Mit gesunder Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nach Brustkrebs verringern

 

Patientinnen mit Brustkrebs sollten nach ihrer Therapie auf eine gesunde Ernährung achten. Das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöht sich durch Therapien, die auch das Herz belasten können. Gesunde Ernährungsweisen tragen dazu bei, dieses Risiko zu senken, wie eine neue Studie zeigt.

 

Der Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland wird die Diagnose pro Jahr bei rund 70.000 Frauen neu gestellt. Das Krankheits-Risiko steigt mit zunehmendem Alter an, mit einem Schwerpunkt im 6. und 7. Lebensjahrzehnt. Rechtzeitig erkannt und behandelt sind heute die meisten Brustkrebs-Erkrankungen heilbar. Danach können jedoch Herz-Kreislauf-Krankheiten zu einem wichtigen Gesundheitsproblem werden, da Frauen mit Brustkrebs ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten haben. Das lässt sich vermutlich auf die das Herz belastenden Krebstherapien und auf gemeinsame Risikofaktoren von Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten zurückführen.

 

In den letzten zehn Jahren zeigte eine wachsende Zahl von Studien, dass Brustkrebs-Patientinnen, die sich gesünder ernähren, tendenziell ein geringeres Risiko für weitere Krebskrankheiten und allgemein bessere Lebensperspektiven haben. Dabei ist jedoch bisher die Beziehung zwischen der Qualität der Ernährung und kardiovaskulären Krankheiten nicht genau geklärt. Eine Gruppe US-amerikanischer Forscher untersuchte erstmals in einer Studie, ob eine gesündere Ernährung zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden ist. Sie nutzten dafür Daten der Pathways-Studie, eine (prospektive) Bevölkerungsstudie mit Frauen, bei denen Brustkrebs im Zeitraum von 2005 bis 2013 erstmals festgestellt wurde und die zuvor nicht von anderen Krebskrankheiten betroffen waren.

 

Ausgewertet wurden die Daten von 3.415 Teilnehmerinnen (21 bis 94 Jahre, im Durchschnitt 60 Jahre) aus Kalifornien. Bei allen Frauen wurden zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose Befragungen zur Ernährung durchgeführt. Daraus wurde ihre Ernährungsqualität bzw. die Anpassung an verschiedene gesunde Ernährungsweisen anhand von 5 Kriterien ermittelt. Sie zeichneten sich durch einen hohen Verzehr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten und den geringen Verzehr von rotem und verarbeiteten Fleisch aus. Für diese Ernährungsweisen wurde nachgewiesen, dass sie das Risiko für Herzerkrankungen in der Allgemeinbevölkerung senken. Einbezogen waren die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension), der gesunde, pflanzenbasierte Ernährungs-Index, der Healthy Eating Index (HEI, Empfehlungen des US-Landwirtschaftsministeriums), die Ernährungs-Leitlinie der „American Cancer Society“ zur Krebsprävention und der alternative mediterrane Ernährungs-Index. Speziell die DASH- und die mediterrane Ernährung haben sich zur Prävention und Therapie von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Krankheiten bewährt.

 

Nach Anpassung der Daten, z. B. an Alter, Gewicht und Körperaktivität etc., zeigten die Auswertungen, dass Teilnehmerinnen, deren Ernährung in hohem Maße mit dem Qualitätsindex der DASH-Diät übereinstimmten, ein geringeres Risiko für die Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen und venöse Thromboembolien (Verschluss von Blutgefäßen durch Blutgerinnsel) hatten. Weiter hatten Frauen, deren Ernährung besser mit dem DASH-Qualitätsindex übereinstimmte und die bestimmte Krebsmedikamente (Anthrazyklin mit/ohne Trastuzumab) erhielten, ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Frauen, deren Ernährung weniger gut mit dieser Diät übereinstimmte. Das zeigt, dass vermutlich auch die Art der jeweiligen Krebstherapie und die Ernährung die kardiovaskulären Krankheitsrisiken beeinflussen können. Weitere Zusammenhänge wurden zwischen dem Index der gesunden pflanzlichen Ernährung und Herzinsuffizienz sowie zwischen dem Index der alternativen mediterranen Ernährung und Herzrhythmusstörungen beobachtet. Beim HEI-Index oder der Ernährungs-Leitlinie für die Krebsprävention und spezifischen Ergebnissen in Bezug auf kardiovaskuläre Krankheiten zeigten sich keine klaren Muster, obwohl eine höhere Übereinstimmung mit der Ernährungs-Leitlinie für die Krebsprävention mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko verbunden war. Die Ergebnisse zur Ernährungsqualität bei Herz-Kreislauf-Krankheiten durch Strahlen- und endokrine Therapien waren nicht einheitlich bzw. zeigten nur Trends auf. Hier werden weitere Untersuchungen empfohlen.

 

Untersucht wurden auch einzelne Lebensmittel-Komponenten innerhalb jedes Ernährungsqualitäts-Indexes in Bezug auf die kardiovaskulären Krankheiten. Die stärkste Verbindung zeigte sich bei einem höheren Milchkonsum (fettarme Milchprodukte bei der DASH-Diät) und für Milchprodukte insgesamt beim Index für die gesunde pflanzliche Ernährung und für HEI, die mit einem geringeren Risiko für durch kardiovaskuläre Krankheiten bedingte Todesfälle verbunden waren. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit einer kürzlich durchgeführten Meta-Analyse, die darauf hindeutet, dass der Verzehr von Milchprodukten insgesamt (fettarm und fettreich) das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle in der Allgemeinbevölkerung verringert.

Weiter war ein geringerer Verzehr von Eiern und Fischen mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden, während ein höherer Verzehr von Hülsenfrüchten und ein geringerer Fleischverzehr das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten beim gesunden pflanzenbasierten Ernährungs-Index verringerte. Bei der alternativen mediterranen Diät war ein geringerer Konsum von rotem und stark verarbeiteten Fleischwaren mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden. Bei den Ernährungs-Leitlinien für die Krebsprävention war der höhere Verzehr von Obst und Gemüse mit einem geringeren Risiko für durch kardiovaskuläre Krankheiten bedingte Sterbefälle verbunden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Brustkrebs-Patientinnen, die sich gesund ernähren, können ihr durch verschiedene Krebstherapien erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten verringern. Dabei könnte die DASH-Diät, die vor allem bei Bluthochdruck empfohlen wird, den größten Nutzen bieten. Das gilt besonders für Brustkrebs-Patientinnen, die eine Chemotherapie erhalten, die sich für das Herz als sehr belastend auswirken kann.

 

Unser Tipp: 

Eine Reihe von Mikronährstoffen, Vitamine, Mineralien etc., unterstützen die Herz-Kreislauf-Funktionen. Dazu werden spezielle Kombinationen von herzgesunden Mikronährstoffen angeboten. Bei Krebskrankheiten sollten sie in Abstimmung mit den behandelnden Therapeuten angewendet werden.

 

Quelle: 
Isaac J. Ergas et al., Diet quality and cardiovascular disease risk among breast cancer survivors in the Pathways Study. In: JNCI Cancer Spectrum, online 17.4.2024, doi: 10.1093/jncics/pkae013.


Kardiometabolische Krankheiten und Eisen bei Frauen in der Menopause

 

Zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede in Bezug auf die Verbreitung und Risikofaktoren der kardiometabolischen Erkrankungen, die sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch den Stoffwechsel betreffen. Das gilt besonders für Frauen in der Menopause. Neuere Ansätze zeigen, dass der Eisenspiegel dabei eine wichtige Rolle spielen könnte.

 

Die Existenz und Erforschung biologischer Geschlechtsunterschiede ist in verschiedenen medizinischen Bereichen ein wichtiges Thema, das gilt vor allem für kardiometabolische Erkrankungen. Zu ihnen gehören die Herz-Kreislauf-Krankheiten und der Typ-2-Diabetes. Zusammen mit den begleitenden Risikofaktoren wie Adipositas (starkes Übergewicht, BMI ab 30), Fettstoffwechselstörungen, Entzündungen und Lebensstil-Risikofaktoren weisen sie deutliche geschlechtsspezifische Muster auf. Zahlreiche Bevölkerungsstudien zeigten, dass Frauen vor der Menopause im Vergleich zu Männern eine geringere Rate an kardiometabolischen Erkrankungen aufweisen. Dieser Unterschied verringert sich jedoch tendenziell nach der Menopause, doch die Mechanismen dafür sind nach wie vor nicht geklärt.

 

Die am häufigsten angeführte Hypothese bezieht sich auf den Östrogen-Status, wobei Östradiol (gehört zur Gruppe der Östrogene) bei Frauen als herzschützend angesehen wird. Der altersbedingte Rückgang des Östrogen-Spiegels bei Frauen, während und nach der Menopause, wurde als Erklärung für den starken Risikoanstieg für den Typ-2-Diabetes und die kardiovaskulären Krankheiten vorgeschlagen. Dies wurde durch Beobachtungsstudien gestützt, die eine Beziehung zwischen höheren Androgen- und niedrigeren Östrogen-Spiegeln und stärkeren kardiovaskulären Risikofaktoren bei Frauen nach der Menopause aufzeigen. Das gilt z. B. für einen erhöhten Blutdruck, erhöhte Werte des C-reaktiven Proteins (CRP, Marker für Entzündungen) und die erhöhte Insulinresistenz. An dieser Hypothese tauchen nun einige Zweifel auf, möglicherweise spielen bei den kardiometabolischen Krankheiten in der Menopause die Veränderungen im Eisenstatus der Frauen eine wichtige Rolle.

 

Der Eisenstoffwechsel ist zwischen den Geschlechtern verschieden und variiert auch in den verschiedenen reproduktiven Lebensphasen der Frauen. Eine Gruppe von Forschern aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland stellte dazu die aktuellen Kenntnisse vor. Sie fassen die geschlechtsspezifischen Unterschiede zusammen, zeigen den Beitrag der Menopause zur Entwicklung kardiometabolischer Krankheiten und die sich abzeichnende Rolle von Eisen als einem komplementären Signalweg.

 

Das Spurenelement Eisen ist für die Entwicklung und das Überleben der Zellen unerlässlich. Es ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener Enzyme, die an vielen biologischen Prozessen, wie z. B. Sauerstofftransport, zelluläre Energieproduktion, DNA-Synthese und -Reparatur, beteiligt sind. 20 bis 25 mg Eisen sind pro Tag notwendig, um den Eisenbedarf für die Bildung roter Blutkörperchen (Erythropoese) und den Zellstoffwechsel zu decken. Der größte Teil wird dafür aus dem Recycling von gestörten (seneszenten) Erythrozyten gewonnen, nur 1 bis 2 mg pro Tag stammen aus der Darm-Absorption. Der tägliche Eisenverlust beträgt etwa ein bis zwei Milligramm, vorwiegend durch Abschuppung von Epithelzellen der Haut und des Darms sowie durch geringe Blutverluste, die durch Nahrungsquellen und intestinale Absorption ausgeglichen werden können. Eisen kann nicht im Körper synthetisiert werden und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden.

 

Gute Quellen für Hämeisen aus tierischen Produkten sind Eier, Leber, rotes Fleisch, und für Nicht-Hämeisen Spinat und andere pflanzliche Quellen. Tierische Lebensmittel haben eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit von Eisen als pflanzliche Lebensmittel (30 % gegenüber weniger als 10 %). Körperliche Bedingungen, die bei Frauen den Eisenverlust erhöhen, wie die Menstruation und Stillzeit, werden durch die erhöhte Aufnahme von bis zu 3 mg Eisen pro Tag kompensiert. Zwischen den Geschlechtern gibt es im Lauf des Lebens erhebliche Unterschiede im Eisengehalt. Die Ferritin-Werte (Speicherprotein für Eisen) im Serum sind ab dem Alter von drei Jahren bis etwa zur Jugendzeit relativ konstant und zwischen den Geschlechtern ähnlich. Bei Männern steigen die Eisenspeicher dann an und bleiben bis zum Alter von 70 Jahren konstant, danach nehmen sie ab. Bei Frauen sind die Eisenspeicher von der Jugendzeit an bis zur Menopause niedriger als bei Männern, danach steigen sie aufgrund des Ausbleibens der Menstruation an.

 

Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Eisen zu einem geringeren kardiometabolischen Risiko beitragen kann, indem es die Prozesse des oxidativen Stresses und Entzündungs-Reaktionen beeinflusst. Der bei Frauen in der Menopause erhöhte Eisenspiegel führt möglicherweise dazu, das Risiko für kardiometabolische Krankheiten zu erhöhen. Experimentelle Untersuchungen zeigten, dass ein erhöhter Eisenstatus mit der Entwicklung von Typ-2-Diabetes und verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt. In Bevölkerungsstudien wurden immer wieder Verbindungen zwischen der Aufnahme von Hämeisen (aus tierischen Quellen) und einigen Eisen-Biomarkern, z. B. Ferritin und Transferrinsättigung (Wert zur Beurteilung des Eisenstoffwechsels), mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes festgestellt. Dagegen sind die Nachweise für einen Zusammenhang mit den kardiometabolischen Krankheiten noch umstritten.

 

Die Rolle des Eisen-Stoffwechsels, der sich bei Frauen in den Wechseljahren erheblich verändert, erweist sich jedoch zunehmend als ein überzeugender Faktor, der zu diesen epidemiologischen Mustern beitragen könnte. Dies stützt sich auf die Beobachtung, dass die Menstruation bei Frauen zu Beginn der Menopause noch ein wichtiger Faktor für den Eisenverlust ist. Das Ausbleiben der Menstruation wirkt sich vermutlich auf den Anstieg des Eisenstatus und der kardiometabolischen Risikofaktoren aus. Lässt sich dies in weiteren Untersuchungen bestätigen, so könnte diese Sichtweise über den Einfluss von Eisen das Verständnis der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den kardiometabolischen Erkrankungen revolutionieren. Ein tieferes Verständnis, wie sich die Eisen-Biomarker mit dem Geschlecht und Menopausen-Status unterscheiden, könnte möglicherweise auch neue therapeutische Interventionen ermöglichen und neue Strategien für die öffentliche Gesundheit eröffnen.

 

Unser Tipp:

Eisen wird zur Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen einzeln und in verschiedenen Multi-Präparaten angeboten, dabei sollte auf eine gute Verträglichkeit sowie Bioverfügbarkeit geachtet werden.

 

Quelle:
Noushin Sadat Ahanchi et al., The complementary roles of iron and estrogen in menopausal differences in cardio metabolic outcomes. In: Clinical Nutrition, online 3.4.2024, doi: 10.1016/j.clnu.2024.03.026.


Die gute Ernährung senkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Krankheiten

 

Es gibt deutliche Beziehungen zwischen einzelnen ernährungsabhängigen Faktoren und kardiovaskulären Erkrankungen. Sie wurden in Europa und Eurasien anhand einer großen Krankheitsstudie (Global Burden of Disease) von 1990 bis 2019 untersucht.

 

Die „Global Burden of Disease“-Studie ist die umfassendste, weltweit durchgeführte Bevölkerungsstudie. Seit 1990 und fortlaufend bis heute werden gesundheitliche Entwicklungen beobachtet und ausgewertet. Unter den chronischen Krankheiten sind die Herz-Kreislauf-Krankheiten weltweit am häufigsten verbreitet und in den letzten Jahren deutlich angestiegen, daran haben ischämische Herzkrankheiten und Schlaganfälle den größten Anteil. Ein hoher systolischer Blutdruck (oberer Wert) und ernährungsabhängige Faktoren gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren. Eine gesunde Ernährung kann dazu beitragen, ernährungsabhängigen Krankheiten, einschließlich der Herz-Kreislauf-Krankheiten, vorzubeugen. Das wird mit dem reichlichen Verzehr von Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten erreicht, die viele essentielle Nährstoffe enthalten und reichlich Ballaststoffe liefern. Dazu gehört auch, dass in der Ernährung die Aufnahmen von freiem Zucker (<10 % der Gesamt-Energiezufuhr/Tag) und von Salz (<5 g/Tag) beschränkt werden.

