Das Darm-Mikrobiom und die Schlafqualität

 

Bestandteile der Nahrung wie Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren und pflanzliche Polyphenole sowie der Zeitpunkt und die Abstände der Mahlzeiten wirken sich auf das Darm-Mikrobiom aus. Sie beeinflussen die gesunden Darmbakterien, verschiedene Stoffwechselprodukte zu bilden, die für die Schlafqualität und die allgemeine Gesundheit wichtig sind. Das gilt besonders für Melatonin.

 

Zum Darm-Mikrobiom gehören alle dort angesiedelten Mikroorganismen, Bakterien, Viren, Pilze etc., einschließlich der von ihnen produzierten Stoffwechselprodukte, ihr genetisches Material und andere Umweltbedingungen. Diese Vielfalt wirkt sich ein Leben lang erheblich auf die Gesundheit aus und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Das beginnt bereits mit der Geburt, wo sich die Kolonisierung der Bakterien durch eine natürliche Geburt und einen Kaiserschnitt unterscheiden. Weiter beeinflusst das Stillen oder Nicht-Stillen die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm auf verschiedene Weise. Allgemein sind die ersten beiden Lebensjahre durch dynamische, intensive Veränderungen der Darm-Mikrobiota (Gesamtheit der Mikroorganismen) gekennzeichnet.

 

Es bildet sich eine Zusammensetzung, die der des Erwachsenen immer ähnlicher wird. Im Alter von fünf Jahren ist die Grundlage der Darm-Mikrobiota geschaffen und die Grundstruktur für das spätere Leben bestimmt, in der Pubertät stabilisiert sich die Zusammensetzung weiter. Einen wichtigen Einfluss ab der frühen Lebenszeit haben außerdem Infektionen und die Aufnahmen von Antibiotika und anderen Medikamenten. In späteren Lebensabschnitten spielen die Ernährung, der Lebensstil, chronischer Stress, Umwelteinflüsse und körperfremde Xenobiotika (z. B. Konservierungs-, Farbstoffe, Pestizide) eine wichtige Rolle bei der Zusammensetzung der Mikrobiota.

 

Die Forschung deutet auch darauf hin, dass der Darm und das Gehirn durch die sogenannte Darm-Mikrobiom-Gehirn-Achse miteinander verbunden sind. Dabei beeinflusst die Darm-Mikrobiota das Gehirn über immunregulatorische, neuroendokrine Mechanismen und die Wege des Vagus-Nervs (Hauptnerv des Parasympathikus). Die Mikroorganismen im Darm bilden außerdem verschiedene Metaboliten, dazu gehören u. a. Neurotransmitter, die das Nervensystem beeinflussen. Die Produktion von Metaboliten erfolgt zyklisch und spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der zirkadianen Rhythmen (Anpassung von Körperfunktionen an den 24-Stunden-Tag). Dabei ist der Schlaf-Wach-Rhythmus mit dem Wechsel der Schlaf- und Wachphasen der wichtigste zirkadiane Rhythmus. Dies deutet darauf hin, dass die Mikrobiota einen wichtigen Einfluss auf die Stoffwechsel-Homöostase und die Rhythmik des Organismus und den Schlaf hat. Eine Gruppe polnischer Forscher stellte die aktuellen Kenntnisse zur Rolle der Darm-Mikrobiota bei der Schlaf-Regulierung durch verschiedene Metaboliten wie kurzkettige Fettsäuren, Tryptophan, Serotonin, Melatonin und Gamma-Aminobuttersäure vor. Wir greifen hier vor allem die besonderen Funktionen der kurzkettigen Fettsäuren und von Melatonin heraus.

 

Im Dickdarm fermentiert die Darm-Mikrobiota Ballaststoffe, was zur Bildung von kurzkettigen Fettsäuren führt. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Bakterienstämme (z. B. Lachnospiraceae UCG004, Odoribacter), die an dieser Produktion beteiligt sind, zu einer längeren Schlafdauer beitragen könnten. Kurzkettige Fettsäuren wirken sich möglicherweise auf den Schlaf aus, indem sie die Synthese von GABA (Gamma-Aminobuttersäure) und 5-HTP (Aminosäure 5-Hydroxyryptophan, Zwischenprodukt der Serotonin-Synthese) modulieren. Die GABA spielt als primärer hemmender Neurotransmitter im Nervensystem eine wichtige Rolle bei der Förderung des Schlafs, indem sie Erregungswege verringert. Die Bildung von Serotonin (Neurotransmitter) im Darm hängt von der Darm-Mikrobiota, der Ernährung, Signalhormonen und Peptiden (Verknüpfung mehrerer Aminosäuren) ab. Die Darm-Mikrobiota könnte daher auch eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung der optimalen Bildung von Melatonin (Derivat der Aminosäure Tryptophan) spielen, das im Körper aus Serotonin gebildet wird. Melatonin spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Zyklus.

 

Dieses natürlich gebildete schlaffördernde Hormon wird als Reaktion auf Veränderungen des Umgebungs-Lichts synthetisiert, wobei der Höhepunkt der Produktion in der Dunkelheit erreicht wird. Melatonin erreicht seine Wirkung auf die Schlaf-Wach-Mechanismen, indem es mit Melatonin-Rezeptoren interagiert, die sich auf der Oberfläche von Neuronen im Gehirn befinden. Sie sind besonders häufig in bestimmten Hirnregionen (Hippocampus, Hypothalamus, Basalganglien) angesiedelt. Die Aktivierung der Melatonin-Rezeptoren moduliert die Freisetzung von Neurotransmittern (z. B. GABA, Serotonin, Glutamat) und wirkt sich auf die an der Schlafregulierung beteiligten Gehirnstrukturen aus. Melatonin beeinflusst den zirkadianen Rhythmus, die Schlaf-Wach-Phase und die Schlafqualität. Der Melatonin-Spiegel erreicht nachts seinen Höchststand, was das Einschlafen erleichtert, und sinkt am Morgen, was den Übergang zur Wachphase fördert. Melatonin spielt daher eine Schlüsselrolle bei der Synchronisierung der inneren biologischen Uhr mit dem Hell-Dunkel-Zyklus und unterstützt die Schlafhomöostase. Inzwischen ist bekannt, dass die Bildung von Melatonin durch die Darmzellen etwa 400-mal höher ist als die Produktion in der Zirbeldrüse (Epiphyse).

 

Außerdem scheint die Ausschüttung von Melatonin mit der Häufigkeit der Nahrungsaufnahme korreliert zu sein. Patienten, die unter Schlaflosigkeit und anderen Schlafstörungen leiden, weisen häufig eine beeinträchtigte Zusammensetzung und gestörte Funktionen der Darm-Mikrobiota auf. Folglich könnte die Darm-Mikrobiota eine wichtige Rolle bei der Unterstützung einer optimalen Melatonin-Produktion spielen. Das könnte sich positiv auf die Schlafregulation und andere Funktionen im Zusammenhang mit den zirkadianen Rhythmen auswirken.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Der Verzehr einer abwechslungsreichen Ernährung mit Lebensmitteln, die reich an Ballaststoffen, Polyphenolen und ungesättigten Fettsäuren sind, kann sich günstig auf das Darm-Mikrobiom auswirken und vermutlich auch das Schlafverhalten beeinflussen. Von der Mikrobiota synthetisierte Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren, GABA, Serotonin (5-HTP), Tryptophan und besonders Melatonin spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung physiologischer Funktionen, einschließlich der Schlafregulation. Ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Mikrobiota kann mit dem Auftreten von Schlafstörungen und anderen chronischen Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Störungen in Verbindung gebracht werden.

 

Unser Tipp: Melatonin ist als Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen angeboten. In einer liposomalen, veganen Formel mit Lavendel, Baldrian und Phosphatidylcholin ist es sehr gut bioverfügbar.

 

Quelle:
Monika Sejbuk et al., The Role of Gut Microbiome in Sleep Quality and Health: Dietary Strategies for Microbiota Support. In: Nutrients, online 13.07.2024, doi: 10.3390/nu16142259.


Bei pflanzlicher Kost Vitamin B12 kontinuierlich ergänzen

 

Vitamin B12 ist in einer pflanzlichen Ernährung kaum enthalten. Vegetarier und Veganer sollte Vitamin B12 daher regelmäßig ergänzen. So kann ein ausreichender B12-Spiegel erreicht und ein -Mangel vermieden werden. Das zeigt eine neue Fallstudie am Beispiel eines Veganers.

 

Eine gesunde Pflanzenkost, wie die vegetarische Ernährung, die Eier, Milch und Milchprodukte einbezieht, sowie die vegane Ernährung, die sich auf rein pflanzliche Lebensmittel beschränkt, bietet zahlreiche Vorteile für die Gesundheit. Sie wird mit einer günstigeren Aufnahme von Ballaststoffen und guten Aufnahmen von Mikronährstoffen verbunden, was sich u. a. positiv auf das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel auswirkt. Doch auch eine pflanzliche Ernährungsweise kann in ihrer Zusammenstellung ungesund sein oder mit wichtigen Mikronährstoffen, die in Pflanzen gering enthalten sind, nicht ausreichend versorgen. Das gilt vor allem für Vitamin B12, das in pflanzlichen Lebensmitteln nur sehr gering vorkommt. Dieses B-Vitamin ist zwar in einigen Algen enthalten, die aber auch Vegetarier und Veganer meist nicht regelmäßig bzw. nur in geringen Mengen essen. Die Ergänzung von Vitamin B12 ist daher besonders für Veganer und auch für Vegetarier empfehlenswert.

 

Defizite oder gar ein Mangel an Vitamin B12 können schädliche gesundheitliche Folgen haben, einschließlich von einer gestörten Blutbildung und neurologischen/-psychiatrischen Symptomen. Bisher ist jedoch ungeklärt, wie schnell bei Veganer die Vitamin-B12-Biomarker auf ein Absetzen der Ergänzung von Vitamin B12 reagieren und wann die Ergänzung wieder aufgenommen werden sollte. Eine Gruppe deutscher Forscher berichtete dazu über den Fall eines Veganers. Der Mann war Mitte 30 und ernährte sich aus ethischen Gründen seit zehn Jahren vegan. Der Mangel an Vitamin B12 war ihm bewusst, er hatte es mit 500 mcg (Methylcobalamin), im Durchschnitt 3-4-mal pro Woche, regelmäßig ergänzt. Außerdem hatte er seinen B12-Status kontinuierlich überprüfen lassen, wobei er jeweils im Normbereich lag. Seine Gesundheit war allgemein gut und nur hin und wieder gering, z. B. durch Rückenschmerzen, beeinträchtigt. Aus ungenannten Gründen brach er die Ergänzung von Vitamin B12 Ende 2023 ab. Nach dieser Entscheidung wurde sein Vitamin-B12-Status eng überwacht, d. h. die entsprechenden Biomarker und Folat wurden in Abständen von vier Wochen untersucht.

 

Das galt für Serum-B12, Homocystein (im Übermaß schädliche Aminosäure), Holo-Transcobalamin (Holo-TC, guter Indikator für B12-Mangel) und Gesamt-Folat. Mit seiner Nahrung nahm der junge Mann nur sehr wenig Vitamin B12 aus Pilzen, Tempeh und Sauerkraut auf. Bei den B12-Biomarkern wurden nach vier Wochen keine größeren Veränderungen beobachtet. Doch ab der 8. bis zur 16. Woche wurde ein allmählicher Rückgang von Holo-TC und (Serum-)Vitamin B12 festgestellt. Gleichzeitig stieg Homocystein nach 16 Wochen an, begleitet von einem Rückgang des Folat-Spiegels. Die möglichen gesundheitlichen Folgen dieses beeinträchtigten Vitamin-B12-Status bereiteten dem Mann Sorgen, auch wenn sich noch keine körperlichen Symptome des B12-Mangels gezeigt hatten. Um entsprechende Entwicklungen zu vermeiden, stimmte er einer erneuten Ergänzung von Vitamin B12 nach vier Monaten zu, und er nahm auch Folsäure ein, um die Speicher wieder aufzufüllen. Damit normalisierten sich die Werte von Vitamin B12 und Folsäure im Lauf von vier bzw. acht Wochen.

 

Die Ergebnisse diese Fallstudie deuten darauf hin, dass Veganer eine kurzfristige Pause in der Ergänzung von Vitamin B12 gut vertragen könnten, vorausgesetzt es besteht wie hier zu Beginn der Studie ein angemessener B12-Status. Eine Unterbrechung der Ergänzung von mehr als acht Wochen könnte jedoch kritisch sein und zu suboptimalen Werten führen. Dies wurde in diesem Fall nicht allein durch den Rückgang von Vitamin B12 und Holo-Transcobalamin, sondern auch durch den Anstieg der Homocystein-Werte verstärkt. Dazu könnte die Abnahme des Folsäure-Spiegels beigetragen haben. Außerdem könnte die Winterzeit zu einem geringeren Verzehr von frischem Obst und Gemüse geführt haben, was sich auf die Versorgung mit Folsäure ausgewirkt haben könnte. Bis sich die Symptome eines Mangels an Vitamin B12 deutlich zeigen, kann es Monate bis Jahre dauern. Wie hier gezeigt, kann ein Defizit an Vitamin B12 bereits viel früher auftreten. Eine geringe Aufnahme von Vitamin B12, wie sie bei der pflanzlichen Ernährung von Vegetariern und besonders von Veganern vorkommt, könnte potenziell schädlich sein. Dies spricht für die regelmäßige Ergänzung von Vitamin B12. In künftigen Studien sollten die Beziehungen zwischen den Vitamin-B12-Biomarkern in Bezug auf veränderte Ergänzungen von B12 bei Veganer weiter untersucht werden.

 

Unser Tipp: Vitamin B12 ist als Nahrungsergänzung einzeln sowie in der Kombination mit anderen Mikronährstoffen, z. B. mit dem gesamten Vitaminen B-Komplex, verfügbar. Die aktive Form von Vitamin B12 ist Methylcobalamin, das besonders gut bioverfügbar ist.

 

Quelle:
Maximilian Andreas Storz et al., Impact of vitamin B12 supplement intake cessation on vitamin B12 status in al healthy vegan: A close interval monitoring case study. In: Nutrition, Vol. 125, September 2024, 112498.


Kupfer und Selen und die Beziehungen zur Knochenmineraldichte

 

Die essentiellen Spurenelemente Kupfer und Selen haben vielfältige Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und Ernährung. Dazu gehört wohl auch ihr Einfluss auf die Knochenmineraldichte, der bisher jedoch nicht eindeutig geklärt ist. Diese Beziehungen wurden in einer neuen Studie untersucht.

 

Kupfer und Selen sind natürliche Bestandteile verschiedener Enzyme mit diversen Funktionen im Körper. Der Zusammenhang zwischen der Aufnahme dieser Elemente, besonders von Kupfer, und der Knochenmineraldichte ist jedoch nach wie vor unklar. Zu den wichtigsten Funktionen von Kupfer gehören sein Einbau in Enzyme (z. B. Monoaminoxidase, Oxidase, Superoxiddismutase). Sie sind für den Energiestoffwechsel wichtig und werden für die Herstellung von Querverbindungen für das Bindegewebe, einschließlich der Knochen, benötigt. Dort fungiert Kupfer als Cofaktor für Lysyloxidase (Schlüsselenzym der Kollagen- und Elastinsynthese) während der Vernetzungsprozesse in den Kollagenfasern. Kupfer fördert auch die Bildung von Knochengewebe (Osteogenese) und begünstigt die Knochenentwicklung. Die meisten Lebensmittel enthalten etwas Kupfer, die Aufnahmen variieren abhängig vom Kupfergehalt der Nahrung. Getreidewaren, Leber, Bohnen, Fisch und Nüsse sind gute Kupferquellen. Täglich werden etwa 2 bis 5 mg Kupfer mit der Nahrung aufgenommen, resorbiert werden davon etwa 0,5 bis 2 mg. Erworbene schwere Kupfermängel und -toxizität sind selten, doch einige Berichte zeigen, dass die Vorkommen mäßiger Kupferdefizite höher sind als bisher angenommen.

 

Dies kann kupferabhängige Stoffwechselwege beeinträchtigen und das Risiko für Osteoporose erhöhen. Die Konzentration von Selen in Lebensmitteln hängt weitgehend vom Selengehalt des Bodens ab, Deutschland gehört zu den Selenmangelgebieten. Tierische Lebensmittel wie Fleisch und Eier sind bei uns daher zuverlässigere Quellen für Selen als pflanzliche Lebensmittel. Selen ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener Enzyme und Proteine, die an der Zellsignalisierung und Aufrechterhaltung der immun-endokrinen Funktionen beteiligt sind. Im Körper wird Selen in verschiedene Selenoproteine eingebaut (z. B. Glutathionperoxidase), die eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des zellulären Redox-Gleichgewichts spielen. Sie beeinflussen u. a. Makrophagen (Fresszellen) im zellulären Immunsystem und regulieren die Expression von Zytokinen (regulatorische Peptide und Proteine), die möglicherweise die Stressreaktion der Osteoblasten und Aktivierung von Osteoklasten (beides Knochenzellen) beeinträchtigen können. Die meisten Beobachtungsstudien weisen darauf hin, dass der Selenstatus positiv mit der Knochenmineraldichte korreliert, die Auswirkungen von Selen auf die Knochengesundheit sind jedoch nach wie vor umstritten. Zum Zusammenhang zwischen Kupfer und Selen und der Knochenmineraldichte gibt es bisher nur wenige Untersuchungen beim Menschen mit zum Teil nicht einheitlichen Ergebnissen. Eine Gruppe australischer Forscher untersuchte daher die Beziehungen von Kupfer und Selen und der Knochenmineraldichte in einer Studie.

 

Ausgewertet waren die Ernährungsdaten von 522 Frauen (20 bis 88 Jahre), die an einer Bevölkerungsstudie (Geelong Osteoporosen Study) beteiligt waren. Sie stammten aus der allgemeinen Bevölkerung, darunter waren auch einige Frauen mit Osteopenie (geringere Knochendichte) und Osteoporose (28 bzw. 23 Frauen). Alle Teilnehmerinnen gaben in einer Befragung detaillierte Auskünfte über ihre Ernährung. Daraus ließ sich der Anteil ihrer Aufnahmen von Kupfer und Selen berechnen, wobei ausschließlich die Anteile aus der Nahrung bestimmt wurden. Teilnehmerinnen, die Multivitamine einnahmen, waren nicht einbezogen. Hinzu kamen verschiedene Untersuchungen, einschließlich von Knochendichtemessungen an mehreren Stellen des Skeletts. Dokumentiert wurden auch Einnahmen von Medikamenten, Vorgeschichte von Frakturen sowie der Lebensstil und das Gesundheitsverhalten. Die durchschnittliche tägliche Aufnahme von Kupfer lag bei 1,5 mg und die von Selen bei 72 μg. Geringe Werte in den Kupfer- und/oder Selenzufuhren waren individuell und unabhängig voneinander mit einer niedrigen Knochenmineraldichte an mehreren Stellen des Skeletts verbunden. Die Analysen ergaben kleine, aber statistisch signifikante Unterschiede in der Knochenmineraldichte, die zwischen 1,8 % und 4,0 % für eine niedrige Kupferzufuhr und zwischen 1,4 % und 4,0 % für eine niedrige Selenzufuhr lagen. Diese Beziehungen waren unabhängig von Alter, Gewicht und Hormontherapie und ließen sich auch nicht durch den Lebensstil (z. B. Körperaktivität, Rauchen, Alkoholkonsum, Energieverbrauch etc.) erklären.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: In dieser Beobachtungsstudie wurde eine niedrige Aufnahme von Kupfer und Selen in der Nahrung mit einer geringeren Knochenmineraldichte an mehreren Stellen des Skeletts in Verbindung gebracht. Bisher gibt es dazu nur wenige Untersuchungen. Die Ergebnisse erweitern daher die Basis für Ernährungsempfehlungen zu Kupfer und Selen im Hinblick auf ihren Beitrag zu einer optimalen Knochengesundheit bei Frauen.

