Die mediterrane Ernährung gilt als sehr gesund. Wie eine neue Studie zeigt, kann sie auch die Gesundheit der Knochen und Muskeln fördern.


Die mediterrane Ernährung gilt als sehr gesund. Wie eine neue Studie zeigt, kann sie auch die Gesundheit der Knochen und Muskeln fördern. Je besser die mediterrane Kost eingehalten wurde, umso stärker sank das Risiko für Knochenbrüche.


Die Mittelmeerkost gilt weithin als gesunde Ernährung und wird auch zur Prävention für von der Ernährung abhängige Krankheiten empfohlen. Dazu gehören z.B. Herz-Kreislauf- und Krebskrankheiten sowie der Typ-2-Diabetes. Einige Studien zeigten, dass die mediterrane Ernährung auch zur Gesundheit des Bewegungsapparats, d.h. des Knochen- und Muskelsystems, beitragen kann, obwohl die Forschung dazu bisher begrenzt ist. Die Mittelmeerdiät ist durch einen hohen Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln, von Obst, Gemüse, Nüssen, Getreidewaren und Olivenöl, gekennzeichnet. Fisch und Alkohol werden eher mäßig und Milchprodukte sowie rotes und verarbeitetes Fleisch werden nur gering verzehrt. Mit dieser Ernährung werden reichlich Antioxidantien, einschließlich von Vitamin C, Carotinoiden, Selen und Magnesium, sowie Ballaststoffe aufgenommen. Sie wirken sich positiv auf die Gesundheit von Knochen und Muskeln aus. Auch die in Obst, Gemüse und Olivenöl enthaltenen Polyphenole sowie die Omega-3-Fettsäuren, vor allem aus Fischölen, können die Knochengesundheit unterstützen. Omega-3- Fettsäuren hemmen z.B. entzündliche Prozesse und verbessern den Kalziumtransport. Antioxidantien und Polyphenole hemmen u.a. im Stoffwechsel der Knochen die Aktivität der Osteoklasten (resorbieren die Knochensubstanz) und fördern die Differenzierung der Osteoblasten (synthetisieren Kollagen und andere Substanzen im Knochengewebe). Zusammen erhalten sie das Gleichgewicht zwischen dem Knochenabbau und der Knochenbildung.


Eine Gruppe von englischen Forschern untersuchte erstmals im Rahmen der großen EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer), wie sich die Einhaltung der mediterranen Ernährung auf die Gesundheit des Knochen- und Muskelsystems auswirkt. Das bezog sich auf das Risiko von Knochenbrüchen, die Knochendichte und die fettfreie Körpermasse. Einbezogen waren in einer ersten Studienphase ab 1993 rund 25.500 Männer und Frauen, die damals zwischen 39 und 79 Jahre alt waren. Sie wurden im Raum Norfolk zu einem Gesundheitscheck eingeladen und gaben dabei auch Auskünfte über ihre Ernährung. Sie wurden danach in Bezug auf ihre Gesundheit weiter beobachtet. Rund 17.000 Teilnehmer nahmen Ende der 90er Jahre an einem weiteren Gesundheitscheck teil. Sie wurden im Durchschnitt insgesamt rund 17 Jahre gesundheitlich beobachtet. Für diese Auswertung lagen Daten von rund 14.000 Teilnehmern vor. Anhand von Ernährungs-Tagebüchern prüften die Forscher, wer sich vorwiegend mediterran ernährte und damit nicht der regional üblichen Ernährung folgte. Es zeigte sich dabei auch, wie stark die mediterrane Ernährungsweise eingehalten wurde.


Im Lauf der langen Studienzeit kam es bei den Teilnehmern zu 2.195 Knochenbrüchen. Die Forscher setzen die Ernährung zu den Knochenbrüchen und zu anderen Marken für die Knochen- und Muskelgesundheit in Beziehung. Die stärkere Einhaltung einer mediterranen Diät war mit einem um bis zu 23 % verringerten Risiko für Knochenbrüche verbunden. Das Risiko speziell für Knochenbrüche an der Hüfte verringerte sich um 21 %. Beides galt im Vergleich zu Teilnehmern, die sich nicht oder nur wenig mediterran ernährten. Je konsequenter die Mittelmeerdiät eingehalten wurde, umso deutlicher sank das Risiko für Knochenbrüche. Diese Verbindung war bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Die Beziehung war ansonsten unabhängig von anderen Einflussfaktoren, wie z.B. Alter, Body Mass Index, Rauchen, körperlicher Aktivität, Menopausen-Status und der Einnahme von Medikamenten. Darüber hinaus zeigte sich, dass eine genauere Einhaltung der mediterranen Diät mit signifikant besseren Markern in der Knochendichte und der fettfreien Körpermasse verbunden war.


Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse zeigen, dass die Einhaltung der Mittelmeerdiät mit einem geringeren Risiko für Knochenbrüche verbunden ist. Besonders wichtig ist hier, dass die Studie in einer Region stattfand, in der sich die Bewohner traditionell nicht mediterran ernähren. Allgemein waren nur wenige der einzelnen Komponenten in der Mittelmeerdiät mit dem Risiko für Knochenbrüche verbunden. Das deutet darauf hin, dass gerade in einer nicht-mediterranen Region die additiven und synergistischen Effekte der einzelnen Komponenten innerhalb der Mittelmeerdiät einen größeren Effekt für die Knochengesundheit haben. Die Forscher empfehlen, die Einhaltung der Mittelmeerdiät stärker zu fördern. Das gilt besonders für Frauen, bei denen die präventive Verbindung zwischen der Mittelmeerdiät und Knochenbrüchen offenbar stärker ausgeprägt ist.


Quelle:
Amy Jennings et al., A Mediterranean Diet Is Positively Associated with Bone and Muscle Health in a Non-Mediterranean Region in 25,450 Men and Women from EPIC-Norfolk. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 21.4.2020, doi: 10.3390/nu12041154.


Mikronährstoffe für trockene Augen


Beim Syndrom der trockenen Augen wird die Horn- und Bindehaut nicht ausreichend mit der Tränenflüssigkeit benetzt. Dabei können verschiedene Mikronährstoffe, vor allem die Omega-3-Fettsäuren, eine Rolle spielen.


Die Augenoberfläche besteht aus mehreren Komponenten, dazu gehören die Horn- und Bindehaut, Tränendrüsen und Augenlider. Sie schützen zusammen das Auge und die Sehfunktionen vor schädlichen äußeren Einflüssen. Dazu trägt der Tränenfilm wesentlich mit Elektrolyten, schützenden Proteinen und Lipiden bei. Jeder Einfluss, der die Augenoberfläche stört, kann den Tränenfilm instabiler machen und zu Entzündungen und Gewebeschäden führen. Mit zunehmendem Alter kann der Tränenfilm verringert werden, vom Syndrom der trockenen Augen sind bis zu 30 % der Menschen über 50 Jahren betroffen. Ein erhöhtes Risiko besteht besonders für Frauen in der Postmenopause, Träger von Kontaktlinsen, bei der Computerarbeit und bei Autoimmunkrankheiten. Zu den typischen Symptomen gehören verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit, Brennen und Juckreiz. Bei trockenen Augen besteht eine starke Beziehung zum oxidativen Stress. Die Augenoberfläche ist häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt, das darin enthaltene UV-Licht ist ein Risikofaktor für oxidativen Stress. Normalerweise bekämpfen Antioxidantien übermäßig vorhandene oxidative Prozesse durch freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies. Mit dem zunehmenden Alter sinken jedoch die Konzentrationen antioxidativer Spezies.


Zur Therapie der trockenen Augen stehen vor allem künstliche Tränen zur Verfügung. Sie benetzen die Augenoberfläche, lindern die Symptome jedoch nur für einige Zeit. Antientzündliche und antioxidative Therapien zielen dagegen darauf ab, einige der Ursachen für trockene Augen zu korrigieren. Hier rückten besonders die Omega-3-Fettsäuren in den Mittelpunkt der Forschung. Zu ihnen gehören die pflanzliche, kurzkettige Alpha-Linolensäure sowie die langkettigen EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) aus Fischölen. Omega-3-Fettsäuren haben entzündungs- und gerinnungshemmende sowie blutdrucksenkende Eigenschaften. Sie beeinflussen den Lipidstoffwechsel, die Glukosetoleranz und Funktionen des Zentralnervensystems. Einer der frühesten Nachweise für die Rolle von Omega-3-Fettsäuren für die gesunde Augenoberfläche stammt aus einer großen Bevölkerungsstudie mit über 30.000 Frauen, die den Zusammenhang zwischen einer geringen Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren und einem erhöhten Risiko für trockene Augen zeigte. Trotz einiger widersprüchlicher Ergebnisse scheint sich die Wirkung vor allem für die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen weiter zu bestätigen. Zwei neuere Meta-Analysen kamen zu dem Schluss, dass Omega-3-Fettsäuren wirksam dazu beitragen, Symptome der trockenen Augen zu verbessern.


Auch eine Reihe anderer Mikronährstoffe wirken auf die Augenoberfläche ein. Dazu gehört z.B. Vitamin A, das die Tränenqualität verbessern kann und generell für gesunde Augen wichtig ist. Vitamin C ist im Tränenfilm hoch konzentriert vorhanden und trägt zur antioxidativen Verteidigung bei. Vitamin D beeinflusst und stabilisiert die Augenoberfläche. Symptome der trockenen Augen verbesserten sich nach Ergänzungen, vor allem wenn Vitamin D zu gering vorhanden war. Selen kann bei trockenen Augen vermutlich zur Balance zwischen reaktiven Sauerstoffspezies und antioxidativen Fängern beitragen, indem es z.B. die Bildung des antioxidativen Enzyms Glutathionperoxidase, das in der Augenoberfläche vorhanden ist, unterstützt. Einige Wirkungen sind auch für die Vitamine E und B12 beschrieben.


Die Forscher empfehlen, bei Patienten mit Erkrankungen der Augenoberfläche Defizite an Vitaminen zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Viele Mikronährstoffe in der Ernährung könnten sich positiv auf die Gesundheit der Augen und ihrer Oberfläche auswirken. Das gilt besonders für die Omega-3-Fettsäuren, für deren Wirksamkeit es bisher die stärksten Nachweise gibt.


Unser Tipp: Omega-3-Fettsäuren werden in verschiedenen Dosierungen und Kombinationen angeboten. Zur Stärkung der Augengesundheit gibt es außerdem spezielle Kombinationen von Mikronährstoffen.


Quelle:
Marco Pellegrini et al., The Role of Nutrition and Nutritional Supplements in Ocular Surface Diseases. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 30.3.2020, doi: 10.3390/nu12040952.


Eine Analyse zeigte, dass vor allem Defizite an Selen, Kupfer, Zink und Jod öfter vorkommen.


Viele ältere Menschen sind häufiger schlecht mit wichtigen Mikronährstoffen versorgt. Eine Analyse zeigte, dass vor allem Defizite an Selen, Kupfer, Zink und Jod öfter vorkommen.


Eine gute Ernährung trägt im Alter zum aktiven Leben und gesunden Altern bei. Doch ein verminderter Appetit, fehlendes Hungergefühl und eine oftmals verringerte Nahrungsaufnahme erhöhen das Risiko für die Unterernährung im Alter, damit werden dann auch zu wenig Mikronährstoffe aufgenommen. Soziale und psychische Veränderungen können sich im Alter negativ auf die Ernährung auswirken. Auch einige Krankheiten, z.B. Diabetes und Bluthochdruck, können Einschränkungen in der Ernährung erfordern. Hinzu kommt, dass eine Reihe von Medikamenten den Appetit verringern und zur unzureichenden Aufnahme von Mikronährstoffen beitragen können. Dabei werden Defizite an Vitaminen meist stärker beachtet, aber es werden oft auch zu wenig Mineralstoffe und Spurenelemente aufgenommen. Zu den Folgen solcher Defizite gehört, dass sich Funktionsstörungen, Gebrechlichkeit sowie Störungen im Immun- und Herz-Kreislauf-System etc. verstärken.


