Stark prozessierte Lebensmittel erhöhen kardiovaskuläres Risiko

 

Zu viel, zu fett, zu süß und zu salzig, so lautet zu oft das Fazit von Fachleuten über die Ernährung. Der Trend zu Fertiglebensmitteln, die stark industriell verarbeitet sind, hat eine Kehrseite, er verstärkt das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten.

 

Das Angebot an industriell verarbeiteten (prozessierten) Lebensmitteln nahm in den letzten Jahrzehnten sehr stark zu. Das verdrängte traditionellere Ernährungsweisen, die selbst zubereitet wurden und natürliche bzw. wenig verarbeitete Lebensmittel verwendeten. Im Alltag siegt zu oft der Griff zu fertigen Lebensmitteln über die Lust am Kochen. Das hat langfristige Folgen für die Gesundheit. Eine stark prozessierte Ernährung wird, z.B. aufgrund des oft hohen Zucker- und Fettgehalts, mit Fettleibigkeit und chronischen Krankheiten verbunden. Auch der Anteil von Salz ist oft zu hoch, außerdem fehlen oft wichtige Mikronährstoffe. Abhängig vom Ausmaß der industriellen Verarbeitung wurde eine Klassifizierung für Lebensmittel und Getränke eingeführt (NOVA). Zur höchsten Klasse gehören die ultra-prozessierten Lebensmittel. Dazu gehören z.B. Snacks, Getränke und Fertiggerichte. Sie enthalten oft Aromen, Farb- und andere Zusatzstoffe, die sensorische Eigenschaften von Lebensmitteln oder Speisen imitieren oder verstärken.

 

Sie sind meist verzehrfertig, schmackhaft, preiswert und lange haltbar. Sie konkurrieren vor allem mit Lebensmitteln, die von Natur aus verzehrfertig sind (z.B. Obst) oder frisch zubereitet werden müssen. Nach Schätzungen haben ultra-prozessierte Lebensmittel längst einen hohen Anteil (über 50 %) an der Ernährung in den USA. In Europa ist dies mit einem Anteil von 24 bis 35 % der täglichen Energieaufnahmen noch geringer. Bisher eher wenig untersucht ist, welchen Einfluss stark prozessierte Lebensmittel auf die Gesundheit haben. Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten und Krebs sowie auf ein damit verbundenes erhöhtes Sterblichkeitsrisiko. Zu den möglichen Ursachen gehören Wirkungen auf die Gesundheit durch die Art der Verarbeitung, die Zusammensetzung der Nährstoffe und Aspekte, die das Sättigungsgefühl beeinflussen.

 

Eine Gruppe italienischer Forscher untersuchte in einer großen Bevölkerungsstudie (Moli-sani), wie stark prozessierte Lebensmittel die Gesundheit sowie Krankheits- und Sterblichkeits-Risiken beeinflussen. An der Studie nahmen rund 22.000 Frauen und Männer (im Durchschnitt 55 Jahre) teil. Geprüft wurde im Lauf von rund acht Jahren der Beobachtung, wie sich die in prozessierten Lebensmitteln enthaltenen Haupt-Nährstoffe (z.B. Zucker und gesättigte Fette) auf die Gesundheit auswirkten. Alle Teilnehmer gaben detaillierte Auskünfte über ihre Ernährung. Damit konnte der Anteil von ultra-prozessierten Lebensmitteln ermittelt werden. Wurden sie häufig verzehrt, so war dies mit einem erhöhten Risiko für die allgemeine Sterblichkeit bzw. aufgrund von kardiovaskulären Krankheiten verbunden. Das wurde zum Teil auf den hohen Zuckergehalt dieser Lebensmittel zurückgeführt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt im übrigen die Auswertung einer US-amerikanischen Bevölkerungsstudie (NHANES 2011-2016). Dort lag der Anteil der ultra-prozessierten Nahrung bei über 50 % der Energieaufnahmen. Auch hier zeigte sich die Beziehung zur beeinträchtigten kardiovaskulären Gesundheit.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Studie zeigt ein erhöhtes Risiko für die gesamte und kardiovaskuläre Mortalität in Verbindung mit einem hohen Konsum von ultra-prozessierten Lebensmitteln in einer mediterranen Bevölkerung. Sie gibt einen Einblick in mögliche biologische Mechanismen, die durch hoch verarbeitete Lebensmittel schädliche Wirkungen auf die Gesundheit ausüben könnten. Diese Ergebnisse sollten dazu anregen, mehr über die Ursachen dieser Beziehungen zu forschen. Sie sollten auch dazu anregen, mehr frische oder zumindest nur minimal industriell verarbeitete Lebensmittel zu verzehren und frisch zubereitete Gerichte und Mahlzeiten zu bevorzugen.

 

Quelle
Marialaura Bonaccio et al., Ultra-processed food consumption is associated with increased risk of all-cause and cardiovascular mortality in the Moli-sani Study. In: The American Journal of Clinical Nutrition Vol. 112, Nr. 2, 2021, S. 446-455, doi: 10.1093/ajcn/nqaa299.
Zefeng Zhang et al., Association between ultraprocessed food intake and cardiovascular health in US adults: a cross-sectional analysis of the NHANES 2011-2016. In: The American Journal of Clinical Nutrition Vol. 113, Nr. 2 2021, S. 428-436, doi: 10.1093/ajcn/nqaa 276.


Gute Kenntnisse über Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe, die Entzündungen fördern oder verringern können, tragen zu einer gesunden Ernährung bei. Das kann sich auf das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten auswirken.

 

Gute Kenntnisse über Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe, die Entzündungen fördern oder verringern können, tragen zu einer gesunden Ernährung bei. Das kann sich auf das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten auswirken.

 

Bei der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Krankheiten spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Sie kann mit bestimmten Inhaltsstoffen Entzündungen beeinflussen, ihre Ausbreitung fördern oder hemmen. Proentzündlich kann vor allem der höhere Verzehr von zuckerreichen, raffinierten und prozessierten Lebensmitteln wirken. Dazu tragen z.B. zu viele gesättigte Fettsäuren und entzündlich wirkende Zytokine (regulatorische Proteine) und Adipozyten (Fettgewebshormone) bei. Eine Ernährung, die reichlich Gemüse, Obst und Fisch enthält, dazu wichtige Vitamine und Mineralien sowie viele Antioxidantien (Omega-3-Fettsäuren etc.) und Ballaststoffe liefert, kann dagegen zur Senkung von Entzündungen beitragen. Bisher wurde jedoch nicht untersucht, ob Ernährungsweisen mit einem höheren entzündlichen Potenzial langfristig das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöhen können. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern untersuchte dies in einer (prospektiven) Studie.