 

Unser Tipp: Kupfer und Selen werden sowohl einzeln als auch in verschiedenen Multi-Mineral- und -Vitamin-Formeln angeboten. Kupfer ist u. a. in speziellen Multi-Formeln für die Knochengesundheit enthalten. Auf eine gute Bioverfügbarkeit der beiden Mikronährstoffe ist jeweils zu achten.

 

Quelle:
Julie A. Pasco et al., Dietary Intakes of Copper and Selenium in Association with Bone Mineral Density. In: Nutrients, online 20.08.2024, doi: 10.3390/nu16162777.


Mikronährstoffe und die Prävention vor Virus-Infektionen

 

Virusinfektionen sind durch ihre rasche Übertragbarkeit weltweit eine große Herausforderung. Die rechtzeitige Prävention und Therapie ist für die Eindämmung ihrer Ausbreitung entscheidend. Ein Review stellt die Zusammenhänge zwischen der Ernährung, Virusinfektionen und Immunsystem vor, einschließlich der Funktionen wichtiger Mikronährstoffe.

 

Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Modulation des Immunsystems, dabei ist die Darm-Mikrobiota ein wichtiger Vermittler dieser Prozesse. Sie wird in ihrer Zusammensetzung und Funktion durch die Ernährung beeinflusst. Das wirkt sich wiederum auf die Fähigkeit des Körpers aus, auf virale Infektionen zu reagieren. Bestimmte Nahrungsbestandteile wie Ballaststoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe wie z. B. Polyphenole können die Darmgesundheit verbessern. Eine ballaststoffreiche Ernährung fördert nützliche Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren bilden. Sie haben entzündungshemmende Eigenschaften und unterstützen die Immunfunktionen. Ein gesunder Darm kann die Immunreaktionen in der Lunge verstärken und möglicherweise zum Schutz vor Virusinfektionen der Atemwege beitragen. Es gibt einige Nachweise, dass die Darm-Mikrobiota die Gesundheit der Atemwege über die Darm-Lungen-Achse beeinflussen kann. Die Modulation der Darm-Mikrobiota durch eine gesündere Ernährung, ergänzt durch einen gesünderen Lebensstil, z. B. mit angemessener Bewegung und guter Stressbewältigung, kann die Widerstandsfähigkeit gegen Virusinfektionen erhöhen und deren Schweregrad mildern.

 

Dies hilft nicht nur bei der Bewältigung von Infektionen, z. B. durch Atemwegs- und Magen-Darm-Viren, sondern auch bei der Vorbeugung schwerer Folgen von Infektionen. Dagegen können eine Dysbiose oder ein Ungleichgewicht in der Darm-Mikrobiota Virusinfektionen verschlimmern, indem sie die Immunantwort schwächen. Dies kann z. B. bei Grippe und COVID-19 zu schwereren Verläufen führen. Defizite oder gar ein Mangel an essenziellen Mikronährstoffen, z. B. an den Vitaminen A, C, D, E und Zink, können die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota verändern, das Immunsystem beeinträchtigen und anfälliger für Virusinfektionen machen. Das kann möglicherweise zu schwereren gesundheitlichen Folgen führen und die Genesung erschweren. Eine Gruppe von Forschern aus Italien und Brasilien prüfte in einem Review Mechanismen der Stärkung des Immunsystems zur Vorbeugung von Virusinfektionen. Dabei wurden die Rolle der Darm-Mikrobiota und Ernährungsgewohnheiten, z. B. die Versorgung mit Ballaststoffen und Prä- und Probiotika, besonders berücksichtigt. Wir stellen hier kurz den Einfluss von Mikronährstoffen vor.

 

Eine ausgewogene Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Stärkung des Immunsystems und der Vorbeugung von Virusinfektionen, besonders durch ihren Einfluss auf die Darm-Mikrobiota. Ernährungsweisen, mit denen die Vielfalt und Stabilität der Mikrobiota unterstützt werden, können die Immunantwort stärken und die Auswirkungen viraler Erreger möglicherweise verringern. Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralien unterstützen jede Phase des Immunprozesses. Defizite oder gar Mängel an einzelnen Vitaminen oder Mineralien sind sowohl an der angeborenen als auch der erworbenen Immunität beteiligt und führen zu Immunsuppression und Anfälligkeit für Virusinfektionen. Speziell die Vitamine A, C, D und E sowie die Mineralien Zink und Selen sind für die Unterstützung der Immunfunktionen sehr wichtig. So regt z. B. Vitamin A die Differenzierung und Funktion bestimmter Immunzellen (NK-Zellen, B-Lymphozyten) sowie deren Wachstum und Vermehrung an. Beta-Carotin und andere Carotinoide sind Provitamine A, die im Darm in Retinol und Retinsäure, die bioaktivste Form von Vitamin A, umgewandelt und absorbiert werden. Eine Studie zeigte, dass ein Mangel an Vitamin A zu verstärkten Entzündungen und größerer Anfälligkeit für Virusinfektionen führt. Außerdem waren die durchschnittliche Dauer einer Lungenentzündung und anderer systemischer Symptome wie Durchfall und Fieber kürzer und die Dauer im Krankenhaus etwas geringer. Ähnlich verhält es sich mit Vitamin D, das u. a. an der Bildung verschiedener antimikrobieller Peptide beteiligt ist, die stark antiviral wirken. Vitamin D moduliert das Immunsystem durch verschiedene Mechanismen, z. B. durch die Bildung antimikrobieller Peptide, Hemmung proentzündlicher Zytokine (Botenstoffe) und Beteiligung an der Differenzierung von T-Zellen.

 

Ein Mangel an Vitamin D scheint mit einer erhöhten Anfälligkeit für Virusinfektionen verbunden zu sein. Die bisherigen Studien legen nahe, die Konzentration von Vitamin D über einige Wochen zu erhöhen. Das stark antioxidativ wirkende Vitamin C fördert die Differenzierung und Vermehrung von B- und T-Lymphozyten. Studien zeigten, dass Vitamin C das Immunsystem gegen verschiedene Viren- und Bakterien-Infektionen stärkt und sich positiv auf Infektionen der oberen Atemwege auswirkt. Hohe Dosen von Vitamin C konnten in einer Studie vor oder nach dem Auftreten von Grippe die Symptome im Vergleich zu einer Kontrollgruppe hemmen und lindern. Zink und Selen haben direkte antivirale Wirkungen, indem sie den oxidativen Stress vermindern und die Vermehrung regulatorischer T-Zellen fördern. Es zeigte sich, dass Ergänzungen Infektionen der oberen Atemwege, einschließlich Lungenentzündung und Infektionen mit Rhino- und Erkältungs-Viren reduziert. Höher dosierte Zinkgaben, die über mindestens fünf Tage und innerhalb von drei Tagen nach dem Auftreten von Erkältungs-Symptomen eingenommen wurden, waren mit einer verkürzten Dauer der Symptome verbunden. Auch für Selen ist bekannt, dass es das Auftreten und den Schweregrad von Virusinfektionen verringert. Ein Selenmangel wird mit einer erhöhten Anfälligkeit für Viren- und Bakterien-Infektionen in Verbindung gebracht, was auf seine Rolle bei der viralen Expression und Immunfunktion zurückzuführen ist, die durch Selenoproteine vermittelt wird. Selen-Gaben konnten die Immunität gegen Virusinfektionen verbessern, indem sie z. B. die Vermehrung von T-Zellen stimulieren.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Alle neueren Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Modulation der Darm-Mikrobiota, beginnend mit einer gesunden Ernährung und spezifischen Nahrungsergänzungen, eine interessante Strategie zur Bekämpfung neu auftretender Virusinfektionen in den kommenden Jahren sein könnte. Erkenntnisse über antivirale Wirkungen spezifischer Nahrungsbestandteile, deuten auf die entscheidende Rolle eines multidisziplinären Ansatzes bei der Vorbeugung der zunehmenden Ausbreitung von Virusinfektionen sowie der frühzeitigen Behandlung hin, da dies schnellere Reaktionen auf die Erreger ermöglichen würde. Die Untersuchung der komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Mikrobiom und viralen Krankheitserregern birgt das Potenzial, neue präventive und therapeutische Wege zu erschließen, die den bisherigen Ansatz zur Behandlung von Viruserkrankungen revolutionieren könnten. In der künftigen Forschung sollten die komplexen Zusammenhänge zwischen Ernährungsgewohnheiten, Darm-Dysbiose und den Folgen von Virusinfektionen weiter untersucht werden. Dies kann zur Klärung beitragen, wie Veränderungen im Mikrobiom die Schwere und den Verlauf von Infektionen beeinflussen können und dazu beitragen, die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers zu unterstützen und die Wirksamkeit antiviraler Medikamente zu verbessern.

 

In einer neuen Studie untersuchte außerdem eine Gruppe von Forschern aus Taiwan, Italien und den USA Ergänzungen von Vitamin D in ihrer Wirkung auf akute Atemwegs-Infektionen. Dabei sollten optimale Methoden der Vitamin-D-Ergänzung ermittelt werden. Nach einer Recherche (bis Mitte 2023) wurden 43 klinische Studien in die Auswertung einbezogen, an denen rund 49.000 Personen beteiligt waren. In der Gesamt-Analyse zeigten sich keine signifikanten präventiven Effekte von Vitamin-D-Ergänzungen bei diesen Infektionen. Doch für verschiedene Untergruppen ergab die Metaanalyse, dass die optimale Dosis für Vitamin-D-Ergänzungen zwischen 400 und 1.200 I.E. pro Tag lag, das galt für Sommer- und Wintergruppen. Die Meta-Analyse ergab eine J-förmige Beziehung zwischen der Dosis von Vitamin-D-Ergänzungen und der präventiven Wirkung gegen Atemwegs-Infektionen. In Untergruppen erwies sich die Ergänzung von Vitamin D mit täglicher Dosierung als wirksamer im Vergleich zu hohen Einzeldosen. Weiter wurden saisonale Unterschiede in der präventiven Wirkung von Vitamin-D-Ergänzungen festgestellt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die präventive Wirkung der Vitamin-D-Ergänzung im Frühjahr, Herbst und Winter bei Dosen zwischen 400 und 1.200 I.E. pro Tag deutlicher ist. Diese Beziehungen sollten künftig weiter erforscht werden.

 

Quellen: 
Annamaria Altomare et al., The Prevention of Viral Infections: The Role of Intestinal Microbiota and Nutritional Factors. In: Nutrients, online 27.07.2024, doi: 10.3390/nu16152445.
Chih-Hung Wang et al., Optimal methods of vitamin D supplementation to prevent acute respiratory infections: a systematic review, dose-response and pairwise meta-analysis of randomized controlled trials. In: Nutrition Journal, online 14.08.2024, doi: 10.1186/s12937-024-00990-w.


Bio-Lebensmittel und ihr Einfluss auf die Gesundheit

 

Die ernährungsphysiologische Zusammensetzung von Bio-Lebensmitteln wurde eingehend erforscht. Doch bisher gibt es nur wenige veröffentlichte Daten über ihre Auswirkungen auf die Gesundheit. In einem Review stellten Forscher die aktuellen Kenntnisse dazu vor.

 

Der ökologische Landbau ist ein System, bei dem die Fruchtfolge, natürliche Schädlingsbekämpfung, Diversifizierung des Anbaus und der Tierhaltung sowie die Bodenverbesserung durch Kompostzugabe und organische Düngung im Vordergrund stehen. Alle ökologischen Lebensmittel müssen nach festgelegten Kriterien von den Kontrollstellen zertifiziert werden. In den letzten Jahren wuchs der Markt für diese Lebensmittel deutlich an. Die Überzeugung, dass ökologische Lebensmittel gesünder sind als konventionelle, ist einer der Hauptgründe für den Verzehr. Der ökologische Landbau beschränkt den Einsatz von Antibiotika und Pestiziden. Die Konzentration von Pestizid-Rückständen ist bei Lebensmitteln aus ökologischer Erzeugung deutlich geringer. Sie enthalten außerdem möglicherweise mehr nützliche Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Biomilch weist z. B. im Vergleich zu konventioneller Milch höhere Konzentrationen an nützlichen Fettsäuren auf. Der potenzielle gesundheitliche Nutzen von Bio-Lebensmitteln ist jedoch nach wie vor unklar. Es gibt dazu nur wenige, recht heterogene Studien, und die Ergebnisse sind nicht eindeutig.

 

Daher müssen die gesundheitlichen Auswirkungen von Bio-Lebensmitteln weiter untersucht werden. Das gilt besonders angesichts des wachsenden Verbraucher-Bewusstseins für die Auswirkungen der Umwelt auf die Herstellung von Lebensmitteln. Eine Gruppe chinesischer Forscher untersuchte in einem Review die direkten klinischen Auswirkungen des Verzehrs von Bio-Lebensmitteln auf die menschliche Gesundheit, z. B. Veränderungen von Biomarkern (u. a. durch Pestizidbelastung) und Krankheiten sowie funktionelle Veränderungen. Nach einer umfassenden Recherche (bis Ende 2022) wurden 23 Beobachtungs- und 27 Interventionsstudien ausgewertet, wo möglich wurden auch Meta-Analysen mehrerer Studien durchgeführt. Die Forscher bewerteten sowohl qualitative und quantitative Auswirkungen des Verzehrs von ökologischen Lebensmitteln auf verschiedene gesundheitliche Ergebnisse.

 

Bei der Pestizid-Belastung deuten die Ergebnisse der Interventionsstudien darauf hin, dass eine ökologische Ernährung die Belastung verringern kann. Doch weitere Forschungen sind erforderlich, um den Nutzen einer geringeren Belastung durch bestimmte Pestizide zu quantifizieren. Die bisherige Forschung konzentrierte sich weitgehend auf Organophosphat-Pestizide, die früher am häufigsten eingesetzt wurden. Seit der Verabschiedung des „Food Quality Protection Act“ im Jahr 1996 ist ihr Einsatz in den USA zurückgegangen. Dies spiegelt eine Verlagerung zum Einsatz anderer Insektizidklassen wider, die Anwendung von Pyrethroiden und Neonicotinoiden nahm zu, letztere werden heute weltweit am häufigsten eingesetzt. Weitere Forschungen sind nötig, um die Auswirkungen der Exposition gegenüber einzelnen Pestiziden zu bewerten. Die Auswirkung des Verzehrs von Bio-Lebensmitteln auf physiologische Parameter, einschließlich immunologischer und endokriner Biomarker, ist weiterhin unklar und kann je nach Lebensmitteltyp, Gesundheitszustand der Bevölkerung und Interventionsdauer variieren. Die Nährstoffqualität von Lebensmitteln wird von Faktoren wie Lebensmitteltyp, Jahreszeit und Umwelt beeinflusst. Mehr als die Hälfte der ausgewerteten Studien konzentrierte sich auf einzelne Lebensmittel, vor allem auf Obst.

 

Außerdem waren die meisten Interventionen in den ausgewerteten Studien relativ kurz, was es schwierig macht, die langfristigen Auswirkungen einer ökologischen Ernährung zu beurteilen. Solche Studien können nützlich sein, um gesundheitliche Auswirkungen bestimmter ökologischer Lebensmittel zu untersuchen, sie spiegeln jedoch nicht die Vielfalt der Lebensmittel einer typischen Ernährung wider. In den meisten Studien wurden gesunde Erwachsene als Teilnehmer ausgewählt. Einige Studien berichteten, dass verringerte Werte beim Entzündungs-Biomarker CRP (C-reaktives Protein) nach dem Verzehr von Bio-Lebensmitteln nur bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen beobachtet wurden. Weiter wurde eine modulierende Wirkung des (enzymatischen) antioxidativen Schutzes von Bio-Rübenblättern und -stängeln nur bei Personen mit Störungen im Fettstoffwechsel festgestellt. Einige Forscher schlugen vor, dass Ergänzungen von Carotinoiden für unterernährte oder gesundheitlich beeinträchtigte Personen, besonders für ältere Menschen, geeignet sein könnten. Veränderungen der biologischen Funktionen, die mit der Aufnahme von Bio-Lebensmitteln verbunden sind, könnten bei Bevölkerungsgruppen, die sich ungesund ernähren, klinisch bedeutsamer sein.

 

Studien, in denen über Ergebnisse bei Krankheiten (z. B. Allergie, erektile Dysfunktion, Präeklampsie, Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom, Krebs) berichtet wurde, waren vor allem Beobachtungsstudien. Obwohl die Nachweise für Wirkungen auf jede einzelne dieser Krankheiten unzureichend sein könnten, deuten die Ergebnisse auf einen positiven Zusammenhang zwischen ökologischen Lebensmitteln, allgemeinen Krankheiten und funktionellen Veränderungen hin. Eine mögliche Erklärung für den insgesamt positiven Zusammenhang ist der geringere Gehalt an Rückständen von Pestiziden und die höhere Konzentration von Nährstoffen, einschließlich der Mikronährstoffe, in den ökologischen Lebensmitteln. In Biomilch wurde z. B. ein höherer Gehalt an Omega-3-Fettsäuren festgestellt, was den positiven Zusammenhang mit einem geringeren Ekzemrisiko erklären könnte. Pestizide können durch ihre östrogenen oder antiandrogenen Wirkungen die Entwicklung des männlichen Fortpflanzungssystems beeinträchtigen. Sie können auch die Schwangerschaft beeinflussen und zu Störungen wie Präeklampsie führen. Darüber hinaus können Pestizide den Glukosestoffwechsel stören und eine Insulinresistenz hervorrufen, was zu einem erhöhten Risiko für Fettleibigkeit und andere chronische Krankheiten führt. Allgemein können Pestizide die Gesundheit erheblich beeinflussen, indem sie die Zusammensetzung und Vielfalt der Darm-Mikrobiota verändern, was zur abnormalen Funktion der Darmbarriere und Entwicklung von Krankheiten führt.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Dies ist die bisher umfassendste, systematische Übersicht, in der die Auswirkungen des Verzehrs von Bio-Lebensmitteln auf die Gesundheit untersucht wurde. Es zeigte sich, dass ein positiver Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Bio-Lebensmitteln und einer verringerten Pestizid-Belastung besteht. Für die gesamte Belastung durch Krankheiten und funktionelle Veränderungen ergab sich insgesamt ein günstiger Zusammenhang mit dem Verzehr von Bio-Lebensmitteln, ähnliche Ergebnisse gab es für Fettleibigkeit und den Body-Mass-Index. Viele der ausgewerteten Studien waren jedoch heterogen und nur von kurzer Dauer. So wurden z. B. die Ergebnisse für den Antioxidantien- Status als unzureichend bewertet. Langzeitstudien zum Einfluss von Bio-Lebensmitteln auf die Gesundheit sind künftig erforderlich, besonders in Bezug auf die Wirkungen bei einzelnen Krankheiten und die körperlichen Funktionen.