So zeigte z.B. eine Studie von 2006, dass eine unzureichende Zufuhr von mehr als drei Mikronährstoffen aus der Ernährung bei älteren Erwachsenen ab 65 Jahren mit stärkerer Gebrechlichkeit verbunden ist. Spurenelemente erfüllen lebenswichtige Funktionen im Körper. Dazu gehören Einflüsse auf den Stoffwechsel der Schilddrüse, antioxidative Aktivitäten und die Immunfunktionen. So wird z.B. Selen für antioxidative Prozesse und die Schilddrüse benötigt, und es ist wichtig für die Immunfunktionen. Jod ist für die Bildung von Schilddrüsenhormonen essentiell, ein Mangel kann zu Funktionsstörungen führen. Ein Zinkmangel kann das Immunsystem schwächen, zu den Folgen gehören z.B. erhöhte entzündliche Zytokine, ein geringerer antioxidativer Zellschutz und die stärkere Anfälligkeit für Infekte. Auch Kupfer hat antioxidative Fähigkeiten und ist an den Immunfunktionen beteiligt.


Eine Gruppe englischer Forscher wertete in Studien mit älteren Erwachsenen die Versorgung mit acht Spurenelemente aus. Das betraf die Versorgung mit Zink, Selen, Eisen, Jod, Kupfer, Chrom, Mangan und Molybdän. Sie konnten 28 (Bevölkerungs-)Studien (von 2006 bis 2019) in ihre Analyse einbeziehen. Daran hatten rund 9.000 ältere Erwachsene aus 13 westlichen Ländern teilgenommen, die vorwiegend selbstständig und zum Teil in Heimen lebten. Die Analyse zeigte vor allem bei vier Spurenelementen, bei Selen, Zink, Kupfer und Jod, recht weit verbreitete Defizite. Das galt für Männer und Frauen sowie für Ältere, die selbstständig oder in Heimen lebten, zum Teil auf unterschiedliche Weise. Ein Zinkmangel wurde bei 31 % der Frauen und 49 % der Männer, die selbstständig lebten, beobachtet. Personen in Pflegeheimen waren mit 50 % bzw. 66 % stärker davon betroffen. Die Selenzufuhr war bei 49 % der Frauen und 37 % der Männer, die selbstständig lebten, und bei 44 % der Frauen und 27 % der Männer in Heimen ähnlich kritisch. Ungenügende Aufnahmen fanden sich signifikant auch bei Eisen, Jod und Kupfer. Bei Joddefiziten galt dies vor allem für Männer und Frauen, die in Heimen lebten (78 % der Frauen, 67 % der Männer). Bei den selbstständig lebenden Teilnehmern waren vor allem ältere Frauen von Joddefiziten (22 %) betroffen, jedoch im Vergleich zu den Pflegeheim-Bewohnern geringer.


Die Forscher ziehen das Fazit: Besonders bei Selen, Zink, Jod und Kupfer besteht ein erhöhtes Risiko, dass ältere Menschen sie nicht in ausreichendem Maß aufnehmen. Solche Defizite können bei institutioneller Pflege stärker ausgeprägt sein. Die Forscher empfehlen eine stärkere Kontrolle in der Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen bei älteren Menschen, vor allem bei Heimbewohnern. Dabei sollten alle Aufnahmen, aus der Ernährung und aus Nahrungsergänzungen, berücksichtigt werden. Verbesserungen können z.B. durch eine Ernährung erreicht werden, die kritische Mineralstoffe und Spurenelemente stärker einbezieht. Auf recht einfache Weise ist das z.B. mit der Verwendung von jodiertem Speisesalz in allen Pflegeeinrichtungen zu erreichen. Es ist weiter empfehlenswert, bei älteren Menschen Multi-Mineralstoffe bei Bedarf zu ergänzen. So zeigte eine Untersuchung aus den Niederlanden bei älteren Erwachsenen ab 70 Jahren, dass die Ergänzung von Spurenelementen, einschließlich der zusätzlichen Anreicherung der Ernährung mit Jodsalz, zur Gesamtaufnahme von Mineralstoffen beiträgt. Dadurch verringerte sich die Zahl der Personen, die unter dem durchschnittlichen Bedarf bei diesen Mikronährstoffen lagen.


Unser Tipp: Mineralstoffe und Spurenelemente werden einzeln und kombiniert angeboten. Es gibt eine Reihe von Multi-Präparaten für den speziellen Bedarf, z.B. zur Stärkung des Herz-Kreislauf- oder Immunsystems. Weiter gibt es Kombinationen, in denen speziell Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten sind. Auf gut bioverfügbare Formen sollte jeweils geachtet werden.


Quelle:
Zeynep Viral et al., Trace Mineral Intake and Deficiencies in Older Adults Living in the Community and Institutions: A Systematic Review. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 13.4.2020, doi: 10.3390/nu12041072.


Mikronährstoffe bei Zöliakie

 

Bei Kindern und Jugendlichen, die sich wegen einer Zöliakie glutenfrei ernähren müssen, sollte auf eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen geachtet werden. Neben Eisen kann es auch an einigen anderen Mikronährstoffen fehlen.


Die Zöliakie (glutenbedingte Enteropathie) tritt weltweit auf, mit zunehmender Tendenz. Dabei wird Gluten (Klebereiweiß), das in Getreide, vor allem in Dinkel, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, enthalten ist, nicht vertragen. Bei genetischer Veranlagung reagiert die Schleimhaut des Dünndarms mit Unverträglichkeit. Das führt bei den betroffenen Kindern und Erwachsenen zu einer Immunreaktion mit einer chronischen Entzündung, wobei sich die Dünndarmzotten zurückbilden. Zu den Symptomen gehören u.a. Bauchschmerzen, chronische Diarrhö und Obstipation, Anämie, Osteopenie oder Osteoporose sowie bei Kindern auch ein gestörtes Wachstum. Eine lebenslang durchgeführte streng glutenfreie Diät ist die einzige verfügbare Behandlung für Zöliakie. Dadurch treten die Besserung und das Abklingen der Symptome innerhalb von Tagen oder Wochen ein. Etwa 20 % der Patienten haben jedoch trotz einer guten Einhaltung ihrer Diät anhaltende oder wiederkehrende Symptome.


Bei der Zöliakie kann auch die Resorption von Nährstoffen und Mikronährstoffen beeinträchtigt sein. Mediziner empfehlen, nach der Diagnose die Ernährung der Patienten zu untersuchen, da etwa 20 bis zu 40 % ernährungsbedingte Defizite an Mikronährstoffen haben. Das betrifft z.B. Vitamin B12 (8 bis 41 %), vor allem aber den Eisenmangel (12 bis 69 %). Eisen ist an der Blutbildung, am oxidativen Stoffwechsel, an enzymatischen Aktivitäten und an zellulären Immunantworten beteiligt. Bisher ist jedoch die Beziehung zwischen Eisendefiziten und der Zöliakie nicht ausreichend untersucht. Bekannt ist, dass auch bei glutenfreier Ernährung meist weniger Mikronährstoffe aufgenommen werden. Meidet man z.B. weizenhaltige Lebensmittel, wird zum einen auf eine wichtige Proteinquelle verzichtet, zum anderen liefert Weizen auch Eisen, Folat und die B-Vitamine Thiamin (B1), Riboflavon (B2) und Niacin (B3).


Eine Gruppe von spanischen Forschern untersuchte in einer kleinen Studie, wie sich die Eisenwerte und einige andere Mikronährstoffe bei Kindern und Jugendlichen mit Zöliakie nach Beginn einer glutenfreien Ernährung entwickeln. Einbezogen waren 68 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 18 Jahren, die im spanischen Granada wegen ihrer Zöliakie untersucht wurden. Sie ernährten sich zum Teil bereits seit längerer Zeit, zum Teil auch weniger als ein halbes Jahr glutenfrei. Zum Vergleich diente eine altersgleiche Kontrollgruppe mit 43 gesunden Teilnehmern. Alle gaben Auskunft über ihre Ernährung, und in Blutproben wurden einige der bei Zöliakie oft defizitären Mikronährstoffe und weitere Werte bestimmt.


Die wichtigsten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Zöliakie-Patienten im Vergleich zu den gesunden Teilnehmern etwas niedrigere Werte im Hämoglobin (Farbstoff der roten Blutkörperchen), in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und im Hämatokrit (Anteil der roten Blutkörperchen am Blutvolumen) hatten. Die Kinder und Jugendlichen mit Zöliakie waren im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe etwas geringer mit Eisen und Folat versorgt. Bei denen, die sich bereits länger als sechs Monate glutenfrei ernährten, fand sich außerdem eine geringere Aufnahme von Magnesium und Selen. Wurde die glutenfreie Ernährung weniger als sechs Monate durchgeführt, waren die Werte von Vitamin B12 (Cobalamin) häufiger geringer im Vergleich zu den Kindern, die sich bereits länger glutenfrei ernährt hatten.


Die Forscher ziehen das Fazit: Bei Zöliakie ist die Ernährung häufig weniger ausgewogen, das betrifft auch die Mikronährstoffe, vor allem Eisendefizite kommen häufiger vor. Das kann sowohl mit einer Malabsorption verbunden, aber auch die Folge einer unzureichenden Anpassung an die glutenfreie Ernährung sein. Die Forscher empfehlen, in die Therapie der Zöliakie Ernährungsfachleute einzubeziehen. Sie können dazu beitragen, dass die glutenfreie Ernährung besser umgesetzt werden kann. Dabei kommt es auch darauf an, möglicherweise fehlende Mikronährstoffe, z.B. Eisen, Folsäure oder Vitamin B12, sinnvoll zu ergänzen.


Unser Tipp: Die Versorgung mit Eisen, Vitamin B12 und Folsäure etc. lässt sich mit Bluttests bestimmen. Bei Bedarf tragen Ergänzungen dazu bei, die Versorgung zu verbessern. Sie sind sowohl einzeln als auch in Kombinationen erhältlich, auf gut bioverfügbare Formen sollte geachtet werden.


Quelle:
Teresa Nestares et al., Is a Gluten-Free Diet Enough to Maintain Correct Micronutrients Status in Young Patients with Celiac Disease? In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 21.3.2020, doi: 10.3390/nu12030844.


Anthocyane aus Beeren beim metabolischen Syndrom

 

Wichtige kardiometabolische Biomarker können sich mit der Aufnahme von Anthocyanen (sekundäre Pflanzenstoffe) aus Beerenfrüchten verbessern.


Das metabolische Syndrom ist aufgrund von Überernährung und zu geringer Bewegung weit verbreitet. Es ist gekennzeichnet durch ein starkes (bauchbetontes) Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker-Werte und einen gestörten Fettstoffwechsel. Um die Diagnose metabolisches Syndrom zu stellen, müssen mindestens drei dieser Faktoren vorhanden sein. Hinzu kommen können z.B. auch erhöhte Harnsäurewerte, niedriggradige Entzündungen, eine erhöhte Blutgerinnung und endotheliale Dysfunktionen. In der Folge steigt das Risiko für die Entstehung weiterer Krankheiten an. Das gilt u.a. für die Atherosklerose, die wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht. Bei der Atherosklerose werden Cholesterin und andere Fette in die inneren Gefäßwände der arteriellen Blutgefäße eingelagert, was zur Verengung der Arterien führt.


Neben der Gewichtsreduktion und mehr Bewegung spielt die gesunde Ernährung eine wichtige Rolle bei der Prävention und Therapie des metabolischen Syndroms. Dazu gehört auch die gute Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen. Das betrifft u.a. Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Flavonoide, die reichlich in Beerenfrüchten vorkommen. Sie schenken ihnen die intensiven roten und blauen Farben und haben antioxidative Wirkungen. Gute Aufnahmen von Anthocyanen könnten beim metabolischen Syndrom nützlich sein. Eine Gruppe von australischen Forschern prüfte in einer kleinen Studie, ob diese Pflanzenstoffe einige der kardiometabolischen Biomarker verbessern und z.B. das Thromboserisiko senken können.