 

Statt gesättigter Fettsäuren und Transfetten sollten die ungesättigten Fettsäuren aus pflanzlichen und marinen Quellen (z. B. Omega-3-Fettsäuren) bevorzugt werden. Die langfristige Nicht-Einhaltung dieser Empfehlungen belastet die Gesundheit und erhöht das Risiko für chronische Krankheiten. Eine Gruppe deutscher Forscher prüfte anhand eines Teils der „Global Burden of Disease“-Studie die Beziehungen zwischen 13 bekannten Ernährungsrisiken und 13 Arten von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Dabei wurde eine neue Berechnungsmethode für alle relevanten Ergebnisse ab 1990 angewendet, um die Daten nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu beurteilen. Einbezogen waren Länder der europäischen Region, hinzu kamen Länder aus Eurasien (u. a. Armenien, Aserbaidschan, Israel, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Usbekistan). 2019 starben in den insgesamt 54 beteiligten Ländern 1,55 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten.

 

Die 27 Länder der EU kamen auf 600.000 (vorzeitige) Todesfälle, die auf eine unzureichende Ernährung zurückgeführt wurden (16,4 % aller und 36,7 % der kardiovaskulären Todesfälle). Innerhalb Westeuropas lag Deutschland bei den ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten mit rund 112.600 Todesfällen an der Spitze, mit einem Anteil an den gesamten Todesfällen von 31 %. Die große Mehrzahl dieser Fälle war mit der ischämischen Herzkrankheit (z. B. Erkrankungen der Herzkranzgefäße) verbunden (80 %). Sie war in allen Ländern die häufigste Todesursache, dann folgen Schlaganfälle und die hypertensive Herzkrankheit (unkontrollierter Bluthochdruck). 

In Bezug auf einzelne belastende Ernährungs-Faktoren steht zu viel Salz an erster Stelle, die stark salzhaltige Ernährung nimmt weltweit zu. Eine geringe Salzaufnahme bleibt ein wichtiger Faktor für die Prävention der ernährungsabhängigen Krankheiten. Angestrebt werden sollte eine verringerte durchschnittliche Salzaufnahme in der Bevölkerung von 30 %. Es ist dabei auch wichtig, den Salz-, Zucker- und Fettgehalt von Lebensmitteln zu verbessern und den Verzehr von ultraverarbeiteten Lebensmitteln zu senken. Gleichzeitig sollte in der Ernährung generell der Schwerpunkt auf den gesteigerten Konsum gesundheitsfördernder Lebensmittel gelegt werden. Trotz ähnlicher Probleme überall auf der Welt wurden in dieser Studie auch jedes Land und jede Region einzeln betrachtet, um festzustellen, welche Maßnahmen am besten wirken und wo jeweils die spezifischen Ernährungsprobleme liegen.

 

Die größte Wirkung zur Senkung der ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten könnte mit einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten erreicht werden. Dabei liegt der Risiko-Schwerpunkt auf drei Faktoren: eine an Vollkornprodukten und an Hülsenfrüchten zu arme sowie zu salzreiche Ernährung. Zusammen sind diese Faktoren für 48% der ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten im europäischen Großraum verantwortlich. Für Deutschland ist die Empfehlung von mehr Hülsenfrüchten und pflanzlichen Lebensmitteln in den neuen Ernährungs-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) ein wichtiger Schritt zu einer verbesserten Gesundheit der Bevölkerung und zur Prävention von Stoffwechsel-Krankheiten. Der Anteil dieser Produkte sollte in der individuellen Ernährung ebenso wie in den Angeboten der Gemeinschaftsverpflegung angepasst und erhöht werden. Nicht einbezogen waren in dieser Studie im übrigen der oft zu hohe Konsum von Alkohol, die häufig zu hohe Energiezufuhr mit Übergewicht als Folge und die Vorkommen des Typ-2-Diabetes, der das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöht. Damit wird deutlich, dass die tatsächliche Zahl der ernährungsabhängigen Herz-Kreislauf-Krankheiten und der damit verbundenen Todesfälle mit einem erweiterten Blick noch weit höher liegt.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Mit einem von sechs Todesfällen im großeuropäischen Gebiet sind die Herz-Kreislauf-Krankheiten aufgrund einer suboptimalen Ernährung ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Gemessen an der Gesamtzahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist mehr als jeder dritte Todesfall auf die Ernährung zurückzuführen. Eine herzgesunde Ernährung ist neben anderen verhaltensbedingten Risiken einer der wichtigsten Faktoren für die Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten und davon abhängigen vorzeitigen Todesfällen. Dazu tragen besonders ein geringer Salzkonsum und der erhöhte Verzehr von Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten bei. Verbesserte Ernährungsweisen sind eines der wirksamsten Mittel der Prävention und Gesundheitsförderung. Die Ergebnisse der Studie zeigen das große vorbeugende Potential einer ausgewogenen Ernährung für die Herzgesundheit, mit dem viele vorzeitige Todesfälle im europäischen Großraum verhindert werden könnten.

 

Unser Tipp:

Eine gesunde, pflanzenbetonte Ernährung unterstützt mit vielen Mikronährstoffen auch die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Gute Kombinationen von herzgesunden Mikronährstoffen können die kardiovaskulären Funktionen unterstützen.

 

Quelle:
Theresa Pörschmann et al., Cardiovascular mortality attributable to dietary risk factors in 54 countries in the WHO European Region from 1990 to 2019: an updated systematic analysis of the Global Burden of Disease Study. In: European Journal of Preventive Cardiology, online 15.4.2024, doi: 10.1093/eurjpc/zwae136.


Grüntee-Extrakte beeinflussen die Körperzusammensetzung

 

Der grüne Tee ist ein weltweit beliebtes Getränk und besitzt eine Reihe von gesundheitsfördernden Eigenschaften, er wird daher auch zur Nahrungsergänzung und als Heilkraut verwendet. Neu bewertet wurden jetzt die Wirkungen des grünen Tees auf die Körperzusammensetzung und die antioxidative Kapazität.

 

Beim grünen Tee (Camellia sinensis) werden die Blätter im Vergleich zum schwarzen Tee nicht fermentiert (oxidiert). Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören die Catechine (sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole), die gesundheitsfördernde Wirkungen haben, das gilt besonders für das Epigallocatechingallat. Hinzu kommen weitere Inhaltsstoffe, darunter Aminosäuren und eine Reihe von Mikronährstoffen (z. B. Vitamin B2, Nicotinamid, Kalzium, Magnesium, Carotin). Forschungen deuten darauf hin, dass die Einnahme von Grüntee-Extrakten bei einer Reihe von Erkrankungen vorteilhaft sein kann, das gilt beispielsweise für Herz-Kreislauf-Krankheiten, aber auch für verschiedene Krebsarten und Lebererkrankungen. Diese Wirkungen werden vor allem auf den Gehalt von Antioxidantien (Flavonoide, Polyphenole, Catechine) im Grüntee zurückgeführt. Untersucht wurden auch die Auswirkungen des grünen Tees auf die (anthropometrische) Zusammensetzung des Körpers, den oxidativen Stress und die mit dem Übergewicht in Verbindung stehenden Hormone. Doch dazu sind die Ergebnisse bisher nicht immer schlüssig. Eine Gruppe iranischer Forscher stellte die aktuellen Kenntnisse über die Beziehung zwischen der Körperzusammensetzung und Grüntee-Extrakten vor und führte dazu auch eine Metaanalyse durch.

 

Die Forscher prüften die Wirkungen von Ergänzungen mit dem grünen Tee auf wichtige Merkmale der Körperzusammensetzung. Dazu gehören die Körper- und Fettmasse, der Körperfettanteil, der Body Mass Index, der Taillenumfang sowie die mit der Adipositas (starkes Übergewicht) verbundenen Hormone (Leptin, Adiponektin, Ghrelin). Weiter untersucht wurden der Einfluss des oxidativen Stresses und die gesamte antioxidative Kapazität des Körpers. Nach einer umfassenden Recherche in den relevanten Datenbanken konnten die Forscher schließlich 59 (randomisiert kontrollierte) Studien mit rund 3.800 Teilnehmern in eine Metaanalyse einbeziehen. Die Auswertungen zeigten, dass sich die Fettmasse, der Körperfettanteil, der Body Mass Index und Malondialdehyd (Biomarker für oxidativen Stress) nach Ergänzungen mit dem grünen Tee verringerten. Darüber hinaus erhöhten die Grüntee-Ergänzungen das Gewebshormon Adiponektin. Dieses hat eine Reihe von Wirkungen im Lipid- und Glukose-Stoffwechsel und auch für die gesamte antioxidative Kapazität des Körpers. Dagegen zeigten sich auf die Fettmasse sowie auf die Hormone Leptin und Ghrelin, die an der Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühlen beteiligt sind, keine Wirkungen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ergänzungen mit dem grünen Tee verringern den oxidativen Stress, und sie können die Körpermasse, den Body Mass Index und den Körperfettanteil abschwächen, was sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Grüntee-Extrakte können als Nahrungsergänzungen außerdem die gesamte antioxidative Kapazität des Körpers und das Hormon Adiponektin erhöhen.

 

Unser Tipp: 

Nahrungsergänzungen mit Grüntee-Extrakten und Phytosomen (Verbindung von pflanzlichen Extrakten mit Phosphatidylcholin, dem Hauptbestandteil der Zellmembranen) werden besser resorbiert und sind besonders gut bioverfügbar.

 

Quelle:
Omid Asbaghi et al., The effects of green tea extract supplementation on body composition, obesity-related hormones and oxidative stress markers: a grade-assessed systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials. In: British Journal of Nutrition, Vol. 131, Nr. 7, 2024, S. 1125-1157, doi: 10.1017/S000711452300260X.


Pflanzliche Mikronährstoffe für die Augengesundheit

 

Heidelbeeren enthalten eine Reihe gesunder Pflanzenstoffe, darunter Anthocyane und Xantophyll-Carotinoide. Sie können die Gesundheit der Augen stärken und zum Schutz vor altersbedingten Augenkrankheiten beitragen.

 

Eine an Obst und Gemüse reiche Ernährung wird mit einer verbesserten Gesundheit und dem geringeren Risiko für viele Krankheiten verbunden. Bestimmte Obst- und Gemüse-Sorten haben durch ihre enthaltenen Mikronährstoffe einen speziellen Nutzen. Bei Augenkrankheiten, die mit dem höheren Alter verbunden sind, vor allem der Katarakt (grauer Star) und die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), zeigten sich Beziehungen zu den Aufnahmen von Carotinoiden und sekundären Pflanzenstoffen. Erforscht wurden Maßnahmen für ein verbessertes Sehen und die Vorbeugung vor Sehkraft-Verlusten. Dazu gehört eine gesündere Ernährung, die mit wichtigen, augenfreundlichen Mikronährstoffen oder mit Nahrungsergänzungen die Augengesundheit stärkt. Dabei können besonders die Inhaltsstoffe von Heidelbeeren nützlich sein. Sie sind u. a. eine gute Quelle für Vitamin C und vor allem von Anthocyanen (sekundäre Pflanzenstoffe), die starke antioxidative Eigenschaften haben. Sie können zur Vorbeugung vor dem oxidativen Stress beitragen, der mit der Entstehung altersbedingter Augenerkrankungen verbunden wird. Doch es gibt bisher nur wenige Langzeitstudien, in denen Heidelbeeren und Anthocyane beim Katarakt und der AMD untersucht wurden.

 

Eine weitere Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe in Heidelbeeren sind die Xanthophyll-Carotinoide, dazu gehören Lutein, Zeaxanthin und meso-Zeaxanthin (Stereoisomer von Zeaxanthin). Sie sind für die Erhaltung von Strukturen und Funktionen der Netzhaut wichtig. Xantophylle sind vor allem in der Makula (gelber Fleck der Netzhaut) vorhanden und schützen die Fovea (Sehgrube, Bereich des schärfsten Sehens), indem sie antioxidativ wirken und blaues Licht absorbieren, bevor es andere Makula-Bereiche erreichen kann. Das verringert oxidative Schäden und das Risiko für Augenkrankheiten. Xantophylle unterstützen die Augengesundheit auch durch eine verringerte Bildung von Lipofuszin (im Alter häufiger gebildetes fetthaltiges Pigment), das zur Lipidperoxidation und zum Absterben der Pigment-Epithelzellen der Netzhaut führt. In Bevölkerungsstudien wurde eine hohe Zufuhr von Xantophyllen mit einem geringeren Risiko für AMD und Katarakt in Verbindung gebracht. Studien mit Lutein- und Zeaxanthin-Ergänzungen zeigten eine erhöhte optische Dichte des Makulapigments (MOPD) bei Patienten mit AMD, Katarakt und Glaukom (grüner Star). Es scheint, dass Xanthophyll für die strukturelle Augenintegrität wichtig ist sowie das Risiko für degeneriertes Makula- und Linsengewebe senken kann. Die Beziehungen zur Augengesundheit von Anthocyanen und Xantophyllen wurden in zwei Studien näher untersucht.

Eine Gruppe US-amerikanischer Forscher prüfte in einer (prospektiven) Studie den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Heidelbeeren und Anthocyanen und dem Auftreten von Katarakt und AMD bei Frauen ab dem mittleren Alter. Beteiligt waren rund 72.000 Frauen (Alter ≥45 Jahren) aus der „Women's Health Study“, einer Langzeitstudie seit den 1990er Jahren zur Prävention von Herz-Kreislauf- und Krebs-Krankheiten. Sie waren anfangs weder vom Katarakt noch von der AMD betroffen und konnten über mehr als ein Jahrzehnt weiter beobachtet werden. Geprüft wurde die Häufigkeit ihres Verzehrs von Heidelbeeren, der wurde als keine, ein bis drei Portionen pro Monat, eine Portion pro Woche oder mehrere Portionen pro Woche eingestuft. Generell war der Verzehr von Heidelbeeren eher gering: 64,8 %, der Frauen aßen sie nicht, 24,7 % verzehrten sie ein- bis dreimal pro Monat, 8,4 % aßen sie einmal pro Woche, und nur 2,1 % konsumierten mindestens zwei oder mehr Portionen pro Woche. Für alle Frauen wurden die Gesamt-Aufnahmen von Anthocyanen (samt wichtiger Unterklassen) berechnet.

 

Ein höherer Verzehr von Heidelbeeren ließ die Menge an Anthocyanen ansteigen. Das basierte vermutlich nicht nur auf dem höheren Verzehr von Heidelbeeren, sondern auch auf dem von Obst und Gemüse und anderer Quellen. Die Daten wurden zu den Vorkommen von Katarakt und AMD in den elf Jahren der Beobachtung in Beziehung gesetzt. Dabei war selbst ein bescheidener Verzehr von Heidelbeeren (≥1 Portion/Woche) signifikant mit einem geringeren Risiko für das Auftreten der AMD verbunden. Ein ähnlicher Zusammenhang bestand für die AMD mit deutlicher Seheinschränkung, da zeigte sich aufgrund geringerer Fallzahlen jedoch nur ein (signifikant linearer) Trend. Der Verzehr von Heidelbeeren war dagegen nicht mit dem Katarakt verbunden.

Forscher aus Singapur untersuchten in einer Metaanalyse relevante Studien zur Wirkung von Xantophyllen mit der Aufnahme aus der Nahrung und Nahrungsergänzungen auf die Sehleistung von Erwachsenen. Sie machten dazu auch eine Subgruppen-Analyse, um die Reaktionen auf die Sehleistung bei Personen mit gesunden und erkrankten Augen zu prüfen. Nach einer umfassenden Recherche wurden 43 (randomisierte, kontrollierte) Studien ausgewertet, davon wurden 25 in die Metaanalyse einbezogen. In Bezug auf die Xanthophyll-Zufuhr wurden fünf wichtige visuelle Ergebnisse (MPOD, Sehschärfe, Erholung von Photostress, Kontrast- und Blendempfindlichkeit) analysiert. Der MPOD-Wert ist ein direktes Maß für die optische Dichte der (Xanthophyll-)Pigmente in der Makula und kann als Biomarker für Augenkrankheiten dienen. Das aufgenommene Xanthophyll wird von der Blutversorgung der Aderhaut durch das Pigment-Epithel zur Netzhaut transportiert, wo sich die Pigmente in höchster Dichte anreichern. Zusätzliche Einnahmen von Xanthophyll konnten die MPOD verbessern, dies könnte ein Hinweis auf die Wirksamkeit bei der Risikosenkung von Augenerkrankungen sein.