Rund 75.000 Frauen aus der Nurses Health Study (1984-2016), rund 92.000 Frauen aus dem zweiten Zweig dieser Studie (1991-2015) und rund 44.000 Männer aus der Health Professionals Follow-up Study (1986-2016) waren in die Studie einbezogen. Alle Teilnehmer hatten zu Beginn weder Herz-Kreislauf- noch Krebskrankheiten. Ihre Ernährung wurde alle vier Jahre mit Befragungen zur Häufigkeit von verzehrten Nahrungsmitteln genauer bestimmt. Das entzündliche Potenzial ihrer Nahrung wurde anhand eines Lebensmittel-Scores (EDIP, Empirical Dietary Inflammatory Pattern) bewertet. Außerdem konnten die Forscher verschiedene Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten in ihre Analysen einbeziehen, die bei den Teilnehmern bestimmt wurden. Bewertet wurden dabei z.B. auch die Einnahmen von entzündungshemmenden Medikamenten sowie der Body Mass-Index. In den drei Langzeit-Studien traten knapp 16.000 Fälle von Herz-Kreislauf-Krankheiten auf.

 

Darunter waren knapp 10.000 Fälle von koronaren Herzkrankheiten und rund 6.000 Schlaganfälle. Allgemein ging ein stärkeres Entzündungspotenzial in der Nahrung, angezeigt durch höhere EDIP-Scores, mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten einher. Das galt für alle drei Studien, und die Ergebnisse waren für beide Geschlechter ähnlich. Teilnehmer, die eine Ernährung mit einem hohen Anteil von proentzündlichen Lebensmitteln bevorzugten, hatten ein um 46 % höheres Risiko für Herzerkrankungen und ein 28% höheres Risiko für Schlaganfälle im Vergleich zu Teilnehmern, deren Ernährung stärkere antientzündliche Komponenten hatte. Bei einer Untergruppe von knapp 34.000 Teilnehmern zeigte sich, dass ein höherer EDIP-Score mit einem höheren Profil an proentzündlichen Biomarkern, geringeren Spiegeln von Adiponektin (Fettgewebshormon) und einem ungünstigeren Profil der Blutfette verbunden war.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ernährungweisen mit einem erhöhten proentzündlichen Potenzial waren in diesen drei Langzeit-Studien mit einem stärkeren kardiovaskulären Risiko verbunden. Ein geringes entzündliches Potenzial der Ernährung kann möglicherweise eine wirksame Strategie zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten sein. Die Forscher schlagen vor, Lebensmittel mit einem höheren Gehalt an Antioxidantien und Ballaststoffen zu verzehren, um Entzündungen im Körper zu senken. Dazu tragen grüne Blattgemüse (Grünkohl, Spinat, Kohl, Rucola), gelbes Gemüse (Kürbis, gelbe Paprika, Bohnen, Karotten), Vollkorngetreide, Kaffee, Tee und Wein (bei mäßigem Konsum) bei. Die Forscher schlagen weiter vor, die Aufnahme von raffiniertem Zucker und raffiniertem Getreide, frittierten Lebensmitteln und Limonaden zu begrenzen. Auch der Verzehr von verarbeitetem roten Fleisch sollte eingeschränkt werden. Diese Nahrungsmittel tragen zu einem erhöhten proentzündlichen Ernährungsindex bei.

 

Unser Tipp: Eine Reihe von Mikronährstoffen, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe etc., haben antientzündliche Wirkungen. Dazu gehören z.B. die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen EPA und DHA, Vitamin D, Selen, Zink, Grüntee-Extrakte, Curcumin und Resveratrol, um nur einige zu nennen.

 

Quelle:
Jun Li et al., Dietary Inflammatory Potential and risk of Cardiovascular Disease Among Men and Women in the U.S. In: Cardiology, online 10.11.2020, doi: 10.1016/jacc.2020.09.535.


Mikronährstoffe beim Sport und danach

 

Die gute Ernährung und Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen können die Leistungen und die kardiovaskuläre Gesundheit von Sportlern fördern. Einige Makro- und Mikronährstoffe spielen z.B. eine Schlüsselrolle bei Leistungen im Marathonlauf und für die Erholung nach dem Training, wie zwei neue Studien zeigen.

 

Eine Gruppe spanischer Forscher untersuchte in einer kleinen Studie die Zufuhr bestimmter Makronährstoffe und Mineralien, die die kardiovaskuläre Gesundheit von Freizeit-Marathonläufern beeinflussen könnten. 37 Läufer wurden nach ihren durchschnittlichen Laufzeiten (3 Std. 39 Minuten) in zwei Gruppen mit schnelleren und langsameren Läufern eingeteilt. Vor und nach einem Marathonlauf wurden bei allen Teilnehmern neben Daten zu Körpergröße und -bau auch Informationen über die Aufnahme von Makronährstoffen, das Lipidprofil und Mineralien gesammelt. 24 Stunden vor dem Lauf, unmittelbar danach und noch einmal 48 Stunden danach wurden verschiedene Werte bestimmt. Dazu gehörten die Mineralien Natrium, Kalium und Magnesium sowie das Lipidprofil (u.a. LDL-, HDL-Cholesterin). Untersucht wurden auch typische Marker für Muskelschäden (Kreatinkinase), Entzündungen (C-reaktives Protein) und die kardiovaskuläre Gesundheit. Die Teilnehmer der schnelleren Läufergruppe waren etwas leichter und hatten einen geringeren BMI. Sie nahmen mehr einfache und ungesättigte Fettsäuren auf und hatten höher Werte an Eisen, Kalium und Magnesium. Die Teilnehmer der langsameren Läufergruppe hatten höhere Werte bei den Triglyzeriden und niedrigere Werte beim „guten“ HDL-Cholesterin. Einige Marker für kardiovaskuläre Belastungen oder Verletzungen waren in dieser Gruppe höher, und 81 % hatten nach dem Lauf höhere Werte für den kardiovaskulären Stress.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Marathonläufer, die ausreichende Mengen an guten ungesättigten Fettsäuren sowie an Eisen, Kalium und Magnesium zu sich nahmen, hatten bessere Leistungen und zeigten bessere Werte in der kardiovaskulären Gesundheit.