An der Studie nahmen 55 Personen im Alter von 25 bis zu 75 Jahren teil, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Die eine Gruppe war am metabolischen Syndrom erkrankt, die andere Gruppe diente zum Vergleich und war gesund. Die Teilnehmer erhielten vier Wochen lang zweimal täglich 320 mg Anthocyane. Vor Beginn der Studie und am Ende wurden eine Reihe von kardiometabolischen Risikofaktoren bestimmt. Dazu gehörten die Gerinnungsaktivität der Blutplättchen, die Lipidprofile, der Nüchtern-Blutzucker sowie Biomarker für entzündlichen und oxidativen Stress.


Es zeigte sich, dass die Anthocyane im Zeitraum von vier Wochen signifikant die kardiometabolischen Risikofaktoren verringern konnten. Dabei senkte sich bei den Patienten mit dem metabolischen Syndrom der durchschnittliche Nüchtern-Blutzuckerspiegel um rund 13 %, bei den Lipidprofilen verringerten sich die Triglyzeride um rund 25 %, und LDL, das sogenannte „schlechte“ Cholesterin senkte sich um rund 33 %. Bei den Frauen sank außerdem der Spiegel von hs-CRP (hochempfindliches C-reaktives Protein, ein Entzündungs-Marker) um 28 %. Beeinflusst wurden weiter die Aktivierung von Thrombozyten (P-Selektin) um 40 %.


Für die Forscher unterstützen diese Ergebnisse die Annahme, dass die Ergänzung von Anthocyanen antiatherogene Wirkungen hat. Sie können dazu beitragen, kardiometabolische Risikofaktoren zu verbessern. Dadurch könnte sich auch das Risiko für die Entstehung von Thrombosen bei Patienten mit dem metabolischen Syndrom verringern.


Unser Tipp: Anthocyane sind u.a. in Blaubeeren, blauen Trauben, Himbeeren, Auberginen und Rotkohl enthalten. Sie sind auch in Nahrungsergänzungsmitteln, einzeln oder kombiniert, erhältlich, z.B. in Heidelbeerextrakten.


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Quelle:
Anahita Aboonabi et al., Anthocyanins in berries exhibited anti-atherogenicity and anti platelet activities in a metabolic syndrome population. In: Nutrition Research, Online-Veröffentlichung vom 27.2.2020, doi: 10.1016/j.nutres.2020.02.011.


Mehr Obst und Gemüse bei Asthma

 

Wie man bei Asthma die Ernährung am besten umstellen sollte, zeigt ein Review von US-amerikanischen Forschern, in dem die wissenschaftlichen Kenntnisse über Asthma und Ernährung ausgewertet wurden. Asthma ist eine häufige chronische Erkrankung, bei der sich die Atemwege entzünden und verengen. Dadurch entsteht eine Hyperreaktivität in den Bronchien, zeitweise wird der Luftstrom behindert. In den akuten Episoden kommt es zu Atemnot, Keuchen, Husten und Engegefühlen in der Brust.


Seit den 80er Jahren steigen die Vorkommen von Asthma stetig an. Parallel stieg auch die Verbreitung der westlichen Ernährungsweise mit einem hohen Verzehr von Fleisch, Fetten und wenig Obst und Gemüse. Wie Studien zeigen, kann neben der Therapie mit Arzneimitteln und der Senkung von auslösenden Reizen eine betont pflanzliche Ernährung zum Schutz vor Asthma beitragen und helfen, die Symptome zu verringern. Die pflanzliche Kost kann z.B. auf systemische Entzündungen im Körper, die Asthma verschlimmern können, einwirken. Mit reichlich Obst und Gemüse werden vermehrt Ballaststoffe aufgenommen, die dazu beitragen können, die Lungenfunktionen zu verbessern. Auch die enthaltenen Antioxidantien und Flavonoide können bei Asthma schützende Wirkungen haben. Das betrifft z.B. die Freisetzung von Zytokinen (regulatorische Proteine für die Signalübertragung zwischen Zellen), die Schädigung durch freie Radikale und Immunreaktionen, die an der Entstehung und dem Verlauf von Asthma beteiligt sind.


In Bezug auf die Versorgung mit Mikronährstoffen zeigt sich, dass Asthma-Patienten besonders häufig Vitamin D fehlt. Eine gute Versorgung mit dem u.a. antientzündlich wirkenden Vitamin D wirkt sich positiv auf die Asthmakontrolle aus. Es kann das Immunsystem, die Muskelzellen in den Atemwegen und die Lungenfunktionen positiv beeinflussen. Grundsätzlich sollte bei Asthma auf eine gute Aufnahme von Vitamin D geachtet werden. Dazu tragen der Aufenthalt in der Sonne, mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel und bei Bedarf auch Ergänzungen mit Vitamin D bei. Eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von oxidativem Stress spielen die Antioxidantien. Zu ihnen gehören u.a. die Vitamine E und C, aber auch Beta-Carotin und andere Carotinoide, Coenzym Q10, Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), z.B. Resveratrol, sowie Magnesium und Selen. Sie wirken mit ihren antioxidativen Funktionen auch auf das Immunsystem ein, haben antientzündliche Fähigkeiten und können zur Stärkung der Lungenfunktionen beitragen.


Die Auswertung relevanter Studien zeigte, dass der erhöhte Konsum von Obst und Gemüse das Risiko für Asthma bei Kindern und Erwachsenen verringern kann, gleiches gilt für Asthma-Symptome. So hatten zum Beispiel Asthmatiker, die sich acht Wochen lang vegetarisch ernährten, weniger Symptome als eine Kontrollgruppe. Mit vegetarischer Kost konnte auch der Einsatz von Asthma-Medikamenten verringert werden. In einer anderen Studie ernährten sich Asthmapatienten ein Jahr lang rein vegetarisch. Damit verbesserte sich ihre Vitalkapazität (Maß für die Luftmenge, die Patienten ausstoßen können) und andere Asthmasymptome. Dagegen können ein hoher Verzehr von Milchprodukten und Lebensmitteln, die reichlich gesättigte Fettsäuren enthalten, eher schädlich wirken. So hatten z.B. Kinder mit einem höheren Konsum an Milchprodukten ein stärkeres Asthmarisiko im Vergleich zu Kindern, die weniger davon aufnahmen. Der hohe Verzehr an gesättigten Fetten und von wenig Ballaststoffen war bei Asthmapatienten mit Entzündungen der Atemwege und schlechteren Lungenfunktionen verbunden.


Die Forscher ziehen das Fazit: Die Empfehlung für den erhöhten Verzehr von Obst und Gemüse, einschließlich von Hülsenfrüchten, wird durch die aktuelle Forschung zu Asthma und Ernährung unterstützt. Die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Milchprodukten sollte dagegen verringert werden. Dadurch sinkt das Asthmarisiko und verbessert sich die Asthmakontrolle. Die erhöhte Aufnahme von Ballaststoffen, Antioxidantien und gesünderen Fettsäuren unterstützt vermutlich Immunwege, die an der Entstehung und dem Verlauf von Asthma beteiligt sind.


In einem Podcast zum Thema „Asthma & Coronavirus“ (The Exam Room) nehmen die Autoren zur aktuellen Pandemie Stellung. Asthmapatienten haben bei der Infektion mit dem Coronavirus ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf, abhängig z.B. vom Grad der Krankheit und der therapeutischen Kontrolle. Asthmatiker sollten besonders darauf achten, alle Schutzmaßnahmen einzuhalten. Die gesunde Ernährung sollte ebenfalls im Blick behalten werden.


Unser Tipp: Vitamin D ist als Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen und Dosierungen erhältlich. Dabei unterstützen z.B. emulgiertes und liposomales Vitamin D die gute Aufnahme im Körper.


Quelle:
Jihad Alwarith et al., The role of nutrition in asthma prevention and treatment. In: Nutrition Reviews, Online-Veröffentlichung vom 13.3.2020, doi: 10.1093/nutrit/nuaa005.


Divertikel entstehen bei vielen Menschen im Lauf des Lebens in der Darmwand.

 

Divertikel entstehen bei vielen Menschen im Lauf des Lebens in der Darmwand. Sie können schmerzhafte Entzündungen auslösen, denen mit einer ballaststoffreichen Ernährung vorgebeugt werden kann.

 

Im höheren Alter erkranken in den westlichen Ländern viele Menschen an der Divertikelkrankheit, mit zunehmender Tendenz. Divertikel sind Ausstülpungen vor allem in der Darmwand, können aber auch in anderen Hohlorganen, z.B. in der Harnblase, auftreten. Viele bleiben „stumm“ und verursachen keine Beschwerden. Haben sich recht viele Divertikel gebildet, spricht man von einer Divertikulose. Durch Entzündungen kann es zur Divertikulitis kommen, die mit starken Schmerzen vor allem im linken Unterbauch und meist auch mit Fieber verbunden ist. Eine strenge Diät und viel Flüssigkeit trägt zur Therapie bei. Längst sind die typischen Risikofaktoren für die Divertikelkrankheit bekannt. Dazu gehören Übergewicht und Adipositas, geringe körperliche Aktivität, Rauchen und bestimmte Medikamente (NSAIDs). Ein erhöhtes Risiko besteht auch bei einer Ernährung, die nur wenig Ballaststoffe enthält und einen hohen Anteil an rotem Fleisch hat. Dagegen kann eine Ernährung mit einer hohen Aufnahme von Ballaststoffe das Risiko verringern, allerdings sind hier die Ergebnisse zur „Dosis-Wirkungs-Beziehung“ bisher nicht einheitlich. Dabei ist auch unklar, welche Art der Ballaststoffe besonders vorteilhaft für die Vermeidung der Divertikelkrankheit ist. So zeigte sich z.B. für Ballaststoffe aus Obst und Gemüse eine senkende Wirkung, das galt jedoch nicht für Ballaststoffe aus Getreidewaren.

 

Um die Beziehung von Ballaststoffen auf das Risiko für Divertikelkrankheiten besser einzuschätzen, wertete eine Gruppe von englischen und norwegischen Forschern die relevante Literatur systematisch aus und führte eine Metaanalyse von prospektiven Studien durch. Sie konnten fünf Bevölkerungsstudien mit rund 866.000 Teilnehmern in ihre Analyse einbeziehen. Darunter waren rund 19.000 Fälle der Divertikelkrankheit. Die Forscher berechneten für die Aufnahmen von Ballaststoffen die „Dosis-Wirkungs-Beziehung“. Es zeigte sich ein linearer Zusammenhang, immer berechnet zum Vergleich einer geringen täglichen Zufuhr von 7,5 g Ballaststoffen. Die etwas erhöhte Aufnahme von je 10 Gramm Ballaststoffen täglich verringerte das Risiko für die Divertikelkrankheit um 26 %. Bei der Aufnahme von 20 g Ballaststoffe pro Tag sank das Risiko für die Divertikelkrankheit um 23 %. Bei einer noch höheren Zufuhr von täglich 30 g verringerte sich das Risiko um 41 %, und bei der Aufnahme von 40 g Ballaststoffen sank das Risiko sogar um 58 %. Je nach Art der Ballaststoffe ergaben sich einige Unterschiede in der Wirkung. Bei der täglichen Aufnahme von 10 g pflanzlichen Fasern sank das Risiko um 20 %. Bei 10 g Getreidefasern täglich sank das Risiko um 26 %, bei 10 g Fasern aus Obst minderte sich das Risiko um 44 %.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Zusammenfassend zeigte diese Meta-Analyse eine starke und lineare Verringerung des Risikos der Divertikelkrankheit bei einer hohen Zufuhr von Ballaststoffen. So lässt sich mit täglich 30 g Ballaststoffen das Krankheitsrisiko um 41 % verringern. Obst- und Getreidefasern waren dabei am effektivsten, aber in weiteren Studien sollte die Art der Ballaststoffe in ihrer Wirkung auf die Divertikelkrankheit weiter untersucht werden.