 

Xanthophyll verbesserte die MPOD unabhängig von einer Augenerkrankung und konnte auch die Erholungszeit nach Photostress verringern. Eine Subgruppen-Analyse ergab Verbesserungen bei Patienten mit Augenkrankheiten und bei Gesunden. Der stärkere MPOD-Anstieg bei Personen mit Augenkrankheiten kann auf niedrigere Ausgangswerte zurückgeführt werden. Eine verbesserte Sehschärfe wurde nur bei Personen mit einer aktiven Augenerkrankung beobachtet. Darüber hinaus wurde eine positive Beziehung zwischen den MPOD-Veränderungen und den Lutein-Spiegeln (im Serum) festgestellt.

 

Die Ergebnisse beider Studien deuten darauf hin, dass ein erhöhter Verzehr von Anthocyanen und Xanthophyll, die besonders reichlich in Heidelbeeren enthalten sind, die Augengesundheit stärken können. Das gilt, wie einige Ergebnisse zeigen, sowohl bei

 

Gesunden als auch bei Menschen mit Augenkrankheiten. Dabei spielt die Bioverfügbarkeit der sekundären Pflanzenstoffe eine Rolle, die in Nahrungsergänzungen verbessert werden kann.

 

Unser Tipp: 

Die Augengesundheit kann mit Heidelbeer-Extrakten samt ihren sekundären Pflanzenstoffen und mit wichtigen Vitaminen und Mineralien gut unterstützt werden. Sie tragen mit antioxidativen Fähigkeiten auch zum Schutz vor dem oxidativen Stress bei, der bei Augenkrankheiten eine Rolle spielt.

 

Quellen:
− Howard D. Sesso et al., Intake of Blueberries, Anthocyanins, and Risk of Eye Disease in Women. In: The Journal of Nutrition, Nr. 4, 2024, S. 1404-1413, doi: 10.1016/j.tjnut.2024.02.028.
− Weili Hu et al., Effect of xanthophyll-rich food and supplement intake on visual outcomes in healthy adults and those with eye disease: a systematic review, meta-analysis, and meta-regression of randomized controlled trials. In: Nutrition Reviews, Nr. 1, 2024, S. 34-46, doi: 10.1093/nutrit/nuad037. 


Mineralien beeinflussen den Menstruationszyklus

 

Eine gute Ernährung beeinflusst zusammen mit der Versorgung von wichtigen Mineralien die weibliche Fruchtbarkeit. Das gilt besonders für die Prozesse im Menstruationszyklus.

 

Im weiblichen Fortpflanzungs-System gehören die Hormonregulierung, die Funktion der Eierstöcke und des Eisprungs, die Gesundheit der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und die Regulation des oxidativen Stresses zu den Schlüsselfunktionen von Mineralien. Trotz des Interesses, die einigen Mikronährstoffen bei einer gestörten Fortpflanzung gilt, fehlte es bisher an einer umfassenden Übersicht, die sich mit den Wirkungen von Mineralien auf die weibliche Fruchtbarkeit und ihren Aufgaben im Menstruationszyklus befasst. Eine Gruppe österreichischer Forscher stellte nun die Kenntnisse dazu vor. Viele Lebensstil-Faktoren können den Menstruationszyklus und die Empfängnis erheblich beeinflussen, dazu gehören z. B. Gewicht, Stress, Rauchen, Alkoholkonsum, Umweltfaktoren und nicht zuletzt die Ernährung. Eine gesunde Ernährung kann mit einer guten Versorgung an Mikronährstoffen die Prozesse der Menstruation und Fortpflanzung fördern, sie bei einem Mangel aber auch beeinträchtigen.

 

Die Fortpflanzung wird durch Hormone reguliert, die Prozesse vom Einsetzen des Menstruationszyklus in der Pubertät bis zur Komplexität von Eisprung, Einnistung und Schwangerschaft steuern. Die Eierstöcke, mandelgroße Organe auf beiden Seiten der Gebärmutter, spielen eine zentrale Rolle für die gesunde Fortpflanzung. Zu ihren Hauptfunktionen gehören die Produktion von Eizellen für die Befruchtung und die Synthese von Schlüsselhormonen, vor allem Östrogen und Progesteron, die den Menstruationszyklus regulieren und eine Schwangerschaft unterstützen. Für die Einnistung des Embryos und die Schwangerschaft ist die von ihrer Schleimhaut umhüllte Gebärmutter von zentraler Bedeutung. In einem hochgradig koordinierten Zusammenspiel wird eine nährstoffreiche Umgebung für den Embryo geschaffen.

 

Für die optimale Gesundheit der weiblichen Fortpflanzungsorgane ist generell eine sorgfältige Regulierung der Mineralien sehr wichtig. Wir fassen hier die wichtigsten Funktionen zusammen, wobei unzureichende als auch übermäßige Werte eine Rolle spielen können. Zink ist für die Modulation des Insulin-Stoffwechsels, die Synthese von Steroidhormonen und die Kontrolle der Ovulationszyklen sehr wichtig. Es schützt den Embryo vor oxidativen Schäden und unterstützt das Zellwachstum im Endometrium. Ein Zinkmangel kann die Follikelreifung stören und zur unregelmäßigen Menstruation führen, während ein Zinküberschuss prooxidative Bedingungen verstärken und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Magnesium ist ein wichtiger Co-Faktor im Östrogen-Stoffwechsel. Eine unzureichende Versorgung mit Magnesium kann den oxidativen Stress erhöhen und die Lebensfähigkeit der Eizellen sowie das Endometrium belasten. Normale Magnesium-Spiegel werden durch regulierende Mechanismen der Nieren erhalten, so dass übermäßiges Magnesium vermutlich weniger Probleme verursachen kann. Kalzium ist ein wichtiger Regulator für die Sekretion des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH), das für Mechanismen des Eisprungs und der Einnistung des Embryos wichtig ist.

 

Zu geringes oder übermäßiges Kalzium kann die Entwicklung der Keimzellen und die Verschmelzung von Ei- und Samenzellen behindern. Jod ist entscheidend an der Synthese des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4) beteiligt, das sich u. a. auf die Fortpflanzungs-Hormone auswirkt. Der Jodmangel kann zum Ausbleiben des Eisprungs und zu Zyklusstörungen führen. Ein Jod-Überschuss, besonders in frühen Stadien der Schwangerschaft, wird mit ungünstigen Entwicklungen verbunden, daher gilt ein umsichtiges Jodmanagement für das gesamte reproduktive Spektrum als erforderlich. Selen ist an der Umwandlung von Schilddrüsenhormonen beteiligt und für den Schutz der Eierstöcke und die Integrität des Eisprungs wesentlich. Ein Mangel an Selen kann zu Störungen in der Menstruation und im Eisprung führen, während ein Überschuss Toxizität verursachen kann. Eisen ist für die Hormon-Synthese und -Regulation von zentraler Bedeutung und kann die reproduktive Gesundheit beeinflussen. Der Eisenmangel kann zu Menstruationsstörungen führen und die Qualität der Keimzellen beeinträchtigen, während ein Überschuss mit entzündlichen Erkrankungen (z. B. Endometriose) in Verbindung gebracht wird. Das unterstreicht die notwendige, sorgfältige Eisenkontrolle. Kupfer ist ein wichtiger antioxidativer Co-Faktor für die Erhaltung der Eizellen, ein Überschuss kann den oxidativen Stress auslösen und sollte vermieden werden.

 

Bei allen Fortpflanzungs-Prozessen spielen der oxidative Stress und freie Radikale eine wichtige Rolle. Erhöhte Sauerstoffradikale können die Qualität der Spermien und Eizellen beeinträchtigen, sich auf die Reifung und Funktionen auswirken und so vermutlich die Chancen einer Befruchtung verringern. Ein Übermaß an Sauerstoffradikalen kann nach der Befruchtung die Entwicklung und Einnistung des Embryos behindern. Auch bei Krankheiten, die Unfruchtbarkeit verursachen (z. B. Endometriose, PCOS), wurde ein erhöhter oxidativer Stress nachgewiesen. Bei dessen Abwehr spielen einige Mineralien eine entscheidende Rolle. Mit ihren Funktionen als Antioxidantien tragen sie dazu bei, die schädlichen Wirkungen des oxidativen Stresses zu neutralisieren. Das gilt für Zink, Magnesium, Kalzium, Jod, Selen, Eisen, Kupfer und Mangan und deren Wechselwirkungen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Für gute Fähigkeiten der Fortpflanzung sind präzise, auf die individuelle Gesundheit, Ernährungsweisen und Reproduktionsziele abgestimmte Ergänzungen von Mineralien empfehlenswert. Gute Kenntnisse über die Rolle essentieller Mineralien können die weibliche Fruchtbarkeit mit angemessenen Aufnahmen von Mineralien unterstützen. Sie tragen dazu bei, dass Frauen ihre reproduktive Gesundheit durch die Ernährung und gegebenenfalls durch die Ergänzung von Mineralien verbessern können.

 

Unser Tipp: 

Für die Unterstützung der Fruchtbarkeit und Schwangerschaft sowie bei Problemen im Menstruationszyklus können eine Reihe von Vitaminen und Mineralien geeignet sein. Sie sollten individuell abgestimmt und nach Empfehlungen von Therapeuten angewendet werden.

 

Quelle:
Celine Kapper et al., Minerals and the Menstrual Cycle: Impacts on Ovulation and Endometrial Health. In: Nutrients, online 29.3.2024, doi: 10.3390/nu16071008.


 Gut essen und trinken – neue Empfehlungen zur Ernährung der DGE

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. hat ihre überarbeiteten Empfehlungen für eine gesunde Ernährung in Deutschland vorgestellt. Berücksichtigt sind nun auch Aspekte der Nachhaltigkeit, Umweltbelastung und der hierzulande üblichen Essgewohnheiten. Grundsätzlich sollten pflanzliche Lebensmittel in der Ernährung eine größere Rolle spielen.

 

Bunt und gesund essen und dabei die Umwelt schonen, das sind die Leitlinien der neuen DGE-Empfehlungen. Wer sich überwiegend von Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und pflanzlichen Ölen ernährt, schützt nicht nur seine Gesundheit, sondern schont dabei auch die Ressourcen der Erde. Dazu gehört es auch, die Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Die DGE-Empfehlungen „Gut essen und trinken“ zeigen einen Weg, den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln zu erhöhen und den von tierischen Lebensmitteln zu senken, um die Gesundheit und Umwelt besser zu schützen.

 

Die 11 Empfehlungen für Erwachsene von 18 bis zu 65 Jahren kurz zusammengefasst:

Am besten Wasser trinken: 1,5 Liter täglich sollten es sein. Auch andere kalorienfreie Getränke wie ungesüßter Tee etc. sind empfehlenswert.

 

Obst und Gemüse – viel und bunt: Die Sorten-Vielfalt liefert reichlich Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. 5 Portionen Obst und Gemüse werden täglich empfohlen, am besten Sorten aus der aktuellen Erntesaison.

 

Hülsenfrüchte und Nüsse regelmäßig: Erbsen, Bohnen und Linsen enthalten reichlich Eiweiß, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Nüsse liefern dazu gesunde Fettsäuren und sind gut für die Herzgesundheit. Die Empfehlung: Einmal pro Woche Hülsenfrüchte und täglich eine kleine Handvoll Nüsse essen.

 

Vollkorn ist die beste Wahl: Brot, Nudeln, Reis und Mehl in Vollkorn-Varianten sind die beste Wahl für die Gesundheit. Sie sättigen länger und liefern mehr Vitamine und Mineralien als Weißmehl-Produkte.

 

Pflanzliche Öle bevorzugen: Sie enthalten reichlich essentielle Fettsäuren und Vitamin E. Rapsöl und daraus hergestellte Margarine sind eine gute Wahl. Empfehlenswert sind auch Walnuss-, Lein-, Soja- und Olivenöl.

 

Milch und Milchprodukte jeden Tag: Sie liefern Eiweiß, Kalzium, Vitamin B2 sowie Jod und unterstützen die Knochengesundheit. Wer pflanzliche Milch-Alternativen bevorzugt, sollte auf die Versorgung mit Kalzium, Vitamin B2 und Jod achten.

Fisch jede Woche: Fettreiche Fische, z. B. Lachs, Makrele, Hering, liefern die wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Seefische wie Kabeljau oder Rotbarsch versorgen auch mit Jod. Empfehlenswert sind ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche.

 

Fleisch und Wurst – weniger ist mehr: Fleisch liefert gut verfügbares Eisen, Selen und Zink. Zu viel rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, Ziege) und besonders Wurst erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Dickdarmkrebs. Die Produktion von Fleisch und Wurstwaren belastet die Umwelt deutlich stärker als die pflanzlicher Lebensmittel. Pro Woche sollten nicht mehr als 300 g Fleisch und Wurst gegessen werden.

 

Süßes, Salziges und Fettiges – besser stehen lassen: Zucker, Salz und Fett stecken oft „unsichtbar“ in verarbeiteten Lebensmitteln, in Wurst, Gebäck, Süßwaren, Fast Food und Fertigprodukten. Wird davon viel gegessen, steigt das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Typ-2-Diabetes.

 

Mahlzeiten genießen: Man sollte sich Zeit zum langsamen, bewussten Essen nehmen und sich die Pause gönnen, das fördert auch das Sättigungsgefühl. Und: Gemeinsam essen tut gut.

 

In Bewegung bleiben und auf das Gewicht achten: Ernährung und körperliche Aktivität gehören zusammen. Die tägliche Bewegung und ein aktiver Alltag fördern die Knochengesundheit und senken das Risiko für Übergewicht sowie viele weitere Krankheiten.

 

Selbstverständlich ist sich die DGE bewusst, dass diese Empfehlungen zusammen eine ideale Situation der Ernährung aufzeigen, die in der alltäglichen Praxis nicht vollständig und nicht immer umgesetzt wird. Doch auch kleine Verbesserungen in der täglichen Ernährung sind ein Schritt in die richtige Richtung. Eine gesunde und ökologisch nachhaltige Ernährung sollte zu mehr als drei Vierteln pflanzliche Lebensmittel enthalten, tierische Lebensmittel sollten maximal ein Viertel ausmachen und damit deutlich weniger verzehrt werden als bisher. Lebensmittel, die mit der Entstehung ernährungsabhängiger Krankheiten verbunden sind, sollten ebenfalls deutlich weniger gegessen werden. Die angemessene Energiezufuhr und die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen sind die Basis für eine gesundheitsfördernde Ernährung. Bei den neuen Empfehlungen wurden dazu die Dimensionen der Umwelt, z. B. Treibhausgasemissionen und Landnutzung, berücksichtigt.

 

Quellen
Gut essen und trinken – DGE stellt neue lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen für Deutschland vor, Presseinformation vom 5.3.2024, https://www.dge.de/presse/meldungen/2024/gut-essen-und-trinken-dge-stellt-neue-lebensmittelbezogene-ernaehrungsempfehlungen-fuer-deutschland-vor/
Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen, https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-empfehlungen/


Natives Olivenöl extra und Neuroschutz bei der Trigeminusneuralgie

 

Die äußerst heftigen Schmerzen einer Trigeminusneuralgie können möglicherweise durch die Ernährung beeinflusst werden. Mit der mediterranen Ernährung und vor allem mit guten Aufnahmen von nativem Olivenöl extra könnten einige Symptome verringert werden, wie erstmals eine kleine Studie zeigt.