 

In einer anderen Studie untersuchten brasilianische Forscher, ob Vitamin C (Ascorbinsäure) die übermäßige Entstehung von oxidativem Stress beim Training oder danach verringern kann. Die Forscher werteten dazu 18 (randomisiert kontrollierte) Studien mit 313 gesunden Teilnehmern (62 % Männer, im Durchschnitt 24 Jahre alt) in einer Meta-Analyse aus. Geprüft wurde, ob Ergänzungen von Vitamin C nach einer Trainingseinheit den oxidativen Stress, typische Entzündungsmarker, Muskel- und Wundschäden sowie die Funktionen des Muskel-Skelett-Systems beeinflussen können. Die Gaben von Vitamin C verringerten vor allem den oxidativen Stress (Lipidperoxidation) direkt nach dem Training und bis zu zwei Stunden danach. Das proentzündlich wirkende Interleukin-6 (IL-6) war ebenfalls etwas verringert. Die Forscher schließen daraus, dass Ergänzungen von Vitamin C nach dem Training den oxidativen Stress und entzündliche Reaktionen verringern können.

 

Unser Tipp: Für Sportler gibt es spezielle Angebote an zertifizierten Nahrungsergänzungen, die frei von im Sport unerlaubten Stoffen sind. Wichtig ist für Sportler auch, dass z.B. bei Ergänzungen von Eisen, Magnesium und Vitamin C auf gut verwertbare Formen geachtet werden sollte.

 

Quelle:
Emma Roca et al., Macronutrient and mineral intake effects on racing time and cardiovascular health in non-elite marathon runners. In: Nutrition Vol. 78, Nr. 10 2020, doi: 10.1016/j.nut.2020.110806.
Natiele Camponogara Righi et al., Effects of vitamin C on oxidative stress, inflammation, muscle soreness, and strength following acute exercise: meta-analyses of randomised clinical trials. In: European Journal of Nutrition Vol. 59, Nr. 7 2020, S. 2827-2839, doi: 10.1007/s00394-020-02215-2.


Ernährung und Mikronährstoffe bei Asthma

 

Eine betont pflanzliche Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten trägt zum Schutz vor Asthma bei. Das betrifft sowohl die Entstehung von Asthma als auch den Verlauf der Krankheit.

 

Asthma, eine chronische Erkrankung, ist durch Entzündungen und Verengungen der Atemwege gekennzeichnet, wodurch zeitweise der Luftstrom behindert wird. Häufige Symptome in den akuten Episoden sind Keuchen, Husten, Engegefühl in der Brust und Kurzatmigkeit. Es gibt einige Hinweise darauf, dass die Ernährung bei Asthma eine Rolle spielt. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern stellte die aktuellen Kenntnisse über Asthma und die Beziehung zur Ernährung bei Kindern und Erwachsenen vor.

 

Die in den westlichen Industrieländern typische Ernährung betont den Konsum von tierischen Produkten, mit reichlich Fleischwaren und prozessierten Lebensmitteln. Das geht auf Kosten des Verzehrs von Obst, Gemüse, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten. Die Asthma-Vorkommen haben mit der Verbreitung der westlichen Ernährung weltweit zugenommen. So wurden z.B. eine hohe Fettaufnahme und eine geringe Aufnahme von Ballaststoffen mit Atemwegsentzündungen und verschlechterten Lungenfunktion bei Asthmatikern verbunden. Verschiedene Nahrungsfette können die Entzündung der Atemwege beeinflussen. Während einige ungesättigte Fette eine schützende Rolle spielen könnten, vermuten Forscher, dass zu hohe Aufnahmen von gesättigten Fetten Entzündungen auslösen könnten. Bei der westlichen Ernährung werden meist mehr Omega-6- (Linolsäure etc.) als gesunde Omega-3-Fettsäuren (ALA, DHA, EPA) aufgenommen. Dieses ungünstige Verhältnis könnte proentzündliche Prozesse und allergische Reaktionen begünstigen, was auch zu Asthma beitragen kann. Ist dieses Verhältnis besser und sind Omega-3-Fettsäuren stärker vorhanden, können Entzündungen gehemmt werden. Auch beim höheren Verzehr von Vollkornprodukten mit einem reichlichen Anteil von Ballaststoffen können sich die Lungenfunktionen verbessern. Das wird auf deren antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen zurückgeführt. Beeinflusst werden z.B. typische Entzündungs-Marker (CRP, TNF, IL-6). Eine ballaststoffreiche Ernährung wirkt außerdem positiv auf die Darmbakterien ein, das trägt zum Schutz vor allergischen Reaktionen der Atemwege bei.

 

Ein erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse kann zum Schutz vor Asthma bei Kindern und Erwachsenen beitragen und die Symptome lindern. So konnten z.B. Asthmabeschwerden, Lungenfunktionen und Anwendungen von Medikamenten verringert werden. Das wird vor allem auf die Wirkungen einer pflanzlichen Ernährung bei systemischen Entzündungen, oxidativen Prozesse und die mikrobielle Zusammensetzung zurückgeführt. Enthalten sind reichlich ungesättigte Fettsäuren und antioxidative Mikronährstoffe, mit denen entzündliche Prozesse im Körper gehemmt werden können. Das gilt z.B. für die geringere Freisetzung von entzündlichen Zytokinen. Sie sind an Schädigungen durch freie Radikale und Immunreaktionen beteiligt, die bei der Entstehung und dem Verlauf von Asthma eine Rolle spielen. Dazu gehört eine gute Versorgung mit den Vitaminen E und C, Karotinoiden, Ubichinon (Coenzym Q10) und Flavonoide (Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe). Einige Studien zeigten, dass Asthma-Patienten im Vergleich zu Gesunden häufiger geringeres Selen im Plasma und Vollblut haben. Selen ist ein Co-Faktor für das antioxidative Enzym Glutathionperoxidase, das zum Schutz vor Entzündungen beitragen kann. Auch eine erhöhte Magnesiumzufuhr ist mit einer positiven Wirkung auf Asthma verbunden.

 

Mehrere Studien weisen auf eine Beziehung zwischen Asthma und Defiziten an Vitamin D z.B. bei Kindern hin, wobei auch die Schwere des Asthmas beeinflusst werden könnte. Vitamin D scheint eine Schutzwirkung zu haben, die über die von inhalierten Medikamenten (Kortikosteroide) hinausgeht. Vitamin D im Serum wirkt auf die glatte Muskulatur der Atemwege und ist positiv mit Markern der Lungenfunktionen verbunden. Das deutet darauf hin, dass Vitamin D den Grad der Asthma-Beschwerden durch immunregulierende Wirkungen und die Remodellierung der Atemwege beeinflussen kann. Vitamin D (in seiner aktiven Form 1,25[OH]2D) spielt eine Schlüsselrolle bei der angeborenen und adaptiven Immunität, es kann dazu beitragen, Atemwegsinfektionen und entzündliche Krankheiten, einschließlich Asthma, abzuwehren.