 

Quelle:
Dagfinn Aune et al., Dietary fibre intake and the risk of diverticular disease: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. In: European Journal of Nutrition, Vol. 59, Nr. 2, 2020, doi: 10.1007/s00394-019-01967-w.


u den wichtigsten Faktoren gehören Übergewicht und der Alkoholkonsum.

 

In einer Übersicht stellte eine Gruppe internationaler Forscher die aktuellen Kenntnisse über die Beziehung zwischen der Ernährung und dem Risiko für die verschiedenen Krebskrankheiten vor. Zu den wichtigsten Faktoren gehören Übergewicht und der Alkoholkonsum.

 

Seit Jahrzehnten nimmt man an, dass die Ernährung einen wichtigen Einfluss auf Krebskrankheiten hat. Studien zeigten bereits in den 1960er Jahren, dass die Krebsraten bei einzelnen Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich sind. Das unterstützte die Annahme, dass Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle spielen könnten. Dabei zeigte sich eine starke Beziehung zwischen vielen Krebsarten und Ernährungsfaktoren. So hatten z.B. Länder mit einem großen Fleischverzehr hohe Raten an Darmkrebs. Es gab auch erste Hinweise, dass eine verbesserte Ernährung die Krebsraten senken könnte. Seither zeigte sich jedoch, dass die Bestimmung des Krebsrisikos und die Beziehungen zur Ernährung sehr kompliziert und komplex sind.

 

Zwei große Organisationen, der Weltkrebsforschungsfonds (WCRF) und die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), überprüften das karzinogene Risiko von Lebensmitteln und Nährstoffen anhand systematischer Übersichtsarbeiten und der Bewertung durch Expertengremien. Ein starkes Übergewicht (Adipositas, ab BMI 30) und der übermäßige Konsum von Alkohol können an mehreren Stellen im Körper Krebs verursachen. Bei Übergewicht und Adipositas schwankt der Risikoanstieg pro 5 kg/m2 im Body Mass-Index zwischen 5 % für den Darmkrebs und 50 % für den Krebs der Gebärmutterschleimhaut. Beim Alkoholkonsum reichen die Risikozunahmen pro 10 g Anstieg im täglichen Konsum zwischen 4 % für den Leberkrebs und 25 % für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Auch verarbeitete Fleischwaren wurden als überzeugende Krebsursache eingestuft. Im jüngsten WCRF-Bericht erhöhte ein hoher Verzehr von verarbeitetem Fleisch das Risiko für Darmkrebs um 16 % (pro 50 g/Tag-Zunahme).

 

Bei vielen anderen Ernährungsfaktoren ist eine Beziehung zum Krebsrisiko wahrscheinlich, doch es fehlen ausreichende Nachweise. Einige Beispiele: Die Fettleibigkeit erhöht wahrscheinlich das Risiko von Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens sowie von aggressivem Prostatakrebs. Sehr heiße Getränke erhöhen wahrscheinlich das Risiko für Speiseröhrenkrebs. Durch Salz konservierte Lebensmittel erhöhen wahrscheinlich das Risiko für Magenkrebs. Das Risiko für Endometriumkrebs wird wahrscheinlich durch eine Ernährung mit einer hohen glykämischen Belastung erhöht.

 

Für die verschiedenen Krebskrankheiten können die Risiken durch die Ernährung unterschiedlich sein. Wir greifen als Beispiel die Ernährung beim Brustkrebs heraus, weltweit die zweithäufigste Krebskrankheit. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören reproduktive und hormonelle Faktoren. Ein starkes Übergewicht (Adipositas) erhöht bei Frauen in der Postmenopause das Brustkrebs-Risiko. Dazu trägt vermutlich die Erhöhung der zirkulierenden Östrogene bei, die durch das Enzym Aromatase im Fettgewebe gebildet werden. Es ermöglicht, dass Androgene in Östrogene umgewandelt werden können. Bekannt ist weiter, dass Alkohol das Brustkrebs-Risiko deutlich erhöhen kann, bei jedem täglich konsumierten Getränk um etwa 10 %, auch dies könnte mit erhöhten Östrogenen verbunden sein. Die Annahme, dass eine hohe Fettzufuhr im Erwachsenenalter das Brustkrebsrisiko erhöht, ist bislang nicht eindeutig nachgewiesen. Auch Ergebnisse für andere Ernährungsfaktoren wie Fleisch, Milchprodukte und Obst sind nicht immer eindeutig. Einige neuere Studien zeigten eine Beziehung zwischen dem erhöhten Verzehr von Gemüse und dem geringeren Risiko für den (Östrogenrezeptor-negativen) Brustkrebs sowie zwischen Ballaststoffen und dem Gesamtrisiko. Isoflavone, die größtenteils aus Soja gewonnen werden, waren in der asiatischen Bevölkerung mit einem geringeren Brustkrebsrisiko verbunden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Adipositas und Alkohol erhöhen das Risiko für verschiedene Krebsarten. Dies sind die wichtigsten Ernährungsfaktoren, die weltweit zur Gesamtbelastung durch Krebs beitragen. Bei Darmkrebs erhöhen verarbeitetes Fleisch und rotes Fleisch wahrscheinlich das Risiko. Dagegen verringern Ballaststoffe, Milchprodukte und Kalzium wahrscheinlich das Risiko für den Darmkrebs. Lebensmittel, die Mutagene (Substanzen, die das Erbgut verändern können) enthalten, können Krebs verursachen. Mit Aflatoxin (Mykotoxine aus bestimmten Schimmelpilzen) kontaminierte Lebensmittel können Leberkrebs verursachen. Obst und Gemüse stehen nicht eindeutig mit dem Krebsrisiko in Verbindung, obwohl eine sehr geringe Aufnahme das Risiko für mit Tabakkonsum verbundene und einige andere Krebsarten erhöhen könnte.

 

Unser Tipp: Diese Übersicht zeigt wichtige Faktoren in der Beziehung der Ernährung zu Krebskrankheiten. Je tiefer man in die Details geht, umso größer wird das komplexe Spektrum der Einflussfaktoren. Dazu gehören auch die Mikro-Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe etc. Viele von ihnen können bei guter Versorgung z.B. das Immunsystem stärken, zur Prävention von Krankheiten beitragen und die Therapie unterstützen.

 

Quelle:
Timothy J. Key et al., Diet, nutrition, and cancer risk: what do we know and what is the way forward? In: The British Medical Journal, Online-Veröffentlichung vom 5.3.2020, doi: 10.1136/bmj.m511.


 Vitamin D kann den Heilungsprozess nach einer Hüftoperation unterstützen.

 

Vitamin D kann den Heilungsprozess nach einer Hüftoperation unterstützen. In einer Studie waren ältere Patienten mit einer guten Versorgung an Vitamin D nach einer solchen Operation deutlich mobiler.

 

Ein höheres Alter und die Osteoporose können zu mehr Knochenbrüchen beitragen. Damit steigt auch die Gefahr für Knochenbrüche an den Hüften, die oft besonders schwere Folgen haben können. Die Heilung kann sich über mehrere Monate hinziehen. Zu den möglichen Folgen gehören z.B. Einschränkungen beim Gehen sowie Schmerzen und Schwellungen. Eine gute Versorgung mit Vitamin D, das für die Knochen und Muskeln besonders wichtig ist, könnte möglicherweise dazu beitragen, die Heilung nach Hüftoperationen zu fördern und belastende Folgen zu verringern. Das prüfte eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern in einer Studie.

 

An dieser Untersuchung nahmen 290 Patienten im höheren Alter (im Durchschnitt 82 Jahre, 73 % Frauen) und einem im Durchschnitt leicht erhöhten Körpergewicht (BMI 25) teil. Alle waren wegen eines Knochenbruches an den Hüften operiert worden. Bei allen wurde 30 Tage nach der Operation und noch einmal nach 60 Tagen der Gesundheitszustand untersucht. Dabei wurden bei allen Patienten Albumin (wichtiges Plasmaprotein), Vitamin D (25(OH)D) und das Parathormon (Nebenschilddrüsenhormon, wichtig für den Kalziumspiegel) bestimmt, außerdem wurde der Ernährungs-Zustand bewertet. Die Teilnehmer mit den besten Vitamin D-Werten (> 30 ng/mL) waren nach 30 Tagen mobiler bzw. konnten besser gehen. Dies galt auch noch nach 60 Tagen im Vergleich zu den Patienten mit der schlechtesten Versorgung an Vitamin D (<12 mg/mL). Bei einem schlechten Ernährungszustand zeigte sich ein leichter Trend zur geringeren Mobilität nach 30 Tagen, der jedoch nach 60 Tagen nicht mehr vorhanden war.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Nach Hüftoperationen ist eine schlechte Versorgung mit Vitamin D bei älteren Patienten mit einer geringeren Beweglichkeit verbunden. Eine gute Versorgung mit Vitamin D fördert dagegen die Mobilität der Patienten. Die Ernährung hat ebenfalls einen leichten Einfluss, ist aber als Einflussfaktor weniger ausgeprägt. Die Forscher empfehlen, die Ursachen für den Einfluss von Vitamin D auf die Erholung nach einer Hüftoperation weiter zu untersuchen.

 

Unser Tipp: Vitamin D ist als Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen und Dosierungen erhältlich. Dabei unterstützen z.B. emulgiertes und liposomales Vitamin D die gute Aufnahme im Körper.

 

Quelle:
Lihong Hao et al., Vitamin D deficiency is associated with reduced mobility after hip fracture surgery: a prospective study. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Online-Veröffentlichung vom 19.2.2020, doi: 10.1093/ajcn/nqaa029.


Zwei Äpfel täglich sind gut fürs Herz

 

Äpfel enthalten reichlich bioaktive Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) und Ballaststoffe, beide haben ein breites Spektrum von gesundheitlichen Wirkungen. Wie eine kleine Studie zeigt, kann der Apfelverzehr die Cholesterinwerte verbessern und damit den Schutz vor Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen.

 

Seit langem und weltweit bekannt ist der englische Spruch: „An apple a day keeps the doctor away“, ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Hinweisen darauf, dass der Verzehr von Äpfeln sich mitsamt den enthaltenen bioaktiven Komponenten, darunter reichlich Polyphenole und Ballaststoffe (vor allem Pektin), günstig auf den Fettstoffwechsel und die Cholesterinwerte sowie auf andere Marker von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken kann. Eine Gruppe von englischen und italienischen Forschern untersuchte in einer kleinen (kontrollierten) Studie die Auswirkungen des Apfelverzehrs auf die zirkulierenden Blutfette (Lipide), die Gefäßfunktionen und andere Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten.

 

Einbezogen in die Studie waren 40 gesunde Personen (23 Frauen, 17 Männer) im Alter von durchschnittlich 51 Jahren. Sie waren normal- bis leicht übergewichtig (BMI 25,3 ± 3,7) und hatten leicht erhöhte Cholesterinwerte. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die eine verzehrte acht Wochen lang täglich zwei Äpfel (Sorte Renetta Canada), die reich an Proanthocyanidinen (Polyphenole) sind, die andere nahm ein im Zucker- und Energiegehalt angepasstes Apfelgetränk zur Kontrolle ein.

 

Darauf folgten vier Wochen ohne Intervention (sogenannte Auswaschperiode). Danach wurden die Gruppen getauscht, wer vorher Äpfel verzehrt hatte, nahm nun acht Wochen lang das Apfelgetränk ein und umgekehrt. Vor und nach jeder Periode wurden bei den Teilnehmern Nüchtern-Blutproben genommen. Es wurden Serumlipide, Glukose, Insulin, Gallensäuren sowie Endothel- und Entzündungs-Biomarker bestimmt. Außerdem wurde bei allen Teilnehmern die Arteriensteifigkeit gemessen.