 

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Erkrankung, die durch lähmende, plötzlich auftretende Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Davon sind Frauen und ältere Menschen häufiger betroffen. Zum Krankheitsbild gehört auch eine sekundäre Trigeminusneuralgie, sie wird vor allem auf eine Entmarkung (Demyelinisierung) der Myelinscheiden (umgeben und schützen viele Nervenfasern) z. B. bei der Multiplen Sklerose zurückgeführt. Obwohl ein möglicher Mechanismus zur Verbesserung der Myelinisierung experimentell nachgewiesen wurde, sind Ernährungstherapien bei den Patienten bisher kaum erforscht. Es gibt einige Hinweise, dass die mediterrane Ernährung zum Neuroschutz beitragen kann. Bei entzündlichen demyelinisierenden Krankheiten des Zentralen Nervensystems wie der multiplen Sklerose wirkt sich die mediterrane Ernährung positiv auf das Krankheitsrisiko und den Schweregrad der Erkrankung aus. Dies wurde in einigen Interventionsstudien belegt, Patienten berichteten vor allem über eine geringere Müdigkeit und verbesserte Lebensqualität.

 

Die mediterrane Kost legt den Schwerpunkt auf Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch und Olivenöl sowie auf einen geringen Verzehr von Fleisch, Geflügel, Milchprodukten und Rotwein. Besonders das native Olivenöl extra (naturbelassen, höchste Güteklasse) soll durch Bereitstellung von Ölsäure und Bioaktivität der enthaltenen phenolischen Verbindungen zum Neuroschutz beitragen. Die Bildung von Myelin (Grundlage der Markscheiden), das sich aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Öl- und Nervonsäure) zusammensetzt, hängt zum Teil von den Nahrungsquellen der einzelnen Fettsäuren ab. Die Versorgung mit reichlich Ölsäure kann die Myelinisierung fördern und einer Demyelinisierung vorbeugen. Diese Unterstützung kann dazu beitragen, die elektrische Aktivität im Trigeminusnerv zu verbessern. Es wird weiter angenommen, dass Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) im nativen Olivenöl extra, z. B. durch entzündungshemmende Wirkungen von Oleuropein (Bitterstoff in Olivenblättern) und anderen Substanzen, ebenfalls zum Neuroschutz beitragen. Bei Entzündungen wird besonders die Synthese der Nervonsäuren (Omega-9-Fettsäure) unterdrückt.

 

Möglicherweise können verringerte Entzündungen durch bioverfügbare Polyphenole im nativen Olivenöl extra das Myelin schützen und damit die Schmerzsymptome einer durch Demyelinisierung bedingten Trigeminusneuralgie lindern und die Therapie ergänzen. Für die betroffenen Patienten kann es allerdings herausfordernd sein, ihre Ernährung rigoros umzustellen. Ein erster Schritt könnte sein, eine optimale Menge an nativem Olivenöl extra in die Ernährung aufzunehmen. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern führte dazu eine kleine Studie durch, um die tägliche Aufnahme von nativem Olivenöl extra und sein Potenzial zur Linderung der Gesichtsschmerzen bei betroffenen Patienten zu prüfen.

 

An der Studie nahmen 52 Frauen (im Durchschnitt 53 Jahre alt) mit Trigeminusneuralgie teil. Nach einer Basiszeit von vier Wochen, u. a. mit Informationen zur Ernährung, wurden die Teilnehmerinnen in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen erhielten 12 Wochen lang täglich 60 ml natives Olivenöl extra, die anderen ernährten sich wie gewohnt und ohne zusätzliche Olivenöl-Einnahmen. Alle Frauen füllten täglich einen Fragebogen zur Schmerzintensität aus und gaben dabei auch an, ob sie sich an die Olivenöl-Einnahme hielten. Wöchentlich und monatlich wurden bei allen Befragungen zu ihren Gesichtsschmerzen durchgeführt. Außerdem wurde die Ernährung der Frauen zu Beginn der Studie und im Lauf der Studienzeit beurteilt. 42 Teilnehmerinnen schlossen die Studie ab. In der Gruppe mit dem nativen Olivenöl extra zeigte sich eine signifikante Abnahme in den Gesichtsschmerzen (beeinträchtigte mimische Funktion, Schwere der Schmerzen) im Vergleich zum Studienbeginn. Dagegen gab es in der Kontrollgruppe keinerlei Verbesserungen.

 

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die tägliche Einnahme von nativem Olivenöl extra die Beeinträchtigungen durch die Trigeminusneuralgie verbessern könnte. Ein erhöhter Verzehr von nativem Olivenöl extra könnte eine begleitende Rolle bei der Schmerzlinderung spielen. Dabei wird vermutet, dass längere Interventionen erforderlich sind. Die Forscher machen darauf aufmerksam, dass das in dieser Studie eingesetzte native Olivenöl extra im einzelnen nicht repräsentativ für Olivenöle aus anderen Regionen ist. Olivenöl besteht hauptsächlich aus Triglyzeriden, enthält aber auch kleinere Mengen an Sterolen, Fettalkoholen, Phenole und Vitamin E, wobei die Zusammensetzung sehr variabel ist. Die Zusammensetzung wird z. B. durch den Reifegrad der Oliven und Lagerbedingungen beeinflusst. Die Zusammensetzung der Fettsäuren hängt besonders von Faktoren wie Sorte und Erntejahr, dem geografischen Anbaugebiet und der Art der Extraktion sowie der Wärmebehandlung beim Kochen ab. Auch der jeweilige Gehalt an Ölsäure kann (bis zu mehr als 15 %) schwanken.

 

Die Forscher ziehen das Fazit. Dies ist nach ihren Kenntnissen die erste Studie, in der bei Patienten mit Trigeminusneuralgie tägliche Aufnahmen von nativem Olivenöl extra in Bezug auf die Gesichtsschmerzen untersucht wurde. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Maßnahme Aspekte der Lebensqualität bei den Patienten verbessern kann. Dazu gehören geringere Schmerzen und weniger Beeinträchtigungen der allgemeinen und verbesserte mimische Aktivitäten des täglichen Lebens. Die mögliche Rolle von nativem Olivenöl extra bei der Myelinisierung der Markscheiden, sollte im Zusammenhang mit der entzündungshemmenden mediterranen Ernährung weiter erforscht werden.

 

Quelle
Melissa L. Moreno et al., Daily olive oil intake is feasible to reduce trigeminal neuralgia facial pain: A pilot study. In: Nutrition Research, online 1.2.2024, doi: 10.1016/j.nutres.2024.01.005.


Zink im Lauf des Lebens

 

Das Spurenelement Zink ist für eine große Anzahl an Funktionen im Körper sehr wichtig. Zink ist für das Wachstum und die Gesundheit bis ins hohe Alter von großer Bedeutung.

 

Zink beeinflusst durch seine vielfältigen Funktionen (katalytisch, strukturell, regulatorisch) und als Teil vieler Enzyme und Proteine den Stoffwechsel, die Genexpression, Hormonfunktion, Immunabwehr, das Wachstum und viele Körperprozesse mehr. Allgemein ist der Zinkmangel weltweit eine der häufigsten Formen der Mikronährstoff-Unterernährung. In Deutschland kommen schwere Zinkmängel eher selten vor, eine Unterversorgung mit Zink kann jedoch vorhanden sein. Im Durchschnitt nehmen Frauen hierzulande täglich etwa 8 mg und Männer 11 mg Zink mit ihrer Ernährung auf. Die Empfehlungen für den täglichen Bedarf der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. sind seit 2019 differenziert, abhängig von der Aufnahme von Phytaten (Form der Phytinsäure), die in Pflanzen u. a. Zink binden können, das gilt vor allem für Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide. Das in der Nahrung enthaltene Phytat bindet im Magen-Darm-Trakt Zink, wodurch sich dessen Bioverfügbarkeit verringert. Die empfohlenen Zinkwerte liegen daher bei uns für erwachsene Frauen zwischen 7 bis 10 mg, für Männer bei 11 bis 16 mg, je nach einer niedrigen bis hohen Zufuhr an Phytaten aus der Ernährung.

 

Zink ist vor allem in Rind- und Schweinefleisch, Käse, Milch und Milchprodukten sowie in Eiern reichlich enthalten. Auch Nüsse, Weizen- oder Roggenkeimlinge liefern gute Zinkmengen. Eine schlechtere Zinkversorgung kann bei älteren Menschen, bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten oder auch bei einer streng vegetarischen Ernährung häufiger vorkommen. Die Symptome des Zinkmangels sind vielfältig und unspezifisch, u. a. abhängig vom Alter, Dauer der Zinkdefizite und dem Vorhandensein anderer Erkrankungen. Bei einem schwereren Zinkmangel können kognitive Beeinträchtigungen, wiederkehrende Infektionen und Durchfall, eine verzögerte Wundheilung und verringerte Fortpflanzung zu den Folgen gehören. Eine Gruppe von Forschern aus Großbritannien und den USA stellte die Kenntnisse zur Rolle von Zink für die Gesundheit und zu den Möglichkeiten verbesserter Zinkaufnahmen in der Bevölkerung vor.

 

Neben der bekannten Bedeutung von Zink für das Wachstum von Kindern und die Resistenz gegen Infektionen hat Zink zahlreiche spezifische Aufgaben, zu denen u. a. auch die Regulierung des Glukose-Stoffwechsels gehört. Es gibt immer mehr Nachweise dafür, dass ein Zinkmangel mit einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Störungen in Verbindung steht. Zink spielt eine wichtige Rolle bei der Insulinsekretion und der Glukosehomöostase, und ein niedriger Zinkstatus wurde mit einem schwereren Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Der Zinkstatus beeinflusst auch den Lipidstoffwechsel, einschließlich der Absorption, der Synthese und des Metabolismus von Fettsäuren. Das wirkt sich auf die zirkulierenden Lipidprofile aus und kann bei zu geringen Aufnahmen das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen. Ein leichterer oder schwer erkennbarer (subklinischer) Zinkmangel kann die allgemeine Dysregulierung der Stoffwechsel-Funktionen und Entzündungen hervorrufen, was z. B. Belastungen durch chronische Krankheiten erhöhen kann.

 

Neuere Meta-Analysen ergaben, dass Teilnehmer mit den höchsten Zinkaufnahmen aus der Nahrung ein um 13 % geringeres Risiko hatten, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Eine niedrig dosierte Ergänzung von Zink konnte signifikant die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten und Typ-2-Diabetes verringern, einschließlich hoher Nüchtern-Blutzuckerwerte, Insulinresistenz sowie Gesamt- und LDL-Cholesterin. Zink ist außerdem ein Schlüsselelement bei der Reaktion auf den oxidativen Stress. Das beruht zum Teil auf seiner Rolle in der (zinkhaltigen) Superoxiddismutase (Enzym, das Sauerstoffradikale beseitigen kann) und auf Signalfunktionen in zellulären Reaktionen auf den oxidativen Stress. Darüber hinaus reguliert Zink den Gefäßtonus, führt zu einer Entspannung der glatten Gefäßmuskulatur (Vasorelaxation) und kann die Steifigkeit von Blutgerinnseln verringern.

 

Eine gute Zinkversorgung im gesamten Lauf des Lebens kann die Prävention vieler Krankheiten unterstützen. Dagegen sind eine schlechte Ernährung und unzureichende Aufnahmen von Zink aus der Nahrung die Hauptursachen für einen suboptimalen Zinkstatus. Er kann sich langfristig auf chronische Krankheiten auswirken bzw. das Risiko für ihr Entstehen erhöhen. Zink als Nahrungsergänzung kann als gezielte Behandlungs-Strategie bei einem festgestellten Mangel oder prophylaktisch bei einem hohem Mangel-Risiko eingesetzt werden. Die in Nahrungsergänzungen verwendete Form von Zink kann anorganisch (Oxid, Chlorid, Sulfat, Carbonat), organisch (z. B. Aspartat, Citrat, Glukonat, Malat) oder an Aminosäuren (z. B. Histidin, Lysin) gebunden sein. Die chemische Form wirkt sich auf die Löslichkeit und die Aufnahme von Zink aus dem Magen-Darm-Trakt aus, anorganische Formen werden meist besser aufgenommen.

 

Die Art der Aufnahme, nüchtern oder mit einer Mahlzeit, kann sich ebenfalls auf die Resorption von Zink und den Stoffwechsel auswirken. Allgemein sind Nahrungsergänzungen mit Zink eine einfache, kostengünstige Möglichkeit, die Versorgung bei Bedarf zu verbessern. Über andere Maßnahmen der Zinkversorgung, z. B. die Anreicherung von Nahrungsmitteln und Gewürzen oder auch Biofortifikation (Erhöhung der Zinkdichte in Getreidekörnern), wird weiter geforscht.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Erstmals wurde die Bedeutung des Zinkmangels aus einer breiteren Perspektive beleuchtet, angefangen von seiner bekannten Rolle beim Wachstum von Kindern über Infektionen bis zu seiner Schlüsselrolle bei der zunehmenden globalen Belastung durch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen.

 

Quelle
Nicola M. Lowe et al., Preventing and Controlling Zinc Deficiency Across the Life Course: A Call to Action. In: Advances in Nutrition, online 17.2.2024, doi: 10.1016/j.advnut.2024.100181.


Vitamin D könnte bei einer überaktiven Blase wirksam sein

 

Ein unkontrollierter, starker Harndrang oder der unwillkürliche Urinverlust durch eine überaktive Blase ist eine erhebliche Belastung für die Betroffenen. Ein Mangel an Vitamin D könnte das Risiko für solche Beschwerden erhöhen, dagegen könnten seine Ergänzungen dazu beitragen, die Beschwerden zu verringern.

 

Eine überaktive Blase, auch Reizblase genannt, kann sich auf verschiedene Weise äußern. Das reicht von einem übermäßig starken Harndrang, zum Teil verbunden mit nachtröpfelndem Urin oder unwillkürlichen Blasenentleerungen bis hin zum kontinuierlichen Urinverlust. In Deutschland geht man von mehr als 6 Millionen Menschen aus, die zumindest zeitweise oder häufiger davon betroffen sind. Die Vorkommen einer überaktiven Blase steigen mit dem zunehmendem Alter an. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, z. B. Blasenentzündungen, Harnverlust durch körperliche Anstrengungen, aber auch eingeschränkte Funktionen der Harnblasse, ein geschwächter Beckenboden oder andere Krankheiten. In so manchen Fällen ist die Ursache jedoch unbekannt. Die überaktive Blase wird hauptsächlich mit Medikamenten sowie mit Beckenboden-Gymnastik, Blasentraining oder Methoden der Verhaltenstherapie behandelt.

 

Dabei sind die Symptome der Häufigkeit des Wasserlassens und der Inkontinenz oftmals nur schwer zu beseitigen. Daher sucht man auch nach neuen Ansätzen für die Prävention und Therapie der Reizblase. Möglicherweise können auch einige Mikronährstoffe die Blasenfunktionen beeinflussen. Bisher ist nicht bekannt, ob ein Vitamin-D-Mangel zu einer überaktiven Blase oder zur Harninkontinenz führen kann oder ob Ergänzungen von Vitamin D dazu beitragen können, die Blasensymptome zu lindern. Eine Gruppe von chinesischen Forschern prüfte diese Beziehungen in einem umfassenden, systematischen Review und in einer Metaanalyse der relevanten Studien. Nach einer umfassenden Recherche in den einschlägigen Datenbanken konnten sie 13 Studien prüfen und auswerten. Die Ergebnisse zeigten, dass bei einem Mangel an Vitamin D ein erhöhtes Risiko für eine überaktive Blase und Harninkontinenz beobachtet wurde (OR 4,46).

Der Spiegel von Vitamin D war bei Patienten mit einer überaktiven Blase oder Harninkontinenz relativ niedrig. Auf Grundlage der vorhandenen Daten wurde das Risiko der Harninkontinenz nach einer Ergänzung von Vitamin D um 66 % verringert.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ein Mangel an Vitamin D erhöht das Risiko für eine überaktive Blase und die Harninkontinenz. Die Ergänzung von Vitamin D kann dazu beitragen, das Risiko der Harninkontinenz zu verringern. Die Entwicklung neuer Strategien zur Vorbeugung oder Linderung von Blasen-Symptomen ist von entscheidender Bedeutung für die Lebensqualität der betroffenen Patienten. Die Ergänzung von Vitamin D könnte sich als wirksame Strategie zur Vorbeugung oder Linderung von Blasensymptomen wie der überaktiven Blase und Inkontinenz durchsetzen.