 

Diese Übersicht zeigt, dass eine pflanzliche Ernährung mit vielen Makro- und Mikronährstoffen versorgt, die das Asthma-Risiko verringern können. So können z.B. eine mediterrane und/oder vegetarische Ernährung mit einem hohen Verzehr von Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten positiv wirken. Sie können das Asthma-Risiko senken und zum Schutz vor einem schlechten Verlauf der Krankheit beitragen. Obst und Gemüse wurden mit einem verringerten Asthmarisiko und einer besseren Asthmakontrolle in Verbindung gebracht. Nahrungsbestandteile wie Antioxidantien, Ballaststoffe, mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Vitamin D etc. beeinflussen wahrscheinlich Immunwege, die an der Entstehung von Asthma beteiligt sind. Diese Zusammenhänge sollten künftig in weiteren Studien näher untersucht werden.

 

Unser Tipp: Eine Reihe von entzündungshemmenden Mikronährstoffen z.B. Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Flavonoide etc., sind einzeln oder in verschiedenen Kombinationen auch als Nahrungsergänzungen verfügbar.

 

Quellen
Jihad Alwarith et al., The role of nutrition in asthma prevention and treatment. In: Nutrition Reviews Vol. 78, Nr. 11 2020, S. 928-938, doi: 10.1093/nutrit/nuaa005.


Eine gute Ernährung kann dazu beitragen, Darmkrebs-Krankheiten zu verringern. In einer großen Meta-Analyse untersuchten Forscher die wichtigsten Faktoren der Ernährung für die Prävention.

 

Eine gute Ernährung kann dazu beitragen, Darmkrebs-Krankheiten zu verringern. In einer großen Meta-Analyse untersuchten Forscher die wichtigsten Faktoren der Ernährung für die Prävention.

 

Der Darmkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebskrankheiten bei Männern und Frauen, Tendenz: weiter steigend. Die Entstehung von Darmkrebs kann sich über mehr als 15 Jahre erstrecken, ein langer Zeitraum, der auch viele Möglichkeiten zur Vorbeugung und Früherkennung bietet. Studien zeigten, dass Untersuchungen zur Früherkennung mit Tests auf okkultes Blut im Stuhl und mit der Koloskopie (Darmspiegelung) die Erkennung von Darmkrebs in einem frühen Stadium ermöglichen und eventuell notwendige Therapien erleichtern können. Generell gehört zur Darmkrebs-Prävention ein gesunder Lebensstil. Dabei ist die Ernährung und eine gute Versorgung mit den darin enthaltenen Mikronährstoffen besonders wichtig, um die Entwicklung von einer gesunden Darmschleimhaut zum Krebsgeschehen möglichst zu hemmen. Das gilt sowohl für das Risiko der allgemeinen Bevölkerung als auch bei einer genetischen Veranlagung, die das Darmkrebs-Risiko erhöhen kann. Eine internationale Forschergruppe wertete rund 80 Meta-Analysen (Interventions- und Beobachtungsstudien) aus den letzten 40 Jahren aus, um die Beziehung vom Darmkrebs zur Ernährung zu klären. Die Studien waren zwar zum Teil sehr heterogen, doch es zeigten sich einige grundlegende Tendenzen.

 

Der regelmäßige und häufigere Verzehr von Obst und Gemüse kann das Darmkrebs-Risiko deutlich senken, das reichte von 8 bis zu 52 %. Die positive Wirkung zeigt sich bei jeder zusätzlichen Portion von 100 Gramm Obst und Gemüse täglich. Die hohe Aufnahme von Ballaststoffen (aus Obst, Gemüse, Getreidewaren) verringert das Darmkrebs-Risiko um 22 bis zu 43 %. Auch Milchprodukte wirken positiv, sie senken das Darmkrebs-Risiko um 13 bis 19 %. Bei den Mikronährstoffen wirkten sich vor allem Magnesium und Folsäure positiv aus. In drei Metaanalysen von Beobachtungsstudien wurde die niedrigste mit der höchsten Magnesiumzufuhr aus Nahrungsquellen oder Nahrungsergänzungen verglichen. Alle drei fanden einen Schutzeffekt für den Darmkrebs, das Risiko wurde bei einer guten Versorgung mit Magnesium von 13 bis zu 22 % gesenkt.

 

Der Effekt wurde beobachtet, wenn mindestens 255 mg Magnesium pro Tag aufgenommen wurden. In drei Metaanalysen wurde auch der Einfluss von Folsäure geprüft. Bei einer guten Versorgung zeigte sich eine Risikosenkung für den Darmkrebs von 12 bis zu 15 %. Ein eher mäßiger Nachweis fand sich für Beta-Carotin und Selen sowie für die Einnahme von Aspirin. Für Tee, Kaffee, Knoblauch, Fisch und Sojaprodukte sind mögliche schützende Wirkungen bisher nicht ausreichend belegt. Hier müssen künftig weitere Studien die Beziehungen zwischen der Ernährung und dem Darmkrebs näher klären.

 

Dieser aktuelle Überblick bestätigte, dass die Vorkommen von Darmkrebs in Verbindung mit der Ernährung und mit einigen Mikronährstoffen stehen. Eine gute Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Ballaststoffen, Milchprodukten und eine gute Versorgung mit Magnesium und Folat kann zu einem geringeren Darmkrebs-Risiko beitragen. Der Verzehr von Fleisch und der Konsum von Alkohol waren dagegen in fast allen Meta-Anylasen mit einem erhöhten Darmkrebs-Risiko verbunden. Durch die heterogenen Studien konnten die Forscher jedoch keine genaueren Empfehlungen in Bezug auf Dosierungen und Dauer für einzelne Merkmale der Ernährung angeben. Die Forscher gehen trotz dieser Einschränkungen davon aus, dass die Ergebnisse dieser umfassenden Meta-Analyse zur Prävention von Darmkrebs-Krankheiten beitragen und auch bei der Beratung von Patienten hilfreich sein können.

 

Unser Tipp: Magnesium und Folsäure sind einzeln als auch in Kombinationen in vielen Nahrungsergänzungen verfügbar. Dabei sollte besonders auf gut bioverfügbare Verbindungen geachtet werden.

 

Quelle:
Nicolas Chapelle et al., Recent advances in clinical practice: colorectal cancer chemoprevention in the average-risk population. In: Gut, online 28.9.2020, doi: 10.1136/gutjnl-2020-320990.


Die gute Versorgung mit Zink ist für Frauen bei der Fortpflanzung, für den Verlauf der Schwangerschaft und in der Menopause sehr wichtig.