 

Der Apfelverzehr verbesserte vor allem die Cholesterinwerte, es verringerten sich das Gesamt- und das (sogenannte schlechte) LDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride. Weiter fanden sich mit dem Apfelverzehr geringere Werte beim Adhäsionsmolekül, das zur Gruppe der Immunglobuline gehört und an entzündlichen Prozessen beteiligt ist. Die Reaktion auf die vom Endothel abhängige Gefäßerweiterung (mikrovaskuläre Vasodilatation) war nach dem Verzehr von Äpfeln größer. Weitere Einflussfaktoren durch den Apfelverzehr, z.B. auf den Blutdruck oder andere kardiovaskuläre Marker, zeigten sich nicht.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Ergebnisse unterstützen die positiven gesundheitlichen Wirkungen des täglichen Verzehrs von Äpfeln mit reichlich Polyphenolen bei leicht erhöhten Cholesterinwerten. Damit können die Cholesterinwerte gesenkt und einige positive Wirkungen auf die Blutgefäße erreicht werden. Diese Beziehungen sollten in größeren Studien weiter untersucht werden.
 
Quelle:
Athanasios Koutsos et al., Two apples a day lower serum cholesterol and improve cardio metabolic biomarkers in mildly hypercholesterolemic adults: a randomised, controlled, crossover trial. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Online-Veröffentlichung vom 16.12.2019, doi: 10.1093/ajcn/nqz282.


Bei Stress geraten auch Mikronährstoffe unter Druck

 

Stress kann verschiedene Ursachen und Wirkungen haben. Dazu gehört auch, dass sich Mikronährstoffe verringern können. Das kann viele Abläufe im Körper weiter belasten und stören.

 

Stress ist eine unspezifische, körperliche und psychische Reaktion auf erhöhte Belastungen, z.B. aus der Umwelt oder durch Prozesse im eigenen Organismus. Damit verbunden ist eine erhöhte Aktivität des vegetativen Nervensystems und der endokrinen Organe (Schilddrüse, Hypophyse, Pankreas, Nebennieren etc.). Zu den Folgen gehört, dass mehr Katecholamin (Noradrenalin, Dopamin etc.) ausgeschüttet wird. Der Blutdruck erhöht sich, das Herz und die Gefäße können ebenso wie das Immunsystem beeinträchtigt werden. Bei übermäßiger oder chronischer Stressbelastung steigt das Risiko für psychische und physische Krankheiten. Weniger bekannt ist, dass sich Stressbelastungen auch auf die Konzentration von Mikronährstoffen auswirken können.

 

Zu ihnen gehören Vitamine und Mineralien, die für zahlreiche körperliche und geistige Funktionen notwendig sind. Defizite oder gar schwerere Mängel sind mit einer Reihe von Krankheiten verbunden. Ein australischer Forscher wertere dazu relevante Studien aus, in denen die Auswirkungen verschiedener Stressfaktoren in Bezug auf Mikronährstoffe untersucht wurden. Geprüft wurden vor allem die Folgen von psychischem Stress, Schlafentzug und körperlicher Bewegung auf die Konzentration und Ausscheidung von Mikronährstoffen. Analysiert wurden vor allem Studien mit Magnesium, Zink, Kalzium, Eisen sowie dem B-Vitamin Niacin.

 

Insgesamt deutete ein Großteil der Ergebnisse darauf hin, dass erhöhte Stressbelastungen die Konzentration von Mikronährstoffen beeinflussen können. Zu den möglichen Ursachen könnten z.B. der Einfluss verschiedener Stressfaktoren und die Art und der Grad der Stressbelastungen gehören. Unterschiedliche Reaktionen gibt es möglicherweise auch bei verschiedenen Personengruppen, z.B. aufgrund von Alter, dem Geschlecht oder Gesundheitszustand. Die näheren Zusammenhänge über die Beziehungen zwischen Stressbelastungen und Mikronährstoffen sollten in weiteren Studien genauer untersucht werden.

 

Unser Tipp: Bei Stressbelastungen verschlechtert sich oft auch die Ernährung. Dadurch sinkt die Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie mit Antioxidantien. Gute Kombinationen von Mikronährstoffen können in Stressphasen den Körper, das Nerven- und Immunsystem etc., unterstützen.

 

Quelle:
Adrian L. Lopresti, The Effects of Psychological and Environmental Stress on Micronutrient Concentrations in the Body: A Review of the Evidence. In: Advances in Nutrition, Nr. 1, 2020, S. 103-112, doi: 10.1093/advances/nmz082.


Vitamin D beim Müdigkeitssyndrom

 

Wenn Müdigkeit über eine längere Zeit anhält, spricht man von Fatigue oder dem Müdigkeitssyndrom. Sie tritt häufiger infolge von schwereren Krankheiten, aber auch bei älteren Menschen zum Teil ohne erkennbare Gründe auf. Oft wird dann auch ein Mangel an Vitamin D festgestellt.

 

Müdigkeit ist durch ein vermindertes Energieniveau, eine geringere Muskelkraft und sinkende kognitive Leistungen gekennzeichnet. Der Verlust an Kraft und Ausdauer belastet die Verrichtung alltäglicher Aufgaben, das soziale und familiäre Leben ebenso wie die Arbeitsleistungen. Die Müdigkeit ist normalerweise ein vorübergehender Zustand, ausgelöst z.B. durch Schlafmangel oder Stressbelastungen. Wenn aber die Müdigkeit häufiger auftritt und über längere Zeit vorkommt, spricht man von Fatigue. Sie kann z.B. als chronisches Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndrom bei verschiedenen chronischen Krankheiten auftreten, das gilt vor allem bei Krebskrankheiten. Es gibt inzwischen einige Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer zu geringen Versorgung an Vitamin D und der Fatigue. Davon könnten ältere Menschen stärker betroffen sein, da ihre Fähigkeit zur Bildung von Vitamin D durch die Sonneneinwirkung auf die Haut sinkt und sie sich oftmals auch weniger im Freien aufhalten. Eine Gruppe von italienischen Forschern untersuchte daher in einer Studie den Vitamin D-Status bei älteren Menschen mit und ohne Müdigkeitssyndrom.

 

Einbezogen waren 480 ältere Patienten (ab 65 Jahren) aus einem Krankenhaus im italienischen Catania. Die Hälfte von ihnen litt am Müdigkeitssyndrom, die andere Hälfte hatte keine auffälligen Symptome von erhöhter Müdigkeit und diente zur Kontrolle. Bei allen Teilnehmern wurde der Grad der Müdigkeit anhand einer Skala gemessen, auch die geistige und körperliche Müdigkeit wurden untersucht. Bei allen Teilnehmern wurden in Blutproben auch die Konzentration von Vitamin D sowie einige andere Parameter bestimmt. Die Patienten mit Fatigue hatten im Vergleich zu den Kontrollpersonen höhere Werte bei der körperlichen und mentalen Müdigkeit sowie auf der Schweregrad-Skala. Parameter im Blut, die mit der Müdigkeit zusammenhingen, waren jedoch in beiden Gruppen weitgehend normal.

 

Einige Unterschiede fanden die Forscher z.B. bei den Werten von Thrombozyten (Blutplättchen), Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Hämatokrit (feste Blutbestandteile). Die Werte von CRP (C-reaktives Protein), ein typischer Entzündungs-Marker, waren bei den Fatigue-Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höher. Auffällig waren bei den Müdigkeits-Patienten vor allem die niedrigeren Vitamin-D-Spiegel. Bei einer besseren Versorgung mit Vitamin D war dagegen die Ausprägung der Müdigkeit geringer.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Defizite an Vitamin D waren in dieser Studie mit den Vorkommen von geistiger und körperlicher Fatigue verbunden. Das deutet nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass eine Ergänzung von Vitamin D das Risiko für die Fatigue bei älteren Menschen verringern könnte. Diese Zusammenhänge sollten in weiteren Studien näher untersucht werden.

 

Unser Tipp: Vitamin D ist für die Knochen, Muskeln, die Verwertung von Kalzium und Phosphor, aber auch für das Immunsystem sehr wichtig. Auf eine gute Qualität sollte bei Ergänzungen geachtet werden, die Aufnahme kann z.B. durch emulgierte oder flüssige Vitamin D-Formen verbessert werden.

 

Quelle:
Manuela Pennisi et al., Decrease in Serum Vitamin D Level of Older Patients with Fatigue. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 20.10.2019, doi: 10.3390/nu11102531.


Mit grünem Tee länger leben?

 

Wer pro Woche mindestens drei Tassen grünen Tee trank, konnte in einer chinesischen Studie die Perspektive für ein längeres, gesünderes Leben verbessern. Das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle hatte sich dadurch um 20 % verringert.

 

Der grüne Tee gilt allgemein als sehr gesund, weil er viele bioaktive Inhaltsstoffe, vor allem Polyphenole (Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe) enthält. Gesundheitlich wirksam sind besonders die Catechine, darunter vor allem EGCG (Epigallocatechingallat), für das viele Wirkungen nachgewiesen sind, z.B. auf Herzfunktionen, Blutgefäße und den Bluthochdruck, hinzu kommen verringerte Entzündungen und antioxidative Funktionen. Im schwarzen Tee ist der antioxidative Effekt dagegen deutlich geringer, weil im Lauf der Fermentation die Polyphenole oxidieren. Schwarzer Tee wird außerdem häufiger mit Milch getrunken, was z.B. die Wirkungen auf die Blutgefäße hemmen könnte.

 

Einige Studien zeigten jedoch, dass die Polyphenole aus dem grünen Tee im Körper nicht längerfristig gespeichert werden können. Daher ist vermutlich ein regelmäßiger Konsum notwendig, um die herzschützenden Wirkungen des grünen Tees zu erreichen. In einer chinesischen Langzeitstudie prüften Forscher daher, wie sich das Trinken verschiedener Teesorten auf das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfälle auswirkt.

 

Im Rahmen einer Bevölkerungsstudie nahmen seit 1998 rund 101.000 chinesische Erwachsene aus 15 Provinzen an einer prospektiven Studie (China-PAR) teil. Alle Teilnehmer wurden zu ihrem gewohnten Teekonsum befragt, dazu gehörte die Art des bevorzugten Tees und die üblicherweise konsumierte Menge. Danach wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine trank regelmäßig Tee (wenigstens 3-mal pro Woche), die andere trank Tee nur selten oder nie. 50 % der Teetrinker bevorzugten den grünen Tee, 8 % tranken schwarzen Tee, die restlichen Teilnehmer tranken am liebsten aromatisierte Tees. Im Lauf von sieben Jahren Beobachtungszeit traten in dieser großen Gruppe rund 3.700 atherosklerotische Herz-Kreislauf-Krankheiten auf, knapp 1.500 Teilnehmer verstarben aufgrund dieser Krankheiten.

 

Die regelmäßigen Teetrinker konnten ihr Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle im Durchschnitt um 20 % verringern. Sie konnten koronare Herzkrankheiten oder Schlaganfälle deutlich verzögern (um 1,41 Jahre), und sie hatten eine längere Lebenszeit (im Durchschnitt 1,26 Jahre) im Vergleich zu Teilnehmern, die grünen Tee selten oder nie tranken. Die Ergebnisse waren für den grünen Tee signifikant und am effektivsten bei denen, die den Tee regelmäßig über viele Jahre tranken. Nach weiteren acht Jahren befragten die Forscher noch einmal 14.000 Teilnehmer aus dieser Studie zu ihrem Lebensstil und zu den Gewohnheiten beim Teetrinken. Sie wurden danach fünf Jahre lang weiter beobachtet. Teilnehmer, die ihren hohen Teekonsum über all diese Jahre beibehielten, konnten ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nun noch weiter, d.h. um 39 %, senken.