 

Quelle: 
Qiang Zhang et al., Vitamin D levels and the risk of overactive bladder: a systematic review and meta-analysis. In: Nutrition Reviews, Vol. 82, Nr. 2, 2024, S. 166-175, doi: 10.1093/nutrit/nuad049.


Beerenfrüchte, Darmgesundheit und chronische Nierenkrankheiten

 

Bei chronischen Nierenkrankheiten ist auch die Darmgesundheit beeinträchtigt. Der häufigere Verzehr von Beeren, Heidelbeeren und anderen Beerenfrüchten, könnte sich über verbesserte Darmfunktionen auch auf die chronischen Nierenkrankheiten auswirken.

 

Chronische Nierenerkrankungen sind sehr belastend, sie sind oft mit Aufenthalten im Krankenhaus verbunden und steigern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Weiter besteht ein direkter Zusammenhang mit einem Ungleichgewicht der Darm-Mikrobiota (Gemeinschaft der Darmbakterien), was als Darm-Dysbiose bezeichnet wird. Dabei nehmen schädliche Bakterien (z. B. Firmicutes, Actinobacteria) zu und die gesunden Bakterien (z. B. Bifidobakterien, Laktobazillen) verringern sich. Dieser Prozess konnte bereits in frühen Krankheits-Stadien beobachtet werden. Damit verbunden ist auch eine erhöhte Darmpermeabilität (Durchlässigkeit der Darmwand) und die gesteigerte Bildung von giftigen Schadstoffen im Harn (urämische Toxine), die mit Entzündungen, dem oxidativen Stress und kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gebracht werden. Weiter können geringe Aufnahmen von Ballaststoffen und einige Medikamente dazu beitragen, die Durchlässigkeit der Darmbarriere zu erhöhen, was zu chronischen Entzündungen führt.

 

Eine gesunde Ernährung trägt dazu bei, die Darm-Mikrobiota positiv zu fördern. Studien zeigten, dass der reichliche Verzehr von Obst, Gemüse und Ballaststoffen die Darmbakterien positiv beeinflussen und urämische Toxine verringern kann. Bioaktive Verbindungen und Mikronährstoffe in der Nahrung, darunter Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe), die Vitamine E und A sowie Zink, Polysaccharide, mehrfach ungesättigte Fettsäuren und die Aminosäure Glutamin könnten möglicherweise schädliche Wirkungen, die mit einer gestörten Darm-Mikrobiota verbunden sind, bei chronischen Nierenkrankheiten senken. Zu den Lebensmitteln mit antioxidativen Eigenschaften gehören Beerenfrüchte (Heidelbeeren, Cranberries, Himbeeren, Erdbeeren), die reich an phenolischen Verbindungen, Flavonoiden, Tanninen, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen sind. Neuere Studien zeigten, dass sie für die Gesundheit der Darm-Mikrobiota wesentlich sind.

 

Sie können dazu beitragen, das Wachstum und die Fülle der nützlichen Darm-Mikroorganismen zu erhöhen, auf bestimmte Bakterienarten positiv einwirken und die Bildung kurzkettiger Fettsäuren fördern. So wirken z. B. Heidelbeeren als Modulator der Darm-Mikrobiota, indem sie Proteine fördern, die an der Bildung der Darmschleimhaut beteiligt sind. Beerenfrüchte könnten daher eine Strategie sein, um die Darm-Mikrobiota und Dysbiose bei chronischen Nierenkrankheiten zu beeinflussen, doch bisher gibt es dazu nur wenige Studien. Eine Gruppe von Forschern aus den USA stellte dazu die aktuellen Kenntnisse vor.

 

Der Verzehr von Obst gilt seit langem als eine vielversprechende Strategie zur Verringerung des Risikos chronischer Krankheiten, einschließlich von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und dem metabolischen Syndrom. Beerenfrüchte erhielten aufgrund ihrer positiven Wirkungen auf den oxidativen Stress, Entzündungen, endotheliale Dysfunktionen (gestörte Funktionen der Innenschicht von Blutgefäßen), Arterienverkalkung und Insulinempfindlichkeit eine besondere Aufmerksamkeit. Diese positiven Wirkungen werden zum Teil mit ihrem hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen in Verbindung gebracht. Es gibt zunehmend Nachweise dafür, dass sie sich an bakterielle Zellmembranen im Darm binden können, was deren Funktionen verändert und die Modulation der Darm-Mikrobiota fördert. Darüber hinaus gelten Beerenfrüchte als eine gute Quelle für Ballaststoffe, die über präbiotische Effekte (fördern die Ernährung gesunder Darmbakterien) und die Bildung kurzkettiger Fettsäuren mit positiven Wirkungen auf die Darm-Mikrobiota in Verbindung gebracht werden.

 

Es gibt Hinweise, dass verschiedene Beerenfrüchte die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota und den Stoffwechsel verbessern. Wir stellen hier als Beispiel die Wirkungen von Heidelbeeren in Bezug auf chronische Nierenkrankheiten kurz vor. Heidelbeeren sind reich an sekundären Pflanzenstoffen(z. B. Anthocyanen) und eine gute Quelle für organische Säuren, Mineralien und Pektin (pflanzliches Polysaccharid). Extrakte aus Heidelbeeren werden als Nahrungsergänzung zur Verringerung von Entzündungen und des oxidativen Stresses eingesetzt. Neuere (experimentelle) Studien zeigten, dass ihr Verzehr den bakteriellen Stoffwechsel verändern könnte. Dazu gehört, dass sie schädliche Wirkungen einer fettreichen Ernährung auf die Immunzellen im Darm senken und die Darmschleimheit ebenso wie die Darm-Mikrobiota verbessern könnten.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Beerenfrüchte gelten als eine gute Quelle für Polyphenole und andere Mikronährstoffe, die sich positiv auf die Darm-Mikrobiota auswirken können. Insgesamt zeigen die Erkenntnisse, dass Beerenfrüchte die Darmgesundheit erhöhen können, indem sie die Häufigkeit von schleimproduzierenden Bakterien und kurzkettigen Fettsäuren beeinflussen. Sie fördern auch die Zunahme von Metaboliten (Abbauprodukte im Stoffwechsel), die für eine verbesserte Vielfalt der Darm-Mikrobiota verantwortlich sind. Studien über die Beerenmenge, die zu diesen Wirkungen führt, zeigten bisher heterogene Ergebnisse. Es ist jedoch bekannt, dass bereits mit 5 mg/Tag einige positive Effekte in Tierstudien beobachtet wurden. Dies könnte auch eine mögliche Strategie für Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten sein, doch bisher fehlt es dazu an Studien-Nachweisen bei den Patienten. Die Beziehungen zwischen Beerenfrüchten und chronischen Nierenkrankheiten sollten weiter erforscht werden, um eine bessere Lebensqualität der Patienten zu fördern.

 

Quelle: 
Karen S. Coutinho-Wolino et al., Blueberry, cranberry, raspberry, and strawberry as modulators of the gut microbiota: target for treatment of gut dysbiosis in chronic kidney disease? From current evidence to future possibilities. In: Nutrition Reviews, Vol. 82, Nr. 2, 2024, S. 248-261, doi: 10.1093/nutrit/nuad048.


Ernährungsabhängige Krebskrankheiten nehmen weltweit zu

 

Die Bevölkerung wächst weltweit und wird immer älter, damit steigt auch die Belastung durch Krebskrankheiten stärker an. Dazu können ungesunde Ernährungsweisen beitragen, die das Risiko für einige Krebskrankheiten erhöhen. In einer Studie untersuchten Forscher die Wirkungen der Ernährung auf die Krebsbelastung und stellten Ansätze zur Risikosenkung vor.

 

Die Zahl neuer Krebsfälle schätzte man für das Jahr 2020 auf 19,3 Millionen, bis 2040 werden zur Zeit 28,4 Millionen neuer Krebsfälle prognostiziert. Zwar ist die Rate der mit Krebskrankheiten verbundenen Behinderungen und Todesfälle gesunken, doch es gibt einen kontinuierlichen Anstieg der Krebsfälle von 1990 bis 2019, was den weiter steigenden Trend für die nächsten Jahre vorgibt. Zu den Ursachen für Krebskrankheiten gehört neben vielen Faktoren auch eine ungesunde Ernährung. Dazu gehört vor allem der Verzehr von stark fett-, kohlenhydrat- und salzhaltigen Lebensmitteln, während auf die gute Versorgung mit Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) und Ballaststoffen weniger geachtet wird. Ungesunde Ernährungsweisen tragen zur täglichen Anhäufung von Karzinogenen im Körper bei.

 

Es gibt seit langem überzeugende Nachweise, dass die Ernährung bei der Entstehung von Krebs eine herausragende Rolle spielt. Bei der Verarbeitung von Fleisch entstehen z. B. schädliche Bestandteile wie heterozyklische Amine, Natrium, Nitrit und Nitrosamine, ein übermäßiger Verzehr wirkt sich nachteilig auf die Gesundheit aus. Bei starker Erhitzung von Fleisch und Gemüse (z. B. Kartoffeln etc.) kann sich das Krebsrisiko durch die Freisetzung des Karzinogens Acrylamid erhöhen. Bei der Ernährung handelt es sich jedoch um einen veränderlichen Risikofaktor, alle Maßnahmen, die sich auf eine gesündere Ernährung richten, können dazu beitragen, die Belastung durch Krebskrankheiten zu senken.

 

Bislang wurden nur wenige Studien in Bezug auf die ernährungsabhängigen Krebsarten durchgeführt. Dabei wurde aufgrund der geringen Datenlage auch nur selten der Verzehr bestimmter Lebensmittel berücksichtigt. Es gibt jedoch seit Anfang der 1990er Jahre eine grundlegende Untersuchung zur Ernährung und ihren Beziehungen zu Krankheiten mit dem Projekt „Global Burden of Disease“ aus den USA mit weltweiten Untersuchungen. 2019 wurden neun ernährungsbedingte Risikofaktoren (rotes und verarbeitetes Fleisch, Vollkornprodukte, Milch, Ballaststoffe, Obst, Gemüse, Salz und Kalzium) ermittelt, die sich bei übermäßiger oder aber zu geringer Zufuhr als für die Krankheitslast entscheidend erwiesen haben. Eingeschätzt wurde dies durch Beziehungen zwischen den Vorkommen von Krankheiten, einschließlich Todesfälle, und einer Maßeinheit für die Lebensqualität (DALY, disability-adjusted life year), die für 369 Krankheiten und Verletzungen, 286 Todesursachen und 87 Risikofaktoren in 204 Ländern und Territorien von 1990 bis 2019 untersucht wurden. Auf der Basis dieser Daten veröffentlichte die „Global Burden of Disease“-Gruppe 2022 einen Sonderbericht zum Ernährungsverhalten, der erstmals Schätzungen der täglichen Aufnahmen von 15 belastenden Lebensmittelgruppen in Bezug auf Krebskrankheiten vorstellte.

 

Mit ungünstigen Ernährungsweisen wurden vor allem der Brustkrebs, Dickdarm- und Enddarmkrebs, Luftröhren-, Bronchial- und Lungenkrebs sowie der Speiseröhren- und Magenkrebs in Verbindung gebracht. Der Brustkrebs wird besonders mit einer Ernährung verbunden, die einen hohen Anteil an rotem Fleisch enthält. Beim Dickdarm- und Enddarmkrebs wirken sich ein hoher Anteil an rotem und verarbeitetem Fleisch und eine geringe Aufnahme von Kalzium, Milch, Vollkornprodukten und Ballaststoffen belastend aus. Der Luftröhren-, Bronchial- und Lungenkrebs wurde mit einem geringen Anteil an Obst und der Speiseröhrenkrebs mit geringen Aufnahmen von Gemüse und Obst verbunden. Beim Magenkrebs gehörte ein hoher Anteil an Salz (Natrium) zu den Risikofaktoren. Die Beziehung zwischen Belastungen der Lebensqualität und altersabhängigen Sterberaten war bei Männern höher als bei Frauen (9,68 gegenüber 5,79 bzw. 213,16 gegenüber 129,18). Darüber hinaus war die ernährungsbedingte Krebsbelastung in Regionen mit einem höheren soziodemografischen Index höher als in Regionen mit niedrigerem soziodemografischen Index.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ungesunde Ernährungsweisen haben einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung von Krebskrankheiten, wobei der größte Anteil auf den Dickdarm- und Enddarmkrebs entfällt. Ein erhöhter Verzehr von Vollkornprodukten, Milch, Ballaststoffen, Kalzium, Gemüse und Obst sowie der verringerte Verzehr von rotem und verarbeiteten Fleisch und Salz tragen wesentlich zu einer geringeren Krebsbelastung bei. Das Bewusstsein für eine gute Ernährung und ihren positiven Einfluss auf die Gesundheit, einschließlich des geringeren Risikos für ernährungsabhängige Krebskrankheiten, sollte sowohl auf Seiten der Lebensmittelproduktion als auch in der allgemeinen Bevölkerung stärker gefördert werden.

 

Quelle 
Shaohong Luo et al., Dietary consumption trend and its correlation with global cancer burden: A quantitative and comprehensive analysis from 1990 to 2019. In: Nutrition, Vol. 117, Nr. 1, 2024. doi: 10.1016/j.nut.2023.112225.


Carotinoide beeinflussen den Schlaf

 

Schlafstörungen nehmen weltweit zu, viele Faktoren sind daran beteiligt, das gilt auch für die Ernährung. Carotinoide, die in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind, könnten bei guten Aufnahmen dazu beitragen, die Schlafqualität zu verbessern.

 

Der Schlaf wurde als ein natürlich wiederkehrender Zustand von Körper und Geist gekennzeichnet, mit einem herabgesetzten Bewusstsein, relativ gehemmten sensorischen Aktivitäten, Hemmung fast aller willkürlichen Muskeln und reduzierter Interaktion mit der Umgebung. Der Schlaf ist für die Erhaltung der körperlichen und geistigen Gesundheit von wesentlicher Bedeutung. Zu einem gesunden Schlafmuster gehören etwa 7 bis 8 Stunden Schlaf täglich, keine oder seltene Symptome der Schlaflosigkeit und keine häufigere Müdigkeit tagsüber. In modernen Gesellschaften und mit einem veränderten sozioökonomischen Umfeld und Lebensstil sind eine verkürzte Schlafdauer inzwischen jedoch weit verbreitet, was die Schlafqualität belasten kann. Allgemein gilt, dass sowohl anhaltend zu kurze als auch zu lange Schlafzeiten die Gesundheit beeinträchtigen und das Risiko für chronische Krankheiten wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Depressionen erhöhen können.

 

Zu den möglichen Ursachen und Risikofaktoren für eine abnormale Schlafdauer gehört auch die Ernährung, sie wurde in epidemiologischen Studien mit der Schlafdauer und anderen Merkmalen in Verbindung gebracht. Eine Studie ergab z. B., dass Gemüse und Obst einen großen Anteil an der positiven Beziehung zwischen der gesunden Ernährung und dem Schlaf haben. Dabei spielen die Carotinoide (sekundäre Pflanzenstoffe) eine besondere Rolle. Sie sind eine Gruppe orangefarbener, gelber oder roter, fettlöslicher Pigmente, die reichlich in pflanzlicher Kost vorkommen. Am bekanntesten ist Beta-Carotin, doch es gibt weitere Carotinoide, die gesundheitlich vorteilhaft sind (Alpha-Carotin, Beta-Kryptoxanthin, Lykopin/Lutein, Zeaxanthin). Carotinoide könnten mit ihren antioxidativen, antientzündlichen und immunstärkenden Eigenschaften auf den Schlaf einwirken. Eine Studie legte z. B. nahe, dass ein erhöhter Verzehr von Carotinoiden mit einem geringeren Risiko für Einschlafstörungen und schlechte Schlafqualität verbunden war.