 

Unser Tipp: Auch bei der Ernährung mit Bio-Kost kann es zur Unterversorgung mit einzelnen oder mehreren Mikronährstoffen kommen, abhängig von der jeweiligen Ernährungsweise, dem Gesundheitsstatus und dem individuellen Bedarf. Mit qualitativ guten Nahrungsergänzungen lassen sich Defizite ausgleichen, dabei sollte auf eine gute Bioverfügbarkeit geachtet werden.

 

Quelle: 
Bibi Jiang et al., The effects of organic food on human health: a systematic review and meta-analysis of population-based studies. In: Nutrition Reviews, Vol. 82, Nr. 9, September 2024, S. 1151-1175. 


Die Ernährung beeinflusst die Knochengesundheit

 

Das Knochensystem und der Knochenstoffwechsel werden von vielen Faktoren beeinflusst, das gilt auch für die Ernährung. Verschiedene Ernährungsweisen können die Knochengesundheit positiv unterstützen, aber auch negativ beeinflussen. Eine gute Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und Milchprodukten kann die Prävention vor Osteoporose ein Leben lang unterstützen.

 

Der Knochen ist eines der wichtigsten Organe des menschlichen Körpers und erfüllt eine Vielzahl von Funktionen, dazu gehören Stütz- und Schutzfunktionen sowie die Blutbildung. Das komplexe Knochensystem befindet sich im Normalzustand in einem dynamischen Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau. Die Osteoklasten (große Knochenzellen) bauen kontinuierlich altes Knochengewebe ab, ihre Gegenspieler sind die Osteoblasten (kleine Knochenzellen), die Osteoid bilden (Knochenmatrix, organische Grundsubstanz des Knochens, vor allem Kollagen Typ 1) und sorgen für die Mineralisierung. Auf- und Abbau des Knochengewebes sollten sich in einem dynamischen Gleichgewicht befinden. Wird dieses gestört, kommt es zu verringerter Knochendichte (Osteopenie) und schließlich zur Osteoporose (Knochenschwund), eine der häufigsten Erkrankungen des Skelettsystems mit gestörter Remodellierung der Knochensubstanz.

 

Sie wird von vielen Faktoren beeinflusst, darunter Genetik, Alter, Hormonspiegel und Lebensstil. Die Gesundheit der Knochen steht im engen, ständigen Zusammenhang mit der Aufnahme von Nährstoffen, z. B. Proteinen, anorganischen Salzen und Vitaminen. Gesunde, angemessene Ernährungsweisen spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention und Therapie von Knochenkrankheiten. Die tägliche Ernährung ist eine Mischung aus verschiedensten Nährstoffen, die in Wechselwirkungen zueinander stehen und sich auf die Knochengesundheit auswirken. Die Anpassung von Ernährungsweisen mit günstig wirkenden Lebensmitteln und Inhaltsstoffen kann die Prävention der Osteoporose verbessern. Dazu gehören Einflüsse auf den Knochenmineralgehalt, die Knochenstärke, Indikatoren für den Knochenstoffwechsel und das Risiko für Knochenbrüche.

Die Ernährungsgewohnheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Mit der gestiegenen Lebensqualität wurden große Mengen an Zucker, Fett und Eiweiß zum Bestandteil der täglichen Ernährung. Eine hochkalorische Ernährung ist weit verbreitet und ein wichtiger Grund für Adipositas (BMI ab 30). Sie erhöht das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, kardiovaskuläre und andere chronische Krankheiten. Die Ernährung in europäischen und amerikanischen Ländern enthält reichlich Eiweiß und Fett (z. B. Käse, Fleisch, Hamburger, Pommes etc.), was leicht zu Fettleibigkeit führen und die Knochengesundheit beeinträchtigen kann. Zur Zeit sind intermittierendes Fasten, Kalorienrestriktion und die vegetarische Ernährung in Kombination mit moderater Bewegung als Strategien zur Gewichtsreduktion und Verbesserung des Stoffwechsels weithin anerkannt, doch ihre Auswirkungen auf die Knochengesundheit sind noch unklar.

 

Studien zeigten z. B., dass eine kalorienreduzierte Ernährung sich negativ auf die Knochengesundheit auswirken kann, doch dies ist noch umstritten. Auch die Auswirkungen einer intermittierenden Fastenkur und der vegetarischen Ernährung sind bisher unklar. Eine Gruppe chinesischer und australischer Forscher führte dazu eine umfassende Recherche durch. Sie verglichen fünf Ernährungsweisen, intermittierendes Fasten, Kalorienrestriktion, vegetarische Ernährung, eine zucker- und fettreiche sowie eine proteinreiche Ernährung, um ihre Beziehungen zur Knochengesundheit zu klären.

Kalzium, Vitamin D und Milchprodukte spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Prävention von Osteoporose. Die rechtzeitige Ergänzung mit angemessenen Mengen an Kalzium, Vitamin D und Milchprodukten können der Osteoporose wirksam vorbeugen. Ein gesunder Erwachsener enthält etwa 1 kg Kalzium, das zu 99 % in den Knochen und Zähnen eingelagert ist. Nur 1 % des Kalziums befindet sich im Blut, in der extrazellulären Flüssigkeit und im Weichgewebe. Kalzium hat eine Schlüsselrolle bei der Mineralisierung der Knochen und Aufrechterhaltung der intra- und extrazellulären Homöostase. Kalzium muss als essenzielles Element mit der Nahrung aufgenommen werden, gute Quellen sind Milchprodukte, Fisch, Bohnen, Gemüse und Obst. Studien zeigten, dass eine höhere Kalziumzufuhr positiv mit der Knochendichte im Lendenbereich korreliert war, wobei dies bei Frauen deutlicher ausgeprägt war.

 

In einer Bevölkerungsstudie zeigte sich, dass langfristige Aufnahmen von Kalzium bei Kindern die Knochenmineraldichte erhöhte und das Risiko einer Osteopenie verringerte. In einer anderen Studie erhielten 220 Jugendliche (12-14 Jahre alt) entweder niedriges Kalzium (300 mg pro Tag), mittleres Kalzium (600 mg pro Tag) oder hohes Kalzium (900 mg pro Tag). Nach einem Jahr der Intervention wurde bei allen die Knochenmineraldichte bestimmt. Im Vergleich zur Gruppe mit dem niedrigen Kalziumgehalt war die Knochenmineraldichte am Oberschenkelhals in den Gruppen mit dem mittleren und hohen Kalzium signifikant angestiegen. Studien zeigten weiter, dass das Trinken von kalziumreichem Wasser den Knochenstoffwechsel bei Männern und Frauen wirksam verbessern kann. Die Kalzium-Homöostase wird auch durch Vitamin D reguliert. Die Kombination von Vitamin D und Kalzium in der Nahrung kann der Häufigkeit von Knochenbrüchen vorbeugen. Milchprodukte, die Kalzium und Vitamin D enthalten, wirken sich positiv auf die Knochenmineraldichte aus. Der Verzehr von Milchprodukten ist in jedem Alter von Vorteil.

 

Im Prozess des Wachstums liefern Milchprodukte etwa 50 bis 60 % der Zufuhren an Kalzium und 20 bis 30 % der Zufuhr an Proteinen. Sie können z. B. auch das Auftreten von Osteoporose bei Frauen in der Postmenopause verhindern. Die tägliche Aufnahme von Milch mit 250 mg Kalzium konnte z. B. bei postmenopausalen chinesischen Frauen den Verlust der Knochenmineraldichte an der Hüfte und am Oberschenkelhals wirksam senken. Eine große Schweizer Studie zeigte, dass Frauen, die täglich eine Tasse (200 ml) Milch trinken, im Vergleich zu Frauen, die täglich drei oder mehr Tassen Milch trinken, eher Frakturen erleiden. Die ausreichende Zufuhr von Kalzium, Vitamin D und Milchprodukten kann die Knochenmasse vor dem 20. Lebensjahr (Spitzenknochenmasse) wirksam verbessern, den Knochenverlust bei Frauen nach der Menopause verhindern und dem Auftreten von Osteoporose im Alter vorbeugen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Es wurde der Zusammenhang zwischen verschiedenen Ernährungsweisen und der Knochengesundheit untersucht. Dazu werden Hinweise gegeben, wie eine geeignete Ernährung gewählt und der Knochenschwund bei Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen verhindert werden kann. Die Prävention vor Osteoporose umfasst hauptsächlich zwei Aspekte, die erhöhte Spitzenknochenmasse in der Jugend und der verzögerte oder verhinderte Knochenverlust im Alter. Die Ernährungsgewohnheiten spielen eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung der Knochengesundheit. Die Zusammenhänge zwischen dem intermittierenden Fasten und der Knochengesundheit müssen ebenso weiter erforscht werden wie die Kalorienrestriktion und eine vegetarische Ernährung, die möglicherweise die Knochenmasse verringern können. Auch der Zusammenhang zwischen einer proteinreichen Ernährung und der Knochengesundheit bleibt umstritten. Bei der Prävention von Knochenschwund spielen vor allem Kalzium, Vitamin D und Milchprodukte eine wichtige Rolle.

 

Unser Tipp: Kalzium und Vitamin D werden zur Nahrungsergänzung sowohl einzeln als auch kombiniert angeboten. Außerdem gibt es spezielle Formeln mit knochengesunden Nährstoffen zur Stärkung des Knochensystems.

 

Quelle:
Xiaohua Liu et al., The Effects of Different Dietary Patterns on Bone Health. In: Nutrients, online 17.07.2024, doi: 10.3390/nu16142289.


Das Jodmangel-Risiko steigt in Europa an

 

Milch, Milchprodukte und Fisch sind gute Lieferanten für Jod. Sie werden jedoch in Europa heute weniger verzehrt als noch vor einigen Jahren. Das führt zu einer oftmals unzureichenden Jodzufuhr und kann die Gesundheit belasten, wie ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt.

 

Viele Menschen in Europa ernähren sich heute als Vegetarier und Veganer pflanzlich, andere gelten als Flexitarier, die sich zwar vorwiegend pflanzlich ernähren, sie essen hin und wieder jedoch auch Fleisch und Fisch. Damit hat sich der Konsum von Milch, Molkereiprodukten und Fisch in den Ländern der Europäischen Region verringert, und damit sind die Jodaufnahmen durch die Ernährung zunehmend unzureichend. Die WHO stellte dazu jetzt einen umfassenden Bericht über die jeweilige Situation in den europäischen Ländern vor. In Deutschland werden Jugendlichen ab 13 Jahren und Erwachsenen bis zu 51 Jahren Aufnahmen von 200 mcg Jod täglich empfohlen, ab 51 Jahren bis ins hohe Alter ist der Bedarf mit 180 mcg etwas verringert. Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Bedarf mit täglich 230 bzw. 260 mcg Jod, ihr Risiko für eine unzureichende Versorgung steigt besonders bei einer betont pflanzlichen Ernährung und pflanzlichen Alternativen für Milchprodukte an, die meist kein Jod enthalten.

 

Allgemein haben Frauen ein höheres Risiko für den Jodmangel und Schilddrüsen-Krankheiten als Männer. Jod ist ein essentielles Spurenelement, das vom Körper nicht selbst gebildet werden kann. Es muss regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. Als beste Jodquelle gilt Seefisch, der meist nur wenig gegessen wird. Durch eine jodhaltige Fütterung von Nutztieren sind auch Milch, Milchprodukte und Eier gute Quellen. Um die Jodversorgung zu verbessern, sollte im Haushalt jodiertes Speisesalz verwendet werden. Viele Menschen setzen jedoch inzwischen Salz, das bei zu hohem Verbrauch gesundheitsschädlich wirken kann, geringer ein. Jodsalz kann auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln, z. B. in Brot, Wurstwaren, Käse etc., sowie in der Gemeinschaftsverpflegung auf freiwilliger Basis eingesetzt werden. Eine neuere Untersuchung zeigte jedoch, dass in Deutschland nur 9 % der verarbeiteten Lebensmittel, die in den letzten Jahren immer mehr gegessen werden, mit Jodsalz angereichert sind.

 

Im Körper wird Jod vorwiegend in der Schilddrüse gespeichert, es wird dort zu elementarem Jod oxidiert und zu den Jodhormonen Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) verstoffwechselt. Beide gehören zu einem komplexen Regelkreis und sind nötig, um den Grundumsatz des Körpers zu steigern. Der Sauerstoffverbrauch in den Geweben wird erhöht, die Glukosetoleranz verringert, weiter wird die Fettverbrennung gesteigert. Die beiden Hormone sind auch wachstumsfördernde Faktoren. Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 sind für die gute Entwicklung des Gehirns beim Fötus sehr wichtig, Joddefizite können in der Schwangerschaft zur verzögerten psychischen und körperlichen Entwicklung des Kindes führen. Die Ursache dafür ist am häufigsten eine unzureichende Jodversorgung der Mutter in der Schwangerschaft. Ein anhaltender Jodmangel führt zu einer vergrößerten Schilddrüse (Hyperplasie, Hypertrophie), dadurch kann sich ein Kropf (Struma) bilden.

 

Bei einem ausgeprägten Jodmangel kann außerdem eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) entstehen. Hält ein Jodmangel längerfristig an, können sich knotenartige Vergrößerungen der Schilddrüse mit gutartigen Drüsentumoren (Schilddrüsenadenom) entwickeln. Weiter kann eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) entstehen, die u. a. das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Herzversagen, Osteoporose, ungünstigen Schwangerschafts-Verlauf erhöht und bei älteren Menschen zu beeinträchtigten kognitiven Leistungen führen kann.

 

Die Unterversorgung mit Jod entsteht, wenn es über die Nahrung zu wenig aufgenommen wird, was zunehmend häufiger der Fall ist. Die WHO stellt einige Möglichkeiten vor, wie sich die Jodversorgung verbessern lässt. Maßnahmen für die Anreicherung von Speisen mit Jodsalz sollten länderspezifisch und flexibel eingesetzt werden. Im Haushalt könnte z. B. eine gut praktikable Devise sein, zwar weniger Salz zu nutzen, dafür jedoch immer Jodsalz zu verwenden. Auch alternative Milchprodukte auf pflanzlicher Basis könnten mit Jodsalz angereichert werden. In Deutschland könnte man künftig generell mehr Jodsalz in der Lebensmittelindustrie und in der Gemeinschaftsverpflegung einsetzen. Wichtig ist, dass ein stärkeres Bewusstsein für den Jodbedarf und die Folgen des Jodmangels in der allgemeinen Bevölkerung ebenso wie bei Vertretern der Gesundheitsberufe und in der Lebensmittelherstellung entsteht. Dazu gehören z. B. bessere Kenntnisse über die Jodversorgung mit der Ernährung und über die gesundheitlichen Risiken des Jodmangels.

 

Die WHO zieht das Fazit: Der Jodmangel, besonders leichtere Defizite, ist in den Ländern der Europäischen Region noch immer ein weit verbreitetes Problem. Seit der Veröffentlichung des letzten Berichts über den Jodmangel vor 15 Jahren wurde eine Fülle neuer Daten über den Jodstatus verfügbar. Das gilt besonders für die Jodversorgung von Bevölkerungsgruppen mit einem erhöhten Risiko. Der Bericht gibt einen Überblick über den Jodstatus in der europäischen Region und stellt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Folgen von leichtem Jodmangel, zu Jodquellen in der Ernährung und zur Wirksamkeit von präventiven Maßnahmen gegen den Jodmangel vor.

 

Unser Tipp: Die Jodversorgung lässt sich mit einem Urintest und einigen anderen Methoden prüfen. Nahrungsergänzungen können gegebenenfalls zu besseren Jodwerten beitragen. Jodergänzungen sollten angemessen dosiert sein, um Überdosierungen zu vermeiden, es gibt sie in verschiedenen Formen, z. B. auch flüssig. Auf eine gute Bioverfügbarkeit sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro für Europa, Bevölkerung der Europäischen Region der WHO aufgrund veränderter Ernährung stärker durch Jodmangel gefährdet. In: Weltgesundheitsorganisation Nachrichten, online 28.06.2024, https://www.who.int/europe/de/news/item/28-06-2024-people-in-the-who-european-region-at-greater-risk-of-iodine-deficiency-due-to-changing-diets


Vitamin C kann die Adipositas beeinflussen

 

Die Verbreitung von starkem Übergewicht hat in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen. Das höhere Gewicht beeinflusst offenbar auch den Bedarf an Vitamin C. Bei vielen Übergewichtigen sind niedrige Vitamin-C-Werte vorhanden. Dazu können verschiedene Faktoren beitragen, wie eine neue Studie zeigt.

 

Vitamin C ist für normale Funktionen bei vielen Prozessen im Stoffwechsel erforderlich. Es wird für die Biosynthese von Kollagen, Carnitin (Verbindung aus Lysin und Methionin) und verschiedenen Neurotransmittern benötigt und ist ein wichtiges Antioxidans, das freie Radikale abfängt. Vitamin C verbessert die Aufnahme, den Transport und die Speicherung von Eisen und ist für die normalen Funktionen des Immunsystems nötig. Ein deutlicher Mangel führt zu Skorbut, der durch Störungen des Bindegewebes, negative Stimmungsschwankungen, Immundefizite und Muskelschwächen gekennzeichnet ist. Ein subklinischer Mangel an Vitamin C führt zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit, er beeinträchtigt die Lebensqualität und Arbeitsleistung. Vitamin C ist vor allem in frischen Gemüse- und Obstsorten enthalten, reichlich vorhanden ist es z. B. in Paprika, schwarzen Johannisbeeren und Petersilie, auch Zitrusfrüchte, Kartoffeln, Kohl, Spinat und Tomaten liefern gute Mengen.