 

Aus einer Beobachtungsstudie lässt sich nicht auf die Ursachen für die positiven Wirkungen des grünen Tees schließen. Dies müsste in kontrollierten Studien weiter untersucht werden. Die Ergebnisse lassen sich ohne weiteres auch nicht auf andere Regionen übertragen, da z.B. in Europa der grüne Tee noch immer seltener als schwarzer Tee getrunken wird. Die Forscher ziehen dennoch aus dieser Studie das Fazit, dass ein regelmäßiger Konsum von grünem Tee die Gesundheit stärkt und die Lebensperspektiven verbessern kann. Das gilt vor allem für ein verringertes Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Krankheiten und bei einem regelmäßigen Teekonsum über viele Jahre.

 

Unser Tipp: Extrakte aus dem grünen Tee sind in Nahrungsergänzungsmittelnm einzeln und in Kombinationen, enthalten. Dabei ist besonders der gute Gehalt an Polyphenolen und speziell von EGCG (Epigallocatechingallat) wichtig.

 

Quelle:
Xinyan Wang et al., Tea consumption and the risk of atherosclerotic cardiovascular disease and all-cause mortality: The China-PAR project. In: European Journal of Preventive Cardiology, Online-Veröffentlichung vom 8.1.2020, doi: 10.1177/2047487319894685.


Diäten zur Gewichtsreduktion auf dem „realen“ Prüfstand

 

Ohne intensive diätetische Unterstützung haben viele Programme zum Abnehmen einen eher geringen Erfolg. In einer Studie prüften Forscher über ein Jahr, wie Diäten zur Gewichtsabnahme von den Teilnehmern befolgt werden und welche gesundheitlichen Verbesserungen sie bringen.

 

Verschiedene Diäten führten in kontrollierten Versuchen zum Gewichtsabbau. Bisher gibt es jedoch nur wenig Nachweise für die langfristige Wirksamkeit von Diäten zur Gewichtsabnahme unter normalen Lebensbedingungen, die nicht intensiv unterstützt werden. Eine Forschergruppe aus Neuseeland untersuchte dies in einer Studie bei übergewichtigen Erwachsenen. Geprüft werden sollte, wie wirksam drei verschiedene Diäten unter den Bedingungen der "realen Welt" waren,

 

Ein Jahr lang nahmen 250 gesunde, übergewichtige Erwachsene (BMI ab 27) an der Studie teil. Alle erhielten anfangs eine Aufklärung über die verschiedenen Diäten, danach konnten sie sich für eine Form entscheiden. Sie hatten die Wahl zwischen der Mittelmeer- oder der Paleo-Diät oder dem intermittierenden Fasten. Zur Mittelmeerdiät gehört der Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornbrot und Getreidewaren, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und Olivenöl sowie mäßige Mengen an Fisch, Huhn, Eiern und Milchprodukten. Rotes Fleisch sollte nur einmal pro Woche oder noch seltener gegessen werden. Bei der Paleo-Diät wurde eine gemäßigte Form empfohlen. Neben wenig verarbeiteten Lebensmitteln mit dem Schwerpunkt auf Obst und Gemüse, tierischen Proteinen, Nüssen, Kokosnussprodukten und gutem Olivenöl sollten auch einige Milchprodukte sowie bis zu einer Portion Hülsenfrüchte und Getreidewaren täglich einbezogen werden.

 

Beim intermittierenden Fasten reduzierten die Teilnehmer an zwei selbst gewählten Tagen pro Woche ihre Energiezufuhr um rund 25 % (500 Kalorien bei Frauen, 600 Kalorien bei Männern). Nach der Beratung führten die Teilnehmer ihre gewählte Diät ohne die Unterstützung durch Ernährungsberater durch.

 

Rund 54 % der Teilnehmer entschieden sich für das intermittierende Fasten, 27 % für die Mittelmeerdiät und 18 % für die Paleo-Diät. Nach einem Jahr befolgten jedoch nur noch etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer die Mittelmeerdiät (57 %) und das intermittierende Fasten (54 %), nur rund ein Drittel hielt noch die Paleo-Diät (35 %) aufrecht. Die anderen Teilnehmer brachen die Diät vorzeitig ab oder befolgten sie nur noch teilweise. Nach einem Jahr betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust 4 Kilogramm beim intermittierenden Fasten, 2,8 Kilogramm bei der Mittelmeerdiät und 1,8 Kilogramm bei der Paleo-Diät. Die Einhaltung der jeweiligen Diät über das ganze Jahr erhöhte den Gewichtsverlust beim intermittierenden Fasten und bei der Mittelmeerdiät um 1,1 bzw. 1,8 Kilogramm. Die Forscher untersuchten im Lauf der Studie auch Veränderungen im Stoffwechsel. Beim intermittierenden Fasten und bei der Mittelmeerdiät sank der systolische Blutdruck im Durchschnitt um 4,9 mm Hg bzw. um 5,9 mm HG. Außerdem verringerte sich bei der Mittelmeerdiät der Blutzuckerspiegel (glykiertes Hämoglobin) im Durchschnitt um 0,8 mmol/mol.

 

Für die Forscher zeigen diese Ergebnisse, dass die mediterrane Diät, das intermittierende Fasten- oder auch die Paleo-Diät eine gesunde Ernährungsweise sein kann. Die Gewichtsabnahme blieb jedoch ohne die regelmäßige Diät-Betreuung der Teilnehmer eher bescheiden. Mit der Fasten- oder der Mittelmeerdiät war der Erfolg etwas besser, und die Teilnehmer erreichten auch einige gesundheitliche Verbesserungen im Blutdruck und/oder im Blutzucker. Die Forscher heben hervor, dass es nicht die eine, einzig „richtige“ Ernährung für alle Menschen gibt, sondern verschiedene Optionen. Alle drei Diäten bieten sinnvolle Ansätze für eine gesunde Ernährung. Die „beste“ Ernährung ist die, die gesunde Lebensmittel enthält und zum Individuum passt. Hier zeigte sich, dass die mediterrane Ernährung für die Teilnehmer in der Durchführung am einfachsten war. Zu hoch sollten die Erwartungen an den Erfolg bei der Gewichtsabnahme durch eine Diät ohne ständige Begleitung nicht sein, um Enttäuschungen zu vermeiden, die den Abbruch nach sich ziehen können. Unter realen Bedingungen des Alltags erreichten die Teilnehmer mit der Mittelmeer-Diät und dem intermittierenden Fasten die besten Ergebnisse.

 

Unser Tipp: Bei einer Gewichtsreduktion sollte darauf geachtet werden, dass sich durch die verminderte Kalorienaufnahme die Zufuhr von wichtigen Mikro-Nährstoffen nicht ebenfalls verringert. Gute Multipräparate mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen können mögliche Defizite ausgleichen.

 

Quelle:
Michelle R. Jospe et al., Intermittent fasting, Paleolithic, or Mediterranean diets in the real world: exploratory secondary analysis of a weight-loss trial that included choice of diet and exercise. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Online-Veröffentlichung vom 27.12.2019, doi: 10.1093/ajcn/nqz330.


Bei Teenagern mit PCOS ist das Mikrobiom stärker belastet

 

Bei übergewichtigen Teenagern mit einem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) wurden in einer Studie mehr ungesunde Darmbakterien gefunden. Das deutet darauf hin, dass das Mikrobiom im Darm bei PCOS eine Rolle spielen könnte.

 

Veränderungen im Darm-Mikrobiom sind mit dem metabolischen Syndrom verbunden. Die Zusammensetzung der Bakterien wirkt sich auf den Energiestoffwechsel, auf Störungen des Glukose- und Lipidstoffwechsels sowie auf entzündliche Prozesse aus. Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) kann diese Situation weiter verschlechtern, diese Stoffwechselstörung beeinträchtigt das hormonelle Gleichgewicht von Frauen. Betroffen sind etwa 6 bis 18 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter, das Risiko steigt bei Übergewicht deutlich an. Die Krankheit ist durch erhöhte Testosteronspiegel im Blut gekennzeichnet, dies kann zu Akne, übermäßigem Haarwachstum und unregelmäßiger Menstruation beitragen. Bei erwachsenen Frauen zeigte sich bereits, dass die Krankheit vermutlich mit einer veränderten Zusammensetzung der Darmbakterien einhergeht. Ob PCOS auch bei Teenagern mit einem veränderten Bakterien-Profil verbunden ist, prüfte eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern in einer kleinen Studie.

 

Sie untersuchten bei 58 übergewichtigen Teenagern (im Durchschnitt 16 Jahre alt) die Vorkommen und Vielfalt der Bakterien im Stuhl. 37 Mädchen waren an PCOS erkrankt, zur Kontrolle waren 21 gesunde Mädchen einbezogen. Bei allen wurden typische Stoffwechsel-Marker untersucht und Hormonmessungen durchgeführt. Mit PCOS hatten die Mädchen im Vergleich zu den Gesunden häufiger ein verändertes Darm-Mikrobiom. Typisch waren dann eine geringere Vielfalt und ein höherer Anteil von ungesunden Bakterien. Das war mit höheren Konzentrationen von Testosteron und anderen charakteristischen Markern des metabolischen Syndroms verbunden, z.B. mit einem höheren Blutdruck, Leberentzündungen und höheren Triglyzeriden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Teenager mit PCOS hatten im Vergleich zu den gesunden Mädchen ein verändertes Darm-Mikrobiom. Ein weiterer Nachweis, dass das Mikrobiom bei PCOS und den damit verbundenen Stoffwechselstörungen offenbar eine wichtige Rolle spielt. Die Veränderungen im Mikrobiom treten bereits bei jugendlichen Mädchen auf, die an PCOS erkrankt sind und sich noch in einem frühen Stadium der Erkrankung befinden. In weiteren Studien sollten künftig die Zusammenhänge zwischen PCOS und dem Mikrobiom näher untersucht werden.

 

Unser Tipp: Auch wenn die Beeinflussung des Mikrobioms durch gesunde Bakterien hier nicht untersucht wurde, so gibt es deutliche Hinweise aus der Forschung, dass Prä- und Probiotika zusammen mit einem gesunden Lebensstil dazu beitragen, die Bakterienflora im Darm zu verbessern.

 

Quelle:
Beza Jobira et al., Obese adolescents with PCOS have altered biodiversity and relative abundance in gastrointestinal microbiota. In: The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Online-Veröffentlichung vom 23.1. 2020, doi: 10.1210/clinem/dgz263.


In einer kleinen Studie an Patienten mit dem metabolischen Syndrom konnte ein Intervallfasten mit begrenzter täglicher Nahrungsaufnahme an 10 Stunden viele Symptome des metabolischen Syndroms verbessern.

 

In einer kleinen Studie an Patienten mit dem metabolischen Syndrom konnte ein Intervallfasten mit begrenzter täglicher Nahrungsaufnahme an 10 Stunden viele Symptome des metabolischen Syndroms verbessern.

 

Bei der Flut an Diäten, die ständig in den Medien propagiert wird, ist es oft schwer zu beurteilen, ob die Maßnahmen sinnvoll sind oder langfristig eher wenig Erfolg bieten. In letzter Zeit wurde das Intervallfasten populär, bei dem entweder ein oder zwei Tage pro Woche nichts gegessen wird oder die Mahlzeiten täglich nur in einem begrenzten Zeitfenster von etwa acht Stunden (ohne Kalorien-Zählung) aufgenommen werden. Doch bisher gibt es noch nicht viele Studien, die sich mit dem Intervallfasten beschäftigten. Eine US-amerikanische Pilotstudie bei Menschen mit dem metabolischen Syndrom zeigte nun, dass ein Intervallfasten mit der Nahrungsaufnahme an 10 Stunden täglich half, das Körpergewicht, auch ohne vermehrte Körperbewegung, zu senken und den Stoffwechsel zu verbessern.