 

Die gute Versorgung mit Zink ist für Frauen bei der Fortpflanzung, für den Verlauf der Schwangerschaft und in der Menopause sehr wichtig.

 

Zink ist ein essentielles Mikroelement, das viele wichtige Funktionen im Körper erfüllt. Es ist in allen Körpergeweben und -flüssigkeiten, hauptsächlich intrazellulär, vorhanden und hat auch antioxidative Wirkungen. Zink ist an der Regulierung des Zellwachstums, der Hormonausschüttung, an immunologischen Reaktionen und an der Fortpflanzung beteiligt. Die Gesamtmenge von Zink im menschlichen Körper wird auf 2 bis 3 Gramm geschätzt. Ungefähr 0,1 % des Zinkgehalts (d.h. 2-3 mg) müssen täglich zugeführt werden. Der Zinkstatus hängt dabei vom Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und der Ernährung ab. Die Hauptursache für einen Zinkmangel ist aber die unzureichende Aufnahme über die Nahrung. Viele Lebensmittel enthalten Zink, die reichhaltigsten Quellen sind Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Pflanzliche Nahrungsmittel, wie Getreide, Körner, Nüsse und Hülsenfrüchte, enthalten geringere und weniger gut zu verwertende Zinkmengen. Die Bioverfügbarkeit von Zink hängt u.a. von der (chemischen) Zinkform und seiner Löslichkeit ab.

 

Allgemein nimmt die Absorption mit der Aufnahme von Proteinen zu, wobei tierische Proteine die Bioverfügbarkeit von Zink aus pflanzlichen Quellen verbessern. Die Aufnahme kann jedoch durch Phytate gehemmt werden. Sie kommen in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor, binden Zink unlöslich im Darm und stören seine Resorption. Getreide und Hülsenfrüchte (z.B. Reis, Bohnen) enthalten das meiste Phytat. Die Empfehlungen zur täglichen Zinkaufnahme sind entsprechend an die Mengen von Phytaten gebunden. In Deutschland sollten z.B. erwachsene Frauen mit niedrigen Phytat-Aufnahmen täglich 7 mg Zink aufnehmen, bei hohen Phytatwerten werden täglich 10 mg Zink empfohlen. Obwohl täglich rund 10 mg Zink über die Nahrung aufgenommen werden, sind daraus nur etwa 1,5 mg Zink absorbierbar, was vor allem auf Phytate in der Nahrung zurückzuführen ist.

 

Zink ist für das gute Funktionieren der Fortpflanzung sehr wichtig, da die Zellen dieses Systems sich stark differenzieren und vermehren, was mit von der ausreichenden Zinkversorgung abhängt. Zink spielt in der Fortpflanzung beider Geschlechter eine entscheidende Rolle, da es für die Entwicklung der Spermatozoen, den Eisprung, die Befruchtung, eine normale Schwangerschaft, die Entwicklung des Fötus und die Geburt erforderlich ist. Bei Männern sind die Funktionen von Zink in der Fortpflanzung recht gut erforscht. Der Einfluss von Zink auf das Fortpflanzungssystem bei Frauen ist bisher weniger bekannt. Recht gut erforscht sind die Wirkungen von Zink auf den Verlauf der Schwangerschaft und die Entwicklung des Fötus. Einige Studien an Tieren weisen darauf hin, dass ein Zinkmangel bei Frauen auch zu Störungen in der Synthese und/oder Sekretion der weiblichen Hormone (follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon) führen könnte. Auch die Entwicklung der Eierstöcke, der Menstruationszyklus und Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft könnten mit Zink verbunden sein.

 

Bisher gibt es dazu jedoch nur einige Fallstudien mit teils widersprüchlichen Ergebnissen. Bei Frauen mit dem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) hatten Zinkergänzungen einen positiven Einfluss auf viele Faktoren, vor allem auf diejenigen, die mit einer Insulinresistenz und einer unausgeglichenen Lipid-Balance zusammenhängen. Darüber hinaus gehen verringerte Zinkspiegel bei PCOS mit einer Beeinträchtigung des Hormon-, Lipid- und Glukosestoffwechsels und erhöhten Konzentrationen von Biomarkern für oxidativen Stress einher. Bei der Dysmenorrhoe (schmerzhafte Menstruation) scheint die Zinkergänzung vor und während jedes Menstruationszyklus ein wichtiger Faktor zu sein, der die Intensität der Menstruationsschmerzen verringert. Bei Morbus Parkinson kann Zink, das in ein bis vier Tagesdosen von 20-30 mg vor und während jedes Menstruationszyklus verabreicht wird, die Intensität der menstruationsbegleitenden Schmerzen verringern. Andere Bereiche sind bisher noch wenig bekannt, das gilt z.B. für die Rolle von Zink bei der Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle) und bei Frauen in der Menopause.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Zink ist sowohl für das männliche als auch für das weibliche Fortpflanzungssystem sehr wichtig. Es spielt eine entscheidende Rolle für das Funktionieren dieses Systems, indem es eine Schutzfunktion, z.B. als Antioxidans, ausübt. Noch sind aber viele dieser Prozesse bei Frauen nicht genügend erforscht. Hier sollten in Zukunft weitere Studien den Einfluss von Zink und seiner Ergänzung auf das weibliche Fortpflanzungssystem klären.

 

Unser Tipp: Zinkergänzungen können sowohl den männlichen als auch den weiblichen Stoffwechsel stärken. Besonders gut bioverfügbar sind dabei organische Verbindungen wie Zinkcitrat, -glukonat und picolinat.

 

Quelle:
Marzenna Nasiadek et al., The Role of Zinc in Selected Female Reproductive System Disorders. In: Nutrients, online 16.8.2019, doi: 10.3390/nu12082464.


Die Ernährung und die ausreichende Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen  kann dazu beitragen, Migräne in ihrer Häufigkeit und Belastung zu verringern.

 

Die Ernährung und die ausreichende Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen kann dazu beitragen, Migräne in ihrer Häufigkeit und Belastung zu verringern.


Die Migräne ist eine chronische neurovaskuläre Erkrankung mit starken Anfällen von Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit etc., die einige Stunden bis zu wenigen Tagen anhalten können. Man schätzt, dass weltweit etwa 10 bis 20 % der Bevölkerung davon immer wieder einmal betroffen sind. Zur Linderung der Migräne werden häufig Schmerzmittel eingesetzt, die jedoch Nebenwirkungen haben. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehören Änderungen in der Ernährung und die ausreichende Aufnahme von einigen Mikronährstoffen. Für Migräne wurden mehrere Auslöser in der Ernährung ermittelt und dazu entsprechende Diäten (Eliminationsdiäten, ketogene Diäten etc.) empfohlen, die bei einigen Patienten wirksam sind. Doch die Ergebnisse sind bisher nicht einheitlich. wenn auch durchaus vielversprechend, wie einige Studien und Reviews zeigen. 