 

Doch bisher gibt es über die Beziehung zwischen Carotinoiden und der Schlafdauer nur wenige Studien. Eine Gruppe chinesischer Forscher untersuchte daher den Zusammenhang zwischen der Zufuhr von Carotinoiden mit der Schlafdauer. Sie prüften auch, ob eine höhere Zufuhr von Carotinoiden das Risiko für eine abnorme Schlafdauer verringern kann.

 

Die Forscher nutzten die Daten von 23.000 Erwachsenen, die an der großen US-amerikanischen Studie NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey, 2007-2018) teilgenommen hatten. Ihre Gesundheit wurde im Lauf der langen Studienzeit in verschiedenen Abständen untersucht. Für alle Teilnehmer lagen Informationen über ihre Ernährung und die Aufnahme verschiedener Carotinoide vor, außerdem hatten sie Angaben zur Schlafdauer und zu ihrem Lebensstil etc. gemacht. Nach der Menge der verzehrten Carotinoide wurden die Teilnehmer in drei Gruppen (niedrig bis hoch) eingeteilt. Ihre Schlafdauer wurde in kurz (< 7 h/Nacht), optimal (7-8 h/Nacht) und lang (> 8 h/Nacht) eingeteilt. Es zeigte sich, dass Teilnehmer mit einer höheren Zufuhr von Alpha- und Beta-Carotin, Beta-Kryptoxanthin, Lykopin, Lutein/Zeaxanthin vorwiegend eine normale Schlafdauer hatten, sie schliefen seltener zu kurz oder zu lang.

 

Es zeigte sich eine positive U-förmige Beziehung zwischen der Schlafdauer und der Aufnahme von Carotinoiden. Dabei zeigten sich in Bezug auf den Schlaf einige Unterschiede. Beta-Kryptoxanthin sowie Lutein/Zeaxanthin waren die wichtigsten Faktoren, die mit dem verringerten Risiko einer kurzen Schlafdauer verbunden waren. Dagegen waren Beta- und Alpha-Carotin sowie Beta-Kryptoxanthin die Hauptfaktoren für das geringere Risiko einer längeren Schlafdauer. Der Effekt zwischen den Carotinoid-Aufnahmen und der Schlafdauer schwächte sich allerdings nach der Anpassung an andere gesundheitliche Faktoren leicht ab.

 


Die Beziehung zwischen Carotinoiden und der Schlafqualität könnte durch mehrere Mechanismen erklärt werden. In einer neueren Studie zeigte sich, dass ein ungünstiges Verhältnis zwischen Prooxidantien und Antioxidantien, das zu oxidativem Stress führt, bei Kurzschläfern deutlich höher ist. Gute Aufnahmen von Carotinoiden könnten Kurzschläfern durch ihre ausgeprägten antioxidativen Eigenschaften möglicherweise helfen, die Schlafdauer zu verbessern. Eine lange Schlafzeit wurde mit einem Anstieg der Marker für systemische Entzündungen verbunden. Carotinoide können dazu beitragen, den Entzündungs-Status zu beeinflussen und davon abhängige Reaktionen zu verringern.

 

Carotinoide sind außerdem wichtige Vorstufen von Vitamin A. Eine Studie zeigte, dass ein Vitamin-A-Mangel zu einer Störung im Schlafrhythmus, besonders beim sogenannten slow wave sleep (langsam-welliger Schlaf) führen kann. Darüber hinaus wurde ein höherer Konsum von Carotinoiden mit einem geringeren Risiko für Fettleibigkeit, Depressionen und Typ-2-Diabetes etc. verbunden, wobei es bidirektionale Beziehungen mit der Schlafdauer gibt. 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Studie zeigte, dass Teilnehmer mit einer optimalen Schlafdauer mit ihrer Nahrung mehr Carotinoide aufnahmen. Das galt im Vergleich zu Teilnehmern mit einer ungünstigen, kürzeren oder längeren Schlafdauer, die mit Carotinoiden schlechter versorgt waren. Die Beziehungen zwischen Carotinoiden und dem Schlaf sollten künftig weiter untersucht werden.

 

Unser Tipp: 
Neben Beta-Carotin werden auch andere Carotinoide zur Nahrungsergänzung angeboten. Sie sind auch in vielen speziellen Multi-Präparaten für verschiedene gesundheitliche Wirkungen enthalten. 



 

Quelle: 
Ming-Gang Deng et al., Relationship between dietary carotenoid intake and sleep duration in American adults: a population-based study. In: Nutrition Journal 22, 68, online 8.12.2023, doi: 10.1186/s12937-023-00898-x.


Vitamin B6, Folat und Omega-3-Fettsäuren bei Migräne

 

Höhere Aufnahmen einiger Mikronährstoffe, der B-Vitamine B6 und Folat sowie der Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen, könnten das Risiko für die Migräne verringern und die Prävention unterstützen.

 

Die Migräne ist eine Form von chronischen Kopfschmerzen, die in Episoden anfallsartig auftreten. Diese neurologische Erkrankung ist weltweit verbreitet, die Vorkommen steigen in den Industrieländern weiter an. Frauen sind von Migräne häufiger betroffen als Männer, das gilt vor allem für jüngere Frauen bis zum mittleren Alter. Bei häufigeren und schwereren Migräneattacken gibt es Möglichkeiten der Vorbeugung mit bestimmten Medikamenten, die jedoch oft nur begrenzt wirksam sind (Ansprechraten 40 bis 50 %). Zur Vorbeugung sind auch einige nicht-medikamentöse Mittel hilfreich, das gilt z. B. für regelmäßigen Ausdauersport, Entspannungsmethoden und Stressabbau. Einige Studien zeigten, dass auch die Ernährung mit der Migräne in Verbindung steht. Bestimmte Mikronährstoffe könnten die Prävention und Therapie der Migräne erleichtern, das gilt besonders für die B-Vitamine, die eng mit dem (peripheren und zentralen) Nervensystem verbunden sind. Man vermutete, dass Störungen der Nerven und Blutgefäße (neurovaskuläres Endothel), die durch erhöhte Homocystein-Spiegel verursacht werden, zu Migräne führen können.

 

Dabei könnten die B-Vitamine B6 (Pyridoxin) und Folat eine besondere Rolle spielen. Vitamin B6 ist ein wichtiger Co-Faktor beim Stoffwechsel von Homcystein (im Übermaß schädliche Aminosäure), das gilt vor allem für seine aktive Form Pyridoxalphosphat. In einer Studie mit von Migräne betroffenen Frauen wurde berichtet, dass die Ergänzung von Vitamin B6 im Vergleich zu einem Placebo den Homocystein-Spiegel signifikant senken und die Schwere der Kopfschmerzen sowie die Belastung der Patientinnen verringern konnte. Auch Folat beeinflusst den Homocystein-Stoffwechsel, bei einem Mangel sind die Homocystein-Werte tendenziell erhöht. Es zeigte sich, dass die Einnahme von Folat Homocystein senken kann. Eine Studie ergab z. B., dass bei 95 Migräne-Patienten, die drei Monate lang Folat und Vitamin B6 (Pyridoxin) mit der Nahrung zu sich nahmen, der Schweregrad der Migräne sowie die Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen deutlich abnahmen.

 

Folat unterstützt außerdem den Energiestoffwechsel in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen), mitochondriale Dysfunktionen wurden bei Migräne-Patienten beobachtet. Bisher wurden die Beziehungen von Vitamin B6 und Folat zur Migräne in der allgemeinen Bevölkerung kaum untersucht. Eine Gruppe chinesischer Forscher nutzte dafür nun die Daten der großen US-amerikanischen Bevölkerungsstudie NHANES (National Health and Nutrition Survey), um diese Beziehungen zu prüfen. Von 1999 bis 2004 wurden die Gesundheit und Ernährung von erwachsenen Teilnehmern ab 20 Jahren umfassend untersucht. Einbezogen in die aktuelle Untersuchung wurden rund 7.000 Teilnehmer, von denen 1.350 Migräne-Patienten waren, die in den letzten drei Monaten unter schweren Kopfschmerzen oder Migräne gelitten hatten. Im Vergleich zu den nicht davon betroffenen Teilnehmern waren die Migräne-Patienten tendenziell jünger und weiblich.

 

Die Auswertungen zeigten, dass es bei geringen Aufnahmen von Vitamin B6 und Folat einen Zusammenhang mit schweren Kopfschmerzen oder der Migräne gibt. Weiter wurde eine signifikante Interaktion zwischen einer hohen Aufnahme von Vitamin B6 und Folat mit einem geringeren Migräne-Risiko beobachtet (B6 ≥ 2,39 mg/Tag, Folat ≥ 502,01 µg/Tag). Dies deutet darauf hin, dass die Kombination der beiden Nährstoffe zur Vorbeugung von Migräne nützlich sein könnten.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Studie zeigte, dass höhere Aufnahmen von Vitamin B6 und Folat signifikant mit einem geringeren Risiko für schwere Kopfschmerzen oder Migräne in Verbindung stehen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass sie bei der Senkung des Migräne-Risikos synergistisch wirken. Angemessen erhöhte Aufnahmen von Vitamin B6 und Folat können bei Erwachsenen, die unter Migräne leiden, zur Vorbeugung beitragen. 

Auch die Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen mit der Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) gelten als ein vielversprechendes Mittel zur Vorbeugung bei Migräne. Das zeigt eine neue Meta-Analyse von Forschern aus Taiwan. Sie verglichen die Wirksamkeit und Akzeptanz verschiedener Dosierungen von EPA und DHA im Vergleich mit anderen medikamentösen Interventionen bei Migräne.

 

Analysiert wurden 40 relevante (randomisierte, kontrollierte) Studien, daran waren rund 6.600 Teilnehmer (im Durchschnitt 35 Jahre alt, 79 % Frauen) mit Diagnosen einer episodischen oder chronischen Migräne eingeschlossen. Geprüft wurden Veränderungen in der Häufigkeit von Migräne sowie die Akzeptanz der jeweiligen Maßnahmen bzw. ihr Abbruch aus verschiedenen Gründen. Untersucht wurden die Ansprechraten, Veränderungen im Schweregrad der Migräne, die Häufigkeit des Gebrauchs von Medikamenten im Notfall und unerwünschte Ereignisse. Die Auswertungen zeigten, dass im Vergleich zu Placebos die Ergänzung mit hochdosierten Omega-3-Fettsäuren die stärkste Abnahme in der Häufigkeit und im Schweregrad der Migräne erreicht wurde. Die Ergänzungen mit Omega-3-Fettsäuren hatten von allen untersuchten vorbeugenden Maßnahmen die günstigsten Akzeptanz-Raten. 



 

Die Forscher ziehen das Fazit:

Diese Studie liefert überzeugende Belege dafür, dass eine hochdosierte Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) als ein Mittel der ersten Wahl zur Migräne-Prophylaxe angesehen werden kann. Mit EPA und DHA wurden bei Migräne die beste Wirksamkeit und Akzeptanz aller Maßnahmen erreicht.

 



Unser Tipp: 
B-Vitamine (8 Vitamine) werden zur Nahrungsergänzung oft zusammen empfohlen, sind aber auch einzeln, z. B. als Vitamin B6 in der aktiven Form (Pyridoxal-5-Phosphat) oder Folsäure, verfügbar. Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) gibt es in verschiedenen, gut verträglichen Dosierungen. Auf eine gute Qualität sollte immer geachtet werden. Hochdosierte Nahrungsergänzungen sollten nur nach therapeutischer Empfehlung eingenommen werden.

 

Quelle:
Sheng Tian et al., Vitamin B6 and folate intake are associated with lower risk of severe headache or migraine in adults: An analysis based on NHANES 1999-2004. In: Nutrition Research, Vol. 121, Januar 2024, S. 51-60, doi: 10.1016/j.nutres.2023.11.008. 
Ping-Tao Tseng et al., High Dosage Omega-3 Fatty Acids Outperform Existing Pharmacological Options for Migraine Prophylaxis: A Network Meta Analysis. In: Advances in Nutrition, online 16.12.2023, doi: 10.1016/j.advnut.2023.100163.


Gesund essen in Deutschland − oft mehr Wunsch als Wirklichkeit

 

Eine gesunde Ernährung fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden. Ob und wie die tatsächliche Ernährung dies erfüllt, das prüft die Techniker-Krankenkasse in regelmäßigen Abständen in repräsentativen Umfragen. Die aktuellen Ergebnisse der jüngsten Umfrage zu „Iss was, Deutschland!“ liegen vor und zeigen: Lecker soll das Essen vor allem sein − und natürlich auch gesund.

 

In der TK-Ernährungsstudie wurden bundesweit 1.704 Erwachsene ab 18 Jahren im Mai 2023 ausführlich zu ihrer Ernährung und dem Trinkverhalten befragt: Lecker und gesund soll es vor allem sein. Der Genuss ist für 99 % der Befragten das Wichtigste beim Essen. Immerhin legen 92 % auch Wert auf eine gesunde und 77 % auf eine nachhaltige Ernährung. Der Verzehr von biologischen, saisonalen Produkten und regionaler Erzeugung ist für 77 % der Befragten sehr wichtig. Fragt man jedoch näher nach der gewohnten Ernährung, dann wird deutlich, dass vieles an diesen positiven Aussagen oft mehr Wunsch als Wirklichkeit ist. Eine gesunde Ernährung wird jedenfalls im Alltag nicht regelmäßig bzw. viel zu selten umgesetzt.

 

Auch wenn seit langem bekannt ist, dass eine pflanzliche Ernährung sehr gesund ist, so bleibt der Verzicht auf Fleisch für die meisten Menschen eine Ausnahme. 78 % der Befragten essen regelmäßig Fleisch, 73 % tun dies mehrmals pro Woche. Zwar ist der Anteil der regelmäßigen Fleischesser im Vergleich zur Befragung von 2017 um 6 % gesunken, doch insgesamt nach wie vor zu hoch. Wenig Fleisch und überwiegend pflanzlich ernähren sich 17 % der Bevölkerung, 2 % sind Pescatarier, essen kein Fleisch, jedoch Fisch und andere tierische Produkte wie Milch und Eier. 2 % ernähren sich komplett vegetarisch und nur 1 % ernährt sich vegan. Frauen bevorzugen stärker eine pflanzliche Ernährung, jede vierte ernährt sich überwiegend vegetarisch, bei den Männern tut das nur jeder Zehnte. Viel zu wenig Menschen essen außerdem täglich frisches Obst und Gemüse, was allgemein von Frauen stärker bevorzugt wird.

 

Dabei gibt es Unterschiede in den Altersgruppen. Von den 18- bis 39-Jährigen essen nur 49 % täglich Obst und Gemüse, bei den 40-bis 59-Jährigen sind es 56 %, am besten schneiden die über 60-Jährigen mit 70 % ab. Insgesamt essen 69 % der Frauen und nur 49 % der Männer täglich Obst und Gemüse, das heißt rund 40 % der Menschen essen weniger pflanzliche Kost als empfohlen. Einige Defizite gibt es auch bei den Getränken. Ein Teil der Frauen (33 %) und der älteren Menschen ab 60 Jahren (42 %) trinken zu wenig. Sie kommen nicht auf die empfohlenen 1,5 Liter an Wasser oder anderen kalorienfreien Getränken pro Tag.