 

Das metabolische Syndrom ist weit verbreitet, rund jeder fünfte Erwachsene ist in Deutschland davon betroffen. Zu den Merkmalen gehören Übergewicht und (abdominale) Adipositas, erhöhte Blutfette sowie ein zu hoher Blutdruck und Blutzucker. Mindestens drei Merkmale müssen bei einem Patienten vorhanden sein, um ein metabolisches Syndrom zu diagnostizieren. In der Folge erhöht sich das Risiko für kardiometabolische Krankheiten, dazu gehören Herz-Kreislauf-Krankheiten und der Typ 2 Diabetes. Zu den grundlegenden Empfehlungen gehören mehr Bewegung und eine gesündere Ernährung. Wie man aus langer Erfahrung weiß, ist beides nicht leicht zu erreichen. Das Intervallfasten könnte dabei helfen, darauf deuteten Versuche bei Tieren hin.

 

Die zeitliche Begrenzung der Nahrungsaufnahme hatte sich auf den Tag-Nacht-Rhythmus günstig ausgewirkt. Das Intervallfasten trug zu einem geringeren Gewicht und besseren Stoffwechsel-Parametern bei. Die kalifornische Forschergruppe prüften daher in einer kleinen Pilotstudie, ob das Intervallfasten auch bei Menschen mit dem metabolischen Syndrom hilfreich sein kann. Daran nahmen 13 Männer und 6 Frauen mit dem metabolischen Syndrom teil, 16 von ihnen nahmen Medikamente, Statine oder Blutdrucksenker, ein. Vor der Studie zogen sich die Mahlzeiten der Teilnehmer über 14 Stunden pro Tag hin. In der Studie beschränkten sie 12 Wochen lang ihre Mahlzeiten auf 10 Stunden pro Tag. Sie konnten selbst auswählen, in welcher Zeit sie aßen. Die meisten nahmen ihr Frühstück etwas später als gewohnt und die letzte Mahlzeit etwas früher ein. Sie blieben bei drei Mahlzeiten täglich und verzichteten abends auf Snacks.

 

Am Ende der Studie hatten sich einige typische Parameter des metabolischen Syndroms verbessert. Das betraf das geringere Gesamtcholesterin (− 1,2 mg/dl), den verbesserten Blutdruck (− 5,1 mm Hg beim systolischen, − 6,4 mm Hg beim diastolischen Blutdruck) und den langfristigen Blutzuckerwert HbA1c (− 0,22 %), bei den Insulin-Werten zeigte sich zumindest ein abnehmender Trend. Die Teilnehmer berichteten außerdem über eine verbesserte Schlafqualität. Für viele sicher am erfreulichsten, sie nahmen mit dem Intervallfasten 3,3 kg Gewicht ab, verringerten ihren Taillenumfang und das Körperfett (einschließlich abdominales Fett), ohne sich stärker körperlich bewegt zu haben.

 

Die Forscher ziehen daraus das Fazit, dass ein verbesserter zirkadianer Rhythmus dazu beitragen kann, das metabolische System zu verbessern. Sie prüfen jetzt die Wirkung des Intervallfastens beim metabolischen Syndrom in einer größeren Studie. Noch ist nicht geklärt, ob die erreichten Vorteile eine Folge des Intervallfastens oder der Gewichtsreduktion sind. Für die Teilnehmer dürfte dies weniger von Bedeutung sein. Ihre Ernährungsprotokolle zeigten jedenfalls, dass es den meisten gelang, sich an die Essenszeiten im Lauf von 10 Stunden täglich zu halten.

 

Quelle:
Michael J. Wilkinson et al., Ten-Hour Time-Restricted Eating Reduces Weight, Blood Pressure, and Atherogenic Lipids in Patients with Metabolic Syndrome. In: Cell Metabolism, Online-Veröffentlichung vom 5.12.2019, doi: 10.1016/j.cmet.2019.11.004.


Ein Forscherteam der Universität Homburg analysierte die Versorgung in Deutschland und empfiehlt, Strategien zu entwickeln, um Defizite an Vitamin D besser zu vermeiden.

 

Defizite an Vitamin D sind weltweit sehr verbreitet. Ein Forscherteam der Universität Homburg analysierte die Versorgung in Deutschland und empfiehlt, Strategien zu entwickeln, um Defizite an Vitamin D besser zu vermeiden.

 

Vitamin D hat im Körper sehr viele Funktionen, und es werden noch immer neue Aufgaben entdeckt. Neben der bekannten Schlüsselrolle im Kalzium-Haushalt und bei der Knochen- und Muskel-Gesundheit ist Vitamin D für viele andere Prozesse im Stoffwechsel, im Immun- und Hormonsystem sowie für den Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianes System) wichtig. Langfristig können Defizite z.B. zu Herz-Kreislauf- und Krebs-Krankheiten sowie zu Störungen im Immunsystem beitragen. Vitamin D wird überwiegend über die Sonneneinwirkung auf die Haut gebildet. Die Aufnahme aus der Ernährung ist vergleichsweise gering. Vitamin D kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln vor, z.B. in fettreichen Fischen, in der Leber und im Lebertran, in Eiern und Milchprodukten.

 

Pflanzliche Lebensmittel enthalten mit Ausnahme von Pilzen nur wenig Vitamin D, das außerdem in seiner Form weniger wirksam ist. Für Deutschland empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. eine tägliche Zufuhr von 400 I.E. (10 µg) Vitamin D aus der täglichen Ernährung für Säuglinge. Für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, schwangere und stillende Frauen sind 800 I.E. (20 µg) pro Tag angesetzt. Vor allem in den sonnenärmeren Herbst- und Wintermonaten sollten regelmäßig an Vitamin D reiche Lebensmittel verzehrt und auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden.

 

Allgemein ist die Versorgung mit Vitamin D in Deutschland gut untersucht. Rund 63 % der Kinder und Jugendlichen (1 bis 17 Jahre) und rund 57 % der Erwachsenen (18 bis 79 Jahre) haben Serumspiegel von Vitamin D unter dem wünschenswerten Ziel von mindestens 50 nmol/L. 2008 zeigte eine Untersuchung bei rund 4.000 Personen, dass rund 45 % der Männer und rund 55 % der Frauen Vitamin D fehlte. In den sonnenarmen Monaten zwischen November und April waren rund 68 % der Männer und 61% der Frauen mit Vitamin D nicht ausreichend versorgt. Eine neuere Auswertung bei Erwachsenen zeigte, dass 25 % der Männer und Frauen von November bis April zu geringe Vitamin D-Spiegel (<30 nmol/L) hatten. Besonders betroffen sind davon ältere Menschen, weil sie weniger Vitamin D über die Haut bilden und sich oft weniger in der Sonne aufhalten. Auch Bewohnern von Pflegeheimen und Menschen mit dunklerer Hautfarbe fehlt Vitamin D häufiger.

 

Viele Gruppen in der Bevölkerung haben ein erhöhtes Risiko für Vitamin D-Defizite oder einen Mehrbedarf. Dazu gehören z.B. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich zu wenig in der Sonne aufhalten oder eine dunklere Haut haben, ältere Menschen ab 50 Jahren sowie schwangere und stillende Frauen. Auch einige Krankheiten und bestimmte Medikamente können zu einer schlechteren Versorgung mit Vitamin D beitragen. Stärkere Defizite sollten durch die gezielte Ergänzung von Vitamin D behoben werden. Das geschieht meist für einige Wochen mit hoch dosiertem Vitamin D, danach geht man zu einer Erhaltungstherapie mit einer geringeren Dosis über. Die Vitamin D-Werte sollten bei einer solchen Therapie kontrolliert werden, um die Dosierung individuell anzupassen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die häufigen Defizite an Vitamin D in Deutschland zeigen, dass es wichtig ist, Strategien für eine verbesserte Versorgung zu entwickeln. Dabei gilt es. eine individuelle Balance zwischen der Aufnahme von Vitamin D über die Haut, dem Verzehr von Vitamin D-reichen Lebensmitteln und gegebenenfalls mit Ergänzungen von Vitamin D zu erreichen. Für die meisten Menschen in Deutschland ist zu empfehlen, sich zwei- bis dreimal pro Woche im Frühjahr, Sommer und Herbst zwischen 10 und 15 Uhr etwa 5 bis 30 Minuten (je nach Tages- und Jahreszeit, Breitengrad und Hautpigmentierung) in der Sonne aufzuhalten. Dabei sollten etwa 20 bis 25 % des Körpers, z.B. Arme und Beine, frei sein. So wird die Balance zwischen den gesundheitlichen Vorteilen der Sonnenwirkung auf die Haut und dem minimal erhöhten Hautkrebs-Risiko gewährleistet.

 

Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten ist es wichtig, sich regelmäßig vitaminreich zu ernähren und besonders auf die Aufnahme von Vitamin D zu achten. Menschen mit Risikofaktoren für Vitamin D-Defizite sowie bei einem früher aufgetretenen Mangel an Vitamin D, bei Osteoporose und Osteomalazie, dunkler Hautpigmentierung (ab Hauttyp III) oder einer allgemein ungesunden Lebensweise sollten ihre Versorgung mit Vitamin D kontrollieren lassen und gegebenenfalls Vitamin D nach therapeutischer Empfehlung ergänzen.

 

Unser Tipp: Vitamin D ist in vielen Nahrungsergänzungen enthalten. Einzeln wird es u.a. in emulgierter bzw. flüssiger Form angeboten, die gut dosierbar und sehr gut bioverfügbar ist. Auf eine gute Qualität (z.B. ohne Konservierungsstoffe) sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Roman Saternus et al., A Critical Appraisal of Strategies to Optimize Vitamin D Status in Germany, a Population with a Western Diet. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 6.11.2019, doi: 10.3390/nu11112682..


Neue Veganer − wie schnell sinkt das Vitamin B12?

 

 

Veganer haben durch ihre rein pflanzliche Ernährung ohne Milchprodukte ein erhöhtes Risiko für Defizite an einigen Mikro-Nährstoffen. Das betrifft vor allem Vitamin B12 (Cobalamin). Forscher prüften bei neuen Veganern, wie sich die veränderte Ernährung auf typische Biomarker auswirkt.

 

Die vegane Ernährung wird in den westlichen Ländern immer beliebter. Veganer schließen aus gesundheitlichen, ökologischen und/oder ethischen Gründen alle tierischen Lebensmittel, also auch Milchprodukte, strikt aus ihrer Ernährung aus.

 

Da Vitamin B12 vorwiegend in tierischen und nur sehr geringfügig in pflanzlichen Lebensmittel enthalten ist, erhöht sich das Risiko für ein Defizit an Vitamin B12, das am Stoffwechsel aller Zellen beteiligt und für die DNA-Synthese wichtig ist. Weder Tiere noch Pflanzen bilden jedoch Vitamin B12 selbst. Es wird über die tierischen Darmbakterien synthetisiert und kommt daher in Milchprodukten vor. Bei Veganern, führt dieser Verzicht ohne Ergänzung von Vitamin B12 zum Mangel. Als Folge können die (megaloblastische) Anämie (der Knochenmarkszellen) und periphere Neuropathien (Schäden im Nervensystem) entstehen. Defizite an Vitamin B12 führen weiter dazu, dass mehr Homocystein im Körper gebildet wird, eine Aminosäure, die in höheren Mengen schädlich wirken kann.

 

Vitamin B12 wird im Körper hauptsächlich in der Leber und in der Niere gespeichert. Man schätzt, dass die täglichen Verluste an Vitamin B12 normalerweise weniger als 0,1% der gesamten Körperspeicher bei Erwachsenen ausmachen. Bisher ging man daher davon aus, dass bei einer rein pflanzlichen Ernährung, wenn Vitamin B12 nicht ergänzt wird, Defizite erst nach einiger Zeit nachweisbar sind. Man hielt es aber für möglich, dass typische Marker für den Vitamin B12-Status, schon bei einer kurzfristig begrenzten Zufuhr abnehmen, ohne dass ein offensichtlicher Mangel vorliegt. Das könnte z.B. Marker betreffen, die für Entzündungen und die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems relevant sind.