 

Vitamin C ist weiter in Obst- und Gemüse-Säften enthalten und kann bei der Lebensmittelherstellung zugesetzt werden. Mängel sind selten, allerdings kann ein Mehrbedarf bestehen, z. B. im höheren Alter sowie bei Rauchern und bei starkem Alkoholkonsum. In Deutschland werden erwachsenen Männern bis ins hohe Alter tägliche Aufnahmen von 110 mg Vitamin C empfohlen, für Frauen der gleichen Altersspanne sind 95 mg angesetzt, etwas höher ist der Bedarf von Schwangeren mit 105 mg und für Stillende mit 125 mg. Ein Mehrbedarf gilt für Raucher mit 155 mg für Männer und mit 135 mg für Frauen. Es gibt einige Hinweise, dass Menschen mit einem höheren Körpergewicht niedrigere Vitamin-C-Konzentrationen im Plasma haben. Ihr Bedarf an Vitamin C könnte entsprechend höher sein. Dafür kommen vermutlich mehrere Mechanismen in Frage. Dazu beitragen könnte eine Ernährung, die wenig Vitamin C enthält. Das deutlich höhere Körpergewicht bei Adipositas führt zu einer (volumetrischen) Verdünnung von Vitamin C, dies kann teilweise durch Verteilung im Mager- oder Fettgewebe ausgeglichen werden.

 

Bei Adipösen (ab BMI 30) steigt der Grundumsatz aufgrund der erhöhten Körpermasse an, was sich auf den Vitamin-C-Bedarf auswirkt. Weiter treten aufgrund der Adipositas im Stoffwechsel Veränderungen auf, sie beeinflussen den Vitamin-C-Status, den Stoffwechsel, die Absorption und/oder die Ausscheidung. Adipositas kann außerdem zur Dysbiose des Darm-Mikrobioms führen wodurch die Absorption von Vitamin C oder der Vitamin-C-Stoffwechsel beeinflusst wird. Eine Gruppe von Forscherinnen aus den Niederlanden stellte die aktuellen Kenntnisse über den Zusammenhang zwischen der Adipositas und dem Bedarf an Vitamin C vor.

 

Sie prüften in verschiedenen Studien die Aufnahmen von Vitamin C bei Adipositas an verschiedenen Bevölkerungsgruppen und in verschiedenen Regionen der Welt, die zum Teil unterschiedliche Ergebnisse hatten. Eine erneute Analyse sorgfältig durchgeführter Interventions-Studien zeigte jedoch, dass der Vitamin-C-Status bei den übergewichtigen oder adipösen Teilnehmern niedriger war, wenn sie die gleiche Dosis von Vitamin C erhielten wie normalgewichtige Personen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass übergewichtige und adipöse Erwachsene ein höheres Risiko für einen niedrigeren Vitamin-C-Status aufweisen. Außerdem gibt es bei krankhaft adipösen Erwachsenen, die sich deswegen einer (bariatrischen) Operation unterziehen, hohe Vorkommen von einem Mangel an Vitamin C. In nur wenigen Analysen wurde jedoch versucht, die Aufnahmen von Vitamin C durch Lebensmittel und Nahrungsergänzungen auf individueller Ebene oder in Gruppen zu berücksichtigen.

 

Möglich ist, dass die Hauptursache für einen niedrigen Vitamin-C-Status bei Adipösen an zu geringen Vitamin-C-Aufnahmen liegt. Viele negative gesundheitliche Auswirkungen der Fettleibigkeit sind auf chronische Entzündungen zurückzuführen, die vermutlich den Bedarf an Antioxidantien erhöhen. In vielen Ländern wird Rauchern empfohlen, ihre Vitamin-C-Zufuhr zu erhöhen, um größeren Verlusten durch den erhöhten metabolischen Umsatz von Vitamin C entgegenzuwirken. Sowohl die Adipositas als auch das Zigarettenrauchen erhöhen die Konzentration des Entzündungs-Markers CRP (C-reaktives Protein), während eine hohe Zufuhr von Vitamin C mit der Nahrung CRP zu senken scheint. Ein direkter Vergleich der CRP-Konzentrationen zwischen Normalgewichtigen, Adipösen und Patienten mit dem metabolischen Syndrom zeigte hohe CRP-Werte in den Gruppen mit Fettleibigkeit und dem metabolischen Syndrom. Eine erneute Analyse von zwei großen Bevölkerungs-Studien (NHANES mit rund 2.800, EPIC-Norfolk mit knapp 21.000 erwachsenen Teilnehmern), die keine Nahrungsergänzungen erhielten, zeigte, dass die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Aufnahme und dem Status von Vitamin C bei Teilnehmern mit erhöhten CRP-Werten gedämpft war. Es scheint möglich, dass die erhöhten Entzündungen bei Adipositas den Umsatz von Vitamin C erhöhen, was zu einem verringerten Vitamin-C-Status und letztlich zu einem höheren Bedarf führt.

 

Weitere Studien zeigten, dass niedriges Vitamin C mit Veränderungen im Stoffwechsel durch die Adipositas verbunden sein könnte. Es zeigten sich z. B. Beziehungen zum Blutdruck, zu Glukose, Insulin, Triglyzeriden und freien Fettsäuren sowie Wirkungen auf das metabolische Syndrom und Diabetes. Überschreiten die zirkulierenden Konzentrationen von Vitamin C einen bestimmten Wert, wird Vitamin C über den Urin ausgeschieden, um die Homöostase aufrecht zu halten. Bei Diabetikern zeigte sich jedoch in einigen Untersuchungen eine abnorme Ausscheidung von Vitamin C. Die Ursache für dieses „Leck“ hängt vermutlich mit Diabetes zusammen, z. B. mit einem höheren BMI, den Werten von Nüchternglukose und glykiertem Hämoglobin (HbA1c) sowie von Komplikationen, die mit dem Diabetes-Schweregrad zusammenhängen. Eine weitere Beziehung zwischen Adipositas und Vitamin C besteht vermutlich zur Dysbiose des Darm-Mikrobioms und zu chronischen Entzündungen. Die bei Adipositas oft auftretende Dysbiose beeinträchtigt die Funktionen der Darmbarriere, dadurch gelangen Endotoxine in den Blutkreislauf, was chronische Entzündungen verstärkt. Das bedingt sowohl einen erhöhten Vitamin-C-Umsatz als auch eine gehemmte Absorption.

 

Die Forscherinnen ziehen das Fazit: Die derzeitigen Nachweise unterstützen die Beobachtung, dass der Vitamin-C-Status bei Adipösen niedriger ist. Einige Studien zeigen, dass die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Vitamin-C-Aufnahme und dem -Status bei übergewichtigen oder adipösen Teilnehmern abgeschwächt ist. Studien zur Ernährung belegen zumeist eine geringere Vitamin-C-Aufnahme bei Übergewichtigen oder Adipösen, ein weiterer Faktor für die Beziehung zwischen Fettleibigkeit und dem Vitamin-C-Status. Ein durch die Adipositas veränderter Stoffwechsel kann den Bedarf an Vitamin C erhöhen, entweder aufgrund einer verringerten Absorption oder einer erhöhten Ausscheidung, wie dies bei Diabetikern der Fall ist, oder durch den oxidativen Stress oder Entzündungen.

 

Beziehungen zeigten sich auch zwischen Adipositas und dem Vitamin-C-Status in der Darm-Mikrobiota, hier sind weitere Studien erforderlich, um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung festzustellen. In künftigen Studien sollten auch die komplexen Beziehungen von Vitamin C und Adipositas in Bezug auf verschiedene Gruppen, z. B. nach Alter, Körpergewicht und Vorkommen des metabolischen Syndroms, untersucht werden. Dabei sollten auch die Wirkungen von Vitamin-C-Ergänzungen auf den Vitamin-C-Status und den -Bedarf bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen weiter geprüft werden.

 

Unser Tipp: Vitamin C steht einzeln oder kombiniert mit anderen Mikronährstoffen in verschiedenen Dosierungen, Verbindungen und Formen, z. B. als Pulver, Kapsel oder liposomal, zur Verfügung. Auf eine gute Bioverfügbarkeit sollte immer geachtet werden.

 

Quelle:
Julia K. Bird et al., A Systematized Review of the Relationship Between Obesity and Vitamin C Requirements. In: Current Developments in Nutrition, online 29.3.2024, doi: 10.1016/j.cdnut.2024.102152.


Ergänzungen von Vitamin B12 bei Veganern

 

Die pflanzliche Ernährung wurde in den letzten Jahren zunehmend beliebter. Doch bei strikt vegetarischer Ernährung ist die Versorgung mit Vitamin B12 aus der Nahrung nicht gedeckt. Daher sollten vor allem Veganer auf ihre B12-Versorgung achten.

 

Der Anteil an Vegetariern liegt in Deutschland zur Zeit bei etwa 10 %. Rund 2 % der Bevölkerung sind inzwischen Veganer, die konsequent auf alle tierischen Produkte verzichten, also auch auf den Verzehr von Eiern, Milchprodukten und Honig. Warum auch immer die Entscheidung für eine pflanzliche Ernährung fällt, sie hat gesundheitliche Vorteile. Gute vegetarische und vegane Ernährungsweisen können zur Vorbeugung und Therapie einiger Krankheitsrisiken beitragen. Sie werden mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, da sie die Adipositas (starkes Übergewicht ab BMI 30) in der Bauchregion, den Blutdruck, die Blutfette und den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Sie senken auch Entzündungs-Marker und den oxidativen Stress und tragen zum Schutz vor ischämischen Herzerkrankungen bei.

 

Die pflanzliche Ernährung fördert außerdem die Vielfalt und Stabilität der Darm-Mikrobiota mit ihrer Gemeinschaft der Darmbakterien. Dies kann den Body-Mass-Index (BMI) und die Adipositas beeinflussen und so ebenfalls zum Schutz des Herz-Kreislauf-Systems beitragen. Studien deuten darauf hin, dass eine vegane oder vegetarische Ernährung mit einem verringerten Gewicht sowie zum Teil auch mit einer veränderten Fettverteilung einhergeht. Von Natur aus sind pflanzliche Lebensmittel jedoch keine verlässlichen Quellen für die Versorgung mit dem essentiellen Vitamin B12 (Cobalamin), das eine entscheidende Rolle im Energie-Stoffwechsel, bei der DNA-Bildung, der Bildung roter Blutkörperchen und den Funktionen des Nervensystems spielt. Es reguliert den Homocystein-Stoffwechsel, fördert normale neurologische und psychische Funktionen und verringert die Müdigkeit bzw. Ermüdung. B12 trägt außerdem zu den normalen Funktionen des Immunsystems bei und spielt eine Rolle beim Prozess der Zellteilung. Vitamin B12 kommt in relevanten Mengen nur in tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier) vor. Zwar gibt es auch in einigen pflanzlichen Lebensmitteln (z. B. Sauerkraut, Meeresalgen, Shiitake-Pilze) Vitamin-B12-Verbindungen, doch sie sind für den Menschen nicht verfügbar und tragen daher nicht zur Versorgung bei.

 

Jugendlichen ab 13 Jahren und Erwachsenen bis ins höhere Alter werden in Deutschland die täglichen Aufnahmen von 4 mcg Vitamin B12 empfohlen, bei Schwangeren und Stillenden ist die Empfehlung mit 4,5 mcg bzw. 5,5 mcg etwas höher. Abhängig von der Gesundheit, Ernährung und anderen Faktoren kann der individuelle Bedarf variieren. Ein leichter B12-Mangel ist allgemein auf eine unzureichende Zufuhr zurückzuführen, das gilt vor allem für Veganer, Vegetarier, Personen mit geringer B12-Aufnahme und stillenden Müttern mit B12-Mangel. Schwerere Mängel können außerdem aufgrund einer Resorptionsstörung (Mangel an Intrinsic Factor) oder anderen Krankheits-Ursachen (z. B. Morbus Crohn, Leber- oder Nierenkrankheiten) entstehen. Spürbare Mangelsymptome treten meist erst auf, wenn der B12-Vitaminspiegel deutlich verringert ist.

 

Die Bestimmung der B12-Konzentration im Serum ist der wichtigste Test, um den B12-Status und das Mangelrisiko zu beurteilen. Nach einigen Studien liegt eine mangelhafte B12-Konzentration (<156 pmol/L) bei 52 % der Veganer vor, dagegen sind Fleischesser nur selten davon betroffen (1 %). Da sich ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung vegan ernährt und es verschiedene Ansichten über die Notwendigkeit von Vitamin-B12-Ergänzungen gibt, untersuchte eine Gruppe portugiesischer Forscher die aktuellen Kenntnisse zum Vitamin-B12-Mangel bei Veganern und die Nutzung von Nahrungsergänzungen. Ausgewertet wurden 70 relevante Studien aus den Jahren 2010 bis 2023.

 

Die Ergebnisse zeigten, dass ein Vitamin-B12-Mangel bei Veganern aufgrund des strikten Verzichts auf tierische Produkte weit verbreitet ist. In den Studien, die Interventionen mit einer Nahrungsergänzung untersuchten, wurden durchweg positive Ergebnisse erzielt. Die Ergänzung von Vitamin B12 ist ein wirksames Mittel zur Prävention und Therapie eines Mangels. Die Forschung weist jedoch noch erhebliche Lücken auf, z. B. fehlt es an Studien, in denen verschiedene Formen oder Dosierungen von Vitamin B12 bei der pflanzlichen Ernährung untersucht werden. Weiter sind mehr Informationen und generell ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung dieses Vitamins in der veganen Ernährung notwendig. Für die Obergrenze bei der Zufuhr von Vitamin B12 gibt es bisher keine Empfehlung, da es sich um ein wasserlösliches Vitamin handelt, d. h. ein Teil davon wird mit dem Urin ausgeschieden. Bislang wurden bei Gesunden keine negativen Auswirkungen einer übermäßigen Einnahme von Vitamin B12 festgestellt. Es wird jedoch empfohlen, einen Therapeuten zu konsultieren, bevor man mit der Ergänzung von Vitamin B12 beginnt oder seine Ernährung umstellt.

 

Ein wichtiger präventiver Schritt ist die regelmäßige Kontrolle des B12-Blutspiegels, so lässt sich beurteilen, ob eine Ergänzung oder eine Anpassung der Dosis erforderlich ist. Bei einer unzureichenden pflanzlichen Ernährung kann es im übrigen zu weiteren Mängeln an Mikronährstoffen kommen. Das gilt z. B. für Eisen, Kalzium, Zink, Vitamin D sowie einige Aminosäuren. Dies kann in einigen Fällen z. B. zu hohem Homocystein, Proteinmangel, Anämie und verminderten Muskel-Kreatinin führen. Auch hier können dann gegebenenfalls Ergänzungen nützlich sein.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Es besteht durch den strikten Verzicht auf tierische Produkte ein Zusammenhang zwischen der veganen Ernährung und dem Mangel an Vitamin B12. Seine Ergänzung ist eine wirksame Maßnahme zur Vorbeugung und Therapie eines solchen Mangels. Noch sind mehr Informationen über B12-Dosierungen, die z. B. zur Aufrechterhaltung eines normalen Blut-Status und einer normalen B12-Konzentration im Serum bei Vegetariern oder bei Personen mit einer geringen B12-Zufuhr beitragen, erforderlich. Daran sollte künftig weiter geforscht werden.

 

Unser Tipp: Vitamin B12 steht in verschiedenen Formen und Dosierungen zur Verfügung.
Methylcobalamin ist die bioaktive Form, es wird auch in flüssiger, liposomaler und veganer Form angeboten.

 

Quelle:
Sávio Fernandes et al., Exploring Vitamin B12 Supplementation in the Vegan Population: A Scoping Review of the Evidence. In: Nutrients, online 10.5.2023, doi: 10.3390/nu16101442.


Vitamine und Omega-3-Fettsäuren für kognitive Leistungen im Alter

 

Die Ergänzung von Vitaminen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren wurde bei leichten kognitiven Störungen bereits häufig untersucht. Eine neue Studie prüfte die Wirkungen einiger B-Vitamine und die gesunden Omega-3-Fettsäuren bei Älteren mit eingeschränkten kognitiven Leistungen.

 

Ältere Menschen sind von leichten kognitiven Beeinträchtigungen häufiger betroffen. Dazu gehören verschiedene Grade der Schwächen im Gedächtnis, in der Aufmerksamkeit, in den visuell-räumlichen Fähigkeiten, exekutiven Funktionen (Planung, Entscheidung, Arbeitsgedächtnis etc.) und in der Geschwindigkeit der Verarbeitung. Bei Patienten, die davon betroffen sind, steigt mit einer zunehmenden Verschlechterung ihres Zustands das Risiko, an Demenz zu erkranken. Daher sind wirksame Maßnahmen zur Milderung von kognitiven Beeinträchtigungen und zur Prävention von Demenz erforderlich. Dazu gehört eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen, um die kognitiven Leistungen zu unterstützen. Das betrifft z. B. die B-Vitamine B6, B12 oder Folsäure, die hohe Konzentrationen von Homocystein senken können, das ist eine im Übermaß schädliche Aminosäure, die mit der Gesundheit des Gehirns in Verbindung steht. Weiter haben die Vitamine C, D und E antientzündliche und neuroschützende Wirkungen.

 

Auch die gesunden Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) werden mit einem geringeren Risiko für den Abbau der kognitiven Leistungen in Verbindung gebracht. Wirksam sein können sowohl einzelne Anwendungen als auch kombinierte Aufnahmen dieser Mikronährstoffe. Bisher waren die Ergebnisse zu den Wirkungen auf die kognitiven Funktionen allerdings nicht einheitlich, was vermutlich auf verschiedene Arten der Untersuchungen zurückzuführen ist, die einen Vergleich erschweren. So wurden z. B. bei der Analyse der Auswirkungen von B-Vitaminen in verschiedenen kognitiven Bereichen unterschiedliche Ergebnisse erzielt, was es schwierig macht, einen kausalen Zusammenhang zwischen Nährstoffen und kognitiven Funktionen herzustellen. Es gibt bisher auch nur wenig vergleichende Analysen von einzelnen oder kombinierten Nährstoff-Interventionen. In neueren Studien begann man damit, die vorhandenen Unterschiede zu bewerten.

 

So zeigte eine (randomisiert, kontrollierte) Studie, dass eine Kombination aus Folsäure und Vitamin B12 wirksamer war als jedes der beiden B-Vitamine allein. In ähnlicher Weise zeigten Studien, dass die Kombination von Folsäure und der Omega-3-Fettsäure DHA zu verbesserten Werten in den kognitiven Leistungen führt als die alleinige Gabe. Diese Studien waren jedoch durch recht geringe Teilnehmer und kurze Studiendauer begrenzt, so dass die kognitiven Effekte möglicherweise nicht vollständig erfasst werden konnten.

Eine Gruppe von chinesischen Forschern prüfte nun in einer Meta-Analyse die Auswirkungen von Vitaminen und Omega-3-Fettsäuren auf leichte kognitive Störungen. Einbezogen waren 16 (randomisiert kontrollierte) Studien mit rund 2.500 Teilnehmern ab 60 Jahren, die leichte kognitive Störungen hatten. Geprüft wurde, ob und wie verschiedene Vitamine und die Omega-3-Fettsäuren die kognitiven Beeinträchtigungen verbessern konnten. Dabei wurde entweder Folsäure allein sowie kombiniert mit B12 und/oder B6, Vitamin D einzeln, mehrere Vitamine (C und E sowie E und B-Vitamine,) DHA einzeln oder die übliche Kombination von EPA und DHA sowie zusammen mit den Vitaminen A, E, Gamma-Linolensäure und Linolsäure untersucht. Die Dauer der Anwendungen reichte von 6 bis zu 24 Monaten. Die Auswertungen zeigten, dass Vitamine die allgemeinen kognitiven Funktionen, das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit bei Patienten mit leichten kognitiven Störungen verbessern könnten.