 

Bei der Nachhaltigkeit der Ernährung liegen Wunsch und Wirklichkeit recht deutlich auseinander. 60 % finden es schwierig zu erkennen, welche Produkte nachhaltig sind oder empfinden sie als zu teuer. Für knapp ein Drittel spielt die Nachhaltigkeit eine eher geringe Rolle, sie glauben nicht, dass man durch das persönliche Essverhalten etwas damit bewirken kann. Die Nachhaltigkeit ist ihnen in der Ernährung daher nicht so wichtig, oder sie geben an, dass in ihrer Umgebung die Möglichkeiten fehlen, nachhaltige Produkte zu kaufen. 2020 wurde in Deutschland der NutriScore eingeführt, er gibt mit einer Kategorie von A (am besten) bis zu E (am schlechtesten) den Nährwert von industriell verarbeiteten Lebensmitteln an, ist jedoch noch nicht bei allen Fertigwaren angegeben. Die Beachtung des NutriScores könnte beim Einkauf die gesündere Auswahl von Lebensmitteln unterstützen. Doch bisher nutzen nur 38 % der Befragten hin und wieder oder häufig den NutriScore, 59 % kannten ihn nicht. Auf die Frage, was denn die einzelnen Personen von einer gesünderen Ernährung abhält, wurden mehrere Gründe genannt. Dazu gehören vor allem die fehlende Zeit und Ruhe, das Durchhaltevermögen sowie die Probleme bei der Vereinbarung von einer gesunden Ernährung mit dem Beruf.

 

Schon seit Jahren machen Ernährungsfachleute immer wieder darauf aufmerksam: Viele Deutsche essen regelmäßig zu viel, zu fett, zu süß und zu ungesund. Das gilt für zu hohe Anteile von industriell stark verarbeiteten Produkten (Fertig-, Wurstwaren, Snacks, zuckerhaltige Getränke etc.). Zu den langfristigen Folgen gehören Übergewicht (ab BMI 25) oder gar Adipositas (ab BMI 30) sowie von der Ernährung abhängige Krankheiten. Dazu gehören z. B. der Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland ist übergewichtig oder gar adipös, das zeigen die Ergebnisse offizieller Körpermaß-Untersuchungen. In der TK-Ernährungsstudie schätzten sich jedoch nur 31 % der Befragten als übergewichtig ein. Im Rahmen dieser Befragung wurden die Teilnehmer nicht gewogen. Es bleibt zu vermuten, dass so manch einer sich seines tatsächlichen Übergewichts nicht bewusst ist.

 

Insgesamt spiegelt sich im Alltag vieler Menschen in Deutschland der Wunsch nach einem leckeren, gesunden und nachhaltigen Essen noch zu wenig wieder. Zu den beliebtesten Gerichten gehören immer noch die bürgerliche Hausmannskost und viele Nudelgerichte, die meist reichlich Fett und Kohlenhydrate enthalten. Nach wie vor beliebt ist auch der Griff zu Süßigkeiten, Chips und anderen Snacks. Das Motto der Studie „Iss was Deutschland“ sollte künftig von mehr Menschen weiter gefasst werden: Iss was (Gesundes), Deutschland!

 

Unser Tipp: 

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung versorgt mit vielen wichtigen Mikronährstoffen, die für gute Körperfunktionen wichtig sind und präventiv wirken können. Bei Bedarf können Nahrungsergänzungen die Versorgung unterstützen, einzeln oder mit komplexen Formeln von Mikronährstoffen für verschiedene Bedürfnisse.

 

Quelle:
Techniker-Krankenkasse (Herausgeber), Iss was, Deutschland!, 2023.


Nahrungsergänzungen stärken kognitive Leistungen im Alter

 

Im höheren Alter verringern sich das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten. Viele Mikronährstoffe beeinflussen mit ihren komplexen Wirkungen auch die Gehirnfunktionen. Eine gute Versorgung mit den für das Gehirn besonders wichtigen Mikronährstoffen kann die kognitiven Leistungen im Alter verbessern und degenerative Prozesse verlangsamen.

 

Kognitive Beeinträchtigungen und Demenz-Krankheiten sind durch eine immer älter werdende Bevölkerung weltweit ein wachsendes Problem, Tendenz weiter steigend. Die Demenz ist ein Syndrom, zu dem viele Formen und Symptome gehören. Sie ist durch fortschreitende kognitive Beeinträchtigungen und abnehmende funktionelle Fähigkeiten gekennzeichnet, die häufig von Verhaltens- und psychologischen Symptomen begleitet werden. Am weitesten verbreitet sind vaskuläre (die Gefäße betreffende), kognitive Beeinträchtigungen und die Alzheimer-Krankheit. Die Krankheit belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Familien, Pflegekräfte und das Gesundheitssystem. Daher ist die Suche nach wirksamen Interventionen, die den Abbau kognitiver Leistungen im Alter verhindern, verzögern oder verbessern, sehr wichtig. Sie könnten auf ein komplexes Spektrum einwirken, zu dem vaskuläre Probleme, Störungen in der Blut-Hirn-Schranke, Regulierung des zerebralen Blutflusses und die Entsorgung zellulärer Abfallstoffe im zentralen Nervensystem etc. gehören. Weiter können freie Radikale u. a. auf Neuronen einwirken, sie schädigen oder gar zerstören und so zur Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen.

 

Darüber hinaus spielen Entzündungen des Nervengewebes (Neuroinflammation), Schädigung der weißen Gehirnsubstanz und neuronale Störungen im Stoffwechsel etc. eine wichtige Rolle bei der Entwicklung kognitiver Beeinträchtigungen und Demenz. Medikamentöse Therapien zeigen einen gewissen Nutzen, können aber den komplexen kognitiven Abbau nicht vollständig auffangen. Das führte zu einem großen Interesse an alternativen Möglichkeiten, u. a. an diätetischen Maßnahmen und Nahrungsergänzungen, um die kognitiven Leistungen im Alter zu fördern. Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des Gehirns, ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wurde mit kognitiven Beeinträchtigungen verbunden. Ernährungs-Mängel kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor, sie sind vor allem auf eine unzureichende Ernährung, verminderte Absorption oder auf Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen. Eine Gruppe von Forschern aus Ungarn und den USA stellten in einem Review die aktuellen Kenntnisse zur Wirksamkeit verschiedener Nahrungsergänzungen auf die kognitiven Funktionen vor. Sie betreffen z. B. das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, den Neuroschutz und die mögliche Risikosenkung oder verzögerte Entwicklung einer Demenz. Die Ergebnisse einiger Studien deuteten auf ein komplexes Zusammenspiel zwischen Mikronährstoffen und der kognitiven Gesundheit hin.

 

Einige Nahrungsergänzungen zeigten vielversprechende Ergebnisse, andere eher begrenzte oder kontextabhängige Wirkungen. Geprüft wurde auch die Bedeutung von Dosierungen, Bioverfügbarkeit und individuelle Unterschiede, ebenso die Sicherheit der Einnahmen und mögliche Wechselwirkungen mit konventionellen Therapien. Einbezogen waren vor allem die B-Vitamine, Antioxidantien, Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren.

 

Studien zu den B-Vitaminen zeigten bereits die positiven Wirkungen von Folsäure, B12 und B6 bei der Erhaltung der kognitiven Funktionen. Die aktuelle Auswertung ergab, dass Ergänzungen von B-Vitaminen allein oder in Kombination mit Magnesium, den Vitaminen D und C und der Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) bei gesunden Erwachsenen das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten signifikant verbessern können. Das galt vor allem, wenn Magnesium und antioxidative Vitamine einbezogen wurden. Zu den wichtigsten Antioxidantien gehören die Vitamine A, C und E, Mineralien wie Selen, Chrom und Zink sowie pflanzliche Substanzen wie Carotinoide, Flavonoide, Polyphenole und Lignane. Sie schützen vor freien Radikalen und tragen zu gesunden Funktionen in den kognitiven Prozessen bei. Eine gute Versorgung bzw. die Ergänzung von Vitamin D kann vermutlich mit dazu beitragen, Demenz-Krankheiten vorzubeugen und die kognitiven Funktionen zu verbessern, auch wenn die Ergebnisse dazu bisher nicht einheitlich sind.

 

Die konsequente Einnahme von Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen kann ebenfalls die kognitiven Fähigkeiten verbessern und präventiv wirken. Neben ihrer zentralen Rolle für die Immunfunktionen haben sie das Potenzial, das Gedächtnis zu verbessern und das Risiko chronischer degenerativer Erkrankungen wie Alzheimer und Störungen der Aufmerksamkeit zu verringern. Eine Studie zeigte z. B., dass Patienten, die täglich 1 g Fischöl (DHA, EPA) erhielten, entweder allein oder in Kombination mit Vitamin E und Carotinoiden, ihr Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Stimmung verbesserten sowie signifikant weniger Fehler bei Gedächtnisaufgaben machten.

 

Bei Nahrungsergänzungen für die kognitive Gesundheit sollten individuelle Faktoren berücksichtigt werden, da es keine „Einheitslösung“ für alle gibt. Einbezogen werden sollte die geeignete Auswahl der Substanzen, die Dosierung und Dauer der Anwendung. Sie hängen u. a. von Alter, Geschlecht, Ernährung, Lebensstil, Stress und der Körperaktivität ab. Männer und Frauen haben einen unterschiedlichen Bedarf an (Mikro-)Nährstoffen. Starker Stress kann dazu führen, dass bestimmte Mikronährstoffe schneller verbraucht werden, z. B. die B-Vitamine und Vitamin C, dann könnten höhere Dosen effektiver sein. Aktive Menschen haben eine erhöhte Stoffwechselrate und könnten einige Mikronährstoffe und Antioxidantien mehr benötigen, um dem erhöhten oxidativen Stress durch körperliche Anstrengungen entgegenzuwirken. Vegetariern und Veganern fehlen häufiger Vitamin B12, Eisen und Omega-3-Fettsäuren, die in tierischen Produkten enthalten sind. Hinzu kommt, dass einige Medikamente bestimmte Vitamine stärker verbrauchen. Solche Defizite bzw. ein erhöhter Bedarf an Mikronährstoffen können mit Nahrungsergänzungen ausgeglichen werden. Mit Bluttests lässt sich die Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen prüfen und bei Bedarf anpassen. Hohe Dosen sollten dabei nur nach therapeutischer Empfehlung eingenommen werden. Hochwertige Nahrungsergänzungen aus seriösen Quellen sollten bevorzugt werden, um die Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse der umfassenden Analyse unterstreichen die tiefgreifende Bedeutung von Nahrungsergänzungen für die Erhaltung der kognitiven Gesundheit, besonders im Alter. Vitamine, Mineralien, Antioxidantien, pflanzliche Substanzen wie Polyphenole und Carotinoide sowie Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für die Aufrechterhaltung und Verbesserung der kognitiven Funktionen. Sie tragen dazu bei, das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und allgemein die Gehirnfunktionen zu verbessern. Ihre antioxidativen Eigenschaften sind entscheidend für die Bekämpfung von oxidativem Stress, der ein Schlüsselfaktor für den altersbedingten kognitiven Abbau ist. Die Vitamine B, C, D und E leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit des Gehirns, indem sie die Synthese der Neurotransmitter unterstützen, vor neuronalen Schäden schützen und die Regulierung der Stimmung fördern. Mineralien wie Magnesium, Eisen, Selen, Zink und Kupfer sind ebenfalls wichtig, da sie eine Rolle bei verschiedenen Gehirnfunktionen spielen und vor dem kognitivem Abbau schützen.

 

Die Rolle von Nahrungsergänzungen bei der Erhaltung und Verbesserung der kognitiven Funktionen im Alter kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Auch wenn sich das Verständnis ihrer genauen Mechanismen weiter entwickelt, sprechen die derzeitigen Erkenntnisse eindeutig für die Aufnahme dieser Mikronährstoffe in eine ausgewogene Ernährung oder als Teil einer gezielten Ergänzungs-Strategie. Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der Ernährung, Nahrungsergänzungen, körperliche Aktivität, geistiges Engagement und einen gesünderen Lebensstil verbindet, verbessern sich die Aussichten auf ein längeres, gesünderes und erfüllteres Leben in den späteren Jahren des Lebens.

 

Unser Tipp:

Für die Stärkung der Gehirnfunktionen stehen eine Reihe von Nahrungsergänzungen zur Verfügung, einzeln und kombiniert. Dazu gehören z. B. die B-Komplex-Vitamine und die Antioxidantien. Auf eine gute Qualität von Nahrungsergänzungen sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Mónika Fekete et al., Improving Cognitive Function with Nutritional Supplements in Aging: A Comprehensive Narrative Review of Clinical Studies Investigating the Effects of Vitamins, Minerals, Antioxidants, and Other Dietary Supplements. In: Nutrients, online 15.12.2023, doi: 10.3390/nu15245116.


Selen beim Schwangerschaftsdiabetes

 

In der Schwangerschaft kann ein Diabetes entstehen, mit Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind. Zu den beeinflussenden und veränderlichen Risikofaktoren gehört die Ernährung. Dabei spielt die gute Versorgung mit Selen eine wichtige Rolle, wie eine neue Studie zeigt.

 

Der Schwangerschaftsdiabetes ist eine Störung im Stoffwechsel mit erhöhten Glukose-Konzentrationen, der die Gesundheit von Mutter und Kind beeinträchtigt. Zu den Symptomen gehören u. a. vermehrte Infekte der Harnwege oder Entzündungen der Scheide, erhöhtes Fruchtwasser, übermäßige Gewichts- und Größenzunahme des Fötus und der Bluthochdruck. Der Schwangerschaftsdiabetes tritt weltweit relativ häufig auf, bis zu 20 % der Schwangeren sind betroffen. Die Frauen und ihre Kinder haben danach außerdem ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Davon abgegrenzt wird der Diabetes, von dem einige Schwangere bereits vorher betroffen waren. Zu den Risikofaktoren gehören das Alter, Übergewicht und Adipositas (BMI ab 30) sowie der Lebensstil. Eine wichtige Rolle spielt die Ernährung, einschließlich der Versorgung mit in der Schwangerschaft besonders wichtigen Mikronährstoffen. Bei den Mineralien ist z. B. die gute Versorgung mit Jod und Eisen in dieser Zeit sehr wichtig, dagegen sind die Funktionen von Selen bisher nur unzureichend geklärt. Man weiß, dass der Selen-Status der Mutter im Lauf der Schwangerschaft sinkt, bedingt durch das zunehmende Plasma-Volumen und den steigenden Bedarf an Selen beim Fötus.

 

Einige Studien zeigten, dass Selen-Ergänzungen in der Schwangerschaft z. B. dazu beitragen können, einige Störungen (z. B. Schilddrüsenentzündung und -unterfunktion, Präeklampsie) zu verringern. Ob und wie Selen beim Schwangerschaftsdiabetes eine Rolle spielt, das ist bisher nicht genau geklärt. Bekannt ist, dass die Krankheit auch mit einem erhöhten oxidativen Stress verbunden ist. Das deutet darauf hin, dass Selen und die Selenoproteine mit ihren antioxidativen Funktionen eine Rolle spielen könnten. In experimentellen Studien hatte man festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem erhöhtem Selenoprotein P (Selen-Transportprotein) und einer erhöhten Insulinresistenz gibt. Für die Beziehung zur Schwangerschaft gibt es dazu bisher nur wenige, nicht schlüssige Untersuchungen. Ein Forscherteam aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden prüfte daher Selen in Bezug zur Schwangerschaft und zum Schwangerschaftsdiabetes in einer Studie. Sie nutzten drei Biomarker für den Selen-Status, Gesamt-Selen im Serum, Selenoprotein P und die Aktivität des Enzyms GPx3 (Glutathion-Peroxidase 3), das zum Schutz vor dem oxidativen Stress in den Zellen beiträgt. Die Bewertung des Selen-Transports durch Selenoprotein P aus der Leber und die periphere Selen-Versorgung durch die GPx3-Aktivität aus der Niere, die beim Selen-Mangel ein relevanter Marker ist, geben zusätzliche Einblicke in den Selen-Status. Bestimmt wurden außerdem Marker für den Schwangerschaftsdiabetes, darunter z. B. HOMA-IR (zur Bestimmung der Glukose-Insulin-Homöostase) und ein oraler Glukosetoleranztext (weist eine gestörte Glukoseverwertung nach). Untersucht wurden außerdem das Geburtsgewicht und die Größe der neugeborenen Kinder, da erhöhte Werte zu den Folgen des Schwangerschaftsdiabetes gehören.