 

Eine Forschergruppe der Universitäten Heidelberg, Freiburg und Ulm prüfte Veränderungen im B12-Status in einer kleinen Studie. Daran nahmen von April bis Juni 2017 53 Personen teil, die von 18 bis zu 60 Jahren alt und vorher weder Vegetarier noch Veganer waren. Alle nahmen eine Woche vor Beginn der Studie an einer ausgewogenen, gemischten Ernährung teil. Dann wurden zwei Gruppen gebildet. Die eine ernährte sich vier Wochen lang täglich weiter wie gewohnt auch mit Fleisch und verzehrte davon täglich > 150 g. Die andere Gruppe ernährte sich dagegen strikt vegan. Beide Gruppen wurden in dieser Zeit regelmäßig betreut, und alle Teilnehmer notierten täglich ihre Ernährung in einem Protokoll. Vor und nach der Studie wurden bei allen Teilnehmern Blut- und Urinproben genommen. Neben Vitamin B12 wurden auch Folat und Vitamin B6 bestimmt, die an der Homocystein-Konzentration beteiligt sind. Dazu wurden weitere Werte (z.B. Glutathion, Methioninsulfoxid, Fettsäuren und Vitamin D) ermittelt, die mit Vitamin B12 in Verbindung stehen. Die Forscher konnten schließlich die Daten von 44 Personen auswerten, für die alle nötigen Ergebnisse vorlagen.

 

Die Beurteilung der Ernährung sowie der Blut- und Urinparameter deutete darauf hin, dass die pflanzliche Ernährung für die Gesundheit von Vorteil ist. Sie führte zu einer signifikanten Senkung der Cholesterin-Aufnahmen und allgemein zu angemessenen Profilen bei den Makro- und Mikro-Nährstoffen. Das galt mit Ausnahme von Vitamin B12. Hier zeigten die Daten, dass Holotranscobalamin (Holo-TC), die bioaktive Form von Vitamin B12 im Plasma, in nur vier Wochen bei geringer Aufnahme von Vitamin B12 signifikant abnahm. Während dieser Zeit blieben Homocystein und die damit verbundene Methylmalonsäure (MMA) im normalen Bereich, und es gab keine klinischen Anzeichen für einen Vitamin-B12-Mangel. Die Forscher gehen davon aus, dass das Holo-TC ein schnell reagierender Biomarker sein kann, um die Zufuhr von Vitamin B12 bei Veganern oder auch Vegetariern zu kontrollieren. Sie weisen jedoch auf einen wichtigen Unterschied hin. Eine verminderte Zufuhr von Vitamin B12 führt zur geringeren Konzentration von Holo-TC im Serum, das bedeutet, dass weniger bioaktives Vitamin B12 für die Versorgung der Zellen verfügbar ist. Dies entspricht (noch) nicht einem zellulären Vitamin-B12-Mangel, der von einer Erhöhung der Biomarker Homocystein und MMA begleitet wird. Die Diagnose eines Vitamin-B12-Mangels sollte immer mindestens einen systemischen Biomarker (Serum-Vitamin B12 oder Holo-TC) und einen zellulären Biomarker (Homocystein oder bevorzugt MMA) beinhalten. Das bioaktive Vitamin B12 (Holo-TC) kann jedoch als eigenständiger Biomarker ausreichen, um die Aufnahme von Vitamin B12 bei Menschen mit vegetarischer/veganer Ernährung zu überwachen.

 

Unser Tipp: Vitamin B12 ist einzeln, in Kombination mit den anderen B-Vitaminen oder auch in vielen Multi-Präparaten enthalten. Einzeln gibt es z.B. B12-Lutschtabletten, dabei wird Vitamin B12 sublingual besonders gut aufgenommen.

 

Quelle:
Ann-Kathrin Lederer et al., Vitamin B12 Status Upon Short-Term Intervention with a Vegan Diet − A Randomized Controlled Trial in Healthy Participants. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 18.11.2019, doi: 10.3390/nu11112815.


Vitamin D − ein möglicher Biomarker fürs Altern

 

Die Beziehung zwischen Vitamin D und der Häufigkeit von chronischen Krankheiten ist bekannt. Vitamin D könnte daher möglicherweise ein Biomarker für das physiologische Altern sein.

 

Vitamin D hat im Körper sehr viele Aufgaben, die auch im Alter mit seinen komplexen Prozessen eine wichtige Rolle spielen. Eine Gruppe von italienischen Forschern führte dazu eine Meta-Analyse durch, in der die Rolle der Konzentration von Vitamin D als Biomarker für das gesunde Altern untersucht wurde. Einbezogen waren Studien ab dem Jahr 2000 bis zum Anfang 2019. Untersucht wurde die Beziehung zwischen dem Vitamin-D-Status und langfristigen Lebensperspektiven, Krankheiten sowie der körperlichen und kognitiven Funktionalität. Die Forscher konnten 24 Studien, vor allem aus Europa und den USA, in ihre Analyse einbeziehen. Daran waren rund 78.000 ältere Personen mit einem durchschnittlichen Alter von über 50 Jahren beteiligt. Alle waren zu Beginn der jeweiligen Studien gesund und hatten bisher Vitamin D nicht ergänzt. Bei niedrigen Vitamin D-Werten (25(OH)D) zeigten sich Beziehungen zu respiratorischen und kardiovaskulären Ereignissen, zu Markern im Zusammenhang mit Knochenbrüchen, z.B. an den Hüften, aber auch in anderen Körperbereichen (ohne Wirbelbrüche), sowie zur Sterblichkeit. Die Forscher prüften zusätzlich die Beziehungen zwischen dem gesunden Altern und dem sogenannten aktiven Vitamin D (1,25(OH)2), das geringer konzentriert und weniger haltbar ist. Dabei zeigten sich ähnliche Ergebnisse, die jedoch klinisch von geringerer Bedeutung waren.

 

Für die Forscher bestätigte sich damit, dass der Vitamin D-Status (25(OH)D) als ein sinnvoller Biomarker für Altersprozesse dienen kann. Damit könnten Prognosen für verschiedene krankhafte Entwicklungen und in Bezug auf die Lebensperspektiven bzw. das Sterblichkeitsrisiko ermöglicht werden. Das gilt z.B. für Lungenfunktionen und -krankheiten, kardiovaskuläre und koronare Krankheiten, Hüftfrakturen und die Vorkommen von Sarkopenie (Abbau von Muskelmasse und -kraft). Kein Zusammenhang zeigte sich dagegen in dieser Analyse zwischen Vitamin D und dem Sturzrisiko sowie der Knochenmineraldichte. Gleiches galt für die kognitiven Funktionen und bei kardiometabolischen Krankheiten (z.B. Bluthochdruck und Diabetes) sowie für Krebskrankheiten.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese systematische Auswertung zeigte besondere Aspekte von Vitamin D als ein möglicher (mehrdimensionaler) Indikator für die Gesundheit im Alter. Da Altersprozesse jedoch generell sehr komplex sind, sollten diese Beziehungen in weiteren Studien genauer untersucht werden. Dabei wäre auch die Frage zu klären, ob Ergänzungen von Vitamin D krankhafte Entwicklungen im Alter verringern oder verzögern können.

 

Unser Tipp: Vitamin D wird vor allem als D3 (Cholecalciferol) in Nahrungsergänzungen angeboten. Auf eine gute Qualität sollte geachtet werden. Flüssige Formen sind z.B. sehr gut dosierbar und werden vom Körper besonders gut aufgenommen.

 

Quelle:
Silvia Caristia et al., Vitamin D as a Biomarker of Ill-Health among the Over-50s: A Systematic Review of Cohort Studies. In: Nutrients, Online-Veröffentlichung vom 6.10.2019, doi: 10.3390/nu11102384.


Die gesunde Ernährung beeinflusst das Hörvermögen

 

Der zunehmende Hörverlust gilt als ein Teil des Alterungsprozesses. Möglicherweise gibt es Faktoren, die den Verlust des Gehörs verringern, verzögern oder verhindern können. Dazu könnte eine gesunde Ernährung und die gute Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen beitragen.

 

Schon in früheren Studien hatte sich gezeigt, dass eine höhere Aufnahme von bestimmten Lebensmitteln und Mikronährstoffen das Risiko für einen Hörverlust im Alter verringern kann. Dazu gehören die Carotinoide Beta-Carotin und Beta-Cryptoxanthin, Folsäure und die langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Sie sind in vielen Obst- und Gemüsesorten sowie in Fischen und Meeresfrüchten enthalten und werden bei einer gesunden Ernährung häufiger verzehrt. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern prüfte im Rahmen der „Nurses' Health Study II“ (2012-2018), einer US-amerikanischen Bevölkerungsstudie mit Frauen aus Gesundheitsberufen, ob es Beziehungen zwischen der Ernährung und dem Hörverlust gibt bzw. wie sich der Hörverlust im Lauf von drei Jahren verändert.

 

Einbezogen waren 3.135 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren. Bei allen war mehrmals die Art der Ernährung zu verschiedenen Zeitpunkten ermittelt worden. Dabei prüften die Forscher auch, wie stark sich die Teilnehmerinnen an gesunde Ernährungsweisen anpassten. Als Vorgabe dienten hier die DASH-Diät zur Senkung des Blutdrucks, die alternative mediterrane Ernährung und der Alternate Healthy Eating-Index (AHEI 2010). Die stärkere Einhaltung dieser Ernährungsweisen wurde mit einer Reihe von wichtigen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht. Das gilt z.B. für ein geringeres Risiko von Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfall sowie allgemein für ein gesundes Altern. Zu Beginn und nach drei Jahren wurde bei allen Teilnehmerinnen das Hörvermögen untersucht. Audiologen maßen die Veränderungen der Reinton-Hörschwellen und die niedrigsten Lautstärke, die eine Teilnehmerin in einem Ohr noch erkennen konnte. Ihnen wurden Töne mit niedrigen (0,5, 1 und 2 kHz), mittleren (3 kHz und 4 kHz) und höheren Frequenzen (6 kHz und 8 kHz) mit variablen Lautstärke-Pegeln präsentiert. Die Teilnehmerinnen gaben an, wann sie den Ton nur noch knapp hören konnten.

 

Diese Untersuchungen wurden nach drei Jahren bei allen Teilnehmerinnen wiederholt. In dieser Zeit hatten 19 % der Frauen einen Hörverlust in den tiefen Frequenzen, 38 % einen Hörverlust in den mittleren Frequenzen und fast die Hälfte einen Hörverlust in den höheren Frequenzen entwickelt. Es zeigte sich weiter, dass Frauen, die sich stärker an gesunde Ernährungsweisen hielten, ein deutlich geringeres Risiko für eine sinkende Hörsensitivität hatten. Ihr Risiko für einen Rückgang beim Hören der Mittelfrequenzen war um fast 30 % geringer im Vergleich zu den Frauen, die sich am wenigsten gesund ernährten. Das Risiko für einen Hörverlust in den höheren Frequenzen war bei einer gesunden Ernährung um bis zu 25 Prozent niedriger.

 

Die Forscher waren überrascht, dass sich bei so vielen Frauen, die zudem oft noch in einem Alter waren, in dem man das Gehör meistens noch nicht untersuchen lässt, in einer relativ kurzen Zeitspanne ein Hörverlust gezeigt hatte. Eine gesunde Ernährung kann diesen Prozess offenbar deutlich verlangsamen. Die Forscher empfehlen, die Beziehungen zwischen der Ernährung und dem Hörverlust im höheren Alter in weiteren Studien näher zu untersuchen.

 

Unser Tipp: Wenn die Versorgung mit Mikronährstoffen über die Ernährung nicht ausreicht, dann können wichtige Nährstoffe, wie z.B. die Carotinoide, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren, auch über Nahrungsergänzungen aufgenommen werden. Auf eine gute Qualität sollte dabei immer geachtet werden.

 

Quelle:
Sharon G. Curhan et al., Prospective Study of Dietary Patterns and Hearing Threshold Decline. In: American Journal of Epidemiology, Online-Veröffentlichung vom 14.10.2019, doi: 10.1093/aje/kwz223.