 

In einer Studie prüften italienische Forscher die Wirkung eines HEP-Ernährungsprogramms (Healthy Eating Plate) bei 200 Migräne-Patienten. 12 Wochen vor der Intervention prüfte man bei ihnen die Häufigkeit der Migräne und den Grad der Beschwerden. Dann nahmen die Patienten an Informationen über die HEP-Ernährung teil. Empfohlen wird dabei u.a. eine höhere Aufnahme von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten und ein geringerer Verzehr von rotem, verarbeiteten Fleisch. Rund 100 Patienten konnten über 12 Wochen danach weiter beobachtet werden. Bestimmt wurde die Häufigkeit von Migräneanfällen und die damit verbundenen Beschwerden. Mit einem HEP-Score wurde außerdem die Einhaltung der Ernährungsempfehlungen geprüft. Patienten, die diese Ernährung befolgten, konnten ihre Migräne um mindestens 30 % verringern, das galt für die Intensität der Kopfschmerzen und der Beschwerden. Vorteilhaft wirkte sich besonders der geringere Verzehr von rotem, verarbeiteten Fleisch und Kohlenhydraten aus. Das galt im Vergleich zu den Patienten, die sich nur wenig oder gar nicht an die HEP-Empfehlungen hielten. Analysen bestätigten, dass der Anstieg des HEP-Scores und die Abnahme von Kohlenhydraten mit einer geringeren Anzahl von Migränetagen pro Monat verbunden waren.

 

In Bezug auf die Wirkungen von Mikronährstoffen auf die Migräne zeigten bisher die B-Vitamine B2, B6 und Folat sowie Magnesium Einflüsse auf die Beschwerden. Auch Zink könnte mit seinen antioxidativen, entzündungshemmenden Eigenschaften bei Migräne wirksam sein, wie einige Beobachtungsstudien zeigten. Ein schwerer Zinkmangel kann zu neurologischen Störungen wie Aufmerksamkeitsschwächen, Lethargie, Gedächtnisproblemen und Lernschwierigkeiten führen. Es hat sich auch gezeigt, dass niedrige Zinkwerte mit Migräneanfällen verbunden sind. Angesichts des entzündlichen Charakters der Migräne und der Beziehung zum oxidativen Stress könnte Zink einen günstigen Einfluss auf Migräne haben. Eine Gruppe iranischer Forscher prüfte, ob Zinkgaben die Migräne verringern können. An der (klinischen) Studie nahmen 80 Migräne-Patienten teil. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nahm acht Wochen lang täglich hoch dosiertes Zink ein (220 mg Zinksulfat), die andere nahm zum Vergleich ein Placebo. Bestimmt wurden zu Beginn und am Ende der Studie die Zinkwerte und das Ausmaß von Migräneanfällen, das betraf die Schwere der Kopfschmerzen sowie deren Häufigkeit und Dauer. Die Zinkergänzungen senkten die Häufigkeit der Migräne und die Schwere der Kopfschmerzen. Die Ergebnisse waren jedoch nach der Einbeziehung anderer (Stör-)Faktoren nicht mehr signifikant. Die Forscher schlagen vor, Zinkgaben bei Migräne über eine längere Zeit weiter zu untersuchen.

 

Unser Tipp: B-Vitamine und die Mineralien Magnesium und Zink werden sowohl einzeln als auch in bewährten Kombinationen als Nahrungsergänzung angeboten. Bei Zink spielt auch die Verbindung eine Rolle, organische Verbindungen wie Zinkcitrat, -glukonat und -picolinat werden vom Körper meist besser aufgenommen.

 

Quellen
- Parisa Gazerani, Migraine and diet. In: Nutrients, online 3.6.2020, doi: 10.3390/nu12061658.
- Claudia Altamira et al., The Healthy Eating Plate Advice for Migraine Prevention: An Interventional Study. In: Nutrients, online 28.5.2020, doi: 10.3390/nu12061579.
- Hedieh Ahmadi et al., Zinc supplementation affects favourably the frequency of migraine attacks: a double-blind randomised placebo-controlled clinical trial, In: Nutrition Journal, online 14.9.2020, doi: 10.1186/s12937-020-00618-9.


 Ubichinol, die aktive, reduzierte Form von Coenzym Q10, konnte in einer Studie bei gesunden Personen, die bereits längere Zeit von Müdigkeit betroffen waren, die Erschöpfung verringern.

 

Ubichinol, die aktive, reduzierte Form von Coenzym Q10, konnte in einer Studie bei gesunden Personen, die bereits längere Zeit von Müdigkeit betroffen waren, die Erschöpfung verringern.

Müdigkeit ist ein normales Gefühl, das nach körperlicher oder geistiger Erschöpfung durch Aktivitäten zur körperlichen Erholung dient. Häufig wird Müdigkeit jedoch nicht genügend durch Ruhephasen aufgelöst, sondern durch schlechte Gewohnheiten noch verstärkt. Halten Müdigkeitsgefühle über längere Zeit an, so kann dies in schwereren Fällen zum chronischen Müdigkeitssyndrom führen. Diese Krankheit führt zu einer tiefgreifenden Erschöpfung und behindert alltägliche Aktivitäten. Die Diagnose wird gestellt, wenn die Erschöpfung mindestens 6 Monate lang ohne Linderung anhält und durch gewöhnliche Ruhephasen nicht gemildert wird. Es gibt einige Hinweise darauf, dass bei dieser Krankheit oxidative Prozesse eine Rolle spielen.

 

Bei anhaltender Müdigkeit werden Zellen und Gewebe durch reaktive Sauerstoffspezies geschädigt, die bei übermäßiger Aktivität entstehen. Die Erholung tritt ein, wenn dieser Schaden adäquat repariert wird. Besteht der Schaden jedoch aufgrund des Mangels an Energie für die Erholung weiter fort, wird eine Entzündungsreaktion hervorgerufen. Dies kann zu Unwohlsein und Fieber sowie in der Folge zu chronischer Müdigkeit führen. Entsprechend sind Antioxidantien, die Schäden durch oxidativen Stress hemmen, und Substanzen, die die Energieproduktion anregen, wirksam gegen Müdigkeit. Antioxidantien können die Energieproduktion (ATP) der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) erhöhen und auf diese Weise einen Anti-Ermüdungseffekt erzeugen. Dies kann sich vermutlich auch auf viele andere Effekte im Körper auswirken, z.B. auf verbesserte Herzfunktionen und mit entzündungshemmenden Wirkungen auf die blutbildenden Zellen. Zu den wirksamen Antioxidantien gehört Ubichinol, die aktive, reduzierte Form des Coenzyms Q10, mit einer besseren Bioverfügbarkeit und hoher antioxidativer Wirkung.