 

Folsäure verbesserte signifikant die allgemeinen kognitiven Funktionen, auch die Kombination mit Vitamin B12 hatte hier günstige Ergebnisse. Dagegen wirkte sich die Kombination von Folsäure, B12 und B6 nicht signifikant auf die kognitiven Funktionen aus. Die Analyse von Untergruppen zeigte, dass Folsäure allein sogar einen größeren Effekt auf die allgemeinen kognitiven Funktionen haben könnte. Auch Gaben von Vitamin D konnten die kognitiven Funktionen verbessern, positiv beeinflusst wurden z. B. das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit. Bei der Kombination der Vitamine C und E zeigten sich dagegen keine Verbesserungen der kognitiven Leistungen. In drei Studien wurden die Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA zusammen geprüft, in einer Studie war DHA allein eingesetzt. Die Meta-Analysen zeigten, dass DHA allein die allgemeinen kognitiven Funktionen, das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit, verbessern kann, während DHA und EPA zusammen die kognitiven Funktionen nicht positiv beeinflussen konnten.

 

Eine Studie zeigte, dass Omega-3-Fettsäuren die Hippocampus-Struktur (beteiligt an der Gedächtnisbildung) verbessern, die Neuroentwicklung fördern und die Gehirnfunktionen verbessern konnten. Die antientzündlichen Eigenschaften von DHA und EPA können den entzündungsbedingten kognitiven Abbau verringern, indem sie entzündliche Reaktionen in der Mikroglia (Immuneffektorzellen im Zentralen Nervensystem) verringern. Die genaue Art der Interaktion zwischen DHA und EPA in Bezug auf diese Prozesse bleibt jedoch weiter zu klären.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse der Meta-Analyse zeigen, dass sich bei Patienten mit leichten kognitiven Störungen die B-Vitamine B6 und B12 sowie Vitamin D positiv auf die kognitiven Funktionen, auf das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit auswirken. Keinen Effekt hatte die Versorgung auf visuell-räumliche Fähigkeiten, exekutive Funktionen und die Geschwindigkeit der Verarbeitung. Die gesunden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, können ebenfalls die Gedächtnisfunktionen und die Aufmerksamkeit verbessern. Folsäure könnte in Bezug auf die kognitiven Funktionen, beim Gedächtnis und der Aufmerksamkeit, wirksamer sein als die Kombination der B-Vitamine (Folsäure, B12 und/oder B6). In künftigen und größeren Studien sollten bei älteren Patienten mit leichten kognitiven Störungen die Gaben von Nahrungsergänzungen mit verschiedenen Arten sowie die Dosis und Dauer der Einnahmen weiter untersucht werden.

 

Unser Tipp: Die B-Vitamine werden oft als Komplex angeboten, da sie im Verbund in vielen Fällen besser wirken können. Für spezielle Zwecke werden z. B. Folsäure und die Vitamine B12 und B6 auch einzeln angeboten.

 

Quelle: 
Jing Chang et al., Effects of vitamins and polyunsaturated fatty acids on cognitive function in older adults with mild cognitive impairment: a meta-analysis of randomized controlled trials. In: European Journal of Nutrition, online 01.02.2024, doi: 10.1007/s00394-024-03324-y.


Mit gesunder Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nach Brustkrebs verringern

 

Patientinnen mit Brustkrebs sollten nach ihrer Therapie auf eine gesunde Ernährung achten. Das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöht sich durch Therapien, die auch das Herz belasten können. Gesunde Ernährungsweisen tragen dazu bei, dieses Risiko zu senken, wie eine neue Studie zeigt.

 

Der Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland wird die Diagnose pro Jahr bei rund 70.000 Frauen neu gestellt. Das Krankheits-Risiko steigt mit zunehmendem Alter an, mit einem Schwerpunkt im 6. und 7. Lebensjahrzehnt. Rechtzeitig erkannt und behandelt sind heute die meisten Brustkrebs-Erkrankungen heilbar. Danach können jedoch Herz-Kreislauf-Krankheiten zu einem wichtigen Gesundheitsproblem werden, da Frauen mit Brustkrebs ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten haben. Das lässt sich vermutlich auf die das Herz belastenden Krebstherapien und auf gemeinsame Risikofaktoren von Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten zurückführen.

 

In den letzten zehn Jahren zeigte eine wachsende Zahl von Studien, dass Brustkrebs-Patientinnen, die sich gesünder ernähren, tendenziell ein geringeres Risiko für weitere Krebskrankheiten und allgemein bessere Lebensperspektiven haben. Dabei ist jedoch bisher die Beziehung zwischen der Qualität der Ernährung und kardiovaskulären Krankheiten nicht genau geklärt. Eine Gruppe US-amerikanischer Forscher untersuchte erstmals in einer Studie, ob eine gesündere Ernährung zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden ist. Sie nutzten dafür Daten der Pathways-Studie, eine (prospektive) Bevölkerungsstudie mit Frauen, bei denen Brustkrebs im Zeitraum von 2005 bis 2013 erstmals festgestellt wurde und die zuvor nicht von anderen Krebskrankheiten betroffen waren.

 

Ausgewertet wurden die Daten von 3.415 Teilnehmerinnen (21 bis 94 Jahre, im Durchschnitt 60 Jahre) aus Kalifornien. Bei allen Frauen wurden zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose Befragungen zur Ernährung durchgeführt. Daraus wurde ihre Ernährungsqualität bzw. die Anpassung an verschiedene gesunde Ernährungsweisen anhand von 5 Kriterien ermittelt. Sie zeichneten sich durch einen hohen Verzehr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten und den geringen Verzehr von rotem und verarbeiteten Fleisch aus. Für diese Ernährungsweisen wurde nachgewiesen, dass sie das Risiko für Herzerkrankungen in der Allgemeinbevölkerung senken. Einbezogen waren die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension), der gesunde, pflanzenbasierte Ernährungs-Index, der Healthy Eating Index (HEI, Empfehlungen des US-Landwirtschaftsministeriums), die Ernährungs-Leitlinie der „American Cancer Society“ zur Krebsprävention und der alternative mediterrane Ernährungs-Index. Speziell die DASH- und die mediterrane Ernährung haben sich zur Prävention und Therapie von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Krankheiten bewährt.

 

Nach Anpassung der Daten, z. B. an Alter, Gewicht und Körperaktivität etc., zeigten die Auswertungen, dass Teilnehmerinnen, deren Ernährung in hohem Maße mit dem Qualitätsindex der DASH-Diät übereinstimmten, ein geringeres Risiko für die Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen und venöse Thromboembolien (Verschluss von Blutgefäßen durch Blutgerinnsel) hatten. Weiter hatten Frauen, deren Ernährung besser mit dem DASH-Qualitätsindex übereinstimmte und die bestimmte Krebsmedikamente (Anthrazyklin mit/ohne Trastuzumab) erhielten, ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Frauen, deren Ernährung weniger gut mit dieser Diät übereinstimmte. Das zeigt, dass vermutlich auch die Art der jeweiligen Krebstherapie und die Ernährung die kardiovaskulären Krankheitsrisiken beeinflussen können. Weitere Zusammenhänge wurden zwischen dem Index der gesunden pflanzlichen Ernährung und Herzinsuffizienz sowie zwischen dem Index der alternativen mediterranen Ernährung und Herzrhythmusstörungen beobachtet. Beim HEI-Index oder der Ernährungs-Leitlinie für die Krebsprävention und spezifischen Ergebnissen in Bezug auf kardiovaskuläre Krankheiten zeigten sich keine klaren Muster, obwohl eine höhere Übereinstimmung mit der Ernährungs-Leitlinie für die Krebsprävention mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko verbunden war. Die Ergebnisse zur Ernährungsqualität bei Herz-Kreislauf-Krankheiten durch Strahlen- und endokrine Therapien waren nicht einheitlich bzw. zeigten nur Trends auf. Hier werden weitere Untersuchungen empfohlen.

 

Untersucht wurden auch einzelne Lebensmittel-Komponenten innerhalb jedes Ernährungsqualitäts-Indexes in Bezug auf die kardiovaskulären Krankheiten. Die stärkste Verbindung zeigte sich bei einem höheren Milchkonsum (fettarme Milchprodukte bei der DASH-Diät) und für Milchprodukte insgesamt beim Index für die gesunde pflanzliche Ernährung und für HEI, die mit einem geringeren Risiko für durch kardiovaskuläre Krankheiten bedingte Todesfälle verbunden waren. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit einer kürzlich durchgeführten Meta-Analyse, die darauf hindeutet, dass der Verzehr von Milchprodukten insgesamt (fettarm und fettreich) das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle in der Allgemeinbevölkerung verringert.

Weiter war ein geringerer Verzehr von Eiern und Fischen mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden, während ein höherer Verzehr von Hülsenfrüchten und ein geringerer Fleischverzehr das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten beim gesunden pflanzenbasierten Ernährungs-Index verringerte. Bei der alternativen mediterranen Diät war ein geringerer Konsum von rotem und stark verarbeiteten Fleischwaren mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten verbunden. Bei den Ernährungs-Leitlinien für die Krebsprävention war der höhere Verzehr von Obst und Gemüse mit einem geringeren Risiko für durch kardiovaskuläre Krankheiten bedingte Sterbefälle verbunden.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Brustkrebs-Patientinnen, die sich gesund ernähren, können ihr durch verschiedene Krebstherapien erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten verringern. Dabei könnte die DASH-Diät, die vor allem bei Bluthochdruck empfohlen wird, den größten Nutzen bieten. Das gilt besonders für Brustkrebs-Patientinnen, die eine Chemotherapie erhalten, die sich für das Herz als sehr belastend auswirken kann.

 

Unser Tipp: 

Eine Reihe von Mikronährstoffen, Vitamine, Mineralien etc., unterstützen die Herz-Kreislauf-Funktionen. Dazu werden spezielle Kombinationen von herzgesunden Mikronährstoffen angeboten. Bei Krebskrankheiten sollten sie in Abstimmung mit den behandelnden Therapeuten angewendet werden.

 

Quelle: 
Isaac J. Ergas et al., Diet quality and cardiovascular disease risk among breast cancer survivors in the Pathways Study. In: JNCI Cancer Spectrum, online 17.4.2024, doi: 10.1093/jncics/pkae013.


Kardiometabolische Krankheiten und Eisen bei Frauen in der Menopause

 

Zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede in Bezug auf die Verbreitung und Risikofaktoren der kardiometabolischen Erkrankungen, die sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch den Stoffwechsel betreffen. Das gilt besonders für Frauen in der Menopause. Neuere Ansätze zeigen, dass der Eisenspiegel dabei eine wichtige Rolle spielen könnte.

 

Die Existenz und Erforschung biologischer Geschlechtsunterschiede ist in verschiedenen medizinischen Bereichen ein wichtiges Thema, das gilt vor allem für kardiometabolische Erkrankungen. Zu ihnen gehören die Herz-Kreislauf-Krankheiten und der Typ-2-Diabetes. Zusammen mit den begleitenden Risikofaktoren wie Adipositas (starkes Übergewicht, BMI ab 30), Fettstoffwechselstörungen, Entzündungen und Lebensstil-Risikofaktoren weisen sie deutliche geschlechtsspezifische Muster auf. Zahlreiche Bevölkerungsstudien zeigten, dass Frauen vor der Menopause im Vergleich zu Männern eine geringere Rate an kardiometabolischen Erkrankungen aufweisen. Dieser Unterschied verringert sich jedoch tendenziell nach der Menopause, doch die Mechanismen dafür sind nach wie vor nicht geklärt.

 

Die am häufigsten angeführte Hypothese bezieht sich auf den Östrogen-Status, wobei Östradiol (gehört zur Gruppe der Östrogene) bei Frauen als herzschützend angesehen wird. Der altersbedingte Rückgang des Östrogen-Spiegels bei Frauen, während und nach der Menopause, wurde als Erklärung für den starken Risikoanstieg für den Typ-2-Diabetes und die kardiovaskulären Krankheiten vorgeschlagen. Dies wurde durch Beobachtungsstudien gestützt, die eine Beziehung zwischen höheren Androgen- und niedrigeren Östrogen-Spiegeln und stärkeren kardiovaskulären Risikofaktoren bei Frauen nach der Menopause aufzeigen. Das gilt z. B. für einen erhöhten Blutdruck, erhöhte Werte des C-reaktiven Proteins (CRP, Marker für Entzündungen) und die erhöhte Insulinresistenz. An dieser Hypothese tauchen nun einige Zweifel auf, möglicherweise spielen bei den kardiometabolischen Krankheiten in der Menopause die Veränderungen im Eisenstatus der Frauen eine wichtige Rolle.

 

Der Eisenstoffwechsel ist zwischen den Geschlechtern verschieden und variiert auch in den verschiedenen reproduktiven Lebensphasen der Frauen. Eine Gruppe von Forschern aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland stellte dazu die aktuellen Kenntnisse vor. Sie fassen die geschlechtsspezifischen Unterschiede zusammen, zeigen den Beitrag der Menopause zur Entwicklung kardiometabolischer Krankheiten und die sich abzeichnende Rolle von Eisen als einem komplementären Signalweg.

 

Das Spurenelement Eisen ist für die Entwicklung und das Überleben der Zellen unerlässlich. Es ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener Enzyme, die an vielen biologischen Prozessen, wie z. B. Sauerstofftransport, zelluläre Energieproduktion, DNA-Synthese und -Reparatur, beteiligt sind. 20 bis 25 mg Eisen sind pro Tag notwendig, um den Eisenbedarf für die Bildung roter Blutkörperchen (Erythropoese) und den Zellstoffwechsel zu decken. Der größte Teil wird dafür aus dem Recycling von gestörten (seneszenten) Erythrozyten gewonnen, nur 1 bis 2 mg pro Tag stammen aus der Darm-Absorption. Der tägliche Eisenverlust beträgt etwa ein bis zwei Milligramm, vorwiegend durch Abschuppung von Epithelzellen der Haut und des Darms sowie durch geringe Blutverluste, die durch Nahrungsquellen und intestinale Absorption ausgeglichen werden können. Eisen kann nicht im Körper synthetisiert werden und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden.

 

Gute Quellen für Hämeisen aus tierischen Produkten sind Eier, Leber, rotes Fleisch, und für Nicht-Hämeisen Spinat und andere pflanzliche Quellen. Tierische Lebensmittel haben eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit von Eisen als pflanzliche Lebensmittel (30 % gegenüber weniger als 10 %). Körperliche Bedingungen, die bei Frauen den Eisenverlust erhöhen, wie die Menstruation und Stillzeit, werden durch die erhöhte Aufnahme von bis zu 3 mg Eisen pro Tag kompensiert. Zwischen den Geschlechtern gibt es im Lauf des Lebens erhebliche Unterschiede im Eisengehalt. Die Ferritin-Werte (Speicherprotein für Eisen) im Serum sind ab dem Alter von drei Jahren bis etwa zur Jugendzeit relativ konstant und zwischen den Geschlechtern ähnlich. Bei Männern steigen die Eisenspeicher dann an und bleiben bis zum Alter von 70 Jahren konstant, danach nehmen sie ab. Bei Frauen sind die Eisenspeicher von der Jugendzeit an bis zur Menopause niedriger als bei Männern, danach steigen sie aufgrund des Ausbleibens der Menstruation an.

 

Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Eisen zu einem geringeren kardiometabolischen Risiko beitragen kann, indem es die Prozesse des oxidativen Stresses und Entzündungs-Reaktionen beeinflusst. Der bei Frauen in der Menopause erhöhte Eisenspiegel führt möglicherweise dazu, das Risiko für kardiometabolische Krankheiten zu erhöhen. Experimentelle Untersuchungen zeigten, dass ein erhöhter Eisenstatus mit der Entwicklung von Typ-2-Diabetes und verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt. In Bevölkerungsstudien wurden immer wieder Verbindungen zwischen der Aufnahme von Hämeisen (aus tierischen Quellen) und einigen Eisen-Biomarkern, z. B. Ferritin und Transferrinsättigung (Wert zur Beurteilung des Eisenstoffwechsels), mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes festgestellt. Dagegen sind die Nachweise für einen Zusammenhang mit den kardiometabolischen Krankheiten noch umstritten.

 

Die Rolle des Eisen-Stoffwechsels, der sich bei Frauen in den Wechseljahren erheblich verändert, erweist sich jedoch zunehmend als ein überzeugender Faktor, der zu diesen epidemiologischen Mustern beitragen könnte. Dies stützt sich auf die Beobachtung, dass die Menstruation bei Frauen zu Beginn der Menopause noch ein wichtiger Faktor für den Eisenverlust ist. Das Ausbleiben der Menstruation wirkt sich vermutlich auf den Anstieg des Eisenstatus und der kardiometabolischen Risikofaktoren aus. Lässt sich dies in weiteren Untersuchungen bestätigen, so könnte diese Sichtweise über den Einfluss von Eisen das Verständnis der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den kardiometabolischen Erkrankungen revolutionieren. Ein tieferes Verständnis, wie sich die Eisen-Biomarker mit dem Geschlecht und Menopausen-Status unterscheiden, könnte möglicherweise auch neue therapeutische Interventionen ermöglichen und neue Strategien für die öffentliche Gesundheit eröffnen.

 

Unser Tipp:

Eisen wird zur Nahrungsergänzung in verschiedenen Formen einzeln und in verschiedenen Multi-Präparaten angeboten, dabei sollte auf eine gute Verträglichkeit sowie Bioverfügbarkeit geachtet werden.

 

Quelle:
Noushin Sadat Ahanchi et al., The complementary roles of iron and estrogen in menopausal differences in cardio metabolic outcomes. In: Clinical Nutrition, online 3.4.2024, doi: 10.1016/j.clnu.2024.03.026.


Die gute Ernährung senkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Krankheiten

 

Es gibt deutliche Beziehungen zwischen einzelnen ernährungsabhängigen Faktoren und kardiovaskulären Erkrankungen. Sie wurden in Europa und Eurasien anhand einer großen Krankheitsstudie (Global Burden of Disease) von 1990 bis 2019 untersucht.

