder prophylaktisch bei einem hohem Mangel-Risiko eingesetzt werden. Die in Nahrungsergänzungen verwendete Form von Zink kann anorganisch (Oxid, Chlorid, Sulfat, Carbonat), organisch (z. B. Aspartat, Citrat, Glukonat, Malat) oder an Aminosäuren (z. B. Histidin, Lysin) gebunden sein. Die chemische Form wirkt sich auf die Löslichkeit und die Aufnahme von Zink aus dem Magen-Darm-Trakt aus, anorganische Formen werden meist besser aufgenommen.

 

Die Art der Aufnahme, nüchtern oder mit einer Mahlzeit, kann sich ebenfalls auf die Resorption von Zink und den Stoffwechsel auswirken. Allgemein sind Nahrungsergänzungen mit Zink eine einfache, kostengünstige Möglichkeit, die Versorgung bei Bedarf zu verbessern. Über andere Maßnahmen der Zinkversorgung, z. B. die Anreicherung von Nahrungsmitteln und Gewürzen oder auch Biofortifikation (Erhöhung der Zinkdichte in Getreidekörnern), wird weiter geforscht.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Erstmals wurde die Bedeutung des Zinkmangels aus einer breiteren Perspektive beleuchtet, angefangen von seiner bekannten Rolle beim Wachstum von Kindern über Infektionen bis zu seiner Schlüsselrolle bei der zunehmenden globalen Belastung durch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen.

 

Quelle
Nicola M. Lowe et al., Preventing and Controlling Zinc Deficiency Across the Life Course: A Call to Action. In: Advances in Nutrition, online 17.2.2024, doi: 10.1016/j.advnut.2024.100181.


Vitamin D könnte bei einer überaktiven Blase wirksam sein

 

Ein unkontrollierter, starker Harndrang oder der unwillkürliche Urinverlust durch eine überaktive Blase ist eine erhebliche Belastung für die Betroffenen. Ein Mangel an Vitamin D könnte das Risiko für solche Beschwerden erhöhen, dagegen könnten seine Ergänzungen dazu beitragen, die Beschwerden zu verringern.

 

Eine überaktive Blase, auch Reizblase genannt, kann sich auf verschiedene Weise äußern. Das reicht von einem übermäßig starken Harndrang, zum Teil verbunden mit nachtröpfelndem Urin oder unwillkürlichen Blasenentleerungen bis hin zum kontinuierlichen Urinverlust. In Deutschland geht man von mehr als 6 Millionen Menschen aus, die zumindest zeitweise oder häufiger davon betroffen sind. Die Vorkommen einer überaktiven Blase steigen mit dem zunehmendem Alter an. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, z. B. Blasenentzündungen, Harnverlust durch körperliche Anstrengungen, aber auch eingeschränkte Funktionen der Harnblasse, ein geschwächter Beckenboden oder andere Krankheiten. In so manchen Fällen ist die Ursache jedoch unbekannt. Die überaktive Blase wird hauptsächlich mit Medikamenten sowie mit Beckenboden-Gymnastik, Blasentraining oder Methoden der Verhaltenstherapie behandelt.

 

Dabei sind die Symptome der Häufigkeit des Wasserlassens und der Inkontinenz oftmals nur schwer zu beseitigen. Daher sucht man auch nach neuen Ansätzen für die Prävention und Therapie der Reizblase. Möglicherweise können auch einige Mikronährstoffe die Blasenfunktionen beeinflussen. Bisher ist nicht bekannt, ob ein Vitamin-D-Mangel zu einer überaktiven Blase oder zur Harninkontinenz führen kann oder ob Ergänzungen von Vitamin D dazu beitragen können, die Blasensymptome zu lindern. Eine Gruppe von chinesischen Forschern prüfte diese Beziehungen in einem umfassenden, systematischen Review und in einer Metaanalyse der relevanten Studien. Nach einer umfassenden Recherche in den einschlägigen Datenbanken konnten sie 13 Studien prüfen und auswerten. Die Ergebnisse zeigten, dass bei einem Mangel an Vitamin D ein erhöhtes Risiko für eine überaktive Blase und Harninkontinenz beobachtet wurde (OR 4,46).

Der Spiegel von Vitamin D war bei Patienten mit einer überaktiven Blase oder Harninkontinenz relativ niedrig. Auf Grundlage der vorhandenen Daten wurde das Risiko der Harninkontinenz nach einer Ergänzung von Vitamin D um 66 % verringert.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ein Mangel an Vitamin D erhöht das Risiko für eine überaktive Blase und die Harninkontinenz. Die Ergänzung von Vitamin D kann dazu beitragen, das Risiko der Harninkontinenz zu verringern. Die Entwicklung neuer Strategien zur Vorbeugung oder Linderung von Blasen-Symptomen ist von entscheidender Bedeutung für die Lebensqualität der betroffenen Patienten. Die Ergänzung von Vitamin D könnte sich als wirksame Strategie zur Vorbeugung oder Linderung von Blasensymptomen wie der überaktiven Blase und Inkontinenz durchsetzen.

 

Quelle: 
Qiang Zhang et al., Vitamin D levels and the risk of overactive bladder: a systematic review and meta-analysis. In: Nutrition Reviews, Vol. 82, Nr. 2, 2024, S. 166-175, doi: 10.1093/nutrit/nuad049.