 

Coenzym Q10 ist in einigen Nahrungsmitteln (z.B. in Fleisch) enthalten, kann aber auch vom Menschen selbst gebildet werden, doch der Gehalt im Körper nimmt mit dem Alter ab. Auch bei der Einnahme von Statinen, die den Cholesterinspiegel im Blut senken, wird Coenzym Q10 verringert. Defizite können sich auf Müdigkeits-Zustände auswirken. Eine Gruppe japanischer Forschern prüfte daher in einer Studie, ob die Ergänzung von Ubichinol eine bereits länger anhaltende Müdigkeit verringern kann.

 

Einbezogen in die kleine Studie waren 62 Personen (Mitte 30 bis 50 Jahre), die seit wenigstens einem Monat und längstens seit sechs Monaten unter anhaltender Müdigkeit litten, Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt 12 Wochen lang täglich 100 mg Ubichinol, die andere Gruppe erhielt für die gleiche Zeit täglich mit 150 mg Ubichinol eine etwas höhere Dosis, und die dritte Gruppe nahm zum Vergleich ein Placebo. Zu Beginn der Studie und dann alle vier Wochen wurde die subjektiv empfundene und die objektiv getestete Müdigkeit der Teilnehmer bestimmt. Geprüft wurden auch die Veränderungen in den Serum-Ubichinol-Werten, in den autonomen Nervenfunktionen, im oxidativen Stress und in der antioxidativen Aktivität sowie die Reaktionszeit und Ergebnisse der Teilnehmer in kognitiven Tests. Die Teilnehmer berichteten außerdem über ihre subjektiven Empfindungen von Müdigkeit, Erschöpfung und depressiven Stimmungen.

 

In den beiden Ubichinol-Gruppen stiegen die Serumspiegel nach vier Wochen um das Drei- bis Vierfache an und blieben im Vergleich zum Placebo in der gesamten Studienzeit signifikant höher. Kleine Unterschiede zwischen der höheren und geringeren Ubichinol-Dosis waren dabei relativ gering (nicht signifikant). Mit den Ubichinol-Gaben verbesserte sich in beiden Gruppen die Empfindung der subjektiven Müdig- und Schläfrigkeit nach kognitiven Tests besser als in der Placebo-Gruppe. Bei der höheren Ubichinol-Dosierung zeigte sich im Vergleich zum Placebo eine signifikante Verbesserung im subjektiven Grad der Entspannung nach Test-Aufgaben sowie in der Schläfrigkeit sowie in der Motivation, die Aufgaben zu lösen. Außerdem verbesserten sich die Ubichinol-Serumspiegel bei oxidativem Stress.

 

Für die Forscher legen diese Ergebnisse nahe, dass Ubichinol die Lebensqualität bei Personen mit leichter Müdigkeit verbessern kann. Es kann die kognitiven Funktionen fördern, um Aufgaben zu lösen und die Müdig- und Schläfrigkeit nach solchen Belastungen verringern. Gleichzeitig hat Ubichinol eine entspannende Wirkung und kann den oxidativen Stress, der bei Müdigkeit und Erschöpfung entsteht, senken.

 

Unser Tipp: Ubichinol ist die aktive, reduzierte Form des Coenzym Q10, mit klaren Vorteilen. Es ist im Körper besser bioverfügbar und hat direkte antioxidative Wirkungen.

 

Quelle:
Kel Mizuno et al., Ubiquinol-10 Intake Is Effective in Relieving Mild Fatigue in Healthy Individuals. In: Nutrients, online am 2.6.2020, doi: 10.3390/nu12061640.


Mehr Obst und Gemüse bei Asthma

 

Wie man bei Asthma die Ernährung am besten umstellen sollte, zeigt ein Review von US-amerikanischen Forschern, in dem die wissenschaftlichen Kenntnisse über Asthma und Ernährung ausgewertet wurden. Asthma ist eine häufige chronische Erkrankung, bei der sich die Atemwege entzünden und verengen. Dadurch entsteht eine Hyperreaktivität in den Bronchien, zeitweise wird der Luftstrom behindert. In den akuten Episoden kommt es zu Atemnot, Keuchen, Husten und Engegefühlen in der Brust.


Seit den 80er Jahren steigen die Vorkommen von Asthma stetig an. Parallel stieg auch die Verbreitung der westlichen Ernährungsweise mit einem hohen Verzehr von Fleisch, Fetten und wenig Obst und Gemüse. Wie Studien zeigen, kann neben der Therapie mit Arzneimitteln und der Senkung von auslösenden Reizen eine betont pflanzliche Ernährung zum Schutz vor Asthma beitragen und helfen, die Symptome zu verringern. Die pflanzliche Kost kann z.B. auf systemische Entzündungen im Körper, die Asthma verschlimmern können, einwirken. Mit reichlich Obst und Gemüse werden vermehrt Ballaststoffe aufgenommen, die dazu beitragen können, die Lungenfunktionen zu verbessern. Auch die enthaltenen Antioxidantien und Flavonoide können bei Asthma schützende Wirkungen haben. Das betrifft z.B. die Freisetzung von Zytokinen (regulatorische Proteine für die Signalübertragung zwischen Zellen), die Schädigung durch freie Radikale und Immunreaktionen, die an der Entstehung und dem Verlauf von Asthma beteiligt sind.


In Bezug auf die Versorgung mit Mikronährstoffen zeigt sich, dass Asthma-Patienten besonders häufig Vitamin D fehlt. Eine gute Versorgung mit dem u.a. antientzündlich wirkenden Vitamin D wirkt sich positiv auf die Asthmakontrolle aus. Es kann das Immunsystem, die Muskelzellen in den Atemwegen und die Lungenfunktionen positiv beeinflussen. Grundsätzlich sollte bei Asthma auf eine gute Aufnahme von Vitamin D geachtet werden. Dazu tragen der Aufenthalt in der Sonne, mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel und bei Bedarf auch Ergänzungen mit Vitamin D bei. Eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von oxidativem Stress spielen die Antioxidantien. Zu ihnen gehören u.a. die Vitamine E und C, aber auch Beta-Carotin und andere Carotinoide, Coenzym Q10, Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), z.B. Resveratrol, sowie Magnesium und Selen. Sie wirken mit ihren antioxidativen Funktionen auch auf das Immunsystem ein, haben antientzündliche Fähigkeiten und können zur Stärkung der Lungenfunktionen beitragen.