 

In die Studie einbezogen waren 1.346 schwangere Frauen, die an einer dänischen Bevölkerungsstudie, der Odense Child Cohort Study (von 2010 bis Ende 2012) beteiligt waren. Bei allen Frauen wurden die Konzentrationen von Serum-Selen, Selenoprotein P und die Aktivität von GPx3 in der späten Schwangerschaft gemessen. Bestimmt wurden weiter die Werte von Nüchtern-Glukose und Insulin in der späten Schwangerschaft, auch der HOMA-IR-Wert wurde geprüft. Von 946 Frauen standen außerdem Informationen über den Selen-Status in der frühen Schwangerschaft zur Verfügung. Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes entsprach dem von der WHO 2013 festgelegten Schwellenwert (Nüchtern-Plasma-Glukose ≥5,1 mmol/L). Eine Untergruppe der Frauen nahm außerdem an einem oralen Glukosetoleranztest teil. Es zeigte sich eine Verbindung der drei Selen-Biomarker zum Schwangerschaftsdiabetes, zur Insulinresistenz und zu einem erhöhten Geburtsgewicht der Kinder. Selen und Selenoprotein P nahmen in der Schwangerschaft deutlich ab.

 

Ein stärkerer Rückgang der Selen-Biomarker war mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und einem höheren HOMA-IR-Wert verbunden. Die Verbindungen waren dosisabhängig und unabhängig von den etablierten Risikofaktoren für den Schwangerschaftsdiabetes. Das galt besonders für eine niedrige Aktivität von GPx3 in der frühen und späten Schwangerschaft. Dies war unabhängig verbunden mit einem höheren Risiko für den Schwangerschaftsdiabetes, einem höheren HOMA-IR-Wert, Nüchternglukose und dem oralen Glukosetoleranztest. Eine niedrige GPx3-Aktivität erhöhte in der späten Schwangerschaft das Risiko für ein höheres Gewicht und Größe der Kinder bei der Geburt, was zum Teil durch die Konzentration der Nüchternglukose-Werte vermittelt wurde.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ein niedriger Selen-Gehalt im Serum während der Schwangerschaft ist unabhängig von den bisher bekannten Risikofaktoren mit dem Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und einem Einfluss auf das Gewicht und die Größe der Kinder bei der Geburt verbunden. Das gilt vor allem für die Aktivität des Enzyms GPx3. Zusätzlich zum Blutzucker-Screening im Rahmen der Schwangerenvorsorge könnte die Bestimmung der Selenwerte sinnvoll sein. Damit könnten Frauen mit einem hohen Risiko für den Schwangerschaftsdiabetes besser erkannt werden, die von Selen-Ergänzungen profitieren könnten.

 

Unser Tipp: 

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an vielen Mineralien und Vitaminen, Ergänzungen können gegebenenfalls die Versorgung verbessern. Das gilt auch für Selen, das in verschiedenen Formen zur Verfügung steht. Schwangere sollten Mikronährstoffe nur nach therapeutischer Empfehlung einnehmen. Auf eine gute Qualität und Bioverfügbarkeit sollte bei der Ergänzung von Mikronährstoffen in dieser Zeit besonders geachtet werden.

 

Quelle:
Kamil Demircan et al., Serum selenium, selenoprotein P, and glutathione peroxidase 3 during early and late pregnancy in association with gestational diabetes mellitus: Prospective Odense Child Cohort. In: The American Journal of Clinical Nutrition, online 7.10.2023, doi: 10.1016/j.ajcnut.2023.09.025.


Zur Zeit ist nicht genau geklärt, ob der Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln mit höheren Vorkommen von mehreren chronischen Krankheiten verbunden ist.

 

Zur Zeit ist nicht genau geklärt, ob der Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln mit höheren Vorkommen von mehreren chronischen Krankheiten verbunden ist. Forscher überprüften in einer Studie diesen Zusammenhang.

 

In den letzten zwei Jahrzehnten nahm die Zahl von Menschen, die mehr als eine chronische Krankheit (Multimorbidität) haben, in vielen Ländern stark zu. In Europa sind rund 50 Millionen Menschen von der Multimorbidität betroffen, die als das gleichzeitige Auftreten von mindestens zwei chronischen Krankheiten bei einer Person definiert wird. Das kann z. B. Krebs- und Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie den Typ 2 Diabetes betreffen. Die Multimorbidität kann zu verminderter Lebensqualität, verschiedenen Behinderungen und zur Einbuße von Funktionen führen. Um diese Entwicklung zu verringern, ist es wichtig, vermeidbare Risikofaktoren der Multimorbidität zu erkennen. Dazu gehört ein ungesunder Lebensstil ebenso wie eine schlechte Ernährung mit einem hohen Anteil an industriell hergestellten, stark verarbeiteten Fertigprodukten, z. B. Tiefkühl-Pizzen, Instant-Suppen, Kartoffelchips, Softdrinks etc. Weltweit hat das Angebot und der Verzehr von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln zugenommen. In einigen Ländern haben sie bereits einen Anteil von 50 bis 60 % an der täglichen Energiezufuhr erreicht.

 

Frische oder minimal verarbeitete Lebensmittel werden zunehmend weniger gegessen. Das wirkt sich langfristig negativ auf die Gesundheit aus. Ultrahochverarbeitete Lebensmittel enthalten eine Reihe dekonstruierter und modifizierter Bestandteile, die mit einer Vielzahl von Zusatzstoffen kombiniert werden. Sie sind z. B. in fertigen Frühstücksflocken, Keksen, rekonstituierten Fleischprodukten (Formfleisch), Instant-Nudeln sowie in alkoholfreien und/oder gesüßten, kohlensäurehaltigen Getränken enthalten. Bei häufigerem Verzehr besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Typ 2 Diabetes und Krebs. Beobachtet wurden auch stärkere Gewichtszunahmen und ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit, ab BMI 30), die mögliche Risikofaktoren für die Multimorbidität sind. Eine Gruppe europäischer Forscher führte eine Studie durch, um die Beziehung zwischen der Gesamtaufnahme an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln und dem Risiko für chronische Krankheiten und der Multimorbidität zu untersuchen.

 

An dieser Bevölkerungsstudie waren rund 267.000 Menschen (60 % Frauen) beteiligt, die zu Beginn weder an Krebs, noch an Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Typ 2 Diabetes litten. Sie waren in sieben Ländern, in Italien, Spanien, Großbritannien, in den Niederlanden, Deutschland, Schweden und Dänemark an der EPIC-Gesundheitsstudie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) beteiligt. Bei allen wurden anfangs die im letzten Jahr verzehrten Lebensmittel und Getränke anhand von Befragungen zur Häufigkeit des Verzehrs erfasst und nach dem Grad ihrer Verarbeitung eingestuft. Die Teilnehmer wurden im Durchschnitt rund 11 Jahre in ihrer Gesundheit beobachtet. In dieser Zeit traten in dieser großen Gruppe knapp 22.000 Krebskrankheiten, 11.000 Herz-Kreislauf-Krankheiten und 11.300 Typ 2-Diabetes-Fälle auf.

 

Bei knapp 4.500 Teilnehmern entwickelte sich eine Multimorbidität mit Krebs- und kardiometabolischen Krankheiten. Sie wurden in Beziehung zum Verzehr an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln gesetzt. Im Durchschnitt betrug dieser Anteil 34 % bei den Männern und 32 % bei den Frauen. War der Anteil höher, so stieg das Risiko für die Multimorbidität an (HR 1,09), das galt für jede Standard-Abweichung von 260 g täglich ohne alkoholische Getränke. In Untergruppen zeigten sich deutliche Beziehungen für Fleisch- und Wurstwaren sowie für mit Zucker, einschließlich Zuckerersatz, gesüßte Getränke. Auch Soßen, Brotaufstriche und Würzmittel konnten zum Multimorbiditäts-Risiko beitragen, jedoch in geringerem Maß. Dagegen war der Verzehr von ultraverarbeiteten Broten, Cerealien und pflanzlichen Alternativen nicht mit einem erhöhten Multimorbiditäts-Risiko verbunden. Sie konnten das Risiko leicht, jedoch nicht signifikant (HR 0,97) verringern.

 

Die Mechanismen, durch die ultrahochverarbeitete Lebensmittel das Risiko chronischer Krankheiten und der Multimorbidität beeinflussen können, sind nicht vollständig erforscht. Eine Erklärung wäre ihre Auswirkung auf erhöhte Gewichtszunahmen. Die Adipositas ist ein wichtiger Risikofaktor für Morbidität und kann die Entwicklung multimorbider Krankheiten einleiten und fördern. Viele ultrahochverarbeitete Lebensmittel haben reichlich Kalorien und eine weiche Textur, so dass sie weniger gekaut werden müssen, was die Sättigungssignale verzögert. Eine Ernährung mit hohen Anteilen an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln wird mit einer geringeren Ernährungsqualität verbunden. Sie enthalten z. B. geringere Mengen an Ballaststoffen und Vitaminen bei einem höheren Gehalt an Zucker und gesättigten Fettsäuren. Vermutlich gibt es weitere Merkmale, die zur Multimorbidität beitragen können. Dazu gehören z. B. Veränderungen der Lebensmittelmatrix, der Einsatz von Lebensmittelzusatzstoffen in der Verarbeitung (z. B. Aspartam) und Verunreinigungen aus dem Verpackungsmaterial (z. B. Bisphenol A). Jeder dieser Faktoren kann sich auf endokrine Signalwege oder das Darm-Mikrobiom auswirken und zu einem späteren Krankheitsrisiko beitragen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Fazit: Ein häufiger Verzehr von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln wurde in dieser Studie mit einem höheren Risiko für Multimorbidität bei Krebs und kardiometabolischen Krankheiten verbunden. Das betrifft vor allem den Verzehr von künstlich und mit Zucker gesüßten Getränken, Produkten auf tierischer Basis sowie Soßen, Brotaufstriche und Würzmittel. Der häufige Verzehr solcher Lebensmittel kann zu ungünstigen Prognosen bei Krankheiten beitragen, indem sie das Risiko der Multimorbidität erhöhen.

 

Unser Tipp: Bei multimorbiden Krankheiten ist die Versorgung mit vielen wichtigen Mikronährstoffen oftmals zu gering. Sie können bei Bedarf ergänzt werden, dies sollte jedoch durch in Ernährung und Medizin geschulte Fachleute auf den individuellen Bedarf abgestimmt werden.

 

Quelle:
Reynaldo Cordova et al., Consumption of ultra-processed foods and risk of multi morbidity of cancer and cardiometabolic diseases: a multinational cohort study. In: The Lancet Regional Health Europe, online 13.11.2023, doi: 10.1016/j.lanepe.2023.100771.


Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Wirkungen. Eine gute Versorgung könnte Patienten mit Arthrose unterstützen.

 

Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Wirkungen. Eine gute Versorgung könnte Patienten mit Arthrose unterstützen. In einer Studie wurde der Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf die Symptome und Gelenkfunktionen bei Arthrose geprüft.

 

Arthrose ist weltweit die häufigste degenerative Gelenkerkrankung, die vor allem durch langjährige Überlastungen entsteht. Sie verändert die Knorpel- und Knochenstruktur in den Gelenken, besonders häufig sind die Knie sowie die Hüft- und Handgelenke bei Menschen im höheren Alter betroffen. Damit verbunden sind Einschränkungen in der Bewegung und Schmerzen, zum Teil auch Gelenkergüsse und -schwellungen sowie Behinderungen. Mit der steigenden Zahl älterer und übergewichtiger Menschen nahmen die Vorkommen von Arthrose in den letzten Jahrzehnten zu. In Deutschland sind rund fünf Millionen der älteren Menschen davon betroffen. Für die Therapie stehen einige Medikamente zur Verfügung, z. B. Schmerzmittel und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs). Damit sind vor allem bei langzeitigen Einnahmen möglicherweise auch einige Nebenwirkungen verbunden. Hinzu kommt, dass diese Medikamente bei einigen Arthrose-Patienten eher geringe Wirkungen zeigen.

 

Viele der Patienten interessieren sich daher für alternative und ergänzende Mittel zur Linderung der Symptome und zur Verbesserung der betroffenen Gelenk-Funktionen. Dazu gehören Ergänzungen von Chondroitin, Glukosamin und Hyaluronsäure. Auch die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen, vor allem Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexansäure (DHA), wurden als wirksam für Arthrose-Patienten angesehen. Sie können systemische Entzündungs-Reaktionen und das katabole Umfeld, das den Knorpelabbau beschleunigt, verringern. Doch in einigen Studien, in denen die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren bei Arthrose-Patienten untersucht wurde, zeigten sich uneinheitliche Ergebnisse. Daher führte eine Gruppe chinesischer Forscher eine systematische Übersicht und eine Metaanalyse mit relevanten Studien durch, um den Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf die Symptome und Gelenkfunktionen von Patienten mit Arthrose zu bewerten.

 

Nach einer umfassenden Literatur-Recherche in den einschlägigen Datenbanken konnten in die Metaanalyse neun relevante (klinische, doppelblinde) Studien mit 2.070 Arthrose-Patienten einbezogen werden. Untersucht wurden der Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf die Schmerzsymptome, auf die Gelenkfunktionen sowie auf die Sicherheit der Einnahmen. Die Auswertungen zeigten, dass die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren die Arthrose-Schmerzen im Vergleich zu Placebo oder auch zu keiner Therapie deutlich lindern und die Gelenkfunktionen verbessern konnten. Dabei gab es keine größeren unerwünschten Wirkungen, jedenfalls keine Unterschiede zwischen den Omega-3- und Placebo-Gruppen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten mit Arthrose wirksam und sicher ist. Die Mechanismen, die den Vorteilen von Omega-3-Fettsäuren zugrunde liegen, könnten multifaktoriell sein, es wurden sowohl entzündungslindernde Wirkungen als auch Einflüsse auf den oxidativen Stress nachgewiesen. Weiter wurden schützende Wirkungen auf die Knorpel und Arthrose festgestellt.

 

Die molekularen Schlüsselwege, die der Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren bei Arthrose zugrunde liegen, sollten künftig weiter untersucht werden. Aus Sicht der Forscher könnte der Serumspiegel von Omega-3-Fettsäuren ein wichtiger Faktor für die Wirkung bei Arthrose sein. Bei Patienten, die ausreichend Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung durch regelmäßigen Fischverzehr (z. B. Lachs, Makrele, Sardinen etc.) aufnahmen, ist eine zusätzliche Ergänzung nicht nötig und nur begrenzt wirksam. Interessant war, dass die Vorteile der Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten unter 65 Jahren deutlicher ausfielen als bei den älteren Patienten. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass bei den Älteren die Arthrose häufiger zusammen mit anderen chronischen Krankheiten auftritt, z. B. mit Diabetes. Diese Multimorbidität könnte dazu führen, dass die Wirksamkeit der Omega-3-Fettsäuren eingeschränkt wird. Im Übrigen zeigten sich bei Analysen von Untergruppen keine bemerkenswerten Vorteile von hoch dosierten gegenüber etwas niedriger dosierten Omega-3-Fettsäuren bei den Arthrose-Patienten, was mit früheren Ergebnissen übereinstimmte.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse deuten darauf hin, dass Ergänzungen von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten mit Arthrose wirksam zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Gelenkfunktionen beitragen. Die Anwendung ist sicher, das Risiko für Nebenwirkungen erhöht sich nicht. Die Ergebnisse unterstützen die Ergänzung der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA aus Fischölen als alternative Therapie der Arthrose. Diese Beziehungen sollten in weiteren Studien, z. B. in Bezug auf die Ernährung sowie auf gut geeignete Dosen und die Dauer der Ergänzungen, untersucht werden.

 

Unser Tipp: Omega-3-Fettsäuren gibt es in verschiedenen Dosierungen und Zubereitungen, sie können daher sehr gut an individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Auf eine gute Qualität und Stabilität sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Wen Deng et al., Effect of omega-3 polyunsaturated fatty acids supplementation for patients with osteoarthritis: a meta-analysis. In: Journal of Orthopaedic Surgery and Research 18, 381, 2023, doi: 10.1186/s13018-023-03855-w.