 

Die „Global Burden of Disease“-Studie ist die umfassendste, weltweit durchgeführte Bevölkerungsstudie. Seit 1990 und fortlaufend bis heute werden gesundheitliche Entwicklungen beobachtet und ausgewertet. Unter den chronischen Krankheiten sind die Herz-Kreislauf-Krankheiten weltweit am häufigsten verbreitet und in den letzten Jahren deutlich angestiegen, daran haben ischämische Herzkrankheiten und Schlaganfälle den größten Anteil. Ein hoher systolischer Blutdruck (oberer Wert) und ernährungsabhängige Faktoren gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren. Eine gesunde Ernährung kann dazu beitragen, ernährungsabhängigen Krankheiten, einschließlich der Herz-Kreislauf-Krankheiten, vorzubeugen. Das wird mit dem reichlichen Verzehr von Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten erreicht, die viele essentielle Nährstoffe enthalten und reichlich Ballaststoffe liefern. Dazu gehört auch, dass in der Ernährung die Aufnahmen von freiem Zucker (<10 % der Gesamt-Energiezufuhr/Tag) und von Salz (<5 g/Tag) beschränkt werden.

 

Statt gesättigter Fettsäuren und Transfetten sollten die ungesättigten Fettsäuren aus pflanzlichen und marinen Quellen (z. B. Omega-3-Fettsäuren) bevorzugt werden. Die langfristige Nicht-Einhaltung dieser Empfehlungen belastet die Gesundheit und erhöht das Risiko für chronische Krankheiten. Eine Gruppe deutscher Forscher prüfte anhand eines Teils der „Global Burden of Disease“-Studie die Beziehungen zwischen 13 bekannten Ernährungsrisiken und 13 Arten von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Dabei wurde eine neue Berechnungsmethode für alle relevanten Ergebnisse ab 1990 angewendet, um die Daten nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu beurteilen. Einbezogen waren Länder der europäischen Region, hinzu kamen Länder aus Eurasien (u. a. Armenien, Aserbaidschan, Israel, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Usbekistan). 2019 starben in den insgesamt 54 beteiligten Ländern 1,55 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten.

 

Die 27 Länder der EU kamen auf 600.000 (vorzeitige) Todesfälle, die auf eine unzureichende Ernährung zurückgeführt wurden (16,4 % aller und 36,7 % der kardiovaskulären Todesfälle). Innerhalb Westeuropas lag Deutschland bei den ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten mit rund 112.600 Todesfällen an der Spitze, mit einem Anteil an den gesamten Todesfällen von 31 %. Die große Mehrzahl dieser Fälle war mit der ischämischen Herzkrankheit (z. B. Erkrankungen der Herzkranzgefäße) verbunden (80 %). Sie war in allen Ländern die häufigste Todesursache, dann folgen Schlaganfälle und die hypertensive Herzkrankheit (unkontrollierter Bluthochdruck). 

In Bezug auf einzelne belastende Ernährungs-Faktoren steht zu viel Salz an erster Stelle, die stark salzhaltige Ernährung nimmt weltweit zu. Eine geringe Salzaufnahme bleibt ein wichtiger Faktor für die Prävention der ernährungsabhängigen Krankheiten. Angestrebt werden sollte eine verringerte durchschnittliche Salzaufnahme in der Bevölkerung von 30 %. Es ist dabei auch wichtig, den Salz-, Zucker- und Fettgehalt von Lebensmitteln zu verbessern und den Verzehr von ultraverarbeiteten Lebensmitteln zu senken. Gleichzeitig sollte in der Ernährung generell der Schwerpunkt auf den gesteigerten Konsum gesundheitsfördernder Lebensmittel gelegt werden. Trotz ähnlicher Probleme überall auf der Welt wurden in dieser Studie auch jedes Land und jede Region einzeln betrachtet, um festzustellen, welche Maßnahmen am besten wirken und wo jeweils die spezifischen Ernährungsprobleme liegen.

 

Die größte Wirkung zur Senkung der ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten könnte mit einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten erreicht werden. Dabei liegt der Risiko-Schwerpunkt auf drei Faktoren: eine an Vollkornprodukten und an Hülsenfrüchten zu arme sowie zu salzreiche Ernährung. Zusammen sind diese Faktoren für 48% der ernährungsabhängigen kardiovaskulären Krankheiten im europäischen Großraum verantwortlich. Für Deutschland ist die Empfehlung von mehr Hülsenfrüchten und pflanzlichen Lebensmitteln in den neuen Ernährungs-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) ein wichtiger Schritt zu einer verbesserten Gesundheit der Bevölkerung und zur Prävention von Stoffwechsel-Krankheiten. Der Anteil dieser Produkte sollte in der individuellen Ernährung ebenso wie in den Angeboten der Gemeinschaftsverpflegung angepasst und erhöht werden. Nicht einbezogen waren in dieser Studie im übrigen der oft zu hohe Konsum von Alkohol, die häufig zu hohe Energiezufuhr mit Übergewicht als Folge und die Vorkommen des Typ-2-Diabetes, der das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöht. Damit wird deutlich, dass die tatsächliche Zahl der ernährungsabhängigen Herz-Kreislauf-Krankheiten und der damit verbundenen Todesfälle mit einem erweiterten Blick noch weit höher liegt.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Mit einem von sechs Todesfällen im großeuropäischen Gebiet sind die Herz-Kreislauf-Krankheiten aufgrund einer suboptimalen Ernährung ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Gemessen an der Gesamtzahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist mehr als jeder dritte Todesfall auf die Ernährung zurückzuführen. Eine herzgesunde Ernährung ist neben anderen verhaltensbedingten Risiken einer der wichtigsten Faktoren für die Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten und davon abhängigen vorzeitigen Todesfällen. Dazu tragen besonders ein geringer Salzkonsum und der erhöhte Verzehr von Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten bei. Verbesserte Ernährungsweisen sind eines der wirksamsten Mittel der Prävention und Gesundheitsförderung. Die Ergebnisse der Studie zeigen das große vorbeugende Potential einer ausgewogenen Ernährung für die Herzgesundheit, mit dem viele vorzeitige Todesfälle im europäischen Großraum verhindert werden könnten.

 

Unser Tipp:

Eine gesunde, pflanzenbetonte Ernährung unterstützt mit vielen Mikronährstoffen auch die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Gute Kombinationen von herzgesunden Mikronährstoffen können die kardiovaskulären Funktionen unterstützen.

 

Quelle:
Theresa Pörschmann et al., Cardiovascular mortality attributable to dietary risk factors in 54 countries in the WHO European Region from 1990 to 2019: an updated systematic analysis of the Global Burden of Disease Study. In: European Journal of Preventive Cardiology, online 15.4.2024, doi: 10.1093/eurjpc/zwae136.


Zink im Lauf des Lebens

 

Das Spurenelement Zink ist für eine große Anzahl an Funktionen im Körper sehr wichtig. Zink ist für das Wachstum und die Gesundheit bis ins hohe Alter von großer Bedeutung.

 

Zink beeinflusst durch seine vielfältigen Funktionen (katalytisch, strukturell, regulatorisch) und als Teil vieler Enzyme und Proteine den Stoffwechsel, die Genexpression, Hormonfunktion, Immunabwehr, das Wachstum und viele Körperprozesse mehr. Allgemein ist der Zinkmangel weltweit eine der häufigsten Formen der Mikronährstoff-Unterernährung. In Deutschland kommen schwere Zinkmängel eher selten vor, eine Unterversorgung mit Zink kann jedoch vorhanden sein. Im Durchschnitt nehmen Frauen hierzulande täglich etwa 8 mg und Männer 11 mg Zink mit ihrer Ernährung auf. Die Empfehlungen für den täglichen Bedarf der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. sind seit 2019 differenziert, abhängig von der Aufnahme von Phytaten (Form der Phytinsäure), die in Pflanzen u. a. Zink binden können, das gilt vor allem für Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide. Das in der Nahrung enthaltene Phytat bindet im Magen-Darm-Trakt Zink, wodurch sich dessen Bioverfügbarkeit verringert. Die empfohlenen Zinkwerte liegen daher bei uns für erwachsene Frauen zwischen 7 bis 10 mg, für Männer bei 11 bis 16 mg, je nach einer niedrigen bis hohen Zufuhr an Phytaten aus der Ernährung.

 

Zink ist vor allem in Rind- und Schweinefleisch, Käse, Milch und Milchprodukten sowie in Eiern reichlich enthalten. Auch Nüsse, Weizen- oder Roggenkeimlinge liefern gute Zinkmengen. Eine schlechtere Zinkversorgung kann bei älteren Menschen, bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten oder auch bei einer streng vegetarischen Ernährung häufiger vorkommen. Die Symptome des Zinkmangels sind vielfältig und unspezifisch, u. a. abhängig vom Alter, Dauer der Zinkdefizite und dem Vorhandensein anderer Erkrankungen. Bei einem schwereren Zinkmangel können kognitive Beeinträchtigungen, wiederkehrende Infektionen und Durchfall, eine verzögerte Wundheilung und verringerte Fortpflanzung zu den Folgen gehören. Eine Gruppe von Forschern aus Großbritannien und den USA stellte die Kenntnisse zur Rolle von Zink für die Gesundheit und zu den Möglichkeiten verbesserter Zinkaufnahmen in der Bevölkerung vor.

 

Neben der bekannten Bedeutung von Zink für das Wachstum von Kindern und die Resistenz gegen Infektionen hat Zink zahlreiche spezifische Aufgaben, zu denen u. a. auch die Regulierung des Glukose-Stoffwechsels gehört. Es gibt immer mehr Nachweise dafür, dass ein Zinkmangel mit einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Störungen in Verbindung steht. Zink spielt eine wichtige Rolle bei der Insulinsekretion und der Glukosehomöostase, und ein niedriger Zinkstatus wurde mit einem schwereren Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Der Zinkstatus beeinflusst auch den Lipidstoffwechsel, einschließlich der Absorption, der Synthese und des Metabolismus von Fettsäuren. Das wirkt sich auf die zirkulierenden Lipidprofile aus und kann bei zu geringen Aufnahmen das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen. Ein leichterer oder schwer erkennbarer (subklinischer) Zinkmangel kann die allgemeine Dysregulierung der Stoffwechsel-Funktionen und Entzündungen hervorrufen, was z. B. Belastungen durch chronische Krankheiten erhöhen kann.

 

Neuere Meta-Analysen ergaben, dass Teilnehmer mit den höchsten Zinkaufnahmen aus der Nahrung ein um 13 % geringeres Risiko hatten, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Eine niedrig dosierte Ergänzung von Zink konnte signifikant die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten und Typ-2-Diabetes verringern, einschließlich hoher Nüchtern-Blutzuckerwerte, Insulinresistenz sowie Gesamt- und LDL-Cholesterin. Zink ist außerdem ein Schlüsselelement bei der Reaktion auf den oxidativen Stress. Das beruht zum Teil auf seiner Rolle in der (zinkhaltigen) Superoxiddismutase (Enzym, das Sauerstoffradikale beseitigen kann) und auf Signalfunktionen in zellulären Reaktionen auf den oxidativen Stress. Darüber hinaus reguliert Zink den Gefäßtonus, führt zu einer Entspannung der glatten Gefäßmuskulatur (Vasorelaxation) und kann die Steifigkeit von Blutgerinnseln verringern.

 

Eine gute Zinkversorgung im gesamten Lauf des Lebens kann die Prävention vieler Krankheiten unterstützen. Dagegen sind eine schlechte Ernährung und unzureichende Aufnahmen von Zink aus der Nahrung die Hauptursachen für einen suboptimalen Zinkstatus. Er kann sich langfristig auf chronische Krankheiten auswirken bzw. das Risiko für ihr Entstehen erhöhen. Zink als Nahrungsergänzung kann als gezielte Behandlungs-Strategie bei einem festgestellten Mangel oder prophylaktisch bei einem hohem Mangel-Risiko eingesetzt werden. Die in Nahrungsergänzungen verwendete Form von Zink kann anorganisch (Oxid, Chlorid, Sulfat, Carbonat), organisch (z. B. Aspartat, Citrat, Glukonat, Malat) oder an Aminosäuren (z. B. Histidin, Lysin) gebunden sein. Die chemische Form wirkt sich auf die Löslichkeit und die Aufnahme von Zink aus dem Magen-Darm-Trakt aus, anorganische Formen werden meist besser aufgenommen.

 

Die Art der Aufnahme, nüchtern oder mit einer Mahlzeit, kann sich ebenfalls auf die Resorption von Zink und den Stoffwechsel auswirken. Allgemein sind Nahrungsergänzungen mit Zink eine einfache, kostengünstige Möglichkeit, die Versorgung bei Bedarf zu verbessern. Über andere Maßnahmen der Zinkversorgung, z. B. die Anreicherung von Nahrungsmitteln und Gewürzen oder auch Biofortifikation (Erhöhung der Zinkdichte in Getreidekörnern), wird weiter geforscht.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Erstmals wurde die Bedeutung des Zinkmangels aus einer breiteren Perspektive beleuchtet, angefangen von seiner bekannten Rolle beim Wachstum von Kindern über Infektionen bis zu seiner Schlüsselrolle bei der zunehmenden globalen Belastung durch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen.

 

Quelle
Nicola M. Lowe et al., Preventing and Controlling Zinc Deficiency Across the Life Course: A Call to Action. In: Advances in Nutrition, online 17.2.2024, doi: 10.1016/j.advnut.2024.100181.


Gesund essen in Deutschland − oft mehr Wunsch als Wirklichkeit

 

Eine gesunde Ernährung fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden. Ob und wie die tatsächliche Ernährung dies erfüllt, das prüft die Techniker-Krankenkasse in regelmäßigen Abständen in repräsentativen Umfragen. Die aktuellen Ergebnisse der jüngsten Umfrage zu „Iss was, Deutschland!“ liegen vor und zeigen: Lecker soll das Essen vor allem sein − und natürlich auch gesund.

 

In der TK-Ernährungsstudie wurden bundesweit 1.704 Erwachsene ab 18 Jahren im Mai 2023 ausführlich zu ihrer Ernährung und dem Trinkverhalten befragt: Lecker und gesund soll es vor allem sein. Der Genuss ist für 99 % der Befragten das Wichtigste beim Essen. Immerhin legen 92 % auch Wert auf eine gesunde und 77 % auf eine nachhaltige Ernährung. Der Verzehr von biologischen, saisonalen Produkten und regionaler Erzeugung ist für 77 % der Befragten sehr wichtig. Fragt man jedoch näher nach der gewohnten Ernährung, dann wird deutlich, dass vieles an diesen positiven Aussagen oft mehr Wunsch als Wirklichkeit ist. Eine gesunde Ernährung wird jedenfalls im Alltag nicht regelmäßig bzw. viel zu selten umgesetzt.

 

Auch wenn seit langem bekannt ist, dass eine pflanzliche Ernährung sehr gesund ist, so bleibt der Verzicht auf Fleisch für die meisten Menschen eine Ausnahme. 78 % der Befragten essen regelmäßig Fleisch, 73 % tun dies mehrmals pro Woche. Zwar ist der Anteil der regelmäßigen Fleischesser im Vergleich zur Befragung von 2017 um 6 % gesunken, doch insgesamt nach wie vor zu hoch. Wenig Fleisch und überwiegend pflanzlich ernähren sich 17 % der Bevölkerung, 2 % sind Pescatarier, essen kein Fleisch, jedoch Fisch und andere tierische Produkte wie Milch und Eier. 2 % ernähren sich komplett vegetarisch und nur 1 % ernährt sich vegan. Frauen bevorzugen stärker eine pflanzliche Ernährung, jede vierte ernährt sich überwiegend vegetarisch, bei den Männern tut das nur jeder Zehnte. Viel zu wenig Menschen essen außerdem täglich frisches Obst und Gemüse, was allgemein von Frauen stärker bevorzugt wird.

 

Dabei gibt es Unterschiede in den Altersgruppen. Von den 18- bis 39-Jährigen essen nur 49 % täglich Obst und Gemüse, bei den 40-bis 59-Jährigen sind es 56 %, am besten schneiden die über 60-Jährigen mit 70 % ab. Insgesamt essen 69 % der Frauen und nur 49 % der Männer täglich Obst und Gemüse, das heißt rund 40 % der Menschen essen weniger pflanzliche Kost als empfohlen. Einige Defizite gibt es auch bei den Getränken. Ein Teil der Frauen (33 %) und der älteren Menschen ab 60 Jahren (42 %) trinken zu wenig. Sie kommen nicht auf die empfohlenen 1,5 Liter an Wasser oder anderen kalorienfreien Getränken pro Tag.

 

Bei der Nachhaltigkeit der Ernährung liegen Wunsch und Wirklichkeit recht deutlich auseinander. 60 % finden es schwierig zu erkennen, welche Produkte nachhaltig sind oder empfinden sie als zu teuer. Für knapp ein Drittel spielt die Nachhaltigkeit eine eher geringe Rolle, sie glauben nicht, dass man durch das persönliche Essverhalten etwas damit bewirken kann. Die Nachhaltigkeit ist ihnen in der Ernährung daher nicht so wichtig, oder sie geben an, dass in ihrer Umgebung die Möglichkeiten fehlen, nachhaltige Produkte zu kaufen. 2020 wurde in Deutschland der NutriScore eingeführt, er gibt mit einer Kategorie von A (am besten) bis zu E (am schlechtesten) den Nährwert von industriell verarbeiteten Lebensmitteln an, ist jedoch noch nicht bei allen Fertigwaren angegeben. Die Beachtung des NutriScores könnte beim Einkauf die gesündere Auswahl von Lebensmitteln unterstützen. Doch bisher nutzen nur 38 % der Befragten hin und wieder oder häufig den NutriScore, 59 % kannten ihn nicht. Auf die Frage, was denn die einzelnen Personen von einer gesünderen Ernährung abhält, wurden mehrere Gründe genannt. Dazu gehören vor allem die fehlende Zeit und Ruhe, das Durchhaltevermögen sowie die Probleme bei der Vereinbarung von einer gesunden Ernährung mit dem Beruf.

 

Schon seit Jahren machen Ernährungsfachleute immer wieder darauf aufmerksam: Viele Deutsche essen regelmäßig zu viel, zu fett, zu süß und zu ungesund. Das gilt für zu hohe Anteile von industriell stark verarbeiteten Produkten (Fertig-, Wurstwaren, Snacks, zuckerhaltige Getränke etc.). Zu den langfristigen Folgen gehören Übergewicht (ab BMI 25) oder gar Adipositas (ab BMI 30) sowie von der Ernährung abhängige Krankheiten. Dazu gehören z. B. der Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland ist übergewichtig oder gar adipös, das zeigen die Ergebnisse offizieller Körpermaß-Untersuchungen. In der TK-Ernährungsstudie schätzten sich jedoch nur 31 % der Befragten als übergewichtig ein. Im Rahmen dieser Befragung wurden die Teilnehmer nicht gewogen. Es bleibt zu vermuten, dass so manch einer sich seines tatsächlichen Übergewichts nicht bewusst ist.