Die Auswertung relevanter Studien zeigte, dass der erhöhte Konsum von Obst und Gemüse das Risiko für Asthma bei Kindern und Erwachsenen verringern kann, gleiches gilt für Asthma-Symptome. So hatten zum Beispiel Asthmatiker, die sich acht Wochen lang vegetarisch ernährten, weniger Symptome als eine Kontrollgruppe. Mit vegetarischer Kost konnte auch der Einsatz von Asthma-Medikamenten verringert werden. In einer anderen Studie ernährten sich Asthmapatienten ein Jahr lang rein vegetarisch. Damit verbesserte sich ihre Vitalkapazität (Maß für die Luftmenge, die Patienten ausstoßen können) und andere Asthmasymptome. Dagegen können ein hoher Verzehr von Milchprodukten und Lebensmitteln, die reichlich gesättigte Fettsäuren enthalten, eher schädlich wirken. So hatten z.B. Kinder mit einem höheren Konsum an Milchprodukten ein stärkeres Asthmarisiko im Vergleich zu Kindern, die weniger davon aufnahmen. Der hohe Verzehr an gesättigten Fetten und von wenig Ballaststoffen war bei Asthmapatienten mit Entzündungen der Atemwege und schlechteren Lungenfunktionen verbunden.


Die Forscher ziehen das Fazit: Die Empfehlung für den erhöhten Verzehr von Obst und Gemüse, einschließlich von Hülsenfrüchten, wird durch die aktuelle Forschung zu Asthma und Ernährung unterstützt. Die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Milchprodukten sollte dagegen verringert werden. Dadurch sinkt das Asthmarisiko und verbessert sich die Asthmakontrolle. Die erhöhte Aufnahme von Ballaststoffen, Antioxidantien und gesünderen Fettsäuren unterstützt vermutlich Immunwege, die an der Entstehung und dem Verlauf von Asthma beteiligt sind.


In einem Podcast zum Thema „Asthma & Coronavirus“ (The Exam Room) nehmen die Autoren zur aktuellen Pandemie Stellung. Asthmapatienten haben bei der Infektion mit dem Coronavirus ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf, abhängig z.B. vom Grad der Krankheit und der therapeutischen Kontrolle. Asthmatiker sollten besonders darauf achten, alle Schutzmaßnahmen einzuhalten. Die gesunde Ernährung sollte ebenfalls im Blick behalten werden.


Unser Tipp: Vitamin D ist als Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen und Dosierungen erhältlich. Dabei unterstützen z.B. emulgiertes und liposomales Vitamin D die gute Aufnahme im Körper.


Quelle:
Jihad Alwarith et al., The role of nutrition in asthma prevention and treatment. In: Nutrition Reviews, Online-Veröffentlichung vom 13.3.2020, doi: 10.1093/nutrit/nuaa005.


Vitamin D − ein möglicher Biomarker fürs Altern

 

Die Beziehung zwischen Vitamin D und der Häufigkeit von chronischen Krankheiten ist bekannt. Vitamin D könnte daher möglicherweise ein Biomarker für das physiologische Altern sein.

 

Vitamin D hat im Körper sehr viele Aufgaben, die auch im Alter mit seinen komplexen Prozessen eine wichtige Rolle spielen. Eine Gruppe von italienischen Forschern führte dazu eine Meta-Analyse durch, in der die Rolle der Konzentration von Vitamin D als Biomarker für das gesunde Altern untersucht wurde. Einbezogen waren Studien ab dem Jahr 2000 bis zum Anfang 2019. Untersucht wurde die Beziehung zwischen dem Vitamin-D-Status und langfristigen Lebensperspektiven, Krankheiten sowie der körperlichen und kognitiven Funktionalität. Die Forscher konnten 24 Studien, vor allem aus Europa und den USA, in ihre Analyse einbeziehen. Daran waren rund 78.000 ältere Personen mit einem durchschnittlichen Alter von über 50 Jahren beteiligt. Alle waren zu Beginn der jeweiligen Studien gesund und hatten bisher Vitamin D nicht ergänzt. Bei niedrigen Vitamin D-Werten (25(OH)D) zeigten sich Beziehungen zu respiratorischen und kardiovaskulären Ereignissen, zu Markern im Zusammenhang mit Knochenbrüchen, z.B. an den Hüften, aber auch in anderen Körperbereichen (ohne Wirbelbrüche), sowie zur Sterblichkeit. Die Forscher prüften zusätzlich die Beziehungen zwischen dem gesunden Altern und dem sogenannten aktiven Vitamin D (1,25(OH)2), das geringer konzentriert und weniger haltbar ist. Dabei zeigten sich ähnliche Ergebnisse, die jedoch klinisch von geringerer Bedeutung waren.

 

Für die Forscher bestätigte sich damit, dass der Vitamin D-Status (25(OH)D) als ein sinnvoller Biomarker für Altersprozesse dienen kann. Damit könnten Prognosen für verschiedene krankhafte Entwicklungen und in Bezug auf die Lebensperspektiven bzw. das Sterblichkeitsrisiko ermöglicht werden. Das gilt z.B. für Lungenfunktionen und -krankheiten, kardiovaskuläre und koronare Krankheiten, Hüftfrakturen und die Vorkommen von Sarkopenie (Abbau von Muskelmasse und -kraft). Kein Zusammenhang zeigte sich dagegen in dieser Analyse zwischen Vitamin D und dem Sturzrisiko sowie der Knochenmineraldichte. Gleiches galt für die kognitiven Funktionen und bei kardiometabolischen Krankheiten (z.B. Bluthochdruck und Diabetes) sowie für Krebskrankheiten.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese systematische Auswertung zeigte besondere Aspekte von Vitamin D als ein möglicher (mehrdimensionaler) Indikator für die Gesundheit im Alter. Da Altersprozesse jedoch generell sehr komplex sind, sollten diese Beziehungen in weiteren Studien genauer untersucht werden. Dabei wäre auch die Frage zu klären, ob Ergänzungen von Vitamin D krankhafte Entwicklungen im Alter verringern oder verzögern können.

 

Unser Tipp: Vitamin D wird vor allem als D3 (Cholecalciferol) in Nahrungsergänzungen angeboten. Auf eine gute Qualität sollte geachtet werden. Flüssige Formen sind z.B. sehr gut dosierbar und werden vom Körper besonders gut aufgenommen.

 

Quelle:
Silvia Caristia et al., Vitamin D as a Biomarker of Ill-Health among the Over-50s: A Systematic Review of Cohort Studies. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 6.10.2019, doi: 10.3390/nu11102384.