 

Insgesamt spiegelt sich im Alltag vieler Menschen in Deutschland der Wunsch nach einem leckeren, gesunden und nachhaltigen Essen noch zu wenig wieder. Zu den beliebtesten Gerichten gehören immer noch die bürgerliche Hausmannskost und viele Nudelgerichte, die meist reichlich Fett und Kohlenhydrate enthalten. Nach wie vor beliebt ist auch der Griff zu Süßigkeiten, Chips und anderen Snacks. Das Motto der Studie „Iss was Deutschland“ sollte künftig von mehr Menschen weiter gefasst werden: Iss was (Gesundes), Deutschland!

 

Unser Tipp: 

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung versorgt mit vielen wichtigen Mikronährstoffen, die für gute Körperfunktionen wichtig sind und präventiv wirken können. Bei Bedarf können Nahrungsergänzungen die Versorgung unterstützen, einzeln oder mit komplexen Formeln von Mikronährstoffen für verschiedene Bedürfnisse.

 

Quelle:
Techniker-Krankenkasse (Herausgeber), Iss was, Deutschland!, 2023.


Nahrungsergänzungen stärken kognitive Leistungen im Alter

 

Im höheren Alter verringern sich das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten. Viele Mikronährstoffe beeinflussen mit ihren komplexen Wirkungen auch die Gehirnfunktionen. Eine gute Versorgung mit den für das Gehirn besonders wichtigen Mikronährstoffen kann die kognitiven Leistungen im Alter verbessern und degenerative Prozesse verlangsamen.

 

Kognitive Beeinträchtigungen und Demenz-Krankheiten sind durch eine immer älter werdende Bevölkerung weltweit ein wachsendes Problem, Tendenz weiter steigend. Die Demenz ist ein Syndrom, zu dem viele Formen und Symptome gehören. Sie ist durch fortschreitende kognitive Beeinträchtigungen und abnehmende funktionelle Fähigkeiten gekennzeichnet, die häufig von Verhaltens- und psychologischen Symptomen begleitet werden. Am weitesten verbreitet sind vaskuläre (die Gefäße betreffende), kognitive Beeinträchtigungen und die Alzheimer-Krankheit. Die Krankheit belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Familien, Pflegekräfte und das Gesundheitssystem. Daher ist die Suche nach wirksamen Interventionen, die den Abbau kognitiver Leistungen im Alter verhindern, verzögern oder verbessern, sehr wichtig. Sie könnten auf ein komplexes Spektrum einwirken, zu dem vaskuläre Probleme, Störungen in der Blut-Hirn-Schranke, Regulierung des zerebralen Blutflusses und die Entsorgung zellulärer Abfallstoffe im zentralen Nervensystem etc. gehören. Weiter können freie Radikale u. a. auf Neuronen einwirken, sie schädigen oder gar zerstören und so zur Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen.

 

Darüber hinaus spielen Entzündungen des Nervengewebes (Neuroinflammation), Schädigung der weißen Gehirnsubstanz und neuronale Störungen im Stoffwechsel etc. eine wichtige Rolle bei der Entwicklung kognitiver Beeinträchtigungen und Demenz. Medikamentöse Therapien zeigen einen gewissen Nutzen, können aber den komplexen kognitiven Abbau nicht vollständig auffangen. Das führte zu einem großen Interesse an alternativen Möglichkeiten, u. a. an diätetischen Maßnahmen und Nahrungsergänzungen, um die kognitiven Leistungen im Alter zu fördern. Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des Gehirns, ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wurde mit kognitiven Beeinträchtigungen verbunden. Ernährungs-Mängel kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor, sie sind vor allem auf eine unzureichende Ernährung, verminderte Absorption oder auf Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen. Eine Gruppe von Forschern aus Ungarn und den USA stellten in einem Review die aktuellen Kenntnisse zur Wirksamkeit verschiedener Nahrungsergänzungen auf die kognitiven Funktionen vor. Sie betreffen z. B. das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, den Neuroschutz und die mögliche Risikosenkung oder verzögerte Entwicklung einer Demenz. Die Ergebnisse einiger Studien deuteten auf ein komplexes Zusammenspiel zwischen Mikronährstoffen und der kognitiven Gesundheit hin.

 

Einige Nahrungsergänzungen zeigten vielversprechende Ergebnisse, andere eher begrenzte oder kontextabhängige Wirkungen. Geprüft wurde auch die Bedeutung von Dosierungen, Bioverfügbarkeit und individuelle Unterschiede, ebenso die Sicherheit der Einnahmen und mögliche Wechselwirkungen mit konventionellen Therapien. Einbezogen waren vor allem die B-Vitamine, Antioxidantien, Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren.

 

Studien zu den B-Vitaminen zeigten bereits die positiven Wirkungen von Folsäure, B12 und B6 bei der Erhaltung der kognitiven Funktionen. Die aktuelle Auswertung ergab, dass Ergänzungen von B-Vitaminen allein oder in Kombination mit Magnesium, den Vitaminen D und C und der Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) bei gesunden Erwachsenen das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten signifikant verbessern können. Das galt vor allem, wenn Magnesium und antioxidative Vitamine einbezogen wurden. Zu den wichtigsten Antioxidantien gehören die Vitamine A, C und E, Mineralien wie Selen, Chrom und Zink sowie pflanzliche Substanzen wie Carotinoide, Flavonoide, Polyphenole und Lignane. Sie schützen vor freien Radikalen und tragen zu gesunden Funktionen in den kognitiven Prozessen bei. Eine gute Versorgung bzw. die Ergänzung von Vitamin D kann vermutlich mit dazu beitragen, Demenz-Krankheiten vorzubeugen und die kognitiven Funktionen zu verbessern, auch wenn die Ergebnisse dazu bisher nicht einheitlich sind.

 

Die konsequente Einnahme von Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen kann ebenfalls die kognitiven Fähigkeiten verbessern und präventiv wirken. Neben ihrer zentralen Rolle für die Immunfunktionen haben sie das Potenzial, das Gedächtnis zu verbessern und das Risiko chronischer degenerativer Erkrankungen wie Alzheimer und Störungen der Aufmerksamkeit zu verringern. Eine Studie zeigte z. B., dass Patienten, die täglich 1 g Fischöl (DHA, EPA) erhielten, entweder allein oder in Kombination mit Vitamin E und Carotinoiden, ihr Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Stimmung verbesserten sowie signifikant weniger Fehler bei Gedächtnisaufgaben machten.

 

Bei Nahrungsergänzungen für die kognitive Gesundheit sollten individuelle Faktoren berücksichtigt werden, da es keine „Einheitslösung“ für alle gibt. Einbezogen werden sollte die geeignete Auswahl der Substanzen, die Dosierung und Dauer der Anwendung. Sie hängen u. a. von Alter, Geschlecht, Ernährung, Lebensstil, Stress und der Körperaktivität ab. Männer und Frauen haben einen unterschiedlichen Bedarf an (Mikro-)Nährstoffen. Starker Stress kann dazu führen, dass bestimmte Mikronährstoffe schneller verbraucht werden, z. B. die B-Vitamine und Vitamin C, dann könnten höhere Dosen effektiver sein. Aktive Menschen haben eine erhöhte Stoffwechselrate und könnten einige Mikronährstoffe und Antioxidantien mehr benötigen, um dem erhöhten oxidativen Stress durch körperliche Anstrengungen entgegenzuwirken. Vegetariern und Veganern fehlen häufiger Vitamin B12, Eisen und Omega-3-Fettsäuren, die in tierischen Produkten enthalten sind. Hinzu kommt, dass einige Medikamente bestimmte Vitamine stärker verbrauchen. Solche Defizite bzw. ein erhöhter Bedarf an Mikronährstoffen können mit Nahrungsergänzungen ausgeglichen werden. Mit Bluttests lässt sich die Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen prüfen und bei Bedarf anpassen. Hohe Dosen sollten dabei nur nach therapeutischer Empfehlung eingenommen werden. Hochwertige Nahrungsergänzungen aus seriösen Quellen sollten bevorzugt werden, um die Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse der umfassenden Analyse unterstreichen die tiefgreifende Bedeutung von Nahrungsergänzungen für die Erhaltung der kognitiven Gesundheit, besonders im Alter. Vitamine, Mineralien, Antioxidantien, pflanzliche Substanzen wie Polyphenole und Carotinoide sowie Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für die Aufrechterhaltung und Verbesserung der kognitiven Funktionen. Sie tragen dazu bei, das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und allgemein die Gehirnfunktionen zu verbessern. Ihre antioxidativen Eigenschaften sind entscheidend für die Bekämpfung von oxidativem Stress, der ein Schlüsselfaktor für den altersbedingten kognitiven Abbau ist. Die Vitamine B, C, D und E leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit des Gehirns, indem sie die Synthese der Neurotransmitter unterstützen, vor neuronalen Schäden schützen und die Regulierung der Stimmung fördern. Mineralien wie Magnesium, Eisen, Selen, Zink und Kupfer sind ebenfalls wichtig, da sie eine Rolle bei verschiedenen Gehirnfunktionen spielen und vor dem kognitivem Abbau schützen.

 

Die Rolle von Nahrungsergänzungen bei der Erhaltung und Verbesserung der kognitiven Funktionen im Alter kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Auch wenn sich das Verständnis ihrer genauen Mechanismen weiter entwickelt, sprechen die derzeitigen Erkenntnisse eindeutig für die Aufnahme dieser Mikronährstoffe in eine ausgewogene Ernährung oder als Teil einer gezielten Ergänzungs-Strategie. Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der Ernährung, Nahrungsergänzungen, körperliche Aktivität, geistiges Engagement und einen gesünderen Lebensstil verbindet, verbessern sich die Aussichten auf ein längeres, gesünderes und erfüllteres Leben in den späteren Jahren des Lebens.

 

Unser Tipp:

Für die Stärkung der Gehirnfunktionen stehen eine Reihe von Nahrungsergänzungen zur Verfügung, einzeln und kombiniert. Dazu gehören z. B. die B-Komplex-Vitamine und die Antioxidantien. Auf eine gute Qualität von Nahrungsergänzungen sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Mónika Fekete et al., Improving Cognitive Function with Nutritional Supplements in Aging: A Comprehensive Narrative Review of Clinical Studies Investigating the Effects of Vitamins, Minerals, Antioxidants, and Other Dietary Supplements. In: Nutrients, online 15.12.2023, doi: 10.3390/nu15245116.


Selen beim Schwangerschaftsdiabetes

 

In der Schwangerschaft kann ein Diabetes entstehen, mit Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind. Zu den beeinflussenden und veränderlichen Risikofaktoren gehört die Ernährung. Dabei spielt die gute Versorgung mit Selen eine wichtige Rolle, wie eine neue Studie zeigt.

 

Der Schwangerschaftsdiabetes ist eine Störung im Stoffwechsel mit erhöhten Glukose-Konzentrationen, der die Gesundheit von Mutter und Kind beeinträchtigt. Zu den Symptomen gehören u. a. vermehrte Infekte der Harnwege oder Entzündungen der Scheide, erhöhtes Fruchtwasser, übermäßige Gewichts- und Größenzunahme des Fötus und der Bluthochdruck. Der Schwangerschaftsdiabetes tritt weltweit relativ häufig auf, bis zu 20 % der Schwangeren sind betroffen. Die Frauen und ihre Kinder haben danach außerdem ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Davon abgegrenzt wird der Diabetes, von dem einige Schwangere bereits vorher betroffen waren. Zu den Risikofaktoren gehören das Alter, Übergewicht und Adipositas (BMI ab 30) sowie der Lebensstil. Eine wichtige Rolle spielt die Ernährung, einschließlich der Versorgung mit in der Schwangerschaft besonders wichtigen Mikronährstoffen. Bei den Mineralien ist z. B. die gute Versorgung mit Jod und Eisen in dieser Zeit sehr wichtig, dagegen sind die Funktionen von Selen bisher nur unzureichend geklärt. Man weiß, dass der Selen-Status der Mutter im Lauf der Schwangerschaft sinkt, bedingt durch das zunehmende Plasma-Volumen und den steigenden Bedarf an Selen beim Fötus.

 

Einige Studien zeigten, dass Selen-Ergänzungen in der Schwangerschaft z. B. dazu beitragen können, einige Störungen (z. B. Schilddrüsenentzündung und -unterfunktion, Präeklampsie) zu verringern. Ob und wie Selen beim Schwangerschaftsdiabetes eine Rolle spielt, das ist bisher nicht genau geklärt. Bekannt ist, dass die Krankheit auch mit einem erhöhten oxidativen Stress verbunden ist. Das deutet darauf hin, dass Selen und die Selenoproteine mit ihren antioxidativen Funktionen eine Rolle spielen könnten. In experimentellen Studien hatte man festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem erhöhtem Selenoprotein P (Selen-Transportprotein) und einer erhöhten Insulinresistenz gibt. Für die Beziehung zur Schwangerschaft gibt es dazu bisher nur wenige, nicht schlüssige Untersuchungen. Ein Forscherteam aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden prüfte daher Selen in Bezug zur Schwangerschaft und zum Schwangerschaftsdiabetes in einer Studie. Sie nutzten drei Biomarker für den Selen-Status, Gesamt-Selen im Serum, Selenoprotein P und die Aktivität des Enzyms GPx3 (Glutathion-Peroxidase 3), das zum Schutz vor dem oxidativen Stress in den Zellen beiträgt. Die Bewertung des Selen-Transports durch Selenoprotein P aus der Leber und die periphere Selen-Versorgung durch die GPx3-Aktivität aus der Niere, die beim Selen-Mangel ein relevanter Marker ist, geben zusätzliche Einblicke in den Selen-Status. Bestimmt wurden außerdem Marker für den Schwangerschaftsdiabetes, darunter z. B. HOMA-IR (zur Bestimmung der Glukose-Insulin-Homöostase) und ein oraler Glukosetoleranztext (weist eine gestörte Glukoseverwertung nach). Untersucht wurden außerdem das Geburtsgewicht und die Größe der neugeborenen Kinder, da erhöhte Werte zu den Folgen des Schwangerschaftsdiabetes gehören.

 

In die Studie einbezogen waren 1.346 schwangere Frauen, die an einer dänischen Bevölkerungsstudie, der Odense Child Cohort Study (von 2010 bis Ende 2012) beteiligt waren. Bei allen Frauen wurden die Konzentrationen von Serum-Selen, Selenoprotein P und die Aktivität von GPx3 in der späten Schwangerschaft gemessen. Bestimmt wurden weiter die Werte von Nüchtern-Glukose und Insulin in der späten Schwangerschaft, auch der HOMA-IR-Wert wurde geprüft. Von 946 Frauen standen außerdem Informationen über den Selen-Status in der frühen Schwangerschaft zur Verfügung. Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes entsprach dem von der WHO 2013 festgelegten Schwellenwert (Nüchtern-Plasma-Glukose ≥5,1 mmol/L). Eine Untergruppe der Frauen nahm außerdem an einem oralen Glukosetoleranztest teil. Es zeigte sich eine Verbindung der drei Selen-Biomarker zum Schwangerschaftsdiabetes, zur Insulinresistenz und zu einem erhöhten Geburtsgewicht der Kinder. Selen und Selenoprotein P nahmen in der Schwangerschaft deutlich ab.

 

Ein stärkerer Rückgang der Selen-Biomarker war mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und einem höheren HOMA-IR-Wert verbunden. Die Verbindungen waren dosisabhängig und unabhängig von den etablierten Risikofaktoren für den Schwangerschaftsdiabetes. Das galt besonders für eine niedrige Aktivität von GPx3 in der frühen und späten Schwangerschaft. Dies war unabhängig verbunden mit einem höheren Risiko für den Schwangerschaftsdiabetes, einem höheren HOMA-IR-Wert, Nüchternglukose und dem oralen Glukosetoleranztest. Eine niedrige GPx3-Aktivität erhöhte in der späten Schwangerschaft das Risiko für ein höheres Gewicht und Größe der Kinder bei der Geburt, was zum Teil durch die Konzentration der Nüchternglukose-Werte vermittelt wurde.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Ein niedriger Selen-Gehalt im Serum während der Schwangerschaft ist unabhängig von den bisher bekannten Risikofaktoren mit dem Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und einem Einfluss auf das Gewicht und die Größe der Kinder bei der Geburt verbunden. Das gilt vor allem für die Aktivität des Enzyms GPx3. Zusätzlich zum Blutzucker-Screening im Rahmen der Schwangerenvorsorge könnte die Bestimmung der Selenwerte sinnvoll sein. Damit könnten Frauen mit einem hohen Risiko für den Schwangerschaftsdiabetes besser erkannt werden, die von Selen-Ergänzungen profitieren könnten.

 

Unser Tipp: 

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an vielen Mineralien und Vitaminen, Ergänzungen können gegebenenfalls die Versorgung verbessern. Das gilt auch für Selen, das in verschiedenen Formen zur Verfügung steht. Schwangere sollten Mikronährstoffe nur nach therapeutischer Empfehlung einnehmen. Auf eine gute Qualität und Bioverfügbarkeit sollte bei der Ergänzung von Mikronährstoffen in dieser Zeit besonders geachtet werden.

 

Quelle:
Kamil Demircan et al., Serum selenium, selenoprotein P, and glutathione peroxidase 3 during early and late pregnancy in association with gestational diabetes mellitus: Prospective Odense Child Cohort. In: The American Journal of Clinical Nutrition, online 7.10.2023, doi: 10.1016/j.ajcnut.2023.09.025.


Zur Zeit ist nicht genau geklärt, ob der Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln mit höheren Vorkommen von mehreren chronischen Krankheiten verbunden ist.

 

Zur Zeit ist nicht genau geklärt, ob der Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln mit höheren Vorkommen von mehreren chronischen Krankheiten verbunden ist. Forscher überprüften in einer Studie diesen Zusammenhang.

 

In den letzten zwei Jahrzehnten nahm die Zahl von Menschen, die mehr als eine chronische Krankheit (Multimorbidität) haben, in vielen Ländern stark zu. In Europa sind rund 50 Millionen Menschen von der Multimorbidität betroffen, die als das gleichzeitige Auftreten von mindestens zwei chronischen Krankheiten bei einer Person definiert wird. Das kann z. B. Krebs- und Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie den Typ 2 Diabetes betreffen. Die Multimorbidität kann zu verminderter Lebensqualität, verschiedenen Behinderungen und zur Einbuße von Funktionen führen. Um diese Entwicklung zu verringern, ist es wichtig, vermeidbare Risikofaktoren der Multimorbidität zu erkennen. Dazu gehört ein ungesunder Lebensstil ebenso wie eine schlechte Ernährung mit einem hohen Anteil an industriell hergestellten, stark verarbeiteten Fertigprodukten, z. B. Tiefkühl-Pizzen, Instant-Suppen, Kartoffelchips, Softdrinks etc. Weltweit hat das Angebot und der Verzehr von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln zugenommen. In einigen Ländern haben sie bereits einen Anteil von 50 bis 60 % an der täglichen Energiezufuhr erreicht.

 

Frische oder minimal verarbeitete Lebensmittel werden zunehmend weniger gegessen. Das wirkt sich langfristig negativ auf die Gesundheit aus. Ultrahochverarbeitete Lebensmittel enthalten eine Reihe dekonstruierter und modifizierter Bestandteile, die mit einer Vielzahl von Zusatzstoffen kombiniert werden. Sie sind z. B. in fertigen Frühstücksflocken, Keksen, rekonstituierten Fleischprodukten (Formfleisch), Instant-Nudeln sowie in alkoholfreien und/oder gesüßten, kohlensäurehaltigen Getränken enthalten. Bei häufigerem Verzehr besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Typ 2 Diabetes und Krebs. Beobachtet wurden auch stärkere Gewichtszunahmen und ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit, ab BMI 30), die mögliche Risikofaktoren für die Multimorbidität sind. Eine Gruppe europäischer Forscher führte eine Studie durch, um die Beziehung zwischen der Gesamtaufnahme an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln und dem Risiko für chronische Krankheiten und der Multimorbidität zu untersuchen.

 

An dieser Bevölkerungsstudie waren rund 267.000 Menschen (60 % Frauen) beteiligt, die zu Beginn weder an Krebs, noch an Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Typ 2 Diabetes litten. Sie waren in sieben Ländern, in Italien, Spanien, Großbritannien, in den Niederlanden, Deutschland, Schweden und Dänemark an der EPIC-Gesundheitsstudie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) beteiligt. Bei allen wurden anfangs die im letzten Jahr verzehrten Lebensmittel und Getränke anhand von Befragungen zur Häufigkeit des Verzehrs erfasst und nach dem Grad ihrer Verarbeitung eingestuft. Die Teilnehmer wurden im Durchschnitt rund 11 Jahre in ihrer Gesundheit beobachtet. In dieser Zeit traten in dieser großen Gruppe knapp 22.000 Krebskrankheiten, 11.000 Herz-Kreislauf-Krankheiten und 11.300 Typ 2-Diabetes-Fälle auf.

 

Bei knapp 4.500 Teilnehmern entwickelte sich eine Multimorbidität mit Krebs- und kardiometabolischen Krankheiten. Sie wurden in Beziehung zum Verzehr an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln gesetzt. Im Durchschnitt betrug dieser Anteil 34 % bei den Männern und 32 % bei den Frauen. War der Anteil höher, so stieg das Risiko für die Multimorbidität an (HR 1,09), das galt für jede Standard-Abweichung von 260 g täglich ohne alkoholische Getränke. In Untergruppen zeigten sich deutliche Beziehungen für Fleisch- und Wurstwaren sowie für mit Zucker, einschließlich Zuckerersatz, gesüßte Getränke. Auch Soßen, Brotaufstriche und Würzmittel konnten zum Multimorbiditäts-Risiko beitragen, jedoch in geringerem Maß. Dagegen war der Verzehr von ultraverarbeiteten Broten, Cerealien und pflanzlichen Alternativen nicht mit einem erhöhten Multimorbiditäts-Risiko verbunden. Sie konnten das Risiko leicht, jedoch nicht signifikant (HR 0,97) verringern.

 

Die Mechanismen, durch die ultrahochverarbeitete Lebensmittel das Risiko chronischer Krankheiten und der Multimorbidität beeinflussen können, sind nicht vollständig erforscht. Eine Erklärung wäre ihre Auswirkung auf erhöhte Gewichtszunahmen. Die Adipositas ist ein wichtiger Risikofaktor für Morbidität und kann die Entwicklung multimorbider Krankheiten einleiten und fördern. Viele ultrahochverarbeitete Lebensmittel haben reichlich Kalorien und eine weiche Textur, so dass sie weniger gekaut werden müssen, was die Sättigungssignale verzögert. Eine Ernährung mit hohen Anteilen an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln wird mit einer geringeren Ernährungsqualität verbunden. Sie enthalten z. B. geringere Mengen an Ballaststoffen und Vitaminen bei einem höheren Gehalt an Zucker und gesättigten Fettsäuren. Vermutlich gibt es weitere Merkmale, die zur Multimorbidität beitragen können. Dazu gehören z. B. Veränderungen der Lebensmittelmatrix, der Einsatz von Lebensmittelzusatzstoffen in der Verarbeitung (z. B. Aspartam) und Verunreinigungen aus dem Verpackungsmaterial (z. B. Bisphenol A). Jeder dieser Faktoren kann sich auf endokrine Signalwege oder das Darm-Mikrobiom auswirken und zu einem späteren Krankheitsrisiko beitragen.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Fazit: Ein häufiger Verzehr von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln wurde in dieser Studie mit einem höheren Risiko für Multimorbidität bei Krebs und kardiometabolischen Krankheiten verbunden. Das betrifft vor allem den Verzehr von künstlich und mit Zucker gesüßten Getränken, Produkten auf tierischer Basis sowie Soßen, Brotaufstriche und Würzmittel. Der häufige Verzehr solcher Lebensmittel kann zu ungünstigen Prognosen bei Krankheiten beitragen, indem sie das Risiko der Multimorbidität erhöhen.

 

Unser Tipp: Bei multimorbiden Krankheiten ist die Versorgung mit vielen wichtigen Mikronährstoffen oftmals zu gering. Sie können bei Bedarf ergänzt werden, dies sollte jedoch durch in Ernährung und Medizin geschulte Fachleute auf den individuellen Bedarf abgestimmt werden.

 

Quelle:
Reynaldo Cordova et al., Consumption of ultra-processed foods and risk of multi morbidity of cancer and cardiometabolic diseases: a multinational cohort study. In: The Lancet Regional Health Europe, online 13.11.2023, doi: 10.1016/j.lanepe.2023.100771.


Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Wirkungen. Eine gute Versorgung könnte Patienten mit Arthrose unterstützen.

 

Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Wirkungen. Eine gute Versorgung könnte Patienten mit Arthrose unterstützen. In einer Studie wurde der Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf die Symptome und Gelenkfunktionen bei Arthrose geprüft.

 

Arthrose ist weltweit die häufigste degenerative Gelenkerkrankung, die vor allem durch langjährige Überlastungen entsteht. Sie verändert die Knorpel- und Knochenstruktur in den Gelenken, besonders häufig sind die Knie sowie die Hüft- und Handgelenke bei Menschen im höheren Alter betroffen. Damit verbunden sind Einschränkungen in der Bewegung und Schmerzen, zum Teil auch Gelenkergüsse und -schwellungen sowie Behinderungen. Mit der steigenden Zahl älterer und übergewichtiger Menschen nahmen die Vorkommen von Arthrose in den letzten Jahrzehnten zu. In Deutschland sind rund fünf Millionen der älteren Menschen davon betroffen. Für die Therapie stehen einige Medikamente zur Verfügung, z. B. Schmerzmittel und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs). Damit sind vor allem bei langzeitigen Einnahmen möglicherweise auch einige Nebenwirkungen verbunden. Hinzu kommt, dass diese Medikamente bei einigen Arthrose-Patienten eher geringe Wirkungen zeigen.

 

Viele der Patienten interessieren sich daher für alternative und ergänzende Mittel zur Linderung der Symptome und zur Verbesserung der betroffenen Gelenk-Funktionen. Dazu gehören Ergänzungen von Chondroitin, Glukosamin und Hyaluronsäure. Auch die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus Fischölen, vor allem Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexansäure (DHA), wurden als wirksam für Arthrose-Patienten angesehen. Sie können systemische Entzündungs-Reaktionen und das katabole Umfeld, das den Knorpelabbau beschleunigt, verringern. Doch in einigen Studien, in denen die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren bei Arthrose-Patienten untersucht wurde, zeigten sich uneinheitliche Ergebnisse. Daher führte eine Gruppe chinesischer Forscher eine systematische Übersicht und eine Metaanalyse mit relevanten Studien durch, um den Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf die Symptome und Gelenkfunktionen von Patienten mit Arthrose zu bewerten.

 

Nach einer umfassenden Literatur-Recherche in den einschlägigen Datenbanken konnten in die Metaanalyse neun relevante (klinische, doppelblinde) Studien mit 2.070 Arthrose-Patienten einbezogen werden. Untersucht wurden der Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf die Schmerzsymptome, auf die Gelenkfunktionen sowie auf die Sicherheit der Einnahmen. Die Auswertungen zeigten, dass die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren die Arthrose-Schmerzen im Vergleich zu Placebo oder auch zu keiner Therapie deutlich lindern und die Gelenkfunktionen verbessern konnten. Dabei gab es keine größeren unerwünschten Wirkungen, jedenfalls keine Unterschiede zwischen den Omega-3- und Placebo-Gruppen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten mit Arthrose wirksam und sicher ist. Die Mechanismen, die den Vorteilen von Omega-3-Fettsäuren zugrunde liegen, könnten multifaktoriell sein, es wurden sowohl entzündungslindernde Wirkungen als auch Einflüsse auf den oxidativen Stress nachgewiesen. Weiter wurden schützende Wirkungen auf die Knorpel und Arthrose festgestellt.

 

Die molekularen Schlüsselwege, die der Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren bei Arthrose zugrunde liegen, sollten künftig weiter untersucht werden. Aus Sicht der Forscher könnte der Serumspiegel von Omega-3-Fettsäuren ein wichtiger Faktor für die Wirkung bei Arthrose sein. Bei Patienten, die ausreichend Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung durch regelmäßigen Fischverzehr (z. B. Lachs, Makrele, Sardinen etc.) aufnahmen, ist eine zusätzliche Ergänzung nicht nötig und nur begrenzt wirksam. Interessant war, dass die Vorteile der Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten unter 65 Jahren deutlicher ausfielen als bei den älteren Patienten. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass bei den Älteren die Arthrose häufiger zusammen mit anderen chronischen Krankheiten auftritt, z. B. mit Diabetes. Diese Multimorbidität könnte dazu führen, dass die Wirksamkeit der Omega-3-Fettsäuren eingeschränkt wird. Im Übrigen zeigten sich bei Analysen von Untergruppen keine bemerkenswerten Vorteile von hoch dosierten gegenüber etwas niedriger dosierten Omega-3-Fettsäuren bei den Arthrose-Patienten, was mit früheren Ergebnissen übereinstimmte.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse deuten darauf hin, dass Ergänzungen von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten mit Arthrose wirksam zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Gelenkfunktionen beitragen. Die Anwendung ist sicher, das Risiko für Nebenwirkungen erhöht sich nicht. Die Ergebnisse unterstützen die Ergänzung der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA aus Fischölen als alternative Therapie der Arthrose. Diese Beziehungen sollten in weiteren Studien, z. B. in Bezug auf die Ernährung sowie auf gut geeignete Dosen und die Dauer der Ergänzungen, untersucht werden.

 

Unser Tipp: Omega-3-Fettsäuren gibt es in verschiedenen Dosierungen und Zubereitungen, sie können daher sehr gut an individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Auf eine gute Qualität und Stabilität sollte geachtet werden.

 

Quelle:
Wen Deng et al., Effect of omega-3 polyunsaturated fatty acids supplementation for patients with osteoarthritis: a meta-analysis. In: Journal of Orthopaedic Surgery and Research 18, 381, 2023, doi: 10.1186/s13018-023-03855-w.


Mikronährstoffe für schwangere Frauen

 

In der Schwangerschaft besteht ein erhöhter Bedarf an Mikronährstoffen, um Mutter und Kind gut zu versorgen. Reicht die Ernährung nicht aus, um dies zu erreichen, können geeignete Mikronährstoffe die Versorgung verbessern. In einer spanischen Studie wurden Nahrungsergänzungen auf ihre gesundheitsbezogenen Angaben für schwangere Frauen untersucht.

 

Nahrungsergänzungen enthalten Mikronährstoffe, die mit Vitaminen, Mineralien etc. in verschiedenen Formen (z. B. Kapseln, Pillen, Pulver) angeboten werden. Sie ergänzen bei Bedarf die Ernährung und können dazu beitragen, die Gesundheit zu stärken und das Risiko für Krankheiten zu verringern. Die Einnahme ist weit verbreitet, sollte jedoch auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein, das gilt z. B. für Alter, Geschlecht, Ernährung, Krankheiten und nicht zuletzt für die Zeit der Schwangerschaft. Frauen haben dann einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen. Eine gesunde Ernährung fördert die optimale Entwicklung und das Wachstum des Fötus, da der Ernährungszustand der Schwangeren direkt die Plazenta beeinflusst. Sie ist die Hauptverbindung zum Fötus und versorgt mit den nötigen Substanzen für das Zellwachstum und die Differenzierung der Zellen.

 

Allgemein wird davon ausgegangen, dass eine gesunde Ernährung den gesamten Bedarf an Nährstoffen decken kann. Doch im Alltag ist die Ernährung nicht immer so ausgewogen, dass sie ausreichende Mengen von wichtigen Vitaminen, darunter Folsäure und die Vitamine C, D, B1, B2 und B6 sowie die nötigen Mineralien, vor allem Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink, Kupfer und Mangan etc. mit den gesundheitlichen Vorteilen liefert. Dann könnten bei einem erhöhten Bedarf wie in der Schwangerschaft die Aufnahme von Mikronährstoffen durch Ergänzungen dazu beitragen, einen Mangel zu vermeiden.

 

Die Folsäure ist wohl der wichtigste Mikronährstoff vor und während der Schwangerschaft. Ein Mangel ist mit dem Auftreten von Anämie, Komplikationen in der Schwangerschaft und schweren Gesundheitsproblemen des Fötus verbunden. Dazu können intrauterine Wachstumsrestriktionen, Frühgeburt, ein niedriges Geburtsgewicht, Neuralrohrdefekte und andere Fehlbildungen gehören. Nachgewiesen ist, dass eine angemessene Ergänzung von Folsäure (≥400 μg/Tag) vor und während der ersten Schwangerschaftswochen das Risiko von Neuralrohrdefekten beim Fötus deutlich verringern kann. Weil viele Frauen nicht genügend mit Eisen versorgt sind, kommt es weltweit bei rund 40 % der Schwangeren zum Eisenmangel, zu den Folgen kann die Anämie gehören. Die gute Versorgung mit Eisen in der Schwangerschaft ist sehr wichtig. Gleiches gilt für Kalzium, ein Mangel kann zu einem niedrigen Geburtsgewicht beitragen und sich negativ auf den Knochenmineralgehalt des Kindes auswirken.

 

Darüber hinaus wird eine niedrige Kalziumzufuhr mit dem Auftreten der Präeklampsie verbunden, eine Erkrankung in der Schwangerschaft, die Bluthochdruck und eine Proteinurie (Eiweiß im Urin) hervorruft. Eine gute Versorgung mit Kalzium kann dazu beitragen, der Präeklampsie vorzubeugen. Weiter gelten Zink und Kupfer in der Schwangerschaft als unverzichtbare Mikronährstoffe. Ein mäßiger mütterlicher Zinkmangel kann zu Veränderungen in der Proteinsynthese und Zellreplikation führen. Das kann die Entwicklung des Fötus beeinträchtigen, z. B. zu Fehlbildungen und einem niedrigen Geburtsgewicht führen. Niedrige Kupferspiegel im Serum schwangerer Frauen werden mit einem vorzeitigen Blasensprung, einer schwachen Innenschicht der Plazenta (Amnionmembran) und einem Spontanabort verbunden. Bei niedrigen Kupfer-Konzentrationen (im Serum) waren die Abortraten in einer Studie bei schwangeren Frauen signifikant höher. Auch Vitamin C wurde bei schwangeren Frauen eingehend untersucht. Vermutet wurde, dass es das Risiko für eine mütterliche Anämie und andere Komplikationen (z. B. Präeklampsie, intrauterine Wachstums-Beschränkungen) verringern könnte.

 

Für Magnesium gibt es Nachweise, dass es eine wichtige Rolle im Glukose-Stoffwechsel spielt. Niedriges Magnesium im Serum wurde mit dem Schwangerschafts-Diabetes verbunden. Magnesium könnte außerdem durch Hemmung des Enzyms Stickstoffmonoxid-Synthase zum Schutz vor Entzündungen in der Schwangerschaft beitragen. Vitamin D hat eine wichtige Rolle im Knochen-Stoffwechsel, da es Kalzium reguliert und die Phosphat-Homöostase aufrechterhält. Ein Vitamin-D-Mangel bei schwangeren Frauen, vor allem in den Wintermonaten, kann u. a. das Risiko der Präeklampsie, des Gestations-Diabetes und der Frühgeburt erhöhen. Um diesen Mangel zu vermeiden, empfiehlt z. B. die WHO die Vitamin-D-Zufuhr von 5 μg (200 IE) pro Tag für Schwangere. Die Vitamine B1, B2 und B6 sind für verschiedene Funktionen des Nervensystems wichtig. In der Schwangerschaft können sie zur Entwicklung des Gehirns und der Nerven des Fötus beitragen. Weiter könnten die Vitamine B2 und B6 das Risiko einer Präeklampsie verringern bzw. ein niedriges Geburtsgewicht verhindern.

 

Schwangere Frauen sollten über die positiven Wirkungen von Nahrungsergänzungen, über die in dieser Zeit besonders wichtigen Mikronährstoffe, angemessen informiert sein. Dazu gehört, dass gesundheitsbezogene Angaben auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Die Etiketten müssen vor Missverständnissen und Fehlinformationen schützen und klar verständlich sein. Schwangere Frauen müssen sich auf die Angaben verlassen können, um gute Entscheidungen zu treffen. Eine Gruppe spanischer Forscher prüfte den Inhalt und die Angemessenheit gesundheitsbezogener Angaben zu Mikronährstoffen in Nahrungsergänzungen für Schwangere, die in Spanien erhältlich waren. Sie checkten die Informationen zum deklarierten Nährstoffgehalt und die gesundheitsbezogenen Angaben auf den Etiketten von Nahrungsergänzungen mit Mikronährstoffen. Alle Analyse-Ergebnisse der Mikronährstoffe (Vitamin C, Folsäure, Eisen, Kupfer, Mangan, Zink, Kalzium und/oder Magnesium), die in den ausgewählten Nahrungsergänzungen enthalten waren, stimmten mit den auf den Etiketten angegebenen Werten überein und lagen innerhalb bzw. unterhalb der Toleranzbereiche, die in einem EU-Leitfaden festgelegt sind.

 

Die Forscher ziehen das Fazit: Diese Ergebnisse können interessant sein, um das Vertrauen der Verbraucher, besonders von schwangeren Frauen, in die auf der Etikettierung von Nahrungsergänzungen angegebenen Informationen und Vorteile zu stärken. Sie können ermutigen, die gesundheitsbezogenen Angaben als nützliches Instrument für besser begründete Kaufentscheidungen zu betrachten.

 

Unser Tipp: Speziell für Frauen und für die Schwangerschaft gibt es eine Reihe von empfehlenswerten Nahrungsergänzungen. Auf eine gute Qualität sollte in dieser Zeit besonders geachtet werden.

 

Quelle:
Laura Dominguez et al., Micronutrients in Food Supplements for Pregnant Women: European Health Claims Assessment. In: Nutrients, online 28.10.2023, doi: 10.3390/nu15214592.